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Full text of "Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins"

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Zeitschrift 



Geschichte des Oberrheins 



herausgegeben /.5'. X ''' 



BadJfichen historischen Kommission. 



Neue Folge. Band VII. 

[Dar (UHD B^* W. Bwd.] 




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Zeitschrift 

tta die 

Geschichte des Oberrheins. 

Neue Folge. Band VIL 



Zeitschrift 



für die 



Geschichte des Oberrheins 



herausgegeben 



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ßadischen historischen Kommission. 



Neue Folge. Band vn. 

[Der gansen Beihe 40. Band.] 



Mit fftnf Tafeln. 




Freiburg L B. 1892. 

Akademische Yerlagsbuchhandlong tob J. C. B. Mohr 

(Paol siebeck). 



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Zeitscbrift 

f&r die 

Geschichte des Oberrheins. 

Neue Folge. Band TU. 



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I 



Inhalt. 



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f 

Seite 

Die Anfönge des Klosters Selz, von Wilhelm Erben . .' .' . . 1 

Der Feldzug des Jahres 1622 am Oberrhein nach den Denkwürdig- 
keiten des Freiherm Ulysses von Salis-Marschlins , von Karl 
Ob«er 38 

Beitrage zur Geschichte der Cisterzienserabtei Schönau bei Heidel- 
berg, von HaxtmHian flnffsdimid (Schluss) 69 

Auszüge aus den Eechnungsbüchem der Camera Apostolica zur 
Geschichte der Kirchen des Bistums Strassburg 1415 — 1513, 
von il. Heister 104 

Die Gra&chaft des Albgaus, von Georg TomblUt 152 

Das Elsass zur Karolingerzeit. Nachweise zur Ortskunde und Ge- 
schichte des Besitzes der reichsländischen Vorzeit, gesammelt 
von BermaBn Lodwig von Jan (dazu Tafel I) 193 

Das achjte und neunte badische Konstitutionsedikt, aus den Akten 
des Grossh. G^ieral-Landesarchivs veröffentlicht durch Frie- 
drich ¥0B Weech 249 

Über eine Freiburgw Handschrift von Walahfrids Prolog zu Ein- 

hards Vita Karoli Magni, von Bernhard von Simson . . . 314 

Zur Biographie Jörg Wickrams von Colmar, von Engen Waldner 320 

Elsässische Studenten in H^elberg und Bologna, von finsta? 

Knod 329 

Der Marquis von Poterat und die revolutionäre Propaganda am 

Oberrhein im Jahre 1796, von Karl Obser 385 

Zur Geschichte der Burgunderkriege. Das Kriegsjahr 1475, von 

Heinrich Witte 414 

Zur Herkunft der Zähringer, von Emil Krüger (Schluss, dazu 

die Tafehi H— IV) 478 

Die Disposition der grossen Heidelberger (Manessischen) Ldeder- 

handschrift, von Aloys Schulte 542 

Strassburgs Anteil an der Erfindung der Buchdruckerkimst, von 

Karl Schorbach (dazu Tafel V) 577 

Zur Geschichte des Markgrafen Jacob HI. von Baden und Hach- 

berg, von Friedrich von Weech 656 

Über die Einführung der Kirchenbücher in Baden, von Theodor 

HttUer 701 

Zur Geschichte des Rastadter Gesandtenmordes, von Karl Obser 717 



VI 

Miscellen. 

Eine unveröffentlichte Papsturkunde vom Jahre 1154, von 

Engen Waldner 182 

Die „kalte Eirchweihe"^ in Basel, von RHdolf Wickemigel 184 

P. Gabriel Bucelinus' Herkunft, von Benedikt Ziegler . . . 560 

Boeckmann an Herder 1787, von Heinrich Fnnck .... 561 

Nochmals Matthias von Neuenburg, von Aloys Schnlte . . 724 
Ein kirchlicher Traktat des Matthäus von Erakau, von 6. Som- 

merfeldt 725 

Zur Eheschliessung im 15. Jahrhundert, von Heinrich Witte 729 

Badische Geschichtslitteratur des Jahres 1891, zusammengestellt 

von Theodor HftUer 363 

Elsässische Geschichtslitteratur des Jahres 1892, s. Band Vm. 
Litteratumotizen 185, 356, 566, 730 



Iffitteilungen der bad. historischen Kommission No. 14. 

Bericht über die X. Plenarsitzung am 6. und 7. November 

1891, erstattet von dem Sekretär der Kommission ... ml 
I. Archivalien aus Orten des Amtsbezirks Villingen, ver- 
zeichnet von dem Pfleger der bad. histor. Kommission, 

Prof. Dr. Roder in Villingen m29 

II. Archivalien aus Orten des Amtsbezirks Pfullendorf, ver- 
zeichnet von dem Pfleger der bad. histor. Kommission, 

Pfarrer Löffler in Zell a. A m34 

in. Archivalien aus Orten des Amtsbezirks Waldkirch, ver- 
zeichnet von dem ehemal. Pfleger der bad. histor. Kom- 
mission, Domkapitular Dr. Gntmann in Freiburg i. B. . m59 
rV. Archivalien des St. Andreas -Spitals in Oflfenburg, den 
Freihof in Waltersweier betreffend, verzeichnet von dem 
Pfleger der bad. histor. Kommission, Batschreiber Walter 

in Offenburg m64 

V. Archivalien aus Orten des Amtsbezirks Adelsheim, ver- 
zeichnet von dem Pfleger der bad. histor. Kommission, 

Rentamtmann Dr. Weiss zu Adelsheim m68 

VI. Archivalien aus Orten des Amtsbezirks Säckingen, ver- 
zeichnet von dem Pfleger der bad. histor. Kommission, 

Landgerichtsrat Birkenmayer in Waldshut m72 

VII. Archivalien aus Orten des Amtsbezirks Staufen, ver- 
zeichnet von den Pflegern der bad. histor. Kommission, 
Pfarrer Baur in St. Trudpert und Pfarrer Hothelfer in St. 

Ulrich und von Rndolf Hngard in Staufen ml06 

VIII. Archivalien aus Orten des Amtsbezirks Schwetzingen, ver- 
zeichnet von dem Pfleger der bad. histor. Kommission, 
Prof. A. F. Maler in Schwetzingen ml25 



vn 

Tafeln. 

1. Karte. Das Elsass (die Bezirke Ober- und ünterelsass des Reichs- 
landes Elsass- Lothringen) zur Karolingerzeit mit Angabe des 
bis zum Jahre 900 nachweisbaren Besitzes (zu S. 193 ff.). 
n. Stammtafel. Alaholfinger (zu S. 478 ff.). 

III. Stammtafel. Die Miterben der Alaholfinger (wie vor.). 

IV. Stammtafel. Die Verzweigung des Ediconenstammes (wie vor.). 

V. Schriftproben aus Gutenbergakten (zu S. 577 ff.). 



Mitarbeiter dieses Bandes der Zeitsehrift 

Ebben, Dr. Wien. 

Festes, Dr. München. 

FüNOK, Professor, (jernsbach. 

Habtfeldeb, Professor D. Dr. Heidelberg. 

HüFFSCHMTD, Oberamtsrichtcr. Gemsbach. 

VON Jan. Strassburg. 

Knod, Oberlehrer Dr. Strassburg. 

KbOgeb. Kassel. 

Mabgkwald, Dr. Strassburg. 

Meisteb» Dr. München. 

MOlleb, Dr. Karlsruhe. 

Obseb, Archivrat Dr. Karlsruhe. 

Sohobbach, Dr. Strassburg. 

Schulte, Archivrat Dr. Karlsruhe. 

VON SiMSON, üniversitätsprofessor Dr. Freiburg i. B. 

TüMBüLT, Archivsekretär Dr. Donaueschingen. 

Wackebnagel, Staatsarchivar Dr. Basel. 

Waldneb, Archivassistent Dr. Kolmar. 

VON Weech, Archivdirektor Dr. Karlsruhe. 

WiEGAND, Archivdirektor, Professor Dr. Strassijurg. 

WiNCKELMANN, Stadtarchivar Dr. Strassburg. 

Witte, Gymnasialoberlehrer Dr. Hagenau. 

ZiEGLEB, Professor Dr. Überlingen. 



Redaktion. 

Archivrat Dr. Schulte. 

Redaktionsanssehnss. 

Arcbivrat Dr. Schulte. Professor Dr. von Simson. Archivdirektor 

Dr. von Weech. Archivdirektor Professor Dr. Wibgand. 

Geh. Hofrat Professor Dr. Winkelmann. 






Zeitscbrift 

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Geschichte des Oberrheins. 

Neue Folge. Band YIL 



Zeitschrift 



für die 



Geschichte des Oberrheins 



herausgegeben r,y r* ' ' 

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Ton der 



Badisehen historischen Kommission. 



Neue Folge. Band VH 

[Der gaasen Boihe 40. Band.] 



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Freiburg L B. 1802. 

Akademische Yerlagsbuchhandlong Ton J. C. B. Mohr 

(Paul Sieteek). 



in 



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Inhalt. 



i- 



Seite 



Die Anfönge des Klosters Selz, von Wilhelm Erben . . .' . . 1 

Der Feldzug des Jahres 1622 am Oberrhein nach den Denkwürdig- 
keiten des Freiherrn Ulysses von Salis-Marschlins , von Karl 
Obser 38 

Beiträge zur Geschichte der Cisterzienserabtei Schönau bei Heidel- 
berg, von HaxtmHIan Baffsdimid (Schluss) 69 

Auszüge aus den Rechnungsbüdiem der Camera Apostolica zur 
Geschichte der Kirchen des Bistums Strassburg 1415 — 1513, 
Ton AI. ■eMer 104 

Die Gra&chaft des Albgaus, von Georg TomblUt 152 

Das Elsass zur Karolingerzeit Nachweise zur Ortskunde und Ge- 
schichte des Besitzes der reichsländischen Vorzeit, gesammelt 
Ton BermaBn Lodwig von Jan (dazu Tafel I) 193 

Das achte und neunte badische Konstitutionsedikt, aus den Akten 
des Grossh. G^eral-Landesarchivs yeröffentlicht durch Frie- 
drich ¥on Weech 249 

Über eine Freiburgw Handschrift von Walahfrids Prolog zu £in- 

hards Vita Karoli Magni, von Bernhard von Simson ... 314 

Zur Biographie Jörg Wickrams von Colmar, von Engen Waldner 320 

Elsässische Studenten in Heidelberg und Bologna, von finstav 

Knod 329 

Der Marquis von Poterat und die revolutionäre Propaganda am 

Oberrhein im Jahre 1796, von Karl Obser 385 

Zur Geschichte der Burgunderkriege. Das Kriegsjahr 1475, von 
Heinrich Witte 414 

Zur Herkunft der Zährioger, von Emil Rrftger (Schluss, dazu 

die Tafehi H— IV) 478 

Die Disposition der grossen Heidelberger (Manessischen) Ldeder- 

handschrift, von Aloys Schulte 542 

Strassburgs Anteil an der Erfindung der Buchdmckerkunst, von 

Karl Schorbach (dazu Tafel V) 577 

Zur Geschichte des Markgrafen Jacob HI. von Baden und Hach- 

berg, von Friedrich von Weech 656 

Ober die Einführung der Kirchenbücher in Baden, von Theodor 

HlUler 701 

Zur Geschichte des Rastadter Gesandtenmordes, von Karl Obser 717 



VI 

Miscellen. 

Eine unveröffentlichte Papsturkunde vom Jahre 1154, von 

Engen Waldner 182 

Die „kalte Kirchweihe^ in Basel, von RHdolf Wickemigel 184 

P. Gabriel Bucelinus' Herkunft, von Benedikt Ziegler . . . 560 

Boeckmann an Herder 1787, von Heinrich Fnnck .... 561 

Nochmals Matthias von Neuenburg, von Aloys Schnlte . . 724 
Ein kirchlicher Traktat des Matthäus von Krakau, von 6. Som- 

merfeldt 725 

Zur Eheschliessung im 15. Jahrhundert, von Heinrich Witte 729 

Badische Geschichtslitteratur des Jahres 1891, zusammengestellt 

von Theodor Hflller 363 

Elsässische Geschichtslitteratur des Jahres 1892, s. Band VHI. 
Litteraturnotizen 185, 356, 566, 730 



Iffitteilungen der bad. historischen Kommission No. 14. 

Bericht über die X. Plenarsitzung am 6. und 7. November 

1891, erstattet von dem Sekretär der Kommission ... ml 
1. Archivalien aus Orten des Amtsbezirks Villingen, ver- 
zeichnet von dem Pfleger der bad. histor. Kommission, 

Prof. Dr. Roder in Villingen m29 

II. Archivalien aus Orten des Amtsbezirks Pfullendorf, ver- 
zeichnet von dem Pfleger der bad. histor. Kommission, 

Pfarrer Löffler in Zell a. A m34 

III. Archivalien aus Orten des Amtsbezirks Waldkirch, ver- 
zeichnet von dem ehemal. Pfleger der bad. histor. Kom- 
mission, Domkapitular Dr. Gntmann in Freiburg i. B. . m59 
rV. Archivalien des St. Andreas -Spitals in Offenburg, den 
Freihof in Waltersweier betreffend, verzeichnet von dem 
Pfleger der bad. histor. Kommission, Batschreiber Walter 

in Ofienburg m64 

V. Archivalien aus Orten des Amtsbezirks Adelsheim, ver- 
zeichnet von dem Pfleger der bad. histor. Kommission, 

Hentamtmann Dr. Weiss zu Adelsheim m68 

VI. Archivalien aus Orten des Amtsbezirks Säckingen, ver- 
zeichnet von dem Pfleger der bad. histor. KommissioD, 

Landgerichtsrat Birkenmayer in Waldshut m72 

VII. Archivalien aus Orten des Amtsbezirks Staufen, ver- 
zeichnet von den Pflegern der bad. histor. Kommission, 
Pfarrer Baor in St. Trudpert und Pfarrer Hothelfer in St. 

Ulrich und von Rndolf Hngard in Staufen m 106 

VIII. Archivalien aus Orten des Amtsbezirks Schwetzingen, ver- 
zeichnet von dem Pfleger der bad. histor. Kommission, 
Prof. A. F. Maler in Schwetzingen ml25 



vn 

Tafeln. 

I. Karte. Das Elsass (die Bezirke Ober- und Unterelsass des Reichs- 
landes Elsass- Lothringen) zur Karolingerzeit mit Angabe des 
bis zum Jahre 900 nachweisbaren Besitzes (zu S. 193 ff.). 
n. Stammtafel. Alaholfinger (zu S. 478 ff.). 

III. Stammtafel. Die Miterben der Alaholfinger (wie vor.). 

IV. Stanmitafel. Die Verzweigung des Ediconenstammes (wie vor.). 

V. Schriftproben aus Gutenbergakten (zu S. 577 ff.). 



Mitarbeiter dieses Bandes der Zeitschrift 

Ebben, Dr. Wien. 

Festeb, Dr. München. 

FüNCK, Professor. Gemsbach. 

Habtfeldeb, Professor D. Dr. Heidelberg. 

HüFFSCHMiD, Oberamtsrichter. Gemsbach. 

VON Jan. Strassburg. 

Knod, Oberlehrer Dr. Strassburg. 

KbOoeb. Kassel. 

Mabckwald, Dr. Strassburg. 

Meisteb, Dr. München. 

Mülleb, Dr. Karlsruhe. 

Obseb, Archivrat Dr. Karlsruhe. 

Schobbach, Dr. Strassburg. 

Schulte, Archivrat Dr. Karlsmhe. 

VON SiMSON, üniversitätsprofessor Dr. Freiburg i. B. 

TuMBüLT, Archivsekretär Dr. Donauescbingen. 

Wackebnagel, Staatsarchivar Dr. Basel. 

Waldneb, Archivassistent Dr. Kolmar. 

VON Weech, Archivdirektor Dr. Karlsmhe. 

WiEGAND, Archivdirektor, Professor Dr. Strassburg. 

Winckelmann, Ötadtarchivar Dr. Strassburg. 

Witte, Gymnasialoberlehrer Dr. Hagenau. 

ZiEGLEB, Professor Dr. Überlingen. 



Redaktion. 

Archivrat Dr. Schulte. 

Redaktionsansschass. 

Arcbivrat Dr. Schulte. Professor Dr. von Simson. Archivdirektor 

Dr. VON Weech. Archivdirektor Professor Dr. Wiegand. 

Geh. Hofrat Professor Dr. Winkblmann. 



* * ' ■ ♦ 



Die Anfange des Klosters Selz. 

Von 

Wilhelm Erben. 



Vor Jahren hat Sickel dj^rauf hingewiesen, dass die zahl- 
reichen Diplome, welche von Otto III. dem Kloster Selz er- 
teilt wurden, eine besondere Untersuchung erfordern. ^ Obwohl 
seither die diplomatischen Schwierigkeiten zum Teil behoben 
worden sind 2), so lassen doch mancherlei Umstände eine von 
der Ausgabe getrennte Besprechung dieser Gruppe wünschens- 
wert erscheinen. Die eigentümliche Überlieferung der ottonischen 
Urkunden für Selz, von denen einige in mehrfachen, von einem 
Schreiber des Klosters hergestellten Ausfertigungen, andere in 
Nachzeichnungen weit späterer Zeit vorliegen, ferner ihre Be- 
ziehung zu einer Papsturkunde, die bisher keine zutreffende 
Beurteilung gefunden hat, machen ausführlichere diplomatische 
Erörterungen notwendig; andererseits dürfte eine Darstellung 
der einzelnen Stadien der Klostergründung auch deshalb von 
Interesse sein, weil sich hiebei mancherlei Anknüpfungen an 
die Geschichte des Hofes ergeben. So hoffe ich nicht bloss 
zur Diplomatik Otto's III., sondern auch zur Geschichte 
seiner Zeit einen Beitrag zu liefern, indem ich die Gründungs- 
geschichte von Selz zu erzählen versuche. 

Es ist meiner Arbeit zu statten gekommen, dass ich ausser 
den Aufzeichnungen und Abschriften meiner Vorgänger in der 
Diplomata- Abteilung der Monumenta Germaniae auch einen 
grossen Teil der in Karlsruhe verwahrten Originalurkunden 
für Selz benutzen konnte, als dieselben auf Ansuchen des Lei- 
ters der Diplomata- Abteilung nach Wien übersandt wurden*); 

*) Kaiserarkunden in der Schweiz S. 55. — 2) Vgl. Sickel in Eaiser- 
urk. in Abb., Text S. 291. — ») Von den Originalen und alten Kopien 

ZeiUobr. f. GMch. d. Oberrh. N. F. VII. l. 1 



2 Erben. 

ich fühle mich verpflichtet, hiefür dem Herrn Archivdirektor 
y. Weech meinen wärmsten Dank auszusprechen. Gleichzeitig 
danke ich dem Herrn Archivrat Schulte in Karlsruhe, dem 
Herrn Archivdirektor Wiegand und dem Herrn Forstmeister 
Ney in Strassburg, welche mich durch Beantwortung meiner 
Anfragen in liebenswürdigster Weise unterstützt haben. 



I. Der burgundische Besitz im Elsass. 

Die alten Beziehungen zwischen Schwaben und Burgund 
entwickelten sich zu besonderer Lebhaftigkeit, sobald durch 
die Vermählung Adelheids mit Otto I. das burgundische Königs- 
haus dem deutschen verschwägert worden war. Sowie einst 
bei der Vermählung der schwäbischen Herzogstochter Bertha 
mit Rudolf II. das schwäbische Gebiet zwischen Aar und Reuss 
mit Burgund vereint worden war, so wurde nun der burgundische 
Einfluss auf einen weiteren Teil des Herzogtums, den Elsass, 
ausgedehnt. Es wird sich verlohnen, die Nachrichten zusammen- 
zustellen, welche von den Erwerbungen des burgundischen 
Hauses im Elsass Kunde geben. 

Über die Ausstattung Adelheids bei ihrer zweiten Heirat 
ist keine Urkunde vorhanden ; es muss also dahingestellt blei- 
ben, ob sie schon damals Besitzungen im Elsass erhalten hat. 
Gewiss ist, dass Otto zu Beginn des Jahres 953 die Abtei 
Erstein, welche Kaiser Lothars Gemahlin Irmgard begründet 
hatte, seiner Schwiegermutter, der verwitweten Königin Bertha, 
zu Geschenk gab.') Dass auch Bertha's Tochter in nahen 
Beziehungen zu Erstein stand, zeigt eine erst kürzlich ge- , 
fundene Urkunde Otto's IL, durch welche den Nonnen des 
Klosters das Gut Ebersheim verliehen, vorläufig aber der 
Kaiserin Adelheid zum Nutzgenuss zugewiesen wurde. 2) Es 
ist deshalb nicht unwahrscheinlich, dass nach dem Tode der 



des ehemaUgen Selzer Archivs habe ich auf diese Weise folgende benützen 
können: DO. I. 869, DO. H. 109, DDO. HI. 36, 77, 78, 79 (2 Ex.), 80, 86, 87 
(3 Ex.), 88, 130, 137, 160 und 430, dann das D. Heinrich II. Stumpf Reg. 
1S24 und die päpstlichen Privilegien Jaffe-L. Reg. 3857 und 5326. 

1) Cont. Reginonis, SS. 1, 621; ed. Kurze 166. — «) Scheffer- 
Boichorst in dieser Zeitschr. N. F. 4, 296. 



Die Anfiuige des Klosters Selz. 3 

Königin Bertha ihre Tochter Inhaberin der Abtei geworden 
ist. Sichere Kunde von ihrem Besitz im Elsass giebt uns ein 
Diplom Otto's I. vom Jahre 968.0 Von den Gütern, welche 
Adelheid hiedurch zu freiem Eigen erhielt, lag ein Teil, der 
Hof Sermersheim in nächster Nähe des eben genannten Ebers- 
beim, an der Strasse, die von Erstein nach Schlettstadt führt; 
die übrigen. Hochfei den, Morschweiler, Schweighausen und 
Selz, sämtlich im nördlichen Elsass gelegen, bildeten einen 
grossen und nahezu geschlossenen Besitz an Zorn, Moder und 
Sauer, in dessen Mitte sich der Heilige Forst ausbreitete, der 
wohl schon damals zu dem Hofe in Schweighausen gehört hat.^) 
Weiteren Aufschluss über den Besitz der Kaiserin ver- 
danken wir einer Urkunde des Klosters Murbach, welche zwar 
in der Reihe der Kaiserurkunden mit Becht als Fälschung 
bezeichnet und eingereiht worden ist, trotzdem aber einen 
«chten und historisch verwertbaren Kern in sich birgt. ^ In 
den einem Diplom Otto's II. entnommenen Bahmen hat der 
Fälscher zwei Privaturkunden, eine Schenkung der Kaiserin 
Adelheid und einen zwischen dem Abt Beringer und dem 
Freien Gottfrid geschlossenen Tausch aufgenommen, deren 
Wortlaut überarbeitet, aber doch auf echte Privaturkunden 
des gleichen Inhalts zurückzuführen ist.^ Ist es also nicht 
wahr, dass Otto IL diese Akte bestätigt habe, so kann doch 
als historische Thatsache gelten, dass das Kloster Murbach 
von Adelheid die capella und villa in Ammersweier zu Ge- 
schenk erbalten hat, dass also auch in diesem westlich von 
Kolmar gelegenen Orte die Kaiserin begütert war. 

^) DO. I. 368. — Über das mit den gleichen Daten versehene DO. I. 
369 8. unten S. 14 Anm. 4. — *'*) Für das 11. Jahrdt. ist dieses Verhältnis durch 
das D. Heinrich IV., Stumpf Reg. 2668, bezeugt; eine Veränderung hierin 
anzunehmen, sehe ich keinen Grund ; denn auch in kirchlicher Beziehung 
hat das Gebiet des Forstes zur Pfarre Schweighausen gehört; überdies 
werden in DO. I. 368 die Wälder und Jagden ausdrücklich unter den 
Pertinenzen der geschenkten Höfe angeführt. Gegen Ney, der in seiner 
Geschichte des HeUigen Forstes (Beitr. zur Landes - u. Volkskunde von 
Elsass -Lothringen 8) S. 11 dieselbe Ansicht vertreten hat, wendet sich 
Meister, Die Hohenstaufen im Elsass S. 36 u. 58. Dass Schweighausen 
nicht zum Forste gehört hat, ist ja richtig, wohl aber wird der Forst zu 
dem königlichen Hof gehört haben. — ») DO. IL 323. — ♦) Als Beleg 
hierfür dient, dass die Orte Tagolsheim und Heidweiler richtig als in 
comitatu Liutfridi gelegen bezeichnet werden. Liutfrid war Graf im el- 
sässischen Suntgau in den Jahren 973—986 (DO. H. 51 u. DO. HL 27). 

1* 



4 Erben. 

Vielleicht noch früher als Adelheid selbst hatten ihre Brü- 
der Eonrad und Rudolf einen stattlichen Besitz im Elsass er- 
worben. Im Mai 960 wurde in einer Fürstenversammlung, 
deren Ort sich nicht mit Sicherheit ermitteln lässt, als deren 
Teilnehmer wir jedoch auch Adelheid und den Schwabenherzog 
Burchard kennen, eine Tauschhandlung zwischen König Kon- 
rad und dem Bischof Hartbert von Cur geschlossen, von 
welcher wir durch zwei Diplome Otto's I. Kunde erhalten.') 
Hartbert erhielt hiebei einige im Neckargau, Breisgau und in 
der Ortenau gelegene Güter, die Konrad wohl von seiner 
Mutter Bertha, der schwäbischen Herzogstochter geerbt haben 
mochte, und überliess hiefür dem Burgunderkönig den Besitz 
seiner Kirche im Elsass. Über die Lage des letzteren, welche 
von den genannten Urkunden nicht näher bezeichnet wird, 
unterrichten uns ältere Diplome für Cur. Was König Kon- 
rad erhielt, ist ohne Zweifel identisch mit dem zuerst in einem 
Diplom Ludwigs des Frommen erwähnten elsässischen Besitz 
der Curer Kirche, den Karl UL seinem Günstling Liutward 
von Vercelli zuwandte; nach Karls Sturz brachte die Kirche 
ihre Rechte wieder zur Geltung und Hess sich dieselben noch 
in den Jahren 952 und 953 von König Otto neuerlich ver- 
briefen.'^) Die Villa in Schlettstadt, an welche sich die Güter 
in Breitenheim und Schwobsheim, in Kientzheim und Wintzen- 
heim bei Kolmar, in Gemar zwischen Kolmar und Schlettstadt 
und in andern, heute nicht mehr bestimmbaren Orten an- 
schlössen, ist als Mittelpunkt dieses Besitzes zu betrachten; 
seine Grösse wird in dem D. Karls III. mit 150 mansi ange- 
geben ; hiezu gehörten noch die Kirchen in Schlettstadt, Kientz- 
heim und Wintzenheim.'*) Der Umstand, dass in späterer 
Zeit von diesen bedeutenden Besitzungen der Curer Kirche 
im Elsass keine Erwähnung gethan wird, berechtigt zu dem 
Schlüsse, dass sie durch jenen Tausch insgesamt in die Hände 
Konrads gelangt sind. 

1) DDO. I. 209 u. 225, über Ort und Zeit des Tausches vgl. DO. I. 
208 und Dümmler, Jahrb. Otto's I. 312 — ') Vgl. die DD. Ludwigs des 
Fr., Karls m., Amolfs (Mühlbacher Reg. 921, 1566, 1726) und DDO. I. 
157 u. 163. Unentschieden bleibt, ob die Kirche in der Zeit von 887—952 
im Besitz jener Güter gewesen ist oder nicht. Die betreffenden Worte des 
D. Amolfs sind undeutlich und vieUeicht verderbt — ') Dass das zweimal 
wiederkehrende ecclesia in DO. L 163 zu diesen Ortsnamen zu ziehen ist, 
erhellt, wie mir scheint, aus dem Vergleich mit dem D. Karls m. 



Die Anfänge des Klosters Selz. 5 

Schon ein Jahr vorher, im Juni 959, war Konrads Bruder 
Budolf Grundbesitzer im Elsass geworden. Durch königliches 
Präcept erhielt er die Höfe Kolmar und Hittenheim und mit 
Ausnahme von Brumath den ganzen elsässischen Besitz des 
wegen Hochverrats verurteilten Grafen Guntram.*) Die wohl 
zugunsten des Klosters Lorsch gemachte Exception von Bru- 
math*) lässt vermuten, dass jene konfiszierten Güter wenig- 
stens teilweise im nördlichen Elsass gelegen waren. 

Fassen wir diese Nachrichten zusammen, so geben sie das 
Bild eines ausgebreiteten Besitzes, den die drei Geschwister 
in wenigen Jahren in ihren Händen zusammengebracht hatten. 
Im Süden breitete sich derselbe von'Erstein aufwärts an bei- 
den Ufern der 111 über Schlettstadt und Kolmar bis an den 
Fuss der Vogesen; im Norden reichte er von dem Hügelland 
zwischen Zorn und Moder über den Heiligen Forst hinab bis 
in die Gegend von Selz. 

Solcher Reichtum musste der burgundischen Familie die 
einflussreichste Stellung im Lande sichern, ja ich möchte ver- 
muten, dass es sich auf seine Stellung im Elsass bezog, wenn 
Rudolf mit dem Titel des Herzogs ausgezeichnet wurde. ^) 
Es ist bekannt, dass dem Elsass, der schon in Merowingischer 
Zeit eigene Herzoge hatte*), immer eine Sonderstellung im 
Gebiet des schwäbischen Stammes gewahrt geblieben ist; zahl- 
reiche Stellen der Chroniken und Urkunden führen Allemannia 
und Alsacia, Allemanni und Alsacienses nebeneinander an.^) 
Rudolf aber konnte als Enkel Burchards L vielleicht ebenso 
gute Ansprüche auf die Herzogswürde erheben als Burchard IL, 
von dem nicht bekannt ist, in welchem Verwandtschaftsver- 
hältnis er zu seinem gleichnamigen Vorgänger gestanden hat.*) 



^) DO. I. 201. Die von Sickel angezweifelte Identität des getreuen 
Eudolf mit Adelheids Bruder hat Gisi im Anz. f. Schweiz. Gesch. 1887 
S. 128 u. 136 hinreichend erwiesen; dagegen bemerke ich ausdrücklich, 
dass mir die Ausführungen Gisi's über die Abstammung Budolfs von Liu- 
thar von Walbeck und über seine angeblichen Söhne sehr gewagt er- 
scheinen. Über Guntram vgl. jetzt Schulte in Mitth. des Inst. 10, 209 ff. 

— 2) Vgl. DO. I. 166. — 8) In DO. I. 249, DO. 11. 51 und dessen Be- 
stätigungen, in der vita s. Deicoli SS. 15, 682, sowie in der übrigens nicht 
unbedenklichen Urkunde Bertha's in den Fontes rer. Bern. 1, 272 No. 37. 

— *) Vgl. Waitz, Verf..Gesch. 2, 707. — «) Ebda. 5, 156, 167 u. 7, 104. 

— «») Dümmler, Jahrb. Otto's L 242. 



6 Erben. 

Das Todesjahr des Herzogs Rudolf ist uns nicht überliefert^ 
aber es ist wahrscheinlich, dass er nicht mehr unter den Le- 
benden weilte, als im Jahre 973 seine dem Kloster Peterlingen 
gemachten Schenkungen von Otto II. bestätigt wurden.*) 
Während der Regierung dieses Kaisers scheint ein anderer 
Enkel Burchards I., Liudolfs Sohn Otto mit dem Herzogtum 
Schwaben auch die Herrschaft im Elsass wieder vereinigt zu 
haben.*) Sicher ist dies von Otto's beiden Nachfolgern Kon- 
rad (983—997) und Hermann II. (997—1003), welche als 
Herzöge von AUemannien und Elsass bezeichnet werden.^) 
Ist somit in dem letzten Viertel des Jahrhunderts der Elsass 
sicher mit dem Herzogtum Schwaben vereinigt gewesen, so 
darf gerade die deutliche Hervorhebung dieses Verhältnisses 
in den gleichzeitigen Quellen als Beleg für eine kurz vorher 
stattgefundene Trennung geltend gemacht werden. 

Aber auch wenn Rudolfs Herzogstitel nicht die Bedeutung 
gehabt haben sollte, die ich vermute, so hatte doch das bur- 
gundische Königshaus durch seinen reichlichen Grundbesitz 
den mächtigsten Einfluss auf den Elsass gewonnen. In den 
Sechziger Jahren mochte es nicht ausgeschlossen scheinen^ 
dass sowie einst das Land zwischen Aar und Reuss, so nun 



') DO. n. 51. — ^ Hiefur spricht nicht nur die grosse Gunst, in 
welcher Otto beim Kaiser stand, sondern besonders der Umstand, dass er 
in elsässischen Pfalzen, in Erstein und Brumath, als Intervenient am Hofe 
erscheint in DDO. II. 121 , 123, 181, 192. — Unsicher ist, was der Titel 
dux Neruiorum zu bedeuten habe, den Herzog Otto in DO. n. 237 führt» 
YieUeicht ist an eine gelehrte Kombination zu denken, welche an den 
Namen Erstein (Neheristeim SS. 4, 484, vgl. Scheflfer-Boichorst a. a. 0. 
286 No. 4) anknüpfend die Bewohner des Elsass als Nervier bezeichnete; 
jedoch lege ich hierauf kein Gewicht, da auch eine Verwechslung von Ner- 
yiorum mit Noricorum nicht ausgeschlossen ist, wie sie in den Mon. Eptem. 
SS. 23, 26 vorzuliegen scheint; vgl. dagegen auch SS. 4, 517. — ^) Konrad 
erscheint als duxAlamannorum et Alsaciorum (Alsaciorum et Alemannorum) 
in DDO. III. 47 u. 130, Hermann als Alamanniae et Alsaciae dux bei Thiet- 
mar V, 2 SS. 3, 791 (ed. Kurze 108). — Wenn im 11. Jahrhundert die Her- 
zoge von Oberlothringen sich auch Herzoge von Elsass nannten (vgl. Waitz, 
a. a. 0. 5, 167), so beruht ihr Anspruch hierauf wohl in ihrer Verwandt- 
schaft mit jenem Grafen Gerhard, der in den Wirren, welche dem Tod 
Otto's ni. folgten, für Heinrich Partei ergriff und von ihm, wie Thietmar 
berichtet (V, 13 SS. 3, 796, ed. Kurze 119), eine Grafschaft des Herzogs 
Hermann erhielt (vgl. Steindorff, Jahrb. Heinrichs HI., 2, 47 Anm. 2); wahr- 
scheinlich war es der Elsass oder doch ein Teil desselben, der im Jahre 
1002 neuerdings von dem Herzogtum Schwaben losgerissen wurde. 



Die An&nge des Klosters Selz. 7 

der Elsass von dem Herzogtum Schwaben losgerissen and 
dauernd mit Burgund vereinigt werden könnte. Aber so schnell 
diese Stellung gewonnen war, so schnell ging sie verloren. 
Die Besitzungen Budolfs kamen an Peterlingen und sind in 
dessen Besitz geblieben. Was aus den von König Konrad er- 
worbenen Gütern geworden ist, ob sie vielleicht dem Haus 
der Egisheimer, welches später in der Gegend von Schlett- 
stadt reich begütert erscheint, und nach ihnen den Staufem 
zugefallen sind^i vermag ich nicht festzustellen. Besser sind 
wir über die Schicksale jener Besitzungen unterrichtet, die 
sich ia den Händen Adelheids befanden; ein grosser Teil von 
ihnen fiel dem Kloster Selz zu, kleinere, wie oben erwähnt, 
an Erstein und Murbach, der Rest aber gelangte nach man- 
cherlei Besitzwechsel in die Hände der Staufer. 



U. Gründung und Ausstattung des Klosters Selz. 

Schon in den ersten Regierungsjahren Otto*s IH. fasste 
Adelheid den Entschluss, einen Teil ihrer elsässischen Güter 
zur Gründung eines Klosters zu verwenden. Neben ihrer re- 
ligiösen Gesinnung mag hiefür die Erinnerung an zwei Kai- 
serinnen der karolingischen Zeit massgebend gewesen sein. 
Irmgard die Gemahlin Lothars I. und Richarda die Gattin 
Karls III. hatten beide aus ihren elsässischen Besitzungen 
angesehene Stiftungen errichtet, die Nonnenklöster Erstein 
und Andlau. Wollte Adelheid nicht hinter ihren Vorgänger- 
innen zurückbleiben, so wich sie doch insoferne von ihrem 
Beispiel ab, als ihre Gründung nicht für Nonnen, sondern für 
Mönche bestimmt sein sollte. Zu diesem Zwecke überliess 
sie den Hof Sermersheim, den südlichst gelegenen Teil ihrer 
elsässischen Besitzungen, dem Grafen Manegold und erwirkte 
hierüber ein königliches Präcept. Diese Urkunde ist verloren 
gegangen, aber ein späteres Diplom hat uns die Kunde von 
dem Vorgang erhalten.'^) Wahrscheinlich ist Manegold ein 



') über das Erbgut der Hfldegarde, durch welche die Staufer den 
Egisheimischen Besitz an sich brachten, vgl. Meister a. a. 0. 39 ff. — 
^ DO. in. 86: pr§dium Saramaresheim . . ob interventum carae avi^ no- 
str^ AdaUieidis videlicet imperairicis augustae a nobis antea Manegoldo 
comiti per nostram praeceptionem datum, ut inde pro sua et iUius anima 
in loco utrique melius apto monasterium üeiceret« 



8 Erben. 

Mitglied des späteren Nellenburgischen Hauses^) und identisch 
mit jenem, der im Jahre 987 zu Memleben das königliche 
Gut Baden-Baden zu Greschenk erhielt.^) Ungefähr zur selben 
Zeit ist wohl auch Sermersheim an Manegold überlassen wor- 
den; wenigstens erzählt Odilo in seiner der Kaiserin gewid- 
meten Grabschrift, dass Adelheid etwa zwölf Jahre vor ihrem 
999 erfolgten Tode den Entschluss zur Klostergründung ge- 
fasst habe. ^ Redet Odilo hiebei ausdrücklich von der Gründung 
von Selz, so darf seinen Worten nicht volles Vertrauen geschenkt 
werden. Wie lange es währte, bis Adelheids Bemühungen 
zum Abschluss kamen, mochte Odilo wissen, schwerlich aber 
war er in alle Details dei* Vorgeschichte und in alle Wand- 
lungen, welche die Pläne der Kaiserin durchzumachen hatten, 
eingeweiht. Aus der Übergabe von Sermersheim ist vielmehr 
zu schliessen, dass zunächst nicht Selz, sondern eher ein Punkt 
im mittleren Elsass für die neue Gründung in Aussicht ge- 
nommen war. Vielleicht war es eben die Wahl des Ortes, 
welche die Ausführung des Planes solange verzögerte, bis 
Manegold vom Tode ereilt wurde. Indem er noch vor seinem 
Ende der Kaiserin Sermersheim zurückgab, legte er ihr ster- 
bend die Erfüllung der gelobten Stiftung ans Herz.^) 

Es ist kein Zweifel, dass der Tod Manegolds Adelheid 
veranlasst hat, ihren Plan nun selbst in die Hand zu nehmen. 
Im Jahre 991*) war Manegold gestorben; in ehrenvollster Weise 
begleitete die Kaiserin die Leiche ihres treuen Dieners nach 

*) Vgl. Stalin, Wirtemb. Gesch. 1, 558 und Krüger in dieser Ztschrft. 
N. F. 6, 584. — 2) DO. m. 39. — ^ Epitaphium Adalheidae c. 10 (SS. 
4, 641): Ante duodecimum circiter obitus sui annum in loco qui dicitur 
Salsa urbem decrevit fieri sub libertate Romana. Dass unter urbs hier 
nichts anderes als ein EHoster verstanden werden kann, ergiebt sich aus der 
libertas Romana; vgl. hiezu Schulte in dieser Ztschrft. N. F. 6, 380. — 
*) DO. m. 86 et ille (sc. Manegoldus) morte praevenite (statt praeveniente) 
hoc minime completo ante finem vitae su§ praedictae ayi§ nostr§ (sc. 
Adelheidae) praedio praefato in illius ius reddito iuramentaria testatione 
propter deum id peragendum commendaret atque dimitteret. — ^) Der 
Zusammenhang mit den ersten Diplomen für Selz sowie der Umstand, 
dass der Bericht über Manegolds Tod und Begräbnis in den Quedlinb. 
Annalen (SS. 3, 68) unter den Ereignissen des Jahres 991 die letzte SteUe 
einnimmt, Hessen vermuten, dass Manegold gegen Ende des Jahres ge- 
storben wäre; freilich könnten dann die Angaben des liber Heremi (Jahrb. 
f. Schweizer Gesch. 10, 347) und des liber anniv. eccl. Const. (Necrol. 1, 
289) nicht auf unsem Mangold bezogen werden. 



Die Anfänge des Klosters Selz. 9 

Quedlinburg, wo der schwäbische Graf seine Buhestatte fand. 
Mit der Äbtissin von Quedlinburg, ihrer Tochter Mathilde, 
welche um dieselbe Zeit die Gründung des Nonnenklosters 
Walbeck in Angriff nahm, wird Adelheid ihre auf den Elsass 
bezüglichen Absichten beraten haben. Diese hatten, als 
Mutter und Tochter in den letzten Tagen des Jahres 991 zu 
Pöhlde weilten, schon so weit feste Gestalt gewonnen, dass 
an die Ausfertigung der ersten Diplome geschritten werden 
konnte. Als Gründungsort hatte man den Hof Adelheids in 
Selz ausersehen, einen Ort, der sich vor allen andern elsässi- 
schen Gütern der Kaiserin durch seine günstige Lage aus- 
zeichnete. Setz lag an der grossen Landstrasse, die von 
Speier nach Strassburg führte und weiterhin Franken und 
Sachsen mit dem Elsass und mit Burgund verband, und über- 
dies nahe am Ufer des Bheins, es musste also zur Anlage 
eines Marktes, aus welchem dem Kloster nicht bloss Verkehr 
und Ansehen, sondern auch reiche Einkünfte zufliessen würden, 
ganz besonders geeignet erscheinen; ausserdem ist wahrschein- 
lich die Aussicht auf Erwerbungen in Franken bestimmend 
gewesen, den nördlichsten Punkt des Elsass für die Stiftung 
zu wählen. 

Dass die Ausfertigung des königlichen Diploms, welches 
dem Kloster das Marktrecht verlieh (D. 130), erst im Juli 993 
erfolgte, thut dieser Auffassung von den Umständen, welche für 
die Wahl des Ortes massgebend waren, kaum Eintrag. Ist doch 
auch die Gründungsurkunde von Walbeck (D. 81), dessen Grün- 
dung mit jener von Selz enge verknüpft war, soviel wir zu er- 
kennen vermögen, erst im Jahre 993, vielleicht gleichzeitig mit 
der Marktverleihung für Selz vollendet worden. Indes wurden 
schon während jenes Aufenthalts zu Pöhlde mehrere Ur- 
kunden für das neue Kloster ausgestellt. Eine von diesen, 
D. 79a., kann, obwohl sie nach den überlieferten Zeitan- 
gaben zu urteilen nicht die erste gewesen ist, als die 
Gründungsurkunde bezeichnet werden ; auf Adelheids Bitte ge- 
währt der König in derselben Schutz, Immunität und Wahl- 
recht. Ungefähr gleichzeitig schenkte Otto in zwei Diplomen 
(DD. 77, 78) Güter in Franken und bestätigte in einer dritten 
(D. 80) eine Schenkung der Kaiserin. Diese verdient umso- 
mehr Beachtung, als sie erkennen lässt, wie Adelheid bemüht 
war, ihrer Stiftung in nächster Nähe ausreichenden Grund- 



10 Erben. 

besitz zuzuwenden. Die 40 Joch Landes in Ottersdorf, welche 
die Kaiserin von Regenger durch Kauf erworben und dann 
ihrem Kloster geschenkt hatte, lagen in einem Teil der Rhein- 
auen, der heute allerdings durch den Rhein von Selz getrennt 
ist, im 10. Jahrhundert aber, als der Strom sein Bett noch 
weiter östlich hatte, unmittelbar an die Selzer Marken grenzen 
musste. 

Noch im Januar 992 reiste Adelheid mit dem jungen König 
nach Frankfurt und es ist sehr wahrscheinlich, dass sie von 
hier aus etwa im Februar den Ort ihrer Stiftung besucht und 
daselbst die ersten Anordnungen für den Beginn der not- 
wendigen Bauten gegeben haben wird. Der übrige Hof mag^ 
inzwischen in der Richtung nach Aachen, wo das Osterfest 
begangen werden sollte, aufgebrochen und erst in Boppard 
von der Kaiserin eingeholt worden sein. Hier erwirkte sie 
unter Mitwirkung der einflussreichsten Räte des Königs, des 
Erzbischofs Willigis und der Bischöfe Notker und Hildibold 
drei weitere Diplome für Selz (DD. 86, 87 u. 88), welche be- 
stimmt waren, den Grundbesitz desselben in der günstigsten 
Weise zu vermehren und abzurunden. Die Ausstellung von 
D. 86 war gewiss schon zu Beginn des Jahres beabsichtigt 
gewesen; wurde doch durch sie jenes Sermersheim, welches 
einst dem Manegold zum Zwecke einer Klostergründung über- 
geben worden war und dessen Heimfall Adelheids Pläne in 
Fluss gebracht hatte, nunmehr auf Bitten der Kaiserin dem 
neuen Kloster geschenkt. Gleichzeitig mit diesem für Selz 
ziemlich entlegenen Besitz erfolgten aber auch in der Nähe 
ansehnliche Erwerbungen. Es waren die Güter in Steinweiler, 
Dierbach, Nieder- und Oberotterbach, sämtlich in dem süd- 
lichen an den Elsass grenzenden Teil des Speiergaus ge- 
legen, welche das Kloster durch die DD. 87 und 88 zu Ge- 
schenk erhielt. 

Indem Adelheid von Boppard aus mit dem Hofe nach Lo- 
thringen, von da an die französische Grenze, dann wieder 
nach Sachsen zog, nahmen ihr Interesse die politischen Ge- 
schäfte, die Verhandlungen mit Frankreich und das Erscheinen 
einer Gesandtschaft aus Italien für den Rest des Jahres 992 
vollauf in Anspruch. Auch in der ersten Hälfte des folgenden 
Jahres, während die Kaiserin, wie das Fehlen ihres Namens 
in den Urkunden erkennen lässt, von ihrem Enkel getrennt 



Die Anfänge des Klosters Selz. 1| 

wohl zumeist in Sachsen geweilt haben wird^), erfolgten 
keine neuen Verleihungen für Selz. Nichtsdestoweniger ist 
anzunehmen, dass die Angelegenheit gerade in dieser Zeit um 
einen wesentlichen Schritt vorwärts gerückt ist. Otto hatte 
seinen Rückweg von Lothringen durch den Elsass genommen; 
in Strassburg hatte er am 23. Mai 993 auf Fürbitte von 
Willigis, Hildibald und Herzog Otto den Mönchen von Weissen- 
bürg, den Nachbarn der Selzer, eine Bestätigung ihrer Be- 
sitzungen und Rechte erteilt (D. 125). Erfolgt nun am 2. Juli, 
unmittelbar nachdem der König in Merseburg mit seiner Gross- 
mutter zusammengetroffen war, die Verleihung von Markt und 
Münze an Selz (D. 130), in welcher in auffallender Weise auf 
die lokalen Verhältnisse Rücksicht genommen wird 2) und über- 
dies zum Teil dieselben Intervenienten wie in D. 125 genannt 
werden, so ist kaum zu bezweifeln, dass schon während des 
Aufenthalts in Strassburg oder vielleicht in Selz selbst, das 
der König auf seiner Reise von Strassburg nach BürgeP) 
berührt haben kann, die Verhandlungen geführt wurden, deren 
Ergebnis in Merseburg unter Anwesenheit der Kaiserin be- 
urkundet worden ist. An jenen Beratungen mag vielleicht 
auch Herzog Konrad von Elsass und Schwaben, dessen Name 
ebenfalls in D. 130 aufgenommen wurde, beteiligt gewesen 
sein*) und ausserdem wahrscheinlich Rupert von Speier und 
Widerolf von Strassburg, an deren Sprengelgrenze Selz ge- 
legen war und nach deren Münzen die Selzer verpflichtet 
wurden, die ihren zu prägen.^) Da indes das Zusammen- 



1) Zwischen D. 110, ausgesteUt am 31. Dezember 992, und D. 130, 
datiert vom 2. Juli 993 zu Merseburg, nennt bloss D. 118 den Namen 
der Kaiserin; jedoch scheint es mir gewagt mit Kehr, Hist. Ztschrft. 
N. F. so, 431, hieraus und aus der unbestimmten Nachricht Thietmara 
auf ein in das Jahr 993 fallendes Zerwürfiiis zwischen Otto und Adelheid 
zu schliessen. — ^) eo quod ipse locus in marca antiquitus constitutus per- 
Tius semper sit cunctis sursum et deorsum euntibus ibique moneta et mer- 
catus necessaria sint multitudini populorum undique illuc confluentium, 
simul etiam monachis et populis ibi commanentibus et habitantibus. — ^) Am 
23. Mai 993 urkundet Otto zu Strassburg, am 2. Juni zu Bürgel bei 
Frankfurt (DD. 125 u. 126). — *) Von den Intervenienten von D. 130 möchte 
ich demnach Willigis und die Herzoge Otto und Konrad, welche sämtlich 
in den nächsten in Sachsen ausgestellten Diplomen fehlen, auf die Hand- 
lang im Elsass, Herzog Heinrich aber, der am 15. Juni zu Nordhausen 
interveniert (s. D. 128), auf die Beurkundung in Merseburg beziehen; 
Bildibold war im Elsass wie in Sachsen in Begleitung des Hofes. — ^) Vgl. 



12 Erben. 

strömen des Volkes, von welchem in der Urkunde die Rede 
ist, die Entwicklung des Handelsverkehrs und der hieraus 
fliessenden Einkünfte nicht sofort eintreten konnte, mochte 
Jds wünschenswert erscheinen, vorläufig durch Vergrösserung 
des Grundbesitzes das Aufblühen der neuen Schöpfung zu er- 
möglichen. Schon am 27. August erfolgte die königliche 
Schenkung von sieben Hufen in Nierstein in Franken (D. 137). 
War hiermit die Ausstattung des Klosters vorläufig zum 
Abschluss gekommen, so behielt doch Adelheid ohne Zweifel die 
Interessen ihrer Stiftung fortwährend im Auge und trachtete 
ihr womöglich noch weitere Vorteile zuzuwenden. Die günstigste 
Gelegenheit hiezu bot sich, als der Hof zu Ende des Jahres 
994 in Schwaben und Elsass weilte. Der am 28. August er- 
folgte Tod der verwitweten Herzogin Hedwig machte eine 
längere Anwesenheit Otto's in Schwaben und eine Reihe von 
königlichen Urkunden notwendig; denn infolge von Bestim- 
mungen, die noch bei Lebzeiten Herzog Burchards, also späte- 
stens im Jahr 973 getroffen worden sein müssen, fiel auf 
Otto ni. wenigstens ein Teil der von Burchard und Hedwig 
hinterlassenen Güter. Vor allem war es das Kloster Wald- 
kirch im Schwarzwald, welches auf diese Weise in den Besitz 
des Königs gelangt, sofort eine Reihe von Gunstbezeugungen 
erfuhr.*) Ausser der Immunität, dem Wahlrecht und der 
Gleichstellung mit Reichenau und Corvei wurden ihm zwei 
Schenkungen zuteil: der Hof Nussbach in der Ortenau war, 
wie das Kloster selbst, durch Vermächtnis Burchards in den 
Besitz des Königs gelangt, Königschaifhausen am Nordabhang 
des Kaiserstuhls bildete wahrscheinlich den an Otto's Schwester 
Sophie gefallenen Bestandteil der Erbschaft.*) Um dieselbe 
Zeit wurde auch der Wormser Kirche die ihr schon im Jahr 
990 zugesagte Schenkung eines Gutes im Breisgau vollzogen, 
das, wie die Intervention der Herzogin Hedwig vermuten lässt, 
ebenfalls aus dem Besitz der Herzogin herstammte.^) 

andere Beispiele ähnlichen Vorgangs, jedoch sämtlich jüngeren Datums 
hei Waitz, Verf.-Gesch. 8, 325. 

1) DD. 157, 158, 161. — 2) In D. 161 ist Sophie als Intervenientin 
genannt. — ^) D. 63, mit den Daten Frankfurt 990 Juni 18 ist, wie das 
Diktat erkennen lässt, nicht vor dem November 994 ausgefertigt worden, 
andrerseits sicher vor dem im Dezember 995 durch D. 187 beurkundeten 
Tausch, durch welchen das Original von D. 63 in das Archiv von Ein- 
siedeln gekommen ist ; die Beziehung auf den Breisgau, sowie die Anführung 



Die Anfinge des Klosters Selz. 1$ 

So reiche Vergabungen königlichen Gutes in Schwaben 
mussten es Adelheid nahelegen, auch ihrer Stiftung neue 
Schenkungen zu erwirken. Während Otto und Adelheid zu 
Erstein das Weihnachtsfest begingen, wurden für Selz zwei 
vorteilhafte Schenkungsurkunden ausgefertigt/) In der einen 
erhielt das Kloster drei Höfe, Kirchberg im untersten Teile 
des Emmenthals, Wimmis westlich vom Thunersee und Üten- 
dorf etwas nördlich hievon im Thal der Aar. In günstigerer 
Lage als diese burgundischen Besitzungen war, was die andere 
Urkunde den Selzern zuwandte: die Kirchen in Schweighausen 
und Lupstein mit den Kapellen zu Reichshofen und Witters- 
heim, die zwischen Zorn und Rohrbach gelegenen Wälder und 
die Mühlen an der Zorn, waren sämtlich im Westen und Süd- 
westen von Selz gelegen und diesem so nahe, dass ihre Ver- 
waltung weder in kirchlicher noch in wirtschaftlicher Be- 
ziehung dem Kloster Schwierigkeiten machen konnte. 

In derselben Gegend, wo die Hauptmasse der Güter Adel- 
heids gelegen war, hatte auf diese Weise auch Selz im Laufe 
von drei Jahren einen grossen Grundbesitz erworben; von den 
Thälern der Zorn und Moder im Süden reichte er bis über 
den Bienwald hinaus im Norden, in Selz und Ottersdorf grenzte 
er an die Ufer des Rheins, bei Lupstein, Reichshofen und 
Otterbach berührte er den Fuss der Vogesen. In fruchtbarer 
Gegend gelegen und so gut gruppiert, dass die südlichsten 
Punkte sowie die nördlichsten von Selz selbst in einem Tage 
erreicht werden konnten, bildete dieser Besitz die Hauptstütze^ 
der Stiftung. Im Norden reihten sich hieran die Höfe in Ais- 
heim und Nierstein zwischen Worms und Mainz, dann Mos- 
bach und Biebrich nördlich von Mainz, wo der Rhein vor dem 
fruchtbaren und reich bevölkerten Abhang des Taunus nach 
Westen ausbiegt. So wie diese Besitzungen an der Strasse 
nach Franken und dem westlichen Sachsen, so lag im Süden 
Sermersheim an jener Verkehrslinie, welche Selz mit dem 
südlichen Elsass und mit Burgund verknüpfte. In den einst 
schwäbischen Teilen von Burgund endlich lagen Kirchberg, 
Ütendorf und Wimmis. 

Was die Herkunft der einzelnen Güter anlangt, so wird 

der Herzogin Hedwig machen es wahrscheinlich, dass die AussteUung 

Yon D. 63 gegen Ende des Jahres 994 zu Sasbach oder Erstein erfolgte. 

') DD. 159a u. 160; auf D. 159b komme ich im folgenden zu sprechen; 



14 Erben. 

schon durch ihre Lage wahrscheinlich, dass die letztgenannten 
aus burgundischem Besitz stammten; vielleicht waren sie einst 
in den Händen von Bertha, der Tochter Burchards I., gewesen 
und von ihr auf Adelheid vererbt worden.^) Besser unter- 
richtet sind wir über die Herkunft der elsässiscben und fränki- 
schen Besitzungen. Von den letzteren werden jene in Ais- 
heim, Biebrich, Moosbach und Nierstein in den hierauf bezüg- 
lichen Diplomen ausdrücklich als Eigentum des Königs be- 
zeichnet'), trotzdem ist es jedoch nicht ausgeschlossen, dass 
dieselben vorher Adelheid gehört hatten. Sicher hatten die 
Höfe Sermersheim und Selz im Elsass zu dem der Kaiserin 
von ihrem Gemahl verliehenen Witwengut gehört, ebenso ohne 
Zweifel die Kirche in Schweighausen ^ und vielleicht auch das 
Out Steinweiler.*) Über die Herkunft der übrigen im Speier- 
gau, in Dierbach, Nieder- und Oberotterbach gelegenen Be- 
sitzungen fehlen nähere Nachrichten. Dagegen ist von den 
in D. 159 genannten wahrscheinlich, dass sie sämtlich ebenso 
wie die Kirche Schweighausen zu den Gütern Adelheids ge- 
hört haben. Die Kirche in Lupstein, die Kapelle in Witters- 
heim, die Wälder und Mühlen an der Zorn werden Pertinenzen 
des der Kaiserin gehörigen Hofes Hochfelden, die Kapelle in 
Reichshofen wird von Schweighausen oder Morschweiler ab- 
hängig gewesen sein. 

') ÜDweit Kirchberg liegt jenes ützensdorf , welches bis zum Jahr 
1009 in dem Besitz von Adelheids Neffen Burchard, Erzbischof von Lyon, 
geblieben ist, Mon. patriae, chart. 2, 103 No. 86, vgl. 6ingins-la-Sarra in 
M^moires et documents de la Suisse-Romande 20, 387. — *) Als predium 
nostrum werden Aisheim, Biebrich und Moosbach angeführt (DD. 77, 78), 
ex portione nostrae proprietatis schenkt Otto die Hufen in Nierstein (D. 
137) vgl. übrigens hiezu S. 16 Anm. 2. — s) Vgl. DO. I. 368. — *) Das 
mit denselben Daten wie DO. 1. 368 versehene und auch im Diktat hier- 
mit übereinstimmende DO. 1. 369 liegt in einem offenbar erst im Jahre 
992 entstandenen Schriftstücke vor, welches sich das Ansehen des Ori- 
ginals giebt. An eine Fälschung ist jedoch schwerlich zu denken, da 
DO. I. 369 nicht nur in der Fassung der Datierung etwas von DO. I. 368, 
welches in diesem Falle Vorlage des Fälschers gewesen sein müsste, ab- 
weicht, sondern auch für Stein weiler den richtigen Grafennamen bietet; 
dass Gerung im Jahre 966 Graf im Speiergau gewesen ist, lehrt DO. I. 
333. Immerhin kann der Abschreiber irgendwelche Änderungen an dem 
heute verlorenen Original von DO. I. 369 vorgenommen haben. Zu be- 
achten ist, dass das Wort ecclesiis, welches sich in der Pertinenzformel 
von DO. I. 368 findet, in DO. I. 369 offenbar mit Absicht weggelassen 
worden ist; die Kirche in Steinweiler ist durch die in DO. IL 279 be- 
stätigte Schenkung des Grafen Eono der Speierer Kirche zugefallen. 



Die An&nge des Klosters Selz. X5 

Von den im Elsass gelegenen Gütern Adelheids war somit 
€in grosser Teil ihrer Stiftung zugefallen; aber es fehlte vid, 
dass der ganze elsässische Besitz der Kaiserin in dem des 
Klosters wieder vereint worden wäre, ja auch von dem nord- 
elsässischen Güterkomplex ist manches dem Kloster vorent- 
halten worden. Dass die Aufzählung der Besitzungen in den 
Schenkungsurkunden für Selz sich nicht mit jener in der Ur- 
kunde Otto's I. für Adelheid deckt, könnte nicht als hin- 
reichender Beweis hiefür angesehen werden, denn es ist nicht 
nur mit der Möglichkeit des Verlustes von Urkunden, sondern 
auch mit der Thatsache zu rechnen, dass derselbe Besitz nicht 
stets mit denselben Worten bezeichnet werden musste; mochte 
es in einem Fall notwendig erscheinen, aller Einzelnheiten 
eines Grundbesitzes ausführlich Erwähnung zu thun, so ge- 
nügte es ein anderesmal die bedeutendsten Höfe oder auch 
nur jene Teile, derentwegen Streit herrschte oder zu befürchten 
war, in der Königsurkunde hervorzuheben. Aber wir besitzen 
ein Diplom des 11. Jahrhunderts, aus dem hervorgeht, dass 
ein grosser Teil des Adelheid'schen Besitzes damals nicht im 
Besitz des Klosters, sondern in dem Heinrichs IV. gewesen 
ist Dieser König schenkte im Jahre 1065 dem Grafen Eber- 
hard von Neuenbürg die beiden Höfe Hochfelden und Schweig- 
hausen mitsamt dem Heiligenforst ^); es ist nicht zu bezweifeln, 
dass es dieselben Höfe^ waren, die einst Adelheid gehört hatten. 
Hiemit lässt sich eine zweite Nachricht verbinden. Die um 
die Mitte des 11. Jahrhunderts in Selz geschriebenen mira- 
cula Adalheidae berichten, dass nach dem Tode der Kaiserin 
Herzog Hermann H. von Schwaben Besitzungen des Klosters, 
welche einst Adelheid gehört hatten, als sein Erbe beansprucht 
habe.*) Sein Verlangen gründete sich, wie aus demselben Be- 
richt zu entnehmen ist, auf seine Ehe mit Gerberga der Tochter 
König Konrads von Burgund. Soweit verdient die Erzählung 
des Selzers vollen Glauben, dagegen wird es erlaubt sein nicht 
nur die Geschichte des Wunders zu bezweifeln, welches den 
Herzog bekehrt haben soll, sondern auch den Ausgang des 



1) Stumpf, Reg. 2668, vgl. Tumbült in dieser Ztschrfk. N. F. 5, 429. 
— ') Igitur eo tempore quo beata (Adalheida) migravit a seculo, Heri- 
mannus dux Sueviae, qui fratris illius Ghuonradi filiam in coniugium ac- 
ceperat, hereditario iure res ancillae dei ad monasterium pertinentes oc- 
cupare volebat. SS. 4, 646. 



16 Erben. 

Streites anders aufzufassen, als die Worte der miracula ihn 
berichten. Nach diesen hätte Hermann vollständig nachgegeben 
und überdies dem Kloster eine Saline in Lothringen zum Ge- 
schenk gemacht.^) Die Thatsache, dass wir Hochfelden und 
Schweighausen in den Händen Heinrichs IV. finden, spricht 
jedoch für das Gegenteil. Hermann wird das seiner erlauchten 
Stifterin beraubte Kloster mit einer kleinen Schenkung ab- 
gefunden haben, ein Teil der Adelheid'schen Güter aber wird 
in seinem Besitz geblieben und durch seine Tochter Gisela, 
die Gemahlin Kaiser Konrads II. auf die Salier vererbt wor- 
den sein. Sei es, dass Adelheid selbst ihre Nichte Gerberga 
zur Erbin bestellt hatte, sei es, dass sie weitere Schenkungen 
zu Gunsten des Klosters nicht durchzusetzen vermochte*), den 
Selzern musste es als eine Verkürzung ihrer Ansprüche er- 
scheinen, dass ihnen ein Teil der in der Nachbarschaft ge- 
legenen Güter der Kaiserin vorenthalten blieb. Sie werden 
es nicht an Versuchen haben fehlen lassen, ihre vermeintlichen 
Rechte durchzusetzen oder doch eine Entschädigung für den 
erlittenen Schaden zu erlangen. Die Erinnerung an diese 
Vorgänge spiegelt sich in der Erzählung der miracula Adal- 
heidae wieder, aber auch in den Urkunden scheinen sie ihre 
Spuren hinterlassen zu haben. Die oben besprochene Schenkung 
der Kirchen in Lupstein und Schweighausen (D. 159) liegt 
in drei Ausfertigungen vor, deren Reihenfolge sich mit Sicher- 
heit feststellen lässt, wiewohl sie von einer Hand herrühren 
und dieselben Zeitmerkmale enthalten (nur eine ist undatiert). 
Als erste Ausfertigung ist jene anzusehen, in welcher die 
Worte Grauenhouen— Bvouonis auf Rasur stehen (A). Erst 
nachdem diese Änderung an A vorgenommen worden war, 
wurden die beiden andern Ausfertigungen hievon abgeschrieben, 

') Dux timore perculsus qaidquid iniusto incepto contra dei voluntatem 
in dei famulae rebus desipuit, emendare caravit addiditque praedicto 
monasterio praediam ad conficiendam sal utile, situm videlicet ad oppi- 
dum Marsile. — ') Obwohl Otto I. seiner Gemahlin die elsässischen Güter 
zu freiem Eigen geschenkt hatte (DO. I. 368) und obwohl Otto n. ihr 
die freie Gewähr für ihr gesamtes Witwengut zugestanden zu haben scheint 
(DO. n. 109), so kann doch nicht bezweifelt werden, dass Adelheid in 
der That bei Vergabung ihres Besitzes an den Konsens des Königs oder 
seiner Käte gebunden war, ja dass Adelheids Besitz von Seiten des Königs 
geradezu als proprietas nostra bezeichnet wird. (Vgl. DO. m. 7 a und 7 b.) 
Indes verdienen diese Verhältnisse eine ausführlichere Besprechung, für 
die hier nicht der Platz ist. 



Die Anfänge des Klosters Selz. 17 

denn die in A nachträglich eingeschalteten Worte sind hier 
von erster Hand geschrieben. A2 kennzeichnet sich dadurch 
als jüngstes Exemplar, dass hier noch weitere Besitzungen, 
die Kirchen in Morschweiler und in Grauenhouen, eingefügt 
worden sind, welche nicht nur in A, sondern auch in AI 
fehlen. Die Entstehungszeit von AI aber ist mit einiger 
Wahrscheinlichkeit in die Jahre 996 — 1002 zu setzen; denn 
dass hier der Schluss der Datierungszeile und in der Signum- 
zeile das Wort regis weggelassen worden ist, lässt die Absicht 
erkennen, den Kaisertitel und die der Kaiserzeit entsprechenden 
Jahresmerkmale einzutragen. Wahrscheinlich werden die an 
A vorgenommene Interpolation, sowie die Ausfertigung von 
A2 zeitlich nicht weit von jener von AI getrennt, somit eben- 
falls in die Kaiserzeit Otto's zu setzen sein. 

Da die Interpolation an A von unbekannter Hand herrührt, 
AI und A2 aber ohne irgendwelche kenntliche Beglaubigung 
seitens der Kanzlei geblieben und von einem Manne geschrie- 
ben sind, der ohne Zweifel Mitglied des Klosters Selz gewesen 
ist^), so ist zweifelhaft, ob die kaiserliche Genehmigung für 
die in diesen Urkunden enthaltene Besitzvergrösserung erteilt 
worden ist. Bleibt also die Frage der diplomatischen Glaub- 
würdigkeit oflfen, so unterliegt doch die historische keinem 
Bedenken: Die besprochenen Urkunden dienen uns als Zeug- 
nisse dafür, dass die Mönche von Selz noch in der Kaiserzeit 
Otto's III. getrachtet haben ihren nordelsässischen Besitz zu 
vergrössern. Dass sie es hiebei gerade auf Besitzungen ab- 
j^'esehen hatten, die zu Adelheids Witwengut gehörten, be- 
stätigt vor allem die Anführung der Kirche in Morsch weiler; 
aber auch die Kirche in Lupstein, der Besitz in Muzenhausen 
und die Wälder Vuisinthovua, Buochberg und Sacchenholz 



>) Irrtümlicherweise ist derselbe im Text zu den K.-U. in Abb. S. 292 
mit dem in den ersten Jahren Otto's n., dann in DO. lU. 36 nachweis- 
baren Willigis F. identifiziert worden. Als erstes Stück des Selzer Schrei- 
bers ist vielmehr DO. III. 77 zu betrachten, welches durch ungewöhnliche 
Buchstabenformen und durch offenbare Nachahmung des Kanzleischreibers 
Hildibold F. deutlich den Anfanger verrät. Von seiner Hand rühren 
ferner DO. I. 369 (vgl. oben S. 14 Anm. 4), zwei Ausfertigungen von 
DO. ni. 87 und drei von DO. III. 159 her; endlich hat er den Kontext 
des D. Heinrich IL, Stumpf Reg. 1324, geschrieben, also mit Ausnahme 
von DO. I. 369 ausschliesslich Urkunden für Selz. 

Zeitschr. f. Gesch. d. Oberrh. N. F. VII. 1. 2 



13 Erben. 

waren vielleicht als Pertinenz von Hochfelden im Besitz der 
Kaiserin.*) Zu der Anführung von Altdorf aber, das südwest- 
lich von Strassburg gelegen nachweislich nicht zu dem Adel- 
heid'schen Besitze gehört hat, mag ein anderer Umstand den 
Anlass gegeben haben. Die Bulle Leo's IX. für das Kloster 
Altdorf (Jaffö ed. II, Reg. 4206) erzählt, dass der Graf Eber- 
hard (von Egisheim) die Absicht gefasst hatte, in Altdorf ein 
Kloster zu gründen ; dass dann dessen Sohn Hugo daselbst ein 
Kirchlein erbaut habe, welches von Bischof Erchenbold von 
Strassburg und Abt Maiolus von Cluny, also vor dem Jahre 
991 eingeweiht worden sei. Mag diese Erzählung in den Zu- 
sammenhang der Papsturkunde vielleicht erst nachträglicli 
eingeschoben worden sein, so kehrt sie doch ebenso in einer 
andern Aufzeichnung des Klosters wieder*) und findet auch 
durch eine Urkunde Friedrichs I. (Stun)pf Reg. 3659) eine 
indirekte Bestätigung. Aus derselben erfahren wir, dass Otto III. 
dem Grafen Eberhard das Markt- und Münzrecht in Altdorf 
verliehen hat: die Überreste des hierüber ausgestellten Diploms 
haben sich in jener Urkunde Friedrichs, sowie in einer in 
Altdorf verfertigten Fälschung erhalten.^) Demnach darf 
angenommen werden, dass auch die Anfänge des Klosters 
Altdorf bis an das Ende des 10. Jahrhunderts hinaufreichen. 
Erscheint nun Altorf unter den durch Interpolation in D. 159 a 
eingefügten Worten, so kann, wenn nicht etwa eine andere 
heute nicht mehr nachweisbare Örtlichkeit desselben Namens 
gemeint ist*), ein Konflikt mit der Stiftung der Egisheimer 
den Anlass zu jener Einschiebung gegeben haben. 



^) Lupstein und Muzenliausen liegen südlich der Zorn, nahe bei Hoch- 
felden. Ein Wald westlich von Mauermünster, also an der oberen Zorn, 
führt, wie mir Hr. Forstmeister Ney in Strassburg freundlichst mitteilt, 
heute noch den Namen Buchberg; ist er, wie wahrscheinlich, identisch 
mit dem hier genannten, so werden auch die beiden andern Wälder in 
der Nähe zu suchen sein. Wisinthovua könnte vielleicht mit Westhofen, 
drei Meilen westl. von Strassburg, identisch sein. — '^) Notitia brevis fun- 
dationis monasterii Altorf in Würdtwein, Nova subs. 5, 379, und darnach 
Grandidier, Hist. d'Alsace Ib, 183. — '^) DO. DI. 325, vgl. hiezu Kehr, 
Urkunden Otto's III. 300 ff. — *) Altdorf westlich von Speier ziehe ich als 
nicht im Elsass gelegen nicht in Betracht. Indes ist zu beachten, dass 
sich auch, soviel ich sehe, kein Gravenhoven im Elsass nachweisen lässt. 



Die Anfänge des Klosters Selz. ] 9 

IIL Einrichtung des Klosters und Verleihung des 

päpstlichen Schutzes. 

Auch auf die innere Einrichtung des Klosters verwandte 
Adelheid gleichen Eifer, wie auf die Ausstattung mit liegenden 
<jütern. Die Klostergebäude waren in schöner und den Be- 
dürfnissen entsprechender Weise ausgeführt worden, im Innern 
fehlte es nicht an prachtvollen Gewändern und Geräten, an 
<jold und Edelsteinen.^) An die Spitze der Mönche trat Ece- 
mann, ein in göttlicher und weltlicher Wissenschaft bewanderter 
Mann, welcher die Kaiserin selbst unterrichtet hatte*), der- 
selbe, dessen Freundschaft Gerbert, wie wir aus einem 
seiner Briefe erfahren, wohl zu schätzen wusste.^) Adelheids 
innige Beziehungen zu Maiolus von Cluny, der im Jahre 980 
<lie Aussöhnung der Kaiserin mit ihrem Sohne vermittelt 
hatte und von ihr mit der Leitung der Klöster Peterlingen 
und S. Salvator in Pavia betiaut worden war, sowie zu sei- 
nem Nachfolger Odilo, welcher sie auf ihrer letzten Reise 
nach Burgund begleitet zu haben scheint und ihre Lebens- 
beschreibung verfasst hat, lassen vermuten, dass auch in 
Selz die strengeren Cluniacensischen Gewohnheiten Eingang 
fanden. Ob das neue Kloster ebenso wie Cluny selbst den 
beiden Apostelfürsten geweiht war, steht nicht fest, da die 
Ausdrücke der Quellen hierin nicht vollständig übereinstim- 
men.^) Sicher war ganz im Geiste der Cluniacenser von An- 
fang an die Unterordnung des Klostei'S unter den römischen 
Stuhl in Aussicht genommen. 

Schon in dem zu Beginn des Jahres 992 ausgestellten 
D. 79 war ausgesprochen, dass das Kloster nur dem Papst 



>) Epitaphium Adalheidae c. 10, SS. 4, 641 monasterium . . miro opere 
condidit — adeo ditavit et nobilitavit praediis aedificiis auro et gemmis 
et vestibus preciosissimis aliisque variis ornatuum suppellectilibus, iit nichil 
deesset illo in loco deo famulantibus. — *) Ebenda: boni testimonii virum, 
liumana scientia et divina sapientia doctum, qaem in divinis literis ha- 
bere voluit assidue preceptorem. — ') Gerberti epistolae ed. Havet 17 
Xo. 21. — *) In honorem apostolorum in DD. 77, 78, 87 b u. 88, in ho- 
norem duodecim apostolorum in D. 86 und 87a, wo für den Schreiber von 
87b die Auslassung von duodecim durch Punkte vorgezeichnet war; in 
honorem apostolorum Petri et Pauli in der eigentlichen Gründungsur- 
knnde D. 79 und in dem päpstlichen Privileg; ad honorem dei et aposto- 
lorum principis Epit. Adalh. 1. c. 

2* 



20 Erben. 

und dem König unterätellt sein sollte. Aber ein königliches^ 
Diplom konnte nicht ausreichen, um die Loslösung des Klosters 
von der bischöflichen Gewalt festzustellen, hiezu bedurfte es 
eines päpstlichen Privilegs. In der That ist uns eine Bulle 
des Papstes Johann XV. erhalten, durch welche Selz in den 
Schutz der römischen Kirche genommen wird 0, aber die Form, 
in welcher diese Urkunde erhalten ist, hat Bedenken erregt, 
die eine ausführliche Besprechung notwendig machen 

Zu der Beschreibung der äusseren Merkmale der in Karls- 
ruhe verwahrten Urkunde (A)*), welche Pflugk-Harttung ge- 
liefert hat, habe ich zunächst zwei Bemerkungen zu machen. 
Die von ihm ausgesprochene Vermutung, dass die Datierung 
des Stückes vielleicht von anderer Hand herrühre als der 
Kontext, scheint mir vollständig begründet, aber ich füge 
hinzu, dass diese zweite Hand wesentlich jüngeren Charakter 
aufweist als die erste. ^) Was aber das Alter der Kontext- 
schrift anlangt, so kann ich dem Urteil Pflugk-Harttungs nicht 
beipflichten. Ich lege dieselbe nicht dem 12., sondern der 
ersten Hälfte oder der Mitte des 11. Jahrhunderts bei.*) 



1) Jaflf6, Reg. 3857, vgl. Pflugk-Harttung in N. Archiv 8, 245. — 
2) Ich nehme an, dass bei der Transsumierung durch Gregor IX. nicht 
mehr das Original, sondern A als Vorlage benützt worden ist, dass also 
A die einzige selbständige Überliefemngsform des Privilegs darstellt. Der 
Vergleich von A mit dem Abdruck des Transsumptes in Mon. Germ. £p. 
s. XIQ 1, 499 ergiebt nur folgende Varianten 499 Z. II ut et populi, 
Z. 42 ibi deo servientibus, Z. 44 ingenium ad ipsum, Z. 45 foris curtaverit, 
500 Z. 7 ipsa imperatricum optima. — ^ Zu beachten sind insbesondere 
die geraden r-Schafte mit dem gebrochenen Arm, die Cauda des e, die 
Oberschäfte der d. — *) Zur Begründung meines Urteils führe ich einige 
Facsimilia von Handschriften aus der Mitte und zweiten Hälfte des 
11. Jahrhunderts an: Pal. Soc. H, 92, 93 (geschr. 1094—1097 in Stablo), 
Arndt 19 (geschr. bald nach 1067 in Regensburg), Arndt 52a (geschr. 
vor 1071 in Gembloux), Pal. Soc. I, 61 (geschr. 1049 in Lobbes). Alle 
diese Schriften sind im Vergleich zu A schon dadurch als jünger ge- 
kennzeichnet, dass in ihnen die Oberschäfte im Vergleich zu der Höhe der 
mittleren Zeile niedriger sind als in A; von Einzelheiten sind insbesondere 
die steifen mit gebrochenem Arm versehenen r, die gedrungene mit dem 
gestürzten t- Schaft nicht über die Mittelschäfte hinaufragenden Kursiv- 
verbindungen et, das Fehlen der Kursivverbindung et, das Eindringen der 
runden Schluss-s, endlich das Überhandnehmen der Kürzungen als bezeich- 
nend für die zweite Hälfte des Jahrhunderts anzuführen. A, welches in 
diesen Punkten sich von den angeführten Beispielen unterscheidet, hat hin- 
gegen selbst mit solchen Schriften, die aus dem Ende des 10. Jhrdts. stammen. 



Die An&nge des Klosters Selz. 21 

Hiemit ist für die Kritik der Urkunde zunächst eines ge- 
wonnen. Da die Datierung nachträglich hinzugefügt worden 
ist, so dürfen die Bedenken, welche sich aus ihr ergeben, nicht 
ohne weiteres auf den Kontext ausgedehnt werden. In seiner 
ursprünglichen Gestalt hat A des Eschatokolls vollständig ent- 
behrt, hat also durchaus nicht den Schein des Originals an 
sich getragen. Denn es ist kein Grund, demjenigen, welcher 
bei der Niederschrift von A gänzlich auf die Wiedergabe der 
äusseren Merkmale von Papsturkunden verzichtet und dem 
Texte keinerlei schriftliche Beglaubigung beigefügt hat, die 
Vornahme der Faltung des unteren Randes und die Anbringung 
^es Siegels oder der hiefür bestimmten Schnitte zuzuschreiben; 
vielmehr sind diese Versuche, dem formlosen Schriftstück das 
Ansehen eines Originals zu geben, aller Wahrscheinlichkeit 
nach von jenem gemacht worden, welcher die Datierung hin- 
zugefügt hat. 

Dürfen also die äusseren Merkmale von A für die Kritik 
gar nicht herbeigezogen werden, so kommen auch von den 
inneren nur jene des Eingangs und des Kontextes in Betracht, 
nicht aber die ganz unzulässige Datumzeile, das Fehlen der 
Unterschriften u. s. w. Mit dieser Beschränkung aber lässt 
sich die Fassung von A gerade für die Zeiten Johanns XV. 
als passend nachweisen. Entsprechend dem mächtigen Ein- 
greifen der deutschen Herrschaft in die italienischen Verhält- 
nisse ist gegen das Ende des zehnten Jahrhunderts auch 
^as päpstliche Kanzleiwesen in eine gewisse Abhängigkeit 
von den Gewohnheiten der deutschen Kanzlei geraten. Es 
wird nicht überflüssig sein, für die hiedurch verursachten 
Unregelmässigkeiten, welche bisher nicht genügend gewürdigt 
worden sind, einige Beispiele anzuführen. 

Die in den Königsurkunden regelmässige Verbalinvokation 
In nomine sanctae et individuae trinitatis bieten ausser der 
Bulle Johanns XV. für Selz auch zwei Privilegien für 
Petershausen sowie eines für Villich (Jaflfe, Reg. 3831, 3863 
und 3897)^); einmal erscheint dieselbe noch durch den 

wie den in K.-U. in Abb. 10, 25 (geschr. in den letzten Jahren Otto^s I.) 
und in Pal. Soc. n, 109, 110 (dem Abt Maiolus von Cluny 948—994 ge- 
widmet) abgebUdeten vieles gemein. Sehr nahe steht die von Arndt Taf. 50 
reproduzierte Handschrift, die in den Jahren 1034 — 1046 in Konstanz ge- 
schrieben wurde; aber auch sie zeigt schon manche jüngere Elemente. 
^) Hiezu würde noch Reg. 3868 für Stablo-Malmedy kommen, wenn 



22 Erben. 

Zusatz patris et filii et Spiritus sancti erweitert (Reg. 3831)- 
Von der gewöhnlichen Form des Titels N. episcopus servus 
servorum dei wird mehrfach abgegangen; in Reg. 3847 für 
Blandigny nennt sich Johann XV. : episcopus servus servorum 
dei celorum clavigeri gratia dei archivicarius ; in Reg. 386 a 
und 3897 lautet der Titel fast vollständig übereinstimmend: 
Gregorius qui et Bruno sanctae catholicae et apostolicae Ro- 
manae ecclesiae gratia dei episcopus (et servus servorum dei). 
Das Fehlen der Inscriptio oder Adresse, die den Königsur- 
kunden fremd ist, haben mit der Bulle für Selz mehrere ür- 
künden Gregore V. gemein (Reg. 3863, 3874, 3886, 3888, 3897). 
Am deutlichsten aber lässt das Privileg Johanns XV. für Kloster 
Bergen erkennen (Reg. 3856),* wie stark das königliche Kanzlei- 
Wesen auf jenes der Päpste eingewirkt hat. In dem Rahmen 
des der päpstlichen Kanzlei entsprechenden Eingangs- und 
Schlussprotokolls bietet dasselbe einen Kontext, dessen Fassung 
nur in der königlichen Kanzlei entstanden sein kann, sei es, 
dass ein verlorenes Diplom für Bergen als Vorurkunde benützt 
wurde, sei es, dass ein Notar der königlichen Kanzlei auf 
einer Gesandtschaftsreise begrilfen, aushilfsweise zu den Ar- 
beiten der päpstlichen herangezogen worden ist.^) 



dieses ohne Zweifel verfälschte Privüeg nicht direkt auf Reg. 3867, son- 



dern auf eine zweite Ausfertigung derselben Urkunde zurückgehen soUte. 
— Der Ansicht von Pflugk-Harttung, der alle diese Urkunden verwirft, 
ist schon Löwenfeld in der 2. Ausgabe von Jaffi6's Eegesten entgegen- 
getreten und ich kann ihr ebensowenig beipflichten. Zu welchen Konse- 
quenzen solcher Eadikalismus führt, zeigt am besten die Meinung (Hi- 
storisch-diplomatische Forschungen 179), dass die Urkunde für Peters- 
hausen mit Hilfe jener fQr Yillich gefälscht sein sollte ; ohne mich auf die 
UnWahrscheinlichkeit dieser Annahme weiter einzulassen, bemerke ich 
nur. dass das Privileg für Petershausen eine ganz gute Poen enthält (vgl. 
Reg. 3842, 3848), welche in jenem für Yillich fehlt. Ich folgere vielmehr 
aus der engen Verwandtschaft beider Urkunden, dass sie gleichzeitig aus- 
gestellt sind, möchte also abweichend von Jaff6 und Löwenfeld die datum- 
lose BuUe für Petershausen neben jener für Villich zum Frühjahr 996 
einreihen. Dass Bischof Lampert von Eonstanz den ersten Bomzug 
Otto^s ni. mitgemacht hat, bezeugt auch Beg. 3863. 

^) Der Vergleich mit den von HB. und HF. verfassten Diplomen (am 
besten eignen sich hiezu DDO. HI. 4, 13, 68 u. 136) zeigt deutlich, dass 
der Urspung dieser Fassung in der königlichen und nicht in der päpst- 
lichen Kanzlei zu suchen ist. Die Annahme, dass man sich im Kloster 
mit Hilfe einer königlichen Urkunde eine päpstliche gefälscht hätte, ist 
an sich unwahrscheinlich und durch die richtige Unterschriftsformel (per 



Die Anfänge des Klosters Selz. 23 

Diese Beispiele werden es rechtfertigen, wenn ich die Fas- 
sung von A weit günstiger beurteile als Pflugk-Harttung. Die 
Anwendung der Invokation (In nomine domini dei eterni et 
salvatoris nostri Jesu Christi), der durch Feierlichkeit ebenso 
wie durch die Demut des Gedankens ausgezeichnete Titel (I. 
humillimus omnium servorum dei et in sancta sede Romana 
non meritis propriis constitutus sed intercessione beatissimi 
apostoli Petri ab omnipotente in apostolatus arce electus) 
finden in den oben angeführten Beispielen ihre Analogien und 
könnten nicht leicht auf Rechnung eines Fälschers gesetzt 
werden. Das ebensowenig vereinzelte Fehlen der Adresse hat 
weiterhin die Anwendung der dritten Person statt der sonst 
üblichen zweiten zur natürlichen Folge gehabt. Der Kontext 
aber hält sich so vielfach an die Formeln und den Wort- 
schatz päpstlicher Privilegien, dass es nicht möglich ist, den- 
selben als Machwerk eines Fälschers hinzustellen.*) A ist 
vielmehr als die Abschrift eines echten Privilegs anzusehen, 
in welcher der Wortlaut des verlorenen Originals wieder- 
gegeben wird. Diese Annahme schliesst nicht aus, dass kleine 
absichtliche Änderungen des ursprünglichen Textes vorgenom- 
men worden sind, wie wir sie in abschriftlich überlieferten 
Urkunden häufig finden. Hieher rechne ich es, wenn die 
Kaiserin einmal als beatissima, einmal als sanctissima im- 
peratrix bezeichnet wird , was bei ihren Lebzeiten wohl nicht 
geschehen wäre; vielleicht ist gleichzeitig dieser oder jener 
Satz erweitert oder stärker betont worden, als dies im Ori- 
ginal der Fall war. 

Aber auch unter dieser Voraussetzung ist A kaum als 
Fälschung zu betrachten, denn der Schreiber hat seiner Ar- 
beit keine Beglaubigung hinzugefügt, hat ihr nicht den Schein 
des Originals zu geben versucht. Ich glaube, dass ein anderer 
Zweck ihn zur Anfertigung von A veranlasst hat. Das ver- 
lorene Original des Privilegs wird ebenso wie die andern Ur- 
kunden Johanns XV. auf Papyrus geschrieben gewesen sein. 



manus Johannis episcopi s. Albanensis et Ariciensis ecclesie et biblio- 
thecarii sancte apostolice sedis), soviel ich sehe, ausgeschlossen. 

^) Der Kontext erweist sich als eine Überarbeitung der Formel 32 
des Liber diumus, welche von den Zeiten Gregors I. an im Gebrauch ge- 
wesen ist. Aber auch jene Teile, welche in dieser Formel fehlen, ent- 
sprechen durchaus dem päpstlichen KanzleistU. 



24 Erben. 

In dieser Form eignete es sich schlecht zur Aufbewahrung, 
noch schlechter aber zum Transport. Wollten also die Mönche 
von Selz eine Bestätigung ihres Privilegs erwirken, etwa von 
Benedikt VIII., der im Jahre 1020 in Deutschland weilte, 
oder von Leo IX., der in den engsten Beziehungen zum Elsass 
stand, so lag es nahe, eine Abschrift des Originals auf Perga- 
ment zu schreiben, um diese der Kanzlei vorzulegen und von 
ihr ein gleichlautendes Privileg zu erhalten. Bei einer zu 
solchem Zwecke angelegten Abschrift war die Weglassung des 
Eschatokolls begründet und nicht ungewöhnlich. Da die be- 
absichtigte Bestätigung nicht erfolgte, so blieb die Abschrift 
im Kloster liegen und wurde nachträglich, vielleicht zu einer 
Zeit, als das Original schon zum Teil der Zerstörung anheim- 
gefallen war, mit den dürftigsten chronologischen Daten und 
mit einer Art von Besieglung versehen. 

Verschwinden auf diese Weise die Bedenken, welche gegen 
die Echtheit der Papsturkunde erhoben worden sind, so wird 
doch das Urteil über den Wert derselben in letzter Linie da- 
von abhängen, wie wir uns ihren bisher nicht beachteten Zu- 
sammenhang mit den Privilegien für S. Maurice im Wallis 
erklären. Dieses Kloster hat fünf Papsturkunden verwandter 
Fassung aufzuweisen, von welchen nur die jüngste, im Jahre 
1050 von Leo IX. erteilte (V) als echt angesehen wird, die 
übrigen jedoch, auf die Namen Eugens I., Hadrians I., Eugens II. 
und eines nicht näher bestimmbaren Leo lautend (I— IV), als 
unzweifelhafte Fälschungen gelten.*) Mit diesen Urkunden nun, 
und zwar gerade mit der Reihe der älteren stimmt in der Haupt- 
sache die Fassung von A aufs beste überein. Statt die ein- 
zelnen Teile der Reihe nach durchzusprechen, wird es am besten 
sein, den Text von A neben jenen von I zu setzen, welcher die 
ursprüngliche Gestalt der S. Mauricer Privilegien darstellt, 
während II, III und IV durch weitere Zusätze verfälscht sind.^) 

1) Jaff6, Reg. 2084, 2489, 2567, 2660 und 4246. — «) Für Reg. 2084 
lege ich den jüngsten, leider sehr mangelhaften Druck bei Aubert, Tr6sor 
de l'abbaye de s. Maurice d'Agaune (Paris 1872) S. 208 zu Grunde, wel- 
cher auf einer Kopie vom Ende des 10. oder Anfang des 11. Jahrhunderts 
beruht, berücksichtige daneben aber auch die Lesarten von n, ni und 
IV, die sich ebenfalls bei Aubert gedruckt finden; für Reg. 3857 folge 
ich dem Wortlaut von A. Der kursive Druck in der ersten Spalte be- 
zeichnet die mit der Formel 32 des über diumus übereinstimmenden 
Stellen, der in der zweiten jene, welche sich in Reg. 2084 finden. 



Die Anfänge des Klosters Selz. 



25 



Privileg 
Eugens 1. ffir S. Maurice. 

(Jaflfe Reg. 2084.) 

In nomine domini dei eterni et 
salvatoris nostri Jhesu Christi. 
Eugenios humilissimus omnium ser- 
vorum dei et in sancta sede Ro- 
mana tocias orbis magistra non 
meritis ^) propriis sed intercessione 
beatissimi apostolorum principis 
Petri ab omnipotenti deo in aposto- 
latus arce^) electus. Quia dominus 
noster oves proprias quas suo sancto 
ac precioso sanguine adquisivit, 
beato Petro pascendas commisit, 
constat nimirum cunctos dei cul- 
tores ipsius subici tuicioni;'), cuius 
nos ubique non diffidimus protegi 
patrocinio; quapropter satis con- 
venienter omnibus Christianis opor- 
tet ad sanctam matrem ecciesiam 
et apostoiicam sedem*) prebere 
concursum, taliter ut et devotio 
conditoris convenienter sortis- 
se videatur eflfectum et pie con- 
structionis oraculi in privüegiis 
largiendis minime denegetur auxi- 
lium. Igitur quiapostulavit a nohis 
Chlodoueus'^) excellentissimus rex 
Francorum quatenus monasterium 
sancf omm Agaunensium in regno '') 
Burgundie super fluvium Rodanum, 
quem in honore beati Mauricii 
vel aliorum martyrum Sigismun- 
dus bone memorie rex construxisse 



Privileg 
Johanns XV. für Selz. 

(JafTö Reg. 38.57.) . 

In nomine domini dei eterni et 
salvatoris nostri Jesu Chmti, I. 
humülimus omnium servorum dei 
ei in sancta sede Romana totius 
orbis mafgistrja non meritis pro- 
priis constitutus sed intercessione 
beatissimi apostoli Petri principis 
ab omnipotente in apostolatuis arce 
decti. Quia dominus noster oves 
proprias qu^as suo precioso sangui- 
ne redemit, beato Petro pascen- 
das commisit j constat nimirum 
cunctos dei cultores ipsius subici 
tuitione, cuius nos ubique non dif- 
fidimus protegi patrocinio; qua- 
propter satis convenienter omnes 
Ckristianos ad sanctam matrem 
ecciesiam et apostoiicam sedem 
oportet prebere concursum^ taliter 
ut et populi devotio conditoris sui 
convenienter sortiatur effectum et 
pie constructionis oraculis inpri- 
vilfegijis largiendis minime dene- 
getur auxilium. Igitur quiapostu- 
lauit a nobis filia nostra Adalheidla 
imperatrix augusta vXmonasterium 
in Alsacia supra iocum iuris sui 
qui dicitur [Salsi] iuxta flumen 
quod vocatur Matra ob redemp- 
tionem iilustrium Romani imperii 
gubematorum, videlicet magni do- 
mini ac eari sui Ottonis fiiiique 
eorum similiter [Otto]nis, qui ante 
ecciesiam beati Petri principis, 
nostri sepultus est, suorumque ob 
veniam peccatorum nee non om- 
nium suorum fidelium parentum 
ad eternam Christi Jesu laudem 
in ho7iore Petri ac Pauli aposto- 
lorum devotissime constructum 

(Reg 2084.) >) IT, III, IV, meriti /. — «) II, lU, arche I, IV. 

— 3) /j, ill^ suicione IV, ipsius subicione J. — ♦) II, III, apostolice 
sedis I, IV. — *) Karolus II, Lodoicus prenomine piiis III, Arnulfiis IV, 

— 6) II, III, regnum J, IV, 



2G 



Erben. 



dinoscitur, in quo Siagrius abba*) 
preesse videtur primlegio cum 
sedis apostolice inftäis dccoretur 
et sub [iurisdictione]'^) smicte, 
cui deo auctore presidemus, ec- 
desie constitutum preteritorum 
regum ordinem, gloriosi videlicet 
regis Sigismundi ac ceterorum re- 
gum post ipsum^) statuta et privi- 
legia eiusdem monasterii nostri*) 
iterum presulatus honore consen- 
cientes confirmaremus *) ut nulla- 
tenus ullo deinceps tempore in- 
rumpereutur neque super ipsos mo- 
uachos illic domino famulantes^) 
sine ipsorum electione abbas mit- 
tatur.^) Propterea') piis desideriis 
tilii nostri regis Francorum assen- 
sum aecomodantes') Agaunensis 
monasterii congregationis^) man- 
datis inherentes *®) sedisque aposto- 
lice regulam servantes") per huius 
preceptionis nostre auctoritatern id 
qiiod ejcposcimur^ effectui '') mancl- 
pamus et ideo otnnem cuiuslibet 
Cfxlesie sacerdotem in prcfatum 
momisterimn ^^) nullum sui priora- 
tus pontificium permittimus habi- 
turum neque illum qui civitatem 
üalentiam i*) nunc habere dinoscitur 



Ipriüilefjfio sedis apostolice decoretur 
et ea libertate in ^temum donemus 
ut nullo tempore uliis rationibos 
libertas eins corrumpatur neque 
super ipsos monachos iUic domifw 
famtdantes sine ipsorum electione 
abbas constituatur, dignissimum 
est ut eins christianissimis preci- 
bus adquiescamus et omne quod 
iuste expostulat, integ[err]ime ad- 
impleamus. Pr^terea piis eins de- 
sideriis consensum, ut dignum est, 
prebentespredicto monasterioipsis- 
que fratribus ibi secundum beati 
Benedicti re^tom militantibusj^er 
huius nostre preceptionis auctori- 
tatem id quod exposcit, largimur 
et apostolica datione consentimus. 
Nostra etiam auctoritate ac spon- 
tanea largitate ob honorem aposto- 
lorum ipsiusque imperatricis amo- 
rem permittentes eiusdem mona- 
sterii abbatem cum sandaliis et 
dalmatica missarum officia cele- 
bi*are, consecrandum etiam ab eo 
episcopo quem cuncta fratrum co- 
hors convocaverit. Itaque nullius 
ecclesie sacerdotetn in prefatum 
monasterium aliquod suiprioratus 
pontificium permittimus habitu- 
rum; illum etiam qui civitati Ar- 
gentin^ nunc preesse dinoscitur. 



^) Alteus episcopus 17, Adaiongus Sedunensis episcopus Hl, idem 
Arnulfus rex vicem abbatis gerere videtur IV. — ^) Fehlt in allen, er- 
(jnnzt aus Formel 32 des L. d. — ^) III, ipsam I, IV, ipsa IL — 
*) II, Uly nostra /, IV, — *) JF, confirmemus IT, III, confirmaremur J. 
— *) IV j famulantibus J, neque super - mittatur fehlt in II und ist 
dort durch eine Besitzbestätigung ersetzt, in III sind Bestimmungen über 
die Wahl und Testierfreiheit des Prälaten eingeschaltet in IV folgt die 
Aufzählung einiger Besitzungen nach mutatur. — ') III, mutatur IV, 
non mutatur /. — ^) Preterea III. — ^) II, desideriis Francorum aecom. 
/, IV, desideriis Francorum regis aures accom. III. — lo) j/^ accom. ac 
dei mon. congregationem I, IV, eiusdem mon. congregacioni dei III. — 
^1) II, inherenti, servanti III, inherentibus , conservantibus I, IV. — 
") II, exposeimus I, III, IV, effectu alle — **) prefato monasterio II, 
III, in III, IV folgt vel in ecclesiis in eins curtibus sitis et (ex) eins 
elemosinis constructis et ordinatis nullum sui u. s. w. — ^*) Sedunensem HL 



Die Anfänge des Klosters Selz. 



27 



vel fuerit in postea adquisitu- 
ras, quamlibet dicionem seu pote- 
statem extendere hoc auctori- 
täte preter sedem apostollcam 
prohibemus^) ita ut, nm ab eo 
qui iu eodem monasterio äbbas 
fuerit constitutos, invitatus fuerit j 
nee ad missarum ibidem celebrauds, 
solempnio, quispiam presumat ac- 
cedere vel suam inibidem domina- 
tionem incipiat exercere, nee ulla 
conciliabula pretendere aut quas- 
libet partes elemosinarum que ad 
sanctum monasterium a fidelibus 
collate fuerint sua in parte exigere 
neque deeimas^) que illic a iam 
dicto sancto Sigismundo sunt con- 
cessa, quisquam attemptet auferre, 
eo qtiod subiectioneapostolici Pri- 
vileg ii consistunt. Inconeusse cunc- 
tis^) seeundum conditoris desideria 
eius debeantpermaweretemporibus, 
comtituentes per huiics decreti no- 
stri paginam atqtie interdicentes 
Omnibus omnino cuitislibet ecclesie 
presulibus vel cuiuscunque honoris 
dignitate preditis 



illuinque pariter qui postea est ad- 
quisiturus, nullam contrarietatem 
nullam dominationem in predictum 
monasterium extendere hoc auctori- 
täte sedis apostoliceprohibemuSj ita 
vi nulla canciliabula ibidem aliquis 
in[cip]iat [prejtendere nee quasU- 
bei partes elemosinarum que ad 
[usum] monasterii a fidelibus col- 
late fuerint, in sufam] partem exi- 
gere neque decimas neque terras 
neque ecclesias neque [the]saur[os 
neque libr]os neque aliquid ab ipsa 
beätissima [im]peratrice conces- 
sum vel ab aliis postea oblatum 
[attemptjet auferre, eo quod aposto- 
lice sedi ipsum monasterium cum 
Omnibus ad se pertinentibus non 
potestate donationis sed libertatis 
tantum causa sit subiectum et Ro- 
man§ [sedis sec]uritate ita deo auc- 
tore munitum et contra omnes 
mortales nostra defensione arma- 
tum, ut §terna sit poena damnan- 
[du]s quicumque aliquam contrarie- 
tatem ipsi monasterio vel ibi deo 
servientibus fecerit, aut qui cupi- 
ditate misera vulneratus [aliqu]am 
4)articulam^) terr§ eiusdem mona- 
sterii umquam iu sua redegerit aut 
qui per aliquod Ingenium ad ipsum 
monasterium rebus suis intus vel 
foris curtaverit. Igitur ut h^c a no- 
bis deo consentiente seeundum desi- 
derium illius sanctissime impera- 
tricis ordinata cunctis'*) maneant 
inconcussa et inviolata tempm-ibus, 
per huius nostri decreti paginam 
constituimuSy modis omnibus uni- 
versis cuiuslibet ecclesie presulibus 
omnibusque clericis cuiuscumque 
honoris dignitate preditis laicis- 
que omnibus pariter cuiuscumque 



(Reg. 2084.) ^) In IV folgt eine vielleicht interpolierte SuUe, in III 
ist hac auctoritate ausgelassen. — *) III, decima J, IV. — ') cuneta 
nobis /, IV, constituimus enim III, wo cunetis — temporibus fehlt 

(Reg. 3857.) ^) ti corr. aus u. — -) eun corr, aus in. 



28 



Erben. 



sub anathematis vinculo colli- 
gatis^) qoiconqae hoius seriem 
nostre institutionis aosos fiierit 
evertere vel ipsaram scriptoraram 
sanctiones que a predictis regibus 
constitute sunt et prefato mona- 
sterio sub privilegio indtdte quo- 
übet modo vel tempore temptaverit 
£xistere temerator. 



potestatis interdicenteSf coUigantes 
etiam sub anathematis vinculo ut 
cum Juda in ^temum crucietnr 
quicumque huius nostre seriem in- 
stitutionis diabolico presumpta au- 
stis fuerit evertere aut deu[m co]n- 
[te]mpnens nostra mandata, qn? 
supra scripta sunt, demoniaca in- 
flatus superbia noluerit observare, 
aut qui ipsarum sanctiones scriptu- 
rarum, que ab ipsa imperatricmn 
opti[ma] constittäe sunt, vel subri- 
pere vel deler[e] vel eis contraire 
presumpserit. Huius nisi resipiscat, 
auferat deus partem de terra vi- 
ventium et nomen eins deleatur de 
libro vit^ ut cum iustis non scri- 
batur sed cum impiis et sacrilegis 
deputatis flammis gehenn^ inex- 
tinguilibus concremetur in secala 
seculorum. 

Data II. non. apr. anno dominice 
incarnationis DCCCCXCYI, indic- 
tione Vni; data Sutri^.^) 



Diese Zusammenstellung zeigt ausser dem engen Zusam- 
menhang zwischen beiden Privilegien auch das Verhältnis, in 
welchem dieselben zu der Formel 32 des Liber diurnus stehen. 
An einer Reihe von Stellen, an denen das Privileg Eugens 
mit der Formel übereinstimmt und deshalb kursiven Druck 
aufweist, weicht jenes für Selz ab; andrerseits zeigt sich, wie 
der kursive Druck der zweiten Spalte anzeigt, auch in den 
nicht der Formel entnommenen Partien die grösste Ähnlich- 
keit beider Urkunden. Demnach muss das Privileg für S. 
Maurice der Formel näher stehen, erst aus diesem oder einem 
ihm nahe verwandten kann jenes für Selz abgeleitet sein. 

Ehe ich jedoch sage, wie ich mir dieses Verhältnis erkläre, 
glaube ich einem Einwand begegnen zu müssen. Indem A 
sich weiter von der Formel 32 entfernt als I, so könnte A 
als eine mit Hilfe von I angefertigte Fälschung angesehen 
werden; denn die Beziehungen von Selz zum burgundischen 

(Reg. 2084.) *) II und in sind von hier an abiceichend stilisiert 
(Reg. 3857.) *) Die ganze Datierung von jüngerer Hand, Data Su 
cuf Basur. 



Die Anfänge des Klosters Selz. 2&^ 

Reich waren in dem halben Jahrhundert nach seiner Gründung 
gewiss lebhaft genug, um den Austausch litterarischer Erzeug- 
nisse zwischen Selz und S. Maurice herbeizuführen. So könnte 
immerhin eine Handschrift, welche die Privilegien von S. Mau- 
rice enthielt, nach Selz gelangt und dort zur Herstellung einer 
Fälschung verwendet worden sein. Dieses Bedenken wird je- 
doch erschüttert, wenn wir bemerken, dass auch die freistili- 
sierten Teile von A zahlreiche Anklänge an den kurialen Stil 
aufweisen, welche der Erfindung eines Fälschers nicht zuzu- 
trauen sind. Auch dass hievon ein Satz mit der königlichen 
Gründungsurkunde (D. 79j übereinstimmt, kann nicht als Ver- 
dachtsgrund gelten.^) 

Halte ich also an der Echtheit des Privilegs Johanns XV, 
für Selz fest, so erklärt sich die Übereinstimmung mit der 
Bulle Eugens für S. Maurice am einfachsten durch die 
Annahme einer verlorenen Urkunde Johanns XV. für S. 
Maurice. Gleichzeitig mit der Gesandtschaft, welche Adelheid 
im Interesse ihrer Stiftung an den Papst richtete, wird auch 
ihr Bruder Konrad um Bestätigung der Privilegien von S. 
Maurice nachgesucht haben. Indem nun für beide Klöster 
unter einem geurkundet wurde, ist die für St. Maurice übliche 
Fassung, welche vielleicht wirklich bis ins 7. Jahrhundert 
zurückreicht, in das Privileg für Selz übergegangen.*) 

*) D. 79 liegt in zwei Ausfertigungen vor, von welchen die erste durch 
Grandidier überlieferte sicher auf echter Grundlage beruht; wenn hier 
der Wortlaut der Petitio (quatenus monasterium — constructum) mit der 
Papsturkunde übereinstimmt, so kann entweder die Eönigsurkunde nach- 
träglich mit Hilfe der päpstlichen in diesem einen Punkt erweitert wor- 
den sein, oder, was wahrscheinlicher ist, die päpstliche Kanzlei kann 
diesen Passus dem Diplom entnommen haben. Die zweite Ausfertigung 
jedoch weist Zusätze unkanzleimässiger Fassung auf, welche in den Nach- 
urkunden fehlen; für diese ist die Papsturkunde sicher benützt worden; 
ob diese gefälschte Form bald nach Erteilung des Privilegs oder ob sie 
erst im 12. Jahrhundert entstanden ist, vermag ich nicht zu entscheiden. 
— ^) Über die Echtheit oder den Grad der Vermischung der vier älteren 
S. Mauricer Privilegien ein bestimmtes Urteil abzugeben, ist hier nicht 
notwendig und auch nicht möglich, bevor die handschriftliche Überlieferung 
derselben nochmals geprüft sein wird. Dennoch will ich bemerken, dass 
mir die Echtheit der Bulle Eugens L, welche von den in II, III und IV 
enthaltenen Einschaltungen frei, der seit Gregor I. im Gebrauch stehenden 
Formel 32 am nächsten kommt, nicht ausgeschlossen scheint; die Unter- 
schriften, deren Formel übrigens zeitgemäss lautet, ja auch die Eingangs- 
formeln können später hinzugefügt sein. Zu der Zeit Eugens I. (654 bis 



30 Erben. 

Auf diese Weise war Selz in den Besitz eines päpstlichen 
Privilegs gelangt, in welchem nicht nur die Wahlfreiheit und 
der apostolische Schutz Ausdruck fanden wie in dem könig- 
lichen Diplom, sondern in dem auch die Loslösung von der 
Diözesangewalt des Strassburger Bischofs und noch weitere 
Ehrenvorrechte des Abtes, der Gebrauch der Dalmatica und 
der Sandalen, ausgesprochen waren. Von einem Zins, den 
<1as Kloster hiefür zu entrichten gehabt hätte, wie es anderswo 
der Fall war, ist in dem Privileg nichts gesagt. Zeigt sich 
so deutlich, wie sehr die Kaiserin bemüht war, ihre Stiftung 
den angesehensten Klöstern Deutschlands würdig an die Seite 
zu stellen, so ist nicht zu verwundern, dass auch andere 
Klöster, vor allem das mächtige Reichenau der jungea Grün- 
dung nicht nachstehen wollten. Bei Otto's 111. zweiter An- 
wesenheit in Rom erwirkte Alarich auch für sich das Recht, 
die Dalmatica und die Sandalen zu tragen. *) Wirlerold von 
Strassburg aber scheint für die Exemption von Selz auf andere 
Weise entschädigt worden zu sein. Noch unter Gregor V. 
wurde ihm das Nonnenkloster Andlau untergeordnet, das seit 
seiner Gründung dem päpstlichen Stuhl unterstand.*) Sowie 
also bisher Andlau, die Stiftung der Kaiserin Richarda, das 
einzige römische Kloster im Elsass gewesen war, so blieb in 
der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts Selz in dieser ver- 
einzelten Stellung, bis durch Leo IX. auch für Andlau das 
frühere Verhältnis wiederhergestellt und ausserdem Heiligen- 
kreuz, Ottmarsheim und vielleicht Oelenberg in den päpst- 
lichen Schutz aufgenommen wurden. ^) 

Über die Datierung des Privilegs für Selz ist es nicht 

(>57) passt ganz gut die Erwähnung Chlodwigs II. (639—657). Von dem 
Interesse der Merovinger für S. Maurice legt überdies gerade ein Diplom 
dieses Königs (Pertz D. 19) Zeugnis ab, in welchem dasselbe als Muster 
für das geistliche Leben empfohlen wird ; im selben Sinn hatte auch Chlod- 
wigs Vater Dagobert (Pertz I). 15) des Klosters Erwähnung gethan. 

') DO. III 279. — ^) Eine Urkunde Gregors V. ist nicht erhalten, 
wir verdanken die Kenntnis hierüber dem Privileg Sylvester's II. (Jaff6, 
Weg. 3904), in welchem die ünterordung von Andlau unter Strassburg 
bestätigt wird. — Über die Gründung von Andlau und die Verleihung 
des päpstlichen Schutzes vgl. die bei Mühlbacher, Reg. Kar. 1635, 
und bei Böhmer, Reg. Kar. 1937 verzeichneten Diplome. Das Privileg 
Johanns VIII. (Jaff6, Reg. 3337) ist verloren. — ^) Vgl. Schulte in Strass- 
burger Studien 2, 87 ff., wo jedoch die zeitweilige Unterordnung von And- 
lau unter das Bistum nicht erwähnt ist. 



Die Anfänge des Klosters Selz. 31 

möglich, ein sicheres Urteil zu gewinnen, da die in A nach- 
träglich hinzugefügte Schlusszeile keineswegs in ursprünglicher 
Gestalt vorliegen kann. Wenn also auch die Zahlen verderbt 
sein können und obwohl das Inkarnationsjahr (996) nicht zu 
der indictio VIII passt, scheint es mir doch am besten an der 
durch die letztere Angabe begründeten Einreihung zum April 
995 festzuhalten. Die Bulle für Setz und das angenommene 
deperditum für S. Maurice werden dadurch in die Nachbar- 
schaft der Urkunden für die Klöster Dijon und Bergen ge- 
rückt, *) deren Angelegenheiten recht gut im Zusammenhang mit 
jenen von S. Maurice und Selz verhandelt worden sein können. 

Ist dieser Ansatz richtig, so würde die Gesandtschaft der 
Kaiserin etwa zu Beginn des Jahres 995 vom Elsass auf- 
gebrochen sein, wo auch der junge König die Weihnachtszeit 
mit seiner Grossmutter verbracht hatte, und es läge nahe, 
anzunehmen, dass die Vorbereitung der Romfahrt Ottos mit 
zu den Aufträgen der Gesandten gehört habe. Als zu Ende 
des nächsten Jahres der junge Kaiser wieder über die Alpen 
heimkehrte, wandte er sich zunächst wieder nach Selz, wo in 
seiner und seiner Grossmutter Anwesenheit am 18. November 
die Einweihung des Klosters von dem Diözesanbischof Widerold 
von Strassburg vorgenommen wurde. ^) 

Adelheid selbst hat die Vollendung ihrer Stiftung um vier 
Jahre überlebt. Als sie am 16 Dezember 999 aus dem Leben 
schied, wurde ihr Leichnam in Selz bestattet; dort ist ihr 
Grab bald der Gegenstand religiöser Verehrung geworden. 
Schon Odilo wusste von wunderbaren Heilungen von Blinden 
und Kranken aller Art, die sich daselbst zugetragen haben 
sollten; seine Worte haben um die Mitte des 11. Jahrhunderts 
einen Mönch von Selz veranlasst, eine eigene Schrift über die 
Wunderthaten der Kaiserin zu verfassen, die nunmehr ebenso 
wie Richarda, die Gründerin von Andlau, schon die Verehrung 
der Heiligen f^enoss. 

IV. Zehentstreitigkeiten und Fälschungen des 

12. Jahrhunderts. 

Von den Fortschritten, welche der Ausbau des Landes in 
Deutschland noch im 11. und 12. Jahrhundert gemacht hat, 
f^ewährt die wachsende Zahl kirchlicher Gründungen die 

1) Jaffe, Reg. 3856 und 3858. — «) Epitaph. Adalheidae SS. 4, 641. 



32 Erben. 

beste Vorstellung. Denn von dem Roden des Waldes und der 
Anlage von neuen Höfen und Dörfern hat sich nur selten und 
zufällig eine Nachricht erhalten, dagegen brachte die Ent- 
stehung von Kirchen und Klöstern Veränderungen der kirch- 
lichen Einteilung mit sich, die in den Quellen deutliche Spuren 
hinterlassen mussten. Der Gegensatz zwischen der alten Mutter- 
kirche und den innerhalb ihres Sprengeis entstandenen Grün- 
dungen führte naturgemäss zu Konflikten, welche das Eingreifen 
weltlicher und kirchlicher Autoritäten notwendig machten und 
in zahlreichen Urkunden, echten wie falschen, ihren Ausdruck 
gefunden haben. Auch im nördlichen Elsass und im angrenzen- 
den Speiergau ist es auf diese Weise zu mancherlei Streitig- 
keiten gekommen; ich will hier nur jene kurz besprechen, die 
für die Beurteilung der ottonischen Diplome für Selz in Be- 
tracht kommen. 

Durch seine Besitzungen in Steinweiler, Dierbach, Nieder- 
und Oberotterbach, zu denen wahrscheinlich noch andere uns 
unbekannte Erwerbungen in derselben Gegend hinzukamen, 
war das Kloster Selz Grenznachbar der Speierer Kirche ge- 
worden. Diese hatte von dem Grafen Cono Minfeld und Frecken- 
feld am Nordrande des Bienwaldes, sowie alle andern Neubrüche 
desselben Waldes bis zum Fuss der Vogesen zu Geschenk er- 
halten und überdies die Kirche in Steinweiler,*) deren Pfarr- 
sprengel sich ursprünglich bis an den Bienwald erstreckt zu 
haben scheint. Wenigstens stand der Speierer Kirche bis zur 
Mitte des 11. Jahrhunderts der Genuss der Zehenten von 
Minfeld zu. Im Jahre 1051 löste Heinrich III. dieses Recht 
von der bischöflichen Kirche durch Tausch ab und verlieh es 
den Mönchen von Selz, die wohl bald darnach die Kirche in 
Minfeld erbauten. War auf diese Weise der südliche Teil des 
Pfarrsprengels von Steinweiler losgetrennt worden, so war doch 
hiemit die Entwicklung noch nicht abgeschlossen. In der Nähe 
von Minfeld erhob sich die Kapelle in Freckenfeld, welche die 
Selzer als eine Filiale ihrer Kirche in Minfeld betrachteten. 
Trotzdem gaben die Mönche von S. Lambrecht, die inzwischen 
in den Besitz der Kirche zu Steinweiler gekommen waren,'*) 

1) Die kaiserliche Bestätigung über diese Schenkung liegt in DO. IL 
279 vor. — ') Stumpf, Reg. 2400. — ^ Dass die Kirche Steinweiler zu 
dem Besitz des Klosters S. Lambrecht gehörte, erhellt aus der Urkunde, 
welche Innocenz IV. dem späteren Nonnenkloster zu S. Ijambrecht er- 



Die Anfänge des Klosters Selz. 33 

ihre Ansprüche auf die Kapelle Freckenfeld nicht auf. Erst 
im Jahre 1196 wurde dieselbe durch Schiedsspruch des Bischofs 
Conrad von Strassburg bleibend dem Kloster Selz zugesprochen. 

Welche Beweismittel hiebei die Selzer gegen die S. Lam- 
brechter ins Treffen geführt haben, ersehen wir aus dem 
Berichte, den der Strassburger Bischof hierüber dem Papst 
erstattet hat. *) Ausser einer Reihe von Zeugenaussagen, welche 
sämtlich die Zugehörigkeit der Kapelle zur Pfarre Minfeld 
betonten, brachten sie auch eine Urkunde Heinrich III. vor, 
durch welche die Kirche in Minfeld mit der Kapelle in Frecken- 
feld dem Kloster geschenkt worden sein sollte. Dieses Diplom 
ist uns erhalten;^) es liegt in einem dem Ende des 12. Jahr- 
hunderts angehörenden Schriftstück vor, welches die Formen 
des Originals nachahmt, stimmt wörtlich mit der oben er- 
wähnten, im Original erhaltenen Urkunde Heinrich HL vom 
Jahre 1051 überein und fügt nur die Stelle cum capella Fric- 
chenvelt in den Wortlaut derselben ein. Unter diesen Um- 
ständen kann es keinem Zweifel unterliegen, dass diese angeb- 
liche Urkunde Heinrich HI. auf Grundlage der echten an- 
gefertigt worden ist, um dadurch die Ansprüche auf Frecken- 
feld erweisen zu können. Die Entstehung der Fälschung ist 
somit in das Jahr 1196 zu setzen. 

Gleichzeitig mit derselben müssen aber auch, wie die 
Identität der Hände erweist, zwei Kopien ottonischer Diplome 
entstanden sein, und zwar jene von D. 80 und D. 88. Während 
nun bei D. 80 kein Zusammenhang mit dem besprochenen 
Streit zu erkennen ist und keinerlei Verdachtsgrund vorliegt,^) 
ist die Kopie von D. 88 sicher in dem Prozess mit S. Lambrecht 
vorgelegt und zu diesem Zwecke angefertigt worden. Denn 

teilte (inseriert in der bei Remling, Speierer U.-B. 1, 400 No. 435 ge- 
druckten Bischofsurkunde) ; wann jedoch die Kirche in Steinweiler aus 
den Händen der Bischöfe in die der Mönche von S. LAmbrecht über- 
gegangen ist, vermag ich nicht festzustellen; die angebliche Gründungs- 
urkunde des Klosters (Acta Palat. 6, 265 No. 15), in welcher Steinweiler 
schon genannt ist, kann schwerlich für so hohes Alter dieses Besitzes 
geltend gemacht werden, sie scheint in weit jüngerer Zeit entstanden zu 
sein, vgl. Dümg6, Reg. Bad. 12. 

^) Diese Ztschrft. 14, 188 No. 5 aus Or. und Remling, Speierer U.-B. 
1, 387 aus Transsumt (da Konrad II. erst im April 1190 Bischof von 
Strassburg geworden ißt, so ist die Datierung MCXCVl kal. apr. und nicht 
MCXC VI. kal. apr. zu lesen). — ') Stumpf, Reg. 2401. — 3) Vgl. oben S. 9. 

Zeitschr. f. Gesch. d. Oberrh. N. F. VIT. 1. 3 



34 Erben. 

der anstössige und von der Vorurkunde abweichende Punkt 
in D. 88 ist die zweimalige Erwähnung der Zehnten. Auch 
Ober- und Nieder -Otterbach und Dierbach werden in dem 
alten Sprengel von Steinweiler gelegen gewesen sein und der 
Abt von S. Lambrecht, als Herr der Pfarre, wird nun auch 
von diesen Ortschaften den Zehntgenuss beansprucht haben. 
Ob derselbe etwa schon seit längerer Zeit nach Gewohnheits- 
recht den Selzern zustand, lässt sich nicht bestimmen, sicher 
aber waren in dem Original von D. 88 die Zehnten ebenso- 
wenig erwähnt, als in den gleichzeitig erteilten DD. 86 und 87. 

Noch deutlicher als an den Grenzen des Bienwaldes lassen 
sich die Fortschritte der Kultur an dem Heiligen Forst ver- 
folgen. Hier sind in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts 
nicht weniger als vier Neugründungen entstanden, die von 
allen Seiten das grosse Waldgebiet ausnützten, in welchem 
die Staufer zuers^t eine geordnete Forstverwaltung eingeführt 
zu haben scheinen. Im Süden des Forstes erhob sich der Ort 
üagenau mit Burg und Pfarrkirche, der unter der Gunst der 
Kaiser bald zu der zweiten Stadt des Elsass emporblühte; 
im Westen und Norden entstanden die Klöster Neuburg und 
Walburg und in nächster Nähe von Selz, am östlichen Ende 
des Waldes siedelten die Nonnen von Königsbruck. ^) 

Es lässt sich denken, dass die Selzer, welchen die Staufer 
keine besondere Teilnahme entgegenbrachten, mit eifersüchtigen 
Blicken das Gedeihen dieser jungen Rivalen verfolgten, dass 
ihnen gerade die Ausschliessung vom Heiligen Forst doppelt 
empfindlich sein musste. War derselbe doch in der Mitte 
ihrer Güter, vor den Thoren ihres Klosters gelegen, ja wahr- 
scheinlich einst im Besitz ihrer Stifterin gewesen und viel- 
leicht nur gegen deren Willen dem Kloster vorenthalten worden. 
Conrad HI. hatte sich zwar verpflichtet gefühlt, als König auch 
die Interessen der alten Iieichsabtei neben denen der jungen 
staufischen Gründungen zu wahren. Schon im Jahre 1139 
bestätigte er die Gründungsurkunde von Selz; vier Jahre später 
überliess er zum Ersatz für den an die neue Pfarre Hagenau 
abgetretenen Teil des Sprengeis von Schweighausen den Selzern 
die Pfarre Nierstein und erneuerte ihnen gleichzeitig die Ver- 
leihung des Markt- und Münzrechts. ^) 

») Vgl. über diese Gründungen Meister, Die Hohenstaufen im Elsass 
S. 62—75. — '^) Stumpf, Reg. 3387, 3457 und 3458. 



Die Anfange des Klosters Selz. 35 

Acht Jahre später kam es zu einem ähnlicheu Ausgleich 
zwischen den Klöstern Selz und Neuburg, welche wegen des 
den Neuburgern geschenkten Gutes in Laubach miteinander 
in Streit lagen. Von diesem innerhalb der alten Grenzen des 
Forstes entstandenen Ort *) beanspruchten die Selzer auf Grund 
ihrer Privilegien den Zehnt, die Neuburger hingegen verwei- 
gerten lange Zeit die Zahlung. Endlich kamen im Jahre 1151 
beide Teile dahin überein, dass die Neuburger statt des Zehnten 
von Laubach 12 Malter Getreide von Pfaffenhofen zu liefern 
versprachen, neun dem Kloster Selz und drei dem Pfarrer in 
Schweighausen. 2) Gerade der letztgenannte Umstand lässt 
deutlich erkennen, dass es die Zugehörigkeit des Forstes zum 
Pfarrsprengel Schweighausen war, auf welcher die Ansprüche 
der Selzer beruhten. 

Weniger günstig als Conrad scheint jedoch Friedrich L 
der Abtei gewesen zu sein ; es liegt kein Diplom dieses Kaisers 
für Selz vor, während die Nachbarklöster reichlich mit solchen 
ausgestattet wurden. Aber auch er sah sich genötigt, in einem 
Konflikt, in welchen das Kloster verwickelt wurde, zu inter- 
venieren. Hiebei handelte es sich um die Zehnten des Heiligen 
Forstes, welche, wie die Selzer behaupteten, ihnen von altersher 
zustanden, zu deren Zahlung sich indes die Nonnen von S. Wal- 
burg nicht verstehen wollten. Der Streit hierüber, in welchen 
zuerst zwei päpstliche Gesandte, später Friedrich L und end- 
lich Heinrich VI. eingriffen und welcher mit der Ablösung der 
Zehnten durch Abtretung eines Gutes in Frankenheim endigte, 
hat sich durch volle sieben Jahre hingezogen.^) Für uns ist 
derselbe von besonderem Interesse, weil er über die Ent- 
stehungszeit einer auf den Namen Otto's 111. lautenden Fäl- 
schung Aufschluss gibt. 



1) Vgl. Ney a. a. 0. 9. — '^) Schöpfiin, Als. dipl. 1, 235 No. 284. — 
•*) Vgl. Scheffer-Boichorst in Mitth. des Inst. 9, 213 ff. — Wenn die Selzer 
nicht etwa schon früher in Frankenheim Besitz hatten, so erhellt aus 
der Urkunde des Ahtes Helm wich, dass die auf den Namen eines Papstes 
Clemens lautende Zehntbestätigung, Jaffe Reg. 5326, in welcher Franken- 
heim bereits genannt wird, nicht vor dem Jahre 1190 entstanden ist. 
Auch die Schrift lässt sich gut an das Ende des 12. Jahrhunderts setzen 
und so glaube ich trotz der günstigeren Beurteilung durch Löwenfeld an 
dem Urteil von Ewald (N. Archiv 2, 219) und Pflugk-Harttung (N. Archiv 
H, 246) festhalten zu können und auch diese Papsturkunde in die Keihe 
der Zchntfälschungen des 12. Jahrhunderts zählen zu dürfen. 

3* 



36 Erben. 

Aus der im Jahre 1190 geschriebenen Urkunde des Abtes 
Helrawich erfahren wir, dass schon sein Vorgänger Otto mit 
Hilfe von Urkunden (instrumentis necessariis) die Zehentrechte 
seines Klosters im Heiligen Forst erwiesen hatte. Von den 
im zweiten Abschnitt besprochenen Diplomen enthält keines 
eine Erwähnung des Heiligen Forstes; in D. 159 wird die 
Kirche Schweighausen dem Kloster verliehen, aber die 
Grenzen der Pfarre werden nicht angeführt. Dagegen liegt in 
D. 430 eine Urkunde vor, deren Eingang und Schluss mit 
D. 159 übereinstimmt, während in der Mitte ein Satz ein- 
geschaltet ist, welcher dem Kloster die Zehnten vom Forst 
zuspricht und die Grenzen der Pfarre Schweighausen in der 
Weise festsetzt, dass der Heilige Forst zum grossen Teil in 
dieselben eingeschlossen ist. *) Diese Urkunde bietet dieselben 
Daten wie D. 159, aber sie liegt in einer Form vor, welche 
von vorneherein jeden Verdacht rechtfertigt; sie ahmt die 
Formen des Originals nach, scheint einmal sogar besiegelt 
gewesen zu sein, aber ihre Schrift erweist sich als eine, wenn 
auch geschickte Nachzeichnung von D. 159 oder doch einem 
vom gleichen Schreiber wie D. 159 mundierten Diplom; das 
Format zeigt die für die Königszeit Otto HI. ungebräuchliche 
Form der Charta transversa. Hiezu kommen inhaltliche Be- 
denken, wie die anstössigen Worte popularis ecclesia, antique 
titulationis conservatio, ganz besonders aber der Umstand, 
dass als Herzog von Schwaben jener Hermann genannt wird, 
der erst im Jahre 997 diese Würde erlangt hat, während die 
Daten der Urkunde auf 994 weisen. 

Diese Umstände berechtigen uns, D. 430 als Fälschung 
anzusehen, für deren Herstellung nicht ein verlorenes echtes 
Diplom, sondern D. 159 und daneben DO. H. 109 benutzt 
worden ist, und deren Zweck es war, die Zugehörigkeit des 



*) Leider vermochte ich die liier angegebenen Grenzpunkte nicht mit 
Sicherheit zu bestimmen ; Egilolesphat ist sicher mit dem in Stumpf, Reg. 
3458 als Grenze der Pfarren Schweighausen und Hagenau genannten 
Egenulfespat identisch, vieUeicht auch mit den sogenannten Pfadwegen 
(s. Ney, Gesch. des HeUigen Forstes 54 Anm 2). Sicher ist, dass als 
Nordgrenze die Sauer, als Südgrenze die Moder bezeichnet war; der 
Marchbach ist vieHeicht jener, der den Forst im Osten abgrenzt; die 
Cochenheimer (Kauffenheimer) Brücke wird auch in der Urkunde Hein- 
richs YII. Böhmer-F. 4090 als Grenzpunkt bestimmt. 



Die Anfange des Klosters Selz. 



37 



Forstes zur Pfarre Schweighausen und die Zehentrechte der 
Selzer im Forst zu erweisen. Nach dem Gesagten wird es 
erlaubt sein, die Entstehung der Fälschung mit dem Streit 
zwischen Selz und S. Walburg in Zusammenhang zu bringen; 
sie wird unter dem Abt Otto angefertigt und schon im Jahre 
1183 den päpstlichen Gesandten zu Strassburg vorgelegt 
worden sein. 

Unbekannt ist mir jenes Privilegium der Kaiserin Adelheid, 
welches im Jahre 1227 von dem Kellermeister von Selz vor- 
gelegt wurde, um den Zehentstreit zwischen dem Pfarrer von 
Kauflfenheim und den Nonnen von Königsbrück zu entscheiden. *) 
Vielleicht war es eine mit D. 430 verwandte Urkunde, 
die wohl ebenfalls in die Gruppe der Selzer Fälschungen 
gehört haben wird. Dass noch im 13. Jahrhundert eine echte 
Urkunde der Stifterin in Selz existiert hätte, welche heute 
nicht mehr vorhanden ist und sonst nirgends erwähnt wird, 
scheint mir nicht wahrscheinlich. 



Indem die Ausgabe der Urkunden Otto's III. in den Monu- 
menta Germaniae, nach welcher ich hier die einzelnen Diplome 
citiert habe, noch nicht vollendet ist, bin ich genötigt, eine 
Vergleichungstafel der neuen Nummern mit jenen in Stumpfs 
Kegestenwerk beizufügen. 



DO.in. = 


Stumpf 


Do.m. 


= Stumpf 


DO. III. 


= Stumpf 


4 


874 


79 


951 


137 


1006 


7a 


877 


80 


1286 


157 


1028 


7b 


878 


86 


958 


158 


1029 


13 


964 


87 


957 


159 a 


1031 


27 


898 


88 


959 


159b 


1030 


36 


907 


110 


980 


160 


1033 


39 


910 


118 


988 


161 


1034 


47 


916 


125 


994 


187 


1058 


63 


935 


126 


995 


279 


1142 


68 


940 


128 


997 


325 


1192 


77 


949 


130 


999 


430 


1032 


78 


950 
in, Als. di] 


136 
[)1. 361 No. 


1005 
451 (Böhme 


r-F. 4090). 




») Schöpft 





Der 

Feldzng des Jahres 1622 am Oberrhein 

nach den Denkwürdigkeiten 

des Freiherrn Ulysses von Salis-Marschlins, 

Mitgeteilt von 

Karl Obser 



Während für den Zeitraum des 30jährigen Krieges, der 
im Anschlüsse an den böhmischen Feldzug die Operationen 
am Oberrhein umfasst, Denkwürdigkeiten aus dem spanisch- 
ligistischen Lager vorliegen, hat es, wenn wir von der be- 
kannten Relation Sitzingens, die doch eigentlich mehr als eine 
zu bestimmtem Zweck verfasste» Tendenzschrift aufzufassen 
ist, absehen, an derlei Aufzeichnungen von gegnerischer Seite 
bisher gefehlt. Und doch besitzen wir gerade für den Feld- 
zug Mansfelds im Jahre 1622 eine höchst wertvolle Quelle in 
den Memoiren des Freiherrn Ulysses von Salis MarschlinsJ) 
C. von Mohr hat diese Denkwürdigkeiten, auf deren Existenz 
und Bedeutung für die bündnerische Geschichte G. E. v. Haller 
in seiner „Bibliothek der Schweizergeschichte" (Bern 1785, 
Bd. V, No. 745) nach Mitteilungen seitens der Familie von 
Salis erstmals verwiesen, im Jahre 1858 aus dem Italienischen 
ins Deutsche übertragen und veröffentlicht, den Abschnitt aber, 
in welchem der Verfasser über seine Teilnahme an jenem 
Feldzug berichtet, völlig bei Seite gelassen.*) Dagegen ist, 
was dem Herausgeber entgangen, einiges aus demselben schon 

*) über Ulysses von Salis -M., der als französischer Oberst und 
Mar^bal de camp nachmals auf die Geschicke seiner Heimat Bünden 
hervorragenden Einfluss ausgeübt, vgl. G. v. Wyss in der Allg. Deutsch. 
Biographie, 30, 237 IT., sowie die von P Nicolaus von Salis Soglio 0. S. H. 
neuerdings veröffentlichte Monographie über „die Familie von Salis** 
S. 349. - ») A. a. O. S. 140, Anra. 184. 



Denkwürdigkeiten von Salis-Marschlins 1622. 39 

ein paar Jahrzehnte früher, als man an eine Publikation der 
Memoiren gedacht, unter der Aufschrift „Tilly und Mansfeld" 
in Posselts Europäischen Annalen, Jahrg. 1807, Bd. III, S. 84 
bis 92, auszugsweise mitgeteilt worden. Als eine Ergänzung 
der Publikation v. Mohrs und einen Beitrag zur Quellen- 
litteratur des 30jährigen Krieges gebe ich im Folgenden nach 
der in der Curer Kantonsbibliothek verwahrten Original- 
Imndschrift den Abschnitt über die Campagne von 1622 so- 
weit er nicht Erlebnisse von rein persönlichem, untergeord- 
netem Interesse berührt, in seinem vollen Umfange.*) 

Ein paar Bemerkungen über die Zeit der Abfassung und 
den Charakter der Memoiren mögen vorausgeschickt werden. 
Die Angabe bei Haller, Salis habe sie „meistens in dem Feld, 
und so zu sagen auf der Stelle" niedergeschrieben, bedarf 
wohl kaum erst der Widerlegung, allerdings sind dem Ver- 
fasser, neben allerlei urkundlichem Materiale, wie vielfach ge- 
naue Detailangaben, namentlich Zahlen, vermuten lassen, wohl 
auch tagebuchartige Aufzeichnungen vorgelegen, zu zusammen- 
hängender Erzählung sind dieselben aber erst, wie G. v. Wyss 
mit Recht annimmt, in der letzten Periode seines Lebens 
(zwischen 1649—1674) verarbeitet worden. 

Die Darstellung selbst ist schlicht und einfach, im wesent- 
lichen, soweit es sich kontrolieren lässt, vor allem wo er als 
Augenzeuge berichtet, auch zuverlässig. Die Objektivität, mit 
der Salis im allgemeinen die Ereignisse schildert, die Mängel 
der eigenen Kriegführung, wie die Vorzüge der feindlichen 
beurteilt, macht einen erfreulichen Eindruck. Als Augenzeuge, 
in höherer militärischer Stellung an den Ereignissen, die er 
darstellt, meist selbst beteiligt, verdient er Beachtung; für 
das Treffen bei Mingolsheim und den Rückzug Mansfelds durch 
die Lorscher Heide bilden seine Nachrichten die Hauptquelle. 

Mit dem November 1621, wo Salis der Heimat im Prätti- 
^au, für deren Freiheit und Glauben er gestritten, der spanisch- 
österreichischen Übermacht weichend, als Flüchtling den 
Rücken kehrt, um mit gleich «gesinnten Landsleuten Mansfeld 

*) Herrn Kantonsbibliothekar Candreia in Cur, sowie meinem Freunde 
Herrn Dr. Geisser in Turin, die mich bei Feststellung und Interpretation 
des Textes freundlichst unterstützt, spreche ich auch an dieser Stelle 
meinen Dank aus. 



40 Obser 

seinen Degen zur Verfügung zu stellen, brechen die Denk- 
würdigkeiten bei Mohr ab. Wir übergehen die eingehende 
Schilderung seiner Wanderung durch Schwaben, seines Em- 
pfanges in Durlach, wo Markgraf Georg Friedrich ihm ver- 
gebens Dienste anbietet, seiner Ankunft in Gerraersheim, dem 
Hauptquartiere Mansfelds, der ihn zum Sergeantmajor eines 
unter der Führung des Baslers Hieronymus Beck neuzubilden- 
den Schweizerregimentes ernennt, sowie der daran anknüpfenden 
abenteuerlichen Kreuz- und Querfahrten zu Werbezwecken.*) 
Anfangs März begegnen wir ihm zu Selz, wo die vier Fähn- 
lein des Regiments, etwas über 800 Mann^), gemustert wer- 
den; um die Mitte des Monats werden sie nach Hagenau ver- 
legt, wo sie bis zur Eröffnung des Feldzuges verbleiben, mit 
dessen Beginn wir ihm das Wort überlassen. ^) 



Nachdem ich in Hagenau unter dem Kommando des Grafen Jörg 
Ludwig von Löwenstein etwa vier Wochen verweilt, von den Btürgem 
gar wohl aufgenommen, erhielt ich Befehl, mit den genannten vier 
Fähnlein zum Heere zu stossen. Unser General hatte nämlich durch 
den Obersten Peblis (Pepliz) die dem Bischöfe von Speier gehörige 
ziemlich starke, schwer zugängliche Feste Madenburg (Madaborg) 
belagern lassen'); da sie jedoch nicht so rasch genommen werden 
konnte, als man glaubte, wurde ausser dem bisher dazu verwendeten 
Kriegsvolke weiteres in den bischöflichen Landen einquartiert; mir 
selbst aber wurden als Erholungsquartiere zwei Dörfer oberhalb 
Landau, Frankweiler und Gleisweiler (Francviller e Kleisviller) an- 
gewiesen, wo es Lebensmittel und guten Wein in Fülle gab. Meine 
Leute waren da während der 10 Tage, welche die Belagerung der 
Feste noch erforderte, so wohl aufgehoben, dass sie herzlich gern 
gewünscht, sie hätte noch einen Monat weiter gedauert. Ich selbst 
fand auch meine Rechnung, denn da der Oberstlieutenant ^), statt 
das Regiment zu führen, sich lieber dem Gefolge Mansfelds anschloss 
oder bei seinem Reiterföhnlein verblieb, lag das Kommando in meinen 
Händen. Ich hielt die Soldaten in guter Disziplin, sie begnügten 
sich auch mit dem, was die Bauern ihnen gaben. Ja als ich zum 
allgemeinen Sammelplatze abrückte, brachten mir diese armen Leute, 
unaufgefordert, 150 Thaler, ein gutes Pferd, Schmken, Zunge und 
Salzfleisch, und baten mich, mit dem Wenigen fürlieb zu nehmen 



') Folio 109—118 des ersten Bandes der Handschrift. — ^) Nicht 10 
Fähnlein mit 1500 Mann, wie v. Reitzenstein, Feldzug des Jahres 1622 
Heft ], S. 118 ansetzt. — s) Die sachlichen Anmerkungen zum Text sind 
demselben angehängt. 



Denkwürdigkeiten von Salis-Marschlins 1622. 41 

und zu verhüten, dass die Soldaten beim Abmarsch ihre Häuser 
plünderten. Wie ich Grund hatte mit ihnen zufrieden zu sein, waren 
sie es auch mit mir. 

Bei Germersheim hatte inzwischen der General Fahrzeuge und 
Schiffbrücken zusammenführen lassen, um mit dem Heer über den 
Rhein zu setzen, was zwei Tage und Nächte erforderte, dann lagerte 
er sich auf dem [rechten] Ufer des Stroms, eine Meile oberhalb 
Philippsburg. ^) 

Unerwartet traf unterdessen zu Germersheim der Pfalzgraf und 
Hühmenkönig ein, der mit vier Begleitern unerkannt Frankreich, 
Lothringen und das Land seines Vetters von Zweibrücken durchquert 
hatte. Er war es, als dessen General sich der Graf von Mansfeld 
bei air seinen Unternehmungen und Werbungen bezeichnete. ♦) 

Als am dritten Tage sich frühzeitig das Gerücht von seiner An- 
kunft verbreitete, herrschte allenthalben Freude, denn man glaubte, 
er werde dem Heere die Löhnung auszahlen lassen«), aber die Hoff- 
nung schwand bald. Es kam die Weisung, alle Truppen sollten sich 
unter der Führung des Sergeant-Generals Bovetius, eines wackern 
Edelmannes, in Schlachtordnung aufstellen, um ihn zu empfangen; 
es waren im ganzen 16000 Mann zu Fuss und 6000 Reiter, lauter 
treffliches Kriegsvolk. *) 

Als der König nach Tische den Rhein passirte, wurde er aus 
zwei Feldstücken und vom Fussvolke mit einer vollen Salve begrüsst. 
P> besichtigte zuerst die Reiterei des rechten Flügels, dann ritt er 
die Front aller Infanterieregimenter ab, von den Obersten und Haupt- 
leuten mit den Piken und einer weiteren Ehrensalve bewillkommt. . . . 

Darauf begab er sich mit seinem Gefolge zum linken Flügel der 
Reiterei, um diesen in Augenschein zu nehmen. Da es sehr spät am 
Tage war, kampierten wir die Nacht über an Ort und Stelle, am 
folgenden Tage aber brachen wir nach Bruchsal (Bruxell) auf, wo 
der König und sein Feldherr mit dem Fussvolk Quartiere bezogen, 
die Reiterei in der Umgegend. Am andern Morgen schlugen wir 
die Strasse nach Heidelberg ein, da wir noch keine Nachricht hatten, 
dass General Tilly seine Winterquartiere verlassen. Unterdess hatte 
sich unvermutet (air improviso) der Markgi'af von Durlach für den 
Pfälzer erklärt und war mit einem kleinen Heere, dem besten, was 
man seit vielen Jahren gesehen, zur Belagerung von Stadt und Burg 
Sinsheim, die dem Pfalzgrafen gehörten, aufgebrochen. •*) Es waren 

*) So dürfte wohl die etwas dunkle Stelle : „l'allegrezza fü universale 
credendosi che haveria fatto dare una mostra alP armata" zu verstehen 
sein: mostra = Aufstellung in Reih' und Glied zum Empfang der Löh- 
nung, metonymisch für Löhnung, Löhnungsappell. Allerdings widei-spricht 
diese Auslegung dem üblichen Sprachgebrauche, da Salis von demselben 
aber mehrfach abweicht, wäre sie hier nicht imbedingt zu verwerfen, 
mostra im gewöhnlichen Sinne = Musterung zu nehmen, geht nicht an; 
ebensowenig passen die übrigen Bedeutungen. 



42 Obser. 

8- bis 10000 Mann zu Fuss und etwa 2000 Reiter, vorwiegend neues 
Volk, dazu kam ein prächtiger Artilleriepark, eine Menge Wagen 
mit Kriegsmunition und Proviant, andere wieder mit Kriegswerk- 
zeugen und BiTistwehren fsteccati) ausgerüstet, um das ganze Lager 
einzuschliessen, — eine Wagenburg (Waghenburg), wie man es nannte. 
Kaum hatte Tilly von der Belagerung jenes Ortes gehört, als er all' 
sein Volk an sich zog, um den Platz zu entsetzen, und bis gegen 
Wiesloch von*ückte In der Nacht vom — ») April, wie ich glaube, 
befand sich unser Hauptquartier in einem grossen Dorfe, Namens 
Mingolsheim (Mengeisheim), die Reiterei, wie gewöhnlich, in der 
Umgegend.') Vier Regimenter derselben jedoch. Obertraut, Orten- 
burg, Linzan und Ghifft, sowie zwei Regimenter Infanterie, das alte 
(il reggimento vecchio) und unsere vier Fähnlein*^), hatten Ordre, in 
einem Dorfe, eine Stunde weiter vorn, Quartier zu suchen, jene mit 
der Weisung, bei Tagesanbruch vorzurücken, um Nachricht vom 
Feinde einzuziehen, diese, auf der Hauptstrasse weitere Befehle zu 
erwarten. Beide Teile vollzogen ihre Aufträge; die Reiterei, die 
])is in die Nähe von Wiesloch vorging, fand dort das Lager Tillys; 
unsere Kürassiere'») stiessen auf die Vorhut, die unsrigen kamen ihnen 
zu Hilfe, während die feindliche Vorhut von ihrer gesamten Reiterei 
unterstützt wurde, die zu Pferde gestiegen war. Da mithin die Partie 
allzu ungleich war. entschieden sich die Unsrigen für den Rückzug, 
anfangs in guter Ordnung, dann aber, da man ihnen hart auf den 
Fersen folgte, in voller Verwirrung. Voll Ungeduld harrten unsere 
beiden Regimenter auf die Ankunft des Heeres und weitere Weisungen, 
die erst gegen 9 Uhr eintrafen und uns zurückriefen, um dem Gros 
des Heeres zu folgen, welches auf die Kunde, dass der Feind im 
Felde stand, eine andere Strasse eingeschlagen hatte. An diesem 
Tage — es war der 15. April (sie!) — führte ich mit den vier 
Fähnlein die Nachhut; auf dem Rückmarsch stiess in Mingolsheim, 
wo das Hauptquartier gewesen, alP das Volk hinzu, das zur Reserve 
der beiden oben genannten Regimenter bestimmt war. 

Der Ort liegt in einer Einsenkung, zu beiden Seiten steigt das 
(ielände sanft an, mitten durch fiiesst ein kleines Wasser^), eher ein 
Graben als ein Flüsschen von einiger Tiefe zu nennen. Schon hatte 
unterhalb des Dorfes das alte Regiment die Brücke passiert'®) und 
meine vier Fähnlein begannen gerade, sie zu überschreiten, in dem 
Augenblicke sahen wir in wildem Galopp unsere Reiterei, die vier 
genannten Regimenter, daher sprengen, um sich zu salvieren, teils 
nach der Brücke, teils nach dem Dorfe. Ich befahl den Musketieren, 
die schon hüben waren, den Grabenrand zu besetzen, den Pikenieren, 
die Brücke zu verteidigen, indem ich eilends den Rest mit den flüch- 
tigen Reitern vermischt herüber kommen liess. Wer die Brücke nicht 
l)assieren konnte, war genötigt, zu Pferde über den Graben zu setzen, 
aber viele blieben darin liegen. So gross war die Venvirrung bei 

a) Lücke im Original. — '») So dürfte wohl der Ausdruck: corratori 
zu verstehen sein — «) Die Alte oder Kleine Bach. 



Denkwürdigkeiten von Salis-Mai*schlins 1622. 43 

der Brücke, dass wir unsere Trosswagen im Stiche lassen mussten 
und nur mit Mühe die Bespannung und das Beste von den Lasten 
retteten, denn schon waren die Kroaten mit ihren Krummsäbeln (semi- 
tare = scimitarre) ziemlich nahe gekommen, hieben etliche von unsern 
Leuten nieder und steckten die Wagen in Brand, wobei drei arme 
Bursche, die noch darauf waren, verbrannten, ein klägliches Schau- 
spiel ! ") Unterdes erhielten die Kroaten von unsern Musketieren 
diesseits des Grabens Feuer, die andern, welche den Flüchtigen, die 
sich nach dem Dorf gewandt, folgten, stiessen beim Rückzuge auf 
das rote und das gelbe Regiment, ^^j 

Unser Verlust bei der Retirade belief sich auf 150 Reiter. 

Auf die Kunde von der Venvirrung Hess der General, der mit 
der Vorhut schon einen andern Weg eingeschlagen hatte, Kehrt 
machen, und stellte das Gros des Heeres») auf der Anhöhe gegen 
Bruchsal in Schlachtordnung auf, ebenso die Nachhut, welche im 
Treffen die Spitze bilden sollte. Wir selbst empfingen Ordre, zu ihr 
zu stossen und nur 50 Musketiere und 50 Pikeniere zur Verteidigung 
der Brücke zurückzulassen; auch die Vorhut, die in raschem Lauf 
umgekehrt war, wurde in Reih' und Glied formiert, dann erteilte der 
General die nötigen Befehle, um den Feind zu empfangen, wenn er 
die Kühnheit hätte, aus dem Dorfe vorzudringen. Um jede Verwirrung 
zu verhüten, erhielt der Trosshauptmann Weisung, wieder nach Bruchsal 
zurückzukehren. Sobald nun auf der gegenüberliegenden Anhöhe das 
feindliche Heer ebenfalls in Schlachtordnung erschien, bekamen die 
genannten zwei Regimenter '') Ordre, das Dorf in Brand zu stecken, 
das bald in hellen Flammen stand, da grosse Mengen Stroh dort lagen, 
ujid sich dann zum Gros des Heeres zurückzuziehen. Das thaten sio 
denn auch, wiederholt genötigt, gegen die Kroaten und ein paar Mus- 
ketiere, die sie verfolgten. Kehrt zu machen, bis sie an den Platz 
kamen, wo sie sich, wie auch meine hundert Soldaten, in Reih' und 
Glied aufstellen sollten. 

Als der Feind bemerkte, dass der Tross umkehrte, das Dorf in 
Flammen stand und die Unsrigen hin- und hermanövrierten — nicht 
etwa, um sich zurückzuziehen, sondern um zwischen den Bataillonen 
und Schwadronen den nötigen Abstand zu nehmen — , wähnte Tilly, 
wir hätten Furcht, und befahl seiner Vorhut, dem Fussvolk wie der 
Reiterei, so gut es anginge, diesseits des Dorfes vorzurücken, um uns 
in den Rücken zu fallen oder uns zu zwingen, die Stirne zu bieten. 
Sowie die Leute [aus dem Dorfe] vordrangen, stellten sie sich in 
Reih' und Glied auf; durch weitern Nachschub gewannen die Vor- 
dersten Terrain und konnten ihrerseits wieder den andern zu gleichem 
Zwecke Platz machen. Tilly selbst folgte in trefflicher Haltung dem 
Gros des Heeres und stieg nach dem Dorfe herab, vor dem er Halt 
machte, indem er der Vorhut stets neue Verstärkung nachschickte, 
wütend, dass er uns nicht in voller Front (in piena battaglia) an- 

'0 battaglia, hier im Gegensatz zu Vor- und Nachhut ~ Gros im 
modernen militärisclien Sprachgebrauche. — *') Das rote und gelbe. 



44 Obser. 

greifen konnte. Inzwischen ritt der König mit dem Grafen Mansfeld, 
nachdem sie unsere Truppen zum Empfang des Feindes geordnet, 
die Front aller Bataillone und Schwadronen ab, um sie zu tapferem 
Kampfe anzufeuern. Wenn der Feind anrückte oder sie ihm ent- 
gegenziehen sollten, würden drei Kanonenschüsse das Zeichen geben. 
Während sie zu den Leuten sprachen, harrte man der heissersehnten 
Losung, um loszuschlagen. 

Schon hatten etwa 5000 Soldaten mit 4 Feldstücken [das Dorf] 
passiert ^^), als unser Feldherr, der wohl merkte, dass die Niederlage 
der oben genannten Reiterregimenter vom Morgen unsere Leute etwas 
beunruhigte, es für gut fand, nicht mehr hindurch zu lassen, sondern 
anzugreifen. Das Zeichen ward gegeben, und in guter Ordnung warf 
sich der Vortrab auf die Feinde, die sich ziemlich wacker verteidigten, 
schliesslich aber, als sie sahen, dass unsere ganze Streitmacht 
herabmarschierte und ihr Feldherr ihnen nicht rechtzeitig Hilfe zu 
schicken vermochte, die Waffen wegwarfen und sich zur Flucht wandten. 
In einem Kampfe von kaum einer Stunde blieben ihrer mehr denn 
2500 tot auf dem Platze, 500 wurden gefangen, unter ihnen Erwiz, 
der die Vorhut (quella gente) befehligte, und verschiedene andere 
Offiziere von Rang.^*) Zwei Obersten und viele Hauptleute zählte 
man unter den Toten. An Beute gewann man die vier Feldschlangen, 
einige Munitionskarren, 6 Standarten und 10 Feldzeichen, die man 
mit den vornehmen Gefangenen Seiner Majestät präsentierte. Einige 
junge Fürsten, die sich beim Heere befanden, bestürmten den Grafen 
Mansfeld eifrig, den Sieg zu verfolgen, da Tilly, wie sie sahen, sich 
wieder nach der Anhöhe, die er verlassen hatte, zurückzog. Sie ver- 
mochten indes nicht, ihn zu überreden ; um dem Feinde beizukommen 
— hielt er ihnen entgegen — , müsste man durch das Dorf vorrücken, 
wie der Gegner auch gethan ; vielleicht aber habe sich Tilly nur zum 
Schein zurückgezogen, um ihn zu verleiten, seine Leute zur Ver- 
folgung auszuschicken, dann aber, sobald ein Teil das Dorf passiert 
hätte, umzukehren und sie anzugreifen. So könnte ihnen das gleiche 
Missgeschick widerfahren, wie dem Feinde; er begnüge sich daher 
mit dem Erfolge, mit dem er den Feldzug eröffnet.^*) Diese wohl- 
erwogenen Gründe mussten auch jene Herren vollkommen billigen. 

Bemerkenswert hierbei war, dass der Himmel anfangs ganz heiter 
war, so dass man kaum ein Wölkchen sah, im selben Augenblicke 
aber, als der Kampf begann, etwa um 2 Uhr nachmittags, ein Platz- 
regen niederging, der den Erdboden derart erweichte, dass man nur 
mit Mühe den Fuss aus dem Morast ziehen konnte und wohl ein paar 
Hundert Schuhe im Kothe stecken blieben.*') Wer die seinen ver- 
loren hatte, fand aber Gelegenheit, die der gefallenen Feinde an- 
zuziehen. 

Auch wir zogen uns auf die Anhöhe zurück, wo wir den Rest 
des Tages ebenso wie der Feind unter den Waffen verblieben. Es 
war ein hübscher Anblick, die beiden Heere in Schlachtordnung! 
Von beiden Seiten Hessen die Trompeten ihre Fanfaren ertönen, und 
so lang es noch hell war, sonderten sich beiderseits kleine Reiter- 



Denkwürdigkeiten von Salis-Marscblins 1622. 45 

häufen ab und fochten mit einander im Umkreis des Dorfes, bald 
die Unsrigen di'üben, bald die Feinde hüben. Bei diesen kleinen 
Scharmützeln aber verloren wir mehr Leute als zuvor in dem Treffen. 

Auch einige von unsern Graubündnem, die bei den Reiten*egi- 
mentem des Grafen Ortenburg standen, bekamen Lust, ein paar 
Pistolenschüsse abzufeuern, drangen durch das Dorf vor, stiessen dann 
aber auf einen ihnen weit überlegenen Trupp Feinde, der ihnen übel 
zusetzte. 

Gallus Rieger von Splügen und zwei andere aus Partenz blieben 
tot, dem Genaz*') wurde das Pferd unter dem Leibe getötet, er selbst 
im Gesicht verletzt durch einen Pistolenschuss, der ihm ein Stück 
von der Nase w^egriss. Wenig fehlte, so wäre er beim Rückzuge von 
einem unserer französischen Reiter, der ihn wegen seines Rockes für 
einen Feind hielt, niedergehauen worden; es kam aber rechtzeitig 
noch einer aus Partenz, Dolf Davaz, hinzu, der diesem bedeutete, es 
sei ein Kamerad, und ihm so das Leben rettete. 

Als die Nacht hereinbrach, begannen wir nach Bruchsal, wohin 
sich, wie oben erwähnt, die Artillerie samt dem Tross gewandt hatte, 
zurückzumarschieren ; es tagte schon, als die Nachhut dort eintraf. 
Hier blieben wir den Rest des Tages. 

Der Feind, der den Tag über gute Haltung gezeigt, war inzwischen 
in grosse Verwirrung und Furcht geraten. Mit Mühe nur hielt man 
die Soldaten bei den Fahnen. Auch sie hatten bei Zeit ihre Artillerie, 
Munition und Gepäck nach Wimpfen schaffen lassen, in der Nacht 
folgten sie, aber statt in Reih und Glied zu marschieren, stürzten 
sie sich in zügelloser Flucht dahin. *') Am Morgen kamen sie unweit 
von Sinsheim vorüber, welches der Markgraf von Baden mit seiner 
Artillerie beschoss. Etliche Kundschafter (battatori di strada) mel- 
deten ihm, Tilly's Heer sei, in voller Auflösung, auf dem Rückzuge 
begriffen; seine vornehmsten Offiziere rieten ihm daher, etwas Volk 
zum Schutze seines Lagers zurückzulassen, mit den übrigen Truppen 
aber den Flüchtlingen in den Rücken zu fallen; unzweifelhaft würde 
er dann das feindliche Heer vernichten und alle Geschütze samt dem 
Tross erbeuten. 

Allzu grossmütig, wo nicht vermessen, Hess der Markgraf indes 
den guten Rat unbeachtet, mit dem Bemerken, es sei keine Ehre für 
ihn , ein Heer auf der Flucht anzugreifen. Er verbot geradezu, die 
Flüchtlinge irgendwie zu belästigen, ja er wollte nicht einmal zu- 
geben, dass die beiden Reiterregimenter, die Mansfeld ihm geliehen, 
dies thäten. Am Tage vorher hatte er eine starke Abteilung Reiterei 
gegen Wiesloch entsandt, diese stiess auf einige Offiziere und Sol- 
daten, die vergeblich nach dieser Seite zu fliehen suchten, und nahm 
sie gefangen. Als man sie dem Markgrafen aber vorführte, befahl 
er, sie nicht nur frei zu lassen, sondern ihnen auch ihre Pferde zurück- 
zugeben, und trug ihnen auf, ihrem Feldherm Tilly zu melden: er 
habe es verschmäht, den Vorteil auszunützen, den ihm der Zufall in 
die Hände gespielt, und sein Heer zu vernichten, während es in Ver- 
wirrung sich zurückzog; er verhoffe, dies werde in einer Feldschlacht 



46 Obs er. 

^cscliebeii, sobald es sieb wieder erbolt babe. ^^» Wie tbörielit war 
es von dem tapfern, aber unbesonnenen Manne, jene alte Lebre nicht 
zu beherzigen, die da besagt. Siegen sei immer ein löblich Bing, 
wenn es auch mit List und Trug geschehe (clie vincere fü sempre 
laudabile cosa, vincasi pure con arte e con inganno) ! Lag doch hier 
keinerlei Täuschung vor und handelte es sich doch nur um den Ent- 
schluss. die Flüchtlinge niederzuhauen oder gefangen zu nehmen. 
Die Höflichkeit, die er gegen seinen Gegner bezeugte, kam ihm 
teuer zu stehen. Tilly selbst lachte darüber. Nacli seiner Ankunft 
zu Wimpfen ordnete er seine Truppen wieder und zog eilends C'or- 
dova und Anholt an sich heran. Auch der Markgraf rückte nach 
der Einnahme von Sinsheim gegen Wimpfen vor, wo er sich in 
geringer Entfernung vom Feinde in seiner, wie er glaubte, unül>er- 
windlichen Wagenburg lagerte, um jene Stadt zu schützen (per coprire 
(luella citta). Als Mansfeld erfuhr, dass die beiden Feldlierren in 
Eilmärschen mit Tilly sich zu vereinigen strebten, Hess er [dem 
Markgrafen] anbieten, auch er wolle mit seinem Heere zu ihm stossen. 
Der aber schlug das Anerbieten aus, mit dem Bemerken, er sei stark 
genug, sich gegen Tilly zu wehren, obgleich er doch kaum halb so 
viel liCute hatte, wie jener, und die Mehrzahl von ihnen überdies 
noch Neulinge im Kriegshandwerke waren. Statt dessen riet er Mans- 
feld, in den darmstädtischen Landen einzufallen, um die Truppen des 
Fürsten Christian von Braunschweig an sich zu ziehen, der in West- 
falen auf Kosten der Bischöfe und Prälaten ein Heer von etwa 
18 (KX) Mann zu Gunsten des Pfälzers und Böhmenkönigs aufgebracht 
hatte und nun heraufmarschierte, um sich mit uns zu vereinigen.*") 
So brachen wir gegen Heidelberg auf, überschritten dort den Neckar, 
um ihm entgegenzuziehen. Da aber die Nachricht kam, dass Tilly 
in Ladenburg, einem Städtchen, das dem Pfalzgrafen wie auch dem 
Bischöfe von Worms gehört, unter dem Schutze von zwei Regimentern 
/u Fuss einen Teil des Trosses zurückgelassen habe, entschlossen wir 
uns, erst das Nest au.szuheben. Der Pfalzgraf Hess aus Mannheim 
12 grobe Geschütze (cannoni intieri) herbeischaffen, aus denen man, 
ohne eine weitere Batterie aufzuführen, die Stadtmauern so erfolg- 
reich beschoss. dass in kaum zwei Stunden über 30 Ellen Mauerwerk 
«Mustürzten, Schon war Ordre zum Sturm erteilt, als man Geneml- 
inarsch schlagen hörte und gleichzeitig zwei Offiziere heraustraten, 
um wegen der Übergabe zu verhandeln. Man stellte das Feuer ein 
und die Belagerten zogen sich, in der Hoffnung auf einen billigen 
Vergleich, zum Teil von ihren Posten zurück. Kaum merkten dies 
aber einige unserer Leute, die nicht zum Sturm kommandiert waren, 
so drangen sie von der Neckarseite in die Stadt ein, ohne viel Wider- 
stand zu finden. Als die andern, die zum Sturm beordert waren, 
dies sahen, rückten sie, ohne einen Befehl abzuwarten, zum Sturm 
auf die JJresche vor und nahmen sie, schlecht verteidigt wie sie war, 
ein. So wurde in der Verwirrung die Stadt erobert und geplündert, 
und viele Leute mussten über die Klinge springen, während man 
noch über die Übergabe verhandelte. . . . 



Denkwürdigkeiten von Saüs-Marschlins 1G22. 47 

Überaus reich war die Beute, welche die Soldaten machten, da 
sich die volle Monatslöhnung für die feindliche Armee und allerlei 
Dinge von grossem Wert, die ihren Offizieren gehörten, vor- 
fanden. . . .^0 

Ein grosses Unglück war es, dass am gleichen Tage, als wir La- 
denburg einnahmen, Tilly Wiedervergeltung an dem Markgrafen von 
Durlach übte, den er nach Ankunft der erwähnten Verstärkung in 
guter Ordnung hinter seiner Wagenburg und andern Verschanzungen 
angriff. Nach ein paar Stunden tapferer Gegenwehr wurde der gute 
Markgraf, da Feuer in die Pulverwägen geriet, in seinem Lager über- 
wältigt, air sein Volk zersprengt, das Fussvolk zum grössten Teil 
niedergehauen, ein Teil gefangen genommen. Viele Herren von hoher 
Geburt und tapfere Offiziere blieben tot, unter ihnen Prinz Magnus 
von Württemberg, der ein grosser Feldherr zu werden versprach, 
wenn Gott ihm ein längeres Leben geschenkt; er wurde allgemein 
betrauert, wo man ihn kannte. Die ganze Artillerie mit dem Trosse, 
sowie eine beträchtliche Summe Geldes, die sie mit sich führten, fiel 
dem Feind in die Hände, so dass die höheren Offiziere Ersatz für 
ihren Verlust zu Ladenburg fanden. Beim Heere des Markgrafen 
waren auch drei Fähnlein Btindner unter dem Kommando von Wolf 
Juvalta, Tobias Einer und Joh. Fausch. Der letztere erwarb sich 
vielen Ruhm und vom Markgrafen das Zeugnis eines tapfern, uner- 
schrockenen Soldaten, die andern aber wurden nicht allzusehr gelobt.") 

Der Markgraf stiess mit der Reiterei, die er zu sammeln ver- 
mochte, in Ladenburg zu uns, wo wir noch 3 bis 4 Tage blieben.^») 

Genau acht Tage, nachdem es in seiner Macht gelegen, die zu 
vernichten, die ihn später besiegt, war jene Niederlage eingetreten. 

So führte er, da er die günstige Gelegenheit, die sich ihm bot, 
zu benützen verschmäht, sein eigenes Unglück herbei; damit aber 
fielen alle weitern Pläne in sich zusammen, der Plan vor allem, dem 
Herzoge von Baiem, der ja wie der Kaiser abgesehen von etwa ßOTK) 
Mann neugeworbener Truppen unter Erzherzog Leopold weiter kein 
Kriegsvolk mehr im Feld stehen hatte, in seinem eigenen Landen 
einen Besuch abzustatten. Hätte der Markgraf in die Vereinigung 
])eider Heere eingewilligt, so hätte Tilly nie gewagt, sie anzugreifen, 
um so weniger, wenn sie sich in vorteilhafter Stellung postiert, um 
des Braunschweigers Ankunft zu erwarten, mit dessen Hilfe sie Tilly 
gezwungen hätten, sich zur Verteidigung der Lande seiner Gebieter 
zurückzuziehen. 

Ich kann hier nicht unterlassen, darauf hinzuweisen, wie wahr 
jener alte Satz ist: wenn man immer gerade wüsste, was beim Feindo 
vorginge, würde man auch stets den Sieg davontragen (se host sa- 
pesse quello che fa host, host batteria l'host). Hätte Mansfeld ahnen 
können, dass sein Gegner in Ver^virrung sich zurückzog, so würde 
er nicht, wie der Markgraf, die Gelegenheit versäumt haben, ihn zu 
verfolgen. So aber war es bereits Tag, als zwei Reiter, die am Tage 
zuvor bei Wiesloch in Gefangenschaft geraten und in der Nacht 



48 Obser. 

sich gerettet hatten, ihm meldeten, dass das feindliche Heer in 
voller Auflösung begriffen sei. Zu spät bereute er, das Glück nicht 
versucht zu haben, nachdem er doch einen Teil der feindlichen Streit- 
kräfte geschlagen. Nicht immer wissen eben die Feldherren die Ge- 
legenheit zu erfassen, ihren Sieg vollständig auszubeuten. Der Lenker 
aller Dinge leitet auch die Schlachten nach seinem göttlichen Wohl- 
gefallen. 

Der Markgraf hätte es gern gesehen, wenn wir die Verteidigung 
seiner Lande übernommen hätten; wir hielten es aber für erspriess- 
licher, nach dem Main hinabzumarschieren, um die anrückenden 
Truppen des Braunschweigers an uns zu ziehen. Dieser Herr, der 
sich mehr damit beschäftigte, überall, wo er vorüberkam, starke 
Kontributionen zu erheben, als dass er seinen Weitermarsch beeilte, 
um sich mit uns zu vereinigen, hielt sich zur Zeit just in dem Ge- 
biete des Abtes von Fulda auf, um seine Leute dort zu erfrischen. 

Beim Aufbruch^) befahl mir der Graf, mit den vier Fähnlein, 
die unter meiner Führung standen, und einer Kompagnie Dragoner 
zur Verteidigung des eroberten Platzes zurückzubleiben, mit der 
schriftlichen Weisung, alle Fruchtvorräte (granezza) mittels Fuhren, 
welche der Statthalter stellen würde, nach Heidelberg zu schaffen. — 
Einiges liess ich auch auf meine Rechnung dahin verbringen, was 
ich dann ziemlich gut verkaufte. — Jene Ordre befahl mir des wei- 
tem, den Platz, sobald der Feind vorrückte, um ihn wieder zu neh- 
men, in Brand zu stecken, mit meinem Volke auf der dort befind- 
lichen Schiffbrücke über den Neckar zu gehen, mich nach Heidel- 
berg zurückzuziehen und dort die weiteren Weisungen des Statthal- 
ters abzuwarten. Wenn er aber nicht von-ückte, sollte ich mit meiner 
stattlichen Truppe den Platz nicht preisgeben, bis ich zum Heere ab- 
gerufen würde. Inzwischen war nämlich der Graf vom Herzoge von 
Kraunschweig durch Eilboten benachrichtigt, dass er vor 14 Tagen 
am Main nicht eintreffen könne, gleichzeitig aber vom Statthalter 
zu Hagenau dringend ersucht worden, der Stadt, welche Erzherzog 
Leopold, seine Entfernung benützend, belagerte, zu Hilfe zu eilen. 
So machte er sich denn unverzüglich auf den Weg, den Platz zu ent- 
setzen, und passierte, Tag und Nacht marschierend, bei Mannheim 
die Rheinbrücke. Als er in die Gegend von Kronweissenburg kam, 
schickte er einige Reiterschwadronen voraus. Kaum sahen die Be- 
lagerer, wie diese aus dem Walde nach der Ebene vor der Stadt 
vordrangen, so gerieten sie, im Glauben, es nahe unser ganzes Heer, 
in Furcht, gaben feige alle Posten, die sie schon ringsum, da die 
Belagerten zur Übergabe hatten Appell schlagen lassen, besetzt hatten 
auf, verbreiteten Schrecken und Bestürzung im Lager und traten in 
voller Verwirrung und unter Zurücklassung ihrer Geschütze und 
Kriegsmunition, die wir dann zur Ausrüstung des Platzes trefflich 
verwerteten, den Rückzug, grösstenteils nach Zabem an. Unsere 
Reiter aber eilten in die Stadt und fielen dann mit der kleinen Be- 
satzung den Flüchtlingen in den Rücken, wobei viele von ihnen ge- 
tötet, 300 aber frefangen wurden. Der Graf, den der Kommandant 



Denkwürdigkeiten Yon Salis-Marschlins 1622. 49 

Ton der unerwarteten Flacht der £rzherzoglichen in Kenntnis setzte, 
rückte im Eilmarsche mit seinem Heere gegen die Stadt vor, indem 
er weitere Reiterabteilungen zur Verfolgung des Feindes, der sich 
indes bereits in Sicherheit befiand, detachierte.'*) Wundem muss 
man sich, dass eine Handvoll Leute einem Heere solch panischen 
Schrecken einzujagen und es ohne Schwertstreich in die Flucht zu 
schlagen vermag. Vielleicht hat sie der unerwartete Anblick unserer 
Leute, die sie überraschten, während sie dieselben noch ein paar 
Tagemärsche entfernt glaubten, so erschreckt, dass sie in ihrer Angst 
ihre Zahl überschätzten. — Der Graf Hess die Breschen ausbessern, ver- 
stärkte die Besatzung und kehrte, nachdem er seine Truppen 2 bis 3 
Tage hatte ausruhen lassen, wieder zurück, um auf den mit dem Her- 
zoge von Braunschweig verabredeten Tag nach dem Main zu mar- 
schieren, zumal Tilly, wie er hörte, bereits durch den Odenwald vor- 
gedrungen war, um diesen, wie dann geschah, anzugreifen. 

Noch befand ich mich in Ladenburg, sehr verwundert darübtr, 
dass man mich bei dem Rheinübergange bei Mannheim nicht zum 
Heere abgerufen, als zu nächtlicher Stunde — des Tags entsinne ich 
mich nicht mehr genau — ein Arkebusier mir vom Statthalter zu 
Heidelberg'-*^) die schriftliche Ordre brachte, unverzüglich mit meinem 
Volke über die Schiffbrücke zu gehen, dieselbe abzubrechen und zu 
ihm zu eilen: er habe Befehl gegeben, mir die Thore offen zu halten. 
So geschah es. Um Mittemacht kam ich dort an, am Morgen wur- 
den wir in den Häusem der Bürgerschaft einquartiert. Als ich dann 
den Statthalter besuchte, gab er mir den Grund an , weshalb er mich 
in solcher Eile abberufen hatte: er hatte nämlich erfahren, dass Tilly, 
der wenige Stunden von Heidelberg, sechs von Ladenburg entfernt, 
in der Gegend von Hirschhorn stand, 3000 Mann zu Fuss und 1000 
Reiter von seinem Heere detachiert habe, um mich zu überrumpeln, 
was ihm, da ich die Bresche noch nicht genügend hatte ausbessern 
können, wohl leicht geglückt wäre. Wirklich erschien auch das 
Kriegsvolk beim Tagesgrauen, sturmbereit, vor der Stadt, ein Ein- 
wohner aber, der herauskam, teilte ihnen mit, dass die Vögel schon 
aus dem Neste ausgeflogen seien. So rückten sie denn ein, plünderten 
das wenige, was noch übrig war, und stiessen dann im Odenwald 
wieder zu ihrem Heere, das, wie erwähnt, gegen den Braunschweiger 
zog.^O Der Fürst beschleunigte, als er dies merkte, seinen Marsch 
und lagerte sich zwei Tage vor dem verabredeten Termin vor Höchst 
(Heust), nahm die Stadt ein, schlug eine Schiffbrücke über den Main 
und verschanzte sich in seinem Lager, — das beste, was er thun 
konnte, — indem er voll Ungeduld Mansfeld erwartete, der sich nach 
Möglichkeit beeilte, ihn zu erreichen, ehe er von Tilly angegriffen 
würde. Dieser alte Fuchs (questo volpe vecchio) aber hatte keine 
Lust, ihre Vereinigung abzuwarten, sondern griff mit grosser Tapfer- 
keit den Herzog von Braunschweig in seinen Verschanzungen an 
und schlug in wenig Stunden sein Heer in die Flucht. ^) Der Her- 
zog hatte nämlich, als er den Feind anrücken sah, dem Tross die 
Brücke zu passieren befohlen, was zum Teil gelang, als aber seine 

Zeitichr. f. Ge«ch. d. Oberrh. N. F. VII. 1. 4 



50 Obser. 

Leute in VerwirroDg geraten waren, drängten aach sie sich zum Über* 
gange, da sie keinen andern Weg hatten, sich zu anserm Heere zu 
retten. Kam es auch zn spät, nm am Kampfe teilzunehmen, so er- 
schien es doch rechtzeitig genug, um die Flüchtlinge aufzunehmen. 
Etwa 3000 Mann hatten die Brücke überschritten, als sie plötzlich 
brach. Viele ertranken, unter ihnen der Graf von Löwenstein und 
andere Herren von Rang. Der Herzog selbst, der voraussah, dass 
er mit dem Rest seiner Leute und denen, welche sich unter die Ka- 
nonen von Höchst geflüchtet, unfehlbar gefangen genommen würde, 
entschloss sich mit der Reiterei, die ihm folgen wollte, durch den 
Fluss zu schwimmen. Dies gelang auch glücklich, einige Reiter^ 
die besser beritten waren, nahmen aus Mitleid sogar etliche In- 
fanteristen hinter sich aufs Pferd. Als der Graf von Mansfeld die 
Geschütze kräftig spielen hörte, rückte er an der Spitze der ganzen 
Reiterei im Trab vor und empfing den Herzog, der mit seinem Volk 
uns entgegeneilte, unter grosser Teilnahme an seinem Missgeschick.**) 
Es mochten mit den Überresten des Trosses, die wir gerettet, im 
ganzen noch etwa 6000 Reiter und über 2000 Mann zu Fuss sein, 
aber viele von ihnen waren ohne Waffen, überdies waren von dem 
stattlichen Heere viele im Flusse ertrunken, andere getötet, die Mehr- 
zahl aber hatte sich nach Höchst geflüchtet und war gezwungen, sich 
auf Gnade und Ungnade zu ergeben. In Eile liess Tilly die Brücke 
wiederherstellen, um die Unsrigen zu verfolgen, während er den 
Baron von Anholt mit der Reiterei mainaufwärts sandte, um etwa 
zwei Stunden oberhalb auf einer Brücke den Strom zu überschreiten. 
Er konnte jedoch an dem Abend die Unsrigen, die ihren Rückzug 
möglichst beeilten, nicht mehr erreichen. Am folgenden Morgen 
ging auch Tilly mit seinem ganzen Heere zur Verfolgung über den 
Main, Anholt aber erhielt gemessene Ordre, uns in ein Gefecht zu 
verwickeln. Die Unsrigen zeigten indes mehr Lust, sich zu salvieren, 
als sich zu schlagen, obgleich oftmals starke Reiterabteilungen den 
Nachtrab, der zu ihrem Empfang immer ein paar Schwadronen Kehrt 
machen liess, belästigten. So kamen unter stetem Geplänkel unsere 
Truppen an einen Graben (trincierone), der die Pfalz von dem darm- 
städtischen Gebiete scheidet. *®) Es wurde Abend, unsere Leute wa- 
ren müde und konnten nicht mehr weiter, sie sollten noch eine grosse 
Ebene, die Lorscher Heide genannt, passieren. Da entschloss sich 
der Graf, an ihrem Eingange zu lagern und liess die Zelte aufschla- 
gen, nachdem er den Oberst Goldstein mit 800 Musketieren zur Ver- 
teidigung jenes Grabens, etwa eine halbe Stunde weit von unserm 
Lager zurückgelassen. Es war unser Glück, denn durch die Auf- 
opferung der meisten dieser armen Leute vermied er eine Schlacht. 
Die feindliche Reiterei, welche die Unsrigen ihr Lager beziehen sah, 
gab die Verfolgung auf und benachrichtigte Tilly davon, der mit 
dem Gros des Heeres zu Anholt stiess und der gesamten Reiterei 
die Weisung erteilte, in der Nähe Quartier zu beziehen und bei 
Tagesanbruch aufzusitzen. Er freute sich schon, uns so nahe gerückt 
zu sein, in der sichern Hoff^nung, den Grafen zu einem Treffen zu 



Denkwürdigkeiten Yon Salis-Marschlins 1622. 51 

nötigen oder seine Trappen, während sie die weite Ebene passierten, 
zu zersprengen, allein er machte die Rechnung ohne den Wirt. 

Der Graf hatte inzwischen befohlen, die Rosse ausruhen zu lassen; 
wer Proviant hatte, sollte sich erfrischen, — er war aber gar spärlich 
bemessen im Heere. Als es dunkel wurde, Hess er in aller Stille die 
schwere Artillerie mit dem grössern Teile der Munition und dem 
gesamten Tross durch die Ebene gegen Mannheim abziehen. Er 
selbst behielt nur vier Feldgeschütze bei sich, machte sich um Mitter- 
nacht auf, ihnen in guter Ordnung zu folgen, und liess, da die Sol- 
daten überall, wo sie lagern, Wachtfeuer anzuzünden gewohnt sind, 
ein paar Leute zurück, um dieselben in Brand zu erhalten und den 
Feind, während er immer grösseren Vorsprung gewann, über seinen 
Abmarsch zu täuschen. Am nächsten Morgen rückte die Reiterei 
der feindlichen Vorhut frühzeitig vor, ohne zu ahnen, dass der Grenz- 
graben bewacht würde ; als die ünsrigen sie aber mit lebhaftem Mus- 
ketenfeuer begrüssten, sahen sie sich genötigt, halt zu machen und 
Fussvolk herbeizurufen, um freie Bahn zu schaffen. 2000 Mann 
wurden zum Angriff kommandiert; tapfer verteidigten sich die ünsri- 
gen, aber von der Überzahl überwältigt, wurden schliesslich fast 
alle niedergemacht, ihr Oberst selbst gefangen.'^) So opferten diese 
wackeren Leute ihr Leben für die Rettung ihres Heeres; denn auch 
dieser Zwischenfall verhalf demselben zu einem weiteren Vorsprung. 

Der arme Oberst aber wäre wohl zum Tode verurteilt worden, 
weil er sich erkühnt, mit so wenig Leuten einem so zahlreichen Heere 
den Pass streitig zu machen ; da er jedoch die schriftliche Ordre, die 
er empfangen, vorwies, fand der Kriegsrat, dass er in ehrlichem 
Kampfe gefangen und nicht des Todes würdig sei. Durch den Obersten 
erfuhr Tilly, dass Mansfeld, wie oben geschildert, sein Lager ab- 
gebrochen, und wurde schier rasend, dass er ihn nicht am Abend 
zuvor noch verfolgt. Die gesamte Reiterei erhielt Befehl, ihm in 
starkem Trab zu folgen, die Kroaten im Galopp, um ihn noch zu 
fassen, ehe er die über 6 Stunden lange Ebene, an deren Ende sich 
ein ziemlich grosser Wald befand, verlassen hätte.'') Es war ein 
überaus heisser Tag, viele arme Soldaten, die kein Wasser zum 
Trinken fanden, verliessen ihre Fahnen, um in weit entlegenen Dör- 
fern darnach zu suchen, sie wurden grösstenteils niedergemacht oder 
gefangen. Die Kroaten aber beeilten sich so, dass sie unsere Nachhut, 
die von jenem Walde, in den die Vorhut eben eingerückt, noch über 
eine Stunde entfernt war, schon zu necken begannen. Sie kümmerte 
sich indes nicht viel um die Kroaten, sondern schickte ihnen nur ein 
paar Schwadronen Arkebusiere entgegen und marschierte in guter 
Ordnung weiter. Allein gar bald war ihr die Hauptmasse der feind- 
lichen Reiterei auf den Fersen, so dass sie sich genötigt sah, ganze 
Regimenter Front machen zu lassen, um den feindlichen Anprall auf- 
zuhalten. Unter beständigem Kampfe, in dem ein Regiment stets dem 
andern half, zogen die Ünsrigen sich zurück und langten vor dem 
Walde an. Einige wenige drangen in Unordnung in denselben ein. 
Als der Graf, der an diesem Tage den Nachtrab führte und von der 

4* 



52 Obser. 

Gichtvgeplagt im Wagen sass, dies gewahrte, Hess er sich zu Pferde* 
setzen and eilte heiteren Angesichts zu den hintersten Reiterschwa- 
dronen, die, am den Wald za gewinnen, schon Miene machten, vom 
Schritt zam Trabe tiberzagehen. Sein Erscheinen hielt sie bei ihrer 
Pflicht fest Da die Reiterei der Nachhat darch fortdaaemden Kampf 
so erschöpft and ermattet war, dass sie nicht weiter konnte, liess er 
den Markgrafen von Darlach, der das Gros befehligte, bitten, ihm 
vier Reiterregimenter za senden, am den Rückzag za decken. Den 
Rest seiner eigenen Kavallerie stellte er schwadronenweise am Saam 
des Waldes aaf, das Fassvolk mit den Feldstücken in demselben, am 
den Feind za empfangen, falls die Nachhat in die Flacht geschlagen 
würde. Der wackere alte Herr (qaesto venerando vecchio) kam aach 
wirklich an der Spitze der vier vorzüglich bewaffneten Reiterregi- 
menter, am den Rückzag zu decken, and mosste sich fast die ganze 
feindliche Reiterei, die sich, da die Ebene gegen den Wald hin 
schmäler warde, nicht allzuweit aasdehnen konnte, vom Leibe halten. 
Der Herzog von Braanschweig , der die Avantgarde führte 3'), eilte 
indes ebenfalls mit ein paar von den besten seiner Schwadronen, den 
aaserlesensten im Heere, dem Markgrafen and dem Grafen za Hilfe, 
and vereint empfingen sie mit grosser Tapferkeit den Feind, der zam 
Angriflf heranrückte. Dadurch gewann die Nachhut Zeit, sich za 
salvieren; sie selbst zogen sich dann nach dem nahen Walde zurück, 
um sich dort nochmals zum Kampfe zu formieren. Da die Kroaten 
mit der übrigen ligistischen Reiterei ihnen stets auf dem Fusse folgten 
and nahe aufgerückt waren, liess man Musketiere zwischen den 
Schwadronen vortreten und auf die Verwegensten Feuer geben, 
gleichzeitig begannen auch die vier Geschütze zu spielen, so dass 
die Feinde halt machten und mit Verlust von 3 oder 4 Offizieren 
sich ein Stück ausser Schussweite zurückzogen, um Tilly zu erwarten. 
Dieser kam mit dem gesamten Fussvolk und der Artillerie spät an, 
ganz erschöpft und mehr nach Ruhe, als nach Kampf sich sehnend. 
Unsere Nachhut erhielt inzwischen Befehl, durch den Wald vorzu- 
rücken und jenseits mit der Vorhut gemeinsam beim nächsten Dorfe 
ein LÄger zu beziehen, während die genannten Feldherren mit dem 
Gros, um ihr Fussvolk zu retten, es auf sich nahmen, als die letzten 
den Wald zu passieren. Die Feinde Hessen jedoch in ihrem Ver- 
folgungseifer sichtlich nach; vermutlich besorgten sie, unser ganzes 
Heer stehe im Walde, um sie, sobald eine Abteilung eingedrungen 
wäre, niederzumachen, oder aber, die Unsrigen würden, wenn sie es 
vorgezogen, den Wald im Eilmarsch zu passieren, jenseits desselben 
in vorteilhafter Stellung ihr Schlachtfeld wählen und sie empfangen; 
dann aber könnte es ihnen leicht noch einmal ergehen wie bei Min- 
golsheim, da sie nur in einer Front von 6 Mann marschieren konnten 
and unsere Feldherren es in ihrer Macht hatten, beim Austritt aus 
dem Walde so viel durchzulassen, als sie wollten, um, wenn sie zur 
Hälfte ihn passiert, über sie herzufallen. 

Tilly entschloss sich daher, die Unsrigen in Frieden ziehen zu 
lassen und nahm zur Linken des Waldes seinen Weg nach einem 



Denkwürdigkeiten Yon SaUs-Marschlins 1622. 53 

grossen Dorfe, inmitten anderer Ortschaften, wo er mit seinem Heere 
<2nartier bezog, — voll Ärger, dass Mansfeld seinen Händen ent- 
schlüpft war. 

ünbelästigt passierte unser Gros. Infanterie und Reiterei, den 
Wald und vereinigte sich mit den beiden andern Truppenkörpem, 
KÜe sich bereits in einem 3 Stunden von Mannheim, eine halbe vom 
Walde entfernten Dorfe gelagert hatten. General Veer (Wer), ein 
ü^ngländer, der in Mannheim konmiandierte, liess alsbald eine Menge 
Kommissbrot und andere Erfrischungen für die höheren Offiziere 
schicken. Die Marketender aber, die immer beim Marsche vom d'ran 
sind, kamen frühzeitig in der Stadt an und beluden, wie auch andere 
thaten, etwa 100 Wagen und Karren in aller Eile mit Wein, Bier 
und allem, was sie auftreiben konnten, so dass sie noch am Abend 
unter allgemeinem Jubel im Lager eintrafen : fand sich doch mancher 
Beitersmann und Knecht, besonders unter den Leuten des Braun- 
;schweigers, der seit zwei Tagen kein Brot gesehen. Am andern 
Morgen setzte man, da Tilly nicht Miene machte, durch den Wald 
vorzurücken, unsererseits den Marsch bis Mannheim fort, wo sich 
das ganze Heer unter den Kanonen der Festung lagerte, um sich 
von dem mühevollen Marsche zu erholen; auch erhielt das Fussvolk 
des Braunschweigers neue Waffen, freilich nicht so hübsch, wie die, 
welche es zuvor gehabt, denn diese waren so gewichtig, dass sie 
jedem grossen Arsenal zur Zierde hätten gereichen können. 

Dies ist in Kürze eine wahrheitsgetreue Schilderung jenes be- 
rühmten Bückzuges des Mansfelders und der mit ihm verbündeten 
Fürsten, der damals für einen der herrlichsten und rühmlichsten galt 
seit Menschengedenken und bei dem ihm kein Unfall von Bedeutung 
begegnet. ^) 

Nicht unerwähnt kann ich lassen, dass ich niemals, weder früher, 
noch später eine schönere, besser berittene Beiterei als die des Braun- 
schweigers gesehen habe. Ich habe Kompagnien mit 120 auserlesenen 
Pferden gezählt; viele darunter ganz von einem Schlage, weiss, grau 
oder scheckig, andere wieder rot, schwarz oder braun; von den Beitem 
trug die Mehrzahl Büffelwams (buffolletti) und grauen Hut, sowie 
"blaue oder orangefarbene Schärpen 3'), lauter schmucke Bursche. 
Nur wenige Kompagnien aber waren noch mit dem Kürass bewehrt, 
sie hatten dieselben wohl auf der Strasse weggeworfen. Die guten 
Leute hatten fast all ihr Gepäck verloren; was sie am meisten ver- 
missten, waren die Lebensmittel, die sie mit sich geführt, darunter 
ihre schmackhaften westfälischen Schinken. Da grosser Mangel an 
Fourage für die Pferde herrschte, und die Lebensmittel unerhört 
theuer waren, mussten sie sich nun alle mit Kommissbrot begnügen. 
Allerlei Krankheiten rissen unter ihnen ein, und viele endeten gar 
kläglich ihre Tage. Man sah diese wohlgekleideten Beiter oft am 
Wegessaume hingestreckt») mit dem Tode ringen, ohne dass einer 



*) Wörtlich: an den Zäunen (vicini alli sciepi). 



54 Obser. 

ihnen ein wenig Wasser, ihre Lippen zu erfrischen, gereicht hätte. 
Im Gegenteil, man wartete nur darauf, bis sie den letzten Seufzer 
ausgehaucht, um sie zu berauben; viele thaten es selbst, während sie 
noch lebten. Es war bejammernswert, das Elend dieser armen Leute! 

Tilly fiel uns nicht sonderlich lästig; er besetzte mit seinem 
Volke eine Reihe von Dörfern und Burgen an der Bergstrasse, um 
von weitem Heidelberg einzuschliessen, das er, sobald die Hungersnot 
uns gezwungen, Mannheim zu verlassen, zu belagern gedachte. Es 
wurden daher zwei der besten Regimenter zu Fuss, die dem Pfalz- 
grafen gehörten, das eine unter Oberst Limbach — des anderen 
Namen ist mir entfallen — , zur Verstärkung entsandt. Ich selbst 
aber wurde mit meinen vier Fähnlein zum Heere abgerufen und bei 
dem Aufbruch desselben mit einigen andern Kompagnien zur Be- 
satzung nach Frankenthal beordert. ^^) Tilly, der nicht wusste, wohin 
unser Heer sich wenden würde, blieb in seiner Stellung und Hess nur 
CJordova mit seinem Corps umkehren, um den Zugang zu der von 
Spinola besetzten Unterpfalz zu decken. Die Hauptplätze dort waren: 
Oppenheim, Bingen, Bacharach und andere feste Schlösser, auch die 
Reichsstadt Worms. Zugleich erteilte er ihm den Befehl, unseren 
Marsch zu beobachten. Zwei neue Regimenter, die ihm Spinola 
schickte, stiessen des weitem dort zu ihm. 

Auffällig war es, dass trotzdem es an Fourage für die Reiterei 
fehlte und nur wenig Lebensmittel beschafft werden konnten, da 
General Veer uns kein Kommissbrot mehr liefern wollte, angeblich 
weil es fflr die eigene Besatzung nicht ausreichte '0« ~ d^^ss trotz all 
der Not weder Reiterei noch Fussvolk irgendwie Miene machten, 
sich zu empören oder ihren Sold zu begehren, sondern lediglich 
baten, man möchte sie in ein Land führen, wo sie ihren Lebens- 
unterhalt fänden. Aus dem Grund gingen denn auch viele wirklich 
zum Feinde über. 

Während das Heer wieder nach dem Main hinabmarschierte''), 
wohin auch Tilly sich gewandt, begab der Pfalzgraf und Böhmenkönig 
sich nach seiner Residenzstadt Heidelberg, wo ihn die armen Bürger 
und die ganze Besatzung mit ausserordentlichen Freudebezeugungen 
empfingen. Aber der Jubel war nur von kurzer Dauer, denn die 
Feldherren teilten ihm mit, dass sie sich entschlossen, in das speierische 
Gebiet einzufallen, um dem Heere für ein paar Tage Unterhalt zu 
verschaffen, ja selbst noch weiter vorzurücken, falls es sich bestätigte, 
dass Erzherzog Leopold abermals Hagenau belagerte; zugleich baten 
sie ihn, sich nicht in der Stadt einschliessen zu lassen: sobald sie 
sich mit dem Heere entfernten, würde Tilly die Stadt belagern, sie 
selbst aber könnten ihr dann keine Hilfe bringen. Wenn er sich 
aber zu den Truppen begeben wolle, würden sie ihn mit dem grössten 
Teil der Reiterei dahin geleiten. Bereits begann das Heer die Schiff- 
brücke über den Rhein zu überschreiten *'), er ging daher auf ihren 
Rat und Vorschlag ein, die Kavallerie unter dem Herzoge von Braun- 
schweig holte ihn ab und geleitete ihn bis zum Lager, während die 
armen Unterthanen zurückblieben, jetzt wohl ebenso niedergebeugt 



Denkwürdigkeiten von Salis-Marschlins 1622. 55 

durch seine unverhoffte Abreise, wie sie sich wenige Tage zavor über 
seine Ankunft gefreut 

Das Heer marschierte dann nach Neustadt, Germersheim, Landau 
und etlichen bischöflich speirischen Besitzungen, wo es sich ein paar 
Tage lang erholte. Der Markgraf von Durlach aber ging mit 3000 Mann, 
die ihm gehörten, auf einer Schiffbrücke über den Rhein, um seine 
eigenen Lande zu schützen.^®) Auch blieben auf Wunsch des Generals 
Veer die Reiterregimenter von Obertraut und Menghen, die dem Pfalz- 
grafen gehörten, zurück. 

In Neustadt empfängt Mansfeld ein Schreiben des Kriegsrats 
aus Bünden, der um Entlassung von Salis ersucht. Vergeblich müht 
sich der Statthalter zu Frankenthal, ihn zurückzuhalten, mit Mans- 
fdds Erlaubnis kehrt Salis, wohl in Gesellschaft des bündnerischen 
Residenten Joh. Peter Jenett, durch das Elsass nach der Heimat 
zurück. 



Anmerkungen. 

Ausser der einschlägigen Litteratur sind in diesem Teile auch Akten des 
Karlsruher Haus- und Staatsarchivs, der Abteilung Bruchsal Generalia 
des Greneral- Landesarchivs und des Egl. bair. allgem. Reichsarchivs in 

München verwertet worden. 

*) Vgl. RemliDg, Gesch. der Bischöfe von Speier I, 466; Theatr. Eu- 
rop. I, 713. Die Übergabe erfolgt nach Theatr. Europ. I, 718 am 23. Apr. 

2) Der obenerwähnte Hieronymus Beck aus Basel, der ausser dem 
Schweizerregimente noch ein Fähnlein des Reiterregiments Linstow be- 
fehligte. 

^) Bei Russheim. Der Rheinübergang beginnt nach Mansfelda 
eigener Angabe in der Nacht vom 23. /24. April; nach den Daten bei Salia 
wäre, dem Treffen von bei Mingolsheim (27. April) rückwärts gerechnet, 
für den Beginn die Nacht vom 22./23. April anzusetzen. Möglich, dass 
einzelne kleinere Truppenabteilungen zu Schiffe schon früher über den 
Strom gesetzt sind und Mansfelds Äusserung sich auf die Hauptmasse 
des Heeres bezieht, die auf der Schiffbrücke übergeführt wurde : so liessen 
sich die einander widersprechenden Angaben vereinigen. Beendet ist 
der Rheinübergang am 24. April gegen Mittag, vgl. das angeführte Schrei- 
ben Mansfelds bei Gmelin, im Zusammenhang mit Theatr. Europ. I, 718. 
Nachmittags erscheint Kurfürst Friedrich zur Heerschau. Daran reiht 
sich nach Sahs: Nachtquartier vom 24./25. April zu Russheim, am 25ten 
Marsch nach Bruchsal, am 26ten nach Mingolsheim, Nachtquartier, am 
27ten Yorstoss gegen Wiesloch und Rückzug, Treffen bei Mingolsheim. 

*) Die Ankunft des Kurfürsten Friedrich in Germersheim erfolgt 
am 22. April (vgl. Gmelin, Z. G. 0. Bd. 32, S. 23; Theatr. Europ. I, 717; 



56 Obser. 

nach A. v. Pfister, Herzog Magnus y. Würtemberg, S. 135 fJUschlidi 
18. April). AnfiiEdlend ist, dass das Gerücht hievon sich erst am 24tea 
beim Heere verbreitet haben solL 

^) Die Angaben über die Effektivstärke des zu Felde ziehenden 
Mansfeld'schen Heeres sind, wie Gindely, Gesch. des 80(jähr. Kriegs, IV, 
837, mit Kecht annimmt, fast durchgehends übertrieben. Hurter (Kaiser 
Ferdinand n., Bd. IX, 91) und nach ihm 0. Klopp (Tilly, 1, 139), spricbc 
von 35 000 Mann, Ütterodt zu Scharffenberg (Graf Ernst v. Mansfeld 
S. 420) gar von 40000. Der Wirklichkeit näher kömmt die Notis bei 
Yillermont (Emest Comte de Mansfeld, n, 5), nach der 11 Regimenter 
z. F. und 48 Schwadronen ins Feld rücken. Sie entstammt anscheinend 
dem Abschnitte über die Belagerung von Ladenburg im Theatr. Europ. 
I, 718, dabei ist aber zu beachten, dass in dem berührten Zeitpunkte 
nach Sitzingen 10 Cornet, — nach Salis und den ligistischen Berichten 
zwei Regimenter Reiterei — bereits zum badischen Heere abkommandiert 
und kleinere Abteilungen wohl auch da und dort als Besatzungen zurück- 
geblieben waren. Vgl. Gmelin, a. a. 0. 31, 432. Zu einem Resultate, welches 
sich mit der Angabe bei Salis im wesentlichen deckt, gelangt v. Pfister (Her- 
zog Magnus v. Würtemberg. Stuttg. 1891, S. 146): „mindestens 20000 
Mann^. Für die Sollstärke setzt ein mir vorliegendes „Verzeichnus*' 
(KriegskoUektaneen des Markgr. Georg Friedrich, Bd. I, fol. 427«) die 
ungeheuerliche Zahl von 84 300 Mann an. Volle Klarheit wird nur eine 
kritische Prüfung der Frage auf Grund des reichhaltigen Münchener Akten- 
materials, wie wir sie wohl von K. v. Reitzenstein in seiner Fortsetzung 
der (Schichte des Feldzuges von 1622 erwarten dürfen, zu bringen im 
Stande sein. 

^ Zum Aufbruch und Marsch des Markgrafen vgl. die Aus- 
führungen bei Gmelin, diese Ztschrfb. 81, 441, die in ihrem ersten Teile 
nur dadurch in Unordnung geraten sind, dass Gmelin im Widerspruch 
mit den Quellen, auch den Akten, aus Versehen den Abmarsch auf den 

24. statt auf den 25. April verlegt. Die Reihenfolge der Ereignisse ist: 

25. April Aufbruch, Marsch nach Rinklingen; 26. Bivouak auf dem Wege 
nach Eppingen; 27. Eppingen (gegen Gmelin diese Ztschrft. 81, 423, 
nach Sitzingen und Tilly's Schreiben an Job. Friedrich v. Würtemberg 
vom 8. Mai bei v. Pfister a. a. 0. 181), Steinsberg, Hilsbach, Waldangel- 
loch; 28. Östringen, Einnahme von Waldangelloch, Verfolgung Tilly's; 
29. Sinsheim. Wenn Salis annimmt, dass die Einschliessung Sinsheims 
dem Marsche Tilly's nach Wiesloch vorangegangen und denselben erst 
veranlasst hat, so beruht dies natürlich auf Irrtum. Die Angabe über 
die Effektivstärke des badischen Heeres dürfte der Wirklichkeit 
sehr nahe kommen. Gmelin, der zuerst die übertriebenen Angaben von 
ligistischer Seite zurückgewiesen, setzt die Ziffer noch zu hoch an (15 000 
Mann im ganzen). Reitzenstein schätzt sie auf 10000 Mann z. F. und 
2700 Reiter. Eine Heeresliste, die für die Beurteilung der Frage ent- 
scheidend sein dürfte, gedenke ich demnächst an dieser Stelle zu ver- 
öffentlichen. 

7) Ein erster Zusammenstoss mit Tilly, bei dem Mansfelds 



Denkwürdigkeiten von Salis-Marschlins 1622. 57 

Dragoner mit dem Feind handgemein wurden, scheint schön am 26. April 
gegen Abend erfolgt zu sein; Mansfeld, der bereits Mingolsheim passiert 
Jhatte, überzeugte sich, dass die Stellung des Gegners „wegen enge der 
päss" unangreifbar sei, und kehrte mit dem Fussvolk nach dem Dorfe 
zurück, von wo er am andern Morgen den Bückzug gegen Bruchsal an- 
trat. So berichten wenigstens im Gegensatz zu Salis zwei Belationen, die 
neben den Denkwürdigkeiten des Bündners unsere Hauptquellen für 
das Treffen vom 27. April bilden: eine englische (A relation of the King 
of Bohemia and count of Mansfeld encounter with Tilly; abgedruckt in 
^The negotiations of Thomas Boe, London 1740, I, 39), die bisher in der 
einschlägigen Litteratur völlig unbeachtet geblieben ist, und eine aus Bruch- 
sal vom 20./30. April datierte deutsche: „Kurtzer Bericht auß der Eon. 
May. zu Böheimb, Pfftltzgraff Friderich Churfärstl. Hauptquartier zu 
Brüssel, was sich ... den 17 Alten vnd 27 Neuwten Kalenders bey 
Mingolsheim am Brurein . . . verloffen vnnd zugetragen hat^, die, wie der 
Titel besagt, „von einem fümemen Soldaten^ als Augenzeugen verfasst 
ist (Herzogl. Bibliothek zu Wolfenbüttel. Mischbände. Histor. No. 187; 
imitiert von Gmelin, diese Ztschrft. 31, 431, benützt, wenn auch nicht ci- 
tiert von Heilmann, Eriegsgesch. von Baiem etc. I, 1, S. 129); als Vor- 
lage hat derselben, wie ich sehe, eine, von w/enigen Zusätzen abgesehen, 
wörtlich fast durchweg übereinstimmende handschriftliche Relation (A) 
gedient, die sich im Münchener Beichsarchiv (3Qjähr. Krieg, Fasz. XYlll, 
No. 150, fol. 191 ff.) findet und, wie ein Dorsalvermerk lehrt, „pour Ma- 
dame la Douariere Electrice Palatine" bestimmt war. Eine weitere Ver- 
sion (B) — ebenda fol. 195 ff. — giebt am Schlüsse noch eine Liste der 
gefangenen, in Bretten internierten ligistischen Offiziere. 

^) Über die Regimenter Obemtraut und Ortenburg vgl. v. Reitzen- 
stein, Feldzug des Jahres 1622, Heft 1, S. 113 und 116. Unter Linzan 
ist das Regiment Linstow zu verstehen, unter Ghifft das Regiment Gyffen, 
das Reitzenstein in seiner Geschichte des Feldzuges von 1621, S. 128 er- 
wähnt, unter den Bestandteilen des Heeres von 1622 aber nicht aufführt. 
Vgl. auch Heilmann, Kriegsgesch. von Baiem etc. H, Abt. 1, S. 123. 
Das alte Regiment ist ohne Zweifel identisch mit dem von Reitzenstein 
•{Feldzug des Jahres 1621) mehrfach genannten Regimente Alt -Mansfeld 
z. F., welches in einem mir vorliegenden „Verzeichnus" auch als das 
weisse und blaue bezeichnet wird („Ihr Ex. ander Regiment genant daz 
weiße vnd blaue oder daz Alt"). — Nach der englischen Relation wären 
4ie Regimenter zu Pf. Obemtraut und Weimar (sie!), das englische Re- 
^ment z. F. unter Sir Andrew Grey und andere zuerst mit dem Feinde 
handgemein geworden, doch verdient in diesem Punkte Salis, der selbst 
dem gegen Wiesloch vorgeschobenen Tmppenkörper angehörte, mehr 
Glaubwürdigkeit. — Es handelt sich also lediglich um eine Rekognoszierung 
behufs Aufklärung über Stärke und Stellung des Feindes. Die landläufige, 
auf ligistischen Quellen beruhende Annahme, Mansfeld habe nach wohl 
überlegtem Schlachtplan durch Kriegslist auf diese Weise den Gegner 
aus vorteilhafter Stellung herauszulocken beabsichtigt, ist unhaltbar. 
Aus der Darstellung bei Salis, der über den Sachverhalt wohl unterrichtet 
sein konnte, wie aus der englischen Relation ergiebt sich unwiderleglich, 



58 Obser. 

dass Mansfeld jedem Zusammenstosse mit Tilly mdglichst auszuweiche» 
suchte, weil er, wie die letztere Quelle in Verbindung mit Sitsdngens Be- 
richt bezeugt, Yor der Vereinigung mit dem anrückenden markgrftflichfla 
Heere sich in keinen Kampf einzulassen entschlossen war (with a re- 
Solution to hazard nothing tili they were joyned with him). Durch die 
Verhältnisse erst ist Mansfeld gedrängt worden, sich dem Gegner sa 
stellen, im Vertrauen auf die Gunst des Augenblicks, die Blosse, die der 
Feind sich gab, benützend, vielleicht auch, weil er bei dem Rückzuge in 
dem sumpfigen Gelände seine Geschütze zu verlieren befürchtet (Gindely, 
IV, 858), hat er dann allerdings, ehe der Markgraf ihm zu Hilfe eQen 
konnte, den Kampf aufgenommen. 

^) Stellung der beiden Heere vor dem Treffen. Die Schilderung^ 
des Geländes, die Salis giebt, ist im wesentlichen richtig. Tilly 's Truppen» 
die von Wiesloch anrückten, haben wohl, mit dem Rücken an den nord- 
östlich gegen Malschenberg sich erstreckenden Höhenzug angelehnt, auf' 
der nördlich vom Dorfe gelegenen, von diesem durch die Kleine (Alte- 
oder Mühl-) Bach getrennte Anhöhe des „Hühnerbergs*^, deren höchste 
Erhebung heute durch ein Steinkreuz bezeichnet ist, ihre Stellung ge- 
nommen. Der Rand des Baches fällt hier auf beiden Seiten ziemlich 
steil ab ; westlich vom Dorfe, wo die Ufer sich senken, bot ein Übergang 
an sich wohl keine Schwierigkeiten, hier aber hinderte sumpfiges €relände 
das Vordringen in breiter Front vor allem für die Reiterei. Mansfelds 
Stellung haben wir etwa auf der südlich vom Dorfe befindlichen Anhöhe 
des „Äusseren Ohrenbergs^ zu suchen; auf dem vorliegenden, nach dem 
Dorfe sanft sich abdachenden Terrain, sowie auf den morastigen Wiesen 
(unterhalb der Bergstrasse) hat sich das Treffen abgespielt. Das Dort 
selbst hinderte Tilly an dem freien Überblicke über das Gefechtsfeld. Alle 
Vorteile der Position hatte Mansfeld inne. 

^^) Flucht über die Brücke. „Over a straight passage", „durch 
(vber) ein sehr engen Pass^ flüchten sich nach der englischen und der 
deutschen Relation die versprengten Mansfeld'schen Reiter; „vber den 
selben Engenpass** setzt dann nach Sitzingen Tilly 's Avantgarde. Daraus 
ist denn durch Missverständnis bei Klopp (Tilly I, 143) und Ütterott 
(Ernst V. Mansfeld, S. 426) ein Hohlweg geworden. Wie schon der Aus- 
druck über andeutet, kann davon nicht die Rede sein. Gemeint ist, wie 
nach der anschaulichen Schilderung von Salis nicht mehr bezweifelt werden 
kann, eine Brücke über die sog. Kleine oder Alte Bach, die wir wohl an 
der alten von Langenbrücken nach Wiesloch führenden Heerstrasse, am 
westlichen Ende des Dorfes zu suchen haben. 

*^) Des Vorfalls gedenkt auch der „Kurtze Bericht", der den Verlust 
des Schweizerregiments bei dieser Gelegenheit auf 25 Mann beziffert. 

^2) „II reggimento rosso e gialdo*^, — als rotes Regiment wird das 
firüher von dem Obersten Ferentz, 1622 von Oberst v. Schlammersdorff 
befehligte Regiment Mansfeld zu Fuss bezeichnet (vgl. Reitzenstein, Feldzug 
des Jahres 1621, S. 126), ein gelbes Regiment ist nicht bekannt. 

^') Nach der englischen Relation 2 Regimenter z. Pf. und 2 bis 



Denkwürdigkeiten Yon Salis-Marschlins 1622. 59 

8 Regimenter z. F. Ihre Angaben über den Verlauf der Schlacht be- 
BtfttigCT in allen wesentlichen Punkten, was Salis mitteilt; ebenso der 
^urtze Bericht**. 

^*) Der Verlust an Toten, Verwundeten und Gefangenen auf 
beiden Seiten. Eine kurze Zusanmienstellung bei Gmelin, diese Ztschrfb., 
31, 431. Der Verlust Tilly's an Toten wird übereinstimmend mit Salis 
▼on Sitzingen auf 2500 (nebst 800 Verwundeten), in der englischen Relation 
auf 2400 angegeben ; der markgräfliche Sekretär Abel schätzt ihn auf über 
2000 Mann, ebenso das Theatr. Europaeum I, 718, und „Kurtzer Bericht**. 
Ligistische Berichte dagegen — ihnen folgt allein 0. Klopp, a. a. 0. 1, 148 — 
wollen nur von 4- bis 500 Toten wissen, die Höchstzahl, die von dieser 
Seite zugegeben wird, beziffert den Gesamtverlust an Toten und Ver- 
wundeten auf 1000 Mann. Wenn man erwägt, dass Salis in seinen Zahlen- 
angaben sehr nüchtern verfährt und die eigenen Verluste nirgends zu 
bemänteln versucht, dass andere von ihm unabhängige Quellen seine An- 
gabe bestätigen, wird der Verlust Tilly's an Toten allerdings auf etwa 
2000 bis 2500 Mann anzusetzen sein. Die Zahl der Gefangenen schätzt 
Salis auf 500 Mann, weitere Daten liegen nicht vor. Ein Verzeichnis der 
gefangenen Offiziere von Rang (Oberst v. Herzelles, Oberstwachtmeister 
V. Thüngen etc.) giebt das Theatr. Europ., als Vorlage ist augenscheinlich 
eine ausführlichere Liste, die sich am Schluss der Münchener Relation B 
findet, benützt. Der von Salis genannte Oberst Erwitte (Erwiz), der ein 
ligistisches Reiterregiment führte, wird sonst nirgends unter den Gefangenen 
aufgeführt. Nach Aussage eines Pagen Tilly^s wähnte man in der ersten 
Siegesfreude im pfälzischen Lager den Feldherrn selbst gefangen oder ver- 
wundet (vgl. V. Pfister, Herzog Magnus von Würtemberg, S. 151 ; „Kurtzer 
Bericht*' und die englische Relation). Ein genaues Verzeichnis der Kriegs- 
beute giebt nach den bairischen Akten Heilmann, Kriegsgesch. v. Baiem etc. 
n, Abt. I, S. 129 Anm. ; danach fielen 8 Standarten , nach dem „Eurtzen 
Bericht", der die Trophäen eingehend beschreibt, 8 Standarten und 5 Feld- 
zeichen in die Hände der Sieger. Abweichend Theatr. Europ. 13 : 4, 
V. Pfister 7 : 6. Über den Verlust auf Seiten der Sieger finden sich 
nur spärliche Nachrichten. Nach einer ligistischen Quelle, der Flugschrift 
„La Victoire etc.** (abgedruckt bei Gmelin, diese Ztschrft., 31, 381 ff.), 
würde er sich auf 800 Tote belaufen haben; das Theatr. Europ. schätzt 
ihn auf etwa 100 Mann, Sitzingen vollends nur auf etliche dreissig. Der 
„Kurtze Bericht** beziffert den Verlust vom Vormittage auf 70, vom Nach- 
mittage auf 15 Mann (25 ist, wie die beiden handschriftlichen Münchener 
Vorlagen zeigen, Druckfehler). Dem gegenüber konstatiert Salis, dass bei 
dem fluchtähnlichen Rückzuge am Vormittage allein 150 geblieben, eine 
Verlustziffer über den Kampf am Nachmittag giebt er nicht, bemerkt aber, 
dass das bis zum Abend andauernde Geplänkel mehr Opfer gefordert, als 
das Treffen selbst. 

^) Mansfelds Verhalten nach derSchlacht. Das Fürstentum 
Bruchsal. Vgl. die hiemit völlig übereinstimmende Stelle der englischen 
Relation: „There were some who would haue beene pursuing the enemyes 
in their flight, but the count Mansfeld commanded a retreate to be sounded,. 



^0 Obser. 

wisely forseeing that if his men should have passed oaer that same 8trei|^ 
they might have also incurred the same danger from the enemyes, irho 
all this whele held his mayne battayle firme on his side as the coont ef 
Mansfeld did his on the other, tili the enemy parted them in secority 
on both sides." Dies erklärt allerdings, weshalb Mansfeld zunächst 
auf eine Verfolgung des Feindes verzichtet. Vorwurfefrei ist seine Hal- 
tung nach der Schlacht indes keineswegs, unverständlich bleibt vor allem 
der übereilte Rückmarsch nach Bruchsal. Von einer Übermüdung der 
Truppen, die Mansfelds Sekretär Weiss als Grund anfahrt, indem er 
bemerkt, sie seien vom 27ten vormittags 10 Uhr bis zum 28ten firüh 
4 Uhr unter den Waffen gestanden und marschiert (pour se refraischir 
un peu apres l'insigne fatigue^. Weiss an v. Winnerberg, Bruchsal, 
19./29. April. München, Reichsarchiv, Fase. XVIII, 150), kann doch nur 
l)ei einem kleinen Teile die Rede sein. Die Hauptmasse griff erst am 
Nachmittag in den Kampf ein, das Treffen war von kurzer Dauer, an- 
strengende Märsche waren nicht vorausgegangen. Statt seine Position zu 
behaupten und die Bewegungen Tilly's zu überwachen, tritt Mansfeld, 
offenbar aus Furcht vor einem erneuten Angriffe Tilly's mit Einbruch 
der Nacht, gegen 9 Uhr den Rückzug nach Bruchsal an; in dem nieder- 
gebrannten Dorfe Langenbrücken hält er kurze Rast und fertigt am 
Wachtfeuer verschiedene Kuriere ab („Kurtzer Bericht" ; eines der Si^^- 
l)ulletins bei Villermont, II, 414). In der Frühe des 28. April erreicht 
er Bruchsal, hier erst auffallenderweise erfährt er von der Verwirrung, 
in der Tilly sich zurückgezogen, aber statt jetzt wenigstens die Verfolgung 
mit aller Energie aufzunehmen, bleibt er müssig in Bruchsal liegen. Vom 
militärischen Standpunkte aus ist und bleibt sein Verhalten unverständlich, 
auch die allgemeine politische Lage bietet keinerlei Erklärung. Allein 
militärische und allgemein politische Erwägungen haben Mansfelds Ent- 
schlüsse nicht immer geleitet, er hat nebenher auch auf eigene Faust 
und Rechnung Politik getrieben und über dieser persönlichen Interessen- 
politik, wie Stieve (Sitzungsberichte der Münchener Akademie, Jahr 1890, 
S. 507 ff.) unlängst mit Recht hervorgehoben, den Vorteil der allgemeinen 
Sache, der er zu dienen berufen war, nicht selten verabsäumt. Man 
^erinnert sich an die ehrgeizigen, auf Gründung eines eignen Fürstentums 
gerichteten Bestrebungen, die er in Böhmen, im Elsass und in Ostfiries- 
land verfolgt hat. Ähnliche Gedanken beschäftigen ihn auch, wie sich 
auf Grund bisher unbekannter Thatsachen*), nachweisen lässt, nach dem 
Treffen bei Mingolsheim. Am Tage nach der Schlacht, am 28. April 
früh morgens überträgt der Kurfürst ihm zu Bruchsal in der „Domherm- 
stube'', im Beisein seiner Obersten, die eroberten speirischen Lande als 
eigenes Fürstentum, wenige Stunden später schon wird Rat und Bürger- 
schaft unter Drohungen gezwungen, ihm den Huldigungseid zu leisten 



*) leb entoebme diesAlben den Prozessakten des Bmobsaler Stadtscbrelbers Llboriof 

Hartaog contra Biscbof Philipp Obristopb ron Speier, die über die Vorginge zn BmchMÜl 

im Norember 1621 und April 1622 eingehende Nachrichten euihalten (Bmchaal Gen., FaM. 

2189. O.L.A.). Die Stadt ist wegen die«er erswnngenen Hnldif ong nachmals ron dem er- 

vstimten Bischöfe fQr knrse Zeit ihrer PriTilegien and Qüttr beraabt und snm Landort« 

■degradiert worden. 



Denkwürdigkeiten von Salis-Marschlins 1622. 61 

als Statthalter bestellt er den Grafen Ortenbarg: er eilt, wie wir sehen,, 
sich seinen neuen Besitz zu sichern und sich häuslich einzurichten. In 
rücksichtslosem Egoismus setzt er alle andern hohem Interessen beiseite. 
Erst am 30. April giebt er Befehl zum Aufbruch nach Sinsheim, erst an 
diesem Tage ist die Begegnung mit Georg Friedrich erfolgt (gegen 
Gmelin, diese Ztschrft. 31, 431 nach „Eurtzer Bericht^), — zu spät, 
das Versäumte nachzuholen. 

'^) Der entscheidende Angriff Mansfelds und mit ihm das^ 
eigentliche Treffen begann nachmittags 2 Uhr, er ist siegreich beendet 
gegen 3 Uhr. Auch Sitzingen bezeugt, dass der Eampf um die dritte 
Nachmittagsstunde stattgefunden. Unter den Eegimentern, die bei der 
Attake beteiligt waren, erwähnt der „Kurtze Bericht" besonders Obem- 
traut, Linstow und Ortenburg. Nach Sitzingen hat zu der Entscheidung, 
des Tages Oberst Obemtraut, der selbst verwundet wurde (Villermont, 
Tilly, 145), durch einen Flankenangriff, der die feindliche Aufstellung 
durchbrach, wesentlich beigetragen. — So leicht, wie die Quellen es dar- 
stellen, ist indes der Sieg wohl doch nicht errungen worden; dreimal' 
scheinen die Truppen Tilly's versucht zu haben, den Feind zurückzuwerfen 
(Gmelin, diese Ztschrft., 81, 372), beim zweiten Ansturm gerieten selbst, 
wie von gegnerischer Seite zugestanden wird, die Regimenter Obemtraut 
und Weimar einen Augenblick ins Wanken, bis sie auf des Eurfürsten 
ermunternde Worte wieder vorrückten. — Des Unwetters, das während 
desselben losbrach, gedenkt das Tagebuch des Obersten Augustin v. Fritsch- 
(ein greulich Regen ... als wanns ein Wolckhenbruch gewest were). Von 
einer „ungewöhnlichen schwartzen Wolcken**, die man in der kritischen 
Zeit von der Höhe bei Waldangelloch beobachtet, nimmt Sitzingena 
Bericht Notiz. In dem sumpfigen Gelände südlich und östlich von Min- 
golsheim, auf welches noch heute die Gewannnamen „Im See", „Moor- 
lache" u. a. hinweisen, bedurfte es wohl kaum eines Wolkenbruches, das- 
selbe ungangbar zu machen. 

^') Genaz, von dem diese Episode handelt, ist zweifellos kein Andrer 
als unseres Bündners Landsmann, der aus den Bündnerkämpfen wohl- 
bekannte, durch des Dichters prächtiges Zeitbild auch weitem Kreisen 
vertraut gewordene Jürg Jenatsch, der im Herbst 1621 mit Salis der 
Heimat den Rücken gekehrt und bei Mansfeld Dienste genommen. Vgl. 
Allg. Deutsche Biographie, 13, 764. 

^^ Tilly's Rückzug. Vemrsacht war derselbe nicht durch die in 
dem Treffen erlittenen Verluste, sondern, wie Fritsch bezeugt, durch die 
von Kundschaftern bestärkte Befürchtung, es möchte das Heer des Mark- 
grafen ihn im Rücken fassen und von der Neckarlinie abschneiden. Ein 
Teil seiner Tmppen hat wohl auf der Strasse über Östringen das Angel- 
bachthal bei Eichtersheim erreicht und ist von da über Düren nach 
Sinsheim marschiert, die Hauptmasse aber scheint, indem sie den Weg 
durch das Katzbach thal über Odenheim, von da über Hilsbach nahm 
die markgräfliche Stellung südlich umgangen zu haben (Sitzingen). Dasa 
der Rückzug über Sinsheim ging, wo man wohl, um den Feind aufzu- 



^2 Obser. 

halten, 300 Mann unter dem Oberstwachtmeister Lung zurückliess, ersählt 
auch Fritsch. Immerhin bleibt nach der Lage der Dinge dies Manöver 
ein gewagtes. Die leichtere Verbindung mit Mosbach und Wimpien, wie 
y. Pfister, a. a. 0. 149, meint, erklärt dasselbe keineswegs, die Umgehung 
konnte misslingen; wenn Mansfeld rechtzeitig Kunde erhielt und um- 
kehrte, lief TiUy Gefedir, zwischen zwei Feuer zu geraten. Nach Maas- 
gabe des vorliegenden Materials versteht man schlechterdings nicht, wes- 
halb Tilly sich nicht auf der Bergstrasse nordwärts zurückzog, um sich 
mit der Vorhut Cordoba's unter Losada, die am 27ten vor Ladenboif 
stand und Tilly von ihrer Ankunft benachrichtigt hatte, zu vereinigen. 
Über Losada's Marsch und Stellung vergleiche die von deutscher Seite 
bisher durchgehends vernachlässigte, höchst beachtenswerte Korrespon- 
denz Cordoba's in der Colleccion de documentos ineditos para la bist, 
de Espafia. Tom. 54. Madrid 1869 

1^ Verhalten des badischen Heeres während und nach der 
Schlacht. Gegen die vorliegende Darstellung, die den Markgrafen 
schwer kompromittieren würde, sprechen erhebliche Bedenken. Abgesehen 
davon, dass eine so übelangebrachte Bitterlichkeit, die der Thorheit gleich- 
käme, diesem Fürsten, nach allem, was wir sonst von ihm wissen, sicher- 
lich nicht zuzutrauen wäre, ist es zunächst sachlich unrichtig, dass der 
Markgraf am Morgen nach dem Treffen Sinsheim belagert haben solL 
Er stand vielmehr an diesem Tage bei Waldangelloch, bezw. östringen, 
wie Sitzingen und Herzog Magnus (v. Pfister, S. 150) ausdrücklich be- 
zeugen, erst am Nachmittag des 29ten kam er vor Sinsheim. Irrig sind 
femer die Angaben über die Verfolgung. Georg Friedrich hat, nachdem 
er am 27ten spätnachmittags, in Eppingen vermutlich, von dem Treffen 
erfahren, nichts versäumt, um noch rechtzeitig eingreifen zu können : auf 
dem Wege nach der Bergstrasse erreichte seine Avantgarde in einem (Ge- 
waltmärsche noch am Abend die Höhe von Waldangelloch (Sitzingen). 
Sie kam zu spät, um sich an dem Kampfe beteiligen zu können, aber 
noch frühzeitig genug, um die feindlichen Truppen, unter denen auf die 
Kunde vom Anmarsch des Markgrafen eine Panik ausgebrochen zu sein 
scheint, auf ihrem Bückzuge nach dem Angelbachthal in der Flanke zu 
fassen und ihnen erhebliche Verluste — 2- bis 800 Todte , 1- bis 300 Ge- 
fiingene, die zum Teil badische Dienste nahmen, — beizubringen. Vgl. 
Sitzingen, Herzog Magnus (v. Pfister, S. 151), Fritsch und die Aktenstücke 
No. 61 und 62 bei Gmelin. Nicht geleugnet werden kann, dass die Ver- 
folgung mit weit mehr Energie hätte betrieben werden sollen; die Lage 
des feindlichen Heeres wäre dann eine verzweifelte geworden. Mängel im 
Nachrichtendienst, „Mangel an einem Ineinandergreifen der Operationen** 
tragen wohl die Schuld an dem Versäumnis. Wenn man mit Becht dem 
Markgrafen daraus einen Vorwurf machen kann, wird man zweifelsohne 
weit mehr berechtigt sein, einen solchen wider Mansfeld zu erheben, der, 
ohne irgendwie sich an der Verfolgung zu beteiligen*), sich nach Bruch- 
sal zurückzog und dort, die kostbare Zeit versäumend, ein paar Tage 



*) Dms man badlscberseita bestimmt darauf rechnete, beiengt Henog Magnat 
(T. Pflster, a. a. 0. S. 161). 



Denkwürdigkeiten von Salis-Marschlins 1622. 63 

müssig lag. Auf einem Irrtum beruht endlich auch, was Salis bezüglich 
der beiden Mansfeld^schen Reiterregimenter bemerkt: nach der bestimmten 
Aussage Sitzingens, hierin eines verlassigeren Zeugen, sind die Mansfeld'- 
schen Reiter — 14 Comet — erst in Schwaigern, also ein paar Tage 
später, am 2. oder 3. Mai zu Georg Friedrichs Heer gestossen. 

^) Vereinigung Mansfelds mit dem Markgrafen. F^Ut es 
schon auf, dass SaUs die wiederholte Begegnung, die zwischen den beiden 
Feldherm vor Sinsheim und zu Schwaigern stattgefunden, mit Schweigen 
übergeht, so muss die Nachricht, Georg Friedrich habe angesichts der 
drohenden Vereinigung Tilly's und Cordoba's jede von Mansfeld ihm an- 
gebotene Unterstützung beharrlich abgelehnt, noch weit mehr befremden. 
Sie steht ganz vereinzelt und ist nach der Lage der Dinge auch kaum 
glaubhaft : aus dem Berichte des Heilbronner Ratsherrn Orth (diese Ztschr. 
31, 407) ersehen wir im Gegenteil, dass der Markgraf noch während der 
Schlacht auf Sukkurs durch Mansfeld gehofft hat. Wir haben es daher hier 
wohl mit einem Gerüchte zu thun, das nach dem unglücklichen Ausgang 
des Treffens im Mansteldischen Lager absichtlich in Umlauf gesetzt wurde, 
um den Feldherrn zu entlasten. Die Entscheidung, deren Verantwortung 
beide Teile tragen, war schon früher gefallen. Man weiss, dass anfänglich 
ein gemeinsames Operieren beider Heere, ein vereinter Vormarsch gegen 
Heilbronn, ein Angriff auf die bairischen Lande geplant waren, man weiss 
auch, dass, nachdem fast eine Woche mit nutzlosem Hin- und Hermar- 
schieren vergeudet war, zu Schwaigern zwischen dem 2. bis 4. Mai eine 
Trennung der beiden Armeen erfolgte. Klare, unzweideutige Au£seich- 
nungen über die Motive, welche zu diesem unheilvollen Schritte geführt, 
liegen nicht vor. Salis und Sitzingen schweigen über den Punkt völlig, 
andere begnügen sich mit Andeutungen. „For want of victualls or for 
some other priuatt respects^ schreibt Francis Nethersole an Thomas 
Roe (d. d. Mannheim, 20. Mai. Negoc. of Thom. Roe, I, S. 40)*); „we- 
gen deß Commando'' vermerkt, auf diese persönlichen Interessen näher 
anspielend, Fritsch in seinem Tagebuch. Das Moment hat jedenfalls den 
Ausschlag gegeben : strategische Rücksichten können, wie Gmelin mit Recht 
nachweist, nicht massgebend gewesen sein. Weder der Markgraf, noch 
Mansfeld haben sich über den Oberbefehl zu einigen, zu einer Unter- 
ordnung zu verstehen vermocht; der Germersheimer Vertrag vom 22. April 
hatte diese Eardinalfrage nicht berührt, — wie man annehmen möchte, 
wohl mit Absicht, weil schon damals eine Vereinbarung darüber ge- 
scheitert war. Anderes mag zur Verstimmung beigetragen haben, vgl. 
Gmelin, diese Ztschrft. 31, 442. Die mangelhafte Verfolgung, dank wel- 
cher Tilly über das Gebirge entkommen, bot, meine ich, genügenden An- 
lass zu gegenseitigen Vorwürfen: charakteristisch nach dieser Seite er- 
scheint mir die oben berührte Auslassung von Salis (Anm. 16), die, so 
sehr sie auch der sachlichen Begründung entbehrt, doch immerhin die 
Stimmung, die im Hauptquartiere Mansfelds herrschte, wiedergeben dürfte. 
Mit der Möglichkeit einer Vereinigung Tilly's und Cordoba's baben allem 
Anschein nach die beiden Heerführer nicht gerechnet, sicherlich nicht 



*) Auch dieier Bericht bishor unbenütst. 



64 Obser. 

Mansfeld. Durch den Marsch nach dem untern Neckargebiete, durch 
den Angriff auf das strategisch wichtige Ladenburg, — zugleich Stapel- 
platz grosser Frucht- und Weinvorrftte, — und die Bedrohung der übri- 
gen spanischen Garnisonen, glaubte er sich, wie Nethersole in dem oben 
dtierten Berichte bestätigt, zu der Annahme berechtigt, dass Cordoba^ 
alsbald, die ge&hrdeten Plätze zu schätzen, umkehren werde: ganz wider 
alles Erwarten traf ihn die Kunde, dass der Spanier sich mit Tilly ver- 
einigt (contrary to expectation stayed together). Man hatte sich einer 
verhängnissvollen Täuschung hingegeben. 

'^) Belagerung und Einnahme von Ladenburg. Ein Angrifft 
auf Ladenburg in Verbindung mit einem Yorstoss gegen die Mainlinie 
war ursprünglich schon von Mansfeld beabsichtigt (vgl. Helmstadts Be- 
richt vom 26. Febr. bei Gmelin, diese Ztschrft. 32, 17), erst nach dem 
Mingolsheimer Treffen scheint er den Plan zunächst aufgegeben zu haben 
(s. das Aktenstüsk No. 62, a. a. 0. diese Ztschrft. 32, 29). — Die Be- 
lagerung beginnt, wie jetzt genau festgestellt werden kann, am 6. Mai 
nachmittags, die Einnahme erfolgt am 8. Mai gegen 11 Uhr vormittags. 
Über den Verlauf vergleiche die ausführliche „Relation tres asscur^e du 
siege et prise de la ville de Ladenbourgh'^ (Colleccion de documentos 
ineditos para la bist, de Espafia. Tom. 54, p. 188 ff.); sie ist zweifellos 
der Abdruck einer zu Frankfurt gedruckten Verteidigungsschrift des zu 
Ladenburg kommandierenden Oberstlieutenants von Eynatten, die ihrer- 
seits, wie eine Vergleichung lehrt, wiederum dem Theatr. Europ. (I, 718 ff.) 
als Vorlage gedient hat 

'^ Die Namen dieser drei Bündner Fähnlein werden uns nur hier 
überliefert. Eine im Karlsruher Archiv befindliche HeeresUste weist eine 
„Kompagnie Faust'' auf, sie gehörten wohl sämtlich dem Regimente des 
Markgrafen Karl z. F. an. 

^) Die militärischen Operationen nach der Schlacht bei 
Wimpfen bis zur Wiedervereinigung desMarkgrafen mitMans- 
feld. Nicht unmittelbar nach der Schlacht, wie es nach Salis den An- 
schein gewinnt, hat sich bekanntlich der Markgraf beim Heere Mansfelds 
eingefunden. Er verweilt zunächst in Durlach, wo er seine zersprengten 
Truppen wieder sammelt und neu bewaffnet (gegen 0. Klopp I, 145; 
Hurte r, IX, und neuerdings A. Weskamp, Das Heer der Liga etc. 1622 
bis 23, S. 18, die ihn an dem Zuge in die Pfalz teilnehmen lassen). Un- 
terdes bricht Mansfeld auf, geht bei Worms über den Ehein, gegen Op- 
penheim, um sich der dortigen Brücke zu bemächtigen (Negoc. of Thom. 
Roe, I, 41). Seine Absicht wird vereitelt, da Tilly und Cordoba von 
Wimpfen her an der Bergstrasse erscheinen (am 12. Mai Tilly in Wein- 
heim, Heilmann, H, 1, 135). Da des Halberstädters Anmarsch sich ver- 
zögert, nützt Mansfeld die Zeit, um dem bedrohten Hagenau zu Hilfe zu 
eilen (Salis, Nethersole), Tilly und Cordoba trennen sich, der Spanier 
lagert sich zwischen Worms und Oppenheim, Tilly kehrt nach Wimpfen 
zurück; in Wimpfen am 18. Mai (Villermont, H, 65; Thom. Roe, I, 41; 
Heihnann, H, 1, 135 ff.). Am 16. Mai erscheint Mansfeld vor Hagenau 



Denkwürdigkeiten von Salis-Marschlins 1622. 55 

und entsetEt die Stadt (Theatr. Europ. I, 720); am gleichen Tage zeigt 
Georg Friedrich von Karlsburg dem Eorfärsten an , dass er demnächet 
mit seinem Volke „an bewussten Ort" sich begeben werde (Gmelin, diese 
Ztschrft. 82, 41). Nach dem 18ten bricht Mansfeld von Hagenan aaf; 
vom 24ten bis 26ten in Ej-onweissenburg, am 26ten in Landau und Ger- 
mersheim, am 27ten in Speier; hier am 28ten Besuch des Markgrafen und 
Eriegsrat (Gmelin, diese Ztschrft. 32, 49). Rheinübergang bei Mannheim. 
Hier erst stösst allem Vermuten nach der Markgraf mit seinen Truppen 
wieder zum Heere Mansfelds, um dann vereint mit ihm am 2. Juni in 
das darmstädtische Gebiet einzufallen (Theatr. Europ.; ViUermont). — 
Zur St&rke des badischen Heeres vergleiche den Bericht des Sekre- 
tärs Eisenschmidt an den kurpfalzischen Kanzler von Grün, d. d. 8./18. Mai: 
„Baden hatt sein lezte erklehrung dahin gethan, dass Baden mit 6000 zu 
fuess vnd ein 1000 zu pferd sich mit könig coniungiren wül". Chifi^ert. 
München, Eeichsarchiv, SQjä^. Krieg, Fase. XVlll, 150. Wenn Seubert 
(Vorträge des Mannheimer Altertumsvereins, Serie 2, S. 82) vermutliph 
auf Grund des Berichtes No. 107 bei Gmelm (diese Ztschrft. 32) von 10 OOO 
Mann spricht, so ist diese Angabe zu berichtigen. 

^*) Vor dem Aufbruche von Ladenburg, also etwa am 10. oder 11. Mai. 

") Über die Vorgänge vorHagenau vgl. die ausfuhrlichen Nach- 
richten im Theatr. Europ., I, 720 fif., dazu die Berichte des kurf. Sekre- 
tärs Job. Thom. Eisenschmidt, d. d. 18. u. 26. Mai, im Münchener Reichs- 
archiv, 30jähr. Krieg, Fase. XVCI, 150. Aus den letztem ergiebt sich, 
dass der Erzherzog bereits im Besitze eines Turmes und einer Pforte der 
Stadt war. 

'^) Statthalter zu Heidelberg war Heinrich von der Merven, der 
bald darauf bekanntlich die Verteidigung der Stadt gegen Tilly geleitet hat. 

2') Wiedereinnahme von Ladenburg durch Tilly. Wann ist 
dieselbe anzusetzen? Keinesfalls unmittelbar vor der Schlacht bei Höchst, 
wie Salis anzunehmen scheint, denn damals stand Tilly, wie wir wissen, 
in der Gegend von Aschaffenburg. Zweifellos zwischen dem 2. und 
10. Juni, als Tilly auf die Nachricht von dem Marsche Mansfelds gegen 
Darmstadt von Wimpfen aufbrach, nach Hirschhorn vorrückte und, wäh- 
rend er durch das Schriesheimer Thal, wohl um den Feind zu täuschen, 
eine kleinere Abteilung gegen Ladenburg entsandte, mit der Hauptmasse 
über Erbach und Michelstadt nach Darmstadt eilte und Mansfeld zu dem 
verlustreichen Rückzüge durch die Lorscher Heide (10. Juni) nötigte. 
Damit stimmt denn auch das Tagebuch Fritschs überein, der dieser Wie» 
dereinnahme ausdrücklich vor dem Gefechte beim Lorscher Wald gedenkt 
(a. a. 0. 111). 

28) Über die Schlacht bei Höchst vgl. Schulz, Die Schlacht bei 
Höchst, Jahrb. für die deutsche Armee und Marine, Bd. 63, S. 142 ff., 
der die taktischen Mängel der Aufstellung des Herzogs, vor allem der 
Wahl des Übergangspunktes eingehend nachweist. Die Angaben über 
die Stärke des braunschweigischen Heeres differieren erheblich: Salis 
nimmt 18000 Mann an; die andern Quellen schwanken zwischen 10- bis 
25000. Vgl. Weskamp, Das Heer der Liga etc., S. 25. Die Nachricht 

Zeitschr. f. Gesch. d. Oberrh. N. T. VIT. 1. 5 



66 Obser. 

über den Brückenemsturz, der die Katastrophe erheblich verBchlisunerl» 
wird bestätigt durch eine Äusserung Friedrichs V. (Heilmann, a. a. 0. II, 
1, S. 140.) Übereinstimmend im wesentlichen mit Salis sch&tzen andere 
Quellen die Reste des Heeres, die sich auf das linke Ufer gerettet, auf 
6000 Mann z. F. und 4000 z. Pf 

^ Auch in Folgendem ist die Darstellung der Ereignisse durchaos 
yerworren: der Rückzug Mansf elds durch die Lorscher Heide (9./10. Juni) 
wird mit dem Rückzüge des Halberst&dters nach der Schlacht bei 
Höchst (20./21. Juni) identifiziert und vermengt; wichtige Vorgänge, wie 
die Gefangennahme des Landgrafen von Darmstadt, werden mit Schweigen 
übergangen. Die Schilderung bezieht sich im wesentlichen auf den Bück- 
marsch nach Mannheim, den Mansfeld und der Markgraf vor der an- 
rückenden vereinigten Truppenmacht Cordoba's und TiUy's am 9. Juni 
von Dieburg aus angetreten (Yillermont, H, 68). Unter erheblichen Ver- 
lusten gewinnt Mansfeld die Neckarlinie, während TiUy sich nach dem 
Main wendet und von Aschaffenburg aus stromabwärts gegen Höchst yor- 
rückt. Nach der Niederlage vom 20. Juni eilt der Herzog von Braan- 
schweig mit dem flüchtigen Heere nach dem Neckar und erreicht nach 
einem Gewaltmarsche am Abend des 21. Juni Bensheim; hier erst findet 
die von Salis erwähnte Begegnung mit Mansfeld, der ihm entgegengerückt 
war, statt (vgl. das Schreibon des Kurfürsten Friedrich v. 11./21. Juni bei 
Heilmann, a. a. 0. H, 1, 140). Auch davon kann natürlich nicht die 
Rede sein, dass Mansfeld, wie Salis meint, dem Main so nahe gestanden, 
dass er den Kanonendonner von Höchst gehört. Da unser Bündner (Ge- 
währsmann während der Zeit zu Ladenburg und Heidelberg in Garnison 
gestanden und an den Ereignissen auf dem Hauptkriegsschauplatze selbst 
keinen Anteil genonmien, sondern aus fremden Berichten schöpfte, mag 
es immerhin wenigstens einigermassen erklärbar sein, dass er in seiner 
Darstellung die Dinge bunt durcheinander wirft, zumal es sich um Vor- 
gänge handelt, die einander räumlich und zeitlich sehr nahe liegen. 

•'^) Wohl ein Wassergraben (arroyo bei Cordoba, S. 254), dessen Ufer- 
verschanzungen als Landwehr dienten und das darmstädtische von dem 
z. Zt. noch an Kurpfalz verpfändeten kurmainzischen Gebiete (Fürstentum 
Lorsch) schieden. Dass an derartige Grenzverschanzungen zu denken ist, 
ergibt sich aus Tilly's eigenen Bericht, an Maximilian von Baiem, dd. Eber- 
statt, 15. Juni, worin von verschiedenen „Posten vnd Landwöhren", aus 
denen er den Feind vertrieben habe, die Rede ist (Allg. Reichsarchiv 
München, 30jähr. Krieg, Fasz. XVHI, 150). 

•«) Über die Kämpfe auf der Lorscher Heide vgl. Yillermont, 
Mansfeld, H, 68ff., der die beste Darstellung gibt, dazu ergänzend die 
Berichte vom 11. und 23. Juni in der Correspondencia di Cordoba, 240 ff. 
u. 251 ff.; sowie Adlzreiter, Annales Boicae gentis, HI, 94; von un- 
gedrucktem Material den oben citierten Bericht Tilly's. So leichten Kaufe, 
wie Salis glauben macht, kam Mansfeld bei dem Rückzuge nicht weg, 
er erlitt erhebliche Verluste ; Tilly selbst schätzt dieselben auf 3000 Mann, 
ebenso nach den Brüsseler Akten Villermont; Adlzreiter beziffert sie auf 
mindestens 1500 Mann, — unter den Gefeuigenen werden ausser Goldstein 



Denkwürdigkeiten Ton Salis-Manchlins 1622. 57 

Pfalzgrai Friedrich v. Birkenfeld und Graf Philipp y. Mansfeld genannt, 
^ur die Übermüdung seiner Truppen infolge dreitägiger angestrengter 
Märsche hielt Tilly davon ab, den flüchtigen Gegner noch weiter zu 
verfolgen. 

^^) Nach Adlzreiter übernahmen vor dem Walde — es ist der alte 
Beichsforst südlich von Lorsch — die Regimenter Schmidt, Herliberg und 
Fürstenberg nebst den Kroaten die Verfolgung. 

^ Gemeint ist hier, wie im Folgenden, statt des Herzogs Christian 
EurfOrst Friedrich, der die Vorhut führte, während der Markgraf das 
Zentrum und Mansfeld den Nachtrab befehligten. Das Oberkommando 
war offenbar in Manfelds Händen gelegen ; der Markgraf scheint sich ihm 
hier untergeordnet zu haben. 

3*) Vergleiche dagegen Gindely's Urteil über den Rückzug: „eines 
der total verfehlten Manöver, an denen der 30jährige Krieg so reich ist". 
In der That dürfte der mit so erheblichen Opfern erkaufte übereilte 
Rückzug vor einem Gegner, dem die vereinten Streitkräfte Mansfelds 
und des Markgrafen sicherlich gewachsen waren, einer schweren Nieder- 
lage gleich kommen. 

'S) Auch diese Notiz, vermute ich, bezieht sich nicht auf ein braun- 
schweigisches , sondern eines der Reiterregimenter, die an dem Gefechte 
auf der Lorscher Heide teilgenommen. Unter den dort erbeuteten Stan- 
darten verzeichnet Cordoba (nach Villermont, H, 60) eine „de taffetas 
incamat, bleu et janne", der wohl auch die Schärpen der Reiter ent- 
sprochen haben mögen. — Dass übrigens des Herzogs Reiterei eine aus- 
erlesene Truppe war, wird auch von anderer Seite bezeugt. Vgl. v. Reitzen- 
stein, Feldzug des J. 1622, S. 85, Anm. 2. 

^^) Die Stelle ergiebt im Zusammenhange klar, dass Salis nicht zu 
der Expedition gegen Dannstadt kommandiert war, sondern sich während 
derselben in Heidelberg befand. 

^^ Über den Mangel an Lebensmitteln in Mannheim vergleiche das 
Schreiben des Kurfürsten vom 21. Juni bei Heilmann, a. a. 0. II, 1. 140. 

'**) Der Ausdruck : „nel discendere Tarmata (Mansfeld) verso di Meno, 
verso dove era ancora discesso: il Tilly" passt schlechterdings nicht in 
4en Zusammenhang. Von einer abermaligen Umkehr Mansfelds nach dem 
Maine kann nach seiner Vereinigung mit dem Hallerstädter nicht mehr 
die Rede sein. Die Angabe kann sich daher nur auf einen früheren 
Zeitpunkt, auf die letzten Tage vor der Schlacht bei Höchst, als Mansfeld 
sich mit seinen Truppen nochmals nordwärts nach Bensheim gewandt und 
auch Tilly von der Lorscher Heide wieder nach dem Main gezogen war^ 
beziehen. In der That hat nach des Kurfürsten eigener Aussage sein 
Besuch in Heidelberg am 19. Juni stattgefunden (Heilmann a. a. 0., H 
1, 140). Von dort ist er aber noch in der Nacht, also noch ehe Herzog 
Christian in Mannheim eingetroffen, dahin zurückgekehrt. Die Angaben 
über eine Abholung durch braunschweigische Reiter können mithin nur 
dann richtig sein, wenn der Kurfürst vor dem endgiltigen Aufbruch von 
Mannheim (23. Juni) nochmals sich nach Heidelberg begeben hätte. 

5* 



68 Obser. 

^*) Trennung des Markgrafen von Mansfeld und Abdanlrong 
der badischen Trappen. Der Markgraf selbst hatte schon am 20. Jimi 
hl der Frühe Mannheim verlassen, ohne sich beim Kurfürsten und den 
Obersten zu verabschieden, seine Truppen aber sind vorerst zurfkckgeblieben 
und unter Helmstädts Führung mit dem Mansfeld^schen Heere in die links- 
rheinische P&lz gerückt, bis er am 22. Juni von Durlach aus den Obersten 
beauftragt, sein Volk bei Schreck wieder über den Rhein zu ftlhren und 
abzudanken (Londorp, Acta publica, I, 1046). Die verzweifelte politische 
und militärische Lage, die voraussichtliche Erfolglosigkeit weitem Wider- 
standes, die GefiJirdung der Markgrafschaft durch die Räumung des rechten 
Rheinufers, Rücksicht auf die Vorstellungen seines Sohnes, des regierenden 
Markgrafen, auch, was der Kurfürst als Hauptmotiv anführt, Mangel an 
Geld mögen Georg Friedrich zu dem Schritte bewogen haben. 

^) Unter Menghen ist wohl das englische Reiterregiment Megant zu 
verstehen. 



Nachtrag. 

Als weitere wichtige Quelle fär das Treffen bei Mingolsheim kömmt 
in Betracht der Bericht, den ein Augenzeuge, der pfälzische Kammer- 
junker Villemon, im Auftrage seines Herrn, dem Markgrafen Joachim 
Ernst in Anspach erstattet hat (vgl. des letzteren Schreiben an Landgraf 
Ludwig von Darmstadt, d. d. 22. Apr. a. St., im grossh. Haus- u. Staats- 
archiv zu Darmstadt). Meine Ausführungen werden durch diesen Bericht, 
der mir erst nach Drucklegung des Aufeatzes zu Gesichte kömmt, durch- 
weg bestärkt, in einigen Punkten ergänzt. Bestätigt wird vor allem, was 
ich in Anm. 8 über Mansfelds anfängliche Scheu vor einem Treffen und 
die Motive, die ihn schliesslich zur Annahme bestimmten, bemerkt habe. 
Als Ergänzungen dienen die Mitteilungen über Mansfelds erste Stellung 
vor Wiesloch, seine Absicht, am Morgen des 27. April nach Schwetzingen 
auszubiegen, und Einzelheiten des Kampfes selbst. Entsprechend den 
5000 Mann, die nach Salis dem pfälzer Heere gegenüberstehen, spricht 
ViUernon von 5 Regimentern, zwei z. F. und drei z. Pf. Erst nach ^er 
zweiten Attake Mansfelds wenden sie sich zur Flucht (vgl. Anm. 16). 
Unzuverlässig sind auch hier die Verlustangaben. Tilly: 4000 Todte, 
darunter die Obersten Schmidt, Truchsess und Pappenheim (!); gefangen 
Hercelles mit 6 Kapitänen, durch Herzog Magnus 500 Mann. Mansfeld 
50 Todte. 



Beitrage zur Geschichte 
der Gisterzienserabtei SchOnan bei Heidelberg. 



Von 

Maximilian Hnffschmid. 

[Schlufls.] 



IT. Yerzeichnis der in Schonau beigesetzten Personen« 

Ein Totenbucb des Klosters scheint sich nicht erhalten zu 
haben. Aus den noch vorhandenen Denksteinen und den Er- 
wähnungen in Urkunden oder bei Schriftstellern lässt sieh 
allein noch bestimmen, wer hier seine letzte Ruhestätte fand 
oder wem wenigstens das Beerdigungsrecht zugestanden wurde, 
ohne dass man aber weiss, ob von demselben Gebrauch ge- 
macht worden ist 

Über die Bestattungen in den Cisterzienserklöstem galten 
folgende Hauptregeln : Nach der achten Satzang des General- 
kapitels von Glteaux von 1152 durften in den Klosterkirchen 
nur Könige, Königinnen, Erzbiscböfe und Bischöfe beigesetzt 
werden.^) 1157 wurde die Vorschrift dahin verschärft, dass 
nur den Klosterstiftem dieses Recht zukommen sollte.') Im 
Jahre 1180 nahm man wieder die ältere Regel mit dem Zu- 
sätze an, dass die Könige, Königinnen und Bischöfe nach 
ihrem Willen auch im Kapitelsaale sich beerdigen lassen 
dürften, die Äbte aber nur in demselben.') Papst Alexander IV. 
erlaubte in einer Bulle vom 10. Januar 1256^) dem Kloster 
Schönau, Personen auf ihren Wunsch hin daselbst zu begraben, 
mit Ausnahme der Öffentlichen Wucherer, der im Banne be- 
findlichen oder derjenigen, denen das kirchliche Begräbnis 



^) Martine et Durand, Thesaurus novus anecdotorum 4, 1245. — 
») Das. 4, 1251. — >) Das, 4, 1252. — *) Gudenus S. 226. Potthast 2, 
1329 No. 16 171. 



70 Huffschmid. 

versagt worden sei. Dass diese päpstliche Konzession (sepe- 
liendi in monasterio vestro illorum corpora, qui sepeliri apad 
vos eligunt, . . . liberam vobis concedimus . . . facultatem) schon 
längst bestandenen thatsächlichen Verhältnissen Rechnung trug, 
beweist eine Urkunde von 11520, i^ welcher ein Wohlthäter 
das Kloster beschenkte und „in Schonaugia . . . el^it locnm: 
sepulture". Neben der Kirche und dem Kapitelsaale dienten 
der Kreuzgang und die beiden Friedhöfe (Herren- und Laien- 
friedhof) als Bestattungsplätze. 

I. Geistliche. 

a. Bischöfe. 

1) Burkhard oder Buggo II., Bischof von Worms, erscheint 
als solcher zuerst 1116 (Stumpf, Reichskanzler 3, 467. Stumpf, 
Reg. No. 3124), gestorben am 6. Dezember 1149. In Bam- 
berg zum Priester ausgebildet, war er — nach der Erweiterung 
der Zorn'schen Wormser Chronik durch von Flersheira*) (1605X 
herausg. von Arnold S. 50 — dann Propst des KoUegiatstiftes 
St. Peter und Alexander in Aschaffenburg. Bezüglich seiner 
Herkunft ist nur sicher, dass er ans der Bamberger Gregend 
stammte. Erst die Zimmerische Chronik (ed. Barack 2. Aufl. 
1, 152) nennt ihn einen Herrn von Ahorn und Zorn in seiner 
1570 geschriebenen Wormser Chronik S. 50 seinen Vater 
Burkhard von Ahorn^) und seine Mutter Judith. Ein Ort 
dieses Namens liegt bei Koburg, mit welchem die Herren von 



^) Grudenos S. 11. — ') Ebenso in Maulbronn. Paulus S. 78 £ und 
in Bebenhausen. Paulus S. 157 f. — ^ Nicht zu verwechseln mit der 
Flersheimer Chronik, welche, 1547 verfasst, Waltz 1874 herausgab. — 
*) Die erste Nürnberger Zeichnung legt dem Bischöfe Burkhard, wie in 
dieser Ztschr. N. F. 6, 427 Anm. 1 bemerkt, als Wappen einen nach (herald.) 
links über einen Dreiberg schreitenden rabenartigen Vogel bei. Mir scheint, 
dass dem Künstler das Hennebergische Wappen (eine schwarze Henne auT 
einem grünen Dreiberge) vorschwebte, welches zu mancherlei Verwechslungen 
Anlass bot So nennen Schannat 1, 156 und Widder 1, 349 den ersten 
bekannten Schönauer Abt Konrad ohne Grund einen Grafen von Henne- 
berg. Bischof Günther L von Speier, welcher diesem Geschlechte ange- 
hörte und ein Wohlthäter von Schönau war, ist in Maulbronn auf einem 
Wandgemälde von 1424 in Wappen und Schrift und auf einer Platte vor 
dem Hauptportale als Graf von Leiningen bezeichnet (Paulus S. 68, 79), 
während die Benediktiner in Grottesau im 16. Jahrhundert, wie ein noch, 
dort vorhandener Stein ergiebt, irrigerweise ihren Klostergründer für einea 
Grafen von Henneberg hielten. Diese Zeitschr. N. F. 4, 7. 



Die Cisterzienserabtei Schönau bei Heidelberg. 71 

• 

Ahorn von der Abtei Saalfeld belehnt waren, (v. Schnltes 
Koburgische Landesgeschichte S. 116^) 1223 erscheint ur- 
kundlich ein Burckhardus de Ahorn (Sprenger, Gesch. der 
Abtei Banz S. 342). Seinem Wunsche entsprechend (Gudenus 
S. 3, 11, 29; Schannat 2, 75) wurde Bischof Burkhard in 
dem von ihm 1142 gestifteten Kloster Schönau beigesetzt. 
Die nicht mehr vorhandene Grabinschrift lautete nach v. Flers- 
heim S. 50 (F), Jongelinus, Notitiae abbatiarum ord. Cist. 2, 
59 (I), Schannat 1, 354 und Würdtwein S. 342: 

Buggo pater fastum quemvis^ vitavit et astum. 

Buggo pie lator legumque et pacis amator. 

Buggo sacrans*) aras mentes correxit avaras. 

Buggo reformavit monachos et corda rigavit. 

Buggo fugans enses ditavit Schonaugienses.^) 

Buggo dei cultor inimicorum fuit ultor. 

Buggo ferens palmam sedem .conscendit ad almam. 

Buggo deum laudans laetatur tartara fraudans. 

Buggo deum coeli placavit*) corde fideli. 

Buggo pios vultus^), pia munera^) suscipe cultus. 
Diese vielleicht wohlgemeinten Verse können nicht gleich- 
zeitig sein.') Zeitgenossen hätten kaum Burkhard II. einen 
„lator legum" (Z. 2) genannt und ihn darum mit dem Bi- 
schöfe Burkhard I. von Worms (1000—1025) verwechselt, 
welcher durch seine Dekretalensammlung®) und sein Hofrecht 
(lex familie Wormatiensis ecclesie)*) als Gelehrter und Ge- 
setzgeber bekannt geworden ist. 

2) Bischof Konrad II. von Hildesheim. Aus nicht näher 
bekanntem Geschlechte, erwarb er sich im Anfange des 
13. Jahrhunderts auf der Universität Paris die Würde eines 
Magisters der Theologie. 1211 Domdekan in Speier (Hilgard, 
Speirer Urk.-B. S. 29), wo er noch 1216 raagister Cuonradus, 
qui prius erat decanus, genannt wird (Remling, Speirer 
Urk.-B. 1, 151), im gleichen Jahre Domscholaster in Mainz 
(Rössel, Eberbacher Urk.-B. 1, 173)^^), dann päpstlicher 



*) quamvis. I. — *) sacras. F. — ^) Schonogienses. F. I. — *) pla- 
cato. F. I. — *) vultis. F. -— ^) murmura. F. I. — '^) Über die Zeit ihrer 
mutmasslichen Abfassung vgl. unten S. 80. — *j Burchardi Decretorum 
libri XX, Coloniae 1548. — ^ Boos, Wormser Urkundenbuch 1, 39 f.; 
2, 716. — ^0) Wattenbach, Deutschi. Geschichtsquellen 5. Aufl. 2, 327, 
lässt ihn ungenau „Scholaster zu Mainz und Dekan zu Speier*^ werden. 



72 fioffBchmid. 

* 

Kaplan und Pönitentiar, wurde im August 1221 zum Bischöfe 
von Hildesheim gewählt. Gelegentlich der KrOnung Kdnig 
Friedrichs n. in Aachen am 25. Juli 1215 predigte er das 
Ereuz^ (Annales Marbacenses. M. Germ. SS. 17, 178). 1231 
vom Papste Gregor IX. beauftragt, ihm über die Lorscher 
Elosterverhältnisse Bericht zu erstatten, bewirkte er, dass vom 
römischen Stuhle der übrigens nicht ausgeführte Befehl er- 
teilt wurde, das Kloster den Cisterziensem zu Übergeben. 
Später (1233) war Konrad im Vereine mit dem Provinzial- 
prior des Predigerordens in Deutschland, Magister Konrad 
von Marburg bestrebt, die sog. Luziferianer zur Kirche zurtlck- 
zuführen und nötigenfalls einen Kreuzzug gegen sie aufbieten 
zu lassen. Im Anfange 1246 legte er seine Würde nieder 
und zog sich, nachdem er schon 1218 und 1220 Weinberge 
in Handschuchsheim und Schriesheim dem Kloster Schönau 
gekauft hatte (diese Zeitschr. 7, 32), dorthin zurück, wo er 
am 18. Dezember 1248 starb und beigesetzt wurde (Chronicon 
episc. Hildesh. M. Germ. SS. 7, 861. Catal. episc. Hildesh. 
M. Germ. SS. 13, 748.«) Seit dem 17. Jahrhundert wird 
Konrad für einen Herrn von Reisenberg (Reysenberg) in der 
Wetterau gehalten; so von Helwich, Elenchus nobilitatis ec- 
clesiae Moguntinae 1623 S. 40 (= Joannis 2, 232), Jonge- 
linus 2, 60, Joannis 2, 390, Schannat 1, 157 und zuletzt von 
Budinszky, Die Universität Paris und die Fremden an der- 
selben im Mittelalter, Berlin 1876, S. 125. Worauf sich dies6 
Schriftsteller stützen und wo Reisenberg liegen soll, konnte 
ich nicht in Erfahrung bringen. Vielleicht liegt eine Ver- 
wechslung mit dem Geschlechte der Herren von Reifenberg 
(Ruine bei Niederreifenberg, Kr. Usingen) vor, von denen sich 
zuerst ein Ritter Kuno 1234 nach seinem Burgsitze benannte. 
(Ann. des Ver. f. Nass. Altertumskunde 4, 21.) 

3) Eberhard II., Bischof von Worms, Sohn Konrads von 



Nach dem Chron. episcop. Hildesh. M. Germ. SS. 7, 860 auch ein- 
mal gegen die unglücklichen Albigenser. — ') Nach dem Chron. episc. 
Hildesh. »rexit ecclesiam nostram 27 annos et post cessionem suam in 
tertio anno 15 kalendas ian. obiit a. d. 1249''. Die 27 Jahre waren im 
August 1248 und das dritte Jahr seines Verzichts im Anfange 1249 um- 
laufen, so dass die Nachricht des Catal. episc. Hildesh. („obiit 1248 15 kal. 
ian.**) ihre volle Bestätigung findet. „15 kalendas ian. obiit a. d. 1249*^ 
aoU demnach bedeuten: nerzehn Tage vor Neigahr 1249. 



Die Gistendenserablei SchAnau bei Heidelberg. 73 

Stralenberg (Ruine bei Schriesheim), befreit 1250 mit seinen 
Brüdern vier dem Kloster Schönaa gehörende Weinberge in 
Schriesheim von gewissen Verpflichtungen (Gudenus S. 207), 
1268 Kanonikus in Speier (Gudenus S. 246J, 1277 Scholaster 
daselbst (Zeuss, Trad. Wizenburg S* 306), im gleichen Jahre 
Propst zu Neuhausen bei Worms (Koch u. Wille, Reg. n. 993), 
wurde als solcher nach dem 22. Oktober 1291 zum Wormser 
Bischof erwählt und starb am 16. November 1293. Die Stadt 
Worms legte 1292 gegen seine Wahl Verwahrung ein und 
warf ihm Ämterkumulation vor, weil er entgegen den kirch- 
lichen Vorschriften auch noch Pfarrer in BruchsaL Dossenheim, 
Heiligkreuzsteinach, Oestringen, Pfungstadt und Schriesheim 
sei (Boos, Wormser U.-B. 1 , 296). Nach dem Monachus Kirs- 
gartensis (ca. 1501/1502) bei Ludewig Reliqu. manuscr. 2, 141 f., 
Zorn S. 130, Jongelinus 2, 60 und späteren Schriftstellern liess 
sich Eberhard in Schönau beerdigen. 

Wie in Maulbronn, wo die Bischöfe Günther und Ulrich 
von Speier im Herrenchore bestattet wurden, darf man sicher 
annehmen, dass auch in Schönau die Gräber der drei Bischöfe 
an der gleichen Stelle sich befanden. 

b. Sonstige Geistlichen. 

4) Sebastian Pfungstein, vorletzter Abt von Schönau (1529 
bis 1554). Vgl. unten S. 101 No. 41. Grabstein 0,93 m breit, 
1,67 m hoch im Kreuzgange rechts vom nördlichen Thore der 
evang. Kirche mit folgender Inschrift: Anno') dni 1554 nona 
augusti dnus Sebastian[us Pfungstat abbas quinquagesimus 
Schonaugiensis]. Die eingeklammerten Buchstaben und Worte 
sind nicht mehr lesbar und nur von Widder 1, 350 überliefert. 
Nach Toepke, Heidelb. üniversitätsmatrikel 1,467 hiess er 
aber Pfungstein. In der oberen Hälfte des Steines ist ein 
Wappen oder sonst eine Verzierung kreisförmig herausge- 
brochen. Würdtwein S. 340 irrt, wenn er den Abt in der 
Stiftskirche zu St. Andreas in Worms beerdigt sein lässt. 

5) Grabstein, links vom gleichen Thore 0,92 m breit, 1,90 m 

hoch, mit einer Inschrift des 15. Jahrhunderts: ree. 

mPi. 0. honestissim[us] Sonst vollständig abgetreten. 

1) Daselbst ist No. 1109 Z. 3 v. u. „Eberhard" statt „Gebhard" und 
No. 1171 Z. 3 V. u. „Eberhards" statt „Conrads" zu lesen. — ') Der An- 
fang der Schrift war früher sicherlich durch ein Kreuz bezeichnet. 



74 HuffBchmid. 

Offenbar derselbe, welchen C(eutarie)r im Magazin von and 
für Baden (1803) 1, 170 so beschreibt: „Ein ähnlicher Grab- 
stein (die Rede ist vorher von dem unter No. 26. 27. unten 
mitgeteilten) von beträchtlicher Höhe ist an die reformirte 
Kirche angelehnt, neben demjenigen, deOen Inschrift Widder 
anführt, und woraus erhellt, dass Sebastian Pfungstatt der 
fünfzigste (und vorletzte) Abt zu Schönau 1554 gestorben sey» 
Er stellt einen Abt oder Bischof infuliert vor, mit einer durch 
Moos und Feuchtigkeit unleserlichen, übrigens ganz gut er- 
haltenen Inschrift. Die stehende Figur ist nur in Grundzügen 
und groben Linien angedeutet, und scheint, vermöge der 
mageren Kunst, die daran ersichtlich ist, aus den ersten 
Zeiten des Klosters zu seyn.'^ Davon, dass der Papst den 
Äbten von Schönau bischöfliche Insignien und Rechte verliehen 
hätte, ist bis jetzt nichts bekannt. Die Äbte von Eberbach 
erhielten solche 1401 (Geschichtsblätter für die mittelrhein» 
Bistümer 1,21, Anm. 1), von Maulbronn 1438 (Paulus S. 13), 
von Wöi'schweiler 1445 (Die Baudenkmale in der Pfalz 1, 199) 
und von Bebenhausen 1494 (Paulus S. 43, wo „1493'^ ein 
Druckfehler ist). Da Schönau diese Befugnisse kaum versagt 
blieben, so könnte recht wohl der Grabstein der eines Abtes 
des fünfzehnten Jahrhunderts sein. 

6) Hildegund aus Neuss, gestorben am 20. April 1188, 
deren Schicksale in dieser Zeitschr. N. F. 6, 430 besprochen 
wurden. Die nicht mehr vorhandene Grabschrift lautete nach 
Caesarius, Dial. mir. 1,52 f., Henriquez, Menologium Cister- 
ciense, Antwerpen 1630, S. 128. Acta SS. Apr. 2, 782a., Schan- 
nat 1, 156 (mit Abweichungen): 

Omnis homo miretur, homo quid fecerit iste, 
haec, cuius fossa cineres inclusit et ossa. 
Yivens mas paret, moriens sed feinina claret. 
Vita fefellit morsque refellit rem simulatam. 
Hildegunt dicta; vita est in codice^) scripta. 
Maii bis senis est haec defuncta Kalendis. 

7) Johannes Mönch in Schönau, gestorben 11. Juli 1262, 
früher Pfarrer am Kreuzaltare des Speirer Domes, an dessen 
Südseite an der Westwand der sogenannten Taufkapelle sich 
noch ein Denkstein mit folgender Inschrift befindet: t Anno 

') Jedenfalls der Schönauer Klosterbibliothek. 



Die Cisterzienserabtei Schönau bei Heidelberg. 75^ 

dni. m. cc Ix. ii. in. translacione. s. Be ^) Johannes. 

prebend. prius. de. cruce. ob. qui. contulit. curiam. cum. domo, 
ab. ipso, super, edificata. sacerdotibus. ad. scam. cruceni. ce- 
lebrantibus. perpetuo. ut. in. ea. habitent. et. in. oracionibus. 
et. missis. suis. pro. anima. eins. deum. exorent. anima. eins, 
et. omnium. fidelium. anime. requiescant. in. pace. am. f qui. 
nunc, requiescit. feliciter. monachus. in. Schonowa. Zeuss, Die 
freie Reichsstadt Speier vor ihrer Zerstörung S. 28. Ausser 
dem genannten Dompfarrhofe erhielt das Domstift am 30. Au- 
gust, spätestens 1261 von Johannes ein weiteres Vermächtnis» 
Das S. 30. 

8) Peter aus Remagen, Mönch in Schönau. Vierzeilige 
Grabinschrift aus dem fünfzehnten Jahrhundert, 0,52 m breit, 
0,41 hoch, am Hause der Witwe Peter Nollert (No. 113 Va): 
hie. e. sepult. / frat. petrus. / de. remago. / pfess^ in f. d. 
(professus in fidem domini). Im Seelbuche des Klosters Eber-^ 
bach findet sich unterm Ih September folgender Eintrag: 
„f(rater) Petrus de Remago s(acerdos) et m(onachu8) h(uius) 
l(oci)". Roth, Fontes ren Nassoic. 3,48. Darnach wäre er 
früher Mönch in Eberbach gewesen. 

IL Weltliche Personen, 
a. Glieder der landesherrlichen Familien. 

9) Konrad von Hohenstaufen, Pfalzgraf bei Rhein, Sohn 
des Herzogs Friedrich H. von Schwaben und der Gräfin Agnes 
von Saarbrücken, wurde 1156 von seinem Stiefbruder Kaiser 
Friedrich I. mit der Rheinpfalzgrafschaft belehnt.^) Er starb 



^) Wohl Benedicti (11. Juli), könnte aber auch Bernhard! abbatis 
(17. Mai) sein. — ^) Auf Grund späterer Quellen wird von den pfillzischen 
Greschichtsforschem angenommen, dass Eonrad die Stadt Heidelberg, welche 
urkundlich erst 1196 (Gudenus S. 50) vorkommt, gegründet, erweitert und 
dort sich eine Burg auf der jetzigen Molkenkur gebaut habe. Die ältesten 
Spuren hierüber enthält die Vita Eberhards von Staleck, welche nach 
Busson (Annalen des hist. Vereins f. d. Niederrhein 19, 20 Anm. 4) nicht 
vor dem 13. Jahrhundert abgefasst ist. Vgl. diese Ztschr. N. F. 6, 431 
Anm. 3. Für den Aufenthalt Eonrads in der Heidelberger Gegend sprechen 
die Urkunden der Lorscher Äbte Heinrich von 1165 (Gudenus S. 19, M. 
Germ. SS. 21, 447) und Sigehard von 118 . . (Gudenus S. 35, 1187 nach den 
Orig. Guelf. 3, 597), 1191 (Gudenus S. 38) und 1195 (Schannat 1, 176); femer 
seine Anwesenheit bei der Beerdigung des ersteren Abtes 1167 (M. Germ. 
SS. 21, 451) und seine eigene Urkunde von 1184 (Gudenus S. 32). 



76 Huffschmid. 

Dach der Chronica regia oder den Annales Colonienses maxiiBi 
<M. Germ. SS. 17, 804) im Jahre 1195 und wnrde auf seinea 
Wunsch im Kloster Schönau beigesetzt (Gudenus S. 49). 
Über seine Grabschrift vergl. unten No. 11. 

10) Seine Gemahlin Irmingard, Tochter des Grafen Ber- 
thold I. von Henneberg, Bürggrafen von Würzburg und dessen 
Gemahlin Bertha. Nach einer Urkunde von 1208 (Diese 
Zeitschr. 7, 31) war sie damals noch am Leben. ^) Die unda- 
tierte von Gudenus S. 80 „sub an. 1211'' angesetzte, in welcher 
Irmingard noch erwähnt wird, ist älter als die Urkunde 
No. XXVIII von 1208 (S. 72) und zwischen 1202 (dem Todes- 
jahre Marquards von Annweiler) und 1208 anzusetzen. Pfalzgraf 
Eonrad bestimmte für Irmingard Schönau als letzte Ruhestätte 
(Gudenus S. 49). Ob beider Sohn Friedrich, welcher am 
3. September, spätestens 1189 starb und dessen das Necrolog. 
Lauresham. (Böhmer, Fontes rer. German. 3,149) gedenkt, bei 
seinen Eltern ruht, ist nicht bekannt. 

11) Heinrich der Jüngere, Sohn des Pfalzgrafen bei Rhein 
Heinrich von Braunschweig und dessen Gemahlin Agnes voa 
Hohenstaufen, Tochter von 9 und 10. Er erhielt von seinem 
Vater Ende 1212 oder Anfangs 1213 die Pfalzgrafschaft und 
starb nach den Annales Stadenses (M. Germ. SS. 16, 356) 
schon 1214. 

Zu No. 9 und 1 1) Die gemeinschaftlich für Heinrich und 
seinen mütterlichen Grossvater Konrad gefertigte Grabinschrift, 
welche Freher, Orig. Palat. (ed. 1599), 1, 75 (ed. 1613), 
1,79 f.*) V. Flörsheim ed. Arnold S. 55 (F), Pareus, Hist. PaL 
S. 137. 140, ed. Joannis S. 126. 129 (P), Tolner, Hist. Palat. 
1, 329. 357. 360 (T), Lucae, Fürsten-Saal S. 430. 431 (L), 
Schannat 1, 154 (S), v. Ludewig- v. Finsterwald S. 798 (L-F) 
mitteilen, lautete: 

Anno, dominice.^) incarnationis.*) mcxcv.^) vi. idus. no- 
vembr.^) obiit.^ illustris. princeps. dominus.®) Conradus. co- 

^) Gest. 1197 nach Spangenberg, Hennebergische Chronik S. 92, ToU- 
ner Addit. S. 82 und v. Ludwig- v. Finsterwald, Germania princeps S. 57. 
— '^) Die nach seinem Tode erschienenen Ausgaben von 1686 und \m 
Beinhard, Rer. Pal. Script. 1748 können ausser Betracht bleiben. — ') do- 
minicae F. P. T. L. L-F. dorn. S. — *) incar. S. — *) mcxcii alle auaaer 
S. Mit Becht vermutet T., dass der Kopist den Best der Zahl V = \/ 
für „n'' ansah. ~- «) 9bris F. novembris T. novemb. L. S. L-F. Der Todflt- 
tag ist sonst nirgends überliefert. — ') ob. S. — ^) dns. S. 



Die Gisterzienserabtei Schönaa bei Heidelberg. 77 

mes.^) palatinus.^ Bheni. dux. Sueviae. comes. in. Gemino. 
ponte. germanus. Friderici. barbarossae. imperatoris.') 

Anno.*) [dominice. incarnationis. mccxiv.]*^) kal.*) maii^ 
obiit.®) illustris. princeps dominus. Henricus.^) comes. pala- 
tinus.*^) Rheni, dux. Saxoniae. supradicti.^*) Conradi. ex. 
filia.") nepos. 

Zu Zeiten Frehers, welcher 1588 nach Heidelberg kam und 
die Vorrede zu seinen Orig. Pal. 1598 schrieb, war das Denk- 
mal nicht mehr vorhanden.*^) Schannat giebt zwar an, die 
Inschrift Konrads sei „inter rudera ab eruditis retecta ac de- 
scripta", und verleiht ihr durch Abkürzungen einzelner Worte 
ein älteres Gepräge. Doch wird auch seine Überlieferung 
kaum auf eine andere Person als Freher bezw. dessen Ge- 
währsmann zurückgehen. Dieser kann aber nur sein Amts- 
genosse Hermann Witekind*'*) in Heidelberg gewesen sein, der, 



*) com. S. — 2) pal. s. — *) imperatoris barbarossae T. Friderici 
(ohne barbarossae) imperatoris germanus S. Der folgende Teil der In- 
schrift fehlt bei F. S. und L-F., findet sich aber auch Orig. Guelf. 3, 217.^ 
— *) „A" bei T. S. 360. — ^) Die vorhandene Lücke ist von mir ergänzt. 
T. füllt sie bloss mit mccxiii aus. Da der Todestag Heinrichs nicht bekannt, 
ist, so kann möglicherweise noch eine Bezeichnung des Tages von pridia 
bis Xym (kal. maii = 14. bis 30. April) auf dem Denkmale gestanden 
haben. — «) kalend. T. — ^ may T 357. maij T 360. maji L. — ^ obyt 
T. 360. — 9) Henricus iunior T. 357. — ^^ palat. T. 357. — ") supra- 
dicti fehlt T 357. — ^^) filio T 360. — ") „Cuius (Conradi) tale ibi (in 
coenobio Schönaw) monumentum (quod nunc sublatum ex oculis frustra 
requiri, non sine bile scribo) extitisse comperi". — Über das Heinrichs 
des Jüngeren: „hoc olim monumento (inscriptione ed. 1613) loquente". 
Orig. Pal. (ed. 1599) 1, 74f., (ed. 1613) 1, 79f. — 1*) Hermann Witekind 
(eigentlich Wilcken), um dessen Lebensbeschreibung und Schriften sich 
Binz, Augustin Lercheimer (Professor H. Witekind in Heidelberg) und 
seine Schrift wider den Hexenwahn, Strassburg 1888, verdient machte, 
war 1522 in Niggenrade im Herzogtum Jülich-Kleve-Berg (heute Neuen- 
rade, Kr. Altena) geboren, studierte 1545/46 in Frankfurt a. 0. und 1548/49 
in Wittenberg, 1557 Rektor der lateinischen Schule in Riga, 1561 Lehrer 
am Pädagogium in Heidelberg, 1563 Professor der griechischen Sprache 
an der Universität, 1579 in gleicher Eigenschaft am Collegium Casimirianum 
in Neustadt a. d. Haardt, 1584 Professor der Mathematik an der Uni- 
versität Heidelberg, gestorben daselbst am 7. Februar 1603 und beigesetzt 
in der grösseren Kapelle (der sog. Universitätskapelle) an der Südseite 
der Peterskirche. Das nicht mehr vorhandene Denkmal Hess Marquard 
Freher ihm setzen, wie die von Binz S. XTTT (weil ihm wohl unverständ- 
lich?) ausgelassene letzte Zeile ergiebt: Hoc M(arquardus) F(reheraB) 



78 Huffschmid. 

wie noch gezeigt wird, nicht bloss in Schönau die pfalzgräf- 
lichen Denkmäler besichtigte, sondern aus dessen Schrift „Du- 
ces Bavariae^' und deren Überarbeitung „Genoalogia (!) unnd 
Herkommender Churfursten, auch Pfaltzgrauen bey Bhein'^^) 
Freher die Stellen über Eonrad, seinen angeblichen Sohn 
Eonrad und seinen Schwiegersohn Heinrich von Braunschweig, 
der theilweise mit Heinrich dem Jüngeren verwechselt wird, 
kritiklos übersetzte (ed. 1599. 1, 74. 75., ed. 1613, wo einiges 
verbessert ist, 1, 79. 80). Schon Joannis in Pareus. Hist. Pal. 
S. 435* bemerkte, dass das Denkmal Eonrads „recentiorem 
sapere aetatem^', und die Orig. Guelf. 3, 186 Anm. bemängel- 
ten die Grabschrift, „quia recentioris temporis partus est, plu- 
ribus indiciis se prodens, utpote titulorum multitudine labo- 
rans et Fridericum I imperatorem vocans Barbarossam". Und 
gar est der Genitiv barba (!) rossae! Auch war Eonrad nicht 
Graf zu Zweibrücken, sondern sein mütterlicher Vetter, Graf 
Heinrich von Saarbrücken benannte sich zuerst 1191 comes 
de Zweinbrucken (Mittelrhein, ürkundenbuch 2, 162^). In noch 
höherem Grade kennzeichnet sich der den Pfalzgrafen Heinrich 
betreffende Teil der Inschrift als späteres Machwerk. Es ist 
ganz unmöglich, dass im Anfange des dreizehnten Jahrhundert« 
demselben eine Inschrift mit Verweisung auf eine voran- 
stehende gesetzt worden ist (,,supradicti Conradi ex filia ne- 
I)os"). Die Sache wird sich wohl anders verhalten haben. 
Eonrads und Heinrichs echte Grabsteine sahen gewiss sehr 
einfach aus, da das Generalkapitel von Citeaux 1194, also ein 
Jahr vor Eonrads Tode, gebot, dass „Lapides positi super 



Ph(Uo8opho oder -ilosophico) P(oni) C(uravit). Auch irrt Binz, wenn er 
annimmt, dass die akademische Kapelle 1693 zu Grunde ging. Dies war 
vielmehr mit der 1391 eingeweihten Universitätskapelle in der Judengasse 
(jetzt Dreikönigsstrasse) der Fall. 

*) Erstere Schrift, zwischen 1583 und 1590 verfasst, enthalten im Cod. 
Bav. 2848 der Kgl. Hof- und Staatsbibliothek in München, letztere aus 
den Jahren 1592—1593 in einer Handschrift im Egl. geh. Hausarchive in 
München aus dem letzten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts und in einer 
Abschrift aus dem vorigen Jahrhundert Cod. Bav. 1616 der Kgl. Hof- und 
Staatsbibliothek daselbst. Eine lateinische Übersetzung bei van Byler, 
LibeUorum rariorum fasciculus primus, Groningen 1733, S. 137 — 251. — 
*) VieUeicht rührt der Irrtum daher, dass schon das Cbronicon Urspergense, 
den geschichtlichen Thatsachen vorgreifend, Konrads Mutter eine Gr&fin 
von „Zwainbrug" und „Sarbrug" nennt. M. Germ. SS. 23, 345. 



Die Cistendenseralitei Schönau bei Heidelberg. 79 

tumiilos defunctorum in claustris nostris coaequentur terrae, 
ne sint offendiculo transeuntium 0» demnach Reliefbilder nicht 
duldete, sondern nur Bilder in vertieften Umrissen. Wappen 
waren kaum angebracht') und die Inschriften nach damaligem 
Brauche möglichst kurz. Wie es scheint, wurden Konrads und 
Heinrichs Gebeine später wegen eingetretenen Baummangels 
in einem Sammeigrabe vereinigt und die Grabplatte mit den 
überlieferten Inschriften versehen, welche möglichst gleich- 
lautend and deshalb zu gleicher Zeit angefertigt sein müssen, 
auch wegen ihrer Länge nicht um den Stein laufen konnten, 
sondern, wie aus dem Worte „supradicti*' hervorgeht, in Zeilen 
abgeteilt waren. 

Ein Bruchstück einer weiteren Aufschrift, welche sich auf 
Heinrich den Jüngeren bezieht, hat sich bei Freher (1599) 
1, 7 und 7ö, (1613) 1, 9 und 80, Pareus S. 140, ed. Joannis 
S. 129 (P), Tolner S. 357 (T), Lucae S. 431, Schannat 1, 154 
(S) und Orig. Guelf. 3, 217 erhalten. 

Princeps. magnificus.^) comes. aulae. gloria. Rheni, 
iunior. Henricus . • . .^) 

Auch dieses Denkmal war, als Freher seine Orig. Pal. be- 
arbeitete, nicht mehr vorhanden.*) Ganz missverständlich 
hielten Tolner und Lucae diese Inschrift für die Fortsetzung 
der oben besprochenen, obwohl Freher (1613) 1,80, aus dem 
sicherlich alle späteren schöpften, ausdrücklich sagt: „Et aliud 
dicitur ibi extitisse elogium, e quo haec modo supersint etc.*' 
und es ganz unerfindlich ist, warum auf der gemeinschaft- 
lichen Grabplatte Konrads und Heinrichs nur dem letzteren, 
welcher sich kaum besonders hervorthat, ein poetischer Nach- 
ruf gewidmet wurde. Über den Zweck dieses Elogiums lassen 

*) Marttoe et Durand 4, 1279. — ») Eonrad bediente sich wenigstens 
keiner Wappensiegel, v. Löher, ArchivaL Zeitschr. 13, 200. Im kgL 
Staatsarchive in Stuttgart befindet sich noch ein Siegel von ihm, welches 
einen nach (herald.) links gallopierenden Reiter mit einer einfachen empor- 
gerichteten Fahne darstellt. Die Inschrift: „f Cunradus. palatinus. comes.** 
ist nur noch teilweise vorhanden. Acta acad. Pal. 5, 398 und abgebildet 
Tab. I, 1 ad pag. 412. — Wirtemb. Urk.-Buch 2, 111. — ») magnanimus. 
P. T. — *) iunior Henricus fehlt bei T. — Heinricus S. — *) „in epi- 
taphio Henrici palatini Schoenaugiae olim scriptum fuit" etc. Or. Pal. 
(1599) 1,7; (1613) 1, 9. Nach Schannat ist diese Inschrift gleichfalls 
von Grelehrten unter den Elostertrümmem entdeckt und abgeschrieben 
worden. 



gO Hnffschmid. 

sich nicht einmal Vermutungen aufstellen. Dass es nicht ans- 
der Zeit Heinrichs ist, ergiebt die Vergleichung mit einige» 
auf Pfalzgraf Ludwig IL (f 1294) gedichteten Beimen int 
Liber animarum des 1353 errichteten Kollegiatstiftes zum hei*- 
ligen Aegidius in Neustadt a. d. H. 

heu coroes aulae, lux Reni, flos Bavariae, dux 
nomine Ludwicus obiit, pietatis amicus, 
princeps regalis, vir prudens, pacis amator. 

Mone, Quellensammlang 1, 220. Man beachte die Aus- 
drücke „comes aulae, lux Reni^' hier und „comes aulae, gloria 
Rheni" der Schönauer Inschrift. Die Worte „pacis amator** 
finden sich auch auf dem jedenfalls nicht gleichzeitigen Grab- 
male Buggos IL, oben S. 71. Da der liber animarum erst 
1382 begonnen wurde, so dürften Buggos Inschrift, sowie das 
„Elogium", vielleicht auch die Grabsteine der Pfalzgrafen 
Eonrad und Heinrich, erst dem vierzehnten Jahrhundert ihre 
Entstehung verdanken. Den seltsamen, sonst nicht vorkom- 
menden Titel „comes aulae^', welcher bei Du Gange fehlt, 
enthält zwar schon das 1187 vollendete Epos des Ligurinus; 
da dieses aber im Mittelalter nirgends erwähnt wird (Watten- 
bach, Deutschlands Geschichtsquellen, 5. Aufl. 2, 257) und dem 
Kloster Schöoau kaum bekannt war, so ist es unzulässig, dar- 
aus schliessen zu wollen, dass das Elogium doch aus dem 
13. Jahrhundert stammen könnte. 

12) Pfalzgraf Adolf, geb. am 27. September 1300 in Wolf- 
ratshausen bei München als Sohn des Pfalzgrafen Budolf I. 
und der Gräfin Mechtilde von Nassau, gestorben am 29. Ja- 
nuar 1327 in Neustadt a. d. Haardt. In einer Urkunde seines 
Sohnes Buprecht IL und seiner Schwiegertochter Beatrix von 
1359 (Würdtwein S. 259, Koch und Wille, Reg. No. 4993) heisst 
es: „der apt und der gemeyn conuent des closters zu Scho- 

nauwe , by den auch unser vatter selig Hertzog Adolf 

bestatt und begraben ist^'.^ Den Zustand des Denkmales in 
der zweiten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts beschreibt 



^) Mit Bücksicht auf diese alte Überlieferung, welche bei Koch und 
Wille, Beg. No. 2030 statt der dortigen nachzutragen wäre, können die 
Erwähnungen späterer Schriftsteller übergangen werden. Nur sei bemerkt, 
dass Jongelinus 2, 60 zwar das richtige Todesjahr 1327 giebt, aber den 
Verstorbenen, offenbar aas Versehen, Budolf nennt, ebenso v. Ladewig- 
▼. Finsterwald S. 799. 



Die Gisterzienserabtei Schönau bei Heidelberg. 81 

Witekind folgendermassen : „Adolff liegt zu Schönaw, weisz 
nicht ob seines grabes anzeigung noch vorhanden seye. Alsz 
ich vor etlichen jähren sähe, war es zum theil zerbrochen, 
stund eine Krippen darauff, darausz ein pferd asz, vnndt sei- 
nen stall da hatt". (So im Cod Bav. 2848 S. 17.) 

13) Anna, Tochter des Herzogs Otto II. von Kämthen, 
Grafen von Görz und Tirol. Ihre Mutter wird Offinia (wohl 
Offemia = Euphemia) genannt. 1328 mit dem Pfalzgrafen Ru- 
dolf IL vermählt, starb sie zwischen dem 16. Mai 1331 
(Häutle, Witteisbach. Genealogie S. 15) und dem 7. August 
1332 (Koch und Wille, Reg. No. 2045, 2133). Beerdigt in 
Schönau. Witekind, Genealogia, ebenso bei van Byler 1, 162. 
Freher (ed. 1613) 1, 122. Jongelinus 2, 60. 

14) Ruprecht II. Adolf, geb. in Amberg am 12. Mai 1325 
als Sohn des Pfalzgrafen Adolf (No. 12) und der Gräfin Irmin- 
gard von Oettingen, regierte als Kurfürst vom 16. Februar 
1390 und starb in Amberg am 6. Januar 1398. Das alte 
Calendarium II der Universität Heidelberg enthält bei P]r- 
wähnung seines Todestages folgende Bemerkung: 2) „Sepultus 
est apud Schonouiam ad pedes patris sui humili sepultura''. 
Also war es ein liegendes Grabdenkmal, keine Tumba. 

15) Seine Gemahlin Beatrix, Tochter des Königs Peter II. 
von Sizilien, geb. 1326, verm. 1345 und gest. am 12. Oktober 
1365. Dass sie in Schönau ruht, bezeugt nur Jongelinus 
2, 60; es zu bezweifeln, liegt kein Grund vor. 

Zu No. 9 — 15. Zu erörtern ist noch die Frage, in welchem 
Teile des Klosters diese fürstlichen Persönlichkeiten bestattet 
wurden. In der Klosterkirche war es nach dem Wortlaute 
der oben angeführten Beschlüsse des Generalkapitels in Clte- 
aux nicht zulässig, man müsste denn unter rex und regina 
auch den Landesherrn und seine Gemahlin verstehen. Gegen 
die Beerdigung in den Kreuzgängen spricht, dass dort, wie in 
Maulbronn zu sehen ist, die Gräber neben einander lagen, 
dasjenige Ruprechts II. aber zu den Füssen seines Vaters war. 
Da der Klosterfriedhof hier nicht in Betracht kommen kann, so 



1) Abgedruckt in den Abhandlungen der III. Klasse der kgl. bayer. 
Akademie der Wissenschaften Bd. XY, Abth. I, S. 231 Anm. 141 u. Binz 
a. a. 0. S. XX. — ') Töpke, Die Matrikel der Universität Heidelberg 1, 
641^. Spätere Zeugnisse können unerwähnt bleiben. 

Zeiticlir. f. Geicb. d. Oberrh. N. F. TU. 1. 6 



82 Huffschmid. 

bleibt nur der Kapitelsaal als Begräbnisort übrig. Die in dieser 
Zeitschrift N. F. 6, 442 Anm. 1 angezogene Urkunde Pfalzgrafs 
Heinrich von 1196 (Gudenus S. 49). nach welcher Pfalzgraf 
Konrad für sich und seine Gemahlin Schönau als letzte Ruhe- 
stätte auserwählte und bestimmte, dass die ersten Erträgnisse 
eines gewissen Gutes zum Baue des Kapitelsaales verwendet wer- 
den sollen, erhält dadurch erst ihre richtige Bedeutung, dass eben 
letzterer der „locus sepulture' werden sollte.*) Damit stimmt 
noch am besten die Angabe Witekinds, dass zu seiner Zeit 
der Raum, in welchem sich das Denkmal für Pfalzgraf Adolf 
befand, als Pferdestall verwendet wurde. Meiner Meinung 
nach waren die Gräber Konrads und der Pfalzgräfin Irrain- 
«ijard, bezw. später das Sammelgrab Konrads und Heinrichs 
ebenso vor dem St. Johann isaltare des Kapitelsaales, wie in 
Bebenhausen jene des Pfalzgrafen Rudolf 1. von Tübingen, 
seiner Gemahlin und zweier seiner Kinder. Abgesehen von 
der oben zu No. 14 mitgeteilten Stelle über die Gräber No. 12 
und 14 lässt sich über die Lage der übrigen im Kapitelsaale 
befindlich gewesenen nichts mehr feststellen. 

b. Sonstige Personen in chronologischer Reihenfolge. 

16) Meginlach von überncheim (Obrigheim am Neckar). 
Übergiebt 1142 mit seinen Brüdern Wolprand und Hermann 
sein Gut samt Burg in Obrigheim der Wormser Kirche. (Wid- 
der 4, 404. Stalin (d. ä.), Wirtemb. Gesch. 2, 419). 1143 Zeuge 
in einer Tauschurkunde über Waldungen zu Mühlhausen imd 
Aglasterhausen (Dümge, Reg. Bad. S. 134f). Seine Güter zu 
Freimersheim (bei Alzei) und Kirchheim an der Eck^) (bei 
Frankenthal) schenkte er mit Zustimmung seiner beiden Brüder 



^) Auch in Bebenhausen diente der Kapitelsaal als Begräbnisort der 
Pfalzgrafen von Tübingen und ihrer Familie. Paulus S. 162 f. — *) Dass 
nicht Kirchheim hei Heidelberg gemeint ist, wie Widder 1, 155f., oder 
Kirchheim- Bolanden, wieBoos 2, 781 annimmt, ergiebt sich daraus, dass Burk- 
hard II. die Kirche in K. dem St. Peterskloster in Hagenehe (Höningen bei 
Dürkheim) ttbertnig, welchem derPatronat noch 1496 zustand (v. Weech, Das 
Wormser Synodale von 1496 S. 84) und den Abt von Schönau anderweit 
entschädigte. (Urk. Erzbischofs Heinrich 1. von Mainz von 1151. Original 
in der Heidelberger Universitätsbibliothek. Kramer, Genealog. Gesch. des 
alten Ardennischen Geschlechts 2, 247. Böhmer -Will, Reg. Magunt. 1, 
345.) Zum gleichen Ergebnisse gelangte schon Remling, Gesch. der Ab- 
teien und Klöster in Rheinbayern 2, 51. 



Die Cisterzienserabtei Schönau bei Heidelberg. 83 

letztwillig dem Bisehofe Burkhard IL von Worms, welcher sie 
1145 dem Kloster Schönau abtrat (Schannat 2, 75. Mone, 
Anzeiger für Kunde der teutschen Vorzeit 7, Sp. 447 f. Boos, 
Wormser ürkundenbuch 2, 717. cf. Gudenus S. 11). Nach einer 
undatierten Urkunde Kaiser Friedrichs I. (von 1187 nach Stumpf 
No. 4568) war das Gebiet, auf welchem das Kloster Lobenfeld 
bei Heidelberg errichtet wurde, zuvor Lehen des Meginlach 
(Schannat 2,86). Er starb ohne Nachkommenschaft um 1145 
und wurde seinem Wunsche nach in Schönau beigesetzt (Gu- 
denus S. 11). 

17) Friedrich von Osthofen, Bürger zu Worms 1253 (Gu- 
xlenus S. 216), Mitglied des Rates 1262 (Boos 1, 203), Bürger- 
meister 1263 (Fiersheim S. 118), gestorben am 23. April, spä- 
testens 1266 (Würdtwein S. 155, 157, 140f.). Beerdigt im 
Ostflügel des Kreuzgangs vor dem Kapitelsaale (das. S. 141). 

18) Seine Ehefrau Elisabeth, wahrscheinlich eine Schwester 
des Wormser Bürgers und bischöflich wormsischen Schult- 
heissen in Hochheim, Volzo de Ripa (super ßipam, Rivum) starb 
zwischen dem 13. Juni und dem 20. August 1283 (Boos 1, 261, 
268). Die Vermutung, dass sie neben ihrem Ehemann bei- 
gesetzt wurde, wird kaum abzuweisen sein, wenn man ihren 
durch Schenkungen an Schönau bethätigten Wohlthätigkeits- 
sinn berücksichtigt. 

19) Hermann, Bürger in Heidelberg, gestorben zwischen 
8. und 15. Juli 1290 (?). 1,13 m breiter und 2,21m hoher 
(jrrabstein in der Scheune des Kaufmanns Jakob Rabe in 
Schönau mit folgender Inschrift, welche um den Stein läuft: 
t anno. dni. m. cc. Ixxxx . . . idus. iulii. o. herman'. civis. de. 
heidelberc. monachor'. fid. amic\ 

20) Seine Ehefrau Willeburg, gest. am 8. Juni 1290 (V). 
Der Grabstein ihres Mannes wurde für sie in der Weise ver- 
wendet, dass man ihre Grabsclirift: „(ui.)vi.id\ iunii.o. willeburg. 
uxor. ei'." (eins) auf einer Zeile, die sich in der Mitte des 
Denkmales, parallel den Langseiten desselben hinzieht, an- 
brachte. Die dadurch entstandenen beiden freien Räume enthalten 



^) Es heisst allerdings nur „in Schonaugia . . . Megenlahus elegit lo- 
cum sepulture". Würde aber seinem Willen nicht stattgegeben worden 
sein, so hätte man desselben nach seinem Tode schwerlich Erwähnung 
gethan. 



84 Huffschmid. 

eine je zweizeilige Inschrift, welche mit ihren nicht tiefet» 
Buchstaben bei der gegenwärtigen Stellung und Beleuchtung^ 
des Steins nicht zu enträtseln sind. Offenbar diente er später 
als Grabstein einer oder mehrerer weiteren Personen. 

21) Mechthildc, Mutter des Abtes Ludold von Schönau^ 
gestorben am 3. Juli 1341. 0,76 m breiter und 2,10 m hoher^ 
der Breite nach in zwei Teile gespaltener Stein vor dem 
Gasthause zur Steinach in Schönau gegen den Garten zu. 

t anno do[m]. m.cc.c. xli. v. nonis. iulii. o. mehtbildis. 
mater. dni. ludoldi. abbatis. Im übrigen ist das Denkmal ver- 
blichen. 

22) 23) Blikger von Steinach, gest. 7. Juli 1393 und seine 
Gemahlin Adelheid von Neipperg. 1,31 m breiter und 2,06 m 
hoher Stein, am Hause des Bäckers Michael Heidenreicb, 
Kirchstrasse 116 eingemauert. ^ 

t Anno. dni. mccc xciii. non. iulii. o. dns. Blikgerus. Lan- 

schade, milis. f anno. dni. mccc dna. Alheid\ de. 

Niperg. cotoral'. ipi. (ipsius). 

In der Mitte (her.) rechts das Wappen der Landschade 
von Steinach (schwarze Harfe in Gold) *), links jenes der Her- 
ren von Neipperg (3 [2, 1] silberne Ringe in Rot). Die Inschrift 
gaben heraus Sevin in den Studien der ev.-prot. Geistlichen des 
Grossherzogtums Baden 2, 77 (ganz ungenügend) und Schneider 
in den hessischen Quartalblättern 1889, 48. Im Hess. Archive 
12, 352 f. erwähnt zwar Ritsert einen um 1393 verstorbenen 
Landschaden Bligger (IX), welcher aber mit vorstehendem 
nicht identisch sein kann, da keine seiner beiden Gemahlinnen 
eine geborene von Neipperg war. 

24) 25) Johannes von Hattenheim im Rheingau, gest. (ant 
8. Oktober?) 1400/1405, der letzte seines Geschlechtes, und 
seine Gemahlin Adelheid von der Grün, gest. am 24. Novem- 
ber 1406. 1 m breiter und 1,80 m hoher Stein am gleichen 

Orte wie No. 22. 23. [f] ano. dni. m. cccc 0. dns. 

iohes. miles. de. [h]attenheym. Item. m. cccc. ui. uiii. kl.^ 
deceb. ob. dna. adelhis. den. die. gruen. co[ntora]lis. eins. „den. 
die." ist ein Steinmetzfehler für „dicta. de". 

(Herald) rechts oben das Wappen der Herrn von Hatten- 



1) Abgebildet bei Naeher a. a. 0. Taf. 6. — ^ Selbstverst&ndlich sind 
die Wappen auf den Grabdenkmälern nicht gemalt. 



Die Gisterzienserabtei Schönau bei Heidelberg. 85 

heim (in goldenem Felde ein rot und silbern geteiltes Kreuz), 
links oben das von der Grünsche (ein rechter silberner Schräg- 
balken in Rot), in der Mitte des Denkmals abermals das 
Hattenheimsche Wappen mit einem schwarzen Brackenkopfe 
als Helmzier. Johannes von Hattenheim erscheint 1395 als 
Bürge für den Abt Gottfried von Scbönau, welcher dem Kloster 
Lorsch zwei Höfe zu Wattenheim (Kr. Bensheim) verkaufte. 
Dahl, Lorscher Ü.B. 112. Vgl. Pfalz. Reg. No. 5723. 1398/ 
1400 Lehensmann des Schenken Hans von Erbach (das. No. 
6048) und von der Pfalz belehnt mit einem Teil am Wein- 
zehnten in Monnenbach (Ober-Untermumbach zwischen Mörlen- 
bach und Waldmichelbach), welchen schon 1357 Diether von 
Hattenheim und seine Frau Margarethe von Reichenstein, 
vielleicht seine Eltern, besassen. Das. No. 3025 und 6379. 
1405 bekennt Erzbischof Johann von Mainz, dass er die halbe 
Wildhube, welche in Heppenheimer Mark gelegen zum Hub- 
gerichte in Lorsch gehört und die Ritter Johann von Hattin- 
heim von demselben und dem Stifte hatte, dem Johann Jud 
von Stein verleihe. Bodmann, Rheingauische Altertümer 
S. 321. Graf Simon HL zu Sponheim und Vianden giebt 
1411 die Lehen, welche der verstorbene Johann von Hatten- 
heim von ihm hatte, dem Hans Kämmerer von Worms. Gu- 
denus. Cod. dipl. 5, 749. Im Eberbacher Seelbuch findet sich 
folgender Eintrag: „VllL id. (octobr.) ob. Joannes miles de 
Hattenheim, qui legavit nobis annuatim 2 marcas ministran- 
das in die s. Dionysii." Roth, Fontes rer. Nass. 3, 51. — 
Die Güter der Familie von der Grün lagen in der Ober- 
pfalz. 

26, 27) Konrad von Rosenberg, gest. 6. Mai 14 . ., und 
seine Gemahlin Adelheid von Hirschhorn, gest. 2. April des 
gleichen Jahres. 1,36 m breiter und 2,04 m hoher Stein im 
Keller der Handlung von Leonhard Herion, Maurermeister. 

t anno ui. pridie. nona'. maii. o. strenu. miles. con- 

radus. de. rosenberg. eodem. ano. quarto. nos. apl'. o\ dna. 
adelheid. d'. hirszhor'. cothoral'. eide'. dnj. coradi. de. roseberg. 

In der Mitte des Denkmals die Rosenbergische Helmzier: 
zwei Schwanenhälse. (Herald) rechts oben und links unten 
das Rosenbergische Wappen (ein wagrecht geteilter, in jeder 
Hälfte sechsmal gespaltener rot und weisser bezw. weiss und 
roter Schild), links oben und rechts unten das Hirschhomsche 



86 Uuffschmid. 

(ein rotes Hörn in Gold). Ein Konrad von Rosenberg 
erwarb 1434 das pfälzische Erblehen in Mauer bei Heidelberg 
(Widder 1,374) und kommt 1437—1448 als Hofmeister und 
Richter des Kurfürsten vor (diese Zeitschr. 22,214, Widder 
1,44. 66). Adelheid von Hirschhorn wird bei Ritsert, Ge- 
schichte der Herrn von Hirschhorn (Hess. Archiv 10, 94f.) nicht 
erwähnt. Früher galt dieser Grabstein wegen des darauf vor- 
kommenden Wortes „conradus" als der Konrads von Hohen- 
staufen. Vergl. den S. 74 erwähnten Aufsatz von Cen- 
turier. 

28) Schenk Konrad (JX) von und zu Erbach, Sohn dea 
Schenken Eberhard (IX) und der Elisabeth von Kronberg, 
trat 1425 die Regierung an, legte sie 1457 nieder, zog sich 
in das Kloster Schönau, wo die 1503 ausgestorbene Linie 
Erbach-Erbach ihr Erbbegräbniss hatte, zurück und starb im 
Juni 1464. (Nach Barack. Zimmerische Chronik, 2. Aufl. 
2,196 war es am 5. Juni.) Der 1,10 m breite und 2,08 m 
hohe Stein stellt einen Ritter mit Helm, Schild, Schwert und 
Speer auf einem Untiere stehend dar; das Erbachische Wap- 
pen (ein geteilter Schild, oben zwei silberne Sterne in Rot, 
unten ein roter in Silber) ist dreifach angebracht, t Anno. 

dni. m. cccc. Ixiiij [i^Jtniy. o. dns. conrad[u]s. pincerna. 

de. erpach. i[ni]les. Der Grabstein wurde 1876 in der Dung- 
grube des Waldhüters Daniel Kuhn in Schönau gefunden und 
ist seit 1878 im Turme des Erbacher Schlosses aufgestellt. 

29) Seine Gemahlin Anna, Tochter Konrads (IX) von 
Bickenbach, Burggrafen von Miltenberg, später Vicedoms in 
Aschaffenburg und einer von Kronberg, gest. 28. April 1451. 
Ihr 0,98 m breiter und 1,98 m hoher Grabstein zeigt sie als 
Nonne gekleidet in betender Stellung, j Anno. dni. m. cccc. 
li. iiii. kr. maii. o. dna. anna. de. bickenbach. contoralis. dni. 
coradi. pincerne. de. erpbach. f Über der rechten Schulter 
das Bickenbach'sche Wappen (in rotem Felde zwei aneinander 
stossende, von der Mitte des (her.) linken Schildrandes nach 
der rechten Schildecke laufende Reihen von je sechs kleinen 
silbernen Rauten). Über der linken Schulter das Erbach'sche 
Wappen. Fund- und Aufbewahrungsort wie No. 28. 

30) Schenk Philipp (IV) von und zu Erbach, Sohn des 
Schenken Konrad (IX) und der Anna von Bickenbach (No. 



Die Gisterzienserabiei Schönau bei Heidelberg. ^7 

28. 29), regierte von 1457, starb in Amberg und wurde am 
11. Mai 1477 in Schönau beigesetzt. (Barack, Zimmerische 
Chronik, 2. Aufl. 2, 196.) 

31) Seine Gemahlin Gräfin Margarethe von Hohenlohe, 
gest. 11. März 1469, begr. in Schönau (a. a. 0. 2,196). 

32) Schenk Erasmus von und zu Erbach, Sohn des Schenken 
Philipp (IV) und der Gräfin Margaretha von Hohenlohe (No. 
30. 31), starb am 1. September 1503 (Simon, Gesch. der Dy- 
nasten und Grafen zu Erbach, 1, 338) und wurde als letzter 
seiner Linie mit Schild und Helm in Schönau bestattet. Einen 
Grabstein setzten ihm aber seine Agnaten nicht. (Barack, 
Zimmerische Chron. 2. Aufl. 2, 201, 232.) 

Das Kloster Schönau gewährte folgenden Personen das 
Beerdigungsrecht und nahm sie teilweise in die Bruder- 
schaft auf: 

33) Hugo miles de Starckimberg, Ministeriale des Klosters 
Lorsch auf der Starkenburg. Zeuge 1206 (Gudenus S. 70), 
1215 Schultheiss in Nierstein (Widder 3,299), schenkt 1217 
all sein Eigentum an das Kloster Schönau (Gudenus S. lOlj. 

34) Seine Gemahlin Helike, 1217 nicht mehr unter den 
Lebenden. (Gudenus S. 101.) 

35) Philipp Münzer (monetarius) aus Handschuchsheim, Zeuge 
1223 (Gudenus S. 130), erhält von dem Kloster Schönau nach 
1217 dessen von Hugo von Starkenburg erworbenen Hof in 
Handschuchsheim. (Diese Zeitschr. 7, 32.) 

36) Seine Ehefrau, nach 1217. Diese Zeitschr. 7,32. 

37) Sigward von Saudhofen, Zeuge 1203 (Würdtwein S. 37 j, 
1208 (Gudenus S. 73), 1230 (Gudenus S. 174), schenkt 1227 
Güter in Sandhofen und bei Worms an Schönau und beab- 
sichtigte, eine Wallfahrt nach Jerusalem zu unternehmen. (Gu- 
denus S. 150 f. 152 f. Diese Zeitschr. 7, 34). 

38) Seine Ehefrau Adelheld, erscheint 1227 (Gudenus 
S. 150. 152. Diese Zeitschr. 7, 34). 

39) Heinrich Vogelin, Bürger in Heidelberg, überlässt 
zwischen 1195 und 1214 sein ganzes Vermögen dem Kloster 
Schönau (Gudenus S. 167. 170f.), Zeuge 1235, 1239 (Gudenus 
S. 184. 194). Sein dem Kloster abgetretener Hof in Heidel- 
berg heisst 1253 noch curia Vogelini (Gudenus S. 215) und 



88 Huffschmid. 

ist offenbar ein Bestandteil des dortigen Mönchshofes, der 
jetzigen Pflege Schönau. 

40) Seine Ehefrau Kunegunde 1229 (Gudenus S. 167. 170). 

41) Christian, Burgmann in Bickenbach, schenkt dem 
Kloster Schönau 1241 Güter in Aisbach, 1245 in Bickenbach 
und Jugenheim, 1254 in Bickenbach. Seine Rüstung und 
Rosse sollen dereinst dem Kloster zufallen. (Diese Zeitschr. 
7,35. 37). 

42) Seine zweite Gemahlin Adelheid 1241 — 1254. (Diese 
Zeitschr. 7,35. 37.) 

Irrtümlicherweise wird von folgenden Schriftstellern an- 
genommen, dass in Schönau beerdigt seien: 

1) von Tolner, Hist. Pal. S. 331, Addit. ad. Bist. Pal. 
S. 40 und Joannis in Pareus, Hist. Pal. S. 435 : Konrad, der 
von Witekind erfundene, angeblich 1186 verstorbene Sohn 
des Pfalzgrafen Konrad. Freher, welcher in der ersten 
Ausgabe seiner Orig. Pal. (1599) S. 75 ihm blind folgte, ver- 
besserte den Fehler in der zweiten von 1613 S. 79 dadurch, 
dass er den betreffenden aus Witekind entlehnten Satz 
ausliess. 

2) von Witekind: Pfalzgraf Otto II., gestorben in Lands- 
hut am 29. November 1253 (Koch und Wille, Reg. No. 601), 
welcher nach den übrigen Nachrichten im Kloster Scheiem in 
Oberbaiern sein Begräbnis hat. 

3) von Jongelinus 2, 60 und v. Ludewig- von Finsterwald 
S. 799: Pfalzgraf Rudolf L, gest. 1327 (!). Wie schon oben 
S. 80 Anm. 1 bemerkt wurde, weist dieses Todesjahr auf den 
Pfalzgrafen Adolf, so dass nur ein Schreib- oder Druckfehler 
vorliegt. 

4) von Jongelinus 2,60 und Tolner, Hist. Pal. Tab. D.: 
Pfalzgraf Rudolf IL, gest. in Neustadt a. d. H. am 4. Oktober 
1353, welcher aber in dem dortigen St. Ägidien-KoUegiat- 
stifte beigesetzt wurde. ^) (Koch und Wille, Reg. No. 2394.) 

5) von Tolner, Hist. Pal. Tab. D.: Mechtilde, Tochter des 
Grafen Ludwig von Öttingen, Gemahlin des Pfalzgrafen Adolf, 



^) Ebenso unrichtig ist die Angabe eines Calendariums von 1568 
(Wirth, Archiv f. d. Gesch. d. Stadt Heidelberg 1, 18), dass er bei den 
Barfüssern (in Heidelberg?) ruhe. 



Die Gisterzienserabtei Schönau bei Heidelberg. 89 

gest. 1339 (!). Sie hiess übrigens Irmingard, starb 1399 und 
liegt im Kloster Liebenau vor Worms begraben (Schannat 
1, 172). 

Folgende Schönauer Äbte sind an fremden Orten bestattet : 

1) Friedrich, gest. als Abt von Bebenhausen am 5. Januar 
1305 (vgl. unten S. 99 No. 17). Sein Grabstein im dortigen 
Kapitelsaale ist abgebildet bei Paulus S. 159 und besehrieben 
S. 165: t Floreat aureolis abbas sursum Fridericus qui par 
celiolis^) fuit hie pietatis amicus. In der Mitte ein Abtsstab 
und in einem gothischen Bogen darüber: ob. anno. dni. mcccv. 
non. ianuarii. 

2) Peter (II) (vergl. unten S. 100 No. 26), gest. am 7. Ok- 
tober 1395, wohl im Kloster Eberbach; in dessen Kreuzgange 
vor dem Kapitelsaale befand sich ehemals sein nicht mehr 
vorhandener Grabstein: Anno dni mcccxcv nonas oktobris o 
venerabilis pater dns Petrus, quondam abbas monasterii Schönau- 
giensis. C. a. r. i. s. p. Von Hellwich 1612/1614 abgeschrieben, 
bei Roth, Fontes rer. Nass. 3,267. Schannat 1, 158f. (un- 
vollständig und mit Abweichungen). 

3) Johann (IV), gestorben als Abt von Eberbach am 
12. Dezember 1485 (vgl. unten S. 101 No. 34). Sein Grab- 
stein ehemals im dortigen Kapitelsaale: Anno dni mcccclxxxv 
pridie idus decembris o rdus in Christo pater ac dns d. Jo- 
annes Bopardiensis , abbas Ebirbacensis XXII, c. a. r. i. p. 
Amen. Von Hellwich abgeschrieben, bei Roth 3,268. Als 
ich 1887 das Kloster Eberbach besuchte, versäumte ich es 
leider, nachzusehen, ob unter den in den Seitenschiffen und 
Kreuzarmen der Kirche aufgestellten Grabmälern der Äbte 
auch dieser sich befindet. Briefliche Anfragen blieben un- 
beantwortet. 

4) Wolfgang, letzter Abt von Schönau, gestorben am 
24. August 1563 in Worms (vergl. unten S. 101 No. 42). 
Grabstein ehemals mitten im Schiffe des dortigen St. Andreas- 
stiftes. Ano dom. 1563 , die 24 aug. mortuus reverend. 
pater Wolfgangus Cartheyser, filius conventus Wormat. et 
abbas Sconacensis in vera antiqua religione persistens. Von 
Hellwich um 1614 abgeschrieben, Hess. Archiv 8,293. 
Schannat 1, 159 (mit Abweichungen). 

*) Richtiger: celicolis. 



90 Huffschmid. 

Y. Die Aufhebung und Zerstörung des Klosters. 

Schon bei Lebzeiten Friedrichs II. (gestorben am 26. Fe- 
bruar 1556) entstanden unter dem Volke und bei Hofe Be- 
wegungen, um auch in der Pfalz der Reformation zum Siege zu 
verhelfen. Der Kurfürst gab zwar der allgemeinen Stimmung 
nach und gewährte 1545 einige Konzessionen, wie bezüglich 
des Abendmahles, der Priesterehe etc., hielt aber im übrigen, 
wie es scheint, am alten Glauben fest, Oifenbar, um diesen 
wenig thatkräftigen und leicht willfährigen Fürsten nicht auch 
noch unter den evangelischen Ständen sehen zu müssen, gab 
Papst Julius III. 1550 seine Einwilligung dazu, dass zwölf 
meistens verlassene Klöster in der Pfalz verweltlicht und deren 
Einkünfte der Universität Heidelberg überwiesen wurden. 
Otto Heinrich (1556 — 1559) dagegen führte bald nach seinem 
Regierungsantritte das lutherische Bekenntnis ein, hob aber 
nur wenige Klöster auf und Hess ihre Gefälle für Kirchen, 
Schulen und Spitäler verwenden. Ob auch Schönaus Schick- 
sal damit besiegelt war, ist nicht bekannt. Nur Gudenus') 
behauptet, ohne aber dafür einen Beleg beizubringen, dass 
dessen Erträgnisse von diesem Kurfürsten zu Gunsten des 
evangelisclien Kirchenvermögens eingezogen wurden. Unter 
seinem Nachfolger Friedrich III. (1550—1576), welcher das 
Luthertum durch die kalvinistische Lehre in ihrer vollen 
Strenge in seinen Landen verdrängte, wurde 1560^) endgiltig 
mit allen noch vorhandenen Klöstern, so auch Schönau auf- 
geräumt und deren Gut, wie unter seinen Vorgängern, nur 
zur Unterhaltung der Kirchen, Schulen und Spitäler obrig- 
keitlich verwaltet. Wer von den Insassen nicht zur neuen 
Staatskirche übertrat, hatte das Land zu verlassen. Mit dem 
Reste der ihnen treu gebliebenen Mönche zogen sich daher 
die Äbte Wolfgang von Schönau und Wendelin Merbot von 
Otterberg in ihre Höfe in Worms zurück, wo letzterer am 
31. Oktober 1561 starb und seine Ruhestätte in dem Kreuz- 
gange des dortigen St. Andreasstiftes fand.^) Zwei Jahre 

*) Sylloge, praef. 32. — ^) Tollner, Additiones ad Hist. Pal. S. 72. 
Chlingensperg, Processus liistorico-iuridicus in causa successionis Palatinae 
Elisabetliac Cliarlottae etc. 1711, S 122. Damit stimmt, dass schon 1561 
ein weltlicher Pfleger des Klosters Schönau vorkommt. Diese Zeitschr. 
N. F. 5, 208. — 3) Würdtwein, Mon. Pal. 1, 248 f. 



Die Cisterzienserabtei Schönau bei Heidelberg. 91 

später (24. August 1563) folgte ihm im Tode sein Schönauer 
Genosse und wurde im Schilfe derselben Kirche beigesetzt.*) 

Von den Reformierten, welche den Bedrängungen in den 
Niederlanden entronnen waren, wandte sich eine grosse An- 
zahl nach Frankfurt a. M., wurde aber von den dortigen 
lutherischen Fanatikern befehdet und schliesslich ausgewiesen. 
Friedrich III., ein Schwager Egmonts, nahm sich ihrer au 
und überliess ihnen nach ihrer Wahl die Klöster Frankenthal 
und Schönau zum Wohnsitze. Am 3. Juni 1562 bezogen 
sechzig Familien unter ihrem Prediger Petrus Dathenus aus 
Ypern Frankenthal und erhielten zehn Tage darauf eine be- 
sondere Kapitulation. Eine Reihe niederländischer Flüchtlinge 
französischer Zunge (Wallonen, aus der Gegend von Namur 
und Lütticli stammend, bisher in Frankfurt, konnte in Franken- 
thal nicht mehr untergebracht werden). Der Kurfürst schloss 
deshalb im gleichen Jahre mit ihnen^) ebenfalls eine wohl 
nicht mehr vorhandene Kapitulation ab und wies ihnen darin 
das Kloster Schönau an. Nach Bär^) ging dieses erst 1565 
ein, was aber mit den thatsächlichen Verhältnissen ebenso in 
Widerspruch steht, als die Behauptung des Wormser Bischofs 
Georg Anton von Rodenstein auf dem Reichstage von Regens- 
burg 1641, dass die Säkularisation 1566 stattgefunden habe.^) 

Wie sehr Friedrich III. seine Fremdenkolonien am Herzen 
lagen, ergiebt der achte Abschnitt seines Testamentes vom 
23. September 1575, dessen Anfang lautet: „Wan wir auch 
zum achten aus jetzund gehörtem grund und ernstlichem bevelch 
gottes, auch christlichem schuldigen mitleiden die zeit unserer 
regierung vielen von wegen unserer wahren christlichen reli- 
gion aus den Niderlanden, Frankreich und anderer orten ver- 
jagten Christen in unseren furstentumben am Rhein, nit allein 
sich heuslich niderzuthun gegönnet, sondern auch inen etzliche 
clöster eingeraumet^ alles vermög aufgerichter capitulationen 
etc., so ist unser will und meinung", (dass unsere Söhne und 
Erben sie in den Klöstern verbleiben lassen u. s. w.).^) Diesen 

h Schaimat 1, 159. Hess. Archiv 8, 293. — -) Nach Wundt, Maga- 
zin für die Kirchengesch. der Pfalz 1, 56 sollen es höchstens dreissig Fa- 
milien, ihrer Beschäftigung nach zumeist Tuchmacher, gewesen sein. — 
^) Diplom. Gesch. der Abtei Eberbach 1, 182. — ^) Struve, Pfältz. Kirchen- 
Historie S. 575 f. — 5) Kluckhohn, Das Testament Friedrichs des Frommen» 



^2 Huffschmid. 

Wunsch des Vaters führte sein Sohn Ludwig VI. (1576—1583) 
nicht aus, sondern den inländischen Reformierten ebensowenig 
wie den Fremdengemeinden günstig gesinnt, vertrieb er ihre 
Geistlichen und führte den lutherischen Kultus wieder ein. 
Von den Schönauer Wallonen verliessen etwa hundert Familien 
mit ihrem Prediger das Land und erhielten von dem kalvi- 
nistischen Pfalzgrafen Johann Kasimir, welchem sein Vater 
Friedrich lU. letztwillig u. a. das Oberamt Kaiserslautem ver- 
macht hatte, das in demselben gelegene Kloster Otterberg, 
einst Schönaus Schwesterkloster, als Ansiedelung angewiesen. 
Die Kapitulation hierüber wurde am 15. Juni 1579 unter- 
zeichnet. In Schönau verblieben einhundert Bürger, welche 
sich den Verhältnissen anbequemen mussten. Obwohl sie sich 
Anfangs fast einmütig weigerten, bei einem lutherischen Geist- 
lichen das Abendmahl zu nehmen, gaben sie doch schliesslich 
auf den Rat der Genfer Theologen ihren Widerstand auf. 
Nach Ludwigs VI. Tode (1583) erblühte die wallonische Ge- 
Oemeinde unter seinen reformierten Nachfolgern abermals, 
bis sie 1622 mit der Besetzung der Pfalz durch die Bayern 
als solche zu existieren aufhörte.^) Die Beendigung des 
dreissigjährigen Krieges und die Wiedereinsetzung Karl Lud- 
wigs (1649) bewirkten, dass die Schönauer Wallonenkolonie 
jetzt als deutsch-französische Gemeinde*) wieder erstand. 
Trotzdem die Predigten französisch gehalten wurden, soll zu 
Anfang dieses Jahrhunderts nur noch ein Mitglied der Ge- 
meinde der Sprache seiner Vorfahren mächtig gewesen sein. 
Zweimal wurde versucht, Schönau dem Cisterzienserorden 
wieder zu gewinnen. Bekanntlich liess Kaiser Ferdinand IL 
am 6. März 1629 das sog. Generalrestitutionsedikt ergehen, 
nach welchem die seit dem Passauer Vertrage vorgenommene 
Einziehung von Klöstern gegen den klaren Buchstaben des 

Abh. d. m. Kl. d. Akad. d. Wiss. Xü. Bd., HL Abth , S. 75 f. Mit wel- 
chen Augen die Gegner Friedrichs IH, insbesondere der demselben aller- 
dings nicht günstig gesinnte Pfalzgraf Wol%ang, das Aufblühen der Frem- 
denkolonien betrachteten, ergeben die Klagen des letzteren wider den 
Kurfürsten vom Februar 1565 (Kluckhohn, Briefe Friedrichs des From- 
men 1, 565) und die Äusserung Witekinds (unten S. 94). 

>) Cuno, Die pfUz. reformierten Fremdengemeinen (Pfillz. Memorabile 
Teil XrV, Westheim 1886) S. 154 f — ^) So wird sie auf dem Grabsteine 
des P&rrers Johannes Daniel d'Ondlle, gest. 1686, in der evangelisch- 
protestantischen Kirche in Schönau genannt. 



Die Cisterzienserabtei SchöDau bei Heidelberg. 93. 

Augsburger Religionsfriedens von 1555 Verstösse und dass dem- 
gemäss solche samt ihren Gütern der Katholiken zurückzu- 
geben seien. Die Cisterzienser Hessen es an nichts bei der 
damaligen katholischen kurbayrischen Regierung fehlen. Ver- 
träge sollen bereits abgeschlossen gewesen sein. Doch konnten 
sie nicht vollzogen werden, da nach den Bestimmungen des^ 
westfälischen Friedens die reformierte Kurlinie wieder von den 
pfälzischen Landen Besitz ergriff. Kaum war dieselbe aus- 
gestorben (1685), so unterhandelte der Abt des Mutterklosters 
Eberbach Alberich Kraus (1667—1702) mit der jetzt katho- 
lischen Regierung der Pfalz über die Wiederherstellung des^ 
Klosters Schönau. Die Bemühungen sollen aber gescheitert 
sein, weil die vorgeschlagenen Bedingungen dem Abte keines- 
wegs zusagten. 

Nach dem Vorgange Widders 2) wird in der Regel ange- 
nommen, dass durch den dreissigjährigen und den Orleansscben 
Krieg die Klostergebäulichkeiten bis auf die heute noch vor- 
handenen Reste zerstört worden seien. Eine Bestätigung hie- 
für lässt sich aber in der einschlägigen Litteratur nicht auf- 
finden.^) Dass zum mindesten die Raubzüge Ludwigs XIV. 
nicht erst das Kloster vernichteten, beweist das Zeugnis des^ 
Jesuitenpaters Daniel Papebroch (1675).*) „(Schonaugia),. 
cuius structuram olim splendidissimam furor Galvinisticus 
evertit et reliquit solum ingentia ecclesiae saxa subruta cum 
aliquot locis, quae subserviunt textoribus Gallicis et Walloni- 
cis, qui eo amore haereseos transfugerunt" und ferner:^) 
„Magis optaremus servata fuisse sacri corporis (Hildegundis) 
ossa; aut eadem etiam nunc inter ecclesiae rudera divino in- 
diclo reperiri: nihil enim Scbonaugiae nunc superest, quod 
s. Hildegundem ibi cultam fuisse doceat, nisi vitrearum qua- 
rumdam fenestrarum reliquiae, quas anno mdcxx^) lustravit 
noster Joannes Gamans, testatus in alio nullo coenobio vidisse 

1) Bär a. a. 0. 1, 182. — ^) 1, 352: „(Die Klosterkirche wurde) durch 
die im XYII. Jahrhunderte aber gewesene verderbliche Kriege ebenfalls 
so verwüstet, dass das vormalige Kapitelhaus in eine Kirche verwandelt 
werden musste." — ') Nach Wirth, Archiv 2, 4, schwärmte 1621 Tilly 
den Neckar bis Mosbach hinauf, berührte Neckarsteinach, Schönau und 
bezeichnete überall seinen Weg durch Plünderung und Zerstörung. Ob 
er aber auch die Schönauer Klosterräume verwüstete? — *) Acta SS. 
Apr. 2, 780a. — *) S. 782 a. — *) Dass diese Jahreszahl kaum richtig 
sein kann, wurde in dieser Zeitschr. N. F. 6, 439 Anm. 4. 



94 Huffschmid. 

tani insanas et audaces ingentiuni saxoruni et inolium sub- 
structiones, quae nunc onines j^ubrutae iacent". Gegentiber 
diesen katholischen Zeugnissen, welche als verdächtig be- 
trachtet werden könnten, verdienen noch von evangelischer 
Seite folgende eine besondere Beachtung: Zeil^er^): „Chur 
Pfaltz hat folgents viel, so wegen der Religion ausz Nider- 
bind gezogen seyn, dahin (nach Schönau) gesetzt, dasz es mit 
der Zeit wie ein kleines Stättlein allda auszgesehen hat. Be- 
sagtes Closter aber ist jetzo alles sampt den Grabschrifften 
verwüst, verderbt, zerstört." Und insbesondere der deutsch 
gesinnte, allem fremden Wesen abholde, wenn auch etwas 
derbe Witekind, welcher freilich nur von den pfalzgräflichen 
Denkmälern in Schönau spricht:^) „Adolff liegt zu Schönaw, 
weisz nicht ob seines grabes anzeigung noch vorhanden seye. 
Alsz ich vor etlichen jähren sahe,-^) war es zum theil zer- 
brochen, stund eine Krippen darautf, darausz ein pferd asz, 
vnndt seinen stall da hatt. [waren andere Gräber also von den 
Welschen, die solchs Closter jetzo inhaben, beschissen, dasz 
einer mit einem leurhackhen nit hett können auf den grundt 
khommen. Bescheissen also landt vnd leuth, lebendig und 
todt, die gutten verjagten Christen.]*) Es ist nicht fein dasz 
<lie Herren ihrer vorfahren monumenta vndt begräbnüszen so 
lassen verwüstet werden, vndt abgehen. Wolten Sie doch nitt 
dasz solches hernachmals den ihren geschehe, die sie jetz ^;(> 
köstlich vndt prächtig^) laszen zurichten, quod tibi fieri non 
vis alteri ne feceris. Monumenta sunt sacra etiam apud Eth- 
nicos et Barbaros.** Demnach war in der zweiten Hälfte des 
16. Jahrhunderts*^) der Kapitelsaal (der pfalzgräfliche Begräb- 

*) in: Merian, Topographia Palatiiiatus Rheni 1045, S. 65, in der zwi- 
sclien 1671 und 1673 herausgekommenen Ausgabe S. 79. — ^) Diese Stelle 
ist oben S. 81 teilweise abgedruckt nach dem Cod. Bav. 2848 und voll- 
ständig in den dort Anm. 1 bezeichneten Schriften. — ^) ^Alsz ich da 
bin gewesen." Geneal. (oben S. 78). — ^) Die eingeklammerte Stelle fehlt 
in den „Duces Bavariae" (oben S. 78). Wie es scheint, sind die Worte 
„die gutten verjagten Christen" eine Anspielung auf die fast gleichlautenden 
im Testamente Friedrichs IIl. (oben S. 91) und auf dessen Witekind über- 
trieben scheinende Sorgfalt für die welschen Kalvinisten. — *) „vndt 
l)rächtig" fehlt in der Geneal. — *) Wann Witekind in Schönau war, 
lässt sich noch näher feststellen. Die Wallonen bezogen 1562 das Klo- 
ster; Witekind war von 1579 bis 1584 von Heidelberg abwesend, und die 
(iemahlin Johann Kasimirs, Elisabeth von Sachsen (f 1590), wird in den 



Die Cisterzienserabtei Schönau bei Heidelberg. 95 

riisraum) zu einem Pferdestall degradiert! Heute lässt sich 
unbefangeuer über die von den protestantischen Fürsten 
Deutschlands den fremden Glaubensgenossen gewährte Auf- 
nahme urteilen. Gewann dadurch einerseits Handel und In- 
dustrie, so darf auf der andern Seite nicht verschwiegen 
werden, dass die Gleichheit des Bekenntnisses damals mehr 
galt, als die Zugehörigkeit zu demselben Volke und dieses zu 
einer Zeit, in welcher durch den religiösen Zwiespalt und die 
dem Auslände entlehnte Renaissance aller Sinn für die deut- 
sche Vorzeit und deren Herrlichkeit geschwunden war. Nur 
so ist es erklärlich, dass Welsche ein Kloster, welches vier- 
hundert Jahre als Kleinod von seinen Schirmvögten, den Pfalz- 
grafen, gehütet wurde und ihnen teilweise als letzte Ruhe- 
stätte diente, nicht bloss eingeräumt erhielten, sondern es 
auch ungerügt zerstören durften. Leider verwirklichte sich 
Witekinds prophetische Ahnung, dass die prächtigen Renais- 
sance- GrabmälerO des kurfürstlichen Erbbegräbnisses in der 
Heiliggeistkirche zu Heidelberg einmal dem gleichen Schick- 
sale verfallen könnten,^) indem bekanntlich noch viel brutaler 
als die niederländischen Tuchmacher mit Schönau, ein anderer 
Welscher, nämlich der allerchristlichste Roi-Soleil mit der 
pfälzischen Hauptstadt und ihren Kunstwerken verfuhr. Hof- 
fentlich werden derartige Zerstörungen, mögen sie von aussen 
oder von innen drohen, uns künftig erspart bleiben. Um den 
Sinn für die Erforschung vergangener Zeiten zu wecken und 



„Duces Bavariae" noch als lebend aufgeführt. Demnach kam Witekind 
zwischen 1562—1579 oder zwischen 1584 — 1590 nach Schönau. Wenn 
Binz a. a. 0. S. XVII damit Recht hat, dass die „Genealogia" (es sollte 
richtiger heissen: die „Duces Bavariae") 1585 verfasst wurde, so fällt der 
„vor etlichen jähren" gemachte Besuch Witekinds in Schönau in die 
Jahre 1562 — 1579 Nach Heberer, Aegyptiaca servitus S. 18 wäre Wite- 
kind 1582 bei Hofe in Heidelberg zur Tafel gewesen; es erscheint dies 
wenig wahrscheinlich, da der lutherische Ludwig VI. ihn wegen seines 
reformierten Bekenntnisses drei Jahre zuvor aus dem Amte entfernt hatte. 
1) Er hat offenbar die kostbaren Denkmäler der Kurfürsten Frie- 
drich IL, Otto Heinrich und vielleicht auch Friedrichs III. im Auge. — 
^) Auch Kurfürst Karl Ludwig (f 1680) sah den Untergang der Denk- 
mäler seiner Ahnen voraus in seiner bekannten Äussenuig: „Chur-Pfaltz 
wird zu der Zeit das Jubileum im Chor der Kirche zum Heil. Geiste mit 
stiller Music halten, wenn anders die hypergryphischen Völcker seine 
Gebeine werden ruhen lassen." Von Ludewig - v. Finsterwald S. 511. Un- 
ter dem Jubiläum ist das 3()0jährige der Universität Heidelberg gemeint 



96 Haffschmid. 

rege zu erhalten, ist es, je geringer die erhaltenen Überreste 
und je zerstreuter die schriftlichen Nachrichten sind, eine um 
so grössere Ehrenpflicht, zu deren Beschreibung und Samm- 
lung das Seine beizutragen. 



TL Yerzeiclmis der Abte des Klosters Schönau. 
Die wallonischen Prediger bis znm SOjShrigen Kriege. 

Um die Feststellung der Zahl, Namen der Äbte und ihrer 
Regierungszeit haben Schannat 1,1 56 f. (S), Widder 1,349 f., 
Würdtwein S. 337 f. (W) und Mone in dieser Zeitschr. 11,60 
(M) sich Verdienste erworben. Nach Jongelinus 2,60 hatte 
das Kloster im ganzen einundfünfzig. Damit stimmt auch 
überein, dass der vorletzte auf seinem Grabstein (oben S. 73 
No.4) als fünfzigster bezeichnet wird. Trotz aller Bemühungen ^) 
ist es aber bis jetzt noch nicht geglückt, ein vollständiges 
Verzeichnis herzustellen, indem, falls obige Zahl nicht auf 
Irrtum beruht, immer noch die Namen von neun Äbten ver- 
misst werden. Bei Benützung der hier folgenden Zusammen- 
stellung, welche wohl im Stande ist, die älteren entbehrlich 
zu machen, möge beachtet werden: Wenn nicht ausdrücklich 
bemerkt wird, wann der betreffende Abt gewählt wurde, seine 
Würde niederlegte oder starb, bedeuten die hinter seinem 
Namen angeführten Daten nur, in welchem Jahre bezw. Mo- 
nate und Tage er zuerst und zuletzt in den Urkunden oder 
von Schriftstellern erwähnt wird. Existieren aus einem sol- 
chen Jahre nur Urkunden mit blosser Jahres angäbe, so 
werden dieselben sämtlich erwähnt; sind sie aber neben auch 
nach Monaten oder Tagen bestimmten überliefert, so finden 
nur diese und zwar immer die älteste bezw. die jüngste Be- 
rücksichtigung. Mit Ausnahme der bei Gudenus und Würdt- 
wein gedruckten Urkunden, ist stets der neueste Abdruck 
oder, wo gar keiner vorliegt, der neueste Auszug bemerkt. 
Citate mit dem Worte „nach", z. B. nach Widder, bedeuten, 



^) Falk, Gesch. des Klosters Lorsch S. 171, 172 bemerkt, dass das 
in der Würzburger Universitätsbibliothek Mp. Theol. f. 132 aufbewahrte 
grössere Lorscher Nekrolog die Todestage von Äbten und Geistlichen des 
Klosters Schönau enthalte. Eingezogenen Erkundigungen nach sind es 
aber nur spätere Einträge aus dem 16. Jahrhundert, welche unermittelt 
bleiben konnten, da die Abtreihe jener Zeit gar keine Lücken aufweist. 



Die Cisterzienserabtei Schönau bei Heidelberg. 97 

dass für die Behauptung des Schriftstellers der urkundliche 
Nachweis fehlt oder dass die Quelle, welche er anführt, un- 
zugänglich und daher unkontrolierbar ist. 

1) Konrad. 1152 (G. 14) — 1153/56 (G. 16) 0- Nach 
Widder war er schon 1150 Abt. S. 1, 156 und Widder be- 
zeichnen ihn als Grafen von Henneberg. (S. oben S. 70 Anm. 4.) 
Beides ist nicht erweislich. 

2) Godfrid. 1182 (W. 23) — 1192 (Wirtemb. U. B. 2, 443). 
Nach dem Exordium magnum war er vor seiner Erwählung 
in einem andern Kloster (de altera domo assumptus. Tissier. 
Bibliotheca patr. Cisterc. 1, 184). Sein Todestag ist ein fünfter 
September (Henriquez, Menologium Cisterc, Antwerpen 1630, 
S. 300. Gallia christiana [ed. 2] 5, 712). Nach Widder starb 
er 1196, was sehr unwahrscheinlich ist.^) 

3) Diepold oder Theobald. 21. I. 1196 (G. 39) — 1203 
(Wirtemb. U. B. 2, 344). Seit etwa 1165 im Cisterzienserorden 
(Caes. Dial. 1, 345), war während der Verschwörung der Laien- 
brüder in Schönau (diese Ztschr. N.F. 6, 432) dort subcellerarius, 
(Tissier 1, 186), 1184 Prior (G. 34), bezog als erster Abt mit 
zwölf Schönauer Mönchen am 29. Oktober 1190 das Tochter- 
kloster Bebenhausen, dann Abt in Schönau, schliesslich solcher 
in Eberbach 1206 (G. 71), gest. am 21. Februar (Roth, Fontes 
rer. Nass. 3, 3 und 17) 1221 (wie sich aus dem Mittelrh. U. B. 
3, 147 ergiebt). Caesarius 1, 50 antizipiert, wenn er ihn 

*) Diese Urkunde setzen Remling, Speir. Ü.-B. 1, 97 „ums Jahr 1150", 
S. 2, 76 und W. 18 ins Jahr 1152; G. 16 schreiht vorsichtiger „115.." 
Für die Zeitbestimmung ist massgebend der nach dem Domdekane und 
den Pröpsten von S. Wido und S. Germanns genannte Zeuge : Godefridus 
custos. 1153 war noch ein gewisser Konrad Kustos und Zeizolf Dom- 
l)ropst (Remling 1, 102); am 13. März 1157 bekleidete beide Würden 
Godfrid (prepositus de domo et custos. Wirtemb. U.-B. 2, 108), welcher 
bereits am 8. Januar 1156 als Dompropst ^vorkommt (das. 2, 101). In 
obiger Urkunde war er nur custos; sonst würde er unter den Zeugen 
auch den ersten Rang eingenommen haben. Folglich fällt sie zwischen 
1153 und 1156. — *) Der Kuriosität halber mag noch erwähnt werden, 
dass Geschichtsforscher des 17. Jahrhunderts Godfrid für einen Herrn von 
Gemmingen hielten ! Wirtembergisch Franken 7 , 373. — Der 5. Januar 
als Todestag eines Abtes Godefrid von Schönau bei Becker, Das Necro- 
logium der vormaligen Prämonstratenser- Abtei Arnstein an der Lahn 
(Annalen des Vereins für Nass. Altertumskunde 16, 42) bezieht sich offen- 
bar auf einen Abt des Benediktinerklosters Schönau im Kreise St. Goars- 
hausen. 

Zeitschr. f. Gesch. d. Oberrh. N.F. VI[. 1. 7 



98 Huffschmid. 

schon 1187/88 als Abt in Schönau bezeichnet; unter dem dort 
S. 51 auftretenden unbenannten Prior kann nur Theobald ge- 
meint sein. Irrigerweise wird er im Mittelrhein, ü. B. 2, 
CLXXXIX für einen Abt von Schönau bei St. Goarshausen 

j^ehalten. 

4) Walther. 1206 (G. 70) — 1208 (G. 73, 74. Wirtemb. 
U. B. 2, 368). 

5) Daniel. Sommer 1209*) (Caes. Dial. 1 , 36) — 1218 
(G. 104). Nach den Gesta sanctorum Villariensium (Kloster 
Villers-en-Brabant) , M. Germ. SS. 25, 222 stammte er vom 
Niederrhein; er war Scholaster (Caes. Dial. 1, 344) des Kol- 
legiatstiftes St. Martin in Kerpen, Kr. Bergheim (das. 2, 260), 
des Kollegiatstiftes St. Chrysanthus und Daria in Münster- 
eifel, Kr. Rheinbach (das. 2, 39), dann Kanonikus des Dom- 
stiftes in Köln (das 2, 178), Prior in Heisterbach (das. 1, 82, 
344; 2, 178, 211), endlich Abt in Schönau. Er starb an einem 
27. Juni (Henriquez S. 208 f., Gallia Christ. 5, 712). Nach 
Henriquez soll er auch Mönch und Prior in Himmerode ge- 
wesen sein. Obwohl der Nachweis fehlt, wäre es doch nicht 
unmöglich, da Heisterbach von den dortigen Cisterziensern 
besiedelt wurde. 

H) Christian. 22. VII. 1220 (G. 116) — V. 1221 (Mittel- 
rhein. U. B. 3, 147. S. IUI das. ist er irrtümlich unter die 
Äbte von Schönau bei St. Goarshausen eingereiht!) 

1) Konrad (H). 1222 (G. 124) — 1223 (Boos, Wormser 
Urkundenbuch 2, 722). 

1) Nach G. 73 könnte es den Anschein haben, als sei Daniel schon 
1208 Abt gewesen, weil er unter den Zeugen einer Urkunde Dietherichs 
von Annweiler als „Schonaugiensis abbas Daniel^ vorkommt und in der- 
selben bemerkt wird: „cui (nämlich dem Siegel des Ausstellers) et suum 
apposuit Schonaugiensis abbas Waltherus, cuius temporibus hec gesta 
sunt, anno scilicet incarnationis domini mccviii. Testes hi sunt:" etc. 
V. Heinemann, Heinrich von Braunschweig, Pfalzgraf bei Rhein S. 124 
und Anm. 2 verlegt aber mit Recht das Privileg desselben für Beben- 
hausen von 1208 (Wirtemb. Ü.-B. 2, 368), in welchem noch Walther auf- 
tritt, in die letzte Hälfte des November. Daniel wäre also frühestens 
Ende dieses Monats Abt geworden. Mir scheint aber die Zeugenschaft 
des Abtes Daniel bei G. nur eine undatierte Bestätigung eines unter Abt 
Walther 1208 beurkundeten Vorganges durch ersteren zu sein, da es sonst 
unerklärlich wäre, warum den geistlichen Zeugen ausnahmsweise drei 
weltliche vorangehen. 



Die Cisterzienserabtei Schönau bei Heidelberg. 99 

8) Berthold. 28. VUI. 1224 (Hartzheira, Concil. Germ. 3, 
1)17)^) — 1233 (Frey und Remling, Otterberg. ü. B. S. 45). 

9) Konrad (III). 19. XI. 1233 (G. 595) — 1240 (G. 196). 

10) Ulrich. 1242 (G. 197) 

11) Rudolf. 25. 1. 1245 (G. 199) — VII. 1249 (nach Zorn, 
Wormser Chronik S. 89). 

12) Heinrich. 10. UI. 1250 (diese Zeitschr. 18, 410) — 
1258 (W. 101). 

13) Ebelin. VUI. 1259 (G. 232) — 29- VUI. 1263 (G. 
244 — W. 121). Mit demselben ist zweifellos der vom 16. 
X. 1263 (Rössel 2, 147) — 17. VI. 1271 (das. 2, 195) vor- 
kommende Eberbacher Abt gleichen Namens identisch. 

14) Otto. V. 1267 (Baur, Hess. Urk. 1, 35) — 3. VUI. 
1279 (Rössel 2, 272 mit dem unrichtigen Datum 26. XU). 

15) Werner. 15. II. 1281 (Rössel 2, 277) — 4. IV. 1288 
<Urk. im Grossh. Haus- und Staatsarchive in Darmstadt). 
Vielleicht eine Person mit dem Prior Wernher in einer Ur- 
kunde von 1270 (Acta acad. Pal. 7, 299). 

16) Johannes. 10. VI. 1290 (Baur 5, 127) — 25. IX. 
1297 (Acta acad. Pal. 6, 304). Abt Johannes von Eberbach, 
welcher zuerst am 10. VUI. 1299 urkundlich erwähnt wird 
(Rössel 2, 390) und am 14. IX. 1306 starb (Bär 2, 292), ist 
wahrscheinlich derselbe. 

17) Friedrich. 5. XII. 1299 (W. 247). Abt von Beben- 
hausen 8. XII. 1281 (Diese Zeitschr. 3, 425) — 7. X. 1294 
{das. 14, 363), von Schönau, dann abermals von Bebenhausen 
nach dem 31. X. 1300 — 15. V. 1303 (das. 15, 215), gest. 
5. I. 1305. Sein Grabstein oben S. 89, No. 1. 

18) Peter Cleman (Kleman).^) 15. V. 1303 (Diese Zeitschr. 
15, 216) — 8. III. 1306 (das. 15, 78); kaum ein anderer ist 
Abt Peter von Eberbach, erwähnt seit 16. X. 1306 (Rössel 2, 
494), gest. 12. IX. 1310 (Bär 2, 300), welcher, wie sein Vor- 
^'änger, Johannes (No. 16), dem Kloster Schönau entnommen 
worden zu sein scheint.^ 



M Im Abdrucke bei G. 136 fehlt der Abtsname. — 2) Die Mainzer 
Patrizierfamilie der Walpode nannte sich nach einem ihrer dortigen 
Häuser schon 1300 de Clemanno, „zume Clemanne" (Joannis, Rer. Mog. 
1, 82; 3, 455, 457. Gudenus, Syll. praef. 35. Baur 2, 598, 653). Vielleicht 
gehörte Abt Peter derselben an. — ^) Es liesse sich entgegenhalten, dass 
iii einer Urkunde des Abtes Johann von Altenberg vom 24. Februar 13C6, 






100 Huffschmid. 

19) Hugo. 17. m. 1307 (Diese Zeitschr. 7, 42 f.). 

20) Jakob. 1. XL 1312 (Remling, Speier. U. B. 1, 466> 

- 25. IV. 1321 (Diese Zeitschr. 6, 320). 

21) Engelbold (Engelbelt, Engelbert). 4. VIII. 1323 (Baur 
2, 884)*) — 12. m. 1327 (diese Zeitschr. 11, 57). 

22) Ludold. 3. VII. 1341 (Inschrift oben S. 84 No. 21) 

— 2. XII. 1343 (Baur 5, 316). Seine Mutter hiess Mechthildis. 

23) Drutwin. 1350 (nach S. 1, 158). 

24) Johannes (II). 6. IL 1356 (Remling 1, 608) — 1857 
(Diese Zeitschr. 7, 53). 

25) Heilmann. 22. XL 1360 (Diese Zeitschr. 7, 53) — 
6. IIL 1363 (diese Zeitschr. 11, 58). 

26) Peter (II). 17. XI. 1375 (v. Löher, Archiv. Zeitschr. 
2, 222) — 21. L 1387 (Koch und Wille, Pfalz. Reg. No. 4702); 
wie es scheint, verzichtete er auf sein Amt und zog sich in 
das Kloster Eberbach zurück. Starb am 7. Oktober 1395. 
Über sein Grabmal, vgl. oben S. 89 No. 2. 

27) Gotfried (U.) aus Schriesheim 1392 (nach M. 11, 60) — 

4. IL 1403 (Winkelmann, U. B. d. Univ. Heidelberg 2, 17). 

28) Eberhard 1405 (nach S. 1, 159). 

29) Marquard. 7. X. 1405 (diese Zeitschr. 11, 58) — 
29. IV. 1406 (das. 11, 59). War nach Gall. Christ. 5, 712 
früher Mönch in Maulbronn. 

30) Johannes (IIL). 17. VIII. 1417 (ungedrucktes Vidi- 
mus der bei Baur 4, 48 befindlichen Urkunde im Grossh. 
Haus- und Staatsarchiv in Darmstadt. Ohne den Abtsnamen 
erwähnt im Hess. Arch. 10, 137). 

31) Konrad (IV.). 22. VII. 1419 (Simon, Erbach. U. B. 

5. 191) — 11. XL 1438 (W. 263). 



also zii einer Zeit, wo in Schönau sich noch Abt Peter befand, bereits 
ein Abt Peter von Erbach (= Eberbach) erw&hnt wird (Rössel 2, 490). 
Da aber dessen Vorgänger Johannes noch am 24. Juni 1306 auftritt (Rössel 
2, 493) und am 14 September gl. J. starb, so ist entweder in der ersten 
Urkunde statt „in die b. Mathie apost." = 24. Februar „in die b. Mathei 
apost." = 21. September zu lesen, oder sie stammt aus dem Jahre 1307, 
indem die Abtei Altenberg das Jahr mit dem 25. März, vielleicht aurh 
nach Kölnischer Sitte mit Ostern beginnen Hess. 

M Boos 2, 131 verlegt diese Urkunde auf den 16. Juni. Dies wäre 
aber nur richtig, wenn das Datum lauten würde: „feria quinta post in- 
ventionem bcati Nazzarii et sociorum eius^, statt: ,,post diem beati 
N. e. s. e.** 



Die Cisterzienserabtei Schönau bei Heidelberg. IQI 

32) Gerhard. 24. VI. 1450 (Diese Zeitsehr. 11, 58) — 
^1. Vni. 1459 (das. 11, 59). Ein Gerhardus professus de 
SchoDüa^ wird in Heidelberg 1423 oder 1424 magister artium 
<Töpke 2, 375), 1432 Provisor bei St Jakob (das. 2, 594), 
1441 Licentiat der Theologie (das. 2, 596). 

33) Peter (IH.). 1461 — 1464 (nach M. 11, 60). 

34) Johannes (IV.). 8. VIIL 1468 (Paulus, Bebenhausen 
S. 41) — 3. III. 1474 (diese Zeitsehr. N. F. 3, ml 16). Ver- 
mutlich identisch mit Johannes Bode aus Boppard, welcher 
nach dem 20. X. 1475 Abt in Eberbach wurde und am 12. De- 
zember 1485 starb. Über seinen Grabstein oben S. 89 No. 3. 

35) Eberhard (IL), auch Erhard. 27. V. 1479 (diese Zeitsehr. 
N. F. 3, ml 16) — 20. IX. 1482 (diese Zeitsehr. 24, 274). 

36) Nikolaus aus Neidenstein, erwählt 30. X. 1491 (Mone, 
Bad. Quellensamml. 3, 161) — 1502 (Hess. Archiv. 10, 156). 
Professus in Schönau und Student in Heidelberg 1477 (Töpke 
1, 353), später Provisor des St. Jakobsstiftes daselbst (Mone 
3, 160). 

37) Jakob (II) Vitriatoris aus Heidelberg. 5. X. 1503 
(W. 303 mit dem unrichtigen Datum: 9. Oktober), verzichtete 
auf seine Würde 21, Juni 1520 (Roth 3, 177). 1482 Professus 
in Schönau und Heidelberger Student. Toepke 1,369. 

38) Markus 1520 (Roth 3, 177), verzichtete 29. Oktober 
1523. Zuvor Prior in Schönau (das.). 1508 studierte in 
Heidelberg ein Professus in Schönau fr. Marcus Senger aus 
Heidelberg. Toepke 1,467. 

39) Nikolaus (II) Senger aus Heidelberg 1523 (Roth 3, 
177), starb Anfangs August 1526 (Winkelraann 2,84). 1497 
Student in Heidelberg. Toepke 1,423. 

40) Lorenz Ortt. 13. XI. 1527 (Grimm, Weisthümer 1, 
457), starb 1529 (nach S. 1,159). 

41) Sebastian Pfungstein aus Heidelberg, erwählt 11. I. 
1529 (nach S. 1,159), gest. 9. Vlll. 1554 (Widder 1,350). 
1508 studierte er als Schönauer Professus in Heidelberg. 
Toepke 1,467. Über seinen Grabstein oben S. 73 No. 4. 

42) Wolfgang Cartheyser (Cathuszer, Cartheiser, Kartheuser) 
aus Worms 1554 (nach W. 340), starb am 24. VIII. 1563 
(Hess. Archiv 8, 293). 1512 Professus in Schönau und Stu- 
dent in Heidelberg. Töpke 1, 484. Über seinen Grabstein 
vgl. S. 89 No. 4. 



102 Huffschmid. 

Folgende Äbte wurden fälschlich für Schön auer gehalten: 

1) Philipp, welcher nach S. 1, 157 „transigit anno 120^ 
cum Gonrado abbate s. Lamberti super iuribus quibusdam in 
S wenden". Es liegt hier eine Verwechslung mit dem Abte 
Philipp von Otterberg vor, welchem Abt Konrad von St. Lam- 
brecht 1209 bewilligte, für sein Kloster und dessen Meierhöfe 
Wilre und Swanden bei Alsenbrück (Bez.-A. Kaiserslautern) 
stehendes Holz fällen zu dürfen. (Widder 2, 260; 4, 212f., 218.) 

2) Nach M. 11, 60 und Janauschek *), Orig. Cisterc. 1, 81 
war ein gewisser Melchior Abt in Scbönau. Derselbe kommt 
1488 (Roth 1, 404) und 1498 (Würdtwein, Mon. Pal. 1, 72) 
vor. Das Nekrolog des St. Petersklosters in Erfurt erwähnt 
seinen Tod unterm 31. Dezember: II kal. ian. Melchior abbas 
in Schonavia (Schannat, Vindemiae literariae 2, 21), das Ca- 
lendarium des Klosters Pegau in Sachsen unterm 31. Mai: 
II kal. iun. dns. Melchior abbas in Schonaw (Mencken, Script. 
2, 133). Aus Trithemius geht hervor, dass am 31. Dezember 
1493 Melchior, Abt des Benediktinerklosters zum heil. Florinus 
in Schönau bei St. Goarshausen, starb. (Silbernagl, Johannes 
Trithemius 2. Aufl., Regensburg 1885, S. 256.) Demnach 
hätte der Eintrag im Calend. Pegav. „ian." statt „iun." lauten 
und an das Ende des Monats Dezember gesetzt werden müssen. 
Auch die Jahreszahl 1498 bei Würdtwein wäre unrichtig 
überliefert. 

3) Jongelinus 2, 60 sagt bei Besprechung unseres Klosters : 
„Abbas Andreas scriptis celebris floruit 1512 sub Maximiliane 
imperatore". Es liegt hier eine Verwechslung vielleicht mit 
einem Abte des Klosters Schönau bei St. Goarshausen vor; 
denn nach den Quellen (Roth 3, 177) stand Abt Jakob, wel- 
cher 1520 resignierte, beinahe (quasi) 18 Jahre unserem 
Kloster vor. 

Dem folgenden Verzeichnisse der französisch-reformierteu 
Prediger liegt fast ausschliesslich die Arbeit von Cuno, Die 
pfälzischen reformierten Fremdengemeinen (Pfalz. Memorabile 
Theil XIV, Westheim 1886 S., 154 f.), zu Grunde. 

l) Dr. theol. Frangois du Jon oder Franciscus Junius, aus 
französischem Adelsgeschlechte, geb. am 1. Mai 1545 in Bourges, 



>) Nach diesem insofeme, als er die betr. Stelle des Calend. Pegaviense 
unter den Quellen des Klosters Schönau anfährt. 



Die Cisterzienserabtei Schönau bei Heidelberg. IQB 

studierte in seiner Vaterstadt und in Lyon die Rechte, seit 
1565 Professor der Theologie in Heidelberg, predigte von 
hier aus einigemale in Schönau, dann ständiger Prediger da- 
selbst von Oktober 1567 bis 1573 mit Ausnahme der Zeit, 
während welcher er Hof- und Feldprediger des Prinzen von 
Oranien war, 1575 wieder Professor in Heidelberg, 1578 am 
Casimirianum in Neustadt a. d. H., richtete im Frühjahre 
1579 auf Befehl des Pfalzgrafen Johann Kasimir die Wallonen- 
kolonie in Otterberg ein. blieb bis 1580 ihr Prediger, im 
gleichen Jahre wieder Professor in Neustadt, 1584 in Heidel- 
berg und seit 1592 in Leyden, wo er am 13. Oktober 1602 
starb. ^) 

2) Clynet (Clignet) aus den französischen Niederlanden, 
wurde Dr. theol. in Leyden, um 1573 Prediger in Schönau, 
wanderte 1578 wegen des in der Pfalz eingeführten Luther- 
tums mit einem grossen Teile seiner Gemeinde aus und wirkte 
vom Sommer 1580 bis zu seinem um 1585 erfolgten Tode 
als Prediger in Otterberg. 

3) Esaie Godot 1603—1608. 

4) Simon Andreas 1608 bis wohl 1622, wo die wallonische 
Kolonie als solche aufhörte. 



^) Adamus, Yitae theologorum exterorum, ed. 3. S. 96 f. 



Auszüge 

aus den 

Bechniingsbflchern der Camera Apostolica 

zur Geschichte 

der Kirchen des Bistnms Strassbnrg 1415—1513. 

Vou 

AI. Meister. 



hj'in wesentlicher Bestandteil des römischen Staatsarchives *) 
wird gebildet durch die Mehrzahl der Registerbände der camera 
apostolica nach ihrer definitiven Gestaltung von Martin V. 
Dieses handschriftliche Material, das hauptsächlich für Lokal- 
geschichte interessant ist, war bisher so gut wie unbenutzt, 
und wurde erst durch Gottlob^) in weiteren Kreisen bekannt. 
Auch mir hat dessen „camera apostolica" zur Einführung 
treffliche Orientierungsdienste geleistet, indes, da diese Ab- 
handlung im wesentlichen nur den Gottlob zugängig gewesenen 
Serien der libri introitus et exitus, der 1. mandatorum et bul- 
letarum, der 1. annatarum und der 1. S. Cruciatae gewidmet 
ist, so gelangt man leicht zu der Auffassung, als seien andere 
Serien ihnen gegenüber bedeutungslos oder ~- verloren. Er 
selbst giebt (S. 15) zu: „Es sind damit nicht alle Rechenei- 
serien der ehemaligen Kammerregistratur erschöpft, aber die 
übrigen sind nur ganz trümmerhaft auf uns gekommen und 
zum Teil in diesen Hauptserien verloren." Ich war daher ein 
wenig überrascht, im römischen Staatsarchiv noch 7 mehr 
oder minder vollständige Serien Rechnungsbücher konstatieren 
zu können^), nämlich: die libri quitantiarum, die 1. resigna- 

^) Über die Zusammeiisetzung des röm. Stadtarchivs, cf. Gregorovius 
in V. Sybel, Hist. Zeitschr. 1876 Bd. 36, S. 141 flf. — «) Gottlob, Alis der 
Camera apostolica des 15. Jahrhunderts. Innsbruck 1889. — ') Bisher 
wurden die durch Gottlob bekannten Serien ausgebeutet, soviel ich er- 
fahre, für Westfalen ^Finke), Holland (Brown) und Polen. An den neu- 
aufgefundenen Serien arbeiten mit mir Starzer für Niederösterreich, Ha>ii 



1 



Auszüge aus der Camera Apostolica. Bistum Strassburg. 105 



tionum et consensuum, die 1. conipositioiiuin. die 1. exspectan- 
tiarum, die 1. obligationura particulariuin, die 1. obligationuin 
pro niinutis et comniunibus servitiis und endlich die 1. forma- 
tai'iae, welch letztere, Rechnungen für in Rom erfolgte Ordi- 
nationen, Doktorprüfungen u. ä. enthaltend, für unsre Regesten 
keine Ausbeute lieferten J) 

Über den Umfang der übrigen Serien mag folgende Über- 
sicht'-^) orientieren: 











^nntzte 1 
1 1513 1 


Name der Serien 


u 

o 


Zeit 


Grössere Lücken 


vou mir bt 
Bände bi» 


1. L. Quitantiarum 


31 


1396—1511 


1410—17; 1422; 1427; 
1435 36; 1442; 1448— 
57; 1467—68; 1507—8 


81 


2a. L. resignationuDi et 


296 


1457—1599 


1471 1481 


16 


consensuum. collect. A. 










b. consensuum. collect. B. 


247 


1528—1869 


? 




3. L. compositionum 


5 


1413 1607 


1426—54; 1459-61; 1482 
—1501; 1504 


5 


4. L. exspectantiarum 


13 


1486—1536 


1492—1504; 1505—16; 
1518-19; 1521-24; 1526 
—1535 


6 


5. L. oblig. particularum 


4 


1420 1482 


1421 57; 1472 1479 


4 


6. L. oblig. pro servitiis 


31 


1408—1798 


1418-21; 1429-33; 1456 


13 


(solutiones) 






-57; 1472-88; 1503-12; 

1517-22; 1551-87; 1604 

12; 1653 60; 1672 




Dazu die Serie der 






78; 1729—1755 




Annatarum 


132 


1421—1797 


1435 35; 1448 57; 1467 
-68; 1490; 1496-97 U.S.W. 


50 


Summa . . 


759 






131 



für die Rheinlande, und die böhmischen Stipendisten. Mögen ihre Ar- 
beiten für diese neuen Serien die dringend nötige Ergänzung zu Gottlobs 
Buch liefern. 

^) Eine 8. Serie wäre die der libri solutionum, die indes teils mit 
derjenigen der quitantiarum, teils mit derjenigen der obligationum pro 
minutis et com. servitiis heute zusammengestellt und verschmolzen ist. 
Eine 9. Serie die 1. formatariae. — ^) Die Herstellung dieser Tabelle er- 
möglichte mir die ausserordentliche Zuvorkommenheit der Beamten des 
röm. Staatsarchivs, die dankend hervorgehoben zu werden verdient. 



106 Meister. 

Was nun den Inhalt dieser Serien angeht, so möge betreib 
der Annatenbände auf die Ausführungen Gottlobs verwiesen 
sein. *) Jeder Band zerfällt in zwei Teile, der erste, grössere 
enthält die auf Bürgschaft hin gestundeten Annaten — eiD 
grosses Schuldenregister — , der zweite die wegen Todesfall 
und anderen Gründen nie gezahlten Annaten, respektive die 
dem Benefizialnachfolger darüber ausgestellte Bescheinigung. 

Die Quittungen wirklich gezahlter Annaten stehen in den 
libri Quitantiarum. 

Die 1. resignationum et consensuum werden gebildet durch 
Rechnungen über Resignation auf Pfründeu und Ämter und 
den Konsens der Prokuratoren und anderer (eorum quorum 
interest). Ein solcher Konsens war stets nötig bei Errichtung, 
Veränderung und Aufhebung von Kirchen und Kirchenämtem, 
bei Veräusserung von Vermögensbestandteilen u. ä. Die Serie 
teilt sich mit dem Jahr 1528 in eine Collectio A und B, wo- 
von die letztere in kleinerem Handformat die Gladdenbände 
mit den Konzepten zur ersteren umfasst. 

Die jetzige Serie der Kompositionen ist die am meisten 
verstümmelte, vier Bände enthalten Kompositionen der Datarie, 
der fünfte die Taxen für die Bullenspesen; die Kompositionen 
selbst sind die Abgaben an die expedierende Behörde, bekannt 
durch die Kompositionenreform unter Paul III. ^ Der Band 
mit den Ausfertigungsgebühren für die Bullen trägt als eine 
vereinzelte Erscheinung seine Motivierung an der Stirne. Auf 
dem ersten Folio steht nämlich ein im Auftrage Pius' IL vom 
Kardinalkämmerer Ludovicus tit. Sti. Laurentii in Damaso 
erlassenes Edikt, worin der bestehende Missbrauch in der 
Kammerbuchführung streng gerügt und für die Zukunft ver- 
ordnet wird: quatenus aliquis eorum quicunque fuerit, qui onus 
expeditionis bullarum provisionis cuiusvis ecclesiae patriarcalis, 
archiepiscopalis, episcopalis, abbatialis, magistratus, generalatus 
et cuiusvis alterius ecclesiae in apostolica camera taxatae, 
assumpserit, in futurum in virtute sanctae obedientiae et sub 
excomnmnicationis et privationis omnium et singulorum bene- 
ficiorum suorum et quadringentorum florenorum auri de camera, 

>) Bes. S. 83, 34. 1. c. — 2) Cf. Dittrich, Sixti IV ad Paulum m com- 
positionum defensio. Braunsberg 1883. Über den Verlauf des Kompositionen- 
streites Dittrich, Gasparo Contarini. Braunsberg 1885, S. 378 ff. 



Aujszüge aus der Camera Apostolica. Bistum Strassburg. 107 

apostolicae camerae applicandoruni, sententiis et pcnis, quas 
sententias et penas quemlibet contrafacientem incurrere volu- 
mus etc. vel praesumat buUas super talibus provisionibus con- 
fectas et expeditas per se vel alium seu alios extrahere seii 
extrahi facere de camcra apostolica et romana curia, nisi prius 
in eadem cauiera dicti domini de ipsa camera, de niane, hora 
consueta, etc. praesentaverit cedulam veri computi eius et sin- 
gularum expensarum in, de, et super ipsis provisionibus et 
bullis expedidis, quam cedulam expensarum in dicta camera 
examinatorum et aprobatorum postquam signata fuerit et sub- 
scripta manu clerici mensarii vel alterius nomine et in libris 
dictae camerae debite registrata teneatur et debeat etc. . . .') 

Die Serie der Exspektanzen enthält Anwartschaften auf 
Pfründen bei eintretender Vakanz. Die päpstlichen Exspek- 
tanzen sind nicht zu verwechseln mit den durch das dritte 
Lateranensische Konzil abgeschafften, auf eine bestimmte Pfründe 
sich beziehenden Anwartschaften, da sie nur in allgemeiner 
Form auf eine beliebige Vakanz in diesem oder jenem Bistum 
ausgestellt wurden. Da indes in der Folge, wohl zur Zeit des 
Schismas, auch diese päpstlichen Exspektanzen degenerierten 
und zu allerhand Missbrauch führten, so hob sie, nachdem 
sich schon das ,Konstanzer und Basler Konzil dagegen gewandt 
hatte, das Trienter Konzil vollständig auf 2) — und in vollem 
Einklang damit endigt unsre Serie kurz vorher mit dem 
Jahre 1536. 

Die 1. obligationum particularium waren ebenfalls für An- 
natenschulden bestimmt. Die aussergewöhnlichen Fälle, wie 
bei Union mehrerer Kirchen und Klöster, Gründung von Orden 
und Gesellschaften, Indulgenzen u. ä. wurden nämlich von den 
Annatenbänden getrennt in diese Separatserie eingetragen. 

Die obligationes pro servitiis werden gebildet durch ver- 
bürgte Schuldschreiben für die servitia communia sowohl, als 
die servitia minuta der Prälaten. Wie den verschiedenen 
Schuldenregistern der Annaten eine Serie mit Quittungen 
nebenherlief, so muss dieser Serie an Servitienschulden eine 
wirkliche Zahlungsserie in den libri solutionum entsprochen 
haben. Mehrere Bände dieser Serie (wie auch der Serie der 

') Als Beispiel diene unser Auszug. Der Band ist besonders wichtig 
für das päpstl. Finanz- und Taxenwesen. — ^) Conc. Trid. sess. XXIV C. 19. 



108 Meister. 

Quittungen) sind auch in der That Solutionenbände der Prä- 
laten, einige mit noch erkennbarer Originalaufschrift liber 
solutionura. Der Obligationenband Jahr 1413 enthält hinter 
den Obligationen eine eigne Rubrik Solutionen.*) 

Es kann hier nicht auf die interessanten Fragen der Buch- 
führung, auf die formale Behandlung dieser Serien näher ein- 
gegangen werden.^) Die trefflichen Ausführungen Gottlobs 
betreffs der andern Serien finden hier meist ihre Bestätigung, 
aber auch ihre nötige Ergänzung und Erweiterung. Für unseru 
Zweck mögen hier nur zur Veranschaulichung des Inhaltes die 
hauptsächlichsten Formeln^) folgen. 

Libri Annatanim I. Teil : Die . . . N. N. i)rocurationis nomine 
prout publico coustabat instrumeuto obligavit se camerae apostolicae 
nomine X super annatas canonicatus et praebendae . . (oder paro- 
chialis ecclesiae ... u. ä.\ quorum fructus . . marcharum argenti com- 
munis existimationis, vacantium per obitum (resignationem u. a.) • . . 
extra curiam defuncti. Collata eidem Romae apud Stum. Petrum KL 
Jan. anno primo (u. ä). Item promisit producere mandatum ratifica- 
tionis infra 6. menses*) 

Libri annatarum IL Teil: Bullae restitutae: Die*) . . . una bulla 

^) Dieser Mischbaud wurde durch Überführung der Kammer nach 
Florenz veranlasst, wie dort fl. 1 zu lesen ist: quiquidem liber iuceptus 
fuit in Florencia post casum urbis, in quo continentur primo obligationes 
prelatorum, postea soluciones commumum et minutorum servitionim et 
deinde bulle de curia et alie bullate et subsequenter littere de camera 
de diversis formis et in fine ante rubricas sunt alique annate ... — *) Nur 
einiges sei bemerkt. Div. Alex. VI Annat. 1501 — 1502 stehen nach dem 
2. Teil bull. rest. wieder Annaten. Div. Innoc. exspect. 1486—91 ist 
vielfach die oberste Zeile quer abgeschnitten, was den sicheren Schluss 
gestattet, dass man ursprünglich auf lose Quaterne schrieb, die später zu 
einem Band zusammengebunden und verschnitten wurden. Die Obligationeu- 
bände 1492—98, 1498—1502, 1513—16 sind drei prächtige Pergament- 
bände mit schön verziertem Ledereinband. Der Lib. trium minutorum 
1434— 4(» ist in kleinem Format. — ') Es ist selbstverständlich, dass diese 
Formeln unter dem Wechsel des Kammerpersonals in einzelnen Ausdrücken 
Veränderungen unterliegen. Für die obl. part. und die exspect. geben wir 
keine Formel wegen ihrer Länge und vielfach individuelleren Abfassung. 
— ^} Dies meist später nachgetragen, wie ich vermute, nach erfolgter 
Komposition und Eintrag in die libri compositionum. Ausserdem ist oft 
am Band nach Tilgung dieser Schuld ein Zahlungsvermerk nachgetragen 
zuweilen mit Hinweis prout in libro . . . introitus fl. . . . oder prout per 
cedulam d. depositarii. — ^) Das obere Datum ist das der Eintragung in 
die Bechnungsbücher, wie auch bei den übrigen Formeln, das untere, das 



Auszüge aus der Camera Apostolica. Bistum Strassburg. ]00 

pro N. super perpetuo beneficio . . . cuius fructus . . . marcharum 
argenti communis exist, foit restituta sine obligatione Romae Kl. Jan. 
anno primo. 

Libri quitantiarum : Universis presentes litteras inspecturis N. N. 
camerarius . . salutem in Domino. Ad universitatis vestrae notitiam de- 
ducimus per praesentes, quod reverendus in Christo pater (dilectus filius) 
X pro parte partis sui communis servitii (pro totali solutione annatarum 
u. ä.) in quo camerae apostolicae sub certis penis et sententiis ac ter- 
mino nondum elapso ratione dictae suae ecclesiae tenebatur . . flore- 
norum auri de camera ipsi camerae thesaurario domini nostri papae 
N. N. pro ea recipienti per manus domini A. die dato praesentium 
et tempore debito solvi fecit realiter et commune effectum. De quibus 
sie solutis praefatum dominum X. eiusque ecclesiam et in ea succes- 
sorem ac suos heredes quoscunque suaque et eorundem heredum et 
successorum bona quaecunque mobilia et immobilia, praesentia et 
futura tenore praesentiam absolvimus et quietamus. In quorum testi- 
monium praesentes litteras fieri fecimus et sigilli dicti domini came- 
rarii appensione muniri. Datum etc. 

Unterschriften des Kollationators . . des Thesaurars . . 

Libri resignationum : Die . . . N. N. procurator ad infrascriptum 
specialiter constitutus a domino A. sponte prout de procurationis 
mandato constat cuiusdam B. publici notarii subscipti et publicati 
sub vigore dicti mandati consensit resignationi per eum factae in 
raanibus sanctissimi domini nostri papae de beneficio . . . quod ob- 
tinebat, de quo providetur domino C. per supplicationem sub dato . . . 
et litterarum apostolicarum expeditione in favorem dicti C. Juravit 
etc. praesentibus dominis ... notariis camerae testibus et me X. 

Libri compositionum : Die . . N. tamquam privata et principalis 
persona obtulit et promisit cam^re apostolice pro fructibus per eum 
de ecclesia . . male perceptis . . flor. auri de camera ad primum ter- 
minum solutionis annatae suae scilicet ad 6 menses proxime futuros 
sub pena excommunicationis. Obligavit quoque se personaliter et 
sua bona ac iuravit, renuntiavit ac se summisit in forma. Actum . . . 
praesentibus . . et me notario.*) 

Libri obligationum pro servitiis: Die . . N. episcopus obtulit pro 
communi servitio camerae et collegio per eum debito flor. . . ad quos 
taxatus et (quinque) minuta servitia consueta pro familia et officialibus 
domini nostri papae et dicti collegii. Item recognovit in forma pro 
collegio et familiaribus eorundem autem communis et minutorum 

Datum der wirklichen Ausfertigung der Bulle, Zahlung der Schuld oder 
Bürgschaft der Prokuratoren. 

') Dies die P'ormel unter Martin; unter Callixt III ändert sie sich: 
die . . N hahuit bullam sigillatam sigillo camerarii super ecclesia . . cuius 
fructus . . et promitit ipse infra (sex) menses proxime futuros annatam 
solvere aut praedictam bullam, ut praemittitur sigillatam, restitnere. Obli- 
gavit etc. w. 0. 



) [Q Meister. 

servitioruni medietatem iu festo (• . resurectionis D.) et aliam medie- 
tatem in festo (omnium sanctorum) sequente. Recognita vero infirm 
unum annum a dicto festo . . inantea computandum solvere promisit, 
convenit, submisit, obligavit iuravit et renuntiavit in forma et dictus 
N. tulit formas in forma praesentibus. . . 

Libri solutionum : Universis et singulis praesentes litteras inspeo- 
tui'is A dei et apostolicae sedis gratia episcopus, camerarius . . salatem 
in domino. Universitati vestrae notum facimus per praesentes, quod 
venerabilis pater B. episcopus pro [totali] solutione sui communis aer- 
vitii in quo camerae apostolicae sab certis penis extitit efficaciter 
obligatus florenos . . . aori de camera et ])ro [integris] minutis ser- 
vitiis consuetis, debitis pro familiaribus et officialibos domini nostri 
papae, in quibus dictae camerae sub dictis penis et sententiis extitit 
similiter obligatus florenos . . . clericis dictae camerae proprio eomm 
et aliorum familiarium et officialium dicti domini nostri papae nomine 
recipientibus per manus C (mercatoris fiorentini) die dato praesentium 
tempore debito solvi fecit cum effectu. De quibus sie datis et solntis, 
dictum B. eiusque hcredes successoresque ac omnes alios, qaorum inter- 
est seu interesse poterit, in futurum tenore praesentium quitamns, 
absolvimus et etiam liberamus. in quorum testimonium praesentes 
litteras fieri et sigilli fecimus appensione muniri. Datum etc. 

Bei den nun folgenden knappen Auszügen sei noch bemerkt, 
dass in allen Serien nur das chronologische Prinzip beim Ein- 
trag befolgt ist; für unsere Zwecke schien indes folgende 
topographische Gliederung ratsamer. 

Achern. 
1487 Jan. 11 Rom. Job. Jochgrim der. Spirens erhält eine jähr- 
liche Pension von 10 fi. aus dem Ertrag der Vikarie am Altar St. Anna 
in Speyer und anderer 10 fl. aus dem Ertrag der Parochialkirche in 
< )berachern. (Bulla restituta sine obligatione.) (Div. Innocentii VIII 
Annat. 1487 Mai 7. B.)^) 

Allerheilip:en (Lautenbach, Strassburg, Allerheiligen). 
1477 Jan. 16 Rom. Jeronimus Geent, Kanonikus im Kloster Aller- 
heiligen pred. ord., erhält Absolution ab apostasia et dispensione ab 
omni ordine et administratione altaris. (Bulla restituta sine obli- 
gatione.) (Div. Sixti IV Annat. 1477 März 6. B.) — 1491 Sept. 28 Rom. 

^) Betreffs des Gitats sei bemerkt: Fast alle Register haben die mo- 
«lerne Aufschrift diversoruni; nach dem Namen des Papstes gebe ich dann 
<leu Namen der Serie mit der Jahresangahe. Bei den Annatenbänden 
war die Angabe des Folio überflüssig, weil die Einträge streng chrono- 
logisch sind. Der zweite Teil eines Annatenhandes der bulla rest. wird 
durch ein B bezeichnet. Bei den andern Serien gebe ich die Citate nach 
der Paginierung. Füge ich beim Citat ein Datum hinzu, so ist dies das 
l>atum der Registrierung, das Datum im Text aber ist dasjenige der 
Kollation. 



Auszüge aus der Camera Apostolica. Bistum Strassburg. m 

Bulla unionis concepta clusorii sive domus, qua olim inhabitabant 
sorores de diversis ordinibus unite capelle beate semper virginis Marie 
in Lutembach ord. Praemonstrat. Argentin. ad iustum praepositi 
monasterium omnium sanctorum in nigra silva. (Dio Innocentii YIU 
Annat. 1491 Okt. 14. B.) — 1506 April 20 Rom. Kaplan Onhirrn am 
St. Katharinaaltar in Jung St. Peter erhält eine jährliche Pension von 
3 fl. rhen. aus dem Ertrag der vicaria ad St. Petrum und 9 fl. aus 
dem Ertrag perpetuae caplaniae novae capellae ad altare St. Mariae 
Tirg. situm in oratorio sive in ecclesia Omnium Sanctorum. (Bulla 
rest. sine obl.) (Div. Alex VI. [sie! Julii II] Annat. 1506 Juni 27. B.) 

Andlau — Barr. 

1474 Juli 19 Rom. Nicolaus Meyer rector monasterii abbatissae 
et canonistarum secularium in Andeolo Arg. dioc. et caplanus in 
Gewir . . ac Aristophorus Zum Hasen caplanus in collegio ecclesiae 
in Rivelden verbtlrgen sich der cam. apl. zur Zahlung der Annaten 
der Parochialkirche in Bare mit dem Ertrag von 12 Mark Silber, 
vakant durch den Tod des Bernardinus Melklinger. Er verspricht 
die Tilgung der Schuld im Lauf von 4 Monaten. A. R. : Am 18. April 
1475 zahlte er für die ganzen Annaten 60 fl. (Div. Sixti IV Annat. 
1474 Aug. 6.) — 1475 April 24 Rom. Die Äbtissin und die Kanonis- 
sinnen von Andeolo (Andlau) erhalten Quittung über Zahlung ihrer 
Schuld von 60 fl. für die Parochialkirche in Barr. (Div. Sixti IV 
Quiet. 1474—76 fl. 63.) 

Benfeld (Strassburg, OfTenburg, Surburg). 

1462 Mai 3 Rom cf. Ruprechtsau. — (1500 Okt? s. d.) Joh. Gotkeu, 
Prokurator des Jacob de Dinger, giebt seinen Konsens zur Resignation 
auf die perp. caplania St. Agnes in Strassburg, Sti. Jacobi minoris 
in Beifelde und auf dem Cimeteriura der Parochialldrche von Offen- 
burg in einem Notariatsakt des Udalrich Grefenberger de Herolisperg 
der. Argentinensis dioc. publici notarii. Als Koadjutor wird daselbst 
eingesetzt Nicolaus Dich. In einem zweiten Notariatsakt giebt Gotken 
im Namen Dingers den Konsens zur Resignation auf die perp. caplania 
St. Elisabeth in der Kapelle St. Katharina in Strassburg, Koadjutor 
wird Stephan Johannes, ein Strassburger Kleriker. In einem dritten 
verzichtet Gotken als Prokurator auf die Propositur St. Martin und 
Arbogast in Surburg, Koadjutor wird Jacob Shol. (Div. Alex. VI 
resign. 1499—1502 f. 155^ 1500 Okt. 22, 1501 Febr. 8. cf. Ortenberg.) 

Bern heim (Bernolsheim oder Beinheim.) 

s. d. Joh. üdenheim erhält eine jährliche Pension von 30 floi\ 
rhen. aus dem Ertrag der Parochialkirche in Bernheim, nachdem er 
auf Kanonikat, Präbende und Custodia an St. Martin und Arbogast 
in Surburg resigniert hatte. (Bulla restituta sine obligatione.) (Div. 
Alex. VI Annat. 1493 Mai 8. B) 

Betschdorf. 
1506 Mai 31 Rom. Ludovicus Aurifabri, Rektor der Parochial- 



112 Meister. 

kirche in Betzschdorf, resigniert auf dieselbe zugunsten des Jolu 
Lieft (V). (Div. Julii II resignat. 1506—1509 ü. 44. 1507 Jan. 15.) 

Bircken (Burgheim bei Lahr oder Bürckenwald). 

1504 Dez. 21 Rom. Sixtus Rusiuger erhält eine jährliche Pension 
von 12 fl. rhen. aus dem Eilrag der Parochialkirche in Bircke. (Bulla 
rest. sine oblig.) (Div. Julii II Annat. 1506 Jan. 26. B.) 

Bischofsheim (wohl Rheinb., da Bischheim am Saum und B, 

am Berg andere Patrone haben). 

1421 Juni 6 Rom St. Peter. Marcus episcopus Crisopolitanus erhält 
die Kommende der Pfarrkirche in Bischofsheim mit dem jährlichen 
Ertrag von 26 Mark Silber, erledigt durch Resignation von Johannes 
Pistoris. Für ihn verbürgt sich der Strassburger Kanoniker Nicolans 
Hiltebold zur Zahlung der Annaten an die camera apostolica im Lauf 
von 6 Monaten. (Div. Martini V 1421 Juli 10.) — 1469 Dez. 20 Rom. 
Christophorus Weylkirecher, rcctor par. ecc. in Bischolffheim Arg. 
dioc. . . pape familiaris, verbürgt sich der cam. apl. zur Zahlung der 
Annaten der Parochialkirche in Bischofsheim mit dem Ertrag von 
10 Mark, vakant durch den Tod des Johannes Schoc. A. R.: Am 
selben Tag zahlte er 24 flor. (Div. Pauli II Annat. 1470 Juni 18.) — 
1470 Juni 18 Rom St. Peter. Christophorus Weilkircher, rector par. 
eccl. in Bischoffsheim , erhält Quittung über Zahlung seiner Schuld 
von 24 fl. (Div. Pauli II Quitant. 1470—72 fl. 41.) — 1473 Mai 11 
Rom. Petrus Antonius de Clapis, Propst an St. Andrea in Wonns, 
verbürgt sich der cam. apl. für Fridericus comes Palatinus Rheni, 
Romanorum imperii electoriae orator und für dessen Kaplan in seiner 
Pnvatkapelle Stör, Mariae et Crucis in Castro Heidebergense zur 
Zahlung der Annaten der damit zu vereinigenden Parochialkirchen 
St. Martin in Bischofsheim, Stör. Crispini et Crispiniani in Gricheim, 
Sti. Stephani in Breeheira nee non Sti. Ciriaci in Bremersheim . . . 
que de iure patronatus dicti comitis existunt. Er verspricht die Til- 
gung der Schuld et certificare cam. apl. de vero valore dictarum 
uniendarum ecclesiarum infra 6 menses ... et producere iustam rati- 
flcationem infra VIII menses. (Div. Sixti IV Annat. 1473 Sept. 15.) 
— 1473 Sept. 23 Rom. Petrus Antonius de Clapis, Propst an St. Andrea 
in Worms, verbürgt sich der cam. apl. für Fridericus comes palatinus 
Rheni und für den zukünftigen Rektor der Capelle castri in Germers- 
lieim zur Zahlung der Annaten der Pfarrkirche St. Martin in Bischofs- 
lieim, Stör. Crispini ac Crispiniani in Griesheim et St. Stephani in 
Bretheim necnon Sti. Ciriaci in Bremersheim, die mit dieser Kapelle 
zu vereinigen seien. Er verspricht die Tilgung und die Benachrich- 
tigung über den wahren Wert dieser Kirchen im Lauf von 6 Monaten 
et etiam jirömisit producere iustam ratificationem infra Vin menses. 
•Div. Sixti IV Annat. 1473 Okt. 20.) — 1477 Juni 6 Rom. Ludovicus 
de Georgiis rev. domini card.Tirasonei capellanus verbürgt sich der cam. 
apl. für Thomas Wolff zur Zahlung der Annaten der Parochialkirche 
in Bischofsheim mit den Ertrag von 12 Mark Silber, vakant durch 



Auszüge ans der Camera Apostolica. Bistum Strassburg. X13 

Tod des Christophoms Welkircher. A. R.: Er zahlte pro composi- 
tione fl. 27 per manos dicti Ludovici prout per cednlam d. depositarii, 
prout libro VH introitus f. 44. (Div. Sixti IV Annat. 1477 Okt. 8.) — 
1477 Okt 8 Rom. Thomas Wolff erhält Quittung über Zahlung seiner 
Schuld von 27 fl. für die Parochialkirche in Bischoffsheim. (Div. 
Sixti IV. Quit. 1476—79 fl. 97.) 

Bischweiler. 
1436 Dez. 14 Bononie. Ulrich Molitor verbürgt sich der cam. 
apl. zur Zahlung der Annaten der Parochialkirche von Bischoffewiller 
mit dem Ertrag von 30 Mark Silber, vakant per liberam resignationem 
des Heinrich Maistheim. Eine gleich hohe jährliche Pension trat er 
aber dem Heinrich aus den Einkünften ab. Item dicta die prefatus 
IJlricus Molitoris principalis et Henricus Nuner causarum sacri palatii 
notarius, ut principalis et privata persona vice et nomine dicti Ulrici 
obligavlt se ad solvendam dictam annatam hie in curia infra sex menses 
a die adepte pacifice possessionis incipiendam. (Div. Eugenii IV Annat 
1437 Jan. 12.) 

Dangolsheim. 

1475 Juli 24 Rom. Peter Suter de Vontembach erhält Quittung 
über Zahlung seiner Schuld von 14 fl. für die Parochialkirche in 
Danckartzheim. (Div. Sixti IV Quit. 1474—76 fl. 89^) 

Dunzenheini (Stbg. St. Thomas). 

1492 Aug. 26 Rom. Job. ßurchard, Dekan an St. Thomas, ver- 
bürgt sich der cam. apl. zur Zahlung der Annaten der Parochialkirche 
in Duntzeuheim mit dem Ertrag von 12 Mark Silber, vakant durch 
Tod des Kanonikers Nicolaus. A. R.: 21. Aug. 1500 wird ihm der 
Termin verlängert. 19. Jan. 1504 cassata fuit. (Div. Alex. VI Annat. 
1499 Mai 26.) — 1492 Aug. 26 Rom. Kilian Steer, V^ürzburger Kle- 
riker, verbürgt sich der cam. apl. für Abt und Konvent St. Allarinus(?) 
in Morsmünster zur Zahlung der Annaten der Parochialkirche in 
Duntzenheim mit dem Ertrag von 12 Mark Silber. A. R. : Er zahlte 
12 fl. et solvere promisit dicta annata de 15 annis in 15 annos ratione 
dicte perpetue unionis sub penis camere. (Div. Alex. VI Annat. 1494 
Juni 21.) *) — 1494 Juni 12 Rom. Abt und Konvent in Duntzenheim (!) 
erhalten Quittung für Zahlung ihrer Schuld für die dortige Parochial- 
kirche. (Div. Alex. VI Quit. 1492-96 fl. 141.) — 1509 Aug. 2. Job. 
Wetzel, Dekan in Basel, verbürgt sich der cam. apl. zur Zahlung der 
Annaten der Parochialkirche von Duntzenheim und für ein Kanonikat 
mit Präbende an St. Thomas mit Gesamtertrag von 12 Mark, vakant 
durch den Tod des Johannes Eystettensis. (et promisit solvere . . . 
infra 6 menses aut infra mensem unum post certificatam cameram de 
non habita possessione, et dominus Somerius Nieso custos portae fer- 
reae ac dom. Michael Sauden elericus ceremoniarius et Nicolaus ürmser 
decanus Argentin. accesserunt in solvenda huic obligatione , , , .) (Div. 
Julii n Annat. 1510 Juni 30.) 



^) Derselbe Eintrag unterm 17. Juni mit dem Vermerk per errorem. 

Zeiischr. f. GMch. d. Oberrh. N. F. VII. 1. 8 



114 Meister. 

Ebersheim. 
1429 Dez. 23 Rom Sti. Apostoli, cf. Rheinaa. — 1431 März 11 Rom 
St. Peter. Johannes Jemerlich verhOrgt sich der cam. apl. zur Zah- 
lung der Annaten der ParochiaUdrche in Ebersthim mit dem Ertrage 
von 10 Mark Silber, vakant per modum nove provisionis. (Div. 
Eugenii lY Annat. 1431 Juli 9.) 

Egisheim. 

1464 Sept. 6 Tibor. Henricos Han erhält die ParochiaUdrche 
St. Michael in Egesheim mit dem Ertrag von 9 Mark Silber, vakant 
durch den Tod des Martin Rorchel. Für ihn verbürgt sich der cam. 
apl. zur Zahlung der Annaten Nicolaus Duringen, Kanonikus an Alt 
St. Peter. (Div. Pü n Annat. 1464 März 26.) 

Elsenheim. 

1427 Nov. 4 Rom Sti. Apostoli. Stephan Geyspoltzheim erhält die 
Parochialkirche in Elsenheim mit dem Einkommen von 12 Mark, 
vakant durch resignatio des Bemardus de Rotsamhusen. Für ihn 
verbürgt sich der Weissenburger Kanoniker Conrad Schmar zur 
Zahlung der Annaten an die cam. apl. (Div. Martini Y Annat. 1428 
Febr. 20.) 

Epfig. 

s. d. Johannes Textor de Landemburg erhält die Parochialkirche 
in Epfig mit dem Ertrag von 3 Mark Silber. (Bulla rest. sine oblig.) 
(Div. Martini V Annat. Mai 18. f. 240. B.) 

Erstein. 

8. d. Johannes Eckerich erhält ein Kanonikat mit Präbende im 
Kloster Erstheim o. s. Aug. mit dem Ertrag von 4 Mark Silber. 
(Bulla rest. sine oblig.) (Div. Martini V Annat. 1425 Okt. 25. f. 257. B.) 

Eschau. 

s. d. Henricus Nibelung eihält das perp. beneficium ad altare 
beatae Mariae im Kloster Eschow o. s. B. mit dem Ertrag von 4 Mark. 
(Bulla rest. sine oblig.) (Div. Martini V Annat. 1427 Juni 4. f. 249. B.) 
— 1492 Sept. 19 Rom. Job. Burchard, päpstlicher Zeremoniar, ver- 
bürgt sich der cam. apl. für Thomas Wolff sen. von Ecklolzheim, 
cellerarius an Jung St. Peter, zur Zahlung der Annaten der Pfarr- 
kirche in f^chew mit dem Ertrag von 15 Mark Silber, vakant durch 
Resignation des Job. Plactener. A. R.: Er zahlte 35^8 A* (Div. 
Alex. VI Annat. 1492 Okt. 18.) — 1492 Okt 17 Rom. Thomas Wolff 
erhält Quittung über Zahlung seiner Schuld von fl. 35 hol. 50 für die 
Parochialkirche in Eschow. (Div. Alex. VI Quit. 1492—%. fl. 11».) 

Ettenheim. 

1479 Aug. 23 Rom. Heinrich Schonleben, can. Eystett, verbürgt 
sich der cam. apl. für Abt und Konvent von Ettenheimmünster zur 
Zahlung der Annaten der Parochialkirche in Ettenheim cuius fiructus 



Auszüge aus der Camera Apostolica. Bistnm Strassburg. 116 

1 

non exprimantor und f£ür Yereinignng derselben mit dem Kloster 
Ettenheimmttnster. (Nachschrift. £t fait facta fides per scripturam 
pablicam qaod Ductus eiusdem parochialis valent seu ascendont ad 
^ucentos florenos rhenenses et sie ad eandem rationem solvit.) A. R. : 
Gerardns zahlt fttr ihn fl. 150 pro valore ducentorem fl. rhen. (Div. 
Sixti IV Annat 1484 Juli 17.) 

Fautenbach. 

1492 März 24 Rom St. Peter. Lucas Schlegel, rector par. eccl. 
Sti. Albani in Vualdulin (Waldulm) Argent. dioc, und der Prokurator 
Arbogast Eucheler des Peter Morleck, Kaplan in Yontenbuch, geben 
ihren Konsens zur Resignation Morlecks. Die Provision erhält Lucas. 
<Div. Alex. VI resig. 1492—96. fl. 38. 9. Febr. 1493.) — 1496 Nov. 8 Rom. 
Antcmius St. Praxedis presb. cardinalis übertrug eine Caplania b. 
Mariae virg. in Ventembach und eine andere St. Benedicti ad altaria 
st. Sixti villae Eysen*) an Friedrich Oldendorp aus Osnabrück. Letz- 
terer resigniert und erhält von seinem Nachfolger Hellas Westoffen 
eine jährliche Pension von 6 fl. aus ihrem Ertrag angewiesen. (Div. 
Alex. VI resignat. 1492—96. f. 216. 20. Dez. 1496.) 

Fessenheim 

1431 April 7 Rom St. Peter. Nicolaus Dritzehen verbürgt sich 
der cam. apl. zur Zahlung der Annaten der Parochialkirche in Vessen- 
heim mit dem Ertrag von 8 Mark Silber, vakant per liberam resigna- 
tionem des Theobald de Mulnheim. (Div. Eugenii IV Annat. 1431 
Juni 15.) 

Gertweiler (Niedermünster, Ingmarsheim.) 

1429 Juni 12 Rom Sti. Apostoli. Äbtissin und Kapitel von Nieder- 
münster (monasterii in inferiore Hohenburg o. Aug.) erhalten die 
Parochialkirche zu Geltewilre mit dem Ertrag von 16 Mark Silber, 
die mit der Kaplanstelle am Kloster zu vereinigen ist. Für sie ver- 
bürgt sich der Verwalter der Pfarre in Igmersheim, Paulus Ruys, 
isur Zahlung der Annaten im Lauf von 6 Monaten. Er tilgt die Schuld 
am 12. Jan. 1430. (Div. Martini V Annat. 1429 Juni 27.) 

Gengenbach. 
1479 April 24 Rom. Balthassare de Rumeck, Mönch in Gengen- 
bach, erhält ein Indult für die perpetua vicaria extra muros loci 
Gengenback super exemptione ab omni iurisdictione ordinaria et quod 
a dicta perpetua vicaria non possit amoveri. (Bulla rest. sine oblig.) 
(Div. Sixti IV Annat. 1479 Mai 19. B.) — 1481 Jan. 8 Union mit 
Ichenheim, cf. Ichenheim, 1481 Jan. 8. 

Goersdorf. 

1486 Dez. 23 Rom. Erhard de Kageneck, Kaplan am Altar Sti. 
Elogii in Strassburg, erhält eine jährliche Pension von 18 fl. auri rhen. 
aus dem Ertrag der Parochialkirche in Gersdorff, nachdem er auf 

^) Eysen? Oberentzen heisst 1490 Eyshein (urbarium de Marbach). 

8* 



116 Meister. 

seine Eaplanei mit dem Ertrag von 4 Mark arg. pari verzichtet hatte. 
In derselben Bulle wird letztere dem Jacob Stephan verliehen. (Bulla 
rest sine oblig.) (Div. Innocentii Vin Annat. 1487 Febr. 9. B.) — 

Griesheim. 
1473 Mai 11, 1473 Sept. 23, cf. Bischofsheim 1473 Mai 11, UTO 
Sept. 23. 

Hagenau. 

1481 Nov. 13 Rom St. Peter. Der Prokurator Burchardus Seitr 
giebt seinen Konsens zu der am 24. August 1481 in Strassbnrg vor 
dem kaiserlichen und apostolischen Notar erfolgten Resignation des 
Rektors der Kirche in Rotenfels auf die perpetua caplania St. Michael 
im alten Hospital in Hagenau. Die Provision erhält der Licenüat 
Eustachius Mtinch. (Div. Sixti IV liber secundus particul. [et resig- 
nation.]. fol. 99.) — 1485 März 22 Rom St. Peter. Job. Kriis resigniert 
auf die Caplania am Altar undecim mulierum martyrarum im Hospital 
in Hagenau. Die Provision erhält Christophorus Stock. (Div. Innoc. VIII 
resignat. 1484-^. fl. 37^ 6. April 1485.) 

Hausbergen. 
1431 Juli 7 Rom St. Peter. Nicolaus Rosegarten erhält die per- 
petua vicaria in der Parochialkirche von Husbergen mit dem Ertrag 
von 5 Mark Silber, vakant durch den Tod des Nicolaus Soist. Für 
ihn verbürgt sich der Baseler Kleriker Johannes Balinger zur Zahlung 
der Annaten an die cam. apl. (Div. Eugenii IV Annat. 1532 Jan. 15.) 
— 1432 Jan. 18 Rom. Nicolaus Resegarten erhält Quittung über 
Zahlung seiner Schuld von 19 fl. (de compositione) für die Parochial- 
kirche in Husebergen. (Div. Martini V Quit. 1430—33. fl. 181.) 

Haslach. 

1420 Juli 8 Florenz. Conrad Fribsen (?) erhält die perpetua prae- 
positura von St. Florentius im Thale der ßreusch bei Haslach, mit 
dem jährlichen Ertrag von 20 Mark Silber, erledigt durch Johannes 
Hohenstein. Für ihn verbürgt sich der Mainzer Kleriker Johannes 
Neudel zur Zahlung der Annaten an die cam. apl. (Div. Martini Y 
Annat. 1421 Sept. 15.) — 1429 März 4 Rom Sti. Apostoli. Bernhard 
Rotsamhusen erhält Quittung über Zahlung seiner Schuld von 31 fl. 
für die Präpositur an St. Florentius in Haslach. (Div. Martini V 
Quit. 1423—30. fl. 68^) — 1437 Juni 23 Bologna. Johannes Gk)tzo 
erhält ein Kanonikat mit Präbende in Haslach mit dem £rtrag von 
5 Mark, vakant per liberam resignationem Nicolai Specht. Für ihn 
verbürgt sich der cam. apl. zur Zahlung der Annaten Erhardus Den- 
tener, Vikar an Jung St. Peter. A. R. : solvit ex compositione fl. 9. 
(Div. Eugenii IV Annat. 1437 Juli 5.) — 1466 Nov. 7 Rom. Jacobns 
de Nepotibus der. Spir. verbürgt sich der cam. apl. für Petrus Off- 
mann zur Zahlung der Annaten der thesauraria an St. Florentius in 
Haslach mit dem Ertrag von 5 Mark auri fini, vakant per novam 
promotionem Burchardi Herbe ad sacerdotium. A. R.: Am selben 
Tage zahlte er 12 flor. (Div. Pauli H Annat 1470 Mai 19.) — 1470 



Auszüge aus der Camera Apostolica. Bistum Strassburg. 117 

Mai 19 Rom. Peter Hoffmann erhält Quittung über die Zahlung seiner 
Gesamtschuld von 12 V2 fl- für die Thesaurarie der Kirche in Haslach. 
(Div. Pauli H Quit. 1470—71. flor. 28K) — 1478 Jan. 12 Rom. Dekan 
und Kapitel von St. Florentius zu Haslach erhält die Bestätigung zur 
Yereimgong fiructuum scolastrie dicte ecclesie mensae capitulari cuius 
fructus 4 march. (Bulla rest. sine oblig.) (Div. Sixti IV Annat. 1479 
Mai 24. B.) — 1478 Juni 25 Rom. Joh. Burchard, canonicus sti. Flo- 
rentii in ELaslach, papae familiaris, verbürgt sich der cam. apl. zur 
Zahlung der Annaten pro facultate resignandi vel ex causa permuta- 
tionis omnia et singula beneficia ecclesiastica. Et promisit certificare 
cameram apl. aut collectorem aut succollectorem in partibus depu- 
tatum nominibus et cognominibus beneficiorum per eum resignandorum 
«t personarum quibus illa conferrentur de die collationis et de vero 
valore eorundem sub penis camere etc. (Div. Sixti IV Annat. 1478 
Juli 9.) — - 1479 (?) Aug. 14 Rom. Johann. Burchard, Kanonikus an 
St. Florentius in Haslach, verbürgt sich zur Zahlung der Annaten 
binnen 6 Monaten für Dekan und Kapitel von St. Florentius für die 
Fakultät der freien Propstwahl et dictus prepositus infra 6 menses 
a die sue electionis teneatur habere a sede aplica. novam provisionem 
de dicta prepositura. (Div. Sixti IV Annat. 1479 Aug. 31.) — 1486 
Nov. 1 Rom. Papst Innocenz teilt dem Propst von Haslach mit, dass 
er Christannus Jan Jos eine Exspektanz auf die nächst vakanten Prä- 
benden in der Konstanzer und Churer Diözese erteilt habe. (Div. 
Innoc. Vm Exspect. 1486—91. f. 51.) — (1488?) Mai 22 Rom. Lud. 
de Gisgiis verbürgt sich der cam. apl. für Heinr. Brucker de Hagenow 
zur Zahlung der Annaten für Kanonikat, Präbende und Kustodie an 
St. Florentius in Haslach mit dem Ertrag von 6 Mark Silber, vakant 
durch Resignation des Strudel. A. R.: 1. Juli 1488 zahlt er UV* fl. 
(Div. Innocentü Vin Annat. 1488 Juni 28.) — 1488 Dez. 9 Rom. Vatus 
Strudel, Vikar in Strassburg, erhält eine jährliche Pension von 26 fl. 
rheUi aus dem Ertrag von Kanonikat und Präbende an St. Florentius 
in Haslach. (Bulla rest. sine oblig.) (Div. Innoc. VUI Annat. 1488 
Dez. 30. B.) — 1488 Juli 1 Rom. Heinrich Brucker de Hagenow erhält 
Quittung über Zahlung seiner Schuld von 14 V4 fl. für Kanonikat, Prä- 
bende und Kustodie an St. Florentius zu Haslach. (Div. Innoc. VIH 
Quit. 1487—88 fl. 162.) — 1493 Mai 20 Rom. Ludwig Oder erhält 
Quittung über Zahlung seiner Schuld von Duk. 14 hol. 20 für Kanonikat 
und Präbende an St. Florentius in Haslach. (Div. Alex. VI Quit. 
1492—96 fl. 72.) — 1502 Dez. 29 Rom. Joh. Langer litt. apl. abbre- 
viator, Prokurator des Thomas Wolff de Eckeboltzheim, Dekan an 
St. Peter und Michael, resigniert auf dies Dekanat zugunsten des 
Joh. Burchard, Propst an St. Florentius, qui decanatus mandatur uniri 
prepositurae dictae Sti. Florentii. (Div. Alex. VI resignat. 1501—1504 
fl. 149. 1503 Mai 29.) — 1506 Mai 17 Rom. Joh. Lib verbürgt sich 
der cam. apl. zur Zahlung der Annaten der praepositura an St. Flo- 
rentius Aslacensis mit dem Ertrag von 6 Mark, vakant durch den 
Tod des Joh. eps. Ortanus. Er verspricht Tilgung der Schuld in 
-6 Monaten, (reservata pensio 20 fl. rhen. Michaeli fabri, quam etiam 



118 Meister. 

promisit solvere in eventom cassationis dictae pensionis.) A. B.; 
1512 Mai 20 cassatom foit etc. (Div. Alex. VI [sie! Joliin] Amiat. 
1506 Joni 14.) 

Hatten. 

1491 Okt. 25 Rom. Joh. Rnlis, päpstlicher Skriptor, verbUrgt 
sich der cam. apl. für Fridr. Woigand zur Zahlung der Annaten dar 
perpetna yicaria in Hatten mit dem Ertrag von 6 Mark 8., vakant 
durch Resignation des Paul Sydeler. Er verspricht die Tilgung binnen 
Jahresfrist. (Div. Innoc. VTH Annat. 1491 Nov. 28.) 

Herlisheim. 

1492 Sept. 16 Rom. Wolfard Nicolaus von Medemblick erliftlt 
eine jährliche Pension von 30 flor. rhen. 23 duc. auri aus dem Ertrag 
der Parochialkirche in Herdisheim, die Studeler verwaltet. (BoUa 
rest. sine oblig.) (Div. Alex. VI Annat. 1493 Aug. 8. B.) 

Herbolzheim. 

1461 Aug. 1 Tubure (!) Rudolfus Rossler verbürgt sich der cam. 
apl. zur Zahlung der Annaten (et fructibus male perceptis) der 
Parochialkirche in Herboltzheim mit dem Ertrag von 8 Mark Silber^ 
vakant per resignationem Guntheri. Am selben Tag zahlte er ez 
compositione fl. 20. (Div. Pii Annat. 1461 Dez. 10.) — 1461 Dez. la 
Rom. Rudolf Rossler, Rektor der Parochialkirche Herboltzheim er- 
hält Quittung über Zahlung der Gesamtschuld von 20 fl. (Qnitantia 
1460-62 fl. 125.) 

Hoffen. 

1425 März 21 Rom Sti. Apostoli. Johannes Nudel verbürgt sich 
der cam. apl. zur Zahlung der Annaten der Parochialkirche in Hoffen^ 
vakant durch Erteilung der cantoria in St. Martin und Arbogast in 
Surburg an Heinrich Draghen mit dem Ertrag von 10 Mark Silber 
sed iuxta informationem habita per ipsam cameram obligatio &cta 
foit ad vocem Septem marcharum silveri. A. R. gratis pro Deo. (Div. 
Martini V Ann. 1425 Okt. 17.) 

Hohenburg. 

1463 Aug. 27 Tibur. Susana erhält die Verwaltung des Klosters 
Hoemburg o. s. Aug. mit dem Ertrag von 10 Mark Silber, vakant 
durch den Tod der Clara. Bulla rest. sine oblig. A. R. solvit ex 
compositione pro rocheto XI fl. rhenens. (Div. Pii H Annat. 1463 

Sept. 63 fl. 317 B.) 

Ichenheim. 

1481 Jan. 8 Rom. Heinrich Schonleben verbürgt sich der cam. 
apl. für Abt und Konvent in Gengenbach zur Zahlung der Annaten 
par. eccl. in villa Ichenheim, cuius fructus non exprimuntur und für 
Vereinigung derselben mit Gengenbach (Nachschrift: Et fuit facta 
fides per scripturam publicam de vero valore redituum paroch. et as- 
cendere ad fl. rhen. 60 et ad eam rationem solvit annatam predictam)» 
A. R. Gerard Ususmaris zahlt für ihn fl. 65 pro valore 60 fl. rhen. 



Auszüge aus der Camera Apostolica. Bistum Strassburg. I19 

(Div. Sixti IV Annat. 1484 Juli 17.) — 1498 Dez. 21 Rom. Job. Bur- 
chard erfaiüt eine Pension von 12 fl. auri rhen. aus dem Ertrag der 
perpetna vicaria in Ichenheim. (Bulla rest. sine oblig.) (Div. Alex. 
VI Annat. 1499 Aug. 2 B.) 

Illkirch. 
1428 Febr. 14 Rom Sti Apostoli. Heinrieb Lontzdorff erbält die 
Pfarre in niekurk mit dem Einkommen von 16 Mark, vakant per no- 
vam provisionem des Sosso de Kagemeck. Für ibn verbürgt sich 
Konrad Lebmar, Kanoniker in Weissenburg, zur Zablung der Annaten 
an die cam. apl. im Lauf von 6 Monaten. Getilgt wurde diese Scbuld 
am 31. Aug. 1428 durcb Jacobus Petrus litterarum apostolicarum ab- 
breviator. (Div. Martini V Ann. 1428 März 5.) — 1475 Juli 12 Rom. 
Fridell de Corbeck, scolasticus Wratislavensis, verbürgt sieb der cam. 
apl. für Erbard de Kageneck canon. et thes. ecc. Sti. Petri Jun. zur 
Zablung der Annaten der Parochialkircbe in Hlekercb, que de iure 
patronatns laicorum existit, vakant certo modo mit dem Ertrag von 
22 Mark S. (Div. Sixti IV Annat. 1476 Juni 10.) 

lUwickersheim (St. Oswald). 
1478 Mai 18 Rom. Job. Kriis rector capelle Sti. Oswaldi ville 
niewickesbeim, zur Parocbialkirche in Illkirch gehörig (papae fami- 
liaris), verbürgt sich der cam. apl. zur Zahlung der Annaten dieser 
Kapelle mit dem Ertrag von 7 Mark und der capellania am Altar 
Sti. Johannis et Marci Argent. mit dem Ertrag von 3 Mark S., vakant 
durch den Tod des Job. Olman. Er verspricht die Tilgung der Schuld 
binnen 6 Monaten. (Div. Sixti IV Annat. 1479 April 26.) 

Kirweiler. 
1478 Aug. 5 apud. Zachiam Sutr. dioc. Georg Clersgen rector par. 
eccl. Sti. Remigii in Kyrvoiler verbürgt sich der cam. apl. zur Zahlung 
der Annaten derselben mit dem Ertrag von 6 Mark S., vakant durch 
den Tod des Nicolaus Flenng de Haugena, im Lauf von 4 Monaten. 
A. R. : solvit fl. VE etc. . . residuum promisit solvere infra 4 menses 
proxime sequentes. (Div. Sixti IV Annat. 1478 Sept. 17.) 

Leberau.*) 
(1502 April-Mai ?) Job. Aloysius Crassus verbürgt sich der cam. 
apl. für Propst und Kapitel in Nomeryo (Nancy ?) Tullens. dioc. zur 
Zahlung der Annaten unionis perpetue prioratus Sti. Alexandri in 
valle Leporis Arg. dioc. mit dem Ertrag von 20 duc. auri, vakant 
durch Tod des Hugo Dagardis (?). (Div. Alex. VI Annat. 150? Mai 12. 
Nachtrag am Ende der bull, rest.) — 1502 Mai 12 Rom. Propst und 
Kapitel von Nanccys (!) Tüll. dioc. erhalten Quittung über Zahlung 
von 38 Duk. für die Union mit dem Priorat Sti. Alexandri in valle 
Leporis. (Div. Alex. VI Quit. 1500—1503 fl. 170.) 

St. Leonard (bei Ottrott). 
1477 Aug. 21 Rom cf. Pfaffenhoven. 1477 Okt. 20 Rom. Job. de 

1) Thal der Leber, cf. Als. dipl. H 442. 



120 Meister. 

Batsamhusen erhält Quittung über Zahlung seiner Schuld von 25 fl. 
für Eanonikat und Präbende in St. Leonard. (Div. Sizti lY Qmt 
1476—79 fl. 100.) 

Maursmünster. 
1492 Aug. 26 cf. Dunzenheim 1492 Aug. 26. 

Mönchweiler (Ettenheiinmünster). 
1425 Juni 3 Rom Sti. Apostoli. Abt Albert und Konvent des Klo- 
sters Ettenheimmttnster erhalten die Parochialkirchc in Munichwiller 
mit dem Ertrag von 10 Mark S. (prefato monasterio uniendae). Es 
verbürgt sich dafür der Rektor der Parochialkirchc in Rheinan, 
Johannes Jemerlich, zur Zahlung der Annaten an die cam. apl. (Diy. 
Martini V Annat. 1425 Juli 11.) 

Molsheim (Strassburg). 

1479 Juli 4 Rom. Heinrich Raff perpet. vicarius ad altare Sti. 
Johannis prope fontem chori Argen t. und Jacob. Becherer perpet. 
caplanus ad St. Michaelem super ossorio in par ecc. in Molesheim 
tauschen ihre Stellen. (Bulla restituta sine obligatione super provi- 
sione duorum beneficiorum ex causa permutationis.) (Div. Sizti lY 
Annat. 1479 Aug. 19.) 

Münster (Niedermünster). 
s. d. Jacob de Dinger erhält das perpetuum beneficium in eccl. 
monasterii Sti. Crucis in Münster inferioris ordinis Sti. Benedicti mit 
dem Ertrag von 6 Mark S., vakant per resignationem Siffiridi. Für 
ihn verbürgt sich der cam. apl. zur Zahlung der Annaten Johannes 
Wassemberg. (Div. Pii II Annat. 1464 Jan. 27.) 

Niederbronn. 
1506 April 21 Rom. Hellas de Westhoffen erhält eine jährliche 
Pension von 20 fl. rhen. aus dem Ertrag der Parochialkirche in Nidem- 
bum. (Bulla rest. sine oblig.) (Div. Julii H Annat. 1507 Juli 6. B.) 

Niedermünster. 
1429 Juni 12 cf. Gertweiler. 

Ohnenheim. 
1432 Nov. 27 Rom St. Peter. Fridericus de Reno erhält die 
Parochialkirche in Onheim mit dem Ertrag von 13 Mark S. und die 
thesauraria der Kirche in Basel mit dem Ertrag von 12 Mark, vakant 
per modum novo provisionis et rehabilitationis. Für ihn verbürgt 
sich der cam. apl. zur Zahlung der Annaten Wilhelmus Woecht 
vicarius ecclesie Altmarien Traiectensis dioc. (Div. Eugenii IV Annat. 
1433 Febr. 26.) — 1433 Febr. 28 Rom. Fridericus de Reno erhält 
Quittung (pro totali et integra solucione annatarum) über 25 fl. für 
die Thesaurarie in Basel und die Parochialkirche in Onheim. (Div. 
Martini V Quit. 1430-33 fl. 263».) — 1433 Febr. 28 Rom. Fridericus 
de Reno erhält Quittung über Zahlung von 15 fl. super fructibus per 
eum . . . male et indebite perceptis aus genannter Thesaurarie und 
der Parochialkirche in Onheym. (Div. Mart. V Quit. 1430—33 fl. 263».) 



Auszüge aus der Camera Apostolica. Bistum Strassburg. 121 

Offenburg. 

1421 Aug. 7 Tibur. Nicolaus Lindenstrumph erhält die Pfarre 
in Offenbnrg mit dem Ertrag von 70 Mark S., erledigt durch den 
Tod des Johannes Schunenschin. Für ihn verbürgt sich der Mainzer 
Kleriker Johannes Noudel zur Zahlung der Annaten an die cam. apl. 
(Div. Martini v. Annat. 1421 Aug. 16.) — s. d. Jordanes Track er- 
hält das Yikariat am Altar corpus Christi in der Parochialkirche in 
Offenborch mit dem Ertrag von 4 Mark S. (Bulla rest. s. oblig.) 
(Div. Martini V Annat. 1425 Sept. 15 f. 251 B.) — 1428 Mai 13 Rom 
Sti. Apostoli. *Wilhelmus de Winsperg verbürgt sich der cam^ apl. 
zur Zahlung der Annaten der Parochialkirche in Ofifenburg mit dem 
Ertrage von 29 Mark S., vakant durch den Tod des Nikolaus Scedel. 
(Div. Martini V Annat. 1428 Mai 21.) — 1428 Okt. 3 Rom Sti. Apo- 
stoli. Ludovicus Hosterich erhält die Pfarre in Ofifenburg mit dem 
Ertrag von 40 Mark S., vakant durch den Tod des Nikolaus Schede- 
lin oder des Thomas Theve. Für ihn verbürgt sich der Kanoniker 
an Jung St. Peter Nikolaus Hiltebold zur Zahlung der Annaten an 
die cam. apl. im Lauf von 6 Monaten. Am 11. Jan. 1430 erhielt er 
eine Bulle gratiae si neutri, eine zweite Bürgschaft leistet Unkel. 
Bei einer zweiten Bulla gratiae si neutri leistet Paul Monthart Bürg- 
schaft 28. Mai 1432 für die Annaten der Kirche mit dem Einkommen 
von 65 flor. (Div. Martini V Ann. 1429 Apr. 28.) — 1429 Okt. 2 Rom 
Sti. Apostoli. Johannes Stern verbürgt sich der cam. apl. zur Zah- 
lung der Annaten der Parochialkirche in Ofifenburg mit dem Ertrag 
von 25 Mark S., vakant durch den Tod des Wilhelm de Winsperg. 
(Div. Martini V Annat. 1429 Nov. 4.) — 1461 Jan. 26 Rom. Schimpher 
erhält die Parochialkirche in Ofifenburg mit dem Ertrag von 60 Mark, 
vakant durch den Tod des Jakob Neil. Für ihn verbürgt sich der 
cam. apl. zur Zahlung der Annaten Rudolfus de Rodessen. Am sel- 
ben Tage zahlte er ex compositione 11. 120. (Div. Pii 11 Annat. 1461 
Sept. 29.) — 1461 Jan. 26 Rom. Jacobus de Dinguer notarius palatii 
apl. verbürgt sich der cam. apl. zur Zahlung der Annaten der Kaplan- 
stelle an einem Altar in der Parochialkirche zu Ofifenburg mit dem 
Ertrag von 6 Mark S., vakant durch den Tod von Jakob Neil. (Div. 
Pii n Annat. 1461 Nov. 4.) — 1461 Sept. 26 Tibur. Schimpferus, 
Rektor der Parochialkirche Ofifenburg, erhält Quittung über Zahlung 
seiner Gesamtschuld von 120 fl. (Quitantia 1460—62 11. 95.) — 1487 
Mai 12 Rom. Alovisius de Campania verbürgt sich der cam. apl. 
für Bartholemeus de Weiden zur Zahlung der Annaten der Parochial- 
kirche in Offenburg mit dem Ertrag von 30 Mark S , vakant durch 
Resignation des Fridericus ex marchionibus de Baden. A. R. Er 
Ählte 71 V* fl. (Div. Innocentii VIU Annat. 1487 Mai 31.) — 1487 
Mai 12 Rom. Fridericus ex marchionibus de Baden erhält eine jähr- 
liche Pension von 110 fl. rhen. aus dem Ertrag der Parochialkirche 
in Offenburg. (Bulla restit. sine oblig.) (Div. Innocentii VIII Annat. 
1487 Mai 31 B.) — 1487 Mai 30 Rom. Bartholomeus Weiden erhält 
Quittung über Zahlung seiner Schuld von 71 Vi fl. für die Parochial- 



122 Meister. 

kirche in Offenburg. (Div. Innoc. Vm. Quit. 1487—90 fl. 55.) — 14» 
Okt. 5 Rom. Nikolaus Dich, clericus Argent. Prokurator des Hein- 
rich de Sax, Rektor in Offenburg, willigt in eine jährl. Pensioii von 
50 fl. aus dem Ertrag der Parochialkirche in Offenburg in fiavoreoi 
cuiusdam personae. (Div. Alex. VI resignat. 1499—1502 fol. 53. 1499^ 
Dez. 23.) 1500 Okt. cf. Benfeld. 

Orschweier. 

1421 Aug. 3 Tibur. Johannes Stahel erhält die Pfarre von Orsch- 
weiler mit dem jährlichen Ertrag von 12 Mark S., erledigt durch den 
Tod des Nicolaus Wimpheling. Er verbürgt sich zur Zahlung der 
Annaten an die cam. apl. Die Schuld wurde am 30. Juni 1492 getilgt 
A. R.: gratis pro familiari domini nostri papae. (Div. Martini Y 
Annat. 1421 Okt. 25.) — 1480 Sept. 30 Rom. Matheus Buman der. 
Wormacensis verbürgt sich der cam. apl. zur Zahlung der Annaten 
der Parochialkirche in Orswiller mit dem Ertrag von 8 Mark S^ 
vakant durch den Tod von Andreas Wachsenberg. A. R.: 1^1 
Juli 16 zahlt er 11. 3. (Div. Sixti IV Annat. 1480 Nov. 29.) 

Ortenberg (Benfeld Stbg.) 
1501 Febr. 8 Rom. Jacob de Ingertio erhält Quittung über fl. 2^ 
hol. 60 für die Coadiutoria an St. Agnes in Strassburg, an St. Jacobna 
Minor in Benfeit und in der Parochialkirche (super ossorio) in Ortem- 
burg. (Div. Alex. VI Quit. 1500-1503 fl. 57>.) 

Ottersweier. 

1422 Juni 17 Rom St. Peter. Johannes Goerzeler erhält die P£arre 
in Ottersweiler mit dem Ertrage von 60 Mark S., erledigt per modnm 
si neutri. Für ihn verbürgt sich der Kanoniker an Jung St. Peter^ 
Nicolaus Hilteboldi, zur Zahlung der Annaten an die cam. apl. im 
Lauf von 6 Monaten. Am 11. Aug. 1423 tilgte Nicolaus diese Schuld» 
(Div. Martini V Annat. 1423 Juni 12.) — 1509 Mai 15 Rom. Martin 
Keyser erhält eine Pension von 12 fl. aus dem Ertrag der Caplania 
vom Altar des Erzengels St. Michael in Otterswiler. (Bulla rest. sine 
oblig.) (Div. Julii U Annat. 1510 Juli 29 [f. 194] B.) 

Pfaffen hofen (St. Leonard, Strassburg, St. Stephan.) 

1477 Aug. 21 Rom. Johannes de Ratsamhusen verbürgt sich der 
cam. apl. zur Zahlung der Annaten für ein Kanonikat mit Präbende 
in St. Leonard mit dem Ertrag von 4 Mark, für die perp. caplania 
in Pfaffenhofen mit 3 Mark, und die perp. caplania in St. Stephan 
in Strassburg mit 4 Mark, vakant certis modis, quas de facto sno- 
cessive assecutus est. A. R. : solvit per compositionem fl. XXV. (Div» 
Sixti IV Annat. 1477 Okt. 16.) 

Reichenbach. 
1429 April 21 Rom Sti. Apostoli. Johannes Hass verbürgt sich 
der cam. apl. zur Zahlung der Annaten der Parochialkirche in Richen- 
bach mit dem Ertrag von 12 Mark, vakant durch den Tod des Johann 
Grewer. (Div. Martini V Annat. 1429 Dez. 2.) 



Auszüge aus der Camera Apostolica. Bistum Strassburg. 123 

Rheinau. 

1429 Dez. 23 Rom Sti. Apostoli. Petras Gaffer verbürgt sich der 
cam. apl. zur Zahlang der Annaten der Parochialkirche in Rinaw 
mit dem Ertrag von 10 Mark, vakant per assecationem parochialis 
ecclesiae in £bersheim durch Johannes Jemerlich. (Div. Martini V 
1430 Sept. 4.) 

Renchen. 

1482 April 22 Rom. Job. Heyl erhält Quittung über Zahlung 
seiner Schuld von fl. 33 b. 54 (= 45 fi. rhen.) für die Parochialkirche 
in Renchen. (Div. Sixti IV Quit. 1479-83 fl. 201.) 

Roppenheim. 

s. d. Johannes Armbroster erhält die perp. vicaria in Roppenhem 
mit dem Ertrag von 4 Mark S. (Bulla rest. sine oblig.) (Div. Mart. V 
Annat. 1427 April 15. B.) 

Rosheim. 

1478 Okt. 13 Rom. Job. Simler can. an St. Thomas und Heinrich 
Schonleben can. Eystettens. in Romana curia causarum procurator 
verbürgen sich der cam. apl. für Conrad de Rotwilla zur Zahlung 
der Annaten der perpet. vicaria paroch. eccl. superioris in Rossheim 
mit dem Ertrag von 9 Mark S., vakant durch Resignation des Her- 
mann Stürmer. Sie versprechen die Tilgung der Schuld binnen 
6 Monaten. A. R.: d. 11. Sept. 1479 Conradus solvit per composi- 
tionem fl. XVin per manus Johannis. (Div. Sixti IV Annat. 1479 
Febr. 9.) — 1479 Sept. 11 Rom. Conradus de Rotwilla erhält Quit- 
tung über die Zahlung der Annaten der Parochialkirche in Rosheim 
von 18 fl. (Div. Sixti IV Quit. 1479—83 fl. 2 '.) 

Ruprechtsau (und Benfeld). 

1462 Mai 3 Rom. Jacob Dinger erhält eine perp. caplania am 
Altar Sti. Georgii in Agraruperti extra muros Argentineses, und eine 
andere am Altar St. Jacob in Benfeit, beide mit dem Ertrag von 
6 Mark S., vakant ex causa permutationis. (Bulla rest. sine oblig.) 
(Div. Pü n Annat. 1462 Aug. 2 f. 243.) 

Sand. 

1421 Aug. 7 Tibur. Johannes Gosso de Aprimonasterio erhält die 
Pfarre in Sand mit dem Ertrag von 10 Mark S., erledigt durch den 
iTod des Johannes Sapientis. Er verpflichtet sich zur Zahlung der 
Annaten an die cam. apl. (Div. Martini V Annat. 1422 März 28.) — 
1423 Febr. 14 Rom St. Peter. Hugo Johannes de Eckendorff erhält 
die Pfarre in Sant prope Benfeit -mit dem Ertrag von 12 Mark S., 
erledigt durch den Tod des Heinrich Sapientis. Für ihn verbtU-gt 
sich der Kantor an St. Peter und Michael in Strassburg, Gaspar 
Fridelin de Seckingen zur Zahlung der Annaten an die cam. apl. im 
Lauf von einem Monat. Am 21. Aug. 1423 leistet für Hugo eine 
zweite Bürgschaft der Magister Johannes de Uniustro (?). (Div. 



124 Meister. 

Martini V Annat. 1423 März 10.) — 1503 März 10 Rom. Job. d. 
Sechiügen erhält eine jährliche Pension von 10 fl. rhen. aus dem 
Ertrag der Parochialkirche in Sand. (Bulla rest. sine oblig.) (Dir« 
Alex. VI Annat. 1503 Mai 5. B.) 

Schnersheim. 

1469 Sept. 24 Korn. Berthold Betschlin verbürgt sich der cam. 
apl. zur Zahlung der Annaten der Parochialkirche in Snersheim mit 
dem Ertrag von 10 Mark S., vakant durch den Tod des Jobannefi 
Betschlin. A. R. : Am selben Tage zahlte er 24 flor. (Div. Pauli 11 
Annat. 1470 Mai 28.1 

Schlettstadt. 

1420 Dez. 30 Rom St. Peter. Heinemann Therc von Lüdenscheid 
erhält die Pfarre von Schlettstadt mit dem jährlichen Ertrag von 
28 Mark S., erledigt durch den Tod des Michael Esel (sive per modnm 
„si neutri"). Er verbürgt sich zur Zahlung der Annaten an die cam. 
apl. (Div. Martini V Annat. 1421 Aug. 4.) — 1424 Sept. 28 Rom 
Maria maior. Guiellmus de Ligarico erhält die praepositura in Schlett- 
stadt 0. S. B. mit dem Ertrag von 90 Mark S., erledigt durch den 
Tod des Lambertus de Stipite seu per promotionem dni. Raymondi 
abbatis monasterii de Conchis Ruthenensis diocesis. Für ihn verbürgt 
sich Johannes Fromentis presbyter de Umeriis Ruthenensis diocesis 
zur Zahlung der Annaten an die cam. apl. (Div. Martini Y Annat. 
1425 Mai 21.1 — 1425 Jan. 2 Rom Sti. Apostoli. Thomas de Püeo 
d. n. papae cubicularius erhält die praepositura in Schlettstadt o. S. B. 
mit dem Ertrag von 2(X) Mark S., erledigt durch Promotion des Abtes 
Raymundus, eines Mönches von Conques in der Rouergue (Ruthenensis) 
(seu per obitum Lamberti de Stipite). Er verpflichtet sich zur Zah- 
lung der Annaten an die cam. apl. A. R.: gratis pro cubiculario 
d. n. papae. (Div. Martini V Annat. 1425 Jan. 5.) — 1436 Nov. 8 
Bononie. Dem Kardinalpresbyter Antonius tit. Sti. Marcelli wird 
eine jährliche Pension von 150 (}oldflorinen auf den Ertrag der Propstei 
von St. Fides in Slestad angewiesen. Für ihn verbürgt sich der cam. 
apl. zur Zahlung der Annaten sein Schildträger Lucillus de Florentia. 
A. R. : gratis pro patre domino cardinale sti. Marcelli. (Div. Eugenii IV 
Annat. 1436 Nov. 20.) — 1466 Jan. 11 Rom. Petrus de Albinaco, 
Propst von St. Fides, erhält eine Bulle super restitutionem in pristi- 
num statum non obstante certo mandato privationis contra eum ex- 
pedito. (Div. Pauli U Annat. 1466 Febr. 25 f. 210.) — 1469 Sept 13 
Rom. Jordonus de Cerneria, M(mch in St. Fides in Conques Ruthen, 
dioc, verbürgt sich der cam. apl. für den Kardinal von Neapel zur 
Zahlung der Annaten der prepositura von St. Fides in Schlettstadt 
mit dem Ertrag von 5(X) flor. aurr de camera, vakant durch den Tod 
des Richardus tit. sti. Eusebii presbyteri cardinalis eiusdem prepositura 
commendatorii. A. R. : die XXIIII Martii 1471 dictus rev. d. cardi- 
nalis habuit alias bullas duplicatas super dicta prepositura. (Div. 
Pauli n Annat. 1470 Sept. 29.) — 1459 Sept. 28 Mantua. Guilhelmus 
de Albinharo verbürgt sich der cam. apl. zur Zahlung der Annatea 



Auszüge aus der Camera Apostolica. Bistum Strassborg. 125 

der praepositura von St Fides mit dem Ertrag von 400 libr. anri 
pari, vakant per cessionem Prosperi cardinalis de Colampna coi 
assignator pensio trecentonun florenoram rhenensimn super fructibus 
dicte prepositure. Am selben Tage noch zahlt er ex compositione 
fl. 80. (Div. Pii II Annat. 1459 Okt. 17.) — 1469 Okt. 17 Rom. Guil- 
helmus de Albihaco erhält Quittung aber Zahlung seiner Schuld von 
80 fl. für die Präpositur von St. Fides. (Div. Pii H Quit. 1458-60 
fl. 103.) — (1463 April 2.) Der Kardinal von Neapel tritt von der 
Kommende von St. Fides zurück, dieselbe wird im Wert von 300flor. 
rhen. (215 Duk. 5 Carl.) dem bischöflichen Tisch in Strassburg ver- 
einigt. (Div. Compos. Datariae 1502—1503 fl. 57.) — 1465 Juli 2 
Rom. Georg de Basila scriptor Eugenii IV familiaris continuus, Pro- 
kurator des Priors Jacob Tenlatus von St. Fides, verbürgt sich laut 
einer Urkunde vom 24. Mai vor dem publicus notarius Johannes 
Pfleger de Landau für Jacob Tenlatus binnen 6 Monaten zur Zahlung 
der Annaten der prepositura von St. Fides mit dem Ertrag von 
80 Mark S., vakant per privationem Guilhelmi de Albinhaco. (Div. 
Pauli n Annat. 1465 Juli 9.) — 1478 April 18 Rom. Jacobus Picherier 
can. et archipresbyter ecc. Clarimontensis, notarius palatii verbürgt 
sich der cam. apl. für Bernard Arger, Propst in Eichstädt, zur Zah- 
lung der Annaten der prepositura von St. Fides in Schlettstadt mit 
dem Ertrag von 600 fl. rhen., vakant durch Cession des Oliveri epi 
Albanens. card. Neapolitan. eiusdem commendatarii. Er verspricht 
die Tilgung der Schuld in 6 Monaten. (Div. Sixti IV Annat. 
1478 Mai 14.) — 1481 März 15 Rom. Leonardus episcopus, secret. 
aplicus verbürgt sich der cam. apl. zur Zahlung der Annaten der 
prepositura von St. Fides cuius fructus deductis necessariis oneribus 
300 fl. rhen., vakant per cessionem commende Oliverii epi. Albani. 
Er verbürgt sich zur Tilgung der Schuld binnen 6 Monaten. A. R. : 
1483 April 16 zahlt er fl. 12. (Div. Sixti IV Annat. 1481 März 31.) — 
1486 Jan. 13 Rom. Antonius episcopus Tiburtinus resigniert auf die 
perp. vicaria am Altar Johannes d. T. in der Parochialkirche von 
Slestat. Die Provision erhält Heinrich Knops. A. R.: gratis pro 
familiari r. d. epo. Tiburt. de consensu. (Div. Innoc VILL resignat. 
14^4—88 f. 119. 19. April 1486.) — 1504 Mai 24 Rom. Albanus epis- 
copus Argentinensis erhält Quittung über Zahlung seiner Schuld von 
107 fl. für die Präpositur von St. Fides. (Div. Julii H Quit. 1503—1506 
fl. 72.) — 1505 Okt. 31 Rom. Martinus Eystettensis erhält Quittung 
über Zahlung seiner Schuld von fl. 20 hol. 60 als Annaten parochialis 
eccl. oppidi imperialis Schlettstadt. (Div. Julii 11 Quit. 1503—1506 

fl. 103.) 

Schuttern. 

1499 Jan. 12 Rom. Lazarus Armbruster, Mönch in Scbuttem, 
erhält einen päpstlichen Dispens. (Bulla rest. sine oblig.) (Div. 
Alex. VI Annat. 14 *» Febr. 27. B.) 

Selz. 
1431 Okt. 16 Rom St. Peter. Heinrich Ygesheim erhält die Ver- 



126 Meister. 

waltang des Klosters Selz Chiniac. ord. mit dem Ertrag von 70 Mark S., 
▼akant durch den Tod des Symandus. Ftlr ihn verbürgt sich der cam. 
apl. zar Zahlung der Annaten der thesaurar an Jung St. Peter Nico* 
laus Hiltebold. Derselbe verspricht die Ratifizierung der Schuld im 
Lauf von 6 Monaten. (Das ganze ist ausgestrichen und am Rand 
mit der Bemerkung versehen: cassatum est quod non habuit hie 
effectum quod est facta obligatio in comunibus prout libro solutionum 

P domini Eugenii folio 34 ) (Div. Eugenü IV 1432 Juni 6.) — 

8. d. Henricus de Dygesheim erhält die Verwaltung des Klosters 
Selz Clun. ord. mit dem Ertrag von 100 Mark S. Bulla restituta fuit 
de mandato dominorum de camera. Item facta est obligatio. (Div. 
Eugenii IV Annat. 1433 Sept. 19.) — 1481 Mai 11 Rom. Gualterus 
erhält Quittung über Zahlung seiner Schuld von 100 fl. fttr die Prfi- 
positur in Selz. (Div. Sixti IV Quit. 1479—83 fl. 122.) — 1505 Juü6 
Rom. Franc. Alphons de Arce verbürgt sich der cam. apl. fttr Job. 
Wittershen sen. zur Zahlung der Annaten der praepositura an St. Peter 
und Paul in Seltz mit dem Ertrag von 20 Mark, vakant durch den 
Tod des Herbert Wiltsberg. (Div. Julii U Annat. 1505 Nov. 28.) 

Spachbach. 

1427 Jan. 25 Rom Sti. Apostoli. Nicolaus Uf dem Grabem erhält 
die Parochialkirche in Spachbach mit dem Ertrag von 8 Mark S., 
erledigt durch den Tod des Johannes Hagennaw. Er verpflichtet sich 
zur Zahlung der Annaten an die cam. apl. Item die x mensis martii 
1427 prefatus Nicolaus obligavit se camerae pro annatis dicte ecclesiae 
consimilis valoris vacantis per obitum Henrici Infine. (Div. Martini V 
Annat. 1427 Febr. 26.) 

Steinburg.*) 

1462 Mai 25 Viterbie. Wilhelmus de Eptingen erhält die Parochial- 
kirche St. Peter und Paul in Steinwirck mit dem Ertrag von 22 Mark S., 
vakant durch den Tod des Lambert de castris <in forma si neutri). 
Fttr ihn verbttrgt sich der cam. apl. zur Zahlung der Annaten Johannes 
Pflieger. (Div. Pii II Annat. 1462 Juni 2.) 

Strassburg. 

Bischof. 
1420 Okt. 30 Rom, St. Peter. Bischof Wilhelm von Strassburg 
zahlt seine servitia communia, wofür er mit 1250 fl. in Gold der cam. 
apl. verbtU-gt war, und eines seiner minuta servitia, wofttr er 125 fl. 
schuldig war. (Div. Martini v. Quit. (!) 1418—21 fol. 159.) — 1424. Bi- 
schof Wilhelm von Strassburg zahlt von seinen minuta servitia (pro 
quibus in apl. camera sub certis penis . . extitit efficaciter obligatus) 
175 fl. (Div. Martini V Obligat. 1423—1428 fol. 21 '.) — 1424 Feh. 6 
Rom, St. Peter. Bischof Wilhelm erhält nach Erklärung der Motive 
seiner ZahlungsunfUhigkeit eine Verlängerung des Termins bis zum 
Fest Johannes d. T. für den Rest der Schuld seiner servitia minuta. 



<) 1120 Steinwirke, 1146 Steingewire, 1308 Steingewirke, 1525 Steinberg. 



Auszüge ans der Camera Apostolica. Bistum Strassburg. 127 

<L c. Oblig. 1423—28 fol. 22.) — 1426 Feb. 17 Rom, Sti. Apostoli 
Bischof Wilhelm zahlt von seinen serv. min. (in quibos . . . dndnm 
«lapsos tenebatnr) 100 fi. in Gold durch Florentiner Kauf leute. Für 
den Rest erhält er abermals Yerlängerung des Termins bis zum Fest 
Johannes d. T. (1. c. oblig. 1423—1428 fol. 146.) 1458 Mai 17, cf. 
Hospiz 1458 Mai 17. — 1458 Okt. 20. Der Strassburger Kollektor 
Jodocus Albrant (per venerabiles viros doctores Gilifortem de Ben- 
contibus et Snlimannum de Sulimannis apl. cam. clericos super hoc 
specialiter deputatos) erhält nach seiner Rechnungsablage mit 333V2 fi. 
Einnahme und üVt fl. Auslagen eine Quittung nach Abzug von 158 V'2 fl. 
(im Wert von 118 fl. de camera) in quibus remaneat eidem camerae 
4jfficaciter obügatus. (Div. Pii U Quit. 1558-61 fl. 14».) — 1476 
Apr. 25 Rom. Johann Ortwin electus Mathonendus verbürgt sich der 
cam. apl. zur Zahlung der Annaten für eine jährl. Pension von 200 
flor. Rhen. aus dem £rtrag der mensa episcopalis, de consensu dom. 
Ruperti episcopi Argent. A. R.: die dicta solvit per compositionem 
annatarum fl. 67 pro valore 90 flor. Rhen. (Div. Sixti IV Annat. 
1476 Mai 10.) — 1479 Feb. 9 Rom. Albertus electus Argentinensis 
erhält Quittung über Zahlung seines commune servitium von 1250 fl., 
eines minutum servitium, wofür er 89 fl., und eines andern, wofür er 
267 fl. schuldete. (Div. Sixti IV Quit. 1471—84 f. 57 ^) — 1512 Sept. 24 
Rom. Conradus electus turin, verbürgt sich der cam. apl. zur Zah- 
lung der Annaten für eine jährl. Pension von 200 fl. aus dem Ertrag 
des bischöfl. Tischs zu Strassburg. (Div. Julii II Annat. 1512 Okt. 27.) 

Alt St. Peter. 

s. d. Johannes Lutenheim erhält ein Kanonikat mit Präbende 
an St. Peter und Michael mit dem Ertrag von 4 Mark S. (Bulla 
restit. sine oblig.) (Div. Martini V Annat. 1425 Sept. 15 f. 251. B) — 
1427 Sept. 4 Rom Sti. Apostoli. Johannes Wegemanst verbürgt sich 
der cam. apl. zur Zahlung der Annaten der perpetua vicaria sum- 
missaria nuncupata in St. Peter und Michael mit dem Einkommen 
von 6 Mark S., vakant durch resignatio des Nikolaus Rynow. (Div. 
Martini V. Ann. 1428 Febr. 28.) — 1432 Juni 5 Rom St. Peter. Der 
Dekan an St. Peter u. Michael erhält die vicaria daselbst mit dem 
Ertrag von 6 Mark S. zur Vereinigung mit einem Kanonikat und 
einer Präbende. Für ihn verbürgt sich der thesaurar an Jung St. 
Peter Nikolaus Hiltebold zur Zahlung der Annaten an die cam. apl. 
im Lauf von 6 Monaten. Er tilgte diese Schuld am 10. Nov. 1432. 
(Div. Eugenii IV Annat. 1432 Juni 13.) — 1459 Juli 5 Mantua. Hen- 
ricus Mashem erhält die prepositura an St. Peter u. Michael in Strass- 
burg mit dem Ertrag von 20 Mark S. vakant in forma si neutri. Bulla 
restituta sine obligatione. (Div. Pii n Annat. 1462 Jan. 27 f. 222. B.) 
— 1461 Aug. 31 Tibur. Henricus Mastheim praepositus eccl. Sti. 
Petri et Michaelis erhält Quittung über Zahlung seiner Gesamtschuld 
von 20 fl. (Quitantia 1460—61 fl. 87 ^) — 1464 Sept. 16 Rom. Ein 
Kanoniker an St. Peter u. Michael verbürgt sich der cam. apl. zur 
Zahlung der Annaten der praepositura daselbst mit dem Ertrag von 



128 Meister. 

20 Mark S. vakant durch den Tod des Petrus de Eifice (?) und ver- 
spricht die Zahlung im Lauf von 6 Monaten. Am 20. Juli 1465 obli- 
gaüo fuit cassata. (Div. Pauli ü Ann. 1465 Feb. 27.) — 1475 Dez. 25 
Rom. Gaspar Puechler, can. et prepositus dec. Sti. Petri Sen., pape 
familiaris, verbürgt sich der cam. apl. zur Zahlung der Annaten Air 
ein Kanonikat mit Präbende und die PropstwQrde an Alt St. Peter 
mit dem Ertrag von 14 Mark S. vakant durch den Tod des Joh. Sar- 
toris de Bockenrode. Er verspricht die Tilgung der Schuld im Lauf 
von 6 Monaten. Zusatz: Fttr ihn verbürgt sich Joh. Langer, rector 
par. eccl. inRolin August, dioc, zur Verlängerung der Zahlung auf 
6 Monate. (Div. Sixti IV Annat. 1476 Juni 10.) — 1476 (?) Aug. 19 
Bom. Joh. Langer, Kaplan an Alt St. Peter, pape familiaris, ver- 
bürgt sich der cam. apl. zur Zahlung der Annaten der prepositura 
an Alt St. Peter mit dem Ertrag von 60 fl. rhen., vakant per resig- 
nationem Gasparis Puechler (per eum non habita possessione). Er 
verspricht die Zahlung binnen 6 Monaten. A. R.: d. 7. Febr. 1487 
solvit d. Johannes . . . fl. xxii per manus Alexandri de la casa. (Div. 
Sixti IV Annat. 1477 Feb. 26.) — s. d. Johann Burkard, Kanoniker 
an Alt St. Peter, erhält die Provision über ein Kanonikat mit Prä- 
bende mit dem Ertrag von 6 Mark S., vakant durch Resignation des 
Peter Mage. Bulla restit. sine oblig. (Div. Innocentii VIII Annat. 
1484 Okt. 8. B.) — 1487 Jan. 24 Rom. Joh. Langer erhält Quittung 
über Zahlung seiner Schuld von 22 fl. für die Präpositur von Alt St. 
Peter. (Div. Innoc. Vm Quit. 1487—90 fl. 7^) — 1488 Jan. 29 Rom. 
Egartius Sartorius erhält die perp. vicaria ad altare Ste. Catherine 
in eccl. St. Petri et Michaelis mit dem Ertrag von 4 Mark S. Bulla 
restit. sine oblig. (Div. Innocentii VIII Annat. 1488 Febr. 26.) — 
1492 Jan. 5 Rom. Chilian verbürgt sich der cam. apl. für Adam 
Petrus, Kanoniker an St. Peter und Michael, zur Zahlung der Annaten 
für Kanonikat mit Präbende mit dem Ertrag von 6 Mark daselbst^ 
vakant durch Cession des Markgrafen Jakob von Baden. (Div. Inno- 
centii vm Annat. 1492 Jan. 25.) — s. d. Adam Petrus erhält 
Kanonikat und Präbende an St. Michael und St. Peter. (Bulla restit. 
sine obligatione.) (Div. Annat. 1492/93 S^ Band 1492 Jan. 25 B.) — 
1492 Jan. 24 Rom. Adam Frey erhält Quittung über Zahlung seiner 
Schuld von 14 Duk. für Kanonikat und Präbende an St Pet. u. Mich. 
(Div. Innoc. VIÜ Quit. 1490—92 fl. 182.) — 1494 Jan. 26 Rom. Joh. 
Verber, Kanoniker an St. Pet. u. Mich., erhält eine jährl. Pension 
von 10 fl. auri aus dem Ertrag der Kirche b. Mariae virginis in 
Strassburg. (BuUa restit. sine oblig.) (Div. Alex. VI 1494 JuU 7 B.) 
— 1502 Juli 16 Rom. Nikolaus Dich verbürgt sich der cam. apl zur 
Zahlung der Annaten für Kanonikat und Präbende an St. Pet. n. 
Mich, mit dem Ertrag von 6 Mark vakant durch den Tod des Lud- 
wig Odratzheim. Er verspricht Tilgung der Schuld in einem Jahre. 
(Div. Alex. VI Annat. 1503 Jan. 27.) — 1502 Dez. 29 Rom cf. Has-. 
lach 1502 Dez. 29. — (1503 Apr. 28.) Thomas Wolft iun. tritt vom 
Dekanat an St. Pet. u. Mich. (s. Petri senioris nuncupati) mit Ertrag 
von 4 Mark zurück und erhält eine Pension von 12 fl. (SoUicitante 



Auszüge aus der Camera Apostolica. Bistum Strassburg. 129 

Job. Borcbardo magistro cerimoniarum.) (Compos. Dat. 1502—1503 
fl. 65.) — 1506 Apr. 20 Rom. Arbogast Dich verbürgt sich der cam. 
apl. für Job. Sentz zur Zahlung der Annaten für ein Kanonikat und 
Präbende an St. Pet. u. Mich, mit dem Ertrag von 6 Mark, vakant 
durch die Resignation des Nikolaus Dich ; et promisit solvere etc. in- 
fra annum aut certificare curiam de non habita possessione. (Div. 
Julii n Annat. 1507 Dez. 17.) — 1510 Juli 6 Rom. Konrad Atten- 
hofer erhält eine jährl. Pension von 13 fl. aus dem Ertrag von Ka- 
nonikat und Präbende an Jung St. Peter und 15 fl. aus einem Ka- 
nonikat an St. Pet. u. Mich, sowie 30 fl. aus der Präpositur von Jung 
St. Pet. und 10 fl. aus der Präpositur von Klingenmünster. Er ver- 
bürgt sich zur Zahlung der Annaten. (Div. Julii II Annat. 1510 
Aug. 11.) — 1510 Nov. 20 Rom. Job. Schutz verbürgt sich der cam. 
apl. zur Zahlung der Annaten für Kanonikat und Präbende an St. 
Pet. u. Mich, mit dem Ertrag von 6 Mark, vakant durch den Tod 
des Job. Froschalt (promissit etc. infra annum aut infra mensem post 
certificatam cameram de non habita possessione). Div. Julii II Annat 
1512 Dez. 20.) — 1511 Sept. 6 Rom. Job. Scutz verbürgt sich der 
cam. apl. zur Zahlung der Annaten der Präpositur an St. Pet. u. Mich, 
mit dem Ertrag von 6 Mark S., vakant durch den Tod des Thomas 
Wolff sen. (promisit etc. infra 6 menses aut certificare cameram de 
non habita possessione). (Div. Julii II Annat. 1513 Feb. 18.) — 1513 
März 19 Rom. Jakob de Tumsiis erhält die Abschaffung eines Sta- 
tuts betr. der Präpositur an St. Pet. u. Mich. (Bulla restit. sine 
oblig.) (Div. Julii H [!] Annat. 1513 Apr. 20 B.) 

Jung St. Peter. 

1421 Juni 9 Rom St. Peter. Martinus Rochel erhält Kanonikat 
und Präbende von Jung St. Peter mit dem Ertrag von 12 Mark S., 
erledigt durch den Tod des Schreibers Bertoldus de Gelma. Für ihn 
verbürgt sich der Kanonikus Nicolaus Hildebolti zur Zahlung der An- 
naten an die cam. apl. (Div. Martini V Annat. 1421 Nov. 27.) — 

1421 Sept. 6 Rom Maria maior. Yolmar Isenhower erhält ein Kanonikat 
und eine Präbende an Jung St. Peter mit dem jährlichen Ertrag von 
16 Mark S., erledigt durch den Tod von Yvo Vener. Für ihn ver- 
bürgt sich der Kanonikus von Jung St. Peter, Nicolaus Hildebolti, 
zur Zahlung der Annaten an die cam. apl. (Div. Martini Y Annat. 

1422 Febr. 4.) — 1425 Okt. 5 Rom Sti. Apostoli. Albertus Sapientis, 
Kanoniker an Jung St. Peter, erhält Quittung über Zahlung von 150 fl. 
seiner Schuld von 200 fi. (Quitantia 1423—26 fl. 210^) — 1426 Mai 25 
Rom St. Peter. Nicolaus Hilteboldi verbürgt sich der cam. apl. zur 
Zahlung der Annaten der thesauraria an Jung St. Peter, erledigt 
durch den Tod des Wilhelm de Parma mit dem Ertrag von 17 Mark S. 
(Div. Martini Y 1426 Juni 3.) — 1426 Sept. 27 Rom Sti. Apostoli. 
Johannes Pastoris verbürgt sich der cam. apl. zur Zahlung der An- 
naten des perpetui beneficii summissariae nuncupatae in Jung St. Peter 
mit dem Ertrag von 8 Mark, erledigt durch den Tod des Georg Dietmar. 
<Div. Martini Y 1426 Nov. 4.) — 1426 Nov. 1 Rom Sti. Apostoli. 

Zeitschr. f. Gesch. d. Oberrh. N. F. VII. 1. 9 



130 Meister. 

Johannes Martin erhält ein Kanonikat mit Präbende an Jung St. Peter 
mit dem Einkommen von 9 Mark S., vakant per modum si neutri sea 
per resignationem Ilenrici Fabri. Für ihn verbürgt sich Johannes 
Pastoris zur Zahlung der Annaten au die cam. apl. (Div. Martini Y 
Annat. 1427 April 7.) — 1426 Nov. 1 Rom Sti. ApostolL Nicolaus 
Eberlin erhält ein Kanonikat mit Präbende in Jung St. Peter mit 
dem Ertrag von 10 Mark S., erledigt durch den Tod des Johannes 
Uiltebold. Für ihn verbürgt sich der Kleriker Johannes Pastoris 
der cam. apl. zur Zahlung der Annaten. (Div. Martini V Annat. 1427 
März 26.) — 1426 Nov. 5 Rom Sti. Apostoli. Johannes Mennelin ver- 
]>ttrgt sich der cam. apl. zur Zahlung der Annaten der perpetoa vicaria 
an Jung St. Peter (summissaria nuncupata) mit dem Einkommen von 
7 Mark S., vakant durch den Tod des Heinrich Denteuer. (Div. Mar- 
tini V Annat. 1427 April 26.) — 1426 Dez. 17 Rom Sti. Apostoli. 
Conrad Schmar verbürgt sich der cam. apl. zur Zahlung der Annaten 
der i)erpetua vicaria summissaria nuncupata in Jung St. Peter mit 
dem Einkommen von 8 Mark S., vakant durch den Tod des Johannes 
Sapientis. (Div. Martini V Annat. 1427 Aug. 12.) — 1427 März 13 
Rom Sti. A])Ostoli. Johannes Rinegg erhält ein Kanonikat mit PrS- 
bende an Jung St. Peter mit dem Einkommen von 10 Mark S., vakant 
dui'ch den Tod von Albert Sweninger. Für ihn verbürgt sich der 
Propst Fridericus Blocholtz der cam. apl. zur Zahlung der Annaten 
im Lauf von 6 Monaten. Die Schuld wurde am 31. Juli 1427 getilgt 
durch Heinrich Attendarius librorum procurator. (Div. Martini V 
Annat. 1427 März 26.) — s. d. Johannes de Cimeterio erhält das 
perp. beneiicium ad altare Sti. Jacobi in Jung St. Peter mit dem 
Ertrag von 4 Mark s. (Bulla rest. sine oblig.^ (Div. Martini V Annat. 
1427 Mai 14 f. 248.) — 1428 Nov. 10 Rom Sti. Apostoli. Henricus 
Lictestheim verbürgt sich der cam. apl. zur Zahlung der Annaten 
für ein Kanonikat mit Präbende an Jung St. Peter, erledigt durch 
den Tod des Wilhelm de Parma, mit dem p]rtrag von 10 Mark S. 
(Div. Martini V Annat. 1429 Juni 13.) — 1462 Mai 20 Viterbie. Joh. 
Wernerus de Flaxlande, Dekan in Basel, cubicularius et familiaris 
papae, verbürgt sich ^^^ cam. apl. zur Zahlung der Annaten eines 
Kanonikats mit Präbende an Jung St. Peter mit dem Ertrag von 
15 Mark S., vakant durch den Tod des Lambert Castaris (in forma 
gratiae si neutri). Er verspricht die Tilgung der Schuld im Lauf 
von 6 Monaten. Am 17. April erhielt er eine Bulle nove provisionls 
und am 20. April habuit remissionem. A. R.: gratis pro cubiculario 
secreto domini nostri papae. (Div. Pii II Annat. 1462 Juni 3.) — 
1471 Okt. 18 Rom. Johannes Sartoris de Beckenrode, canon. et sco- 
lasticus an Jung St. Peter, pape familiaris continuus comesalis, ver- 
bürgt sich der cam. apl. zur Zahlung der Annaten für ein Kanonikat 
mit Präbende und für die scolastria an Jung St. Peter mit dem Gesamt- 
ertrag von 13 Mark S., vakant durch den Tod des Michael Apeller. 
Er verspricht die Tilgung der Schuld im Lauf von 6 Monaten. (Div. 
Sixti IV Annat. 1471 Nov. 7.) — 1473 Sept. 11 Rom. Acursius de Petra, 
cubicularius papae, verbürgt sich der cam. apl. für Petrus tit. Sti. Sixti 



Auszüge aus der Camera Apostolica. Bistum Strassburg. 131 

l)resbyter cardinalis zur Zahlung der Annaten der prepositura von 
Jung St. Peter mit dem Ertrag von 1500 flor. rhenens, vakant durcli 
den Tod des Paul Monthart. (Div. Sixti IV Annat. 1473 Okt. 22.) — 
1477 Juli 28 Rom. Laurentius Haill erhält Quittung über Zahlung' 
seiner Schuld von 20 tt. für Kanonikat und Präbende an Jung St. Peter. 
(Div. Sixti IV Quit. 1476—79 i\, 81. ) — 1481 Febr. 22 Rom. Paul 
Munthart licentiatus erhält als jährliche Pension den dritten Teil des 
Ertrags der prepositura von Jung St. Peter. (Bulla rest. sine oblig.) 
(Div. Sixti IV Annat. 1481 März 13. B.) — 1481 Febr. 22 Rom. Hein- 
rich Sconleben canon. Eystettens. verbürgt sich der cam. apl. für den 
Kanonikus Conrad Munthart zur Zahlung der Annaten der prepositura 
von Jung St. Peter mit dem Ertrag von 200 fi. auri rhen., vakant 
<lurch Resignation des Paul Munthart. A. R.: Er zahlte fl. LXXV 
]>ro valore 100 ti. rhen. (Div. Sixti IV Annat. 1481 März 13.) — 1482 
April 22 Rom. Petrus Schot erhält Quittung über Zahlung seiner 
Schuld von 24 fl. für Kanonikat und Präbende an Jung St. Peter. 
(Div. Sixti IV Annat. 1479—83 fl. 201.) — 1487 Juli 6 Rom. Johannes 
Nis scriptor apl. verbürgt sich der cam. apl. für Thomas Wolflf iun. 
zur Zahlung der Annaten für Kanonikat und Präbende an Jung St. Peter 
mit dem Ertrag von 9 Mark S., vakant durch den Tod des Wilhelm 
Johannes. A. R.: Er zahlt 21 Vj fl. (Div. Innocentii Vin Annat. 1487 
Juli 23.) — 1487 Juli 23 Rom. Thomas Wolff iunior erhält Quittung 
über Zahlung seiner Schuld von 21^8fl. für Kanonikat und Präbende 
an Jung St. Peter. (Div. Innoc. VIH Quit. 1487—90 fl. 71.) — 1491 
Jan. 22 Rom. Melchior de Baden erhält Quittung über Zahlung seiner 
Schuld von 19 Duk. für Kanonikat und Präbende an Jung St. Peter. 
(Div. Innoc. VHI Quit. 1490—92 fl. 96>.) — 1495 Jan. 24 Rom. Der 
zeitige Dekan und ein Kaplan an Jung St. Peter bezahlen eine Bulle 
super commutatione voluntatum nonnullorum Christi fldelium de quibus- 
dam bonis relictis pro celebrandis certis messis. (Bulla rest. sine 
oblig.) (Div. Alex. VI resignat. (!) 1497—98 fl. 259». 16. Dez. 1497.) 
— 14i)5 Juni 16 Rom. GiÄdo Citro erhält Quittung über Zahlung 
seiner Schuld von fl. 23 bol. 53 für Kanonikat und Kantorie an St. Peter. 
(Div. Alex. VI Quit. 1492-96 fl. 184.) — 1496. April 30 Rom. Joh. 
Iiurchard. Dekan an St. Thomas, verbürgt sich der cam. apl. für 
Kanonikat mit Präbende an Jung St. Peter, vakant durch den Tod 
Petrus Schot, mit dem Ertrag von 10 Mark S. (et surrogatur ... in 
ius Luce Schlegel) er verspricht Tilgung der Bürgschaft in 2 Monaten, 
die XII. Febr. 1498 supradictus Johannes probavit de intruso per testes 
et litteras sub obligatione constituta et fuit absolutus. A. R.: die 
XVIU Juli 1498 prorogatus fuit dictus terminus ... ad annum, die 
XVII Juli 1499 prorogatus fuit ad alium annum, die XXI Aug. 1500 
fuit prorogatus ... ad unum annum, die XIX Jan. 1504 cassatum fuit 
... et fuit absolutus. (Div. Alex. VI resignat. (!) 1497—98 f. 31. 5. Juli 
1497.) — 1498 Nov. 25 Rom. Joh. Burchard erhält eine jährliche 
Pension von 14 fl. auri rhen. aus dem Ertrag eines Kanonikats mit 
Präbende an Jung St. Peter. (Bulla rest. sine oblig.) (Div. Alex. VI 
Annat. 1499 Aug. 2. B.) — 1501 Aug. 7 Rom. Joh. Burchard, Dekan an 

9* 



132 Meister. 

St. Thomas, verbürgt sich der cam. apl. zur Zahlung der Annateu 
für ein Kanonikat mit Trabende and die Cantoria an Jung St. Peter 
mit dem Ertrag von 10 Mark. (Sibi resignata loco pensionis.) (Div. 
Alex. VI Annat. 1501 Sept. 29.) — 1501 Aug. 7 Rom. Joh. Burchard 
leistet dieselbe Bürgschaft ex renumeratione regressus sibi concesse 
ad dictas can. et praeb. et cantoriam. (Div. Alex. VI Annat. 1501 
Sept. 29.) — 1501 Aug. 7 Rom. Joh. Burchard verbürgt sich der 
cam. apl. für Joh. £ngelhard, Kanoniker und Kantor an Jung St. Peter, 
für Zahlung der Annaten des Kanonikats, der Präbende und der Can- 
toria mit dem Ertrag von 10 Mark, vakant durch seine eigene (J. B.'s) 
Resignation. Er verspricht die Tilgung in 2 Monaten. (Div. Alex. VI 
Annat. 1501 Sept. 29.) — 1501 Sept. 24 Rom. Joh. Burchard erhält 
Quittung über Zahlung seiner Schuld von fl. 23 hol. 60 für Kantone, 
Kanonikat und Präbende an Jung St. Peter. (Div. Alex. VI Quit. 
1500—1503 fl. 111.) — 1502 Juli 16 Rom. Joh. Burchardus erhält 
Quittung über Zahlung seiner Schuld von 19 fl. für Kanonikat und 
Präbende an St. Peter. (Div. Alex. VI Quit 1500-1503 fl. 186.) — 
1503 Nov. 26 Rom. Anton Clehamer verbürgt sich der cam. apl. zur 
Zahlung der Annaten für ein Kanonikat mit Präbende an Jung St. Peter 
mit dem Ertrag von 10 Mark S., vakant durch den Tod des Theo- 
dericus Ribisen. Er verspricht die Tilgung der Schuld im Lauf von 
einem Jahr. (Div. Julii 11 Annat. 1505 Febr. 12.) — 1503. Thomas 
Wolff de Eckeboltzheim, Propst an St. Martin, erhält eine jährliche 
Pension von 12 fl. rhen. aus dem Ertrag von Kanonikat und Präbende 
an Jung St. Peter. (Bulla rest. sine oblig.) (Div. Alex. VI Annat. 
1503 Aug. 29. B.) — 1505 Okt. 31. Johannes eps. Ortanus verzichtet 
auf seine Pension von 25 fl. aus dem Ertrag eines Kanonikats und 
der Cantoria an Jung St. Peter laut Notariatsakt des Joh. Langer 
vom 31. Okt. Er erhält eine andere jährliche Pension von 25 fl. und 
zwar 15 fl. von Wawolfesheim prope Zabema und 10 fl. vom Vikariat 
St. Lucia et Otilia in Strassburg. (Div. Pii lü et Julii H 1503—1506 
resignat. f. 138. 1505 Nov. 19.) 1506 April 20 cf. Allerheiligen 1506 
Apr. 20. — 1506 Mai 17 Rom. Nicol. Rybisen, Prokurator des An- 
tonius Kryfeld, verbürgt sich der cam. apl. zur Zahlung der Annaten für 
Kanonikat und Präbende an Jung St. Peter mit dem Ertrag von 12 M., 
vakant durch den Tod des Joh. Engelhard. Er verspricht innerhalb 
eines Jahres zu zahlen (aut infra mensem post certificatam cameram 
de non habita possessione). (Div. Julii II Annat 1510 März 10.) — 
1510 März 22. Joh. de Castilione resigniert auf die Präpositur von 
Jung St Peter zugunsten Wolfgangs Bocklin, erhält aber von dem- 
selben eine jährliche Pension von 39 Golddukaten, 24 aus dem Ertrag 
dieser Präpositur und 15 aus dem eines Kanonikats. (Div. Julii II 
resignat. 1506- 1511 fl. 250. 1510 April 16.) — 1510 April 15. Caspar 
Wirt verbürgt sich der cam. apl. für Joh. Mousim zur Zahlung der 
Annaten für Kanonikat und Präbende an Jung St. Peter mit dem 
Ertrag von 8 Mark, vakant durch den Tod des Mathias Buman und\ 
Cession des Joh. Spir. (Div. Julii II Annat. 1510 Juni 7.) — 1510 
April 15 Rom. Conrad \ttenhofer verbürgt sich zur Zahlung der 



Auszüge aus der Camera Apostolica. Bistum Strassburg. 133 

Annaten für ein Kanonikat mit Präbende an Jung St. Peter mit dem 
Ertrag von 14 Mark S., vakant durch den Tod des Job. Sygerist oder 
seines anmittelbaren Nachfolgers, sowie der Annaten der Parochial- 
kirche Jung St. Peter mit dem Ertrag von 26 Mark. (Div. Julii ü 
Annat. 1510 Aug. 11.) — 1510 Juli 6 Rom. Conrad Attenhofer ver- 
bürgt sich der cam. apl. zur Zahlung der Annaten für Antritt eines 
Kanonikats mit Präbende an Jung St. Peter, vakant durch den Tod 
4es Wolfgang Bochlin, mit dem Ertrag von 12 Mark S (promisit 
dictam annatam cum primum regressus et accessus habuerint effectum). 
(Div. Julii n Annat. 1510 Aug. 11.) — 1510 Juli 6 Rom cf. Alt St. Peter 
1510 Juli 6. — 1513 Jan. 4 Rom. Job. Lib verbürgt sich der cam. 
apl. zur Zahlung der Annaten für ein Kanonikat mit Präbende an 
Jung St. Peter mit dem Ertrag von 8 Mark, vakant durch Cession 
oder Tod des Ulrich Perch. A. R. : fuit cassatum etc. (Div. Julii 11 
Annat. 1513 Mai 29.) — 1513 März 20 Rom. Michael Sander erhält 
eine jährliche Pension von 30 fl. aus dem Ertrag eines Kanonikats 
mit Präbende an Jung St. Peter. (Bulla rest. sine oblig.) (Div. 
Julii II (!) Annat. 1513 Juli 15. B.) 

St. Thomas. 

1410 Juli 1 Rom Sti. Apostoli. Jakob Spold verbürgt sich der 
cam. apl. zur Zahlung der Annaten der perpetua vicaria am Altar 
St. Blasius in St. Thomas mit dem Ertrag von 10 Mark vakant durch 
den Tod des Jodocus de Gala (seu per eins resignationem). (Div. 
Gregorii XH obligat. 1413 Aug. 19 fol. 157.) — 1421 Juni 13 Rom 
St. Pet. Heinrich Fabri de Rodenberg erhält die perpetua vicaria am 
Altar St. Michael in der Kirche St. Thomas mit dem jähri. Ertrag 
von 10 Mark S., erledigt durch den Tod von Bertold de Gelma. Er 
verbürgt sich zur Zahlung der Annaten an die cam. apl. (Div. Mar- 
tini V 1421 Aug. 7.) — 1424 Aug. 26 Frascati. Johannes Claffstein 
erhält ein Kanonikat mit Präbende mit dem Ertrag von 10 Mark S., 
erledigt durch Dietschone Cantzeler. Für ihn verbürgt sich Friedr. 
Blochols der Propst von Jung 8t. Peter zur Zahlung der Annaten an 
die cam. apl. im Lauf von 6 Monaten. Getilgt wurde die Schuld am 
9. Jan. 1426 durch den Strassb. Kleriker Wigand Ammeiburg. (Div. 
Martini V Annat. 1425 Okt. 9.) — 1426 Okt. 14 Rom St. Apostoli. 
Ludovicus Bleyer alias Sarras erhält ein Kanonikat mit Präbende an 
St. Thomas mit dem Einkommen von 8 Mark S., vakant durch den 
Tod des Johannes Spender. Für ihn verbürgt sich Johannes Sartoris 
zur Zahlung der Annaten an die cam. apl. (Div. Martini Y Ann. 
1427 Apr. 26.) — 1426 Nov. 1 Rom Sti. Apostoli. Nikolaus Lynden- 
stumpff erhält die thesauraria an St. Thomas mit dem Einkommen 
von 8 Mark S., vakant durch den Tod des Johannes Hiltebold. Für 
ihn verbürgt sich Johannes Pastoris zur Zahlung der Annaten an die 
cam. apl. (Div. Martini V Annat. 1427 Apr. 7.) — 1427 März 3 Rom 
Sti. Apostoli. Konrad Schmar verbürgt sich der cam. apl. zur Zah- 
lung der Annaten der perpetua vicaria in St. Thomas (summissariae 
nuncupatae) mit dem Ertrag von 8 Mark S., vakant durch resignatio 



134 Meister. 

<les Johannes Racliwiin. (Uiv. Martini V Annat." 1427 März 13.) — 
1427 Jan. 8 Rom Sti. Apostoli. Wilhelmus (!) de Winsperg erhält 
ein Kanonikat mit Präbende an 8t. Thomas mit dem Einkommen von 
8 Mark S., vakant durch cessio des Johannes Ernst. Für ihn ver- 
bürgt sich sein Bruder Wilhehnus ! de Winsperg, Licentiat d. Strassb. 
Kirche zur Zahlung der Annat en an die cam. apl. im Lauf von 6 
Monaten. (Div. Martini V Annat. 1427 Juni 6.) — 1427 März 21 Rom 
Sti. Apostoli. I^udovicus Henterich erhält ein Kanonikat mit Prä- 
bende an St. Thomas mit dem Einkommen von 8 Mark S., vakant 
durcli den Tod des Johann Wilhehn Voeischc. Für ihn verbürgt sich 
der Kanoniker Nicolaus Hiltebold zur Zahlung der Annaten an die 
ciim. aj)!. im Lauf von 6 Monaten. Die Schuld wurde getilgt am 
10. Sept. 1427 durch Conrad Schmar. (Div. Martini V Annat. 1427 
April 30.) — 1427 Juli 5 Rom Sti. Apostoli. Petrus Sinner verbürgt 
sich der cam. apl. zur Zahlung der Annaten der perpetua vicaria 
summissaria nuncupata an St. Thomas mit dem Einkommen von 
8 Mark S , vakant durch cessio des Hugo Apt. (Div. Martini V Annat. 
1427 Dez. 17.) — s. d. Bernardus Altdorflf erhält die perp. vicaria 
ad altare Sti. Martini in St. Tliomas mit dem Ertrag von 4 Mark s. 
(Bulla rest. sine oblig.) (Div. Martini V Annat. 1427 Sept. 1 f. 264. B.) 

— 1421) Mai 4 Rom Sti. Apostoli. Nicolaus Lotter verbürgt sich der 
cam. apl. zur Zahlung der Annaten für ein Kanonikat mit Präbende 
an St. Thomas mit dem Ertrag von 10 Mark S , vakant durch Re- 
signation des Wilhelmus de Winsberg, oder des Johannes Ernst, oder 
<les Johannes Spender, oder durch den Tod des Ludwig Bleyer. (Div. 
Martini V Annat. 1430 März 29.) — 1430 Juli 28 Rom Sti. Apostoli. 
Heinrich Isenhauwer erhält das perpetuum beneticium praemissaria 
nunoupatum an St. Thomns mit dem Ertrag von 8 Mark S. , vakant 
durch resignatio des Volmar Ysenhower. Für ihn verbürgt sich 
Nicolaus Hiltebold der cam. apl. zur Zahlung der Annaten im Lauf 
von Monaten. Getilgt wurde die Schuld am 8. Juli 1431 durch den 
litt. apl. abbreviator Petrus de Unkel. (Div. Martini V 1431 März 2.) 

— 1430 Juli 20 Rom Sti. Apostoli. Nicolaus Lotter verbürgt sich der 
cam. apl. zur Zahlung der Annaten eines Kanonikats mit Präbende 
an St. Thomas mit dem Ertrag von 10 Mark 8., vakant durch resig- 
nationem factam coram notarium . . . Wilhelmi de Winsperg sive 
Johannis Ernst aut Johannis Spender resignationem aut per obi- 
tum Ludowici Bleyer. (Div. Martini V Annat. 1431 März 29.) — 
14:^) Okt. 4 Rom Sti. Apostoli. (.'onrad Knoche verbürgt sich der 
lam. apl. zur Zahlung der Annaten für Kanonikat mit Präbende an 
St. Thomas mit dem Ertrag von 8 Mark, vakant per modum si neutri. 
<Div. Martini V Annat. 1431 Jan. 18.) — 1431 Jan. 14 Rom St. Peter. 
(Jeorg Zorn erhält ein Kanonikat mit Präbende an St. Thomas mit 
dem Ertrag von (5 Mark S. und die thesauraria daselbst mit dem 
Ertrag von 8 Mark, vakant per libemm resignationem des Andreas 
Dalen. Für ihn verbürgt sich der cam. a]>I. zur Zahlung der An- 
naten Heinrich Rascopt litt. apl. abbreviator. (Div. Eugenii IV 1532 
Febr. 2-".) - 14.32 Febr. 8 Rom St. Peter. Georg Zorn erhält Quittung 



Auszüge aus der Camera Apostolica. Bistum Strassburg. 13f) 

über Zahlung seiner Schuld von 31 fl. (de compositione) für Kaiio- 
nikat, Präbende und Thesaurarie an St. Thomas. (Div. Martini V 
guit. 1430-33 fl. 187.) — 1437 Sept. 22 Bologna. Paulus Monthart 
verbürgt sich der cam. apl. zur Zahlung der Annaten für die pre- 
positura von St. Thomas mit dem Ertrag von 18 Mark s., vakant 
durch den Tod des Burchard Burggrave. (Div. Eugenii IV Annat. 
1437 Sept. 26.) — 1465 März 1 Rom. Ernst Nataga in Romana curia 
procurator causarum verbürgt sich der cam. apl. zur Zahlung der 
Annaten für das Dekanat an St. Thomas mit dem Ertrag von 8 Mark 
(iusto modo vacantis) und für die per])etua vicaria in Salfelden 
Salzburg, dioc. mit dem Ertrag von 16 Mark S.; er verspricht die 
Zahlung in 2 Monaten. (Darauf folgt die Quittung für die Tilgung 
heider Schulden.) (Div. Pauli II Annat. 1465 März 22.) — 1465 
April 23 Rom. Conrad Munthart erhält ein Kanonikat mit Präbende 
an St. Thomas mit dem Ertrag von 10 Mark, vakant durch den Tod 
des Jodocus Albrant. Für ihn verbürgt sich der cam. apl. zur Zah- 
lung der Annaten Jacob de Dinger. (Div. Pauli II Annat. 1465 Mai 7. ) 
1465 Aug. 8 Rom. Georgius Guilelmus decretorum doctor, Engenii IV 
familiaris, verbürgt sich der cam. apl. zur Zahlung der Annaten für 
ein Kanonikat mit Präbende und das Dekanat von St. Thomas mit 
dem Gesamtertrag von 16 Mark S., vakant durch den Tod des Ernst 
Matago. A. R.: Der Papst erliess dem Georg die Zahlung dieser 
Annaten. (Div. Pauli II Annat. 1465 Aug. 28.) — 1473 Sept. 14 Rom. 
Jacobus Fligher verbürgt sich der cam. apl. für den Kanoniker Christo- 
phorus de Venthem zur Zahlung der Annaten der prepositura von 
St. Thomas, mit dem Ertrag von 12 Mark S., vakant durch den Tod 
des Burchard Schren. (Div. Sixti IV Annat. 1473 Nov. 17.) — 147H 
Dez. 17 Rom. Christoforus de Ventrig erhält Quittung über Zahluntr 
seiner Schuld von 27 fl. für die Präpositur an St. Thomas. (Div. 
Sixti IV Quit. 1471—74 fl. 205.) — 1476 März 2 Rom. Burchard erhält 
eine jährliche Pension von 16 flor. rhen. aus dem Ertrag von Kano- 
nikat und Präbende an St. Thomas. (Bulla rest. sine oblig.) (Div. 
Sixti IV Annat. 1479 Juni 16. B.) — 1476 Aug. 1 Rom. Ricardus 
P'akarts ac rev. d. card. Rothomagensis i)arafrcnarius verbürgen sich 
der cam. apl. zur Zahlung der Annaten eines Kanonikats mit Präbende 
an St. Thomas mit dem Ertrag von 6 Mark S., vakant durch den Tod 
des Arnold de Drunen. Sie versprechen die Zahlung in 6 Monaten. 
Am selben Tag verbürgt sich Alanus Üufan thesaurarius Mamecensis 
rev. d. Card. Rothomagensis familiaris für diesen Kardinal zur Zahlung 
binnen 6 Monaten. (Div. Sixti IV Annat. 1476 Aug. 30.) — 1470 
Mai 11 Rom. Doktor Georg Wilhelm, Propst an St. Peter in Basel, 
erhält eine jährliche Pension von 28 rhein. Gulden aus dem Ertrag: 
von einem Kanonikat mit Präbende an St. Thomas. (Bulla rest. sine 
oblig.) (Div. Sixti IV Annat. 1479 Mai 24.) — 1479 Mai 11 Rom. 
Job. Burchard i)ai)e familiaris verbürgt sich der cam. apl. zur Zah- 
lung der Annaten für ein Kanonikat mit Präbende an St. Thomas 
mit dem Ertrag von 8 Mark, vakant durch Resignation des Georg 
Bilhelm (possessione non liabita). Er vors])richt die Tilgung der 



136 Meister. 

Schuld in 6 Monaten. A. R. : 1480 Juli 28 verlängerte ihm der Vice- 
kämmerer episcopus civitatis Castelli die Frist um 2 Monate. 1481 
Febr. 20 um weitere 3 Monate. 1481 April 28 zahlt Joh. Burchard 
fl. 20. (Div. Sixti IV Annat. 1479 Mai 24.) — 1480 Dez. 4 Rom. Joh. 
Hurchardus can. sti. Thome accolito apostolico (!) et familiaris pape 
. . erhält ein Kanonikat mit Präbende daselbst mit dem Ertrag von 
8 Mark S., vakant durch Cession des Thomas Ricardus. (Bulla rest. 
sine oblig.) (Div. Sixti IV Annat. 1481 April 28.) — 1481 März 27 
Rom. Heinrich Sconleben can. Eystettens. verbürgt sich der cani. 
apl. zur Zahlung der Annaten für Kanonikat und Präbende an 
St. Thomas mit dem Ertrag von 8 Mark, vakant durch den Tod des 
Paul Munthart. Er verspricht die Tilgung der Schuld binnen 4 Mo- 
naten. A. R.: 1481 Okt. 15 zahlt er fl. 20. (Div. Sixti IV Annat. 1481 
Juni 22.) — 1481 April 28 Rom. Johann Burchard erhält Quittung 
über Zahlung seiner Schuld von 20 ü. für Kanonikat und Präbende 
an St. Thomas. (Div. Sixti IV Quit. 1479—83 fl. 118.) — 1481 Juni 24 
Rom. Engelhard Funk clericus Eystettensis verbürgt sich der cam. 
apl. zur Zahlung der Annaten für ein Kanonikat mit Präbende an 
St. Thomas mit dem Ertrag von 8 Mark S., vakant durch den Tod 
des Joh. Hell. Er verspricht die Tilgung der Schuld im Lauf von 
einem Jahr. A. R. : dicta die habuit dictus Engelhardus unam bullam 
super dictum canonicatum et prebendam in forma. Ferner die V Martii 
1494 d. Joh. Gerona apl. camere clericus mandavit cassare presentem 
obligationem quia sufhciente constitit sibi prefatum Engelhardum 
nunquam habuisse possessionem etc. . . (Div. Innocentii VIH Annat. 
1487 März 30.) — 1481 Okt. 15 Rom. Hinrich Scholetin erhält Quit- 
tung über Zahlung seiner Schuld von 20 fl. für Kanonikat und Prä- 
bende an St. Thomas. (Div. Sixti IV Quit. 1479—83 fl. 152.) — 1482 
Mai 25 Rom. Thomas Wolff erhält Quittung über Zahlung seiner 
Schuld von 20 fl. de camera für Kanonikat und Präbende an St. Thomas. 
(Div. Sixti rv Quit. 1479-^ fl. 212.) — 1482 Juni 4 Rom. Joh. Bur- 
kard, Dekan an St. Thomas, accol}tus des Papstes, verbürgt sich der 
cam. apl. zur Zahlung der Annaten dieses Dekanats mit dem Ertrag 
von 12 Mark S., vakant durch den Tod des Joh. Helle. Et promisit 
solvere . . infra unum annum infra quem si non habuit possessionem 
promisit certificare cameram apostolicam de non habita possessione 
infra unum mensem post dictum annum immediate sequentem sub 
penis camere etc. A. R. : Am 14. August 1481 (! 1489) zahlte er 20 fl. 
residuum non promisit solvere infra IX menses quia cessabat pensio 
fl. XXI. ... Am 13. Nov. 1490 zahlte er den Rest von 7 fl. et fuit 
absolutus. (Div. Innocentii VIH Annat. 1485 Mai 16.) — 1484 Jan. 6 
Rom. Heinrich Schonleben electus Herbipolensis verbürgt sich der 
cam. apl. für Theodor Zobell zur Zahlung der Annaten für Kanonikat 
und Präbende an St. Thomas mit dem Ertrag von H Mark 8.. vakant 
durch Resignation des Arbogast Elhart. (Div. Sixti IV Annat. 1484 
Jan. 15.) — 1484 Mai 10 Rom. Joh. Langer litt. apl. abbreviator, 
Prokurator des Thomas Wolff de Eckeboltzheim, resigniert in dessen 
Namen auf das Dekanat von St. Thomas. Die Provision erhält Joh. 



Auszüge aus der Camera Apostolica. Bistum Strassburg. 137 

iiurchard. (Div. Sixti IV resignat. 1482—84 fol. 157. 1484 Mai 24.) - 
1484 Mai 15 Rom. Joh. Burchard can. St. Thome, clericus cere- 
moniarum sacri palatii apl., verbürgt sich der cam. apl. zur Zahlung 
der Annaten für das Dekanat an St. Thomas mit dem Ertrag von 
12 Mark S., vakant durch Tod des Joh. Helle und des Joh. Symberi. 
Er verspricht die Tilgung der Schuld binnen 6 Monaten. (Div. 
Sixti IV Annat. 1484 Juli 17.) — 1484 Sept. 12 Rom. Heinrich Scon- 
leben. Kanoniker an St. Thomas, verbürgt sich der cam. apl. zur 
Zahlung der Annaten für das Dekanat an St. Thomas mit dem Ertrag 
von 12 M. S., vakant durch den Tod des Joh. Hell. A. R. : Er zahlt 
28^ 2 fl. (Div. Innocentii VIII Annat. 1485 Jan. 27.) — 1484 Sept. 18 
Rom. Joh. Burkard verbürgt sich der cam. apl. für Peter Mage zur 
Zahlung der Annaten für ein Kanonikat mit Präbende an St. Thomas 
mit dem Ertrag von 8 M. S., vakant durch eigene Resignation des 
Joh. Burkard ex causa permutationis cum canonicatu et prebenda 
eccl. Storum. Petri et Michaelis. Sti. Petri senioris nuncupati, mit 
dem Ertrag von 6 M. (Div. Innocentii VHI Annat. 1484 Okt. 8.) — 
1484 Okt. 7 Rom. Petrus Mage erhält Quittung über Zahlung seiner 
J5chuld von 4*4 fl. für Kanonikat und Präbende von St. Thomas. 
(Div. Innoc. VIII Quit. 1483-86 fl. 9.) — 1485 Jan. 27 Rom. Joh. 
Simber erhält Quittung über 28 fl., die H. Sconleben für ihn zahlte, 
für das Dekanat an St. Thomas. (Div. Innoc. VÜI Quit. 1484—86 fl. 32.) 
— 1485 Sept. 24 Rom Joh. Burchard erhält Quittung über Zahlung 
seiner Schuld von fl. 21 bol. 32 für die Präpositur an St. Thomas. 
(Div. Innoc. Vffl Quit 1483—86 fl. 110 ) — 1486 April 20 Rom. Pe- 
trus de Wemeren resigniert auf die perpet. vicaria am Altar Sla. 
Sophia in St. Thomas. Die Provision erhält Burchard Castner. (Div. 
Innoc. VIII resignat. 1484—88 fl. 121. 26. April 1486.) — 1486 Juni 6 
vi Wickersheim. — 1487 Jan. 3 Rom (Präpositur) cf. Wickersheim 
1487 Jan. 3.) — 1487 Mai 31 Johannes Burchard magister cere- 
moniarum erhält die facultas, die scolastria mit dem Ertrag von 
4 M., mit dem Dekanat an St. Thomas zu vereinigen. (Bulla rest. 
sine oblig.) (Div. Innoc. VIÜ Annat. 1487 Juni 30. B ) — 1489 (?) 
April 22 Rom St. Peter. Engelhard Funck, clericus Eystettensis, ist 
speziell als Prokurator bestellt von Johannes Onheim, Vikar an 
St. Thomas und Prokurator im Namen des Vikars Bartholomeus 
Castner an St. Sophia in St. Thomas (prout in quodam mandato con- 
stitutionis et substitutionis planius continetur vel constitutionis manu 
dni. Johannis Castmeyster de Massmunster der. Basil. dioc. sub dato 
in curia dni. Thomae Wolff praepositi St. Michaeli et Petri Argentin. 
sub die XH non. mai. de anno 1488, substitutionis vero manu Deghen- 
ardi Buchow notarii curie episcopalis Argent. sub dato Argentinae etc. 
sub die XXHH mens. febr. de anno 1489). Verzichtet im Namen 
Castners auf alle Rechte dieser Caplania. Die Provision erhält der- 
selbe Johannes Hell alias Honheim. (Div. Innoc. VIII resignat. 1488 
-1491 fl. 2011. 10. Nov. 1490.) — 1493 April 30 Rom. Melchior de 
Baden erhält Quittung über Zahlunj,' seiner Schuld von fl. 47 bol. 30 
für Kanonikat, Präbende und Präpositur von St. Thomas. (Div. Alex. VI 



13is Meister. 

Quit. 1492- 9(> H. 1)2.) - 141)5 Jan. 31 Rom. Valricus Obrekke erhält 
Quittung ilber Zahlung seiner Schuld von fl. 19 für eine vicaria alias 
pi-aebenda episcopi an St. Thomas. Für ihn zahlt Job. Barchard. 
(Div. Alex. VI Quit. 1492-9ß tt. l(>4^) — 149G Sept. 3 Rom. Job. 
(xotken verbürgt sich der caui. apl. für Job. Sigrust zur Zahlung der 
Annaten für Kanonikat, Präbende und Kantorie an St. Tliomas mit 
dem Ertrag von 10 M., vakant durch den Tod des Michael Bohso. 
A. R.: Zahlungsvermerk über 33^4 A. (l>iv. Alex. VI 1497-98 
resignat. (!) fl. 122». 29. Nov. 1497.) — 1497 Nov. 28 Rom. Joh. Eglir- 
fys (V) erhält Quittung über Zahlung seiner Schuld von fl. 23 bol. ft) 
l'ür Kanonikat und Präbende an St. Thomas. (Div. Alex. VI Quit. 
149(^-15(X) fl. 65.) — 1498 Febr. 23 Rom. Joh. Gotken verbtlrgt sich 
der cani. a))!. zur Zahlung der Annaten für ein Kanonikat mit Prä- 
])tnde an St. Thomas mit dem Ertrag von 8 M. S., vakant durch den 
Tod dos Radulf Nordhusen. Er verspricht Tilgung der Schuld iu 
c. Monaten. (Div. Alex. VI resignat. (!) 1497—98 fol. 171i.) — 1498 
Aug. 4 Rom. C'onrad Urrici erhält (Quittung über Zahlung seiner 
Schuld von fl. 23 bol. ()0 für Kanonikat und Präbende an St. Thomas. 
(Div. Alex. VI Quit. UiXi-lfKX) fl. 112.) — 1499 Jan. 4 Rom. Joh. 
Ihirchard erhält die facultas aggrediendi ad perpetuam vicariam sive 
submissariam erdesie sti.Tliome. (Bulla rest. sine oblig.) (Div. ^Uex.VI 
Anuat. 1499 Aug. 2. B.) — 1499 Febr. 8 Rom. Joh. Gotken verbürgt 
sich der cam. apl für Joh. Imbsheim zur Zalilung der Annaten für 
Kanonikat und Präbende an St. Thomas mit dem Ertrag von 10 M, S., 
vakant durch Resignation des Johannes Gotken (i)er euni possessionem 
non habitam) A. R.: Er zahlte 23^/4 fl (Div. Alex. VI Annat. U99 
Junis.) — 1499 März 4 Rom. Philipp de Duno erhält Quittung über 
Zahlung seiner Schuld von fl. 179 bol. 10 für Kanonikat, Präbende 
und Präpositur an St. Thomas. (Div. Alex. VI Quit. 1496— L^KX) fl. 146.) 
1499 Juni 8 Rom. Joh. Imbschcim erhält Quittung über Zahlung 
seiner Schuld von fl. 23 bol. (K) für Kanonikat und Präbende an 
St. Thomas. (Div. Alex. VI Quit. 149(>-ir)00 fl. 105^) — 1499 Juni 12 
Rom. Melchior de Baden erhält eine jährliche Pension von 20 fl. 
:uis ilem Ertrag eines Kanonikats mit Präbende an St. Thomas, (ßnlla 
wst. sine oblig.) (Div. Alex. VI Annat. 15(K) Febr. 14. B.) — 149*) 
Juni 12 Rom. Job- (rotken verbürgt sich der cam. apl. für Jacob 
Fabri de Rickshofl^en zur Zahlung der Annaten der Präpositur au 
St. Thomas mit dorn Ertrag von 11 Mark (super quibus Joh. Stegin- 
l)crg annuam i)ensionem triginta flor. rlien. percipit). vakant durch 
Hosignation Melchiors von Baden. A. R.: Er zahlt 15 fl. und ver- 
spricht Tilgung des Restes. (Div. Alex. VI Annat. 1499 Juli 18.) — 
1499 Juli ir> Rom. Jacob Faber erhält Quittung über Zahlung seiner 
Schuld von 19 fl. für die Präi)ositur von St. Thomas. (Div. Alex. VI 
Quit. 149()— 1500 fl. 172'.) — im) Jan. m Rom. Joh. Gamper resig- 
niert auf die Scholastria an St. Salvator in Trier zugunsten Johannes 
Sc helenhart. Für diesen resigniert Atletus auf die perp. viciiria an 
St. Egidius in St. Thomas zugunsten des Johannes Gotken und dieser 
setzt Joh. Gamper eine jährliche Pension von 10 fl. aus von dem 



Auszüge aus der Camera Ai)ostolica. Bistum Strassburg. 139 

Ertrag dieser perp. caplania. (Div Alex. VI rcsignat. 1499—1502 fl.72. 
loa) Febr. 13.) 1500 Dez. 24 cf. Salz. — 1501 Mai 7 Rom. Fricdr. 
Brausteyn procurator canonicatus et praebendae eccl. Lubiceiisis u. Job. 
Gotken resignieren auf eine perp. caplania in St. Tbonifis zugunsten 
von Job. Brandis, Kleriker in Bremen. (Div. Alex. VI resignat. 1499 
bis 1.502 tt. 217. 1501 Mai 13.) — 1504 Jan. 10 Rom. Caspar Virt verbürgt 
sieb der cam. apl. für Jeronimus Esekelin zur Zablung der Annaten für 
ein Kanonikat mit Präbende an St. Thoraas mit dem Ertrag von 8 M. 
A. R. : Er zahlte 19 fl. (Div. Alex. VI [! sie ! Jul. II] Annat. 1506 Juni 5.) 

— 1504 Juni 25. Conrad resigniert auf sein Vikariat in St. Thomas 
zugunsten des Michael Dich laut Notariatsakt des Job. de Emskircben. 
Er erhält eine jährliche Pension von 35 fl. in Gold super canonicatuni 
et praebendam Sti. Petri Junior is et Sti. Petri et Michaelis Argent. 
necnon vicariae Stae. Crucis maioris Argen tin. (Div. Pii III et Julii II 
resignat. 1503—1506 fl. 146. 1504 Aug. 7.) — 1504 Juni 25 Rom. Job. 
episcopus Ortanus verbürgt sich der cam. apl. zur Zahlung der An- 
naten für ein Kanonikat mit Präbende an St- Thoraas mit dem Ertrag 
von 8 Mark, vakant per cessionem sive possessionem non babitam 
Beati de Dammach. Er verspricht Tilgung der Schuld in einem Jahr 
oder Benachrichtigung der cam. apl. , falls er nicht in den Besitz 
gelangen sollte. (Div. Julii II Annat. 1505 März 18.) — 1505. Papst 
Innoceuz erteilt Job. Hoffmeyster, Kanoniker an St. Thomas, eine 
Exspektanz auf Indult und Absolution im Falle eines Interdikts und 
auf ein Benefizium cum cura im Wert von 40 Pfund oder sine cura 
im Wert von 30. (Div. Julii II exspect. 1505 fl. 30:^.) — 1506 Mai 17 
Rom. Michael Sander, Dekan an St. Thomas, verbürgt sich der cam. 
apl. zur Zahlung der Annaten für Dekanat und Kanonikat daselbst 
mit dem Ertrag von 18 Mark, vakant durch den Tod des Job. ci»i 
Ortani in curia. Er verspricht Tilgung in 6 Monaten. (Div. Alex. VI 
Isic! Julii II] Annat. 1506 Juni 12.) — 1506 Juni 4 Rom. Jeronimus 
Betizchlin erhält Quittung über Zahlung seiner Schuld von 19 fl. für 
Kanonikat und Präbende an St. Thomas. (Div. Julii II Quit. 1503 
— 15(K) fl. 115.) — 1507 Aug. 13 Rom. Nicolaus Camerlinck scri])tor 
in registro supplicatorum verbürgt sich der cam. apl. für Leonard 
Bellardin zur Zahlung der Annaten der summissaria au St. Thomas 
mit dem Ertrag von 6 M., vakant durch den Tod des Johannes episc. 
Ortanus et cessionem Job. Oitter. Er verspricht Tilgung in 4 Mo- 
naten. A. R.: Zahlungsvermerk. (Div. Julii II Annat. 1511 April 3.) 

— 15()i) Aug. 2 cf. Dunzenbeim 1509 Aug. 2. — 1510 Juni 24 Rom. 
Michael Sander erhält eine Pension von 70 fl. aus dem Ertrag von 
Kanonikat, Präbende und Dekanat an St. Thomas. (Bulla rest. sine 
oblig.j (Div. Julii II Annat. 1510 Juli 28 f. 223 B.) — 1510 Juni 28 
Rom. Nicolaus Promaser erhält Quittung über Zahlung seiner Schuld 
von fl. 39 bol. 45 für das Dekanat an St Thomas. (Div. Julii II (^uit. 
1509—1511 fl. 95.) — 1510 Aug. .30 Rom. Benedictus de milite pro- 
curator domini Gabrielis de Bergamo verbürgt sich der cam. apl. für 
Laurentius Schencbbecher zur Zablung der Annaten für Kanonikat 
und Präbenile an St. Thomas mit dorn Ertrag von 8 Mark, vakant 



140 Meister. 

durch Resignation des Theobald Schenchbecher (promisit solvere). 
A. R.: 1512 April 20 zahlte er fl. IT'/j prout ad introitum*) üb. Villi 
f. 26. (Div. Julii U Annat. 1511 April 16.) — 1510 Okt. 19. Conrad 
Attenhofer verbürgt sich der cam. apl. zur Zahlung der Annaten 
(zunächst betreffs einer Priorei in der Diözese Besangon, dann) fOr ein 
Kanonikat mit Präbende an St. Thomas mit dem Ertrag von 12 M. 
(Div. Julii n Annat. 1510 April 27.) — 1513 März 19 Rom. Michael 
Sander verbürgt sich der cam. apl. zur Zahlung der Annaten für ein 
Kanonikat an St. Peter, vakant ob non solutam pensionem 30 ii. 
Zahlungsversprechen, Zahlungsvermerk. (Div. Julii II (!) Annat. 1513 
Juli 18.) — 1513 April 6 Rom. Heinrich Busimer erhält eine jährliche 
Pension von 12 fl. rhen. aus dem Ertrag von Kanonikat und Präbende 
an St. Thomas (eidem assignatae ex sua resignatione vicariae ad altare 
Sti. Nicolai). (Bulla rest. sine oblig.) (Div. Julii II (!) Annat. 1513 
April 20. B.) 

Verschiedene Kirchen (vielfach Domkapitel). 

1421 Nov. 7 Rom (St. Peter). Ludwig Herterich erhält die per- 
petua capellania in der Pfarrkirche St. Nikolaus mit dem Ertrag von 
7 Mark S., erledigt durch den Tod des Heinrich Sempach. Für ilm 
verbürgt sich Nikolaus Hilteboldi, Kanonikus an St. Thomas, zur Zah- 
lung der Annaten an die cam. apl. (Div. Martini V Ann. 1423 Jan. 29.) 

— 1422 Febr. 28 Rom, St. Peter. Konrad de Bosnant erhält die 
celeraria der Strassb. Kirche mit dem Ertrag von 32 Mark 8., er- 
ledigt durch resignatio des Konrad de Nellenburg. Für ihn verbürgt 
sicJi Heinrich Fabri, Vikar in St. Thomas, zur Zahlung der Annaten 
an die cam. apl. (Div. Martini V Annat. 1422 Mai 29.) — s. d. Ul- 
rich (Jessler erhält die perpetua vicaria am Altar Ste. Margarethae 
■et Catherine in Strassb. mit dem Ertrag von 6 Mark und Jodocus 
(lessler ein Kanonikat mit Präbende in Augsburg mit dem Ertrag 
von 15 Mark. (Bulla restit. sine oblig.) (Div. Martini V Annat. 1422 
Juni 10 f. 295.) — 1422 Dez. 15 Rom, Maria maior. Härtung Kunig 
erhält die i>erpetua \icaria, elemosinaria nuncupata mit dem Ertrag 
von 8 Mark S., erledigt durch resignatio des Johannes Welschelin. 
Für ihn verbürgt sich der Strassb. Kleriker Johannes Man zur Zah- 
lung der Annaten an die cam. apl. (Div. Martini V Annat. 1413 Febr. 4.) 

— 1426 Nov. 8 Rom, S. Apostoli. Der Mainzer Wilhelm de Wins- 
ixng verbürgt sich der cam. apl. zur Zahlung der Annaten des per- 
))<jtuuni beneficium imperialis sive regis chori nuncupatum in ecclesia 
Ar^entinensi mit dem Ertrag von 12 Mark b., vakant per cessionem 
Ilenrici Fabri de Rodenberg seu per modum si neutri. (Div. Martini 
VI Annat. 142(5 Nov. 26.) — 1428 Febr. 14 Rom, Sti. Ai)Ostoli. Nikolaus 
Dulci erhält das i)er])etuum officium thuribulariatum nuncupatum in 
ecclesia Argentinensi mit dem Ertrag von 8 Mark S., vakant durch 
den Tod des Hugo Sturm. Für ihn verbürgt sich der cam. apl. zur 
Zahlung der Annaten. Jacobus Petrus litt. apl. abbreviator. (Div. 
.Martini V Annat. 1428 Juli 26.) — 1428 Feb. 14 Rom, Sti. Apostoli. 

*) Gemeint ist die Serie der introitiis et exitus im Vat. Arch. 



Auszüge aus der Camera Apostolica. Bistum Strassburg. 141 

Nikolaus Dolens erhält das perpetuum beneficiam thnribolariatus uoncu- 
patam in der Strassb. Kirche mit dem Ertrag von 8 Mark 8., vakant 
durch den Tod des Hugo Sturm. Ftlr ihn verbürgt sich der cam.. 
apl. zur Zahlung der Annaten Jacobus Petrus litterarum Apostoli- 
carum abbreviator. (Div. Martini V Annat. 1428 Juli 26.) — s. d. 
Walther Nicolai Messerer erhält den oberen Altar Sti. Johannis Bap- 
tiste situm in ecclesia monasterii Sti. Johannis zu den Hunden Arg. 
0. s. Aug. mit dem Ertrag von 4 Mark S. due bulle abilitationis et 
nove provisionis restitute sine obligatione. (Div. Martini V Annat. 
1428 Sept. 12 f. 198. B.) — 1428 Sept. 24 Rom, St. Apostoli. Gualterus 
Messerer erhält Quittung über Zahlung seiner Schuld von 6 fl. durch 
Joh. Stael (super fructibus per eum ex altare Sti. Job. Baptistae sita 
in ecclesia monasterii Sti. Johannis zu den Hunden . . male perceptis). 
(Div. Martini V Quit 1423—30 fl. 12 \) — 1429 Apr. 15 Rom, Sti. 
Apostoli. Eberhard Schenk de Erpach erhält ein Kanonikat mit Prä- 
bende an der Strassb. Kirche mit dem Ertrag von 12 Mark S., va- 
kant durch resignatio des Fabricius de Liningen. Für ihn verbürgt 
Hermann Doseborg ein Speyrer Kanoniker zur Zahlung der Annaten 
an die cam. apl. (Div. Martini V Annat. 1429 Mai 19.) — 1430 Sept. 27 
Rom Sti. Apostoli. Jacobus de Geyspoltzheim erhält das perpetuum 
beneiicium regischori nuncupatum in maiori ecclesia Argentinensis 
mit dem Ertrage von 12 Mark, vakant durch den Tod des Wilhelm 
de Winspergin et per liberam resignationem et per cessionem iuris 
Henrici Taheim. Ftlr ihn verbürgt sich Jacobus Petrus litt. apl. ab- 
breviator zur Zahlung der Annaten an die cam. apl. (Div. Martini 
V 1430 Okt. 19.) — 1430 Okt. 28 Rom. Jacobus Geyspoltzheim er- 
hält Quittung über Zahlung seiner Schuld von 26 fl. (de compositione) 
für das perp. beneficium registhori (!) nuncupatum in maiori ecclesia 
Argentinensi. (Div. Martini V. Quit. 1430-40 fl. 71.) — s. d. Paul 
Schonnberger erhält die perp. vic. am Altar b. Marie Magdalene in 
der Kirche St. Nikolaus zu Strassburg mit dem Ertrag von 4 Mark 
S., bulla restituta sine obligatione. (Div. Martini V Annat. 1431 
Febr. 28 f. 228. B.) — s. d. Nikolaus erhält die caplania am Altar b. 
Marie situm in capella hospicii exulum Argent. mit dem Ertrag von 
4 Mark S. Bulla restit. sine oblig. (Div. Martini V Annat. 1431 
Feh. 28 f. 228. B.) — 1436 Sept. 28 Bologna. Johannes de Helfenstein 
erhält das Dekanat der Strassb. Kirche mit dem Ertrag von 80 Mark 
S., vakant per promotionem d. Henrici ad eccl. Constantiensem et 
munus consecrationis eidem impendendom. Für ihn verbürgt sich 
der cam. apl. Andreas Losen, rector parochialis eccl. in Neren Herbi- 
pol. dioc. (Div. Eugenii IV Annat. 1436 Nov. 12.) — s. d. Andr. Schonaw 
erhält die Pfarrkirche in Monchingen Spir. dioc. und die perp. cap- 
lania in maiori ecclesia Argent. mit dem Gesamtertrag von 16 Mark 
S. Bulla restit. sine [oblig. (Div. Eugenii IV Annat. 1436 Nov. 17 
für 229 B.) — (1455 Sept. 18 Rom.) Alex, de Bardis socius et institutor 
Tliomae de Spinellis erhält 3 Bullen üb. die Präpositur in Strassb. 
f. Rupertus de Bavaria, deren Ertrag 100 M. 8. war, vakant durch 
Resignation des Johannes Ochsenstein. Er verspricht in 3 Monaten 



142 Meister. 

die Aniiaten zu zahlen. (Div. Calixti III Coinposit. 1455—58 fl. 3.) 

— 1458 Mai 17 Rom. Kasp. Wieland, Kanonikus an der Kurie, zahlt 
der cam. apl. f. den Strassb. Bischof Jakob Riclier (ratione provisionis 
de persona ipsius) 33 '/2 fl. und verbürgt sich zur Zahlung der andern 
Hälfte in 6 Monaten. (Obligationes 1458—63 fol. 92.) - 1459 Apr. 14 
Ilom. Joh. Mezigner erhält Quittung üb. 11 fl. f. eine Kaplania in 
Strassb. (Div. üii II Quit. 1458-6() fl. 57.) — Die 22 iunii dominus 
Henricus Schonleben principalis iuravit comjK)suisse pro expeditis 
buUis super canonicatu ecclesie Argentinensis ut infra pro redemp- 
tione supplicationis et registro duc— g. — hol. 17, pro minuto duc. — g.H, 
l)ro prima taxa duc. 2 g. 1, item m. liancho abbreviatori duc. 1 g. 5, 
In plumbo duc. 1 g. 1, In registro duc. 2 g. 1, pro registratura g. 4^ 
pro obligatione et cedula g. 3 bol. 2. (Div. 1462—81 compos. liber 
<*edularum.) — 1464 Mai (?) 2 Rom. Alb. Othonis senioris dacis Ba- 
varie et comitis Palatini erhält (Quittung üb. Zahlung s. (iresamtschald 
von 159 fl. f. Kanonikat, Präbende u. Präpositur d. Strassb. Kirchen. 
(Quit. 1462—64 fl. 288».) — 1465 Apr. 23 Rom. Jakob de Dinger 
\ erbürgt sich der cam. apl. z. Zahlung d. Annaten d. Kaplanstelle 
am Altar d. hl. Elisabeth in d. Kapelle d. hl. Katharina in ecclesia 
Argentinensi mit dem P^rtrag von 5 M., vakant durch den Tod des 
Jodocus Albrant. Am selben Tag bezahlte er 10 fl. (Div. Pauli II 
Aniiat. 1465 Mai 7.) — 1467 Febr. 17 Rom. Michael Bost der. Argent. 
hat von Paul II. 2 beneiicia erhalten. Für ihn verbürgt sich Christo- 
phorus Walkucher, rect. par. ecc. in Bischofsheim PatÄV. dioc. pro 
fjicultate resignandi simpliciter. (Div. Pauli II Annat. 1470 Mai 10.) 

— 1469 Mai 15 Rom. Nicolaus de Crucenach, canonicus ecc. Ste. 
^Marie Frankfordens. , verbürgt sich der cam. apl. für Henricus de 
Swarzburg der. Magunt. de comitum genere i)rocreatus znr Zahlung 
<ler Annaten für ein Kanonikat mit Präbende an der Strassb. Kirche 
mit dem Ertrag von 10 M., vakant per promotionem Johannis electi 
Augustensis. A. R.: Am selben Tage zahlte er 24 fl. (Div. Pauli II 
Annat. 1470 Sept. 22.) — 1469 Nov. 29 Rom. Adam Rodhart, notarius 
]>alatii apl., verbürgt sich der cam. apl. für Marcus der. Spirens. ex 
marchionibus Badens, natus z. Zahlung d. Annaten der cameraria ec- 
<'lesie Argent. mit dem Ertrag von 12 M. S , vakant per assecutionem 
thes. ac archidiaconatus . . i)er d. Stephanum ex ducibus Bavarie. Er 
verspricht die Tilgung der Schuld im Lauf von 6 Monaten. (Div. Pauli 
ir Annat. 1471 Jan. 14.) — 1470 Juli 6 Rom. Joh. Belholt, decanus 
sti. Maurini extra muros monasterii, verbürgt sich der cam. apl. für 
Stephanus de Bavaria canonicus et cam. ecclesie Argent. z. Zahlung 
<l. Annaten d. custodia an diesem Kolleg mit dem Ertrag von 8 M. 
A. R. : am angegebenen Tage zahlte er 19 fl. (Div. Pauli II Annat. 
1471 Apr. 10.) — 1470 Sept. 25 Rom. Henricus de St. Walburg de 
vomitum genere erhält Quittung üb. Zahlung s. Schuld von 24 fl. für 
(!in Kanonikat mit Präbende in Strassb. «Div. Pauli II Quit. 1470 

-71 fl. 77'.) — 1471 Apr. 18 Rom. Stephan de Bavaria erhält Quit- 
tung üb. Zahlung s. Schuld von 19 fl. f. die custodia in Strassb. (Div- 
Pauli H Quit. 1470-71. fl. 169.) - 1471 Aug. 25 Rom. Ad. Rodart 



Auszüge aus der Camera Apostolica. Bistum Strassburg. 143 

palatii apl. notarius verbürgt sich der cam. apl. f. Marcus ex march. 
Badens., Strassb. Kanoniker, z. Zahlung d. Annaten d. port. et cell, 
^ccl. Arg. mit dem Ertrag von 120 M. S., vakant durch den Tod des 
Konrad de Busnang. (Div. Sixti IV Annat. 1472 März 6.) — 1471 
Dez. 8 Rom. Stephanus de ßavaria, Kanonikus und Kämmerer d. 
Strassb. Kirche, erhält die Bestätigung z. Vereinigung d. custodia 
d. Strassb. Kirche mit seinen Würden. Bulla restit. sine oblig. (Div. 
Sixti IV Annat. 1472 März 9 B.) — 1472 März 19 Rom. Bemardus 
Merklin verbürgt sich der cam. apl f. Henricus de Wertemberg der. 
Constant. z. Zahlung d. Annaten f. ein Kanonikat mit Präbende an 
d. Strassb. Kirche mit dem Ertrag von 12 M. S., vakant per promo- 
tionem Johannis Henneberg ad monast. Sti. Bonifatii Fuldensis. (Div. 
Sixti IV Annat. 1472 März 6.) — 1472 Sept. 2 Rom. Jacobus Bartel, 
Vikar in der Strassb. Pfarrkirche, famil. card. sti. Petri ad vincula ver- 
bürgt sich z. Zahlung d. Annaten d. perp. vic. in Strassb. mit dem Er- 
trag von 6 M., vakant durch den Tod des Nikolaus Gropper. Er ver- 
spricht die Tilgung d. Schuld im Lauf von 6 Monaten (Div. Sixti IV 
Annat. 1473 Apr. 23.) — 1475 Sept. 9 Rom. Brunner, der. Argent., 
erhält eine jährl. Pension von 12 fl. rhen aus dem Ertrag der perpet. 
caplania am Altar Sti. Stephani sit. in eccl. Argent. (Bulla restit. 
sine oblig.) (Div. Sixti IV Ann. 1475 Dez. 29 B.) — 1476 März 13 
Rom. Jakob Deninger, Kaplan in Surburg, verbürgt sich d. cam. 
apl. f. die Priorinnen und Nonnen d. Klost. St. Margaretha, St. Katha- 
rina und St. Nikolaus (0. pred. Sti. Dom.) z. Zahlung pro rochetis 
debitis f. die Union und Inkorporation d. Klöst ; videlicet Ste. Ag- 
netis, monast. Ste. Margarite et sti. Marci, monast. Ste. Catharine 
et sti. Johannis monast. extra muros Argentin. dicti ordinis monast. 
Sti. Nicolai. Ihr Ertrag ist nicht angegeben, da ihr Gebiet verwüstet 
war. A. R. : die dicta solverunt per compositionem trium ruchetarum 
dictorum monasteriorum factam per dominum Falconem in presentia 
dmni. Baptiste de Ursinis fl. xxxvi per manus dni. Jacobi. Dicte 
pecunie fuerunt date domino epc. Tiräsoneusi in dedectionem sui conti. 
(Div. Sixti IV Annat. 1476 März 30.) — 1476 Okt. 5 Rom. Alex. 
Meisteron erhält Quittung üb. Zahlung s. Schuld von 14 fl. der annata 
simplici beneficii turrisbellarie (!) nuncupati in Strassb. (Div. Sixti 
IV Quit. 1476—79 fol. 8'.) — 1478 Apr. 8 Rom. Henricus Sconleben 
can. Eystettensis verbürgt sich d. cam. apl. f. Conrad Montart presb. 
Argent. z. Zahlung d. Annaten d. Parochialkirche St. Helena prope 
muros Argent. mit dem Ertrag von 9 M., vakant durch Resignation 
des Jak. Sindecuot. A. R.: solvit per compositionem fl. xx etc. (Div. 
Sixti IV Annat. 1478 Aug. 31.) — 1478 Apr. 2. Der magister consu- 
lum et civitatis Argent. bezahlt an die cam. apl. die Bestätigung des 
Prozesses in causa unionis monasteriorum monialium Ste. Margarete 
et Catherine et Sti. Nicolai ord. pred. Sti. Dominici Argent. et alio- 
rum monasteriorum extra muros civitatis Argent. demolitorum certis 
locis infra civitate unitorum . (Bulla restit. sine oblig ) (Div. Sixti 
IV Annat 1478 Juli 10 B.) — 1478 Apr. 16 Rom. Joh. Burchard ver- 
bürgt sich d. cam. apl. f. Joh. de Keisersberg der. Basil. z. Zahlung 



144 Meister. 

d. Annaten d. perp. vic , caplania episcopi nuncapata mit dem Ertrag' 
von 20 M. S., vakant durch Resignation Schimphers. A. R.: solvit 
per compositionem fl. 40 . . . (Div. Sixti IV Annat. 1478 Apr 24.) — 
1478 Apr. 24 Rom. Joh Uersberg (?) erhält Quittung üb. Zahlung 
s. Schuld von 19 jfl. f eine perp. vicaria in Strassbg- (Div. Sixti IV 
Quit. 1476—79 fl. 152 ) — 1478 Aug. 31 Rom Konrad Monthart er- 
hält Quittung üb. Zahlung s. Schuld von 20 fl. f. die Parochialkirche 
St Helena prope rauros (Div. Sixti IV Quit. 1476—79 fl 180.) — 
1418 Sept 20 Rom. Joh. Langer, der. Augustens-, verbürgt sich d. 
cam. apl. f. Heinricus ex marchicomitibus Badens z. Zahlung d. An- 
naten d. celleraria d. Strassb. Kirche mit dem Ertrag von 45 M. S., 
vakant durch den Tod des Markgrafen Marcus von Baden A. R : solv. 
fl. ci. (Div. Sixti IV Annat 1478 Dez. 29.) — 1478 Mai 18 Rom. (Altar 
St Johann), cf. Illwickersheim. — 1483 Febr. 24 Rom, St. Peter. Christo- 
phorus Stock, perp. vic. am Altar St. Johann und Markus im Klost. 
St. Markus in undis o. s. Aug. in d. Strassb. Diöcese resigniert auf 
diese Vikarie. (Div. Sixti IV resign. 1482—84 f. 58< 3. März 1483.) 

— 1483 Aug. 29 Rom. Joh. Burchard verbürgt sich d. cam. apl. für 
Heinrich Arge thuribularius ecclesie Arg. z. Zahlung d. Annaten 
dieser thuribularia mit dem Ertrag von 6 M , vakant durch Resig- 
nation des Johannes. A. R.: Er zahlt fl. 66. (Div. Sixti IV Annat. 
1483 Dez. 9.) — 1485 Apr. 16 Rom. Heinrich Kapler, der. Basil., 
verbürgt sich der cam. apl. für Anton Funck z. Zahlung d. Annaten 
d. vic. thuribularia nuncupata in ecclesia Argentinens. mit dem Er- 
trag von 6 M. S., vakant durch Resignation des Theoderich ZobeL 
A. R.: Er zahlte 14V4 fl. (Div. Innocentii VIH Annat. 1457 März 6.) 

— 1486 Nov. 1 Rom. Papst Innocenz erteilt dem Strassb. Kleriker 
(iasp. Marschalk die Exspektanz auf ein Benefiz (beneficium ecclesiasti- 
cum cum cura vel sine cura consuetum clericis secularibus assignari 
cuius Ductus, reditus et proventus, si cum cura vigintiquinque , si 
vero sine cura fuerint decem et octo march. argenti etc.) (Div. Innoc. 
Vni Exspect. 148d~91 fl. 501.) — 1486 Dez. 19 Rom. Hermann Jule- 
man canonicus Traiectensis verbürgt sich der cam. apl. für Philippus 
ex ducibus Clevensibus z. Zahlung d. Annaten d. preposit. ecclesie 
Argent. mit dem Ertrag von 50 M. S. , vakant durch den Tod des 
Herzogs Johann von Baiem. A. R.: Er zahlt 142V2 fl. (Div. Inno- 
centü VIH Annat. 1487 Febr. 16.) — 1487 Febr. 16 Rom. Phiüppus 
ex ducibus Clivensibus erhält Quittung üb. Zahlung von 142V2 fl. ^r 
die Präpositur d. Strassb. Kirche. (Div. Innoc. VHI Quit. 1487—90 
fl. 17.) — 1487 März 6 Rom. Anton Funck erhält Quittung üb. Zah- 
lung s. Schuld von 14V4 fl. für die perp. vic. turribul. nuncupata in 
Strassb. (Div. Innoc. VIH Quit. 1487—90 fl. 23'.) — 1487 Mai 5 Rom. 
Der Mainz. Kleriker Joh. Waideman, Prokurator des Grafen Hoyer 
von Mulingen alias Barbi verbürgt sich laut Brief vom 17. März 1487 
d. cam. apl. z. Zahlung d. Annaten des Dekanats d. Strassb Kirche 
mit dem Ertrag von 40 M. S , vakant durch Beförderung des Philipp 
(ex ducibus) zum Propst. Er verspricht die Tilgung der Schuld in 
•S Monaten. A. R.: Er zahlte am 13 Juni 141)1. (Div. Innocentii VIH 



Auszüge aus der Camera Apostolica. Bistum Strassburg. 145 

Annat. 1489 Juni 17.) — 1487 Mai 7 Rom, St. Peter. Hieronymus 
de Gorcariis resigniert auf das Dekanat der Strassb. Kirche. Die 
Provision erhält Hoytrobardi (et sponte consensit annuae pensionis 
scxaginta ducatorum auri de camera dicto Hieronymo reservatae). 
(Div. Innoc. VJU resignat. 1484—88 fl. 209, 12. Mai 1487.) — 1489 
Mai 2 Rom. Der Magister und die Brüder vom hl. Geist erhalten 
die Fakultät Benefizien annehmen zu dürfen. (Bulla restit. sine oblig.) 
(Div. Innoc. VIII Annat. 1489 Mai 31 B.) — 1490 Nov. 6 Rom. Jo- 
hannes Brochardi erhält Quittung üb. Zahlung s. Schuld von 7 Duk. 
für Kanonikat und Präbende der Strassb. Kirche. (Div. Innoc. VIII 
1490—92 fl. 84.) — 1491 März 4 Rom. tMedericus ex comitibus Pala- 
tinis, regni Bavarie ducibus erhält Quittung üb. Zahlung s. Schuld 
von 24 Duk. für die Kämmerei der Strassb. Kirche und die Stelle 
eines Erzpriesters in Köln. (Div. Innoc. Vm Quit. 1490—92 fl. 105*.) 
— 1491 Juni 12 Rom. Hoyer Barbi erhält Quittung üb. Zahlung s. 
Schuld von 95 Duk. für das Dekanat der Strassb. Kirche. (Div. Innoc. 
VIII Quit. 1490-92 fl. 127.) — 1491 Sept. 9 Rom. Chilian verbürgt 
sich im Dienst und Namen des Strassb. Gustos Markgrafen Jak. von 
Baden der cam. apl. zur Zahlung der Annaten dieser custodia mit 
dem Ertrag von 30 M. S., vakant durch Promotion Heinrichs zum 
Bischof. (Div. Innocentii VIII Annat. 1491 Okt. 13.) — s. d. Hein- 
rich Schulenbiek (V) erhält ein Kanonikat in Strassb. (Bulla restit. 
sine oblig.) (Div. Annat. 1492/93, 8'» Bd., 1492 Jan. 25 B.) — 1493 
Mai 6 Rom. Johannes Risch erhält Quittung üb. Zahlung s. Schuld 
von fl. 30 hol. 70 für die Parochialkirche beatae Mariae in Konstanz 
und die vicaria in choro Argentinensi. (Div. Alex. VI Quit. 1492—96 
fl. 65.) — 1496 Nov. 21 Rom. Carolus ex marchionibus erhält Quit- 
tung üb. Zahlung seiner Schuld von fl. 30 bol. 17 für die Würde eines 
Erzi)riesters in Strassb. Für ihn zahlt Heinrich Fuacker (Fucker). 
(Div. Alex. VI Quit. 1496-1500 fl. 2.) — 1496 Nov. 21 Rom. Christo- 
foriis ex marchionibus erhält Quittung üb. seine durch Heinr. Fucker 
bezahlte Schuld von 9OV4 fl- für die portuaria der Strassb. Kirche. 
(Div. Alex. VI Quit. 1496—1500 fl. 2 ».) — 1497 Aug. 21 Rom (Strassb. 
St. Stephan), cf. Pfaffenhoven. — 1498 Feb. 13 Rom. Daniel Messinger 
erhält Quittung üb. Zahlung seiner Schuld von 19 fl. für eine perp. 
vicaria missaria praebenda nuncupata in Strassburg. (Div. Alex. VI 
Quit. 1496—1500 fl. 142) — 1498 Dez. 21 Rom. Joh. Burchard erhält 
die facultas aggrediendi ad perpetuam vicariam regischori in ecclesia 
Argentinensi. (Bulla rest sine oblig.) (Div. Alex. VI Annat. 1499 
Aug. 2 B.) — s. d. Alb Wende, Kölner Kleriker, verbürgt sich der 
cam. apl. für Hyppolitus de Dimo, Supcrior und Propst in Strassb., 
zur Zahlung der Annaten für Kanonikat, Präbende und Präpositur 
mit dem Ertrag von 75 M. S., vakant durch Resignation des Philipp 
ex ducibus Clivensibus. A. R.: Er zahlte 178 fl. (Div. Alex. VI Annat. 
1499 März 5.) — 1499 März 8 Rom. Joh. de Bonos verbürgt sich der 
cam. apl. z. Zahlung der Annaten der perpetua vicaria elemosinaria 
chori nuncup. mit dem Ertrag von 8 M, S. unter Verpflichtung der 
Schuldentilgung innerhalb eines Jahres. (Div. Alex. VI Annat. 1500 

Zcitschr. f. Getich. d. Oberrh. N. F. VII. 1. 10 



146 Meister. 

März 7.) — 1500 Aug. 21 Rom. Arnold Raffin erhält eine jährl. 
Pension von 25 M. aus dem Ertrag der Scholastria der Strassb. Kirche. 
(Bulla restit. sine oblig.) (Div. Alex. VI Annat. 1501 Sept. 29 B.) — 
1500 Aug. 21 Rom. Arnold Raffin verbürgt sich der cam. apl. zur 
Zahlung der Annaten für eine ihm aus dem Ertrag der Scholastria 
der Strassb. Kirche bewilligten Pension von 25 M. S. (Div. Alex. VI 
Annat. 1501 Sept. 29.) — 1500 Okt .?) (St. Agnes, St. Elisabeth, St. 
Katharina), cf. Benfeld. — 1501 Febr. 8 (St. Agnes), ct. Ortemberg. — 
1504 Dez. 16 Rom. Job. Ulmer verbürgt sich der cam. apl. für Elias 
de Westhoflfen zur Zahlung der Annaten der perpet. vicaria anni- 
missariae sive turribulariae nuncupatae in Strassb. mit dem Ertrag 
von 6 M., vakant durch den Tod des Petrus Spodt. A. R.: Er zahlt 
WU fl. (Div. Julii II Annat. 1505 Febr. 27) — 1505 Okt. 31 Rom 
(Sta. Lucia et Odilia), cf. Strassburg Jung St. Peter 1505 Okt. 31. - 
1506 Juli 12 Rom. Wilh. Hogel, der. Herbipolensis , verbürgt sieh 
der cam. apl. zur Zahlung der Annaten einer jährl. Pension von 40 ti. 
auri aus dem Ertrage der Parochialkiiche in Veitkirch und der vi- 
caria von St. Johann Baptista in der Strassb. Kirche. Er versj>richt 
in 6 Monaten zu zahlen. A. R. solvit . . . (Div. Julii II. Annat 1509 
Dez. 12.) — 1507 Dez. 2 Rom. Heinrich de Jos verbürgt sich der 
cam. apl. für den Strassb. Kanoniker Heinrich in Hinunelberg zur 
Zahlung der Annaten einer Pension von 160 fl. rhen. aus dem Ertrag 
der Abtei Heydenhagen Eystett. dioc. (Div. Juli II Annat. 1507 
Dez. 20.) — 1512 Dez. 20 Rom. Leon Griep, laicus Basiliensis, ver- 
bürgt sich der cam. apl. für Melch. Griep zur Zahlung der Annaten 
für mehrere Benefizien mit dem Ertrag von 200 Duk. in Gold, va- 
kant in Basiliensi et Argentinensi civitatibus et diocesibus per cessus 
vel decessum illa obtinentium. Er verspricht die Tilgung innerhalb 
eines Jahres. (Div. Julii H Annat. 1513 Jan. 13.) 

Suffelnheini. 

1429 Juni 21 Rom, Sti. Apostoli. Hermannus Briling erhält die 
Parochialkirche in Suffeinheim mit dem Ertrag von 15 M. S., vakant 
durch den Tod des Konr. Schilling. Für ihn verbürgt sich der cam. 
apl. zur Zahlung der Annaten Thomas de Lantzenberg. (Div. Mart. 
II Annat. 1430 März 23.) 

Sulz (Strassburg St. Thomas.) 

1500 Dez. 24 Rom. Jak. Wimpfelingen erhält eine jährl. Pension 
von 24 fl. aus dem Ertrag der Pfarrkirche in Sulz und eines Kanoni- 
kats an St. Thomas. (Bulla rest. sine oblig.) (Div. Alex. VI Annat. 
1501 Sept. 9 B.) — 1501 Juni 5 Rom. Anton Clihamer verbürgt sich 
der cam. apl. für Job. Briger alias Monschin, Kanonikus an St. Tho- 
mas zur Zahlung der Annaten der Parochialkirche in Sulz mit dem 
Ertrag von 8 M. S., vakant durch Resignation des Jakob Winfelingon. 
(Div. Alex. VI Annat. 1501 Sept. 17.) — 1501 Sept. 16 Rom. Job. 
Berger erhält Quittung über Zahlung seiner Schuld von 19 fl. für die 
Parochialkirche in Sulz. (Div. Alex. VI. Quit. 1500—1503 fl. 110.) - 



Auszüge aus der Camera Apostolica. Bistum Strassburg. 147 

1501 Sept; 17 Rom. Job. Borger erbält Quittung üb. Zahlung seiner 
Schuld von fl. 3 bol. 64 pro residuo annatarum parochialis eccl. in 
Sulz. (Div. Alex. VI Quit. 1500-1503 fl. 110>.) 

Sundhausen.*) 

1425 Febr. 2 Rom Sti. Apostoli. Laurentius Muchart erhält die 
Paroehialkirche von Sunthausen mit dem Ertrag von 10 M., erledigt 
durch resignatio des Jacob Culman. Für ihn verbürgt sich zur Zah- 
lung der Annaten im Lauf von 6 Monaten der Kanoniker in Surburg 
Johannes Pastoris. Derselbe tilgt die Schuld am 19. März 1427. 
(Div. Martini V Annat. 1426 Juli 26.) — 1484 Juni 29 Rom. Job. 
Burkhard, Kanoniker an St. Thomas, verbürgt sich der cam. apl. 
für Ludwig Scriptoris zur Zahlung der Annaten der Paroehialkirche 
in Sunthus mit dem Ertrag von 10 M. S., vakant durch Resignation 
des Job. Gulding. A. R.: Er zahlte fl. 23. (Div. Innoc. VIII Annat. 
1484 Okt. 8.) — 1484 Okt. 7 Rom. Ludwig Scriptor erhält Quittung 
über Zahlung von 23 fl. für die Paroehialkirche in Sinthus. (Div. 
Innoc. Vni Quit. 1484—86 fl. 9. ) 

Surbur^. 

1421 Mai 8 St. Peter. Johannes Pastoris erhält ein Kanonikat 
mit Präbende an der Kirche St. Martin und Arbogast in Surburg 
mit dem jährlichen Ertrag von 8 M. S., erledigt durch Resignation 
des Jacob Werder und des Magisters Johannes Stalberg. Er verbürgt 
sich zur Zahlung der Annaten an die cam. apl. (Div. Martini V 1421 
Mai 28.^ — 1424 Aug. 26 Frascati. Nicolaus Hiltebold verbürgt sich 
der cam. apl. zur Zahlung der Annaten der custodia von St. Martin 
und Arbogast in Surburg mit dem Ertrag von 8 M. S., erledigt durch 
den Tod des Dischone Cantzeler. (Div. Martini V Annat. 1426 März 27.) 
— 1425 März 21 cf. Hoffen 1425 März 21. — 1426 Mai 18 Rom 
St. Peter. Fridericus Reyssen verbürgt sich der cam. apl. zur Zah- 
lung der Annaten der custodia von St. Martin und Arbogast in Sur- 
burg mit dem Ertrag von 8 M. S., erledigt per modum si-neutri. 
(Div. Martini V Annat. 1426 Okt. 26.) — s. d. Johannes Richwin 
erhält das perpetuum beneficium ad altare Ste. Barbarae in St. Martin 
und Arbogast in Surburg mit dem Ertrag von 4 M. S. (Bulla rest. 
sine oblig.) (Div. Martini V Annat. 1426 Juli 29 f. 202. B.) — 1426 
Dez. 3 Rom Sti. Apostoli. Fridericus de Fleckenstein erhält Kano- 
nikat und Präbende an St. Martin und Arbogast in Surburg mit dem 
Einkommen von 8 M. S., vakant durch resignatio des Heinrich Infine. 
Für ihn verbürgt sich der Kanoniker an St. Stephan in Weissenburg, 
Conrad Schmar, zur Zahlung der Annaten an die cam. apl. im Lauf 
von 6 Monaten. Derselbe tilgte diese Schuld am 10. Okt. 1427. (Div. 
Martini V Annat. 1427 Juni 17.) — 1426 Dez. 27 Rom Sti. Apostoli. 
Johannes Richwin erhält ein Kanonikat mit Präbende an St. Martin 
und Arbogast in Surburg mit dem Einkommen von 6 M. S., vakant 

') cf. Straub p. 54, zerstört 1610, mit Geispolsheim vereinigt. 

10* 



X48 Meister. 

durch den Tod des Heinrich Ortelin. Für ihn verbürgt sich der 
Dekan von St. Peter und Michael in Strassburg, Johannes Reysteck 
zur Zahlung der Annaten an die cam. api. (Div. Martini V 1427 
Okt. 31.) — s. d. Andreas Dalen erhält die celleraria an St Martin 
und Arbogast in Surburg mit dem Ertrag von 4 M. S. A. R.: gratis 
pro familiäre d. n. papae. (Bulla rest. sine oblig.) (Div. Martini V 
Annat. 1430 Jan. 11 f. 269.) — 1430 Okt. 24 Rom Sti. Apostoli. Johannes 
Rudolf erhält ein Kanonikat mit Präbende an St. Michael und Arbo- 
gast in Surburg mit dem EIrtrag von 8 M. S., vakant durch den Tod 
des Nicolaus Lohel aut etiam Jacobi Mastyck nee non Martini Weiden. 
Für ihn verbürgt sich Nicolaus Hildebold, Kanoniker an St Thomas, 
zur Zahlung der Annaten an die cam. apl. im Lauf von 6 Monaten. 
Getilgt wurde die Schuld am 8. Juli 1431 durch den litt. apl. abbre- 
viator Unkel. (Div. Martini V Annat. 1431 März 2.) — 1437 Aug. 11 
Ferrarie. Georgius de Lapide erhält die praepositura von St. Martin 
und Arbogast in Surburg mit dem Ertrag von 21 M. S., vakant durch 
den Tod des Fridericus de Fleckenstein. Für ihn verbürgt sich der 
cam. apl. zur Zahlung der Annaten Ludovicus Sculler. i^Div. Eug. IV 
Annat. 1438 Dez. 22 ) — 1465 Okt. 9 Rom. Petrus W>Tnarus papae 
familiaris verbürgt sich der cam. apl. zur Zahlung der Annaten für 
ein Kanonikat mit Präbende und die celleraria an St Martin und 
Arbogast mit dem Gesamtertrag von 8 M. S , vakant durch den Tod 
des Johannes Pollart. (Div. Pauli II Annat. 1466 Juni 23.) — 1470 
Jan. 30 Rom. Jacob Dinger, Propst an St. Martin, und Arbogast ver- 
bürgt sich der cam. apl. zur Zahlung der Annaten der Parochialkirche 
in Surburg mit dem Ertrag von 10 M., vakant durch den Tod des 
Ludwig de Bettis A. R.: Er zahlte am selben Tage 24 flor. (Div- 
Pauli II Annat. 1470 April 30.) — 1475 Dez. 29 Rom. Joh. Kriis cano- 
nicus et cellerarius an St Martin und Arbogast in Surburg, familiaris 
papae, verbürgt sich der cam. apl. zur Zahlung der Annaten für 
Kanonikat mit Präbende und celleraria daselbst mit dem Ertrag von 
8 M. , vakant durch den Tod des Joh. Sartoris. Er verspricht die 
Zahlung innerhalb 6 Monaten. A. R.: Am 27. April 1485 wurde die 
Zahlung unter der weiteren Bürgschaft des Theodericus Hunmagen 
notarius sacri palatii auf weitere 6 Monate verschoben (Div. Sixti IV 
Annat. 1476 Febr. 16.) — 1476 Juni 18 Rom. Joh. Kriis cellerarius 
an St Martin und Arbogast in Surburg, papae familiaris continuus 
comesalis, verbürgt sich der cam. apl. zur Zahlung der Annaten unius 
beneficii ecclesie cum cura vel sinecura cuiuscunque taxae fructus 
existant. Er verspricht die Tilgung der Schuld binnen 6 Monaten. 
I Div. Sixti IV Annat. 1476 Nov. 21. i — 1488 Mai 23 Rom. Fridericus 
Rorick erhält Quittung über Zahlung von 14 '/4 fl. für Kanonikat und 
Präbende an St. Martin und Arbogast in Surburg. (Div. Innoc. VID 
yuit 1487—90 fl. 150.) — 1486 Dez. 4 Rom. Fridericus Rorick ver- 
bürgt sich der cam. apl. zur Zahlung der Annaten für ein Kanonikat 
mit Präbende an St. Martin und Arbogast in Surburg mit dem Ertrag 
von 6 M. S., vakant durch Resignation des Nicolaus Scriptor. A. R.: 
Er zahlte 13 '4 H. (Div. Innoc VIII Annat 1488 Mai 27.) — 1493 



Auszüge aus der Camera Apostolica. Bistum Strassburg. 149 

April (?) cf. Bemheim. — 1493 Mai 8 Rom. Anemannus Hemmat 
erhält Quittung über Zahlung seiner Schuld von duc 14 bol. 20 für 
Kanonikat und Präbende an St. Martin und Arbogast. (Dir. Alex. VI 
1492-96 fl. 65 ».) - 1500 Okt. ? cf. ßenfeld 1500 (?). — 1501 Febr. 8 
Rom. Jac. Scott erhält Quittung über Zahlung seiner Schuld von 
fl. 28 bol. 40 für die Präpositur an St« Martin und Arbogast (IHt* 
Alex. VI Quit. 1500—1503 fl. 5a) 

Tränheiro. 
1431 Not. 27 Rom St. Peter. Johannes Knoptff erhält das per- 
petuum beneficium primissaria nuncup. in der Parochialkirche zu 
Trenheim mit dem Ertrag von 6 M. S., vakant per modum si neutri. 
Für ihn verbürgt sich Paulus Montart saeri palatii notarius zur Zah- 
lung der Annaten an die cam. apl. im Lauf von 6 Monaten. Er tilgt 
die Schuld am 10. Nov. 1432. (Div. Eugenii IV Annat. 1432 Juni 16.) 

Waldolwisheim. 
1505 Okt. 31 cf. Strassburg Jung St. Peter 1505 Okt. 31. 

Wasselnheim. 
1476 Aug. 31 Rom. Job. Messer verbürgt sich der cam. apl. zur 
Zahlung der Annaten der Parochialkirche in Vasseinheim mit dem 
Ertrag von 8 M. S., vakant durch den Tod des Job. Buchowe. Er 
verspricht die TUgung der Schuld binnen 6 Monaten. (Gratla si 
neutri pro non possessore.) (Div. Sixti IV Annat. 1481 Mai 31.) 

[Weissenburg.^) 
s. d. Johannes Dylo de Crucennacho erhält ein Kanonikat in 
der Parochialkirche St. Stephan in Wyszenburg Spir. dioc. mit dem 
Ertrag von 4 M. S. (Bulla rest. sine oblig.) (Div. Martini V Annat. 
1428 April 14 f. 298 B.)] 

Westhofen. 
1481 Jan. 29 Rom. Job. Burchard can. an St. Thomas verbürgt 
sich der cam. apl. für Leonhard Achtsmit zur Zahlung der Annaten 
der perp. vicaria in St. Martin in Westhoffen mit dem Ertrag von 
9 M. S., vakant durch Resignation des Leonhard Denger. A, R. : Er 
zahlte 27 fl. (Div. Sixti IV Annat. 1481 Febr. 16.) — 1482 Febr. 16 
Rom. Leonard Archesnit erhält Quittung über Zahlung seiner Schuld 
von 27 fl. für die perp. vicaria St. Martin in Westhoffen. (Div. Sixti IV 
Quit. 1479—83 fl. 183».) 

Wickersheim. 

1478 Mai 18 cf. Illwickersheim 1478 Mai 18. — 1486 Juni 6 
Rom. Augustinus de collis scriptor apl. verbürgt sich der cam. 
apl für Joh. Stemberg zur Zahlung der Annaten für eine jährliche 
Pension von 90 fl., und zwar 60 fl. aus dem Ertrag der Parochial- 
kirche von Wigersheim und 30 fl. aus dem Ertrag der Propstei in 
St Thomas. A. R. : Er zahlte 31 fl. (Div. Innoc Vm Annat. 1486 



*) Im Bistum Speyer. 



150 Meister. 

Okt. 18 ) — 1487 Jan. 3 Rom. Joh. Stemberg erhält Quittung üh&r 
Zahlung der Annaten von 31 fl. für eine jährliche Pension ans der 
Parochialkirche Wigersheim apud turrcs nuncupata und aus der der 
Präpositur von St. Thomas. (Div. Innoc VIII Quit 1487—90 fl. 3) — 
1496 Nov. 21 Rom. Carolus ex marchionibus erhält Quittung aber 
<lie durch Heinrich Fucker für ihn bezahlten Annaten von 17 '/i fl» 
für eine jährliche Pension aus dem Ertrag der Parochialkirche* in 
Vuigei-pheim (Div. Alex. VI Quit. 1496—1500 fl. 2'.) — 1499 Juni 12 
Rom. Melchior de Baden, Kanoniker an St. Thomas, erhält eine 
Pension von 20 flor. auri rhen. aus dem Ertrag der Parochialkirche 
in Wiggersheym. (Bulla rest. sine oblig.) (Div. Alex. VI Annat. 149^ 
Juli 31. B ) — 1510 April 15 Rom. C.onrad Attenhofer verbürgt sich 
der cam. apl. zur Zahlung der Annaten für eine jährliche Pension 
von 50 fl. aus dem Ertrag der Parochialkirche zu Wigersheim gen. 
zum thurm. P> verspricht Zahlunp: in 6 Monaten (Div Julii 11 
Annat. 1510 Aug. 11.) 

Zabcrn. 

1417 April 7 Constanz. Paul Jemerlich erhält die perpetua vicaria 
in der Pfarrkirche von Zabern mit dem Ertrag von 8 M. S., erledigt 
durch Nicolaus Schoner. Für ihn verbürgt sich Nicolaus Hilteboldi, 
Kanonikus an Jung St. Peter, zur Zahlung der Annaten an die cam. 
apl. (Div. Martini V Annat. 1423 Jan. 29) — 1482 Juli 17 Rom. 
Nicolaus Pegat socius et institutor societatis Victoris de Bakagen et 
Johannis Archivelt mercatoris Brugcnsis verbürgt sich der cam. apl. 
in seinem und im Namen dieser Vereinigung zur Zahlung der Annaten 
für den Prior Joh. Koisser in Zabeni vom dortigen Kloster ord. stri- 
gentium mit 300 M. und für die 4 Priorate in Lare mit 300 M., Lad- 
(law mit 700 M., Montefragore mit 150 M und Steyga mit 150 M 
Einkommen. Er verspricht in 1 Jahr zu zahlen in compositionem 
la) fl. A. R.: 5. März zahlte er fl. 400. (Div. Sixti IV Annat. 1483 
März 6.) 

Zellweiler. 

1479 Jan. 26 Rom Joh Burchard erhält eine jährliche Pension 
von 8 flor. rhen. aus dem Ertrag der Kirche St. Martin in Zellewiller. 
(Bulla rest. sine oblig.) (Div. Sixti IV Annat, 1479 Mai 19. B.) 

Zimmern. 

1484 Dez. 3 Rom. Heinrich Sconleben, Kanonikus an St Thomas, 
verbürgt sich der cam. apl. für Jacobus de Durlach zur Zahlung der 
Annaten der Parochialkirche in Zimmern mit dem Ertrag von 54 flor. 
rhen., vakant durch Resignation des Bilasius Jemerlich. A. R.: Er 
zahlte 19 fl. (Div. Innoc. VIÜ Annat 1485 Jan. 31.) — 1485 Jan. 29 
Rom. Jacobus de Durlach erhält Quittung über 19 fl., die H. Scon- 
leben für ihn bezahlte, für die Parochialkirche in Zimmern. (Div. 
Innoc VIII Quit. 1483— 8() fl. 32 ) 



Auszöge aus der Camera Apostolica. Bistum Strassburg. 151 

Ortschaften, deren Name zweifelhaft. 

1426 März 14 Rom Sti. Apostoli. Ein Kaplan an St. Stephan in 
Weissenburg erhält die Parochialkirche in Bruningerdorf mit dem 
Ertrag von 13 M. S., die mit dieser Kaplanstelle zu vereinen ist. 
Für ihn verbürgt sich der cam. apl. zur Zahlung der Annaten Conrad 
Schmar im Lauf von 6 Monaten. Er tilgte die Schuld am 13 März 
1427. (Div. Martini V Annat. 1426 März 27.) — 1489 Aug. 17 Rom. 
Heinricus erhält Quittung über Zahlung seiner Schuld von 57 fl. für 
(las Priorat an St Dionysius de Willelurd (?). (Div. Innoc. VIII Quit. 
1487—90 fl. 256 ) — 1589 Aug. 8 Rom Franz de Caginsah (Kageneck ?) 
verbürgt sich der cam. apl. für Abt Waricus vom Kloster St. Gorgon 
in Görz (Metz) zur Zahlung der Annaten des Priorats St. Dionysii de 
Valle in Biocha*) mit dem Ertrag von 120 M., vakant durch Resig- 
nation des Jo. Joflfredi. A. R.: dicta die solvit (Div. Innoc. VIII 
Annat. 1489 Aug. 28.) — 1496 Mai 2 Rom. Joh. Burchard resigniert 
auf die Kapelle Uffsantmigelscuegel, die Joh Kemerlinck erhält. Im 
Anhang eine Urkunde, worin Antomistus, Kardinalpresbyter von 
St. Praxedis, den noch schwebenden Streit zwischen Lucas Schlegel 
und seinen Gegnern Georg de Gemagen und Gotifrid de Adeltzheim 
um das Kanonikat und die Präbende des Petrus Schot verzeichnet 
und letztere an Joh. Burchard verleiht. (Div. Alex. VI resignat. 
1496—99 f. 24'. 19. Juli 1496.) — 1500 Febr. 14 Rom. Lucas Conrat 
verbürgt sich der cam. apl. für Jacob Cun, Rektor der Parochial- 
kirche in Mourshus^) mit dem Ertrag von 8 M. S., zur Zahlung ihrer 
Annaten, da sie vakant ist, ex causa permutationis cum caplanaria 
ad altare sancti Michaelis situm in eccl. monasterii Ste. Cläre in foro 
equorum. Ertrag der letzteren 24 M. A. R.: 18. Juli 1500 zahlt er 
Hfl. (Div. Alex. VI Annat 1500 Aug 14) — 1501 Sept. 8 Rom. Joh 
de Orgolhio i?j erhält eine jährliche Pension von 30 Dukaten aus 
dem Ertrag der Parochialkirche in St. Alban und von 3 Duk von 
St. Gerdulph in der Strassburger Diözese. i^BuUa rest sine oblig.) 
(Div. Alex. VI Annat. 1501 Sept. 29. B.) 

^) Vielleiclit Beiicliat iiacli Stoffel ancieiine ferme a Uoron — cense 
cantons Beiicha zwischen Delle und Dannemarie (Dammerkirch) — ') Der 
Name ist so undeutlich, vielleicht Moncshus = Munchhausen. 



Die Grafschaft des Albgaüs. 

Von 

Georg Tumbält. 



Der Albgau hat seinen Namen von dem Albfluss'}, der am 
südlichen Abhang des Feldberges im Schwarzwald entspringend, 
sich zunächst südöstlich, dann südlich wendet und bei Alb- 
brugg in den Rhein fällt.-) Seine Grenzen bilden der Rhein 
im Süden, die Wutach, in ihrem Oberlauf zum Teil Gutach 
genannt, im Osten und Norden und die Murg im Westen'): im 
Nordwesten schliesst der Feldberi? als natürliche Grenze ab. 



') Bader halt diese Zeitschr. lö, 281 es für wahi-scheiulicher, dass die 
Benennung von der Alp, einem hohen Gebirgsrücken westlich von Stühlingen, 
hergenommen sei. Nach Analogie von Frickgau, Aargau, Thurgau ist das 
jidoch nicht der Fall; die Bezeichnung der Gaue ist, wie auch in späterer 
Z<*it die der Departements Frankreichs, so vielfach von den Flüssen her- 
>5«nommen, dass auch hier am ehesten an den Fluss Alb als namengebend 
zu denken ist. — ^) Auch die Alb, welche am Langmartskopfc entspringt 
und an Herrenalb und Ettlingen vorbei in den Rhein fliesst, zum ünter- 
t^chiede untere Alb genannt, hat einem Gau den Namen gegeben. Dieser 
(iau ist wohl von dem oberen Albgau zu unterscheiden. — Ein dritter 
Alppau lebt jetzt noch im Namen Allgäu fort; s. Baumann. Gesch. des 
Ailgiius 1,7. — Über einen vierten ^pafjus Albnc"^ Derselbe, Gaugrafschaften 
im AVirtem bergischen Schwaben S. H6. — •') Bader nimmt diese Zeitschr. 
♦». 'Jf< u. o. die Werrach als westliche (Frenze des Albgaus an; mit Unrecht. 
Vgl die Stelle aus dem Ilabsburg-Osterreichischen Urbar (hrsg. von Pfeiffer 
in der Bibl. des Litterar. Vereins. Bd. 19): „Diu herschaft hat von alter 
irewonheit in den vorgeschribenen dörfern allen [genannt sind mehrere 
l>«»rlVr zwischen Murg und Werrach, die zur Hauenstein'schen Einung 
Kickenbach gehörten] und in andren dörlern unz üf die Murge ie und 
if gerihtet diub unde vrevel, unde rihtet ouch noch, wie joch das sie, 
das diu dorfer gelegen siut in der margrafschaft der marc- 
gi ä ven von llachberg." S. 45 f. Hier ist deutlich die Murg als Grenze 
zwischen Breisgau und Albgau bezeichnet (Pfeiffer erklärt die Murg als 
4iie untere Murg!). - In den der Herrschaft der Gauverfassung gleich- 
yeitigen (Quellen reichen die Ortschaften mit der Bezeichnung ,,im Albgau** 



Die Gra&chaft des Albgaus. X53 

Nur an einer Stelle, Stühlingen gegenüber, greift der Albgau 
auf die linke Seite der Wutach über, wo ein schmaler Land- 
strich mit Schieitheim ihm noch zuzurechnen ist.*) Die an- 
stossenden alten Gaue sind in derselben geographischen Ord- 
nung der Aargau, Kletgau, die (Albuins-) Baar und der Breis- 
gau. Erstmals genannt wird der Albgau im Jahre 781 *), das 
letzte Mal 1120^), dann verliert sich der Name*). Mit neuen 
Gebilden treten auch neue Bezeichnungen an seine Stelle. 

Der Gau war bekanntlich der Amtsbezirk des Grafen, des 
unmittelbaren königlichen Staatsbeamten der Karolingerzeit. 
Folgende Namen von Grafen sind aus dieser Periode überliefert: 



nicht einmal auf die westliche Seite der Alh hmüber; aber die Nennung 
der Orte hängt ja von zufalligen Umständen ab und kann man daraus 
die Ausdehnung des Albgaus nur zum Teil konstruieren. 

^) Füezen jedoch mit Grimmelshofen und Epfenhofen gehörte nicht, 
wie P. Amhrosius Eichhorn, Histor. Nachrichten von der Pfarrei 
Fietisen am Randen, hrsg. von Pletscher, Schieitheim 1883 S. 1, anzu- 
nehmen geneigt ist, zum Albgau, sondern war von altersher ein Bestandteil 
der Landgrafschaft Baar; über die Grenzen dieser Landgrafschaft s.Fürstenb. 
Urk.-Buch IV No. 309 von 1500 Aug. 20. Solche Grenzen sind in der 
Regel uralt. 1509 hat erst Fürstenberg auf die hohen Gerechtsame in 
dem angegebenen Bezirk zugunsten von Schaffhausen verzichtet. — 
^) Wartmann, Urk.-B der Abtei St. Gallen 1,89. - ^) Zürcher Urk.-B. I 
No. 254. Urkunde aus der Zeit 1111/24. — 4) Hier möge angemerkt 
werden, dass in nachstehenden Urkunden unter dem pagiis Albigaugensü, 
Alhegaiige, Albekeute, Albegeiwe nicht unser Albgau, sondern das AUgäu 
zu verstehen ist: 1) 817 Febr. 7. Wisirih überträgt die Wisirihiscella an 
St. Gallen. Wartmann, Urk.-B. der Abtei St. Gallen 1, 212. 2) 839 Okt. 13. 
Isanbirga überträgt 3 Jucharte zu Nordhofen an St. Gallen. Ebd. 1, 354. 
Dieses Nordhofen ist in das heutige Sonthofen im Allgäu aufgegangen. 
3) 86^ Dez. 20. Der Presbyter Ileginhelm schenkt auf Bitte Chadolts 
dessen Besitz zu Staufen an St Gallen. Ebd 2, 155. 4) 905 Mai 10 
Folclierat vertauscht an St Gallen eine Hufe zu Wolarammeswilare gegen 
eine andere zu Fischen. Ebd. 2, 347. Vgl. Baumann, Gesch des Allgäus 
1, 99. 15G. 103. 120. lOl. — Das Mimichinga in pago Chlethgeuve, Wart- 
mann, Urk.-B 1 No. 7G5, welches Wartmann als Münchingen, B.-A. Bonn-* 
dorf, deuten und damit in den Albgau versetzen möchte, ist nebenbei 
bemerkt wirklich das heutige Wunderklingen im Kletgau Vgl. Meyer von 
Knonau in den St. Galler Mitteil. 13, 168 — In der Urkunde Fürstenb. 
Urk.-B. V No. 50 de 995 ist hingegen unter dem Albegou, in dem die 
viWi Lutwanga genannt wird, nicht mit Gerbert, Hist. Nigrae Silvae 1, 151 
das Allgäu, sondern unser Albgau zu verstehen. Vgl. Baumann in der 
Zeitschr. des Hist Vereins f. Schwaben u Neuburg 2, 14 und Fürstenb. 
Urk.-B. a. a. O. 



154 Tumbült. 

I. Die Karolingisclien Grafen. 

Gral Ulrich. Er fungiert: 780 Mai 11. Richsind und 
Wenilo übertragen in öffentlicher Gerichtsverhandlung zu Laus* 
heim ihren Besitz daselbst an die Kirche St. Gallen.*) 

781 Mai 13. Witerich überträgt öffentlich zu Weizeo 
seinen Besitz daselbst mit Ausnahme des Besitzes der Kirche 
an St. Gallen. 2) 

800 Jan. 6. Unnid überträgt im Kloster St. Gallen einen 
Hörigen mit seiner Hufe zu Bonndorf an St. Gallen ^) 

Dieser Ulrich war auch Graf des Breisgaus (786. 788. 
790. 802. 804)*), des Hegaus^), des Linz- und Argen- 
gaues (802. 805)^), des Thurgaus (788. 789. 790. 791. 792. 
795. 796. 798. 799)^), sowie des untern Elsasses (778- 
798. 804)«). 

Bei dieser Häufung von Grafschaften in einer Hand, wie 
es bei Ulrich der Fall war'O, ist es klar, dass der Grat un- 
möglich allen einzelnen Landtagen Vorsitzen konnte. Daraus 
folgt dann weiterhin, dass man sich hüten muss, falls die 
Urkundenschreiber etwa den Grafen nicht namhaft machen, 
daraus weitgehende Schlussfolgerungen zu ziehen. Anderer- 
seits lässt sich aber folgern, dass, wenn der Graf im Eschato- 
koll namhaft gemacht wird, er thatsächlich zugegen war. 



^) Wartmami, U.-B. 3, 08H. — Lauslieim im B.-A. Bonndor£. - 
') Wartmann, U.-B. 1,89. — Weizen im B.-A. Bonndorf. — *) Wart- 
mann, U.-B. 1, 151. — Bonndorf, B -A. Stadt. — ^) Wartmann, U.-B. 
1, 104. 109 119. 158. 169. — ») Nach Wartmann, Urk. No. 115 d. a. 788 
wird eine Übertragung von Gütern im Hegau an St. Galleu in einem 
Grafending des Breisgaus vorgenommen; das ist wohl nur daraus erklÄr- 
lieh, dass der Hegau mit dem Breisgau durch Personalunion des Grafen 
verbunden war. — *) Vgl. Baumann, Gaugrafechaften im NVirtenb. Schwaben, 
zu Linz- und Argengau. — ') Wartmann, U.-B. 1, 112. 114. 118. 121. 12» 
bis 125. 130. 134. 145. 147 — «) Schannat, Corpus tradit. Fuldensium. 
L(?ipz. 1774. S. 30. 62. 86. — Dass der in diesen 3 Elsässischen Urkunden 
genannte Graf Ulrich der Graf des Bezirks ist, folgt einmal aus der ersten 
Urkunde, wo er unter den Zeugen an erster Stelle erscheint, dann aus 
dem Umstände, dass bei allen drei Beurkundungen derselbe Schreiber, 
Namens Asaph, zugegen ist, der demnach Landschreiber im unteren 
Elsass war; wenn dieser einfach vom Grafen Ulrich spricht, so muss der 
(yaugraf gemeint sein. — ») Sonst war Kaiser Karls Grundsatz, jedem 
Cirafen nur eine Grafschaft zu übertragen. Vgl. die Stelle beim Monachus 
Sangallensis in MG. SS. 2, 736 



Die Grafschaft des Albgaus. 155 

In der Elsässischen Urkunde von 804 werden vier Söhne 
Graf Ulrichs namhaft gemacht, Bebo, Gerold, Ulrich und 
Robert, von denen Ulrich und Robert auch in einer St. Galler 
Urkunde aufgeführt werden.*) 

806 scheint Ulrich, dessen Verfügung von 804 wohl die 
letztwillige war, tot zu sein, denn von da ab kommen im 
Breisgau, Linz-, Argen- und Thurgau die Grafennamen Ulrich 
und Robert neben einander vor und sind unter deren Trägern 
wohl die Söhne zu verstehen.^; ' 

Als Graf des Breisgaus erscheint Ulrich und deshalb ist 
ihm auch wohl der angrenzende Albgau zu unterstellen, obschon 
es an direkten Zeugnissen mangelt. Über die Zugehörigkeit 
dieser Grafen zu dem gestürzten Alamannischen Herzogs- 
geschlechte s. Stalin, Wirt. Gesch. 1, 243. 

Graf Erchanger. Er fungiert: 816. Cozpert schenkt in 
öffentlicher Gerichtsverhandlung zu Ewattingen seinen Besitz 
zu Ewattingen, Übungen, Achdorf und seinen Anteil an der 
Kirche Zarten gegen Leistungen des Klosters an ihn an 
St. Gallen. 3) 

821 März 10. In öffentlicher Gerichtsverhandlung zu 
Lausheim verleiht Abt Gozbert dem Albhar gegen Zins den 
von seinem Vater Onheri an St. Gallen übertragenen Besitz 
zu Bachthal.'*) 

Graf Erchanger fungiert auch als Graf des Breisgaus 
(B17. 819. 820. 828)^), als Graf in der Ortenau (826)^) 
und im Elsass (zu Kirchheim) 819''), in welchem Lande er 

Wartmann, U.-B. 1, 151. — «) Ulrich im Breisgau 807 und 809, 
Wartmann, U.-B. No. 190 und 203; im Argengau 807. 809, Wartmann 
No. 197.200; im Linzgau 817, Wartmann No. 226; im Thurgau 814. 815, 
Wartmann No. 212 u. 215. Robert im Thurgau 806, Wartmann No. 188 
u. No. 190 (Thurgau?), und 808. ebd. No. 198; im Argengau 807, ebd. 
No. 192; im Linzgau 813, ebd. No. 211. — 3) Wartmann No. 221. — 
Ewattingen, Ühlingen, Achdorf (1. der Wutach) im B.-A. Bonndorf. 
Zarten im B.-A. Freiburg. — ") Wartmann No. 268. — Lausheim im 
B.-A. Bonndorf. Bachital wohl die jetzige Bachthalmühle bei Ewattingen. 

— s) Wartmann No. 226. 241. 257. 313. — Vgl. auch 2,394, wo ein 
Erchanger als königlicher Sendbote fungiert — Wegen falscher Deutung 
der in der Urk. Wartmann No. 226 genannten Orte macht Neugart, Episc. 
C'onstant. I, 1. 192 den Erchanger auch zu einem Grafen der Bertoldsbaar. 

— «) Schöpflin, Alsatia ill. 1, 788. — ^ Goldast, Rer. Alam. II, 1 p. 72. 
No. 81. — Dass der Graf Erchanger in der Ortenau mit dem gleich- 



|56 Tumbült. 

reichbegütert war. Ob er mit dem 864 gestorbenen Grafen 
gleichen Namens, dem Schwiegervater Karls des Dicken, iden- 
tisch ist, ist aus den Quellen nicht ersichtlich, jedenfalls stand 
er aber zu jenem in einem Verwandtschaftsverhältnis.*) 

[Neugart, Cod. dipl. Alem. Tora. II Ind. II S. 65 zählt unter 
den Albgaugrafen auch Gozpert auf. Aus den 2 Urkunden, 
auf die er verweist, Zürcher U.-B. I No. 57 de a. 844 und 
No. 65 de a. 853, lässt sich aber nichts weiteres folgern, als 
dass Gozpert Vogt vom Kloster Rheinau war.] 

Graf Albarich.*) Er fungiert 855 Juni 2. Engilbert 
überträgt einen Hof zu Lausheim an St. Gallen. Die Hand- 
lung erfolgt öffentlich im Kloster St. Gallen.^) 

AI bar ich ist auch als Graf des Breisgaus nachzuweisen 
und zwar in den Jahren 845 — 868 *), wo ihm Karl der Dicke, 
der Schwiegersohn eines Grafen Erchanger, als Graf folgte.*) 
Dass Albarich zu seinem Vorgänger in der Grafschaft in einem 
Verwandtschaftsverhältnis stand, ist sehr wahrscheinlich. 

Graf Adalbert. Er fungiert: 863 (860) Sept. 7 (3). 
Reginbold überträgt in öffentlicher Gerichtsverhandlung zu 
Ewattingen seinen Besitz in Weizen an St. Gallen.*) 

nnmigen Grafen im Elsass identisch ist, ist nicht zu bezweifeln — Schöpflin, 
Alsatia ill. 1, 788 ist geneigt, den Erchanger auch dem Oberelsass als 
Grafen zuzuweisen ; die betreffende Belegstelle, Wartmann, Ü.-B. No. 313, 
be/.ieht sich aber auf den Breisgau. Im Unterelsass gab es neben der Graf- 
schaft Erchangers gleichzeitig auch die Ruthelins. Schöpflin a. a. 0. 1 , 789. 

*) Mehr lässt sich nicht sagen; vgl. auch Dümmler, Ostfränkisches 
Reich 2. A. 3, 578 Anm. 3. Eine haltlose Genealogie der Grafengeschlechter 
jener Zeit herzustellen hat keinen Wert. — ^) Fickler, Quellen und For- 
schungen etc. XCIV, und nach ihm andere erklären die Namen Albarich 
und Adalbert für identisch. Das ist unrichtig. Beide Namen sind in 
ihrer Bedeutung sowohl grundverschieden, als auch werden sie in den 
Urkunden genau auseinander gehalten, so z. B. Wartmann No. 388, wo 
Adalpret und Albariih neben einander vorkommen. Dabei kann bestehen 
bleiben, dass die Koseform Albizo gleicherweise für Alberich und Albert 
(Stark, die Kosenamen der Germanen 57 u. 145) vorkommt. Wie Fickler 
überhaupt etymologisiert, mag daraus ersehen werden, dass er auch Chadalo 
-^ Adalo = Adalbert = Adalhard erklärt. — -') Wartmann, Ü.-B. No. 442. 
— Die Rechtshandlung erfolgte also ausserhalb des Gaues, in dem die 
Guter gelegen waren, jedoch vor dem zuständigen Gaugrafen. Ebenso 
Wartmann No. 314. 4Hr) u. ö. — ♦) Wartmann, U -B. No. 397. 429. 445. 
4h;. Teil II S. 386 de a. Htil. No. 49(). 504. 541. - *) Vgl. Wartmann, 
U-B. No. 553. - *») Wartmann, U.-B. 2, 108. Fürstenb. U.-B. V No. 15, 2. 
Von Neugart, Cod. dipl. Alem. 1, 291 zum Jahr 854 gestellt. 



Die Grafschaft des Albgaus. 157 

876 Jan. 16. Engilger schenkt in öffentlicher Verhand- 
lung im Walde zwischen Birndorf und Etzwihl seinen Wald- 
besitz in der Etzwihler Mark an St. Gallen.*) 

885 April 24. Reccho überträgt in öffentlicher Verhand-^ 
lung zu Gurtweil drei Hufen in der Mark Kuchelbach mit 
einer Wiese zu Alpfen, einen Weinberg und ein Waldstück 
zu Kuchelbach und einen Acker zu Alpfen an St. Gallen und 
erhält dagegen eine Hufe in Birndorf zu Lehen, ein Pferd 
und ein Fuder Wein.^) 

Graf Adalbert *) verwaltete neben dem Albgau auch den 
Thurgau, den Hegau und Scherragau (und auch wohl 
den Kletgau *)). Als Graf des Thurgaues ^) ist er in den 
Jahren 852, 860 und öfter ^, als Graf des Hegaus 884 und 



J) Warttnann, Ü.-B. 2, 206 No. 594. — Binidorf und Etzwihl im 
B.-A. Waldshut. — 2) Wartmann, U.-B. 2, 248. — Gerbert, Hist. Nigrae 
Silvae 1, 137 setzt die Urkunde zu 884. — Gurtweil, Kuchelbach, Alpfen, 
Birndorf im B.-A. Waldshut. — *) Wenn Pupikofer, Gesch. des Thur- 
gaues, 2. A. 1, 155 diesen Grafen Adalbert zu einem Neffen des Bischöfe 
Luitward von Vercelli macht, auf dessen Bitte er 887 die ihm entzogeneu 
Güter, namentlich die Verwaltung von Rätien, wiedererhalten habe, so ist 
das unrichtig. Schon der Umstand, dass der Bischof Luitward von niederer 
Geburt war, steht der Identität seines Neffen Adalbert mit dem erlauchten 
Grafen hindernd entgegen. Dann aber braucht man die betreffende Ur- 
kunde (Mohr, Urk. zur Gesch. Currätiens und der Republik Graubünden 
Bd. I No. 31. Dümmler, Gesch. des Ostfränk. Reiches 2. A. 8, 283), in der 
übrigens Rätien mit keiner Silbe erwähnt wird, nur zu lesen, um zu der 
Überzeugung zu kommen, dass hier von Zurückerstattung umfangreicher 
Güter gar nicht die Rede ist. — *) Als Kletgaugraf ist Adalbert zwar 
urkundlich nicht bezeugt; denn den gleichnamigen Kletgaugrafen vom 
Jahre 844 (Zürcher U.-B. I No. 57) wird man nicht mit Schmid, Älteste 
Gesch. d. Hohenzollem 1, 105 für unsern Adalbert, sondern mit besserm 
Rechte für den 846 f Thurgaugrafen ansehen (vgl. auch Rätia, Mitteil, 
der geschichtsforsch. Gesellsch. von Graubünden 1, 103). — ^) Vgl. über 
diesen Gau Meyer von Knonau in den St. (Taller Mitteil. 13, 208 ff. — 
*) Quellen zur Schweiz. Gesch. in, 2 No. 3. Wartmann, U.-B. No. 471 
und oft (vgl. die Zusammenstellung bei Pupikofer, (iesch. des Thurgaues 
2. A. 1, 152 ff.). — Das Zürcher U.-B. hält nach der Anm. 3 zu No. 121 
den Albgaugrafen Adalbert mit dem gleichnamigen Thurgaugrafen für 
nicht identisch , da beide in No. 80 von 858 neben einander vorkämen. 
Der Einwand ist nicht stichhaltig. Nach der betreffenden Urkunde ver- 
gabt Wolven seinen Besitz im Thurgau mit Ausnahme desjenigen zu 
Laufen durch die Hand des Königs an Kloster Rh ein au. Die Handlung 
erfolgt in der Königspfalz zu Ulm. Von den genannten um den König 
versammelten Zeagen ist der erste, Graf Gozpert, Vogt des Klosters 



158 



T 11 m h ü 1 1. 



888 0, als Graf des Scherragaues 874. 875. 882, 885. 889 

bej]jlaubigt. Auch fungierte er als königlicher Sendbote. 

Im Jahre 889 scheint Graf Adalbert seine Grafschaften 

Rbeinau, der zweite, Graf Adilbert, zweifellos ein Graf im Thurgau, da 
Vfi sich um die Vergabung Thurgauer Besitzes bandelt, und dann mit 
iinserm schon im Jahr 852 als Thurgaugraf bezeugten Adalbert identisch ; 
<ler dritte Zeuge, Graf Adilhelm, ist auch als Graf i m Thurgau nachzu- 
weisen, vgl. Wartmann No 4ü0; wer aber der vierte Zenge, auch ein Graf 
Namens Adilbert, gewesen sei, mag dahingestellt bleiben. Die Scheidtuig 
des Zürcher U.-B., dass der eine Graf Adilbert Thurgaugraf, der andere 
Albgaugraf gewesen, ist haltlos. 

1) Wartmann Xo. 630 u. OGö. Der Ort Egiuga der letzteren ürk. 
ist um so zweifelloser mit dem Fürstenberg. Ü.-B. V No. 45 auf Ehingen 
im Hegau und nicht auf Eggingen im Albgau zu beziehen, als der Grat 
Adalbert, in dessen Grafschaft dieses Eginga gelegen, durch No. 686 
auch sonst als Graf des Hegaus beglaubigt ist. ^) Baumann, Gaugraf- 
Schäften S. 146. — ") So schliesse ich aus der Urkunde Wartraann, 3 S. 688, 
von 879 Mai 1. Der Inhalt derselben ist folgender: Paldinc überträgt Güter 
im Linzgau, die er der Gnade König Ludwigs verdankte, an St. Gallen 
mit der Bedingung, dass er Zeit seines Lebens hiervon, wie von dem 
Klosterbesitz zu „Achstetten", die Nutzniessung habe: nach seinem Tode 
soll das Kloster die Güter nicht zu Benefiz vergeben, sondern für eine 
Memorie König Ludwigs zu seinem Nutzen verwenden. Die Übertragung 
geschieht in der Königspfalz zu Bodman vor Zeugen, unter denen an 
erster Stelle die Grafen Adalbert, Ulrich und Hiltbold stehen. Dann 
heisst es am Schluss: ^Notavi etc. siib Undeh-icho et Adalberto comüibuH,*^ 
Meyer von Knonau, der die Urkunde zuerst in den St. Galler Mitteilungen 
13, 25() abgedruckt hat, ist der Meinung, dass Graf Ulrich als Graf des 
Linzgaus, in dem die übergebenen Güter gelegen, Graf Adalbert aber als 
Graf des Thurgaus, in dem St. Gallen gelegen, namhaft gemacht sei. Das 
glaube ich nicht. Thatsächlich ist allerdings ja Graf Ulrich in damaliger 
Zeit Linzgau- und Graf Adalbert Thurgaugraf. Aber, so fragt man sich, 
weshalb nennen die Notare denn nicht auch sonst stets bei Traditionen 
iin St. Gallen den Thurgaugrafen neben dem Grafen des Gaues, in dem 
die (iüter gelegen, beziehungsweise des Gaues, wo die Malstätte gelegen. 
Nein, die Nennung der Grafen im Eschatokoll muss einen andern Grund 
haben. Nimmt man an, dass sie als königliche Sendboten fungierten, dann 
wird es erklärlich, weshalb die Übergabe der Güter, die ehedem Königsgut 
waren, vor beiden Grafen vorgenommen wird. Zu der Annahme passt 
auch der Umstand, dass die Übertragung in der Königspfalz Bodman 
und mit Erlaubnis König Karls erfolgt. — Meyer von Knonau macht 
a. a 0. auf die Urkunde Wartmann No. 441 aufmerksam, wo ebenfiills 
zwei Grafen, Ulrich und Gerold, genannt werden. Auch hier könnte die 
Annahme, dass sie als Königsboten aufzufassen sind, zutreffend sein, 
zumal Gerold ein anderes Mal, Wartmann No. 3.^8, ausdrücklich so 
s<rnannt wird. 



Die Gra&chaft des Albgaus. 159 

bis auf die im Thurgau aufgegeben zu haben ^ ; denn in dem 
Jahre (Juni 5) verschenkt König Arnulf an Reichenau Königs- 
güter zu Donaueschingen, welche bis dahin zur Dotation 
der Sc herragraf Schaft gehört hatten und die Graf Adal- 
bert zu Lehen getragen hatte*), ferner erscheint im Albgau 
im Jahre 890 ein Graf Namens Chadaloh (und im Kletgau 
892 ein Graf Gozpert^)). Die Grafschaft im Thurgau hin- 
gegen scheint Adalbert noch beibehalten zu haben, erst im 
Jahre 894 verzeichnet der St. Galler Mönch einen Grafen 
Hadalbertus iunior, während vor und nachher einfach vom 
Grafen Adalbert die Rede ist.*) Mit Bestimmtheit ist Graf 
Adalbert zu erkennen im Jahre 893, wo erzählt wird, dass 
^Ädalbertus, Alamanniae comes iüustris'^ zur Verehrung der 
Reliquien der hl. Walburgis nach Monheim gekommen sei. ■') 
Als iUtistris^ vefierabüis wird nämlich Graf Adalbert auch im 
Jahre 889 bezeichnet.^) Möglicherweise hat er 903 noch gelebt. ') 

[Neugart, Cod. dipl. Alem. Tom. II Index II S. 65 zählt 
unter den Albgaugrafen auch Karl den Dicken auf. Die* 



•) Schmid, Älteste Gesch. der HohenzoUern 1, 105 und Anm. 57 setzt 
den Grafen Adalbert als Albgaugrafen auch noch zum Jahre 894; aus 
Wartmann, U.-B. No. 691 folgt aber nur, dass ein Adalbert in jenem 
Jahre Thurgaugraf war. — *) Füi-stenberg. U.-B. V No. 47. Dass die 
Güter ausserhalb der Grafschaft, zu deren Dotation sie gehörten, lagen 
(über die wechselnden Grenzen der Grafechaft Scherra vgl. Bauniann, Die 
Gaugrafschaften im Wirtembergischen Schwaben, 145 ff.), hängt jedenfalls 
mit der Auflösung der grossen Bertholdsbaar in verschiedene Grafschaften 
zusammen. — ') Zürcher U.-B. I No. 155. — ^) Vgl. Wartmann, U.-B. 
No. 679. 686. 689. 690. 691. — G92. 693. 697. — *) M. G. SS. XV, 542 — 
Monheim im Baier. Schwaben. — ") Fürstenberg. U.-B. V No. 46. 47. — 
') Das folgert Schmid, Älteste Gesch. der HohenzoUern 1, 108 aus der 
Urkunde Wartmann No. 729, wo „Adaibret comes"' und nach ihm „Pure- 
hart comes" aufgeführt sind, während in einem Diplom Ludwigs des 
Kindes von 906, Monum. Boica 28 a, 139 ff'. Puruchard und dann Adalpert 
aufeinander folgen. In ersteren sieht er Adalbert den Erlauchten und 
seinen Sohn Burkhard, in letzteren Burkhard und Adalbert den Jüngern. 
I>agegen lässt sich einwenden, dass man in dem Adalbert bei Wartmann 
No. 729 auch Adalbert den Jüngern sehen kann, indem seine Anführung 
vor Burkhard insofern gar nicht auffallend ist, als er der Graf des be- 
treffenden Sprengeis ist. Besser hätte Schmid für seine Folgerung W art- 
mann No. 726 von 903 Juni 24 und Monum. Boica 28 a, 129 No. 93 von 
903 Juli 9 herangezogen, wo dieses Bedenken fortfällt. In beiden Ur- 
kunden scheint wirklich Adalbert der Erlauchte noch vorzukommen. Vgl. 
die Anm. 2 bei Dümmler, desch. des Ostfränk. Reiches 2. A. 3, 569. 



160 Tumbült. 

Urkunde^ Wartmann, U.-B. der Abtei St. Gallen No. 585 de 
a. 874, lässt sich aber nicht dafür verwerten. Earl wird dort 
als princeps Älamanniae und nicht als Afbgaugraf genannt 
Karl war Breisgaugraf.] 

Graf Chadaloh. Er fungiert 890 März 21: Sigimnnt 
überträgt in öffentlicher Verhandlung zu Gurtweil seinen Besitz 
zu Buch und Aisperg an St. Gallen und empfängt dagegen 
Klosterbesitz in Birndorf zu Lehen.*) 

Graf Chadaloh verwaltete auch den (untern) Aargau 
(891. 894). 2) 

Graf Liutho. Er fungiert 929 Febr. 12: Propst Ruad- 
pret tauscht von Engilbold ein Gut in Weilheim gegen eine 
Hufe und 5 Jauchert in Alpfen ein. Die Handlung erfolgt in 
Eberfingen. ^) 

Graf Liutho wird auch als Graf im Zürichgau genannt, 
und zwar von 924—952*); zugleich ist er Vogt des Zürcher 
Chorherrnstiftes. 

Das sind die überlieferten Grafen des Albgaus im Karo- 
lingischen Zeitalter. 



n. Die Grafen zur Zeit der Auflösung der Gau- 
verfassung. 

In den Besitz- und Grafschaftsverhältnissen des Albgaus 
findet in der Zeit von der Mitte des 10. bis zur Mitte des 
12. Jahrhunderts, in welche Zeit auch die erbittertsten Kämpfe 
zwischen Papsttum und Kaisertum fallen, ein mannigfaches 
Geschiebe statt, das wir aber im einzelnen aus Mangel an 
Nachrichten nicht verfolgen können. Nur aus ein paar Ur- 
kunden kennen wir die nackten Namen einzelner Grafen, die 
wir aber, obschon die Erblichkeit der Grafschaften, die schon 
zur Karolingerzeit vielfach thatsächlich bestand, jetzt Regel ist, 
nicht einmal mit völliger Gewissheit diesem oder jenem Hause 
zuweisen können. An eine Kongruenz der Komitate dieser 

^) Warlmaiin, U.-B. No. 676. — Buch, Aisperg, Biradorf im Bez.-A. 
Waldshut. — '-'> Wartmann No. 682 u. 694. — Baumann wiU, Würtemb. 
Viertcljahrshefte 1, 32 Anm. 4, diesen Grafen mit dem gleichnamigen 
Grafen von 854 zusammenbringen. — ') Wartmann, U.-B, 3. No. 788. 
Die genannten Orte im BA. Waldshut. — ♦) Zürcher U.-B. I. No. 188, 
191, 197. 199, 200, 202. 



Die Grafschaft des Albgaus. l^\ 

Grafen mit dem Gau ist wohl nicht zu denken. Die Gau- 
verfassung ist eben in voller Auflösung, bis schliesslich ihre 
Reste in der Landgrafschaft gesammelt werden. 

Graf Berthold. 1047 April 27: Kaiser Heinrich III. 
schenkt seinem Getreuen Megingod einen Königsmansus in 
der Villa Waldkirch, im Albgau und in der Grafschaft Ber- 
tholds gelegen.^) 

Dieser Graf Berthold gilt allgemein als der Zähringer, der 
spätere Herzog Berthold I. Das einzige aber, was ich zur 
Stütze dieser Ansicht beizubringen weiss, ist der Umstand, 
dass Herzog Berthold, wie Krüger sehr wahrscheinlich gemacht 
hat ^), mütterlicherseits von den Nellenburgern abstammt. Die 
Nellenburger hatten aber nachweislich im Albgau Besitz und 
so könnten auch die Zähringer hier Besitz erworben haben, 
wenngleich näheres darüber nicht bekannt ist. — Anderer- 
seits fällt aber ins Gewicht, dass Herzog Bertholds Grafschaft 
im Albgau durch kein weiteres Zeugnis belegt ist^), und so 
mag auch ein anderer Berthold ins Auge zu fassen sein. 
Vgl. darüber unten das zu Graf Otto Gesagte. 

Graf Gerhard. Er wird erwähnt zum Jahr 1071, da 
König Heinrich IV. für sein und seines Vaters Seelenheil dem 
Kloster St. Blasien 7^/« Hufen schenkte, die er sich, da sie 
nicht sein eigen waren, von dem Herzog Rudolf [von Rhein- 
felden] zu diesem Zwecke erbeten und erhalten hatte. Die 
Grundstücke lagen in der villa Eklängon in pago Alpegoime 
et in comitaiu Gerhardi comitis.^) Diesen Gerhard hat man 
fälschlich für einen Zähringer gehalten und mit Gebhard, 
dem Sohne Herzog Bertholds I. und nachmaligen Bischof von 
Konstanz, identifiziert. *'') Allein Gerhard und Gebhard sind sehr 

ij Herrgott, Geneal. Habsb. II, No. 178. — Waldkirch im BA. Walds- 
hut. — '^) Krüger, Zur Herkunft der Zähringer, in dieser Zeitschrift N. F. 
iJ (If^yi , 600 if. — 3) Krüger fühil an, dass der spätere Herzog Berthold I. 
in denselben Grafschaften, wie sein Vater Becelin nachweisbar sei, näm- 
lich im Thurgau, Breisgau und in der Ortenau; nur im Albgau sei der 
Vater niclit nacliweisbar (a. a. 0. 579). — Heyck, Gesch. d. Herzoge v. 
Zähringen, nimmt an, dass Berthold I. unter dem Herzogtum Rudolfs 
von Rheinfelden die Grafschaft des Albgaues wieder aufgegeben habe; 
vgl. S. 19 u. 30 f. Wir wissen nichts davon. — *) Herrgott, Geneal. 
Habsb. II, 1 No. 184. Dümg6, Reg. Bad. 21—23. Fürstenb. U.-B. V, 
No. 66. — Ober-, Untereggingen im BA. Waldshut. — *) Wanner, 
Forschungen z. ältesten Gesch. des Kletgaues. Frauenfcld 1887. S. 36. 

Zeit»chr. f. Gesch. d. Oberrb. N. F. VII. 1. 11 



162 Tumbtilt. 

verschiedene Namen, und darf man mit dem überlieferten 
Namen Gerhard nicht in solcher Weise umgehen. Bis jetzt 
ist es noch nicht gelungen, näheres über diesen Grafen und 
seine Grafschaft beizubringen; eine Familie, wo der Name 
Gerhard zu Hause ist, lässt sich schon namhaft machen, allein 
damit ist der Forschung nicht gedient. 

Graf Otto. 1106 März 26: Berthold von Gmünd schenkt 
an Kloster Allerheiligen Güter in Amertsfeld „m pago Alpe- 
gouve in comitatu OtUmis^ .^) Man geht wohl nicht irre, wenn 
man den hier genannten Grafen Otto mit dem Grafen Otto 
zusammenbringt, der in Gemeinschaft mit seinem Sohn Frie- 
drich, dem Herzog Rudolf von Rheinfclden, Graf Ekbert von 
Sachsen u. a. das Gut Schluchsee an St. Blasien schenkt.^) 
Diesen erklärt nun Herrgott, Geneal. Habsburg. II No. 198 
für einen Grafen von Kirchberg mit Berufung auf die Ur- 
kunde No. 205, nach der ein Graf Otto von Kirchberg der 
Schenkung des Ortes Ochsenhausen an St. Blasien beiwohnte. 
Allein es ist gar kein Grund vorhanden, die Identität beider 
( Trafen anzunehmen. 

Der Graf Otto und sein Sohn Friedrich muss notwendig 
in der Verwandtschaft des Herzogs Rudolf von Rbeinfelden 
gesucht werden, da er offenbar auch Rechte an dem Gut 
Schluchsee hatte. Der Albgauische Besitz des Hauses Rhein- 
fclden rührt nun zweifellos von den Grafen von Öningen her, 
von denen wir wissen, dass sie im Albgau begütert waren'); 
Herzog Rudolfs Vater Kuno hatte eine Angehörige des Hauses 
Oningen zur Mutter.*) Mit dem Hause Rheinfelden war aber 
auch das Haus der Grafen von Diessen gleichzeitig in das 
Oningensche Erbe eingedrungen, indem Graf Friedrich!., der 

*) Quellen z. Schweiz. Gesch. III, 1 No. 44. — Amertsfeld bei Grafen- 
hausen im BA. Bonndorf — *) Siehe die Bestätigung durch Kaiser Hein- 
rich y. im Jahre 1125. Dümg^, Reg. Bad. No. 78. Die Schenkung selbst 
kann nach den Forschungen Gisi's, Anz. f. Schweiz. Gesch. 1887 S. 30, 
in das Jahr 1053 fallen. — 3) Jq ^^r ßestätigungsurkunde Kaiser Otto's I. 
für die durch den Grafen Kuno von Öningen gestiftete Kirche zu Öningen 
Yon 965 Jan. 13 wird auch unter den Besitzungen der jungen Stiftung 
solcher zu Ühlingen aufgeführt. Siehe Dümg^, Reg. Bad. S. 8. — *) Siehe 
über die Verwandtschaft den Artikel „Rudolf von Rheinfelden*^ (von 
Meyer von Knonau) in der Allgem. deutschen Biographie 29, 557 ff. und 
Gisi, Der Ursprung des Hauses Rheinfelden im Anz. f. Schweiz. Gesch. 
1887 S. 26 ff. 



Die Grafechaft des Albgaus. 163 

Stammvater der Grafen von Diessen, ebenfalls mit einer An- 
gehörigen des Hauses Oningen verheiratet war.*) Da aber 
bei den Grafen von Andechs- Diessen die Namen Friedrich, 
Berthold und Otto begegnen, da femer nach dem Nekrolog 
von Diessen ein Graf Friedrich aus dem in Rede stehenden 
Geschlecht zu St. Blasien im Schwarzwald beerdigt ist*), so 
kann man mit ziemlicher Sicherheit den Grafen Otto und 
seinen Sohn Friedrich, die Mitvergaber an St. Blasien, als 
Grafen von Diessen ansprechen. Dann wäre dem Otto I. aus 
der von Oefele entworfenen Stammtafel dieses Geschlechtes, 
der selbst Sohn eines Friedrich ist, ein Sohn Friedrich beizu- 
legen, was nach dem S. 163 Anm. 2 Gesagten unbedenklich 
erscheint. Der Albgaugraf Otto von 1106 wäre aber dann 
wohl der Graf Otto II. (bei Oefele). Wer weiss, ob nun nicht 
auch der Albgaugraf Berthold von 1047 der Graf Berthold I. 
(bei Oefele) ist Über den Verbleib der Besitzungen wissen 
wir allerdings nichts. 

Graf Berthold. 1112 April 22: Berthold von Gmünd 
schenkt sein Eigentum zu Weiler j^in pago Albigoiwe in comi- 
tatu BertcMi^ «an Allerheiligen.^) Man hat diesen Berthold für 
ilen Zähringer Herzog Berthold III. erklärt und in Erwägung, 
dass Herzog Berthold III. der Sohn der Agnes von Rhein- 
felden, der Tochter Herzog Rudolfs, des Gegenkönigs, war, 
ziehe ich diese Erklärung jeder andern vor. Auffallend bleibt 
nur, dass die Zähringer späterhin nicht mehr im Besitz einer 
Grafschaft im Albgau angetroffen werden, und doch waren sie 

') Oefele, Gesch. der Grafen von Andechs, Innshr. 1877, S. U, ist ge- 
neigt, die Nachricht der Historia Welforum Weingartensis (M. G. SS. 21, 
460) von der Verheiratung einer Tochter Graf Kuno's von Öningen mit 
einem Grafen „de Diezon** für Fabelei zu halten. Es ist das Verdienst 
Gisi's, die ganze Stelle wieder zu Ehren gebracht zu haben; a. a. 0. 26flF. 
2) Das älteste Nekrolog von Diessen hat zu 9. Kai. Febr.: „Fridtricits 
com., t^epultus ad S, Blastum in JSligra Silva*'. Baumann, Necrol. Germ. 
1, 10. Dem gegenüber ist doch die Notiz im Nekrolog von Seon zu 11. 
Kai. Jul.: „Anno 1075 Fridei'icus comes de Andex, htc xaceV* nicht mit 
Oefele a. a. 0. S. 14 auf denselben Friedrich zu beziehen. Bezieht man 
die zwei Notizen, mit denen je eine der zwei weitern von Öfele a. a. 0. 
angezogenen Stellen parallel geht , auf zwei verschiedene Friedrich (viel- 
leicht fügt das Nekrolog von Seon nicht unisonst hie iacet hinzu), so 
sind die Widersprüche hinsichtlich des Todestages und Begräbnisortes 
gehoben. — ^) Quellen z. Schweiz. Gesch. III, 1, No. 50. — Weiler der 
Weilerhof bei Eiedern, BA. Bonndorf. 

II* 



164 Tiimbült. 

im allgemeinen nicht die Männer, sich von Besitzungen und 
Rechten verdrängen zu lassen. 

Graf Gerung, zubenannt von Stühlingen. Ein direktes 
Zeugnis dafür, dass er im Albgau einen Komitat gehabt habe, 
liegt nicht vor; denn aus der Benennung „von Stühlingen* 
lässt sich bekanntlich nicht folgern, dass seine Grafschaft um 
Stühlingen gelegen gewesen, aber doch ist es anzunehmen^ 
weil Stühlingen der Ott einer alten Landgerichtsstätte ist. 
Dieser Graf Gerung wird mit der Bezeichnung cotnes de Stu- 
lingm nach 1106 erwähnt, wo er einer Güterübertragung durch 
Friderun an das Kloster Rheinau beiwohnt.*) 

Ohne Zweifel ist er aber auch der Graf Gerung, der als 
Zeuge bei der Stiftung des Klosters Alpirsbach genannt wird*), 
und der ^.Gerung de Sfulwga*' ^ der 1093 gleich nach dem 
Grafen Burkhard von Nellenburg als Zeuge für Allerheiligen 
auftritt'), wie auch der y^Gertind de Sfblingin^ in der Be- 
urkundung der Besitzübertragung Bernhards von Griessen an 
Kloster Rheinau zur Zeit Kaiser Heinrichs V.*) Höchstwahr- 
scheinlich ist er ein Nachkomme des auch nach Rüdlingen 
zubenannten Kletgaugrafen dieses Namens von 1067 und 1087^), 
wenn er nicht mit ihm identisch ist. Des letzteren Vorfahr 
als Graf im Kletgau heisst nämlich Leuthold (1064)*), Leu- 
thold ist aber auch der Name eines Bruders unseres Grafen 
Gerung. ') 

Zu derselben Sippe gehört otfenbar auch das Haus Weis- 
senburg; Leuthold von Weissenburg, der Zeitgenosse unseres 
Grafen Gerung und Vogt von Rheinau*^), vergabte, da er ohne 
leibliche Erben war, seinen Besitz in Erzingen, Weissenburg, 
Weis weil, Rüdlingen und Buchberg an Kloster Rheinau.') 
Unter den Umständen ist die Möglichkeit nicht ausgeschlossen ^ 

1) ¥M. III, 2, S. 58; Zürcher Ü.-B. I, No. 256. — *) Würtemberg. 
U.-B. 1, 316; Fürstenberg. U.-B. V, No. 71. — s) Quellen z. Schweiz. 
Gesch. in, 1, 30. Das Zürcher U.-B. 1, 142 Anm. 3 setzt die Urkunde 
nach Neugart, Cod. dipl. Alem. II, 33 talschlich zu 1083. — *) Zürcher 
U.-B. 1, No. 253. — 5) s. Quellen z. Schw. Gesch. III, 1, 13 u. 16. — 
Rüdlingen im Kant. Schaff hausen. — ') S. die Besitzbestätigungsurkunde 
Heinrichs IV. für Kloster Ottmarsheim von 1064 in den Mitteil, d, Instit. 
f. Osterr. Gesch. V, 405 und bei Schulte, Gesch. der Habsburger in den 
ersten drei Jahrhunderten S. 4. — ") Zürcher U.-B. I, No. 253. — •) Ebda. 
— ^) Ebda. No. 255. — Die genaiuiten Orte liegen sämtlich im Kletgau; 
Weissenburg bei Weisweil ist zerstört. 



Die Grafschaft des Albgaus. 165 

<lass Graf Gerung von Stühlingen ihm in der Vogtei von 
Rheinau folgte. Die schon angeführte Besitzübertragung der 
Friderun an das Klaster Rheinau erfolgte nämlich bei Ramsen 
im Hegau vor dem Grafen Ulrich von Ramsberg und in Ge- 
genwart des Grafen GerungJ) 

111. Die Landgrafen des Albgaues (oder von 

Stühlingen). 

Die Landgrafschaft begreift die Trümmer der alten Gau- 
grafscliaft in sich, sie bedeutet deren Fortexistenz unter ver- 
änderten Verhältnissen. Der Landgraf ist „nichts anderes als 
Gaugraf oder Graf mit einem alten Gau- oder Landgericht".*) 

Der erste Landgraf des Albgaues ist Rudolf von Lenz- 
burg, der unter dieser Bezeichnung {comcs provinciae)^ was 
bisher merkwürdigerweise ganz übersehen ist, in einer Ur- 
kunde König Konrads IIL von 1150 erscheint:^) 

Unter seinem Vorsitz entscheidet das Gaugericht, an das 
die Sache vom König verwiesen war, dass der seit langen 

1) Zürclier U.-B. No. 256. — Die Stücke No. 253—256 sind sämtlich 
UDJienügend datiert; im Rlieinauer Cartular folgen sie genau in entgegen- 
gesetzter Reihenfolge; dass sie aber dort nicht chronologisch folgen, geht 
aus der Stellung von No. 254 u. 255 hervor, weshalb das Zürcher U.-B. 
sie mit gutem Grund anders geordnet hat, und in dieser Ordnung habe 
ich sie benutzt. — ^) Diese Erklärung von Waitz, Veriassungsgeschichte 
7. Gl ist unumstösslich richtig. — Schröder, Deutsche Rechtsgeschichte 
4*^7 ff. , will nach dem Vorgang von Schenk zu Schweinsberg (in 
den Forschungen z. D. G. 16, 525 ff.) nur in der LÄndgrafschaft von Ober- 
und Unterelsass und Thüringen das wahre Wesen dieser Institution er- 
kennen; er definiert die Liandgrafen als Grafen, die unabhängig von ihrer 
Grafschaft in einem grösseren Sprengel mit der Wahrung des Liandfriedens, 
dem Vorsitz in den Landfriedensgerichten und der Handhabung des Ge- 
leitsrechtes betraut waren, und bezeichnet die übrigen Landgrafschaften 
als Entartungen. Jedoch ist seine Definition nach Schulte, Gesch. der 
Habsburger S. 76ff , was Schröder übersehen hat, für die Landgrafen 
vom Ober- (und Unter-) Elsass und nach Dobe necker. Über Ursprung 
und Bedeutung der Thüringischen Landgrafischaft, in Zeitschr. des Vereins 
f. Thür. Gesch.- u. Altertumsk. 15, 301 ff. (1891) auch für die Landgrafen 
von Thüringen hinfällig. Im Elsass wie in Thüringen beruhte die Land- 
grafschaft genau auf derselben Grundlage wie anderswo , so dass die Er- 
klärung von Waitz auch für sie zutrifft. — ') Der Landgrafentitel des 
Grafen Heinrich von Heiligenberg im Linzgau im Jahre 1169 ist also gar 
nicht so vereinzelt, wie Schenk zu Schweinsberg in Forschungen etc. 16, 
548 f. glaubt. 



165 Tambült. 

Jahren zwischen den Gotteshäusern Allerheiligen und St BlasieD 
strittige Berg Staufen St. Blasien gehöre; König Konrad be* 
kräftigt den Entscheid 1150 durch Brief und Siegel.*) 

Dieser Graf Rudolf von Lenzburg ist von 1141 — 115ft 
nachzuweisen.*) Wie sein Vater hatte er auch die Vogtet 
von Rheinau inne % von der vorhin angenommen ist, dass sie 
auch im Besitz des Grafen Gerung von Stühlingen gewesen sei* 

Nach dem Aussterben der Grafen von Lenzburg (1172) 
kam die Landgrafschaft an die Freiherren von Küssaberg. 
Der induktive Beweis ist folgender: 

Heinrich Graf vou Küssaberg, der 1240 eine Tradition an 
St. Blasien bekundet, wird in einer erneuerten Bestätigung 
derselben durch den Bischof Heinrich von Konstanz von 1245 
Graf von Stühlingen genannt.*) Verfolgt man nun die 
Grafen von Küssaberg rückwärts, so stösst man zuletzt auf 
Heinrich, der als der erste seines Geschlechtes 1177 mit 
der Bezeichnung »Graf" vorkommt^), während noch 1168 ein 
Heinricus de Chussmlerc einfach unter den Edelfreien er- 
scheint.^) Daraus ergiebt sich die Schlussfolgerung, dass der 
Komitat des Albgaues oder mit anderm Namen die Grafschaft 
Stühlingen, die nach dem 1172 erfolgten Aussterben des Hauses 
Lenzburg erledigt war, dem obengenannten Grafen Heinrich 
von Küssaberg von 1177 verliehen worden sei. 

Für die Grafen von Küssaberg kommen weiterhin folgende 
Urkunden in Betracht: 

U. de Chussachperg ist unter den gräflichen Zeugen in 
einem kurz nach 1216 von Bischof Konrad von Konstanz aus- 
gestellten Diplom.^) 

1228 zeugen Heinrictis et Vlricus coniües de Chussaperch 
für Graf Rudolf den Alten von Habsburg.**) 

1229 ist H. conies de Cusseberc Zeuge für Bischof Konrad 
von Konstanz.^) 

M Quellen z. Schweiz. Gesch. III, 1 No. 71. — Der Staufen ist der 
Berg Hohstaufen südlich vom Schluchsee. — Der Streit war zwar damit 
noch nicht endgiltig erledigt; vgl. Schulte in dieser Zeitschr. N. F. 3, 12ö- 

— 2) S. Kiem in QueUen z. Schweiz. Gesch. III, 3 S. 12. — ^) Hohen- 
haum van der Meer, Kurze Gesch. des Gotteshauses Rheinau S. 76. — 
*i Die beiden Urkunden sind gedruckt in dieser Zeitschrift 3, 252, 263. 

— ^) Zürcher U.-B. I, No. 329. — •) S. die Urkunde bei Gerbert, Hißt 
Nigrae Silvae DI, No. 63. — •) Zürcher U.-B. 1, No. 381. — ') Ebda. 
No. 446. — •) Herrgott, Gen. Habsb. H, No. 289. 



Die Grafschaft des Albgaus. 167 

1 240 am Stephanstage weilt Eeinricas comes de Cussaperc 
zu St. Blasien. Er tritt daselbst einmal als Zeuge für Abt 
Arnold auf^) und beurkundet selbst, dass sein Ministerial 
Gerung Strubel ein Eigengut zu Lauchringen an das Kloster 
geschenkt habe.^) 

Letzterer Graf Heinrich von Küssaberg, auch von Stüh- 
lingen genannt (s. oben), war mit einer Tochter des Grafen 
Albrecht von Habsburg und Schwester des späteren Königs 
Rudolf L vermählt.^) Die Ehe blieb kinderlos und Graf Hein- 
rich verkaufte kurz vor 1245 Juni 16 seine Güter der Kirche 
zu Konstanz.*) Nach seinem Tode^} brach aber, wohl an- 
lässlich der Scheidung von Allod und Lehen, eine heftige Fehde 
zwischen seinem Schwager Heinrich von Lupfen ^) und der Kon- 



») Gerbert, Hist. Nig. Sil. III, No. 101. — ') Diese Zeitschrift 3, 252. 
— ^) „Comes Albertus de Hahispurch de uxore sua Hberos geniiit. Fiiin 
una ntiptui traditnr comiti de Citssaperch,** Chron. Colraar. in M. G. 
SS. 17, 240. Sie war in zweiter Ehe mit dem Grafen Otto von Ochsen- 
stein vermählt: „Habuit comes de Küssaberg sororem ipsius liuäolfi de 
Habesburg f quo defuncto sine liberis eadem Ottoni de Ochsemtem data 
est in uxorem." Alberti Argent. Chronic, gedr. Urstisius, Germ, histori- 
corum illustr. 16.0. 2, 98. Wie sie geheissen hat, darüber gehen die An- 
gaben auseinander. Hei RoepeU, Die (irafen von Habsburg, heisst sie 
Kunigunde. G. de Roo, Annal. rer. ab Austriacis Habsburgicae gentis 
principibus a Rudolpho I. usque ad Carolum V. gestarum. Oenip. 1592 
S. i) nennt sie Berchta. Die besten Quellen schweigen darüber. Vgl. 
Herrgott, (ieneal. Habsb. 1, 129 f. und Gerbert, Hist. Nigr. Silv. 2, 23 u. 
3, 133. — ^) Von 1245 Juni 1(3 ist die zu dem Verkauf in unmittelbarer 
Beziehung stehende Urkunde des Bischofs Heinrich von Konstanz, gedruckt 
in dieser Zeitschrift 3, 253, datiert. Die Verkaufsurkunde selbst besitzen 
wir nicht. — Die Stelle bei Mone, Quellens, d. Bad. Landesgesch. 3, 630: 
^1240. Venerunt fratres minores Constantiam et gratiose suscepti a da- 
mino Henrico de Thannecl', domino in Than et Kussenberg , episcopo 
(jonstantiensi, j^^'^^^^P^ imprimis pacifico et religiosorum nc pauperurn 
patre et patrono amantissiwo" lässt sich für die Zeitbestimmung des Ver- 
kaufs von Küssenberg nicht heranziehen. — ^) Wann derselbe erfolgt ist, 
wissen wir nicht genau; wenn Zapf, Monum. anecdota, Augsb. 1785, 1, 
3S7 den Grafen noch unter den Zeugen der Urkunde des Klosters St. 
Katharinenthal bei Diessenhofen von 1250 Jan. 4, Herrgott, Geneal. Habs- 
burg. II, No. 357, erkennen will, so ist zu bemerken, dass der dort ge- 
nannte Ritter „//. de Chussachpergh'' zweifellos ein Ministerial ist, der 
von dem Bischof von Konstanz auf die Burg gesetzt wurde. — ^) Hohen- 
lupfen im OA. Tuttlingen. Von der einst grossartigen Burg bezeichnen 
jetzt nur noch Gräben und Schutt die Stelle, wo dieselbe einst gestanden. 
S. die Oberamtsbeschreibung. Stuttg. 1879. S. 448 f. 



1(J8 Tumbült. 

Stanzer Kirche aus*), die schliesslich durch den Vertrag von 
1251 März 13*) beendigt wurde. Nach dieser deutsch ab- 
gefassten und darum auch als Sprachdenkmal höchst inter- 
essanten Urkunde erkennt Heinrich von Lupfen den Verkauf 
an, wogegen Konstanz ihm die Burg Stühlingen nebst 12 Mark 
Silber Hufenzins zu Lehen gibt; ausserdem erhält Heinrich 
von den streitigen Gütern aus der Hinterlassenschaft seines 
Schwagers diejenigen, welche Lehen sind. 

Der Erwerb von Stühlingen war für die Edlen von Lupfen 
dadurch von grösserer Bedeutung, als sie auch die Landgraf- 
schaft als Reichslehen überkamen. Von einer Belehnung ist 
freilich nichts bekannt, doch befindet sich die Grafschaft 
1262 im geteilten Besitz der Familie.'*) 1293 urkundet Eber- 
hard von Lupfen, ein Ritter und Graf von Stühlingen*); 
1294 verkauft Heinrich von Lupfen seinen Teil an Burg, Stadt 
und Grafschaft Stühlingen an seinen Vetter Eberhard.*) 
Ob dieser Verkauf auch eine Folge war des bekannten 1282 
zu Ehnheim ergangenen Rechtsspruches, dass keine Grafschaft 
im Reiche ohne königliche Zustimmung geteilt, verkauft oder 
gemindert werden dürfe, ist nicht mit Bestimmtheit zu sagen. 
1296 kommt dann zum erstenmal wieder seit 1150 für 
den Inhaber die Bezeichnung „Landgraf" vor: Graf 
P^gen von Freiburg und Herr Eberhard von Lupfen, Landgraf 
zu Stühlingen, vergleichen sich wegen der Herrschaft Lenz- 
kirch. ^) 

1) Nenigart, Episr. Coiist. I, 2, S. 140 f. - «i Zuletzt gednickt Fürsten- 
herjr. U.-B. V, No. 150. — ^) S. die Urkunde im Fürst eiiberg. U.-B. V, 
No. 1(>8, in der auch zum erstenmal Stüldingen als Stadt erwähnt wird. 
Die bei dem Mangel weiterer Nachricliten schwer verständlicbe Urkunde 
giebt aucb einen Beleg, dass der von Glatz, C4escb. der Landgrafen von 
Lupten-Stühlingen (Schriften des Ver. f Gesell, u. Naturgesch. d. Baar 
1, 1 tf.) entworfene Stammbaum mangelhaft ist. - *) Fürstenb. U.-B. V, 
No. 200. - *; Ebda. No. 207. - ') Ebda No. 274. — Die Angabe bei 
Zi.pf, Monum. anecdota. 1, :)b7, nacb Van der Meer: „Kberharäus I (de 
L, liefen) iam anno 125(i vocatur Fraefedus Provincmlis SthüUngae in 
(hnrta, qua distinf/uuntiir finen Diinastiae Lefizkirchensis cum Camite 
F.d'we. de Fiirstevhn-n''. eine Angabe, die dann von Bader in dieser Zeit- 
MliriftS, 255. Glaiz, Gescb d. Landgrafen von Lupfen-Stühlingen a. a. O. 
S. ]\\ und Franck, Die Undgrafschaften des hl. Komischen lleiches S. 82, 
auch von Schenk /u Scbweinsberg , Beiträge zur Frage nach der Bedeu- 
tung der I^ndgrafscbaft, in Forsch, z. D. G. 10, 552, wiederholt wird, 
beruht auf weiter nichts als einer irrigen Datierung der Urkunde von 



Die Grafechaft des Albgaus. 159 

Die Herren von Lupfen, Landgrafen von Stühlingen, blieben 
im Besitz der Landgrafschaft bis zum Erlöschen ihres Stammes 
im Jahre 1582; von ihnen kam sie nach verschiedenen Zwischen- 
fällen an die Erbmarschälle von Pappenheim und von 
diesen infolge der Verheiratung der Tochter des Landgrafen 
Maximilian von Pappenheini mit dem Grafen Friedrich Rudolf 
von Fürstenberg an deren Sohn Maximilian Franz (t 1681).. 
Aber dieser Übergang an Fürstenberg vollzog sich nicht 
ohne grosse Schwierigkeiten, die namentlich vom Haus Oster- 
reich erhoben wurden. Die Streitigkeiten endeten damit, dass 
IGGO Graf Maximilian Franz Stühlingen vom Erbherzog Ferdi- 
nand zu Lehen nahm und da die Landgrafschaft von der 
Grundherrschaft nicht unterschieden wurde, diese ein After- 
Ichen des Reiches wurde. ^) 1806 teilte die Landgrafschaft 
das Schicksal der übrigen Fürstenbergischen Lande. Die Er- 
innerung an sie lebt jetzt nur noch in den Titeln des fürst- 
lichen Hauses Fürstenberg fort. 

Die Schmälerangen der Grafschaft. 

Die Herrschaft Hauenstein. 

Von ihrer ursprünglichen Ausdehnung hatte die Grafschaft 
des Albgaues um die Mitte des 13. Jahrhunderts schon fast 
die Hälfte verloren; die von der Schlucht und Schwarzach 
gebildete Linie kennzeichnet nunmehr im allgemeinen ihre 
we>tliche Grenze Alles Gebiet zwischen der genannten Fluss- 
linie und der Murg aber war ihr entzogen und dieses formte 
sich zu der Herrschaft Hauenstein zusammen. Bei unklarer 
Vorstellung von der Entstehung dieser Herrschaft, schrieb 
Bader, dem wir im übrigen so viel inbezug auf die Geschichte 
des Albgaues verdanken, der Albgau sei während des 10. Jahr- 
hunderts in die zwei Grafschaften Stühlingen und Hauen- 
stein zerfallen und die letztere von den alten Gaugrafen an 
das Habsburgische Haus gelangt.^) Wiewohl nun schon Kolb'^) 
die Bezeichnung „Grafschaft" Hauenstein zurückgewiesen, so 



1296. In seiner Arbeit: „Urkunden und Regeste aus dem Kletgauer 
Archive" hat auch inzwischen Bader die Unrichtigkeit seiner früheren 
Angabe erkannt; s. diese Zeitschrift 22, 134. 

1) Franck, Landgrafschaften S. 85. — *) Diese Zeitschrift 9, 356; vgl. 
auch 22, 132. — 3) I^xicon vom Grossherzogtum Baden. Karlsruhe 1813 
bis 1816. s. V. 



170 Tumbült. 

hat sie doch bis jetzt stets noch figuriert und unter anderem 
Namen als „Grafschaft des untern Albgaues" viel Verwirrung 
angerichtet.*) 

Die Herrschaft Hauenstein ist, um es gleich zu sagen, 
nicht eine Grafschaft, sondern ein Konglomerat verschie- 
dener Vogteigerechtsame, die sich etwa seit der lAitte 
(ies 13. Jahrhunderts in der Hand Habsburgs vereinigten. 
Die Herrschaft setzt sich zusammen aus drei grösseren Be- 
standteilen, die nur in dem gemeinsamen Vogtherren ihi-e 
Vereinigung fanden. Die drei Bestandteile sind die Vogtei 
St. Blasien, die Vogtei Säckingen, soweit deren Besitz im 
Albgau lag, und die Vogtei Neuen zelle.') An der Hand 
des unschätzbaren Habsburgischen Urbars von 1303, verfasst 
von Meister Burkhard von Frikke, dem Protonotar König 
Albrechts '*), sowie des St. Blasischen ürbars von 1351*) und 
dem Verzeichnis über die Zinse und Vogtrechte der Neuen- 
/(dler Güter und Leute'') lässt sich die Richtigkeit der oben 
L'Ci^ebenen Definition der Herr.<chaft Hauenstein mit voller 
Klarheit darlegen. 

a) Die Vogtei von St. Blasien. Als Otto II. durch 
iMplom von 983 Juni 5*') ein ziemlich beträchtliches Stück 
des Albgaues zugunsten von St. Blasien aus dem Graf- 



') Meines Wissens kommt zuerst in der I'rkunde, wodurch K(>ui|( 
Friedrich III. den Leuten der Herrschaft llauenstein etliche Rechte und 
Freiheiten verleiht (diese Zeitschrift 10, 3(>()), die schiefe Bezeichnung: 
.,Ein herr oder landgraffc vff dem Schwartzwald" vor. — *) Die auch 
zur Herrschaft Hauenstein zäldenden Vogteien Todtmoos, Schöiiau und 
Todtnau, ebenso die Ortschaften der Einung Rickeubacb, werden hier als 
ausserhalb des alten Albgaues gelegen nicht berücksichtigt; auch würde 
ihre Hereinziehung am Resultat der Untersuchung nichts ändern. — 
') l^feiffer, Das Habsburg.-Österr. Urbartnuh; Bibliothek des Litterar. Ver- 
eins. IUI. 19. Stuttg. 1850. Vgl. dazu die Bemerkungen von Schulte, 
(lesch. der Habsburger S. 27, und Schweizer, Gesch. der Habsburg. Vogt- 
steuern im Jahrb. f. Schweiz. Gesch. 8, 135 ff. passim. Dem von Schulte 
geäuvsserten Wunsch auf eine Neuherausgabe des Urbars kanu man sich 
nur anschliessen. — *) S. Bader, Das ehemalige St. Blasische Waldamt 
in dieser Zeitschrift 6, Oüff. — ') Mitgeteilt von Bader a. a. 0. 9, 3G3. 
- ^) Der neueste und beste Druck der viel angefochtenen Urkunde in 
den M. G. Dl). H, 1 (1888i No. 297. (iber die Datierung Sickel, Kr- 
läuterungen zu den Diplomen Otto's IL in Mitteil des Inst. f. Osterr. 
(ieschichtsf. Ergänzungsb. 2, 1H7 Anm. 2. 



Die Grafschaft des Albgaus. 171 

schaftsverbaiide aushob, wurde in die Grafschaft die erste 
bedeutende Bresche gelegt. Das ausgehobene Gebiet^), in 
welchem statt des Grafen der Klostervogt eintrat, erstreckte 
sich bei der Quelle der Alb am Feldberge anhebend zu beiden 
Seiten des Flusses bis unterhalb ürberg und war ca. 4 Stunden 
lang und 3 Stunden breit; es bildete den später sog. St. Bla- 
sischen Zwing und Bann.^) Auch die folgenden Erwerbungen 
StBlasiens im Albgau bedeuteten ebenso viele Durchlöcherungen 
der Grafschaft. Nach dem Urbar von 1303 hatte das Haus 
Habsburg von der St. Blasischen Vogtei wegen in folgenden 
Ortschaften das Gericht über „diub unde vrevel" oder „diub 
unde totslag", also Anteil an der niedern Gerichtsbarkeit^): 
Hierholz, Finsterlingen, Rüsswihl, Oberwihl, Niederwihl, Wil- 
fingen, Vogelbach, Hierbach, Wolpadingen, Immeneich, Nieder- 
raühle, Ruchenschwand, Ibach, Schmalcnberg, Horbach, Schwand, 
Bildstein, Bernau, Häusern, Lidebach (abgegangen), Höchen- 
schwand, Strittberg, Segalen, Ellmenegg, Atlisberg, (Ober- 
und Unter-) Weschnegg, Heppenschwand, Wittlisberg (abgeg. 
bei Häusern), Schlageten, Remetschwihl, Waldkirch, Unter- 
alpfen, Etzwihl, Birndorf, Birkingen und Kuchelbach.^) Sämt- 



^) „A fönte Cheinbach itsque ad cillain Heibensuuanda et inde iisque 
ad locum Vverenbrehtestvilla et ita per declivum monivs iisque quo Su- 
uendenbach influit Albam, indeque usque ad ortuni Steinaha indeque hs- 
que ad tnontevi Veltperch ad ortum Albae et inde usque ad locum uhi 
Suuarzaha exit de lacn Slochse, et iuxta decursum predicti fluvii Uf<que 
ad locum ubi Cheinbach influit Suuarziiha , et ita usque ad fotitem Cht in- 
bach" — ^) Siehe Bader in dieser Zeitschrift 6, 96. — •') Vgl das Urbar 
Kap. X: „Diu rechtung ze st. Blaesien.** Das Urbar hat Küster, l)a:i 
Reichsgut in den Jahren 127o— 1313 S. 54, zu der Auffassung Aulass ge- 
geben, als ob das Gericht über „diub unde vrevel" oder „diub unde tot- 
slag'* ein Ausfluss der hohen Gerichtsbarkeit des Vogtes wäre. Das ist 
nicht richtig, wie schon Schulte, Gesch. der Habsburger S. 38 u, aufmerk- 
sam macht. Das hohe Gericht stand dem Vogt natürlich noch ausserdem 
zu. So heisst es in der St. Blasischen Öffnung von 1383 (zunächst über 
das Zwing- und Banngebiet » : „Item allü geriht inrent twing vnd ban sint 
des gotzhus ane tübe vnd totwunden, die sont die vögt ziehen vsser twing^ 
vnd ban vnd darvrab richten vnd nit inrenthalb. Ze glicher wis vmb 
allü gericht, die den tod rihtend, ane daz ain bischof vnd ain apt 
dis gotzhus vnd gaistlich geriht ane höret." Diese Zeitschrift G, 107. — 
*) Beizufügen ist noch Urberg, das der Urbarschreiber unter einer andern 
Kubrik verzeichnet i Pfeiffer S. 41)); vgl. die Stelle im St. Blasischen Ur- 
bar von 1383: „Item ze Niderwil vnd ze R&swil da sol des gotzhus ampt- 
man rihten vmb allü ding als ze Hechenswand vnd ze Vrberg, wen allü 



172 Tumbült. 

liehe genannte Ortschaften lagern sich in einem ziemlich breiten 
Gürtel um die Alb fast bis zu ihrer Mündung in den Rhein. 
Sie bildeten speziell die Habsburgische Vogtei, „der lüt zfi 
sant Bläsin, den man sprichet vor dem Schwartz- 
walde'*.*) 

Diese Reihe St. Blasischen Ortschaften ist noch um einige 
Namen zu vervollständigen, als Nöggenschwil, Heubach, Ober- 
und ünterbirbronn, Dietlingen, Schnöringen, Bürglen, Hasel- 
bach, Ensweil, Amerigschwand, Rohr und Inglikofen, die eben- 
falls zur Herrschaft Hauenstein zählen, die aber das urbar 
nicht anführt, weil Habsburg dort keine Gefälle aus der niedeni 
Gerichtsbarkeit zu beziehen hatte. Bei diesen Neuerwerbungen 
hatte das Kloster die niedere Vogteigewalt selbst in Händen 
zu bekommen gesucht. So heisst es in dem St. Blasischen 
Urbar von 1383: „Es ist ze wissen, das ze Noggenswiler 
twing vnd ban, lut vnd gut des gotzhus ze saut Blesin reht 
eigen ist mit allen gerihten one die grossen geriht, 
die da dem menschen an sin leben gant. . . . Item Hey- 
barh vnd obern Birkbrunnen hörent in den meyerhof ze 
Noggenswiler ze geriht. . . . Item Tütlingen vnd Schnftr- 
riiigen sint des gotzhus reht eigen, won es (sie) köft hett 
mit twing vnd mit ban, die vogtye mit iren gerihten, vnd 
darumb sol nieman da rihten, denne des gotzhus ampt- 
jiian. . . . Item das gotzhus hat köft die vogtye ze Hasel- 
bacli, ze Bürgion, ze Enswil, ze Anjelgeswand, vnd was 
die eigenschaft vorhin des gotzhus, vnd die vogtye ze Ror 
vnd ze Inglikouen."^) Die Erwerbstitel St. Blasiens für 
seine Gerechtsame in diesen Ortschaften und zwar aus der 
Zeit vor 1300 liegen grösstenteils vor.^) 

die reht, die daz gotzlius heti in twiiigeii vnd bannen, die het es ouch in 
den zwein dörfern vnd in ir ehafti." Diese Zeitsclirift G, 121. ürberg 
liegt noch innerhalb des St. Blasiscben Zwinges und Bannes. 

^) So bezeicbnet in der Urkunde Herzog Leopolds von Österreich von 
i:il5 Okt. 21, wodurch er 80 Mut Hafer aus dieser Vogtei versetzt; siehe 
diese Zeitschrift 10, 354. Bader erklärt a. a. 0. 357 die also bezeichnete 
Vogtei als „das St. Blasiscbe Gebiet jenseits der Seblücht im Amte Guten- 
burg'-. Das ist unriclitig. Im Amt Gutenburg hatte St. Blasien nach 
dem Urbar, das auch noch für 1315 seine Giltigkeit liat, nur Besitz zu 
Oberlauch ringen und Geislingen, aus dem an Hafer nur 2 Mut Vogtrecht 
gingen, während aus den oben genannten Ortschaften zusammen jährlich 
etwas über 80 Mut Hafer an Vogtrecht nachzuweisen sind. — ^) Diese 
Zeitschrift 6, 120. 121. — s) Vgl. ebda. C, 220 if.: 1275 verkauft Konrad 



Die Grafschaft des Albgaus. 173 

b) Die Vogtei Säckingen. Stift Säckingisch waren die 
Dinghöfe zu Murg und Oberhof, worein auch die Dörfer Zech- 
wihl, Diegeringen, Niederhof und Thimoos gehörten. Als 
Vogt des Stiftes hatte Habsburg nach dem Urbar von 1 803 zu 
richten über „diub vnde vrevel", hatte also Anteil an der nie- 
dem Gerichtsbarkeit und bezog von den Dorf leuten Vogtrecht. *) 

c) Die Vogtei Neuenzelle. Unter der Rubrik „Offitium 
üffem Walde und ze Waltzhuot" führt der Verfasser des Habs- 
burgischen Urbars ausser den vom Stift Säckingen herrühren- 
den Ortschaften noch mehrere zur Herrschaft Hauenstein zäh- 
lende Orte auf. Die Grundlage der Gerechtsame des Hauses 
Habsburg hierselbst giebt er zwar nicht an (er nennt nur die 
Grafen Herren zu Waldshut), doch rühren dieselben zum weit- 
aus grössten Teile von der Vogtei Neuenzelle beziehungsweise 
den Freiherren von Tiefenstein her. 

Über die Gründung von Neuenzelle erzählt eine gut 
100 Jahre jüngere Darstellung, die unter dem Abt Heinrich IV. 
von St. Blasien (1348 — 1391) geschriebene ^Constructio Novae- 
ccJhe^^) folgendes: Zwei Brüder, Hugo und Diethelm. aus dem 
reichen und mächtigen Dynastengeschlechte derer von Tiefen- 
stein (an der Alb, B.-A. Waldshut, Ruinen sind noch vor- 
handen) wandten sich dem Mönchtum zu. Hugo trat in das 
Kloster St. Blasien, dem er seinen ganzen Besitz zubrachte^); 
Diethelm erbaute auf dem Brühl am Ibach zu Ehren von 



Berchtold von Gutenburg sein Gut zu Schnöringen mit der Vogtei und 
aller Zubehör an St. Blasien; desgleichen Heinrich von Krenkingen seine 
Güter und Rechte zu Dietlingen, Schnöringen etc. 1276 verkauft Kon- 
rad Berchtold von Gutenburg seine Vogtei zu Bürglen, Haselbach, Ens- 
weil und Amerigschwand , desgleichen Hugo von Wessenberg und Ulrich 
von Illingen das Eigengut zu Rohr und die Vogtei des Hofs zu Inglikofen 
an das Stift. 1279 befreit Konrad von Krenkingen den an St. Blasien 
verkauften Meierhof zu Nöggenschwil vom Lehensverbande gegen das Stift 
St. Gallen; und andere einschlägige Urkunden mehr. 

*) Vgl. das Urbar, Kap. IX: Offitium vffem Walde und ze Waltzhuot. 
S. 46, 47, 48. — 2) p, stanislaus Wülberz hat sie abgeschrieben und 
seinen Analecta ad historiam San-Blasianam 1, 153 einverleibt. Durch 
die Güte des Herrn P. Anselm Achatz, Archivars zu St. Paul in Kärnthen, 
wurde mir eine getreue Abschrift dieser „Constructio Novaecellae'^ mit- 
geteilt, wofür ich auch an dieser Stelle meinen Dank sage. — ^) 1295 
überlässt Hugo von Tiefenstein mit Zustimmung seiner Gattin Agnes an 
St. Blasien Güter, über die zwischen ihm und dem Stifte Irrungen be- 



174 Tumbült. 

St. Cyrill, Georg und Maria Magdalena eine Kirche und siedelte 
^lort einige Mönclie aus dem St. Georgenkloster zu Stein ä Uli 
an. Er stattete die „Neue Zelle" aus mit dem (westlich 
gelegenen) Freiwald, bis hin an den Schwarzenbach, mit all 
seinen Leuten, Freileute genannt, und überhaupt mit seinem 
ganzen Besitz. Dann übergab er die Stiftung dem Kloster 
Stein a. Rh., wo er selbst den Mönchshabit nahm. 

Später nun geriet Rudolf von Habsburg (der nachmalige 
König) mit den Mönchen in Streit, überfiel und vertrieb sie 
mit gewaflfneter Hand und zog die Neuzelle mit dem Freiwald 
und den Freileuten {qni sedetit vf dem Werherg et circum 
qunque) an sich; endlich nach Jahren traf er dann mit dem 
Kloster Stein ein Abkommen und zahlte ihm zur Entschädi- 
gung 500 Mark Silber. Dann gab er auch die Kirche ihrer 
Bestimmung zurück, setzte einen Priester hin jund überwies 
ihr jährlich 7 Mark aus Oberalpfen, Niederalpfen, Nieder- 
weil, Eschbach, Geiss, Kuchelbach, Bannholz, Bir- 
kingen, Brunnadern, Happingen, Hochsal, Gerweil, 
Rotzel, Razingen. Stritmatt, Wilfingen, Witten- 
schwand, Urberg, Ruchenschwand und Wolpadingen. 
Ferner übergab er ihr den Brühl und den Freiwald bis zum 
Schwarzenbach und zur Srhneeschleife. Hncc oinvia dedit ad 
prathendum vovae rellac anno dni. 1259.^) Soweit der Bericht. 
[Zufolge erhaltener Urkunde verlieh Rudolf von Habsburu' 
im Jahre 1266 seine Kapelle zur Neuen Zelle mit ihren spe- 
zifizierten Einkünften dem Priester Konrad von Hewen*): 
diese Urkunde von 1266 scheint aber der älteste Stiftungs- 
brief zu sein, da Herzog Rudolf, des Königs Sohn, bei der 
Bestätigung der Stiftung seines Vaters sich ausdrücklich auf 
diesen bezieht.^) Die obige Jahreszahl 1259 mag ja trotzdem 



standen hatUMi (diese Zeitsdirift 6, 212 1. Jene Güter mochten zu der 
Schenkung seines gleichnamigen Vorfahren gehören. 

*j Vgl. auch über Neueuzelle Bader in dieser Zeitschrift 9, H57 und 
Schulte, Gesch. der Habsburger S. 125. — *) Diese Zeitschrift 6, 230. 
Die Einkünfte stimmen mit denen in der ^Cmiatructw** nur zum Teil 
überein. — ') Herrgott, Geneal. Habsb. Cod. dipl. No. 047 de a. 1288. 
Weitere Urkunden über die Neuenzelle s. ebda. No. (»79 de 1296, No. 702 
<ie 1309 und No. 719 de 1315. Nach letzterer Urkunde verschenkte Her- 
zog Leopold von (isterreich die Kapelle an St. Hlasien. S. auch liader 
in dieser Zeitschrift 9, 35><. 



Die Gra&chaft des Albgaus. 175 

richtig sein, indem die Verbriefung erst 1266 erfolgte. Über- 
einstimmend mit der ^Con^nictio"' gibt auch das Habs- 
burgische Urbar die Einkünfte der Kapelle auf 7 Mark an.] 
Da nun nach dem Weistum über die Neuenzeller Frei- 
leute s. XIV dieselben in die Dinghöfe zu Hochsal, Ger- 
weil, Oberalpfen und Birkingen pflichtig sind ^), so dürfte 
sich für die nachstehenden Angaben des Habsburgischen Urbars 
die Grundlage ergeben. Dort, wo Habsburg Zwing und Bann 
hat, kann Tiefensteinsches Eigengut vorliegen, während das 
Vogtrecht der freien Leute als ursprünglich öffentlich recht- 
licher Natur aulzufassen ist*), das von den Herren von Tiefen- 
stein an die Neuenzeller Stiftung beziehungsweise Kloster 
Stein a. Rh. und dann an Habsburg überging. In der Reihen- 
folge der Ortschaften folge ich dem Urbar :^) 

Hochsal. In dem Dinghof hat Habsburg Zwing und 
Bann und richtet über Diebstahl und Frevel. Die Leute im 
Dorf geben Vogtsteuer und Fastnachthühner. 

Görwihl, Herischwand, „auf dem Bühl", Hart- 
schwand, Engenschwand, Stritmatt, „Wile", „Schad- 
büsen"", Rotzel, Ober-Stritmatt. Die freien Leute geben 
Vogtrecht und Fastnachthühner. 

Schachen. Die freien Leute des halben Dorfes geben 
Vogtrecht und Fastnachthühner. 

Rotzingen und Birkingen. Die freien Leute, die in 
den Dinghof von Hochsal gehören, geben Vogtrecht und Fast- 
nachthühner. 

Kuchelbach. Die freien Leute geben Zins und Weisung 
und Fastnachthühner.*) 

Espach. Die freien Leute geben Zins, Weisung und 
Fastnachthühner und von ihrem freien Gut Vogtsteuer. 

Waldkirch. Dort zinst ein freies Gut. 

Geiss. Die freien Leute auf Habsburgischem Eigengut 
geben Zins, Weisung und Fastnachthühner. 

Unterkutterau. Habsburgrichtet über Diebstahl und Frevel. 



>) Diese Zeitschrift 9, 359 ff. — ^ Siehe v. Wyß, Beiträge z. Schweiz. 
Kechtsgeschichte. IL: Die freien Bauern, Freiämter, Freigerichte und die 
Vogteien der Ostschweiz im spätem Mittelalter, in Zeitschrift f. Schweiz. 
Uecht 18, 128 ff. — •<; Pfeiffer S. 48 ff. — *) Für Kuchelbach und die 
unten folgenden Waldkirch, Wolpadingen, Uuteralpfen vgl. auch bei 
Vogtei St. Blasien. 



176 Tumbttlt. 

Happingen. Die freien Leute auf Habsburgischem Eigen- 
gut geben Zins, Vogtsteuer und Weisung. Habsburg steht 
Zwing und Bann zu; auch richtet es über Diebstahl und Frevel. 

Wolpadingen. Ein Freier gibt von Habsburgischem 
Eigengut Vogtsteuer und Weisung. 

Wittenschwand. Ein nach Neuzelle gehörendes Gut gibt 
Vogtsteuer und jedermann ein Fastnachthuhn. Habsburg richtet 
über Diebstahl und Frevel. 

„Dieplisberg.** Das Freigut daselbst gibt Vogtsteuer 
und jedermann ein Fastnachthuhn. Habsburg richtet über 
Diebstahl und Frevel. 

Unteralpfen. Die freien Leute geben Zins, W^eisunjz: 
und Fastnachthühner. 

Bannholz. Die freien Leute geben Vogtsteuer, Weisung 
und Fastnachthühner. Habsburg hat Zwin^ und Bann und 
richtet über Diebstahl und Frevel. 

AyJ) Habsburg hat Zwing und Bann und richtet über 
Diebstahl und Frevel; jedermann giebt ein Fastnachthuhn. 

Brunnadern (bei Remetschwil), Oberalpfen.*) Die 
freien Leute geben Zins, Vogtsteuer, Weisung und Fastnacht- 
hühner. Habsburg hat Zwing und Bann und richtet über 
Diebstahl und Frevel. 

Zelle (Neuzelle). Habsburg leiht die Kapelle, welche 
7 Mark trägt. 

Auf besonderem Titel beruhen die Habsburgischen Ge- 
rechtsame in nachbenannten Hauenstein'schen Orten: 

Togern. „Habsburg hat Zwing und Bann und richtet 
über Diebstahl und Frevel. Es leiht die Kirche alter- 
nierend mit den Grafen von Homberg, die auch den 

') Dorf bei Baimholz. l^feiffer bezieht irrtümlich die Angabe des l'r- 
]»arb (^ze Eige etc.** i auf das Dorf Aichen links der Schlucht. Dort hatte 
llabsbiirg nichts zu tliun. Vgl. über Aichen diese Zeitschrift 3, 381. - 
^» Was Oberalpfen anbelangt, so lieisst es im St. Blasischen Urbar von 
1383: ^Item so het das gotzhus köft die vogtye ze ober Alapheu, zt 
Hfmrbach vnd ze Vinsterlo vmb den von Tüfenstein." Diese Zeitschrift 
I». 121. Da ist ein Widerspruch vorhanden. Es lagen eben die A'erhält- 
nisse bei der bunten Karte von Gerechtsamen manchmal sehr verworren. 
So behaupteten die I>eute von Kienberg nach dem Urbar, Pfeiffer S. 43, 
eidlich, nicht zu wissen, ob das Dorf in die Landgrafschaft (des Frick- 
t^aues) gehdre oder nicht, und sprachen, der von Kienberp hal)e alle Ge- 
richte daselbst. 



Die Grafschaft des Albgans. 177 

halben Teil von Zwing und Bann daselbst haben 
sollten, in der Gewähr aber seit*längerer Zeit nicht 
gewesen sind; von zwei Höfen, in die auch der Kirchen- 
satz gehört, ist der eine Habsburgisch, der andere 
Hombergisch."^) Diese Gerechtsame rühren, wie man folgern 
kann, von den alten Grafen von Homberg im Frickthal her. 
Als nämlich deren Geschlecht mit Graf Wernher um 1223 
erlosch, fiel der Besitz zum grössten Teil an die Grafen von 
Habsburg, zum andern Teil an die Grafen von Froburg, von 
denen Graf Hermann, ein Eidam Wernhers von Homberg, den 
Namen der alten Feste auf die von ihm selbst erbaute Neu- 
Homburg (jetzt Ruine ob Läufelfingen am untern Hauenstein) 
übertrug.*) 

Des gleichen Ursprungs wie die Habsburgischen Gerecht- 
same zu Togern dürften auch die zu Stuntzingen und 
Waldshut sein. 

Stuntzingen bildete nach dem Auf blühen Waldshuts nur 
noch ein Anhängsel dieser Stadt, wie es auch die Rechte seiner 
Pfarrkirche an die obere Kirche zu Waldshut verlor.^) Habs- 
burg richtet hier über Diebstahl und Frevel. 

Waldshut. Wann die Habsburger die Stadt gegründet, 
steht nicht genau fest Bisher war man der Ansicht, dass 
ihre Gründung im engsten Zusammenhang stehe mit der Haupt- 
auübreitung der Habsburgischen Gewalt im Albgau, die erst 
unter König Konrads Regierungszeit (1250 — 1254) erfolgt sei.**) 
Da aber, wie der Besitz zu Togern beweist und wie ferner 
der Besitz der Vogtei der Kirche zu Hochsal beweist, die nach 
dem Scheidungsbrief bei Herrgott, Geneal. Habsb. 2, 255 schon 
1238/9 in Habsburgischen Händen war und vielleicht auch des- 
selben Ursprungs wie der Besitz zu Togern ist, die Habsbur- 

J) Pfeiffer, Urbar S. 52. — 1284 Nov. 15 verkaufen Graf Ludwig von 
Homberg und seine Gemahlin Elisabeth ihre Güter zu Dogem (Togerrun) 
mit Zwing und Bann, jedoch mit Ausnahme der Leute und des Kirche n - 
Satzes, für 89 '/i M. S. Baslergewichtes dem Johanniterhaus in Klingnau. 
Kochholz, Die Hornberger Gaugrafen des Frick- und Sissgaues. Argovia 
1(), 13 (1885). So wird der Zusatz, den Meister Burkhard macht, dass 
di<» Grafen von Homberg im Besitz des halben Zwinges und Bannes seit 
manchen Zeiten nicht gewesen seien, erklärlich. — *) Argovia 16. XH. 
— ») Vgl. Birkenmayer, BeitrSge zur Geschichte der Pfarrei Waldsfaut, 
im Freiburger Diöcesanarchiv 21, IUI ff. — *) Vgl. darüber Schulte, Gesch. 
der Habsburger S. 120. 

ZeiUchr. f. Gwch. d. Oberrh. N. F. VII. 1. 12 



178 Tumbült. 

gische Gewalt auch unabhängig von der Säckinger Stiftsvogtei 
den Rhein schon vor den Zeiten des Grafen und späteren 
Königs Rudolf überschritten hatte, so mag die Gründung 
Waldshuts, die bekanntlich auch nicht in einem Tage vor sich 
ging, in Übereinstimmung mit einer früheren Inschrift^) am 
Obern Stadtthor von Waldshut, die als dessen Erbauungsjabr 
das Jahr 1242 nennt, und einer Angabe Clewi Frygers, die 
1249 als (iründungsjahr anführt*), immerhin in den Vierziger- 
jahren des 13. Jahrhunderts anzusetzen sein und somit das 
Terrain von Waldshut auch von den alten Grafen von Hom- 
berg erworben sein. 

Unbekannten Titels sind endlich die Habsburgischen 
(ierechtsame in^): 

Lüttingen. In dem Meierhof hat Habsburg Zwing und 
Bann und richtet über Diebstahl und Frevel. 

Hauenstein. Habsburg hat Zwing und Bann und richtet 
über Diebstahl und Frevel.*) 

Gurt weil. Habsburg richtet über Diebstahl und Frevel. 

Wie schon angegeben, waren die drei besprochenen Vog- 
teien etwa seit der Mitte des 13. Jahrhunderts in den Händen 
Habsburgs vereinigt. Zuerst erhielt es, wahrscheinlich nach 
dem Aussterben der Lenzburger, die Säckinger Stiftsvogtei, 
also ca. 1173.^) Über den Erwerb der Vogtei von St. Blasien 
sind wir auch nicht genau unterrichtet. Es ist nur die knappste 
Inhaltsangabe einer Urkunde überliefert, wonach König Konrad 
dem Rudolf von Habsburg, dem spätem König, „St. Blasien 
und den Schwarzwald** verpfändet habe.^) Es fragt sich 
alsdann, was unter „ Schwarz wald** zu verstehen ist. Man 



^) Mitgeteilt von Birkeumayer in den Mitteü. der Uan\. histor. Komm. 
1889 No. 11, S. 1)2. - 2) Siehe Gerbert, Hist. Nigrae Silvae 2, 32. - 
») Pfeiffer, Trbar S. 47, 48, 52. — *) Zu Haucnstein ist die Stelle aus 
dem St. blasischen Urbar von 1388 zu vergleichen: „Es ist ze wissen, 
(las ein herr von sant ßlesin koft (het) Howenstein mit siner zfigehörde, 
als es z& den ziten stund, vmb göter ze Tiuingin (ThiengenS als des gntz- 
hus vrbarbüch wiset. anno 1108. Item darnach in dem vierden blad des- 
selben b&ches vindet man geschriben, wie gfiter daselbs ze Howenstein 
ouch an das gotzhiis kament."* Aus dieser Stelle machte Abt Kaspar im 
Liher originum einen Kauf der Grafschaft Hauenstein. Siehe diese Zi»it- 
Schrift 6, 121 u. Anm. lieider ist das angeführte ältere Urbar nicht mehr 
vorhanden. — *) Vgl. darüber Schulte, Gesch. der Habsburger S. IMJ ff. — 
•) Darüber handelt ausführlicher Schulte a. a. (). 111 f. 



Die Gra&chaft des Albgaus. X79 

kann die Angabe „St. Blasien und den Schwarzwald' als 
Tautologie für St. Blasien und seine Besitzungen (ausserhalb 
seines Zwinges und Bannes) im Schwarzwald fassen; will man 
das nicht, so bleibt nur die Vogtei Neuenzelle und die übrige 
Tiefensteinsche Erwerbung als „ Schwarz wald" übrig. Dann 
besteht vielleicht irgend ein Zusammenhang zwischen dieser 
Verpfändung und Rudolfs sonst unerklärlichem Vorgehen gegen 
die Neuenzeller Brüder bezw. das Kloster Stein a. Rh. , wie 
es die Tradition berichtet. Wie dem auch sei, etwa um die 
Mitte des 13. Jahrhunderts waren alle Bestandteile der Herr- 
schaft Hauenstein in Habsburgischem Besitz. 

Die Stadt Thiengen. 

Thiengen, welches bereits 1229 städtischen Charakter hatO? 
gelangte durch den Verkauf der Güter des Freiherm Heinrich 
von Küssaberg, Grafen von Sttihlingen (s. oben), an das Hoch- 
stift Konstanz.*) Das war der Anfang seiner Entfremdung von 
der Landgrafschaft Stühlingen. Zwar betrachtete das Land- 
gericht Stühlingen auch noch in der Folgezeit die Stadt als 
in seinem Bezirk gelegen, wurde aber 1444 von dem Hof- 
gericht zu Rotweil mit seinem Anspruch abgewiesen. Der 
Bischof von Konstanz klagte nämlich gegen das Landgericht, 
dass es ihm mehrere seiner Leute, darunter den Vogt Hein- 
rich Zelter zu Thiengen, in die Acht gethan habe gegen seine 
und der Stadt Thiengen Freiheiten, „die jstie dickerm mal vor 
dein lantgericht zt StüHngen ereögt vnd erschainet sind, ouch 
über das, daz si in der lantgratrfschaß zu Stülingen nü 
gesessen vnd in das lantgericht daselhs nit gehören^. Er er- 
.suchte das Hofgericht, die Übergriffe des Landgerichts abzu- 
thun und dessen ergangene Urteile für nichtig zu erklären; 
und als das Landgericht entgegnete, dass alle, welche in der 
Landgrafschaft sässen, ihm zu folgen verpflichtet seien, betonte 
des Bischofs Botschaft nochmals, Thiengen sei eine Herrschaft 
für sich selber und habe seine eigenen hohen Gerichte, Wild- 
bänne und andere Herrlichkeit, wonach es selbstverständlich 
wäre, dass es nicht in das Landgericht gehöre und nicht in 
der Landgrafschaft gelegen wäre. Das Hofgericht erkannte 
denn auch, dass die ergangenen Urteile des Landgerichts 



1) Siehe diese Zeitschrift 13, 232. — ») Ebd. 5, 234. 

12* 



180 Tumbült. 

nichtig seien J) Ausserhalb des Stadtetters in der Gemarkung 
behielt jedoch die Landgrafschaft die hohen Gerichte. 

Die Herrschaft Lenzkirch und Vogtei Schluchsee. 

Eine Schmälerung des Grafschaftsgebietes bedeutete auch 
der Vertrag, den Eberhard von Lupfen, Landgraf zu Stühlingen, 
mit dem Grafen Egen von Freiburg wegen der Herrschaft 
Lenzkirch abschloss. Das Gebiet dieser Herrschaft, kurz aus- 
gedrückt, das Land zwischen Feldsee, Titisee und Schluchsee» 
war zur Zeit der Gauverfassung zumeist eine noch ungerodete 
Bergwildnis*), die aber innerhalb der natürlichen Grenzen 
des Albgaues lag. Im 13. Jahrhundert war hier ein Ge- 
schlecht ansässig, das sich nach Urach (einem Burgstall bei 
Lenzkirch) benannte, über dessen Herkunft wir aber nicht 
weiter unterrichtet sind. Seine Besitzungen kaufte Graf Egen 
von Freiburg, geriet aber darüber mit Eberhard von Lupfen, 
Landgraf von Stühlingen, in Misshelligkeiten, die 1296 mit 
einem Vergleich endeten, in welchem Landgraf Eberhard in 
dem umschriebenen Bezirk auf alle gräflichen Hoheitsrechte 
verzichtete.') 1491 ging die Herrschaft Lenzkirch von den 
Herren von Blumegg mit allen Hoheitsrechten durch Kauf 
an Graf Heinrich zu Fürstenberg über.*) Als gleichwohl 1507 
Landgraf Sigmund von Stühlingen die hohen Gerichte und den 
Wildbann zu Lenzkirch, man weiss nicht worauf gestützt^ als 
Afterlehen der Landgrafschaft Stühlingen ansprach, setzte 
Graf Wolfgang zu Fürstenberg dem eine energische Verneinung 
entgegen.*) Zur Herrschaft Lenzkirch gehörte auch die hohe 
Gerichtsbarkeit über die St. Blasische Vogtei Schluchsee, welche 
1659 von Fürstenberg an St. Blasien verkauft wurde. 

Die letzte grosse Schmälerung der Landgrafschaft er- 
folgte im Jahre 1612, als dem Stifte St. Blasien für 116 500 fl. 
die hohe Forst-, Geleits- und Gerichtsobrigkeit über alle jene 



") Ebda. 14, 233 flf. — ^ Nur zu Lenzkirch war frühzeitig eine An- 
siedelung vorhanden, denn in einem Güterrodel des Klosters St. Oallen 
von ca. 1200 wird auch der Zehnte zu Lenzkirch aufgeführt; Wartmann, 
U.-B. 3, 759. Femer erscheint unter den Zeugen einer Schenkung an 
St. Peter nach 1113 der Freie Swiggerw de Lendischilicha ; siehe den 
Kotulus Sanpetrinus im Freiburg. Diöcesanarchiv 15, 160. — •) Fürstenb. 
U.-B. V, No. 274. Vgl. auch Riezler, Gesch. des Fürst!. Hauses Fürsten- 
berg S. 126. — ♦) Fürstenb. U.-B. IV, No. 129. — *) Ebda. No. 452. 



Die Gra&chaft des Albgaas. 181 

Teile verkauft wurde, wo dieses bereits Grund- oder Nieder- 
gerichtsherr war, zu Blumegg, Bonndorf, Grafenhausen, Guten- 
burg und zugehörigen Bezirken.^) Damit war die Landgraf- 
schaft auf den Umfang gebracht, in welchem sie 1806 zusammen 
mit den übrigen Fürstenbergischen Landen der Mediatisation 
verfiel.*) 



*) Diese Zeitschrift 22, 137. — ^) Vgl. die von Kiezler und Baumann 
entworfene Karte der Schwäbischen Lande des Hauses Fürstenberg nebst 
der Erläuterung; in Riezler, Gesch. des Fürstl. Hauses Ftlrstenberg S. 498. 



Miscellen. 



Eine unveröffentlichte Papsturkunde vom Jahre 1154. 

Anastasius IV. bestätigt dem Frauenkloster Heilig -Kreuz*) 

die von Leo IX.^) ihm verliehenen Privilegien. 

1154, März 5, Lateran. 

Anastasius episcopus, servus servoruin dei, dilectis in Christo filia- 
bus Irmiiigardi, abbatisse monasterii Sancte Crucis, einsque sororibus 
tarn presentibus quam faturis, regularein vitam professis, in perpetuum. / 
Cum universis catholic? ecclesi? filiis debitores ex iniuncto nobis a 
deo apostolatus oföcio existamus, illis tamen locis atque personis 
propensiori nos convenit caritatis / studio imminere, qu§') ad ius et 
proprietatem beati Petri atque ad ordinationem Romani pontificis 
noscuntur specialius pertinere. Ea propter, dilecta in Christo filia 
Irmingardis abbatissa, / cui nostris tamquam beati Petri manibus gra- 
tiam benedictionis contulimus, rationabilibus tuis postulationibus gra- 
tum impertimur assensum, et predecessoris nostri felicis memorie 
liConis noni pape vest[igiis] *) inherentes prefatum monasterium Sancte 
("rucis, quod utique a devotione [patris] ac matris et fratrum ipsius 
predecessoris nostri fandatum est, in be[ati] Petri tutelam nostram- 
que protectionem susceptum apostolice sedis privilegio communimus. 
Statuentes, ut [quascumque] possessiones, quecumque bona idem mona- 
fsterium in presentiarum jusfte et] canonice possidet aut in futurum 
concessione pontificum, largitione regum vel principum, oblatione 
ti[deli]um seu aliis iustis modis deo propitio poterit adipisci, ürma 
vobis et his, qu§ post vos successerint, et illibata permaneant. Prohi- 
bemns autem, ut nulli archiepiscopo vel episcopo, imperatori vel regi 
seu alicui omnino hominum fas sit, aliquod dominium in eodem mo- 
nasterio vel rebus eins exercere vel aliquam advocatiam habere. Scd, 
quemadmodum a memorato predecessore nostro bone memorie Leone 
papa statutum est, advocatia ipsa semper aiicui de genere ipsius, 

') Bei Kolmar. — ^ Schoepflin, Alsatia diplomatica I, 8. 168—164. 
II. -Kreuz war eine Gründung der Grafen von Egisheim. Der aus diesem 
Hanse hervorgegangene Papst Leo IX. untersteUte das Kloster dem römi- 
schen Stuhle und trug ihm dafür die jährliche Lieferung einer goldenen 
Rose auf. Aus ihr wurde später die bekannte Tugendrose. -> ') Die 
Worte qu^ bis ordinationem stehen auf Rasur. — *) Die eckigen Klam- 
mern be2ei<'hnen meine Ergänzungen der zerstörten Schrift. 



MiscelleD. I33 

quandiu aliqois de parentela ipsa saperfuerit eideni officio idoneus 
iuxta arbitrium abbatisse, remaneat. Crisma vero, oleum sanctum, 
consecrationes altarium seu sanctimonialium a diocesano suscipietis 
episcopo, siquidem catholicus fuerit et ea gratis et absque pravitate 
vobis voluerit exhibere. Alioquin liceat vobis, catholicum quem 
malueritis adire antistitem, qui nimirum nostra fultus auctoritate, quod 
postulatur, indulgeat. Obeunte quoque te, nunc eiusdem loci abbatissa, 
vel tuarum qualibet succedentium , nulla inibi qualibet surreptionis 
astutia seu violentia preponatur, nisi quam sorores communi consensu 
vel pars consilii sanioris secundum deum et beati Benedicti regulam 
providerint eligendam. Electa, vero ad Romanum pontificem bene- 
dicenda accedat. Decernimus ergo, ut nulli omnino hominum liceat 
prefatum monasterium temere perturbare aut eins possessiones auferre 
vel ablatas retinere, minuere aut aliquibus vexationibus fati[ga]re. 
sed omnia integra conserventur vestris et aliarum, pro quarum guber- 
natione et sustentatione concessa sunt, usibus omnimodis profutura. 
Ad indicium autem precept^ huius a sede apostolica libertatis au- 
ream rosam penso. duarum Roraanarum unciarum auri, aut factam 
sicut fieri solet, aut tantundem auri unde fieri possit, circa medianam 
quadragesime dominicara, qua cantatur letare Jerusalem, nobis nostris- 
que successoribus annis singulis persolvetis. Si qua igitur in futurum 
ecclesiastica secularisve persona hanc nostr§ constitutionis paginam 
sciens contra eam temere venire temptaverit, secundo tertiove monita, 
si non satisfactione congrua emendaverit, potestatis honorisque sui 
dignitate careat reamque se divino iudicio existere de perpetrata ini- 
quitate cognoscat, et a sacratissimo corpore ac sanguine dei et do- 
mini redemptoris nostri Jesu Christi aliena fiat, atque in extremo 
examine districte ultioni subiaceat. Cunctis autem eidem loco iusta 
servantibus sit pax domini nostri Jesu Christi, quatenus et hie fruc- 
tum hone actionis percipiant [et] apud districtum iudicem premia 
etern^ pacis inveniant. Amen. Amen. Amen. 

(Rata) Ego Anastasius catholic? ecclesi? episcopus ss. (Monogr.) 

t Ego Imarus Tusculanus episcopus ss. 

t Ego Odo diaconus cardinalis sancti Georgii ad Velum aureum ss. 

t Ego Hugo Hostiensis episcopus ss. 

t Ego Radulfus diaconus cardinalis sancte Lucie in Septa solis ss. 

t [Ego Guido diaconus] cardinalis sancte Marie in Porticu ss. 

t Ego Johannes diaconus cardinalis sanctorum Sergii et Bachi ss. 

t Ego GG [Gregorius] jiresbiter cardinalis [tit. Cal]ixti ss. 

t Ego Guido presbiter cardinalis [tit. sanct]i Grisogoni ss. 

t Ego Hubaldus presbiter cardinalis tit. sancte Praxedis ss. 

t Ego Manfredus presbiter cardinalis tit. sancte Savine ss. 

t Ego Octavianus presbiter cardinalis tit. sancte Cecili^ ss. 

t ¥jgo Johannes presbiter cardinalis sanctorum Johannis et P[auli] 
tit. Pamachii ss. 

t Ego Cencius presbiter cardinalis tit. sancti Laurentii in Lucina ss. 

Datum Laterani per manum Rolandi, sanct§ Roman§ ecclesi^ pres- 
biteri cardinalis et cancellarii. III Nonas Martii. Indictione IL In- 



184 Mitcellen. 

carnationis dominicc anno MGIJII. Pontificatus vero domini Anar 
stasii IUI pap§ anno primo. 

Orig.-Perg. im Stadtarchive zu Kolmar. Lang 68/69 cm, breit 54/56, 
unten 3 cm umgeschlagen; Schnur und Bulle sind verloren. Die Schrift 
ist stellenweise in den Brüchen zerstört, der untere, von den Unterschriften 
eingenommene Teil der Urkunde hat mehrere Risse und Löcher. Der 
Hingkreuz der Rota scheint dunkler zu sein als die Umschrift: custodi 
me domine [u]t pupillam oculi. Die Zeugenunterschriften rfihren ron 
verschiedenen HÄnden her. 

Kolmar. Euf?. Waldner. 



Die „kalte Kirchweihe" in Basel, in der neuen Ausgabe von 
(irotefends Handbuch der Historischen Chronologie^) wird als Tag 
der kalten Kirchweih in Basel der 13. Januar genannt, zufolge einer 
Angabe in Reinsberg, das festl. Jahr. Auf dieselbe Angabe stfltjst 
sich auch die bei Pfannenschmid . Erntefeste S. 570, gemachte Mit- 
teilung, dass die kalte Kirchweihe in Basel auf den 13. Januar fiille. 
Hinwiederum hat, schon vor längerer Zeit, ein Basler Forscher, l*. A. 
Burckhardt, die „kalte Kilbi'* auf den Tag des noch heute alljährlich 
stattfindenden Umzuges und Tanzes der Ehrenzeichen der Gesell- 
schaften Klein -Basels verlegt und sie als die Kirchweihe der Klein- 
I^asler Kirche St. Theodor erklärt.^) Die Quellen zeigen aber, dass 
beide Erklärungen falsch sind. 

Dass zunäclist nicht an die Kircliweihe einer der Gemeindekirchen 
l^asels. sondern an diejenige des Münsters zu denken sei, ergiebt 
sich aus folgenden Daten: 

1397 an der nehsten mittwuchen ror der kalten kilchwichin der 
5t im ze Basel.«) 

1477 niontag nach der kalten kilchwyhung u. f. mtinster.*) 

Sodann weisen Daten wie 1451 uff mentag die kalte kilwihe z& 
Basel*), 1519 montag der kalten kirchweih abend®) auf einen andern 
Tag als den 13. Januar; denn dieser war 1451 ein Mittwoch, 1519 
ein Donnerstag. 

Ebenso passt in der schon citierten Urkunde von 1477 der Name 
des sie ausstellenden Bürgermeisters unmöglich zum Januar, dagegen 
sehr wohl zum Herbst dieses Jahres. 

Die kalte Kirchweihe in Basel ist die Kirchweihe des 
Münsters, der 11. Oktober. Hiezu stimmen alle bisher citierten 
Daten aufs beste. Völlig beweisend aber ist das folgende: in den 
:Missiven Bd. 12 steht in der chronologisch geordneten Reihe der 
Toncepte das Concept vom 10. Oktober 1468 (montag vor der kalten 
kilchwihe) mitten inne zwischen Stücken vom 8. Oktober (Samstag 

M Grotefend, Zeitrechnung des deutschen Mittelalters und der Neu- 
zeit 1, IOC) — ») Beiträge z vaterländ. Hesch. 1, 179. — '*) Staatsarchir 
Basel , Cartularium S. Theodori p. 84 No 57. — *) ebd. St. ürk 2044. 
— *} ebd. S Clara K. fol. 3 — ♦) ebd St Theodor 83a. 



Miscellen. I35 

nach Francisci) und vom 13. Oktober (Donnerstag vor Galli). Ferner: 
in den Verkündbüchern des Gerichtsarchivs ist das Datum der „Ver- 
kflndung" und dasjenige ihrer Zustellung durch den Gerichtsknecht 
immer genau eingetragen, wobei sich ergiebt, dass die Verkündungen 
durchweg wenige Tage nach der Ausstellung zugestellt werden. So 
findet sich im Jahrgang 1528, dass die Verkündung an Martin 
Metzger vom 5. Oktober und diejenige an Veitin Muspach vom 7. Ok- 
tober beide „uif der kalten kilwi abend" durch den Gerichtsknecht 
zugestellt worden sind. 

Zum Schlüsse ist als offiziellster Beweis der nachfolgende Erlass 
<\es Basler Rates anzuführen: 

1469 uff zinstag post Galli confessoris ist durch beyd rett er- 
kannt des vyrtags halb, das hinfiir die kilchwihe unsers gotzhuses der 
Stift ze Basel als ander hochzittlich tag geeret und von menglich ge- 
halten werden, und als derselb tag der kalten kilchwihe ye- 
uelten als für der statt iarmergkt gebrucht ist, das da hinfur solcher 
merkt uff den nechsten Werktag darnach uff bürg gehalten werden sol. *). 

Basel. Rudolf Wackernagel. 



Litteraturnotizen. 

Von Veröffentlichungen der Badischen historischen Kom- 
mission sind erschienen: 

August Thorbecke, Statuten und Reformationen der 
Universität Heidelberg vom 16. bis 18. Jahrhundert. Leipzig, 
Duncker und Humblot, 4^ XXVI und 383 Seiten. 

Badische Neujahrsblätter. Zweites Blatt 1892. Frie- 
drich V. Weech, Badische Truppen in Spanien 1810—13 
nach den Aufzeichnungen eines badischen Offiziers. Mit einer 
Karte. Karlsruhe, Braun. 8^ 59 Seiten. 



Die Publikation des Freiherrn v. Neuenstein (Das Wappen des 
grossherzoglichen Hauses i]aden in seiner geschichtlichen Entwick- 
lung, verbunden mit genealogischen Notizen. Karlsruhe, 0. Nemnich, 
1892. 68 Seiten Text u. 12 Siegeltafeln) müssen wir leider als ver- 
fehlt bezeichnen. Der Text wimmelt geradezu von den gröbsten 
Schnitzern. Hermann I. wird zu einem Bruder Bertholds IIL ge- 
macht, der sich zuerst Herzog von Zähringen genannt haben soll. 
S. 23 wird M. Hesso aus einem Bruder der zweite Sohn Hermanns VII., 
Rudolf r\'. soll erst 1380 die Regierung seiner Lande angetreten haben, 
die Hachbergische durch M. Heinrich I. (f 1231) gegründete und 1503 
ausgestorbene Nebenlinie hat „zwei Jahrhunderte geblüht" u. s. f. 



») ebd. Öffnungsbuch 5, 32. 



18g IJtteraturnotizen. 

Noch schlimmer womöglich sieht es mit der beigegebenen Stamm- 
tafel aus, welche den in Neapel enthaupteten Herzog Friedrich Emn 
Vater sämmtlicher Söhne Rudolfs L, diesen aber zu einem „Herzog 
von Eberstein"* macht. Dieselbe Konfusion herrscht in dem heraldisch- 
sphragistischen Teile. Verfasser erwähnt zwar Heycks Zähringer, 
aber angesehen hat er weder S. 590 f. die Beschreibung der Zähringi- 
schen Siegel, noch S. 426 die Anmerkung über die Altenryfer Er- 
findung des Zähringer Lthveu (.vgl. auch Heycks Anzeige des Züricher 
IJb. diese Z. N. F. «, 520). Das S. 10 erwähnte und Tafel 1 No. 6 (nicht 
Nu. 8, wie im Text steht) reproduzierte Fragment eines Siegels Ber- 
tliolds V. von 1210 (nicht 1209, wie Verf. angiebt) ist keineswegs 
imbekannt, sondern von Hevck beschrieben und auf Tafel 1 No. 4 
tler Siegelabbilduiigen zum Züricher Urkundenbuch bereits abgebildet. 
Die Lichtdrucke sind nach Angabe des Verfassers angefertigt nach 
dem bereits erwähnten Urkundenbuch, v. Weechs Siegelwerk and 
^nach Tuschzeichnungen des Malers Holzapfel zu Basel, welcher selbe 
im Aufti-age des ehemaligen Archivars Herbster für das Schoepflinische 
Werk anfertigte". Allein die Tuschzeichnungen, welche sich in der 
im Vorwort an erster Stelle genannten Handschrift ('oUectio C. Sigilla 
marchioimm Badensium (Hof- und Landesbibliothek, Miscellanea 6) 
finden, rühren von dem Basler Kupferstecher Hierouymus Holzach her, 
und Verfasser hat si(;h für Tafel 2—10, ohne v. Weechs Publikation 
auch nur in einem einzigen Falle zu Rathe zu ziehen, mit einer nicht 
besonders gelungenen Nachzeichnung der für ihre Zeit ganz vortreff- 
lichen Siegelabbildungen begnügt, ja S. 22 giebt er sich sogar den 
Anschein, als ob er ein Siegel Hermanns VI. ibei ihm Tafel 2 No. 1) 
geseli(?n hätte, während auch hier nur vorei*wähnte Handschrift seine 
(Quelle ist, und Schoeptlin bereits 5, 213 ilie betreffende Urkunde von 
1248 nur nach einem Regest mitteilen konnte (vgl. No. 392 in der 
demnächst erscheinenden ersten liieferung der Regesten der Mark- 
grafen von Baden). Der einzige Wert der Siegeltafeln besteht in 
der erstmaligen Wiedergabe der Hachbergischen Siegel, die bei 
V. Weech fehlen, nur wäre gerade hier ein Zurückgehen auf die Ori- 
ginale im Generallandesarchiv doppelt geboten gewesen. Auch Bram- 
bachs Schrift über das badische Wappen auf Münzen ist dem Verfasser, 
tler sich seine Aufgabe wahrlich nicht leichter machen konnte, un- 
bekannt geblieben. Richard Fester. 

Nachdem J. Favier uns in seinem „Tresor du Bibliophile lorrain** 
vor zwei Jahren die Facsimileabbildungen der Titelblätter u. s. w. 
seltener lothringischer Drucke dargeboten hatte, folgt jetzt Paul 
(ierschel auf elsässischem Gebiete. Als Anfang erschienen 10 Blätter 
juit Titelangabe auf jedem Blatte (Elsässischer Bücherschatz. Photo- 
graphische Nachbildungen von Titelblättern seltener und wertvoller 
altelsässischer Drucke. Strassburg, Photogr. Math, (rerschel. 1891). 

K M. 

Das französische Ministerium des öffentlichen Unterrichts und der 
schönen Künste hat die Veröffentlichung des Inventars des National- 



Ldtteratarnotizen. 187 

archivs zu Paris veranlasst (Etat soramaire par series des docu- 
ments conserves aux archives nationales. Paris, Ch. Delagrave, 1891). 
Es entspricht dies durchaus der seit 50 Jahren üblichen sehr lobens- 
werten Gepflogenheit der französischen Archivverwaltung, die unter 
ihrer Obhut ruhenden Schätze möglichst bekannt und zugänglich zu 
machen. Für uns ist diese Publikation insofern von Bedeutung, als 
sie dem vielfach verbreiteten Glauben, dass noch beträchtliche elsäs- 
sische Urkundenmassen im Pariser Archiv lagerten, mit einem Schlage 
ein Ende macht. Für das Mittelalter ergiebt sich so gut wie nichts. 
Besser steht es mit der Neuzeit, vor allem mit dem 18. Jahrhundert, 
aus der besonders eine Reihe von Denkschriften, Akten und Briefen 
der elsässischen Intendanz [K 1238—40, H 15, G^ 79—83 etc.] , sowie 
die zahlreichen Titres domaniaux [Q 970—980 u. m ] hervorzuheben 
sind. W. W. 

Die evangelische Kirche Badens besitzt in Vierordts zweibändigem 
Werke eine zuverlässige und auf guten Quellen beruhende Geschichte 
ihrer Entwickelung. Eine monographische Ergänzung dazu begrüssen 
wir in Heinrich Bassermanns ^Geschichte der evangelischen Gottes- 
dienstordnung in badischen Landen, zugleich ein Beitrag zum litur- 
gischen Studium" (Stuttgart, 1891). Da die badische Landeskirche 
hauptsächlich aus der altbadischen lutherischen und pfälzischen kal- 
vinistischen Kirche entstanden, so war damit dem Verfasser dio 
Richtung für seine Untersuchung gegeben. Unter Benützung von 
Aktenmaterial und den seltenen Ausgaben früherer Agenden zeichnet 
Bassermann den Gang der liturgischen Entwickelung seit der Refor- 
mation bis zur Gegenwart. Die Darstellung zerföllt in folgende Ab- 
schnitte: 1. Die ursprünglich-reformatorische Ordnung der Markgraf- 
schaft und der Kurpfalz 1556. 2. Die Agende Friedrichs Hl. für die 
Kurpfalz 1563. 3. Die lutherische Restauration in der Kurpfalz. 4. Die 
wiederhergestellte Gottesdienstordnung Friedrichs IIL 5. Die Schick- 
sale der altbadischen Agende. 6. Die Zeit liturgischer Auflösung u. 
Union. 7. Die preussische Agende in Baden und die erste Unions- 
agende. 8. Ein raodernej" Reaktionsversuch und sein Ausgang. 
— Ein sehr merkwürdiges Ergebnis der Untersuchung über die 
ältesten Agenden der Pfalz und Badens ist auf S. 26 festgestellt, 
dass nämlich die beiden Länder, welche später oft kirchliche Gegen- 
sätze waren und dann in unserem Jahrhundert in eine kirchliche 
Einheit zusammenwachsen sollten, von Anfang an ein und dieselbe 
Kirchenordnung von dem benachbarten Württemberg erhalten haben, 
„also einen Typus des Gottesdienstes und damit des kirchlichen 
Lebens". — Bassermanns Buch ist zugleich eine Fortsetzung des Vier- 
ordt'schen Werkes, dessen zweiter Band schon 1856 erschienen ist. 
Es schildert in seinem letzten Abschnitt den sogenannten Agenden- 
streit, diejenige Bewegung der evangelischen badischen Kirche, welche 
seit 40 Jahren die grösste Aufregung hervorgerufen hat. Erfreulich 
ist die objektive Ruhe, mit welcher dieser Teil der Aufgabe erledigt 
wird. Karl Hartfelder. 



] 83 Litteraturnotizen. 

In der prächtig aasgestatteten „Geschichte der Wandteppich- 
fabriken des Wittelsbachischen Fürstenhauses in Bayern" von Man- 
fred Mayer (München u. Leipzig, Hirth) wird entgegen Salzer 
daran festgehalten, dass Kurfürst Ottheinrich in seinem Fürstentume 
Neuburg eine Wandteppichfabrik errichtet habe, von der leider nur 
mehr wenige Stücke in München und Neuburg erhalten sind, nach- 
dem im Anfange dieses Jahrhunderts noch 19 Teppiche vorhanden 
waren. Salzer hatte angenommen, wandernde Niederländer hätten 
die Teppiche hergestellt. Mayers Gegengründe sind m. E. nicht 
zwingend. Auch auf die Frankenthaler Fabrik geht der Verfasser ein. 

Die vielverhandelte Frage nach dem Schauplatz des Kampfes 
zwischen Caesar und Ariovist, die nach den Untersuchungen von 
(röler und Napoleon III. zu einem gewissen Abschluss gelangt zu 
sein schien, ist von dem bekannten französischen Oberst Stoffel in 
seinem Buch „Guerre de Cösar et d'Arioviste et premieres Ope- 
rations de Cesar en Tan 702. Paris, imprimerie nationale. 1890" von 
neuem in Fluss gebracht worden. Hatten jene beiden Forscher das 
Schlachtfeld auf das Ochsenfeld südlich von Sennheim zwischen Thur 
und Doller verlegt und hatte dann .1. Schlumberger in seiner 1877 
erschienenen Schrift „Caesar und Ariovist" dasselbe südlicher, an 
dem St. Nikolasbach ungefähr bei dem Dorfe Leval gesucht, so kommt 
jetzt Stoffel zu dem entgegengesetzten Resultate, dass es nördlicher 
anzusetzen sei zwischen Zellenberg, Beblenheim und Ostheim, zwischen 
dem Strengbach und der Weiss. Den Hügel, den „tumulus terrenus 
satis grandis", auf dem Caesar und Ariovist vor der Schlacht ihre 
Unterredung hatten, glaubt er in einer Anhöhe zwischen Dambach 
und Epfig, dem sogenannten „Plettig", gefunden zu haben. Wie viel- 
fach jene Frage hin und her gewendet ist. geht wohl am besten daraus 
hervor, dass schon 18(57 W. Rüstow in seinem Kommentar zu Napo- 
leons Caesar halb aus Scherz dieselbe Hypothese aufstellte und zu 
beweisen suchte, was Stoffel gar nicht bemerkt hat oder wenigstens 
nicht erwähnt. Zu seiner Annahme gelangt Stoffel dadurch, dass er 
den bekannten circuitus von 50 römischen Milien in Caesars Bericht 
nicht als völligen Umweg wie Schlumberger, sondern nur als weitem 
Weg anifasst, der von Besanyon aus über Voray, Rioz, Villersexel 
abbiegt und bei Arcey wieder die nähere Strasse nach Beifort erreicht, 
und dass er Caesars Heer sieben Tagemärsche von je 27 Kilometern 
ohne Unterbrechung machen lässt. Acceptiert man diese starke 
Marschleistung, so muss man anerkennen, dass man auf dem von 
Stoffel vorgeschlagenen Terrain sich im allgemeinen sehr wohl die 
Entwickelung der Dinge so denken kann, wie sie uns die Quellen 
schildern. Das gleiche trifft übrigens beim Ochsenfeld zu. Allein 
eben diese Quellenüberlieferung ist so dürftig namentlich in ihren 
topographischen Angaben, dass ihr gegenüber grosse Vorsicht geboten 
erscheint. Nach dieser Richtung hin haben bisher aller Untersuch- 
ungen gesündigt. Es kommt eigentlich nur eine Quelle in betracht. 
eben Caesars Bericht — denn dass uns im Plutarch und Dio Cassios 



Litteraturnotizen. ^39 

eine andere Überlieferung vorliege als eben die Caesarianiscbe , nur 
geläutert vielleicht in des Livius Vermittlung durch die Kritik des 
gesunden Menschenverstandes, scheint mir trotz der modernen Über- 
schätzung von Asinius PoUio bis jetzt nicht erwiesen. Cäsars An- 
gaben reichen aber bei weitem nicht aus, seine Operationen gegen 
Ariovist örtlich zu fixieren, und die Gegenzüge der Germanen lassen 
sie vollends im Dunklen. Das bezeichnendste bleibt immer noch die 
Charakterisierung der elsässischen Ebene in der Wendung: planicies 
erat magna. Aber weder ist der erwähnte circuitus für Alle völlig 
befriedigend zu erklären, noch ist leider Cäsars Angabe über die 
5 Milien der Verfolgungsstrecke vom Schlachtfeld bis zum Rhein text- 
kritisch absolut sichergestellt, da Plutarch und Orosius eine andere 
Version von 50 Milien vertreten, von den nebensächlichen Andeutungen 
ganz zu schweigen. Das bedenklichste jedoch ist, dass wir über die 
Strassen jener Gegend und ihre Richtung in der Cäsarianischen Zeit 
so gut wie Nichts wissen , es geht auf keinen Fall an, auf spätrömi- 
schen Strassenzügen in der Überlieferung gegebene oder aus Ana- 
logie-Schlüssen genommene Entfernungen messen zu wollen. Für 
mich scheint jede kritisch besonnene Untersuchung über die beregte 
Frage vorläufig mit einem non liquet schliessen zu müssen, bis es 
nicht gelungen ist, durch Nachgrabungen oder Funde einen materiellen 
Anhalt zu finden. Stoffels Versuche nach dieser Richtung blieben 
ohne Ergebnis. Ich gedenke bei anderer Gelegenheit meine Ansicht 
ausführlicher zu begründen. W. Wiegand. 

In Bd. 12 S. 782—784 des historischen Jahrbuchs der Görresgesell- 
schaft hat Stiftsarchivar P. Odilo Ringholz nachzuweisen gesucht, 
dass der in den Acta nationis Germanicae universitatis Bononiensis 
(edid. Friedländer et Malagola) in den Jahren 1422—28 mehrfach 
genannte Bernhard nicht Markgraf Bernhard der Selige, 
sondern ein natürlicher Sohn Markgraf Bernhards I. und der näm- 
liche wie der 1470 gestorbene erste Badener Stiftsprobst Bernhard 
von Baden gewesen sei. Diese Richtigstellung ist, soweit sie Bern- 
hard den Seligen betrifft, unanfechtbar; denn dieser wurde erst um 
1428 geboren. Schulte hatte daher schon in dieser Zeitschrift N. F. 
3, 236 darauf hingewiesen , dass die in den Acta zu dem ersten Ein- 
trag von 1422 hinzugefügte Bemerkung von späterer Hand (nunc est 
beatus, claret miraculis in civitate montis Calerii in Sabaudia) auf 
Venvechslung beruhe. Dagegen kann ich mich den übrigen Schluss- 
folgerungen P. Odilo's nicht anschliessen. Sehen wir uns die ver- 
schiedenen Einträge an. Der erste zu 1422 (Acta 172) lautet: Item 
dominus Johannes de Reiffenberg canonicus Maguntinensis et dominus 
Bernhardus, filius marchionis Badensis, I florenum de camera. Und 
einige Zeilen weiter: Item magister Henricus Brantz de Ulma socius 
domini Bernhardi de Baden X Bononinos. Weshalb der Sohn des 
Markgrafen seine Inskriptionsgebühr zusammen mit dem Mainzer 
Kanonikus Johann von Reiffenberg (bei Usingen) entrichtet, kann 
ich nicht sagen. Aber wenn jeder genau die Hälfte der angegebenen 



1 90 Litteraturnotizen. 

■Summe, die 39 solidi entspricht (vgl. den Eintrag der Schenke von 
Limburg zum gleichen Jahre), gezahlt hat, so ist der Sohn des Maik- 
^'rafen immer noch unter den am höchsten eingeschätzten, and dies, 
wie der Umstand, dass er einen Begleiter auf die UniversitJit mit- 
;;ebracht hat, verbietet meines Eraclitens ihn als einen natflrlidieu 
Sohn M. Bernhards anzusehen, der seine natürlichen Söhne wohl mit 
einheimischen Pfründen versorgen, aber in Anbetracht seiner bc- 
scliränkten Mittel schwerlich zu kostspieligen Stadien ins Aasland 
schicken konnte. Der zweite Eintrag zu 1424 Januar 6 (Acta 174) 
besagt, dass die deutschen Studenten beider Rechte dominom Bem- 
Iiardum de Baden pastorem in iksekeim. scolarem in iare canonico 
et iure civili zu einem ihrer Prokuratoren gewählt haben, and dieser 
nümliche Bernhardus de Baden wird dann noch zweimal, 1427 Jan. 13 
und 1428 April 29 (Acta 178 u. 179), und zwar das erstemal als Stell- 
vertreter der Prokuratoren (^tamquam vices gereutes procoratoram 
ilicte nacionis") bei einem Rechtsgeschäfte der deutschen Nation 
«genannt. Mit M. Bernhards gleichnamigen Sohn hat der Pastor von 
Bosigheim offenbar nichts zu thun. Nur auf den Historiographen 
König Maximilians L Ladislaus Suntheim (bei Öfelc SS. rer. Boic. 
2, rm) und auf Gutgesell (Kloster Lichtenthai S. 78) hätte sich P. Odile 
nicht berufen dürfen. Suntheim ist in seinen älteren genealogischen 
Notizen ganz unbrauchbar und auch später meist unzuverlässig, wie 
in diesem Falle die Angabe: Bernhardus iunior . . . obiit in die SGelsi, 
27 die Julii beweist; denn Celsus fiült auf den 28. Juli. Gotgesell 
aber schreibt HeiTs anonym erschienenes Büchlein über „das Kloster 
Lichtenthai. dessen Kirche und KaiHille"* (Carlsruhe 1833) Wort för 
Wort ohne Nennung seiner Quelle ab, und Herr giebt für den Todestag 
Bernhards d. j. nur die Grabschrift wieder, die wahrscheinlich wie 
die meisten Grabschriften der Lichtenthaler Fürstenkapelle erst bei 
«1er Konovation von 183() auf Grund der P'orschungen Herrs angebracht 
worden sind.M Dennoch dürfte 1424 das richtige Todesjahr sein; 
denn 1423 wird i^enihard d. j. mit Elisabeth, der Tochter Graf Eber- 
hards des Milden von Wirtemberg und der Enkelin einer Schwester 
Konig Sigmunds (vgl. Z. N. F. 3, 441 No. 641 u. künftig Reg. der 
Markgrafen zu 1423 Juni 10), verlobt, derselben, welche 1428 gegen 
«len Willen ihrer Verwandten sich mit (iraf Johann von Werdenberg 
lieimlich vermählte (Stalin, Wirtemb. Gesch. 3. 4vJ3). Und ich kann 
mich nicht mit der Annahme befreunden, dass Bernhards Yerlobong 
zuriickgegangen, und er alsbald in den geistlichen Stand eingetreten 
sei. Die Acta würden, wenn der Pastor von Besigheim ein legitimer 
Sohn M. Bernhards war, ganz gewiss bei Nennung des neuen Pro- 

^) Die l^Vagmente der alten Grabsteine hat man bei den Renovatious- 
4irbeiten teilweise als Baumaterialien benutzt. Wegen ihres hohen Wertes 
für die Genealogie des badischeu Fürstenhauses wäre es sehr dankenswert, 
w(>nn die Herausgeber der Kuiistdenkniüler des Grossherzogtums Baden 
unter Lichtenthai eine eingehende Beschreibung aller noch vorhandenen 
Koste brächten. 



LitteraturnotizeD. 191 

karators das filins marchionis iiiclit weggelassen haben, wie sie auch 
1378 und 1379 (140. 141) beidemale Johann den Sohn des Herzogs 
von Baiem und nicht das zweitemal schlechtweg Johann von Baiern 
nennen. Ich halte also daran fest, dass der 1422 genannte Sohn des 
Markgrafen Bernhard der junge ist. Den Pastor von Besigheim aber 
für einen natürlichen Sohn M. Bernhards anzusehen, liegt nicht der 
geringste Grund vor, da wir allein unter drei nach Baden genannten 
Geschlechtem (Z. 38, 353—355) die Auswahl haben, und die Acta 
schon zu 1369 einen scolar dominus Henricus de Baden anfülu*en, 
den wir mit demselben Rechte für einen ausserehelichen Sprössling 
des badischen Hauses erklären könnten. Dasselbe gilt nun wohl auch 
von dem Badener Stiftsprobst Bernhard von Baden. Dass M. Jakob 
das Badeuer Kollegiatstift in der Gründungsurkunde den unehelichen 
Söhnen seines Hauses offen hielt, beweist doch nicht im mindesten, 
dass dieser Bernhard ein Sohn M. Bernhards I. oder M. Jakobs war. 
Seine Identität mit dem Pastor von Besigheim wäre nicht unmöglich. 
Leider ist auf seinem Grabsteine in der Badener Stiftskirche nach 
einer genauen Zeichnung und Beschreibung, die ich der Güte Herrn 
Prof. Valentin Stössers in Baden-Baden verdanke, kein Wappen an- 
gebracht. Die Umschrift aber, wodurch das Todesjahr richtiggestellt 
wird, lautet: Anno domini 1475 die 5 mensis Junii (obiit dominus) 
venerabilis Bernardus huius ecclesiae praepositus pia(e) memoria(e) 
requiescat in pace. Richard Fcater. 

Über den Colmarer Augustiuermönch Johannes Hoffnieistei 
handelt Nikolaus Paulus. (Der Augustinermönch Johannes Hoff- 
meister. Ein liCbensbild aus der Reformationszeit. Freiburg i. B., 
Herder 1891. 8®. XX, 444 S ) Der Verf. konnte bisher ungedruckte 
Briefe des Ordensgenerals Seripando an Hoffmeister benutzen. 

K M. 

Ed. Bodemann veröffentlicht in dem soeben erschienenen 
„Historischen Taschenbuch" (Sechste Folge. XI. Jahrgang 1892) einen 
Aufsatz über „Elisabeth Charlotte von der Pfalz, Herzogin 
von Orleans" (S 1—76). Die Arbeit gründet sich hauptsächlich auf 
die jetzt gedruckte Korrespondenz der berühmten Liselotte. Sehr 
frisch und anziehend sind die Jugenderinnerungen an Heidelberg und 
die Pfalz, welche S. 13 ff. dargelegt werden. — Doch sei bemerkt, 
dass die jetzige Schreibweise Oftersheim ist. Karl Harffddcr. 



Der 10. Band der „Zeitschrift der Ges. für Beförderung der 
Geschichts-, Altertums- und Volkskunde von Freiburg, dem Breisgau 
und den angrenzenden Landschaften" (Freiburg, Stoll nnd Bader) 
bringt die Veröffentlichung des Waldkirch er Stadtrechts vom 
Jahre 1587 durch Heinrich Maurer. 1300 zur Stadt erhoben, er- 
hielt sie Freiburger Recht. Während aber dieses durch Ulrich Zasius 
unter dem Einflüsse römischen Rechtes umgestaltet wurde, bietet 
auch das Waldkircher von 1587 reines deutsches Recht. Leider ist 



192 Litteraturuotizen. 

das Verhältnis zu dem Stadtrecht von 1470, welches in dieser Zeit- 
schrift 14, 79 flf. veröffentlicht ist, nicht untersucht, auch nicht darauf 
hingewiesen, dass daselbst bereits Mitteilungen über das Stadtrecht 
von 1587 gemacht sind. Eine zweite Arbeit desselben Verfassei-s be- 
handelt die ^erfassungsumwälzung in Freiburg vom Jahre 1388. 



Karl Hartfelder bringt in einem Aufsatz im letzten Jahrgang 
des historischen Taschenbuchs die persönlichen Beziehungen des 
Krasmus von Rotterdam zu den Päpsten— unter Benutzung von 
Erasmus' Briefwechsel — zur Darstellung. Diese Beziehungen — die 
in der reichen Erasmus-Litteratur bisher nicht im Zusammenhang 
behandelt worden waren — sind deshalb wichtig, weil sie auf die 
Parteinahme des Erasmus in den kirchlichen Kämpfen der Ilefor- 
mationszeit nicht ohne Einfluss geblieben sind. Das Verhältnis des 
gefeierten Gelehrten zu dem jeweiligen Papst, mag derselbe nun 
Julius II. oder Leo X. oder Adrian VT. oder Clemens VII. oder 
Paul III. heissen, ist immer dasselbe. Erasmus huldigt dem Papst 
und er huldigt — der Sitte der Zeit entsprechend ■— mit Überschwang- 
liehen, demütigen Worten und sucht Schutz vor seinen Anklägern: 
der Papst erwidert mit ehrenvollen Ausdrücken der Anerkennung, 
mit Dispensen, mit Einladungen nach Rom, mit (Teldgeschenken, mit 
Schutz vor den Anklägern. Diese Gnadenbeweise, denen Erasmus 
hohen Wert beilegt, bilden neben seinen religiösen und wissenschaft- 
lichen Ansichten ein starkes Band, das ihn mit der Kurie und der 
katholisi^hen Kirche verbindet. 77/. MüUer. 

Über die Schulaufiftihrungen zuStrassburg und Schlettstadt 
im 16. Jahrhundert und über Jörg Wickram aus Kolmar als Dichter 
von Schuldramen finden sich Notizen bei Paul Bernhard Rache, 
Die deutsche Schulkomödie und die Dramen vom Schul- und Knaben- 

si)iegel. [Leipziger] Inaug.-Diss Liebertwolkwitz , Druck von F. 

Zeugner. 1891. 8«. 79 S. K, üf. 

Von dem als Maler und Illustrator bekannten Tobias Stimmer 
ist eine bisher ungedruckte Komödie veröffentlicht worden, die der 
Dichter wohl für die Fastnacht 1581 in Strassburg oder Baden-Baden 
gemacht hat. (Tobias Stimmers Comedia mit 18 Federzeichnungen 
desselben zum ersten Mal herausgegeben von Jakob Owi. Frauen- 
fold, J. Iluber. ^, XXVIII. .^>8 S.) E, M, 

Die dritte Serie der „Sammlung von Vorträgen, gehalten im 
Mannheimer Altertumsverein" (Mannheim. Löffler) enthält an Vor- 
trägen, welche sich auf die Geschichte des Oberrheins beziehen: Karl 
Christ, Das Dorf Mannheim und die Rechte der Pfalzgrafen an 
Wald, Wasser und Waide der Umgegend, Max Seubert, Mannheim 
vor hV) Jahren un<l Mannheims erste Blütezeit unter Karl Theodor. 

Wdtere Notizett mü^en wir leider zurücklegen. 



Das Elsass znr Earolingerzeit 

Nachweise zur Ortskunde und Geschichte des Besitzes der 

reichsländischen Vorzeit. 

Gesammelt von 

Hermann Ludwig von Jan. 



Die folgenden Nachweise bewegen sich innerhalb der 
Grenzen der reichsländischen Bezirke Ober- und Unterelsass. 
Dementsprechend finden die dem karolingischen Sund- und 
Nortgau zugehörigen Orte ausserhalb dieser Bezirksgrenzen 
keine Berücksichtigung, während dies andererseits mit reichs- 
ländischen Orten der Fall ist, die jenseits der westlichen und 
nördlichen Nortgaugrenze, auf dem Boden des einstigen Saar- 
und Speiergaus liegen. 

Aufgenommen wurden alle heute noch nachweisbaren Orte 
der fränkischen Zeit, die bis zum Jahre 000 in Urkunden 
und andern Geschichtsquellen des 6. bis 9. Jahrhunderts ge- 
nannt sind. Späteren zeitgeschichtlichen Aufzeichnungen sind 
vereinzelt Angaben über meist in der Folge urkundlich be- 
stätigten Besitz entnommen. Durch den Hinweis auf die Quellen 
— fast durchgängig auf den zugleich die Litteraturangabe bieten- 
den jüngsten Druck — sind die benutzten verdächtigen und 
unechten Stücke zu erkennen. Untersuchungen über die zweifel- 
haften und die thatsächlich in späteren Jahrhunderten ge- 
fertigten Merowinger- und Karolinger -Besitzurkunden lagen 
ausserhalb des Rahmens der Arbeit. Ihr Ergebnis würde 
ohnehin an der Thatsache der Begüterung kaum Wesentliches 
ändern können. Ebenso geschah der römischen Vergangenheit 
des Landes, als nicht in Betracht kommend, keine Erwähnung. 

Soweit es erforderlich und möglich war, wurde auf die Ur- 
quellen zurückgegangen. Zu diesem Zweck sind eine Reihe 
von Urkunden und Kartularien in den Bezirksarchiven des 
Ober- und Unterelsasses, sowie des Pariser Nationalarchivs 
durchgesehen, die dem Liber donationuni des Klosters Weissen- 
burg und die dem Codex dipl. Fuldensis entnommenen Namens- 
formen mit der Urschrift verglichen worden. Unwesentliche 

Zdtschr. f. Oevch. d. Oberrh. N. F. VII. 2. 13 



194 ▼. Jan 

Abweichungen von letzterer im angezogenen Drucke sind ohne 
besondere Bemerkung verbessert. 

Die Orte sind nach ihren heutigen Namen auf Grund des 
vom Statistischen Bureau des Kaiserlichen Ministeriums für 
Elsass -Lothringen herausgegebenen Ortschaftsverzeichnisses 
(Strassburg 1884) aufgeführt. Der Anhang bringt eine Liste 
der alten Namensformen mit dem Verweis auf die jetzigen. 

Ein den Anforderungen der Zeit entsprechendes orts- 
beschreibendes und ortsgeschichtliches Werk für das Reichs- 
land ist längst allgemein als ein dringendes Bedürfnis aner- 
kannt. Möge dieses bescheidene Bruchstück eines solchen für 
einen wichtigen Zeitabschnitt der Landesgeschichte seinem 
Zwecke gerecht werden! Wie sehr eine derartige Arbeit bei 
aller darauf verwandten Gewissenhaftigkeit ergänzungs- und 
berichtigungsfähig bleibt, ist Jedem, der auf ähnlichem Ge- 
biete thätig war, bekannt. Auch die vorliegende Veröffent- 
lichung wird diese Erfahrung bestätigen. 

„Für die Geschichte der Ansiedlung eines Landes muss 
man zuvörderst die Menge der Wohnorte und die Art ihrer 
Verbreitung kennen", schreibt Mone (Zeitschr. XIV, 385), 
„ehe man die Entwicklung des nationalen Zusammenlebens 
verstehen und darstellen kann, denn die Bewohnung hat nicht 
nur eine geographische, sondern auch eine Wichtigkeit für die 
Bildungsgeschtchte. "" 

In dieser Richtung dürfte die beigegebene Karte, auf der 
jeder in der Aufstellung genannte Ort (mit dem Hinweis auf 
die angeführte Begttterung) eingetragen ist, einen anschau- 
lichen Überblick für das Elsass zu der Zeit bieten, da es an 
erster Stelle unter den damals das Herz des Reichs bildenden 
rheinischen Landen stand. Auf den das waldreiche Gebirge 
säumenden fruchtbaren Lössterrassen, vorzüglich am Ausgang 
der sich nach Morgen öffnenden Thäler, erstanden die ältesten 
und die meisten Ansiedlungen, die vielfach schon früh Obst- 
baum- und Rebenanlagen umgaben : etwa fünf Sechstel der zu 
Ende des 9. Jahrhunderts vorhandenen Orte liegen westlich 
der beiläufig durch die Eisenbahnstrecke Weissenburg-Basel be- 
zeichneten Linie, auf dem allerwärts zur Niederlassung bevor- 
zugten, vor Überschwemmung, Thalnebel und Spätfrost ge- 
schützten gesegneten Hügellande, dessen ausgedehntem Vor- 
handensein das Elsass seine frühe starke Besiedlung verdankt. 



Das Elsass zur Karolingerzeit. 195 

Für liebenswürdiges Entgegenkommen und freundliche 
Hilfe, deren ich mich bei meinen Untersuchungen zu erfreuen 
hatte, spreche ich öffentlich meinen verbindlichsten Dank aus: 
<ler Eaiserl. Universitäts- und Landesbibliothek in 
Strassburg, den Herren Archivdirektoren Prof. Dr. Wiegand 
in Strassburg und Archivrat Dr. Pfannenschmid in Golmar; 
Herrn Archivrat Dr. Schulte in Karlsruhe; Herrn Archivrat 
Dr. Koennecke, Königl. Staatsarchivar in Marburg; den 
Herren Francis Delaborde und Elie Berg er, Archivaren des 
Pariser Nationalarchivs; dem Historischen Verein der Pfalz 
und ganz besonders dessen Konservator, Herrn Prof. Dr. Har- 
ster in Speier, Herrn Stadtbibliothekar Dr. Reuss in Strass- 
burg. 

Qyellen. 

ürkoDden. 

Calmet, Histoire eccl. et civ. de Lorraine. 2« 6dit. Nancy 1745 — 57. 
Pikees justif. n. 

— Notice sur la Lorraine. Nancy 1756. I. 
Schoepflin, Alsatia diplomatica. Mannh. 1772. I. 
€(randidier, Histoire de F^glise de Strasbourg. Strasb. 1776—78. 

Piöces justif. I, IL 

— Histoire de PAlsace. Strasb. 1787. Pikees justif. I, E. 
Monnmenta Ger man. bist. Diplomata Imp. Hannov. 1872. I. 

— Leges. HannoY. 1835 s. I, n u. Y (Fonnulae). 

Zeitschrift für die Gescb. d. Oberrb. Earlsr. m (1852), N.F.IV (1889). 
Br6quigny-Pardessus, Diplomata, Chartae etc. Paris 1843/49. I, H. 
Tardif, Monuments bistoriques. Paris 1863. 
Teulet-Laborde, Inventaires et documents. Paris 1863. I. 
Sickel, Acta Reg. et Imp. Earolinorum. II. Regesten der Urkunden der 

ersten EaroUnger. Wien 1867. 
Böhmer-Mühlbacber, Regesta Imperii I. Innsbr. 1889. 
Jaff6- Watten b ach, Regesta Pontif. Roman. Lips. 1885. I. 
Codex Laureshamensis diplom. Mannh. 1768. I. 
Traditionespossessionesque Wizenburgensesed. Zeuss.Spir. 1842. 
-Codex diplom. ad historiam Raeticam ed. Mohr. Cur 1848. 
Codex diplom. Fuldensis ed. Dronke. Kassel 1850. 
Urkundenbuch z. Geschichte der Bischöfe zu Speier, herausg. t. 

Remling. Speier 1852. I. 
Trouillat, Monuments de Thistoire de Pancien 6y6ch§ de B&le. Porren- 

truy 1852. I. 
Wirtemberg. Urkundenbuch. Stuttg. 1858. n. 
Urkundenbuch der Abtei St. Gallen, herausg. y. Wartmann. Zürich 

1863-66. I, n. 
Urkundenbuch der Stadt Strassburg. Strassb. 1879. I., herausg. v. 

Wiegand. 

13* 



196 V- Jan. 

Urkundenbuch der Stadt u. Landschaft Zürich bearb. v. Escher u. 

Schweizer. Zürich 1888. I. 
RappoltsteinischesUrkundenbuch, hrsg. v. Albrecht. Colmarl891.L 

EnUilende fieschiolitsqiieUen. 

Ravennatis Anonymi Cosmographia ed. Finder et Parthey. Berol. 1860. 

Acta sanctorum Bolland. Bruxellis 1648 s. Jan. T. 11; Jan. T. I, ni; 
JuL T. H; Aug. T. VI. 

Monumenta German. bist. Scriptor. rer. Merovingicarum. HannoT. 
1885, 1888. I: Gregorii Turonensis opera; II: Fredegarii et aliorum 
Chronica. — Scriptor. Hannov. 1826 s. I: Annal. Lauriss. mai.; Annal. 
Alamann.; Einhardi Annal; Annal. Fuldens.; Annal. Bertin.; Hinc- 
mar, Annal.; Annal. S. Amandi cont. 11: Pauli Gesta Episc Met- 
tens.; G^ta Abbat. Fontanell.; Thegani vita Hludowici imp.; Vita 
Hludowici imp. (Astron.); Nithardi bist; Monachi Sangall. de gestis 
Eiiroli M. IV: Chron. Mediani mon. V: Herimanni Augiensis Chron. 
Xni: Annal. Veterum Fragm. Flodoardi Hist. Remens. Eccl. XXI: 
Chron. Lauresh. XXIII: Chron. Ebersheim. XXV: Richeri Gesta 
Senon. Eccl. 

— — Libri confratemitatum. Berol. 1884. 

— — Poetae lat. medii aevi. Berol. 1881, 1884. I, II. 
Belhomme, Historia Mediani Monast. Argent. 1724. 

Bouquet, Recueil des historiens des (faules et de la France. Nout. 

6d. par L Deslisle. Paris 1869, 1870. HI, VU. 
Grandidier, Histoire de T^glise de Strasbourg. Strasb. 1776. I. Text 

u. Pikees justif. 

— Histoire de PAlsace. II. Pitees justif. 

Mone, Quellensammlung der bad. Landesgesch. Karlsr. 1848. I. 
Zeitschrift für die Gesch. des Oberrheins. Karlsr. 1861. XIII. 
Code histor. et diplom. de la YÜle de Strasbourg. Strasb. 184S 

—48: M. Berler, Chronik. 
Schmidt, Ch., Histoire du chapitre de Saint-Thomas. Strasb. 1860. 
Hanauer, Les constitutions des campagnes de TAlsace au moyen-Age. 

Paris et Strasb. 1864. 

ABgeiogea ivr TergleichoDg and Ergloiiing der ABgabea: 

Schoepflin, Alsatia illustrata. Colmar 1751. I.— Trad.de Rayeoex. 

Mulh. 1851. HI. 
[Hör rer], Dictionnaire d'Alsace. Strasb. 1787. 
Grandidier, Oeuvres hist. in^dites. Colmar 1865/67. I, V, VI. 
Stoffel, Dictionnaire topogr. du d^partement du Haut-Rhin. Paris 1868. 

— Topograph. Wörterbuch des Ober-Elsasses. Mülh. 1876. 
Förstemann, Altdeutsches Namenbuch. Nordh. 1872. H. 
Bossler, Die Ortsnamen im Unterelsass, im Oberelsass. Zeitschr. f. 

deutsche PhUologie VI (1875), IX (1878). 
So ein, Die althochdeutsche Sprache im Elsass vor Otfned von Weissen- 

bürg. Strassb. Studien I (1883), 114 f. 
Schricker, Aelteste Grenzen und Gaue im Elsass. Strassb. Studien U 

(1884), 305 f. 



Das Elsass zur Karolingerzeit. 197 

Wieg and, Aeltere Archivalien der Abtei Münster i. E. Mittheil. d. Inst. 

f. österr. Geschichtsforschung. Innsbr. X (1889), 75 f. 
Schalte, Zu den Verbrüderungsbüchem von St. Gallen u. Reichenau. 

Das. XI (1890), 123 f. 
Jahrbücher der deutschen Geschichte. Bonneil, Die An6uige des 

karoling. Hauses. Berl. 1866. 

— Breysig, Jahrbücher d. fränk. Reichs 714—741. Leipz. 1869. 

— Hahn, desgl. 741—762. Berl. 1863. 

— Oelsner, Jahrb. des fränk. Reichs unter K. Pipin. Leipz. 1871. 

— Abel-Simson, desgl. unter Karl d. Gr. Leipz. 1888, 1883. 

— Simson, desgl. unter Ludwig d. Fr. Leipz. 1874/76. 

— Dümmler, Geschichte des ostfränk. Reichs. Leipz. 1887/88. 

Ftr die mittelalterliche Cfrenibeieichnimg: 

Longnon, Atlas lustorique de la France. Paris 1884 f. 
Schricker, Ael teste Grenzen und Gaue im Elsass a. a. 0. 
Schulte, Gesch. der Habsburger in den ersten drei Jahrb. Innsbr. 1887. 
S. 136/136. 

In des folgenden Nachweisen erscheinen begütert:*) 

Die Kirche von Strassburg in Bischofsheim, f Damenheim, 
Eschau, Heiligenberg, Kriegsheim, Lipsheim, Plobsheim, Rufach, Still, 
Unnatt, Wittisheim. 

Das Domstift Strassburg in Breuschwickersheim, Geispolsheim. 

Kloster Andlau in Andlau, Kinzheim, Marlenheim, Meistratz- 
heim, Mittelbergheim, Stotzheim, Walf, Zinsweiler. 

Kloster Arnulf sau s. Kl. Schwarzach. 

Kloster Ebersmtinster in f Alschweiler, Artolsheim, Arzen- 
heim, Baldenheim, Baldersheim, Barr, Battenheim, Bergholz, Biesheim, 
Bindemheim, BoUweiler, Ebersheim, f Edenburg, Egisheim, Ehn- 
weyer, Gmssenheim, Gundolsheim, Hilsenheim, Hindisheim, Hirzfelden, 
Hüttenheim, lUkirch, Kestenholz, Kinzheim, Kogenheim, Kanheim, 
Limersheim, Logeinheim, Metzeral, Mittelweier, Müttersholz, Nieder- 
{Ober-) Rathsamhausen, f Niffern, Nordhaasen, Orschweiler, Räders- 
heim, t Reggenhausen, Regisheim, Rimbach-Zell, Rülisheim, Scher- 
weiler, Schwobsheim, f Sermersheim, Sermersheim, Sigolsheim, Stotz- 
heim, Sulz, Uttenheim, Walf, t Weiler, Wittisheim. 

Kloster Erstein in Gressweiler. 

Kloster Eschau in Bindemheim, f Dumenheim, Illkirch, Kesten- 
holz, Kinzheim, Rufach, Strassburg. 

Kloster Haslach in Fürdenheim, Kirchheim, Marlenheim, 
t Wege. 

Kloster Hohenburg in Baldersheim, Brunstatt, Carspach, Gun- 
dolsheim, Heidweiler, Heimersdorf, Hirsingen, Illfurt, Kinzheim, 
Lttmschweiler, Oberehnheim, Regisheim, Reiningen, Rosheim, Rülis- 
Jieim. 



^) Die abgegangenen Orte sind mit f bezeichnet. 



198 V. Jan. 

Kloster Honaa in Achenheim, Barenbach, Barr, Beinheim, 
Berstett, Bettenhofen, Breoschwickersheim, Dahlenheim, Diefenbach, 
Eckbolsbeim, f Edenbarg, Fflrdenheim, Gambsheim, Geispolsbeim^ 
Hatten,. Hönheim, Hohengöft, HOrtigheim, Hfittenbeim, Kanffenheim, 
Kilstett, Kirchheim, Lautenbach, Mühlhausen, Nieder- (Ober-) Modem, 
t Nieffem, Odratzheim, Offendorf, Osthofen, Ringendorf, Röscbwoog, 
Rothan, Runzenheim, Schiltigheim , Schwindratzheim, f Störbacb, 
ürmatt, Wangen, Weyersheim, Wisch, WOllenheim. 

Kloster Leberau in Andolsbeim, Bennweier, Enzheim, Ffirden- 
heim, Gemar, Gmssenheim, Hindisheim, f Ingmarsheim, Limersheim, 
Markolsheim, Wolxheim. 

Kloster Masmfinster in Bailersdorf, Brnbach, Dammerkirch, 
Ensisheim, Gewenheim, Gildweiler, Herlisheim (Ob.-Els.), Hundsbach, 
Ingersheim, Logeinheim, Mfilhausen, Nieder- (Ober-) Bumhaupt, Nieder- 
spechbach, Niedersteinbrunn, Obermorschweiler, Rixheim, Rölingen, 
Sigolsheim. Uffholz, Zillisheim. 

Kloster Maursmünster in t Büren, Dimbsthal, t Durenbach, 
Gottenhausen, Hägen, Hengweiler, Lochweiler, Ottersweiler, Rein- 
hardsmünster, Rentenburg, Schwebweiler, Schweinheim, Singrist, 
Thal bei Maursmünster. 

Kloster Münster (im Gregorienthai) in f Altdorf, f Altheim, 
Baigau, Bergheim, Colmar, Dessenheim, t Dinzheim, Egisheim, Fessen- 
heim, Heidolsheim, Heiteren, Jebsheim, Modenheim, Mühlbach, Munzen- 
heim, Oberhergheim, Obersaasheim, Ohnenheim, Rappoltsweiler, Sund- 
hofen, Türkheim, Uffholz, üngersheim, Weier im Thal. 

Kloster Murbach in Achenheim, t Altheim, Balschweiler, Bau- 
zenheim, Baronsweilcr, Bartenheim, Bergheim, Bemweiler, Blotzheim, 
fBodenheim, Bollweiler, Didenheim, Dorlisheim, Dossenheim, fDürren- 
gebweiler, t Ellenweiler, Enzheim, Epfig, f Erbenheim, t Essweiler, 
Exbrücke, Fessenheim, Flachslanden, Geberschweier , Gildweiler, 
Grassendorf, Gundolsheim, Gunstett, Häsingen, f Hammerstatt, Hei- 
weiler, Hettenschlag, Hindisheim, Hindiingen, Hipsheim, Hirzfelden, 
Holzweier, Hüttenheim, Ingersheim, f Kinzingen, Kolbsheim, Kranter- 
gersheim, Leimen, Liebcnzweiler, Lutterbach, Meienheim, Merxheim, 
Modenheim, Niedermorschweiler, Orschweier, Osthausen, t Ostheim, 
Ottmarsheim, Pfastatt, Pfetterhausen, Pulversheim, Rädersheim, Rösch- 
woog, Rumersheim, Sausheim, Schlettstadt, Scsenheim, Üngersheim, 
Wattweiler, Weckolsheim, Wickerschweier, Winzenheim, Wittenheim, 
Wörth, Wolxheim, Zillisheim. 

Kloster Niedermünster in Barr, Blienschweiler . Boozheim, 
Brunstatt, Gertweiler, Heimersdorf, Hirsingen, Kogenheim, Oberehn- 
heim. Ottrott, St. Nabor, Sermersheim, Sulzbad. 

Kloster St. Nabor (St. Avold, Bez. Lothringen) in Altdorf. 

Kloster St. Pilt in Deutsch-Rum bach, Gemar, Gross-Rumbach, 
Hingrie, Kinzheim, Klein-Rumbach, Nangigoutte, Wanzel. 

Kloster St. Siegmund (St. Markus) in Geberschweier, Pfaffen- 
heim, Sulzmatt. 



Das Elsass znr Karolingerzeit 199 

Kloster St. Stephan (in Strassbarg) in Bolsenheün, f Botebar, 
t Egesheim, Limersheim, Lipsheim, Schiltigheim, Wangen, Wibolsheim. 

Kloster St. Thomas (in Strassburg) in f Adelshofen, Altdorf, 
Eckbolsheim, Gugenheim, Molsheim. 

Kloster Weissenbnrg in f Altbronn, Alteckendorf, Altenheim, 
Bärendorf, Barr, Batzendorf, Beinheim, Berg, Berstett, Bettweiler, 
Biblisheim, Bissert, Blienschweiler, f Bodenheim, Bosseishausen, Buchs- 
weiler, Büsweiler, Burgheim, Dahlenheim, Dangolsheim, Dauendorf, 
Dehlingen, Dengeisheim, Dettweiler, Donnenheim, Drulingen, Dür- 
ningen, Dunzenheim, Durstel, Eberbach, Ettendorf, Forstfeld, t Fran- 
kenheim, Fröschweiler, Geisweiler, Görlingen, Görsdorf, Gries, Hägen, 
Hambach, Hatten, Hegeney, Herlisheim (Unt.-Els.), Hönheim, Hoh- 
weiler, Htittendorf, Ingenheim, Ingweiler, Issenhausen, Ittenheim, 
Ittlenheim, Kauffenheim, Kirweiler, Kogenheim, Krastatt, Kröttweiler, 
Kühlendorf, Kutzenhausen, Laach, Laubach, Leutenheim, Lixhausen, 
Lohr, Lorenzen, Lupstein, Mackweiler, Marlenheim, Mattstall, Matzen- 
heim, Meistratzheim, Merkweiler, Mietesheim, Minwersheim, Mitsch- 
dorf, Mittelbergheim, Monsweiler, Morschweiler, Münchhausen, Mutzen- 
hausen, Nieder- (Ober-) Betschdorf, Niederbronn, Nieder- (Ober-) Mo- 
dem, Niefern, Oberdorf, Offenheim, Ohlungen, Ohnheim, Olwisheim, 
Pfaffenhofen, Pfettisheim, Pisdorf, Preuschdorf, Quatzenheim, Rangen, 
Riedheim, Rimsdorf, Ringeldorf, Ringendorf, Rohrweiler, Rott, Rot- 
telsheim, Saasenheim, Sachsenhausen, Schaff hausen, Schalkendorf, 
Schwindratzheim, f Semheim, Sesenheim, Sieweiler, Stotzheim, Strass- 
burg, Sulzbad, Sulz u Wald, Tieffenbach, Tränheim, Uhlweiler, Uhr- 
weiler, Uttenheim, Wahlenheim, Waldolwisheim , Walf, Wangen, 
t Wasenburg, Weitbruch, Westhofen, Weyersheim, Wingen, Witters- 
heim, Wiwersheim, Wöllenheim, Wolschheim, Wolxheim, Zehnacker, 
Zinsweiler, Zutzendorf. 

Die Kirche von Spei er in Jebsheim. 

Kloster Ettenheimmünster (Baden) in Benfeld, Epfig, Nieder-, 
Mittel-, Oberhausbergen, Rufach, Strassburg. 

Kloster Fulda (Preussen, Prov. Hessen) in t Altbronn, Avols- 
heim, Barr, Bemolsheim, Breuschwickersheim, Diebolsheim, Dingsheim, 
Dinsheim, Friedolsheim , Friesenheim, Gingsheim, Handschuhheim, 
Heidolsheim, Hönheim, Hürtigheim, Hüttenheim, Kienzheim, Kogen- 
heim, Krautergersheim, f Nieffem, Oberehnheim, Oberschäffolsheim, 
Ostheim, Rosheim, Strassburg, Walf. 

Kloster Gengenbach (Baden) in Kinzheim, Scherweiler. 

Kloster Hornbach (Bayern, Pfalz) in f Elbersweiler, Wasseln- 
heim. 

Kloster Klingenmtiuster (Bayern, Pfalz) in f Seelhofen. 

Kloster Lorsch (Hessen-Darmstadt) in Brumath. 

Kloster Schuttern (Baden) in Herlisheim (Ob.-Els.). 

KlosterSchwarzach(Baden) — vor 825 Arnulfsau (im Elsass) 
— in Dangolsheim, Drusenheim, Ittlenheim, Kriegsheim, Kflttolsheim, 
Lampertheim, Meistratzheim, Schwindratzheim, Sesenheim, Tränheim, 
Vendenheim, Wangen, Zeinheim, Zinsweiler. 



200 V. Jan. 

Die Kirche von Cur in Schlettstadt. 

Kloster Granfelden (Schweiz, Kant. Basel) in Sigolsheim. 

Kloster St. Gallen in Gemar, Habsheim, Kembs, Obnenheim, 
t Rtkschweiler. 

Kloster Zürich in f Altheim, Ammerschweier, f Karlisbach, 
Kienzheim, Kinzheim, Schlettstadt. 

Die Kirche von Reims in Bischheim, Bischofsheim. 

Kloster Etival (Stivagiam, D^p. des Vosges) in Andlao, Sigols- 
heim. 

Kloster Laxeuil (Luxoviensis monast., D^p. Haute -Säone) in 
t Alschweiler, Arzenheim, Bennweier. Eglingen, Häsingen, Ingersheim, 
Niederranspach, Rodern, Rosheim, f Sappenheim, Sulz, Wittenheim, 
Zellenberg. 

Kloster Moyenmoutier (Medianum monast., D§p. des Vosges) 
in Bergheim, Hindisheim, Krautergersheim, Niederehnheim. 

Kloster St. Denis (bei Paris) in Adamsweiler, Andolsheim, 
Bennweier, Berstheim, Friedolsheim, Gemar, Grussenheim, Hindisheim, 
Leberau. t Mauchenheim, Orschweiler, Rappoltsweiler , St. Pilt, 
Schäffersheim, Sesenheim. 

Kloster St. Di6 (Dep. des Vosges) in Hunaweier, Ingersheim, 
Mittelweier, Sigolsheim. 

Kloster Senones (Dep. des Vosges) in Grandfontaine, Saales. 

Beretheida, Gemahlin des Grafen Ulrich vom Argen- und Linz- 
gau, in Kembs, Schlierbach, Sierenz. 

Berta, Tochter K. Ludwigs d. Deutschen, Äbtissin des Klosters 
Zürich, in Ammerschweier, Schlettstadt. 

Erchengar, Graf vom Nortgau, in Blienschweiler, Kinzheim. 

Fulrad, Abt von St. Denis, in Andolsheim, Gemar, Grussenheim, 
Orschweiler, Rappoltsweiler, Sundhofen. 

Liutward, Bischof von Vercelli, Erzkaplan K. Karls JH., in 
t Breitenheim. Kinzheim. Schlettstadt, Winzenheim. 



AchenhelB, Dorf, Schiltigheim, Strassburg.^) — Begütert: Kl. Mur- 
bach 736 in Hachinhaim (Pard. H, 369); Kl Honau 884 in Hakinheim 
(Grandid. Egl. IIb, 276; Reg Imp. I, No. 1641). 

Adamsweüer, Dorf, Drulingen, Zabem. — Begütert: Kl. St. Denis 
777 in Adaimareia villa 0*) (Tardif Monum. 61). 

Adekhofen, abg. Dorf, Gem. u. Kt. Schiltigheim, Strassburg. Be- 
gütert: Kl. St. Thomas in Strassburg gegen 820 in vicum Adelnohes- 
hoven (Str. Ürk.-B. I, 43). 

AliChweller, abg. Dorf, Gem. u. Kt. Sulz, Gebweiler. — Begütert: 

^) Der erste der beiden hier an letzter Stelle genannten Ortsnamen 
bedeutet stets den Kanton, der zweite den Kreis, zu welchem der auf- 
geftüurte Ort gehört. Diese Abkürzung ist von der Redaktion vorge- 
nommen worden. Schulte. 



Das Elsass zur Karolingerzeit. 201 

in. Luxeail 815 in Allerico • villare (Teulet-Lab., Inv. et doc. I, 6; vgl. 
'Sickel, Acta spuria S. 419); Kl. Ebersmünster 817 in villa Alreswilre 
(Grandid. £gl. Üb, 170; vgl. Sickel, Acta spuria S. 426). 

AltbrODD, abg. Dorf (heute Hofs Gem. Ergersheim, Kt. u. Kr. Mols- 
heim — Begütert: Kl. Weissenburg 737 in Aldebrunnus, Hildbrunnus; 
742 m Aldebrunnas (Trad. Wiz. No. 85 u 162; 52); Kl. Fulda 788, 798 
in Alabrunnen (Cod. dipl. Fuld No. 89, 148) 

Ältdorf, abg. Dorf, Gem. Wettolsheim, Winzenheim, Colmar. — Be- 
gütert: Kl. Münster 898 in villa Altdoroflf (Cartul. Münster No. 19 S. 10 
im Colm. Bez.-Arch.). 

Ältdorf, Dorf, Kt. u. Kr. Molsheim — Begütert: Kl. St Nabor 787 
apud Altorf juxta Tannae villam (Calmet, Hist. Lorr. 2. ^d IIb, 118); Kl. 
St Thomas in Strassburg gegen 820 in Altorf (Str. Urk.-B. I, 43). 

Alteckendorf, Dorf, Hochfelden, Strassburg. — Begütert: Kl. Weissen- 
burg 742 in Echanhaime, um 744 in villa Ecchenheira, 774 in villa Ecchen- 
thorf (Index: Ecchendorpf), 780 in villa Eccenhaim (Index: £k;henheim), 
um 787 in Ecchenheimomarca (Trad Wiz No 52, 188, 133, 90, 135). 

Altenheim, Dorf, Kt. u. Kr. Zabem — Begütert: Kl. Weissen- 
burg 774 in Altaime marca, Althaimamarcha ; 774 in Althaim (Trad 
Wia. No. 53 u. 178; 57) 

Altheim, abg. Dorf zwischen Bebeinheim u Zellenberg, Kaysersberg, 
Rappoltsweiler. — Begütert: Kl. Murbach 728 in Althaim (Pard. II, 357); 
Kl. Münster 759 in Altheim villa (Rapp. ürk.-B. I, 1); KI. Zürich 
«77, 878 in vüla Altheim (Zürich. Urk.-B. I, 53, 57). 

Ammerichweier, Stadt, Kaysersberg, Rappoltsweiler. — Villa regia. 
— Begütert: Berta, Tochter K. Ludwigs d. Deutschen, 869 in Amalrici 
TiUare (Zürich. Urk.-B. I, 40); Kl. Zürich 879 in loco Amelricheswilare 
(das. 58). Ferner erwähnt: gegen 670 Amalricivillare (Acta ss. Boll. Tun. 
T. m,873; Riehen Gesta Senon Eccl. MG. SS. XXV, 260). 

Andlan, Stadt, BaiT, Schlettstadt. — Frauenstift, unmittelbar dem 
pipstlichen Stuhle unterstehend, gegründet 880 von Richardis, Tochter 
Erchengars, Grafen vom Nortgau, und Gemahlin K. Karls III., bei einer 
von ihren Vorfahren gestifteten Kirche — ecclesia S. Salvatoris in loco, 
qoi dicitur Eleon, constructa — (Grandid. Egl. IIb, 270). — Erwähnt: 
684 monasterium puellarum, quo dicitur Eleon, Rigarda ... in proprietate 
Bua patema a fundamento construxit (Urk. Karls III., Grandid. Egl. üb, 
272); 886 monasterium quod dicitur Andelaha (das. 279; Reg. Imp. 1, 
No. 1672); 887 Andelahense coenobium (Herim. Aug. Chnm. MG. SS. V, 
109); 884 schenken Karl III. locum Andaloia nominatum dem vorgenannten 
Frauenstüt Eleon (Grandid. Egl. IIb, 307), Richardis dem letzterem unter- 
atehenden Kl. Etival ecclesiam sancti Andreae, die Pfarrkirche von A. 
(Grandid. Als. Ib, 94). 

Aldekheim, Dorf, Kantonshauptort, Colmar. — Begütert: Fulrad, 
Abt von St. Denis, 768 in Ansulfishaim (Rapp. Urk.-B. I, 2); Kl. Leb er au 
um 770, bestät. 803 in Anholzheim (Grandid. Egl. IIb, 149; vgl. Sickel, 
Acta spuria S. 404/405); Kl. St. Denis 777 in Ansulsishaim , Ansulses- 
haim (Rapp. Urk -B. I, 2, 3). 

Artotelieim, Dorf, Markolsheim, Schlettstadt. — Begütert: KI. Ebers- 



202 ▼• J*n- 

münster, Dinghof, 817 in ArtoWesheim, bestät 824 in Artolsheim, 82» 
in ArtoWesheim (Grandid. Egl. Üb, 172, 179, 191; vgl. Sickel, Actasparia 
S. 426). 

Arxenheim, Dorf, Andolsheim, Golmar. — Begütert: Kl. Ebers- 
m finster, Dinghof, gegen G70 in Arcenheim (Chron. Ebersh., Grandid. 
Als. üb, 18), bestät. 824 (Grandid. Egl. Hb, 178; Chron. Ebersh. MG. SS. 
XXin, 436; vgl. Sickel, Acta spuria S. 426); Kl Luxeuil 815 in Arzen- 
heim (Teulet-Lab., Inv. et doc. 1, 6; vgl Sickel, a. a. 0. S.419). 

Aisweller, Dorf. Drulingen, Zabem. — Erwähnt: 718 actum in Asco- 
villari, actum in Ascowilare (Trad. Wiz. No 194, 227). 

Anenheim, Dorf, Bischweiler, Hagenau. — Erwähnt: 819 actum in 
vflla Augia (?) (Trad. Wiz. No. 127). 

AfOlihelm, Dorf, Kt. u. Kr. Molsheim. — Begütert: El. Fulda 788 
in Hunzolfeshaim (?) (Cod. dipl. Fuld No. 89). 

B Arendorf, Dorf, Drulingen, Zabem. — Begütert: Kl. Weissenbarg 
718 ad Berunivillare; 846 in Beronivilla; 847 in Beronowilare (Trad Wiz. 
No. 194 u. 224; 270, 271; 200). 

Bildenbeim, Dorf, Markolsheim, Schlettstadt. — Begütert: Kl. Ebers - 
münster gegen 670 in Baldenheim (Chron. Ebersh , Grandid. Als. IIb, 18), 
bestät. 817, 824 (Grandid. Egl. IIb, 171. 178; Chron. Ebersh MG SS. 
XXm, 436; vgl. Sickel. Acta spuria S. 426); gegen Ende d. 9. Jahrh. (?) 
Boltenhaim (MG. Lib. Confr. 32). 

BtlderBheilD, Dorf, Habsheim, Mülhausen. — Begütert: Kl. Ebers- 
münster um 680 in Balteresheim (Chron. Ebersh., Grandid. Als Üb, 22 
u. MG. SS. XXIU,43ft), bestät 817 (Grandid. Egl. Üb, 168; vgl Sickel, 
Acta spuria S. 426); Kl. Hohenburg um 680, bestät. 837 in Baltersheim 
(Grandid. Egl. IIb, 207; vgl. Sickel, Acta spuria S. 417). 

Balgaa, Dorf, Neubreisach. Colmar. — Begütert: Kl. Münster 896 
in Palgowa (Rapp. Urk.-B. I, 3). 

Ballersdorf, Dorf, Kt. u. Kr. Altkirch. — Begütert: Kl. Masmünster 
823 in BalderichesdorlT (Grandid. Als. Ib, 66; vgl. Sickel, Acta spuria 
S. 420). 

BaliChweller, Dorf, Dammerkirch, Altkirch. — Pegütert: Kl. Mur- 
b ach 728 in Baltowiler (Pard. N, 356). 

BlBieiiheilD, Dorf, Habsheim, Mülhausen. — Begütert: Kl. Murbach 
796 in Pancinhaim — actum in villa P. — (Als. dipl. I 58). 

Baranbach, Dorf, Schirmeck, Molsheira. — Begütert: Kl. Honau 810 
in Beronia (?) (Grandid. Egl. IIb, 153; Als. Ib, 59). 

Btronsweiler, Dorf, Dammerkirch, Altkirch. — Ik>gütert: Kl. Mur- 
bach 796 in marcka Barone willare (Als. dipl. I, 59) 

Barr, Stadt, Kantonshauptort, Schlettstadt. — Begütert: Kl. Ebers- 
münster um 680 in Barro ((Jhron. Ebersh , Grandid. Als. Üb, 21 u. MG. 
SS. XXni, 438); Kl. Niedermünster gegen 720 in Barre (Pard. II, 319); 
Kl. Fulda 788 in Bami. 798 in Bearum (Cod. dipl. Fuld. No. 89, 148); 
Kl. Weissenburg 820 ad Barram (Trad Wiz. No. 69); Kl. Honau 
884 in Barra (Grandid. Egl IIb, 275; Reg. Imp. I, Xo 1641). 

BarUlhelm, Dorf, Landser, Mülhausen. — Begütert: Kl. Murbach 
829 in Bartenhaim (Als. dipl. I, 74). 



Das ElsasB zur Karolingerzeit. 203 

Battenhelm, Dorf, Habsheim, MOlhausen. — Begütert: El. Ebers- 
mflaster 817 in Batenheim (Grandid. Egl. üb, 169; vgl. Sickel, Acta 
spuria S. 426). 

Batiendorf, Dorf, Kt. u. Kr. Hagenau. — Begütert: Kl. Weissen- 
barg 739 in Batsinagmi (Trad. Wiz No. 14) 

Beinheim, Dorf, Selz, Weissenburg. — Begütert: Kl. Weissenbarg 
773 in Bainenchaim ; 774 in Banenhaim marcha, Banencheimmarcha; 774 
ad Beninhaim (Trad. Wiz. No. 128; 53 u. 178; 64); Kl. Honau 884 in 
Beininheim (Grandid. Egl. IIb, 275; Reg. Imp I, No. 1641). 

Benfeld, Stadt, Kantonshauptort, Erstein. — Begütert: KL Etten- 
h«immünster 762 in Beneveldin (Grandid. Egl. Hb, 93). 

Bennweier, Dorf, Kaysersberg, Rappoltsweiler. — Begütert: Kl. 
St Denis 777 in Bebonovülare (Rapp. Ürk.-B. 1,3); Kl. Luxeuil 815 
in Bebonisvillare (Teulet-Lab., Inv. et doc. 1,6; vgl Sickel, Acta spuria 
S. 419); Kl. Leberau 847 (?) in Bebonis villare (Grandid. Egl. IIb, 230). 

Berg, Dorf, Drulingen, Zabem. — Begütert: Kl Weissenburg 716 
in yilla Monte; 718 ad Monte quod dicitur Bergus, Pergus; in villa Monte; 
724 in villa Monte; 771 in fine Bereregas, Berreregus; 788 in Berg; 807 
in Berge (Trad. Wiz. No. 196; 194 u. 224; 195; 257; 245 u. 250; 197; 
199). — Ferner erwähnt: 713 actum in villa que vocatur Monti, 737 
actum in villa Monti (Trad. Wiz. No. 233, 37); 754 actum villa Bergas 
(Als. dipl. I, 33). 

Bergheim, Stadt, Kt. u. Kr. Rappoltsweiler. — Begütert: Kl. Moyen- 
moutier um 700 in Bercheim (Hist. Med. Monast. 110); Kl. Murbach 
728 in Perehhaim (Pard. II, 356); Kl. Münster 759 in fine vel in villa 
Bercheim marca (Rapp. Ürk.-B. I, 1). 

Bergheim s. Mittelbergheim. 

Bergholl, Dorf, Kt. u. Kr. Gebweiler. — Begütert: Kl. Ebersmün- 
ster um 680 in Bercholz (Chron Ebersh , Grandid. Als. IIb, 22 u. MG. 
SS. XXm, 438), bestät. 817 (Grandid. Egl. Hb, 169; vgl. Sickel Acta 
spuria S. 426). — Femer erwähnt: Vor der Gründung von Kl. Murbach 
(gegen 727) Aufenthaltsort Pirmins und seiner Gefährten, „quidam autem 
... Bercholz venerunt ibique domos parvas de lignis debilibus con- 
struxerunt." (Notitia fundat. Murbac Abbatiae, Grandid Als. IIb, 71.) 

Bergbote-Zell, Dorf, Kt. u. Kr. Gebweiler. — Vor der Gründung von 
Kl. Murbach (gegen 727) Aufenthaltsort Pirmins und seiner Gefährten: 
»Brevi vero tempore Bercholz permanentes, in locum vicinum, nunc Berc- 
holtz-Zell nominatuni, se transtulerunt et capellam . . . construxerunt". 
(Notitia fundat. Murbac. Abbatiae, Grandid. Als. IIb, 71.) 

Bernolshelm, Dorf, Brumath, Strassburg. — Begütert: Kl. Fulda 
798 in Beroldasheim (Cod. dipl Fuld No. 148). 

Beniweiler, Dorf, Sennbeim, Thann. — Begütert: Kl. Murbach 784 
in Barunwilare (Als. dipl I, 53). 

Berstett, Dorf, Truchtersheim, Strassburg. — Begütert: Kl. Weissen- 
burg 760 in Bardesteti — Index Bardestat — (Trad. Wiz No. 138); Kl. 
Honau 884 in Bardestat (Grandid. Egl. IIb, 276; Iteg Imp. I, No 1641). 

Bersthelm, Dorf, Kt. u. Kr. Hagenau. — Begütert: Kl. St. Denis 
777 in Benisthaim (Tardif Monum. 61). 



204 ▼• Jfto* 

Betbv, abg. Dorf, Kr. Weissenburg. — Erwähnt: 683 — Bedebur 
— als GrenzbestimmuDg des dem Kl. Weissenburg gehörigen y,Untem 
Mondats'' (MG. Dipl. 1, 150). 

Betschdorf s. Ober-, Niederbetschdorf. 

BettenhoffB. Dorf, Gem. Gambsheim, Brumath, Strassburg. — Be- 
gütert: Kl. Honau884 in Biura(?) (Grandid. Egl. Hb, 275; Reg.Imp.I, 
No. 1641). 

Bettweller, Dorf, Dmlingen, Zabem. — Begütert: Kl. Weissenburg 
713 in marca Bettune (Trad. Wiz. No. 202). 

BiblUheim, Dorf, Wörth, Weissenburg. — Begütert: Kl. Weissen- 
burg 773 in Biburesdorf; 774 in Biberesdorf, Biberestorf; Biberesthorf 
(Index: Biberesdorpf); 780 infra marcha Biberestorf; 781 in Biberesheimo- 
marcu ; 784 in villa Biberesthorf; 824 in Biberes dorph — Index Biberes- 
dorpf — (Trad. Wiz. No. 128; 63 u. 178; 54; 190; 121; 111; 171). — 
Femer erwähnt: 824 actum in villa pre&ta Biberesdorph ; 837 actum in 
▼illa Biberesdorf (Trad. Wiz. No. 171 ; 166). 

Biesheim, Dorf, Neubreisach, Colmar — Begütert: Kl. Ebers- 
münster um 900 in Bezenesheim (Chron. Ebersh , Grandid. Als. IIb, 24 
u. MG. SS. XXm, 439). 

Bietlenheim, Dorf, Brumath, Strassburg. ~ Erwähnt: 826 Buthenhem 
(Acto 88. Boll. Aug. T. VI, 511). 

Blndenihelni, Dorf, Markolsheim, Schlettstadt. — Begütert: Kl. Ebers- 
münster 673 in Binrenheim (Chron. Ebersh., Grandid. Als. IIb, 20 u. 
MG. SS. XXIII, 437), bestät. 817 in Birenheim; 824 in Bimheim, Binren- 
heim; 829 curtis dominica in Binrenheim (Grandid. Egl. IIb, 172; 179; 
192; vgl. Sickel, Acta spuria S. 426); Kl. Eschau 778 in Bimheim 
(Grandid. Als. Hb, 75). 

BliChheim, Dorf, Schiltigheim, Strassburg. — Begütert: Kirche von 
Reims um 530 in villa Piscofesheim (?) (Pard. I. 85; Flodoardi Bist Re- 
mens. Eccl. MG. SS. Xni, 429). 

Bischofkheim, Dorf, Rosheim, Molsheim. — Begütert: Kirche von 
Reims um 530 in villa Piscofesheim (?) (Pard. I, 85; Flodoardi Bist. Re- 
mens. Eccl. MG. SS. XIII, 429); Kirche von Strassburg 662 curtis 
regia in pago qui dicitur Bischovisheim (Strassb. Urk.-B. I, 1), Biscoves- 
heim (Chron. Ebersh., Grandid Als. IIb, 13 u. MG. SS. XXIII, 433). 

Bifiert, Dorf, Saamnion, Zabem. — Begütert: Kl. Weissenburg 
699 ad Bisanga; ad Bisanga (Trad Wiz. No. 205; 240). 

BUeBiChweller, Dorf, Barr, Schlettstadt. — Begütert: Kl. Nieder- 
münster gegen 720 in Blienswilere, Blienswilre (Pard. 11,318,319); KL 
Weissenburg 742 in Pluenhame (?) (Trad. Wiz. No. 52); die Kirche 
von Strassburg, bezw. der von ihr Besitz eintauschende Erchengar, Graf 
vom Nortgau, 823 in villa et marcha Bodolesvillare sive Pleanungovillare 
(Sickel, Acta L. 1%). 

Blodekheim, Dorf, Ensisheim, Gebweiler. — Erwähnt: gegen Ende 
des 9. Jahrb. (?) Flatoolfeshaim (MG. Lib. Confr. 37). 

Blotlhelm, Dorf, Httningen, Mülhausen. — Begütert: Kl. Murbach 
72H in Flobotesheim ; 829 in Flabolteshaim — actum in villa Flabotes- 
haim — fPard. H, 356; Als. dipl. I, 74). 



Das Elsass znr Karolingerzeit. 205 

Bt4ailieill, abg. Dorf an der Breusch, zwischen Dorlisheim, Wolx- 
heim o. Eolbsheim. — Begütert: Kl. Weissenburg 712 u. um 712 in 
Potencfaaime (Trad. Wiz. No. 284, 237); Kl. Murbach 736 is Bodenhaim 
(Pard. 11, 869). 

Bollweller, Dorf, Sulz, Gebweiler. — Begütert: Kl. Murbach 786 
in fine Tel marcka Ballonevillare (Als. dipl. I, 54); Kl. Ebersmünster 
817 in BoUewilre (Grandid. Egl. IIb, 169; ygl. Sickel, Acta spuria S. 426). 

Bolseaheim, Dorf, Kt. u. Kr. Erstein. —Villa regia. — Begütert: 
Kl. St. Stephan in Strassburg 845 Dinghof in Bosenhen (Strassb Urk.-B. 
1,20). 

Beoihein, Dorf, Markolsheim, Schlettstadt. — Begütert: Kl. Nieder- 
münster gegen 720 in Buezensheim; Buozinsheim (Pard. II, 317, 319). 

BouelshaiiseD, Dorf, Buchsweiler, Zabem. — Begütert: Kl. Weissen- 
burg 840 u. 855 in villa vel marca Buozolteshusa (Trad. Wiz. No. 151, 156). 

Botebv, abg. Dorf, Gem. u. Kt. Schiltigheim, Landkr. Strassburg. — 
Begütert: KlSt Stephan in Strassburg 845 in Bothebur (Strassb Urk.-B. 
I, 20). 

Breitenlieim , abg. Dorf (heute Höfe), Gem. Mussig, Markolsheim, 
Schlettstadt. — Begütert: die Kirche von Chur, bezw. K. Karl III., der 
von dieser 881 Besitz in Breitenheim eintauscht und ihn seinem Erz- 
kaplan Liutward, Bischof von Vercelli, verleiht (Cod. dipl. Raet. 47). 

Breosohwickersbelm, Dorf, Schiltigheim, Strassburg. — Begütert: Kl. 
Fulda 788 in Wigfridasheim (Cod. dipl. Fuld. No. 89); Kl. Honau 884 
in Wicheresheim (Grandid. Egl. Hb, 276; Reg. Imp. I, No. 1641); Dom- 
»tift Strassburg 888 in Wigersheim (Grandid. Oeuvr. in6d. V, 301). — 
Femer erwähnt: gegen Ende des 9. Jahrh. (?) Wickerhaim (MG. Lib. 
Con£ 37). 

Bmbach, Dorf, Landser, Mülhauseu. — Begütert: Kl. Masmünster 
823 in Bruchbach (Grandid. Als. Ib, 66; vgl. Sickel, Acta spuria S. 420). 

Bromatb, Stadt, Kantonshauptort, Strassburg. — Villa regia. — Be- 
gütert: Kl Lorsch 889 in Bruchmagat (Cod. Lauresh. 1,92; Chron. Lau- 
resh. MG. SS. XXI, 379;. — Femer erwähnt: 770 actum Bruocmagad 
palacio publico, actum Brocmagad pal. publ. (Sickel, Acta C. 9, 10); 771 
actum ad Brohmagad; 772 ad Bromagad, ad Bmmagad (Trad. Wiz. 
No. 189; 26 u. 105); 772 actum Broc . . . g. 1. palacio (?) (St. Gall. Urk.-B. 
I, 64; vgl. Sickel, Acta Karol. S. 232); 816 actum ad Bruomagado (Trad 
Wiz. No. 160). 

Bnmstatt, Dorf, Mülhausen-Süd, Mülhausen. — Begütert: El. Hohen- 
burg um 680, bestät. 837, in Bmnstatt (Grandid. Egl. IIb, 206; vgl. 
Sickel, Acta spuria S. 417); Kl. Nieder münster gegen 720 in Branstat 
(Pard. II, 318, 319). 

Bnchsweiler, JStadt, Kantonshauptort, Zabeni. — Begütert: Kl. Weis- 
senburg 724 in Puxwilare (Index: Bux wilare), 737 in Buxwilare (Trad. 
Wiz. No. 40, 37). 

Büren, abg. Dorf zwischen Ottersweiler und Schweinheim, Maurs- 
münster, Zabern. — Begütert: Kl. Maursmünster im 8. Jahrh. in Bura, 
bestät. zwischen 827 u. 853, und 1144 (Hanauer, Constit. 47; Als. dipl. 
I, 226). 



206 V- Ja^- 

BOiweiler, Dorf, Buchsweiler, Zabem. — BegQtert: Kl. Weissen- 
barg 784 in BuuBsovilare, 821 in Buswilare (Trad. Wiz. No. 97, 175). ^ 
Femer erwähnt: 826 villa Buswilre, Baszwilre (Acta ss. BoU Aug. T. VI, 
509, 510). 

Bnrgheim, Dorf, Oberehnheim, Erstein — Begütert: Kl. Weisien- 
bürg 739 in Burghaime (Trad. Wiz. No. 10, 11). 

BnrKbeim s. Edenburg. 

Bmhaiipt 8. Ober-, Niederburnhaupt 

Caripteh, Dorf, Kt. u. Kr. Altkirch. — Begütert: Kl. Hohenburg 
um 680, best&t. 837 in Karoldespach (Grandid. Egl. Üb, 206; vgl. Sickel, 
Acta spuria S 417). 

Colmar, Kantonshauptort, Kreisstadt, Bezirkshauptstadi. — Villa 
regia. — Begütert: Kl. Münster 823 pars de foreste . . . qne ad fiscum 
[regium] nomine Columbarium aspicere vel pertinere Tidetur (Als. dipL 
I, 69; Sickel, Acta L. 195); 865 in Tilla et in marcha Columbaria (Als. 
dipL I, 474). — Femer erwähnt: 831 Suva [fisc.] quae dicitur Golumbarias 
(Sickel, Acta L. 278); 833 Columbarium (Ann. Bert. MG. SS. I, 426); 
data Ck>hlambur (Reg. Pontif. Rom. 1,326); 883 actum Cholembra curte 
imp. (Reg. Imp. I, No. 1603); gegen 884 Ck>lumbrenses (Mon. SangiU. 
Gesta Kar. MG. SS. II, 749); 884 Coloburg; villa Cholonpumch (Annal. 
Fuld. IV; y MG. SS. I, 399); actum Columbariae (Reg. Imp. I, No. 1684); 
886 actum in villa Columbario <da8. No. 1672). 

DahlenlieÜB, Dorf, Wasselnheim, Molsbeim. — Begütert: Kl. Weissen- 
bürg 855 in villa Talastat (Trad. Wiz. No. 156); Kl. Honau 884 in Dala- 
heim (Grandid. Egl. IIb, 276; Reg. Imp. I, No. 1641). 

Daoimerklreh, Dorf, Kantonshauptort, Altkirch. -— Begütert: Kl. 
Masmünster 823 in Domna Maria (Grandid. Als. Ib, 66; vgl. Sickel, Acta 
spuria S. 420). 

Dangolshelm, Dorf, Wasselnheim, Molsheim. — Begütert: Kl. Seh war s- 
ach 758 in Danckrazheim (Grandid. Egl. IIb, 86); Kl. Weissenburg 
760 infra marca Thancaradesheim, 779 in Thancratesheimovüla (Trad. Wis. 
No. 170, 96). 

Danenderf, Dorf, Kt. u. Kr. Hagenan. — Begütert: Kl. Weissen- 
bürg 742 in Tauginhaime; 753 in Dauchendhorf (Index: Daachendorpf); 
773 in Danchendorf; 774 in Dauchedorf; Dauchenthorf, Danchentorf; 
Dauchenthorf; um 775 in marcha Dachunheim, Dauchunheim, Dacgnn- 
heim; 776 in Dauhunhaimomarca; 784 in Daugendorp; 792 in villa Thanen- 
thorf (Index : Dauchendorpf); 798 in villa Taukendorf (Index: Tauchendorf); 
in Villa Dauhhendorf (Trad. Wiz. No. 52; 149; 128; 63; 58 u. 178; 71; 
181; 73; 60; 117; 24; 31). 

Dehlligen, Dorf, Saamnion, Zabem. — Begütert: Kl. Weissenburg 
737 in Villa DUuquifiaga (Trad. Wiz. No. 37). 

Dengelshelm (Dengolsheim), Weiler, Gem. Sesenheim, Bisehweiler, Ha- 
genau. — Begütert: Kl. Weissenburg 775 in Dhancleobahaim, 784 in 
Danleibesheim (Trad. Wiz. No. 55, 60). 

Dessenhelm, Dorf, Neubreisach, Colmar. — Begütert: Kl. Münster 
759 in villa vel in fine Tessinheim marca (Rapp. Urk.-B. I, 1). 

Oettweüer, Dorf, Kt. u. Kr. Zabern. — Begütert: KL Weissenburg 



Das Eisaas zur Karolingerzeit. 207 

784, 786, am 797 in Dendanwilare; 820 in villa Dettunwilari (Trad. Wiz. 
No. 60, 102, 62; 69). 

Dentach-RombiCb, Dorf, Markirch, Rappoltsweiler. — Begütert: Kl. 
St. Pilt 774, bestät. 854 in Rumbach (Tardif Monum. 58; Grandid. Egl. 
nb, 289). 

DidenheÜB, Dorf, Mülhausen-Süd, Mülhausen. — Begütert: Kl. Mur- 
bach 796 in Todinhaim marcha (Als. dipl. 1, 59). 

Diebolsbeim, Dorf, Markolsheim, Schlettstadt. — Begütert: KL Fulda 
803 in Dubilesheim (Cod. dipl. Fuld. No. 179). — Femer erwfthnt: 803 
actum in Tubilesheim Yilla (das.). 

Diefenbioh, Dorf, Wörth, Weissenburg. — Begütert: Kl. Honau 884 
in Diefengmaba (Grandid. Egl. üb, 276; Reg. Imp. I, No. 1641). 

DImbstbal, Dorf, Maursmünster, Zabem. — Begütert: Kl. Maurs- 
münster im 8. Jahrh. in Dumphelthal, bestät. zwischen 827 u.858, und 
1120 (Hanauer, Gonstit. 47; Als. dipl. 1, 198). 

DtBgsbelm, Dorf, Truchtersheim, Strassburg. — Begütert: Kl. Fulda 
788 in Tunchinashaim (Cod. dipl. Fuld. No. 89). 

DlDsheim, Dorf, Kt. u. Kr. Molsheim. — Begütert: Kl. Fulda 770 
in Didineshaim (Cod. dipl. Fuld. No. 31). — Femer erwähnt: 699 actum 
in TÜla Didinnes chaime (Trad. Wiz. No 240). 

Dinxhelfli, abg. Dorf, Gem. Heilig-Kreuz, Kt. u. Kr. Colmar. — Be- 
gütert: Kl. Münster 759 in villa Tunginisheim (Rapp. Ürk.-B. 1, 1). 

DoDnenhelm, Dorf, Bramath, Strassburg. — Begütert: Kl. Weissen- 
burg 774, 776 in villa Danonewilare ; 780 in Danonevilare iTrad. Wti. 
Ho. 71, 73; 90). 

Dorlisheim, Dorf, Kt. u. Kr. Molsheim. — Begütert: Kl. Murbach 
736 in Dorloshaim (Pard. U, 369). 

Dosienheim, Dorf, Trachtersheim, Strassburg. — Begütert: Kl. Mur- 
bach 728 in Deosesheim (Pard. II, 356). 

Dralingen, Dorf, Kantonshauptort, Zabem. — Begütert: Kl. Weis- 
senburg 713 intra fine Dmctegisomarca (Trad. Wiz. No 202). 

Drusenheim, Dorf, Bischweiler, Hagenau. — Begütert: Kl. Schwarz- 
ach 758 in Drusenheim (Grandid. Egl. IIb, 86). 

Dümingen, Dorf,Tmchtersheim, Strassburg — Begütert: Kl. Weissen- 
burg 724 in loco Deorangus, 742 in Teuringas, 787 in villa vel in marca 
Thuminga — Index: DurningaviUa — (Trad. Wiz. No. 18, 1, 83). — 
Femer erwähnt: 787 actum ad Turninca (das. No. 155). 

Dflrrengebweiler, abg. Dorf zwischen Didenheim (Kr. Mülhausen) u. 
Hochstatt (Kr. Altkirch). — Begütert: Kl. Murbach 796 in villa Gebun- 
wilare seu in ipsa marcha et in Tudinhaim marcha (Als. dipl. I, 59). 

Dumenbeim, abg. Dorf (heute Hof Thumenau), Gem. Plobsheim, Q&b- 
polsheim, Erstein. — Begütert: Kl. Esc hau 778 in Doumenheim (Gran- 
did. Als. IIb, 75); Erchengar, Graf vom Nortgau, bezw. die von ihm Besitz 
eintauschende Kirche von Strassburg 823 in Duminheim (Sickel, Acta 
L. 196). 

Danienbelm, Dorf, Hochfelden, Strassburg. — Begütert: Kl. Weissen- 
burg 739 in Tunteshaime, 774 in Dundenhaim, 788 in Duntenhuson — 
Index: Dentenhuson — (Trad. Wiz. No. 14, 57, 123). 



208 ▼• J^an- 

Dnrenbacb, abg. Dorf bei BeinbardsmOnster, MaanmOiister, Zabern. 

— Begütert: El. Maursmünster im 8. Jahrh. in Durenbach, bestät. zwi- 
schen 827 o. 858 (Hanauer, Constit. 47). 

Dnritel, Dorf, Drulingen, Zabern. — Begütert: Kl. Weissenburg 
718 in Tarestodolus, Turestolda; 830 in villa vel in marca Duristoalda; 
846 infra marca Duristuolda (Trad. Wiz. No. 194 u. 224 ; 198 u. 261 ; 
268, 269). — Femer erwähnt: 737 actum in villa Torestodelus, Doresto- 
telus; 830 actum in yilla Duristulidon (das. No. 8 u. 47; 51). 

Eberbach b. Selz, Dorf, Selz, Weissenburg. — Begütert: Kl. Weissen- 
burg 808 in Erbenwilare (?) (Trad. Wiz. No. 19). 

Ebcnhciiii, Dorf, Kt. u. Kr. Schlettstadt. — Begütert: Kl. Ebers- 
münster 829 Dinghof in Ebersheim (Grandid. Egl. Üb, 192). — Femer 
erwähnt: 726 actum in villa Ebrotheim (Pard. II, 346). 

EbanmÜDSter, Dorf; Kt. u. Kr. Schlettstadt — Kloster, gegründet 
um 660 von Deodat (Chron. Ebersh., Grandid. Als. IIb, 15 u. MG. SS. 
XXni, 434) ; Kirche geweiht gegen 667 in hon. S. Mauricii martyr. (das. 
16; 435); 770 bestätigt K. Karhnann — 810 Karl d. G., 814 Ludwig d. Fr. 

— dem vom Herzog Etticho und dessen Gemahlin Berswind auf ihrem 
Eigengut errichteten Kloster — cigus vocabulum est Noviento — und 
dessen Besitz die von seinen Vorfahren verliehene Immunität (Sickel, 
Acta C. 9, K. 225., Acta deperd. S. 377, Acta spuria S. 425) ; 889 giebt 
K. Arnulf das Kl. Noviento sive Ebersheim dem Bischof Baldram von 
Strassburg (Grandid. Egl. IIb, 293; vgl. Reg. Imp I, No. 1768). — Fer- 
ner erwähnt: 672 monast. Novieutensis (MG. Dipl. I, 189); 817,824,829 
Novientum sive Ebersheim (Grandid. Egl. IIb, 168, 176, 190; vgl. Sickel, 
Acta spuria S. 426); monasterium Eborreheim (MG. LL. I, 224); um 830 
monast. Eburesheim, coenobiura Ebureshaim (MG. Lib. Gonfr. 154, 223); 
870 Eboresheim (MG. LL. I, 517; Hincmar, Annal. MG. SS. I, 488). 

EekbolsheiiD, Dorf, Schiltigheim, Strassburg. — Begütert: Kl. St Tho- 
mas in Strassburg 679 Dinghof in villam Eckbolzheim (Grandid. Egl. I, 
385), bestät. im 10. Jahrh. in Ekhiboldesheim (Strassb. Urk.-B. I, 44); 
Kl. Honau 884 in f^giboldesheim (Grandid. Egl. IIb, 275; Reg. Imp. I, 
No. 1641). 

Eckerich, Weiler, Gem. u. Kt. Markirch, Rappoltsweiler. — Kloster, 
gegen Mitte des 9. Jahrh. von Blidolf gestiftet — in clivo raontis ad meri- 
diem cellam erexit et eam Bellum-montem appellavit — und dem KI. 
Moyenmoutier unterstellt (Richeri Gesta Senon. Eccl., MG. SS. XXV, 274), 
erscheint urkundlich erstmals 858 gelegentlich einer von K. Lothar II. bestät. 
Gütervergabuug für dasselbe — ecclesia quae dicitur Belmont — (Grandid. 
Egl. IIb, 247; Reg. Imp. I, No. 1252). Nach dem in dieser Urkunde ge- 
nannten venerabilis Ackrich , der sich Blidolf zugesellt hatte und in der 
Folge dem Kloster vorstand, nahm es den Namen E. au — dimisso nomine 
Belli-montis quo prius nominabatur, Achericum appellarent locum, quo 
adhuc eo nomine ipsa villa nuncupatur — (Richeri Gesta 1. c. 274). 

Eckwershcifli, Dorf, Bmmath, Strassburg. — Emahnt: um 720 bezw. 
nach 1003 Ecchefrydeshein (Strassb. Urk.-B. I, 42). 

Edenbnrgt abg. Dorf zwischen Biesheim und Künheim, Kr. Colmar. — 
Begütert: Kl. Ebers münster Dinghof gegen 670 in Burcheim (Chron. 



Das Elsass zur Karolingerzeit. 209 

Ebersh., Grandid. Als. IIb, 18), bestät. 770, 810, 814, 817 (Grandid. E^. 
Üb, 108, 166, 157, 172; Tgl. Sickel, Acta K 225 a. Acte spuria 8. 426X 824 
(Chron. Ebersh. MG. SS. XXUI, 436; Grandid. Egl. IIb, 178; vgl. Sickei 
a. a. 0.), 829 in Beckensheim (?) (Grandid. Egl. IIb, 191; Tgl. Sickel 
a. a. 0.); £1. Honau 810 in Burrenheim (Grandid. Egl. IIb, 153). 

Igeslielfli, abg. Dorf bei Wibolsheim, Gem. Eschau, Geispolsheim, Er- 
stein. — Begütert: Kl. St. Stephan in Strassburg (aus Königsgut) 845 
juxta fluvium Ylla . . . Egeshein, Wibileshein . . . usque ad fines YUe- 
kiriche et Ryno (Strassb. U.-B. I, 20). 

BglsheiB, Dorf, Winzenheim, Colmar. — Begütert: Kl. Ebers- 
münster, Dinghof, gegen 670 in Egenesheim (Chron. Ebersh., Grandid. 
Als. IIb, 17), bestät. 810 in Egensheim (Grandid. Egl. IIb, 155), 814 in 
Elgesheim, 817 u. 824 in Egenesheim (das. 157, 170, 176; Chron. Ebersh. 
MG. SS. XIII, 435; vgl. Sickel^ Acta spuria S. 426); Kl. Münster 898 
in E^;iseheim (Als. dipl. I, 98 \ 

BgliDgeD, Dorf, Kt u. Kr. Altkirch. — Begütert: Kl. Luzeuil 815 
in Englingeheim (TeuletLab., Inv. et doc. I, 6; vgl. Sickel, Acta spuria 
S. 419). 

ElmheiB s. Ober-, Niederehnheim. 

Ehnweyer, Weiler, Gem. Müttersholz, Markolsheim, Schlettstadt. — 
Begütert: Kl. Ebersmünster, Dinghof, gegen 670 und um 681 (aus 
Königsgut) in Azolveswilre (Chron. Ebersh., Grandid. Als. IIb, 18, 19 u. 
MG. SS. XXIII, 437), bestät. 824 (Grandid. Egl. IIb, 178; Chron. Ebersh. 
MG. SS. XXIII, 436; vgl. Sickel, Acta spuria S. 426). 

Blbenweiler, abg. Dorf (heute Forsthaus Eimersforst), Gem. Ball» 
bronn, Wasselnheim, Molslieim. — Begütert: Kl. Uornbach 754 in El- 
pherwilere (Als. dipl. I, 33). 

Ellenweiler, abg. Dorf, Gem., Kt. u. Kr. Rappoltsweiler. — Begütert: 
Kl. Murbach 728 in Hillonevüer (Pard. H, 357). 

EnsUbeim, Stadt, Kantonshauptort, Gebweiler. — Begütert: Kl. Mas • 
münster 823 in Einsigesheim (Grandid. Als. Ib, 66; vgl. Sickel, Acta 
spuria S. 420). 

Eniheim, Dorf, Geispolsheim, Erstein. — Begütert: Kl. Murbach 
736 in Ensussheim (Pard. II, 369); KI. Leberau um 770, bestät. 803 in 
Enisheim, 847 (?) in Aneshain (Grandid. Egl. IIb, 149, 230 ; vgl. Sickel, AcU 
spuria S. 404/405). 

Epflg, Dorf, Barr, Schlettstadt. — Villa regia (?). — Begütert: Kl. 
Ettenheimmünster 762 in villa Hepheka (Grandid. Egl. IIb, 93); Kl. 
Murbach 768 in Chefecla (Als. dipl. I, 40). — Femer erwähnt: 866 ac- 
tum Apsiaco, villa regia (?) (Calmet, Not. Lorr. I, 645; vgl. Reg. Imp. I,. 
No. 1277); 895 locus Alsiacus — verschr. für Apsiacus — (Acta ss. BoU. 
Jul. T.II,57). 

ErbenheiiD, abg. Dorf zwischen Oberaspach und Sennheim, Kt. u. Kr. 
Thann. — Begütert: Kl Murbach 784 in Arabacshaim (Als. dipl. 1, 53). 

Ergersheim, s. Krautergersheim. 

ErsteiD, Stadt, Kantonshauptort, Kreisstadt. — Villaregia. — Ludwig 
der Fromme schenkt nach 817 seinem zum Mitherrscher erhobenen Sohne 
Lothar Besitz in seiner viUa Herinstein (Sickel, Acta L. 120; MG. Formul. 

Zeitachr. f. Oeacb. d. Oberrh. N. F. YII. 2. 14 



210 V- J*''^- 

294), den Lothar bei seiner Vermählang 821 als Morgmgabe an Inqgud, 
Tochter Hugos III, Grafen vom Nortgaa, übertrftgt; diese grOndet ider 
gegen Mitte des 9. Jahrhunderts ein Frauenstift: 849 monaBteriom in 
▼illa Herinstein (Grandid. Egl. üb, 234; Reg. Imp. I, No. 1104). — Fei^ 
ner erwähnt: 850 monast. s. Dei genitricis Marie et s. yiiginiB et martirii 
Cecilie in villa Herestein (diese Zeitschr. N. F. IV, 291); um 868 monait 
Erestein (Vita S. Deicoli, Grandid. Als. Üb, 60); 870 Eremtein (MG. IL. 
I, 517: Hincmar, Annal. MG. SS. I, 438); 895 monast Hensten (Acta 
SS. BoU. Jul. T. n, 55); gegen Ende d. 9. Jahrh. sororibos in EriDSteiB 
(MG. Lib. Confr. 144). 

Eschaa, Dorf, Geispolsheim, Erstein. — Fraaenkloster, gegen 777 
von Remigius, Bischof yon Strassburg, gegründet; 778 vom Stifter der 
Kirche yon Strassburg unterstellt und mit allem dem Kloster gewordenen 
Besitz yermacht: cellula Ascgaugia . . in insula qae yocatar BMBCgßnpt, 
Aschaugia, Aschagia (Str. Ürk.-B. I, 11 — 14). 

Essweiler, abg. Dorf, zwischen Schlierbach and Dietwefler, Ludaer, 
Mülhausen. — Begütert: Kl. Murbach 785 in Annegis TÜla (Paid. II, 
368). 

Ettendorf, Dorf Hochfelden, Strassburg. — Begütert: KL Weissen- 
barg 766 in marca Atinhaim, 788 in Ediningom, 855 in marca Aten- 
haim (Trad. Wiz. No. 108, 42, 156). 

Exbrttclie, Weiler, Gem. Oberbumhaupt, Sennheim, Thinn« — Be- 
gütert: Kl. Murbach 784 in Agaishaim (Als. dipl. I, 53). 

Feldkirch, Dorf, Sulz, Gebweiler. — Erwähnt: Um 780 actum Fda- 
kircha, 784 actum Felakyrchio, 786 actum Felakircha (Ab. dipL I, S2, 64). 

Fessenheim, Dorf, Ensisheim, Gebweiler. — Begütert: Kl. Mttnster 
759 in yilla yel in fine Fetzenheim marca (Rapp. Ürk.-B. 1, 1); KL Mar- 
bach 778 in Fezinhaim, actum Fezinhaim yilla (Als. dipl. I, 50). 

Flachslanden, Dorf, Mülhausen -Süd, Mülhausen. — Begütert: KL 
Murbach 792 in marca Flachlantisse (Als. dipl. I, 57). 

Forstfeld, Dorf, Bischweiler, Hagenau. — Begütert: KL Weissen- 
burg 745 in locello Furdesfe[l]d , 774 in loco Furdesfe[l]d, 819 in Tina 
Furtesfeld, um 820 ad Furdesfelde (Trad. Wiz. No. 143, 184, 127, 17«). 

Fouday (Urbacb), Dorf, Schirmeck, Molsheim. — Erwfthnt: gegen 
Ende des 7. Jahrhunderts apud Horbacum (Riehen Gesta Senon. Ecdes. 
MG. SS. XXV, 263). 

Frankenheim s. Höh-, Kleinfrankenheim. 

Frankenheim, abg. Dorf, Gem. u. Kt. Selz, Weissenburg. — Be- 
gütert: Kl. Weissenburg 773 in Franchenhaim ; 774 in Franchenhaime 
marcha; in marcha Franchenheim , in Franchenhaim; 776 in yilla Fran- 
chenhaime-marca; 798 in yilla Franchenheim; um 810 in Franchenheim; 
819 in marca Franchenheim; um 820 in yilla yel in marca Franchenhaim 
(Trad. Wiz. No. 128; 53 u. 178; 184; 57; 58; 34; 48; 127; 176). — Fer- 
ner erwähnt: 760 actum in yilla Franchenheim (das. No. 170). 

Friedolsheim, Dorf, Hochfelden, Strassburg. — Begütert: Kl. Fulda 
770 in yilla Fridolfeshaim (Cod. dipl. Fuld. No. 31); Kl. St Denis 
777 in Fredishaim; Fredeshaim (Tardif Monum. 61; Rapp. Ürk.-B. I, 8). 
— Femer erwähnt : 826 oppidum Fridesheim (Acta ss. Boll. Aug. T. VI, 510). 



Das Elsass zur Kaxolingerzeit 211 

Friasrahetm, Dorf, Benfeld, Erstem. — Begütert: Kl. Fulda 803 in 
Priesenheim marca (Cod. dipl. Fuld. No. 179). 

Frtsehweiler, Dorf, Wörth, Weissenburg. — Begütert: Kl. Weissen - 
bürg 820 ad Froscheim (Trad Wiz No. 69j. 

FtMenhelm, Dorf, Truchtersheim, Strassburg. — Begütert: Kl. Has- 
laeh 6SS in Tirdenheim (MG. Dipl. I, 149); Kl. Leberau um 770, be- 
st&t 803 in Firdenbeim (Grandid. Egl. Üb, 149; ygl. Sickel, Acta spuria 
S 404/405); Kl. Honau884in Virdinheim (Grandid. Egl. Hb, 275; Reg. 
Imp. I, No. 1641). 

GambfhelB, Dorf, Brumath, Strassburg. — Begütert: Kl. Honau 
748 in marcha Gambhagme (Pard. n, 407); 884 in Gamanesheim (Grandid. 
EgL Hb, 275; Reg. Imp. I, No 1641). 

Geberschweier, Dorf, Ru&ch, Gebweiler. — Begütert: KL St. Sieg- 
mnnd (St. Markus) bei seiner Gründung, bestät. 1258 (Berler, Chron. 
16, 20); Kl. Murbach 728 in Waranangus qui dicitur YiUare Eberhardo 
(Pard. n, 356). 

Gebweiler, Stadt, Kantonshauptort, Kreisstadt. — Erwähnt: 774 ac- 
tum in villa Gebunwilare, 792 actum in Gebenwilare; 796 actum in Ge- 
bunwilare (Als. dipl. I, 47, 57, 59). 

Geispolsheim, Dorf, Kantonshauptort, Erstein. — Begütert: Dom- 
Stift Strassburg 871 in yilla Geisbodesheim (Str. Urk.-B. I, 25); Kl. 
Honau 884 in Buahcgiezo (Grandid. Egl. üb, 276; Reg. Imp. I, No. 1641). 

Geisweiler, Dorf, Hochfelden, Strassburg. — Begütert: Kl. Weis- 
senburg 773 und 774 in Gaizwilare, 784 in Geizwilare (Trad. Wiz. No. 
128, 53 u. 178, 60). 

Gemar, Stadt, Kt. u. Kr. Rappoltsweiler. — Begütert: Fulrad, Abt 
▼on St. Denis, 768 in Ghermari (Rapp. Ü.-B. I, 2); Kl. St. Pilt 774, 
bestät. 854 in marca Garmaringa (Tardif Monum. 58; Grandid. Egl. IIb, 
239); Kl. Leberau um 770, bestät. 803 in Gemar (Grandid. a. a. 0. 149; 
vgl Sickel, Acta spuria S 404 405); Kl. St. Denis 777 in Gairmari, Ger- 
mer! (Rapp. Urk-B. I, 2, 3); Kl. St. Gallen um 885 in Kermere (?) 
(Grandid. Als. Ib, 96; MG. Formul. 381). 

Gertweiler, Dorf, Barr, Schlettstadt. — Begütert: Kl. Nie der - 
münster gegen 720 in Gertenwillre; Gertewilre (Pard. n, 318, 319). 

Gewenheim, Dorf, Kt. u. Kr. Thann. — Begütert: Kl. Masmünster, 
Dinghof, 823 in Göwenheim (Grandid. Als. Ib, 66; vgl Sickel, Acta spuria 
S. 420). 

Gildweiler, Dorf, Dammerkirch, Altkirch. — Begütert: Kl. Murbach 
728 in Gyldulfoviler (Pard. 11, 356); Kl. Mas münster 823 in Giltwilre 
(Grandid. Als. Ib, 66; vgl Sickel, Acta spuria S. 420). 

Gingsheim, Dorf, Hochfelden, Strassburg. — Begütert: Kl. Fulda 
770 in Ginnanhaim (Cod. dipl. Fuld. No. 31). 

Görlingen, Dorf, Drulingen, Zabem. — Begütert: Kl. Weissen- 
burg 700 in Villa Gairoaldo (Überschrift: Geraldovilla), 763 in villa Ger- 
boldinga (Trad. Wiz. No. 203, 263). 

Görsdorf, Dorf, Wörth, Weissenburg. — Begütert: Kl. Weissen- 
burg 695 in villa Gerleihes (Index: Gerliches villa); um 6% in villare 
(jairelaigo; 696 in Gerleicovilare (Index: Gerlaicho wilare), actum in villa 

14* 



212 ^- J*"^- 

Gerlaico vilare; 712 in villa Gerlaigo; in villa Gerelaigi; 718 in Gaerlaigo- 
tüIa; um 737 in Gerlaicowilare (Index: Gerlaicho wilare); am 789 in Gaer- 
laigovil&re; 742 in Gerlageswilare; 746 in Gerlaigovilare; 758, 767 in Ger- 
laigOTÜla; 773 in Gerlaichestorf; 774 in Gerleichesdorf, Gerlahchestorf; 
780 in Gerleiheshaimmarca; um 784 in Gerlaigovilare; in Gerleichovilla; 
um 790 in Gerlaicovilla; 791, 797 in Gerleihesdorph (Trad. Wiz. No. 46^ 
38, 43, 160, 186, 6, 16, 12, 7, 142, 146, 132, 128, 63 u. 178, 92, 114, 104, 
124, 78, 81). 

GettenhaoseD, Dorf, Maursmünster, Zabem. — Begütert: Kl. Maurs- 
münster im 8. Jahrh. in Godenhusen, bestät zw. 827 u. 863 u. 1120 
(Hanauer, 0)nstit. 47; Als. dipl. I, 198). 

Graadfontalne, Dorf, Schirmeck, Molsheim. — Begütert: Kl. Se- 
nones um 660 ad Grandem Fontanam (Richeri Gesta Senon. Eccles., 
MG. SS. XXV, 259). 

Grassandorf, Dorf, Hochfelden, Strassburg. — Begütert: Kl. Mur- 
bach 736 in Grosinhaim (Pard. IT, 369). 

GrMSweller, Dorf, Kt. u. Kr. Molsheim. — Villa regia. — Begütert 
ist: Kl. Er stein 849 in villa Gresweiller (Grandid. Egl. Üb, 286; Reg. Imp. 
I, No. 1104). 

Gries, Dorf, Brumath, Strassburg. — Begütert: Kl. Weissen bürg 
830 in Yilla Gerireshusa (Trad. Wiz. No. 172). — Ferner erwÄhnt: 826 
actum in villa Gerareshusa (das. No. 173). 

GriMbaeb, Dorf, Buchsweiler, Zabem. — Erwähnt: 826 villa Gries- 
bach (Acta ss. BoU. Aug. T. VI, 510V 

Grou-Rnmbaeb) Weiler, Gem. St. Kreutz im Leberthal, Markirch, Rap- 
poltsweiler. — Begütert: Kl. St. Pilt 774, best&t 864 in tertia Rum- 
bach (Tardif Monum. 58; Grandid. Egl. IIb, 239). 

GroSfenhelm, Dorf, Andolsheim, Colmar. — Begütert: Kl. Ebers- 
münster, Dinghof, gegen 670 in Gruzenheim (Chron. Ebersh., Grandid. 
Als. IIb, 18), bestat. 770 u 810 in Gruzenheim, 814 in Grusenheim, 817 
in Gruzenheim (Grandid. Egl. IIb, 103, 156, 168, 172; vgl. Sickd, Acta 
K. 225 u. Acta spuria S. 426), 824 u. 829 in Gruzenheim (Ghron. Ebenh. 
MG. SS. XXIU, 436; Grandid. Egl. IIb, 178, 191 ; vgl. Sickel a. a. 0. S. 426); 
Fulrad, Abt von St. Denis, 768 in Grucinhaim (Rapp. Urk.-B. I, 2); Kl. 
St. Denis 777 in Grutsinhaim, Grutsenhaim (das. 2, 8); Kl. Leber au 
um 770, bestät. 803 in Grussenheim (Grandid. Egl. IIb, 150; vgl. Sickel, 
AcU spuria S. 404/406). 

GogeBbelm, Dorf, Tmchtersheim, Strassburg. — Begütert: Kl. St. Tho- 
mas in Strassburg gegen 820 in Guogenheim marcha (Str. Urk.-B. I, 48). 

GüBdolaheim, Dort, Rufach, Gebweiler. — Begütert: Kl. Ebers - 
münster um 680 in Gundolvesheim (Chron. Ebersh , Grandid. Als. IIb, 
22 u. MG. SS. XXIII, 438), bestät 817 (Grandid. Egl. IIb, 169; vgl. Sickel, 
Acta spuria 8. 426); Kl. Hohen bürg um 680, bestät 837 in Gundol&- 
heim (Grandid. Egl. IIb, 207; vgl. Sickel, Acta spuria S. 417); Kl. Mur- 
bach 728 in Cundolteshaim (Pard. II, 356). 

Giaitett, Dorf, Wörth, Weissenbnrg. — Begütert: Kl. Murbach 780 
in Gonzolinhuus (Pard. II, 369). 



Das Elsass zur Karolingerzeit. 213 

latehelm, Dorf, Kantonshanptort, Mülhaasen. — Begütert: Kl. St. 
Oallen 757 in Habuhinesheim (St. 6aU. Urk.-B. I, 25). 

Eigen, Dorf, Maarsmünster, Zabem. — Begütert: El. Weissenburg 
742 in Heconheim (Trad. Wiz. No. 2); Kl. Maursmünster im 8 Jahrb. 
in Hegenheim, bestät. zwischen 827 u. 853, und 1144 (Hanauer, Constit. 47; 
Als. dipl. I, 226). 

HisingeD, Dorf, Hüningen, Mülhaasen. — Begütert: Kl. Luxeuil 815 
in Haasiszera (Teulet-Lab,, Inv. et doc. I, 6; vgl. Sickel, Acta spuria 
S. 419); Kl. Murbach 835 in villa Hassinga (Als. dipl. I, 77). 

Hambacb, Dorf, Drulingen, Zabem. — Begütert: El. Weissenburg 
713 in villa Haganbah; in villa Cliagambac qui vocatur Ditiagus ^Über- 
«chrift: Acanbac); 716 in villa Haganbah; 718 in viUa Chaganbach; 
in loco Haganbach; 724 ad Haganbache; in villa Chaganbaci; 742 in 
marcha Haganbache; 788 in Aganbach; 807 in Haganbah (Trad. Wiz. 
No 192; 256; 196; 227; 195; 18; 257; 1; 197; 199).— Femer erwähnt: 
713 actum villa Haganbahc; 723 actum villa Agambac (Trad. Wiz. 
No. 202; 262». 

Hammentatt, abg. Dorf zwischen Blodelsheim und Rumersheim, 
Ensisheim, Gebweiler. — Begütert: Kl. Murbach 730 in marca Hamaris- 
stad (Pard. U, 359). 

Handschnbheim, Dorf, Tmchtersheim, Strassburg. — Begütert: Kl. 
Fulda 768 in Hantscohashaim ; 803 in Hanschoashaim (Cod. dipl. Fuld. 
No. 89; 208). 

Haslach s. Ober-, Niederhaslach. 

HatteD, Dorf, Sulz u. Wald, Weissenburg. — Begütert: Kl. Weissen- 
burg 808 in Villa Hadana; 816 in vüla Hatana (Trad. Wiz. No. 20; 161); 
Kl. Honau 884 in Hadana (Grandid. Egl. IIb, 275; Reg. Imp. I, No. 1641). 

Haasbergen s. Ober-, Mittel-, Niederhausbergen. 

Hegeney, Dorf, Wörth, Weissenburg. — Begütert: Kl. Weissenburg 
786 in villare Aginonivilla — Index : Aginonvilla — (Trad. Wiz. No. 82). 

Heidolabeim, Dorf, Markolsheim, Schlettstadt. — Begütert: Kl. Mün- 
ster 747 in Hodulseshaim (Pard. II, 406); 750 in villa vel in fine Hodulsea- 
haim tCartul. Münster No. 19 S. 11 im Colm. Bez.-Arch.); Kl. Fulda 
801 in marca Haidulfushaim (God. dipl. Fuld. No. 171). 

Heidweileri Dorf, Kt. u. Kr. Altkirch. — Begütert: Kl. Hohenburg 
um 680, bestät. 837 in Hetwiler (Grandid. Egl. IIb, 207; vgl. Sickel, Acta 
spuria S. 417). 

Heiligenberg, Dorf, Kt. u. Kr. Molsheim. — Begütert: Kirche von 
-Strassburg 773 in Arlegisbergo (Strassb. Ürk.-B. 1,6). 

Heimersdorf, Dorf, Hirsingen, Altkirch. — Begütert: Kl. Hohen- 
burg um 680, bestät. 837 in Hemmersdorf (Grandid. Egl. IIb, 206; vgl. 
Wickel, Acta spuria S. 417); Kl. Niedermünster gegen 720 in Heimers- 
dorf (Pard. II, 318, 319). 

Heiteren, Dorf, Neubreisach, Golmar. — BegiUert: Kl. Münster 759 
in villa vel in fine Heiderheim marca (Rapp. Ürk.-B. I, 1). 

Helweiler, Dorf, Kt. u. Kr. Altkirch. — Begütert: Kl. Murbach 
728 in Heimonewiler (Pard. H, 356). 



214 ▼• Jan. 

Hengweller, Dorf, Maursmünster, Zabern. — Begütert: EL Maurs- 
münster im 8. Jahrh. in Hemingesbura, bestät. zw. 827 u. 858, n. 1120 
(Hanauer, Constit. 47; Als. dipl. I, 198). 

Herbitsheim, Dorf, Saarunion, Zabern. — Kloster, gegründet yer* 
mutlich in der 2. Hälfte des 8. Jahrh. ; der Kirche von Metz unterstehend. 
Erwähnt 717 actum in villa Charibode (Trad. Wiz. No. 261) ; 870 Heri- 
bodesheim (MG. LL. I, 517; Hincmar Ann. MG. SS. I, 488). 

Hergheim s. Oberhergheim. 

Herlisheim, Dorf, Winzenheim, Ck)lmar. — Villa regia. — Begütert: 
Kl. Schuttern, Dinghof, im 7. Jahrh. in Herleichesheim (diese Zeitschrift 
m, 94); Kl. Masmünster 823 in ,Herr]ichesheim (Grandid. Als. Ib, 66; 
vgl. Sickel, Acta spuria S. 420). 

Herlisheim, Dorf, Bischweiler, Hagenau. — Begütert: Kl. Weis- 
senburg 743 in Hariolfesvilla; 775 in villa Hariolveshaim (Trad. Wiz. 
No. 4, 55). 

Hetteosclllag, Dorf, Neubreisacb, Colmar. — Begütert: Kl. Murbach 
792 in Villa Hetannerloh (Als. dipl. I, 56). 

Hilseoheim, Dorf, Markolsheim, Schlettstadt — Villa regia. — Be- 
gütert: Kl. Ebersmünster, Dinghof (aus Königsgut), 672 in Hiltes- 
heim (Chron. Ebersh., Grandid. Als. Hb, 20 u. MG. SS. XXHf, 437; MG. 
Dipl. I, 189), bestät. 817 in Hiltesheim, 824 in Hiltzheim, 829 in Hiltes- 
heim (Grandid. Egl. Hb, 171, 179, 191; vgl. Sickel, Acta spuria S. 426). 

HiBdisheim, Dorf, Kt. u. Kr. Erstein. — Begütert: Kl. Ebersmünster, 
Dinghof, gegen 670 in Hundenesheim (Chron. Ebersh, Grandid. Als. Hb, 
18), bestät. 810 in Hundensheim (Grandid. Egl. IIb, 155), 817 u. 824 in 
Hundenesheim (das. 171, 178; Chron. Ebersh. MG. SS. XXHT, 436; vgl. 
Sickel, Acta spuria S. 426); Kl. Moyenmoutier um 700 in villa Hon- 
dinisheim, in der 1. Hälfte des 8. Jahrh. in Hundinisheim (Hist. Med. 
Mon. 111, 149; Chron. Med. Mon. MG. SS. IV, 87); Kl. Murbach 73(> 
in Hunishuus (Pard. II, 369); Kl. St. Denis 777 in Hundinishaim; ün- 
dineshaim (Tardif Monum. 61; Rapp. Urk.-B. I, 3); Kl. Leberau 847 (V) 
in Hundeneshain (Grandid. Egl. IIb, 230). 

HlndUngeB, Dorf, Hirsingen, Altkirch. — Begütert: Kl. Murbach 728 
in Chuntilingas (Pard. D, 356). 

HiBgrie, Weiler, Gem. Deutsch- Rumbach, Markirch, Rappoltsweiler. 
— Begütert: Kl. St. Pilt 774 in Achinis Ragni, bestät. 854 (Tardif 
Monum. 58; Grandid. Egl. IIb, 239). 

Hipsheim, Dorf, Kt. u. Kr. Erstein. — Begütert: Kl. Murbach 728 
in Hyppeneshaim (Pard. II, 356). 

HirschlaBd, Dorf, Drulmgen, Zabern. — Erwähnt: 826 villa Hirs- 
landen (Acta SS. Boll. Aug. T. VI, 510). 

HlrtlBgea, Dorf, Kantonshauptort, Altkirch. — Begütert: Kl. Hohen- 
burg um 680, bestät. 837 in Hirsingen (Grandid. Egl. IIb, 206; vgl. 
Sickel, Acta spuria S. 417); Kl. Niedermünster gegen 720 in Hirsunge 
(Pard. II, 818, 319). 

linfeldeD, Dorf, Ensisheim, Gebweiler. — Begütert: Kl. Murbach 
728 in Hirzfeld (Pard. H, 356); Kl. Ebersmünster 817 hi Hinveit 
(Grandid. Egl. IIb, 169; vgl. Sickel, Acta spuria 8. 426). 



Das Elsass zur Earolingerzeit. 215 

loebfeldeB, Dorf, Kantonshauptort, Strassburg. — Villa regia. — 
Erwähnt: 816 actum Hocfeldis (Trad. Wiz. No. 161); 826 villa Hoffeldea 
(Acta 8S. BolL Aug. T. VI, 511). •^ 

löBhelm, Dorf, Schütigheim, Strassburg. — Begütert: Kl. Weissen- 
burg 742 in Hohenheim (Trad. Wiz. No. 2); El. Fulda 803 in villa Hein- 
baim (Cod. dipL Fuld. No. 178); El. Honau 884 in Hohanheim (Gran- 
did. EgL nb, 276; Reg. Imp. I, No. 1641). 

lohatsenhelm, Dorf, Hocbfelden, Strassburg. — Erwähnt: 786 actum 
ad Azinbeim (Trad. Wiz. No. 157). 

HohengOft» Dorf, Maursmünster, Zabem. — Begütert: El. Honau 
775 in loco Gebfida (Sickel, Acta K. 56j. 

HohftrankeBlieilll, Dorf, Hocbfelden, Strassburg. ~ Villa regia. — 
Erwähnt: 814—825 villa Frankenhaim (MG. Formul. 320). 

Hohweller, Dorf, Sulz u. Wald, Weissenburg. — Begütert: El. Weissen- 
burg 742 in marca Berganeswilare, um 774 in villa Hohen wilari — Index: 
Hohenwüare — (Trad. Wiz. No. 7, 106). 

Holxweier, Dorf, Andolsheim, Colmar. — Begütert: El. Murbach 
728 in Lilenselida (Pard. II, 356); 760 in villa Lielinsne quae vocatur 
Heloldo¥rilare (Als. dipl. I, 36). 

Houil, abg. Kloster auf einer Rheininsel bei Wanzenau, Brumath, 
Strassburg. — Kloster, gegründet gegen 721. Adalbert, Herzog vom 
Elsass, und dessen Söhne schenken 722 ihren Besitz in insula que dicitur 
Honaugia an das monast. construct. in insula Hohenaugia in hon. 
S. Michaelis . . . actum in monast. Hoenaugia (Pard. II, 337, 338). — 
Femer erwähnt: 726 monast. Honaugia (das. 346); um 748, 758, 770 Hohen- 
augia (MG. Dipl. I, 105; Sickel, Acta P. 14, 15, C 8); 772—774 eccles. 
Scotorum in insula Honaugia (das E. 24); 775 monast. Scotorum Onogia 
(das. E. 44); monast. Honogia (das. E. 56); 778 monast s. Michaelis in 
insula Bheni Hohenaugia (das. E. 64); 781 mon. Hoinaugia (das. E. 85); 
870 Hoinowa (MG. LL. I, 517; Hincmar, Ann. MG SS. I, 488); 884 
Hohanova (Grandid. £gl. Hb, 274; Reg. Imp. I, No 1641). 

Hflrtigheim, Dorf, Tnichtersheim, Erstein. — Begütert: El. Fulda 
788, 798 in Hirtunghaim (Ck)d. dipl. Fuld. No. 89, 148); El. Honau 884 
in Hurenheim (?) (Grandid. Egl. IIb, 275; Reg. Imp. I, No. 1641). — Fer- 
ner erwähnt: gegen Ende des 9. Jahrb. (?) Hirtinchaim (MG. Lib. Conf. 34). 

Hflttendorf, Dorf, Et. u Er. Hagenau. — Begütert: El. Weissen- 
burg um 797 in Hittendorphe (Trad. Wiz. No. 62). — Femer erwähnt: 
um 720 bezw. nach 1003 Hittendorf (Str. Urk -B. I, 42). 

Hflttenheim, Dorf, Benfeld, Erstein. — Begütert: El. Ebersmünster, 
Dinghof, gegen 670 in Hiddenheim (Chron. Ebersh , Grandid. Als. IIb, 17), 
bestät. 770 Hudenheim, 814 Hittenheim, 817 Hiddenheim, Hittenheim, 824 
Hiddenheim (Grandid. Egl. IIb, 103, 157, 171, 177; .Chron. Ebersh. MG. 
SS. XXIII, 436; vgl. Sickel, Acta spuria S. 426); El. Murbach 728 in 
Hittenheim (Pard. II, 356); El. Fulda 798 in Hivatinghaim (?) (Cod. dipl. 
Fuld. No. 148); El. Honau 884 in Hiudinheim (Grandid. Egl. IIb, 275; 
Reg. Imp. I, No. 1641). 

Hanaweier, Dorf, Et u. Er. Rappoltsweiler. — Begütert: El. St 
Di^ Ende d. 7. Jahrb. in Hunivillare (Legenda S. Deodati, Grandid. Als. 



216 ▼• J&n- 

IIb, 46). — Ferner erwähnt: gegen 670 Hunonis villa (Riehen Gesta Senon. 
Eccl. MG. SS. XXV, 360.. 

ludsbach, Dorf, Kt. a Kr. Altkirch. — Begütert: Kl. Masmanster 
823 in ürsbach (Qrandid. Als. Ib, 66; vgl. Sickel, Acta spnria S. 420). 

niAirtf Dorf, Kt. u. Kr Altkirch. ~ Begütert: Kl. Hohenburg um 
680, best&t 837 in Ilfiirt (Grandid. Egl. IIb, 206; vgl. Sickel, Actaspuria 
S. 417). 

ülkirch-firafeBstadeBf Dorf, Geispolsheim, Erstein. — Begütert: Kl. 
Ebersmünster gegen 670 in Illechilechen (Chron. Ebersh., Grandid. Als. 
IIb, 22 u. MG. SS. XXni, 438); Kl. Eschau 778 in Dlekircben (Grandid. 
Als. üb, 75). — Femer erwähnt: 826 villa lllenkirche (Acta ss. Bell. Aog. 
T. VI. 510); 845 Yllekiriche (Strassb. Ürk.-B. I, 20). 

mxacb, Dorf, Habsheim, Mülhausen. -- Villa regia. — Erwähnt: 662 
in comitatu Ilchicha; lUecicb^) (Strassb. Urk.-B. 1,1; Chron. Ebersh., 
Grandid. Als. IIb, 13 u MG. SS. XXIII, 433); 835 actum Hilciaco palacio 
regis (Als. dipl. I, 76). 

iBganbeim, Dorf, Hochfelden, Strassburg. — Begütert: Kl. Weissen- 
borg 789 in Inginhaime (Trad. Wiz. No. 14) 

ligenheim, Doif, Kaysersberg, Rappoltsweiler. — Begütert: Kl. St. 
Di6 um 670 üi Ongeresheim (Chron. Ebersh., Grandid. Als. IIb, 19 u MG. 
SS. XXm, 436); Kl. Murbach 768 in fine vel marca Aungehiseshaim 
(Gart Murb. I, 119—121 im Colm Bez<Arch); 772 in villa Annghishaim 
... de una fronte pervenit usque in Fachinam fluvium, 794 in Ongirhhaim 
(Als. dipl. 1,45, 57); Kl Luxeuil 815 in Hanagresheim (?) (Teulet-Lab., 
Inv et doc. I, 6; vgl. Sickel, Acta spuria S. 419); Kl Masmünster 823 
in Ongresshein (Grandid. Als. Ib, 66; vgl. Sickel, a a 0. S. 420). — Fer- 
ner erwähnt: gegen 670 üngisivilla (Acta ss Boll. lun. T. m, 873); 772 
actum in vilU Annghishaim; 794 in villa Ongihaim (Als. dipl. I, 46, 57; 
Cart. Murb. I, 116—118). 

iBgmtrshelB, abg Dort, Gem. u. Kt. Oberehnheim, Erstein. — Be- 
gütert: Kl Leberau um 770, bestät 803 in Igmarsheim, 847 (?) in Iges- 
maresLain (^Grandid. Egl. IIb, 149, 229; vgl. Sickel, Acta spuria S. 404/405). 

ligelaheim, Dorf, Suhe u. Wald, Weissenburg. — Erwähnt: 683 In- 
goldeshare als Grenzbestimmung des dem Kl. Weissenburg gehörigen 
„Untern Mundats"* (MG. Dipl. I, 150). 

ligweUtr, Stadt, Buchsweiler, Zabem. — Begütert: Kl. Weissen- 
burg 742 in Ingoniwilare (Trad Wiz. No. 52). 

laenbirf, Burgtrümmer, Gem u. Kt RufiM^h, Gebweiler. — Erwähnt: 
Castrum Isenburc (Cliron Ebersh., Grandid., Als. IIb, 12 u MG. SS. 
XXni, 432); 630 datum in arce nostra Isenburg (MG. Dipl. I, 142); 662 
acU in Isenburg (Str. Urk -B. I, 2). 

iMeahaiMB, Dorf, Hochfelden, Strassburg. — Begütert: Kl. Weissen- 
burg 739 in viUa Hischaigitisagmi (?) (Trad. Wiz. No. 14). 

IttOBheim, Dorf, Schiltigheim, Strassburg. — Begütert: Kl. Weis- 
senburg 742 in Eudinhalme (Trad. Wiz. No. 52). 

<) Über die Grafschaft Uhsach s. A. Schricker, Älteste Grenzen und 
Gaue im Elsass in Strassb. Studien II (1884) S. 374—375. 



Das Elsass zur Karolingerzeit. 217 

Ittlenbotm, Dorf, Truchtersheim, Strassburg. — Begütert: El. Weis - 
Den barg 742 in Utilenchaime (Trad. Wiz. No. 52); Erchengar, Graf vom 
Nortgan, bezw. das yon ihm Besitz eintauschende Kl. Schwarzach 828 
in Utilinhaim (Sickel, Acta L. 256). 

Jebthelm, Dorf, Andolsheim, Colmar. — Begütert: Kirche von Speier 
891 in Villa Yebinesheim (Speier. Urk.-B. I, 10); Kl. Münster 896 in 
Jebinesheim (Rapp. Urk.-B. I, 3). 

Karlisbacb, abg. Dorf zw. Gemar u. Rappoltsweiler, Kr. Rappolts- 
weHer. — Begütert: Kl. Zürich 877 in Charoltespah , 878 in villa Cha- 
vroltesbach (Zürich, ürk -B I, 53, 57). 

Kanffenheim , Dorf, Bischweiler, Hagenau. — Begütert: Kl. Weis- 
senburg 780 in Chachenheim (Trad. Wiz. No. 113); Kl. Honau 884 in 
Chochinheim (Grandid Egl Db, 275; Reg. Imp. I, No. 1641). 

Kembs, Dorf, Landser, Mülhausen. — Begütert: Kl. St Gallen um 
757 in Campiduna super fluvium Rhino, sive Chambiz; Beretheida, Ge- 
mahlin des Grafen Uhrich vom Argen- und Linzgau, 877 in Chembiz 
(St. Gall. Ürk.-B. I, 25; 11, 213). — Femer erwähnt: 609/610 Campanensis 
,{Campanensem pagum] (Fredeg. Chron. 37, MG. SS. rer. Merov. ü, 138); 
Campanensi comitatu ^) (Aimoni, De Gestis Franc. UI, Bouquet, Rec. bist. 
m, 114); um 757 actum in villa Chambiz (St. Gall. ürk -B. I, 25). 

Kestenbolx, Dorf, Kt. u. Kr. Schlettstadt. — Begütert: Kl. Ebers- 
münster um 680 in Castineto (Chron. Ebersh., Grandid. Als. IIb, 22 u. 
MG. SS. XXm, 438); Kl. Esc hau, Dinghof, 778 in Kestenholz (Grandid. 
Als. Üb, 75). 

Uensheim, Dorf, Kaysersberg, Rappoltsweiler. — Begütert: Kl. Fulda 
785 in Coneshaim, Choneshaim (Cod. dipl. Fuld. No. 82, 83); Kl. Zürich 
877, 878 in villa Conesheim (Zürich. Urk.-B. I, 53, 57). 

Kllstett, Dorf, Brumath, Strassburg.— Begütert: Kl. Honau 726 in 
OwiUesteti (Pard. H, 346); 884 in Chilistat (Grandid. Egl. Hb, 275; Reg. 
Imp. I, No. 1641). 

Kinxheim, Dorf, Kt. u. Kr. Schlettstadt. — Villa regia. — Begütert: 
Kl. Hohenburg um 680, bestät. 837 in Kiunenheim, Kimmenheim (?) 
(Als. dipl. I, 107; Grandid. Egl. IIb, 207; vgl. Sickel, Acta spuria S. 417); 
Kl. St. Pilt 774, bestät. 854 in marca fisco [regio] Quuningishaim ') (Sickel, 
Acta K. 30; Grandid., Egl. IIb, 238); Erchengar, Graf vom Nortgau, 
843 in Kunigesheim, Cunigesheim (das. 222, 308; Reg. Imp. I, No 1063); 
Kl. Zürich 877 in villa Chuningesheim, 878 in villa Cunigesheim (Zürich. 
Ürk.-B. I, 53, 57); die Kirche von Chur, bezw. K. Karl lü., der von dieser 
881 Besitz in Chuniggesheim eintauscht und ihn seinem Erzkaplan Liut- 
ward, Bischof von Vercelli, verleiht (Cod. dipl. Raet 47); Kl. And lau 
8^ in Cunigesheim (Grandid , Egl IIb, 308); Kl. Ebersmünster um 900 
in Kunigesheim (Chr. Ebersh., Grand. Ais IIb, 23 u. MG. SS. XXIU, 439); 
Ki. Eschau um 900 in Kounensheim (Grandid. Als. IIb, 76); Kl. Gengen- 
bach um 900, bestät. 1139 in Kunegesheim (Wirtemo. Urk -B. ü, 8). 

Kinsiogen, abg. Dorf zwischen Domach und Didenheim, Mülhausen- 



*) Über den Kembsgau s. A. Schricker a. a. 0. 371—374. — *) Über 
^ie Mark Kinzheim s. A. Schricker a. a. 0. 398. 



218 ▼• J»n- 

Süd, Mülhausen. — Begütert: Kl. Morbach 728 in Cliianclui (Bud. 
ir, 356). 

Kirehbelm, Dorf; Wasselnheim, Schlettstadt — Villa regia. — Be- 
gütert: Kl. Haslach 633 in Kirckhaim cum subnrlniB Maxlej (MG. D9L 
I, 149); Kl. Honau 884 in Hiahhilcheim (Grandid. E^ IIb, S76; B^. 
Imp. I, No 1641) — Femer erwähnt: in comitata TfaronieO (Chna. 
Ebersh., Grandid. Als. IIb, 10 u. MG. SS. XXIII, 432); 662 in condtato 
Tronie, in comitatu Cbilcheim^) (das. 13; 433; Straasb. Üri^-B. 1, 1); 79B 
in pago Troningorom (Pard. II, 356); 817 actam Trbonie am KiliHnhi 
(Sickel, Acta spuria S. 426); 887 yilla Chirichheim; loco Kirihhwm (?) 
(Ann. Fald. V, lY, MG. SS. I, 404, 405); actum Chiribeim cmiaa le- 
giam (?) (St. Gall. Urk.-B II, 264); actnm Chiribeim (?) (Beg. In^ I, 
No. 1704—1706); 894 curtis Chirihheim (?) (Ann. Fold V, MO. SS. I, 410)l 
Zu 887, 894 vgl. A. Schulte, diese Ztschr. N. F. U (1887), 246 und Bflg. 
Imp. I, Nachtr. No. 1702 c. 

Kirweiler, Dorf, Buchsweiler, Zabem. — Begütert: Kl. Weisaea* 
bürg 718 in Chiricunvillare; 742 in Chirihcowilare (Index: (Ihiricho 
wUare); 840 in villa Kirihvilari; 851 in tüU Kiribwilari; 855 in fiHa 
Kirihvilari (Trad. Wiz. No. 227; 1; 151; 204 u. 264; 166). 

Kleinfrankenbeim. Dorf, Truchtersheim, Strassburg. — Villa regia. 
— Erwähnt: 814 — 825 villa . . . quae simili modo Frankenhai« appel- 
latur (MG Formul 320). 

Klein-Rümbacb, Weiler, Gem. St. Kreutz im Lebertbal, Maikirch, 
Kappoltsweiler. — Begütert: Kl. St Pilt 774, bestät 864 in alia Bonbadi 
(Tardif Monum. 58; Grandid. Egl. IIb, 239). 

KSnigshofen, Dorf, Kant. West extra muros des Stadtkreiaea Stra»- 
burg. — Königshof, von welchem die Bezeichnung auf den spttemOrt 
überging — Erwähnt: 722 actum Stratburgo civitate, in curte regia Tille» 
que est in suburbano civitatis novo (Strassb. Urk.-B I, 3). 

Kogenbeim, Dorf, Benfeld, Erstein. — Begütert: KI. Ebersmünster, 
Dinghof, gegen 670 in Chagenheim (Chron. Ebersh., Grandid. Ate. IIb, 17), 
bestät. 817 in Chagenheim, 824 in Chagenheim, Kogenbeim, 829 in Kagen- 
heim (Grandid Egl. IIb, 171, 177, 192; Chron. Ebersh. MG. SS. XXUI 
436; vgl. Sickel, Acta spuria S. 426); Kl. Niedermünster gegen 790 in 
Cagenheim, Kaginhem (Pard. II, 318, 319); Kl. Weissenbnrg 743 in 
Gagynhaime (Trad. Wiz. Xo. 52i; Kl Fulda 788 in Gaganbaim (Ood. 
dipl. Fuld. No. 89). 

Kolbsheim, Dorf, Schiltigheim, Strassburg. — Begütert: Kl. Mur- 
bach 736 in Colobocishaim (Pard. II, 369). 

Krastatt, Dorf, Maursmünster, Zabem. — Begütert: Kl. Weiasen- 
bürg 739 in Chraftestate (Trad. Wiz. No. 17 u. 159). 

Krantergershetm, Dorf, Oberehnheim, Erstein. — Begütert: Kl. Mnr- 
bach 736 in Ercafetilshaim (Pard. II, 369); Kl. Moyenmoutier in der 
1. Hälfte des 8. Jahrh, bestät 1140 in Erguiseim (Hist. Med. Mon. 284); 
Kl. Fulda 778 in Eringisashaim (Cod. dipl. Fuld. No. 61). 



^) Über den Troninger-Gau und die Grafschaft Kirchbeim 8 A. 
Schricker a. a. 0. 361—364. 



Das Elsass zur Karolingerzeit. 219 

Kriegsheim, Dorf, Brumath, Strassburg. — Begütert: Erchengar, Oraf 
Tom Nortgau, bezw. die vom ihm Besitz eintauschende Kirche yon Strass- 
burg 823 in Creacheshaim; das von ihm Besitz eintauschende Kl. Schwar- 
zach 828 in Creicchesheim (Sickel, Acta L. 196, 256). 

KrOttweller, Dorfi Selz, Weissenburg. — Begütert: Kl. Weissen- 
burg 742 in Chrodoldes wilare (Trad Wiz. No. 52). 

Ktthlendorf, Dorf, Sulz u. Wald, Weissenburg. — Begütert : Kl. W eis s e n- 
bürg um 792, 792 in Chielendorph (Überschrift: Chielen dorph), 808 in 
Kielenheimeromarcu (Trad. Wiz. No. 79, 80, 19). 

Ktnheim, Dorf, Andolsheim, Colmar. — Begütert: Kl. Ebersmünster, 
Dinghof, um 680 in Cuonenheim (Chron. Ebersh., Grandid. Als. IIb, 22 
u. MG. SS. XXIII, 438). 

Kftttolsheim, Dorf, Truchtersheim, Strassbg. — Begütert: Kl. Seh war z- 
ach 758 in Cuttehiesheim (Grandid. Egl. IIb, 86). 

Katzenhaasen, Dorf, Sulz u. Wald, Weissenburg. — Begütert: Kl. 
Weissenburg 742 in villa Chuzinchusi (Index: Cuzzenhuson), 756 in 
villa Chucenhusa (Index: Cuzzenhusa), 784 ad Cozzinheim (Trad. Wiz. No. 
52, 137, 60). 

Laach (Lach), Dorf, Weiler, Schlettstadt. — Begütert: KI. Weissen- 
burg 742 in Lalenhaimi (Trad. Wiz. No. 52). 

Lampertheim, Dorf, Scbiltigheim, Strassburg. — Begütert : Erchengar, 
Graf yom Nortgau, bezw. das von ihm Besitz eintauschende Kl. Sohwarz- 
ach 828 in Lancpartheim (Sickel, Acta L. 256). 

Laabacb, Dorf, Wörtb, Weissenburg. — Begütert: Kl. Weissenburg 
745 in Lonenbocho, Lonentbuak; 747 in fine vel in yilla Lonenbuhah; 
756 in Lonenbuacho; 758, 760 in marca Lonenbuah ; 774 in Lonenbuach; 
777 in villa Lonunbuah; 778 in villa Lonenbuach; 779 in villa Lonunbuah; 
780 in villa Lonenbuah; in loco Lonunbuah; um 780 in villa Lonenbuoch; 
782 in villa Lonenbuah; 782 (Index: Lonenbuah) u. 763 in villa Lonun- 
buah; 784 in villa Lonunbuach; 786 in Lonunbuacharomarca; in villa 
Lonunbuah; infra marca Lonenbuah; 787 in marca vel in villa Lonen- 
buah; infra marca Lonenbuah; 787, 788 in villa Lonunbuah; 791 in 
villa Lonenbuah; um 792 in villa vel in marca Lonenbuah; 792 in 
marca vel in villa Lonunbuah; 806 in villa Loifenbuah; 858 in marca 
Lonenbuah (Trad. Wiz. No. 136; 148; 137; 144, 170; 71; 93, 95; 122; 96; 
107, 94; 164; 109, 76; 98; 89; 82; 101; 157; 77; 155; 99, 100; 110 u. 154; 
79; 80; 29; 49). 

Laatenbacb, Dorf, Kt. u. Kr Gebweiler. — Erwähnt: 784 alia fronte 
terre S. Michaelis (Als. dipl. I, 53). 810 schenkt Chorbischof Abt Beatus 
von Honau seinem Kloster ecclesiam quae est constructa in sylva March- 
lichio, sive Luttenbach (Grandid. Egl. IIb, 153) und gründet hier ein Honau 
unterstehendes Kloster: Anno DCCCXI . . . Beatus de fratribus Honau- 
gensis ecclesie, que erat ecclesia Scotorum, instituit in Luttenbach mona- 
sterium in honore Sancti Michaelis (Grandid. Egl. I, 411, a). 

Lauterbach s. Ober-, Niederlauterbach. 

LeberaQ, Dorf, Markirch, Kappoltsweiler. — Kloster, gegründet 
gegen 770 von Fulrad, Abt von St. Denis, auf dessen Eigengut und von 
ihm dem Kl. St. Denis unterstellt und vermacht, 777: cella . . . ubi 



220 ▼• J&n 

aanctus Cocovatus requiescit, super fluvium Laima, quae dicitur Falrado 
cella; — cella . . . ubi sanctus Cucu&tus et sanctus Alexander martyres re- 
quiescoot (Tardif Monum. 62; Grandid. Egl. IIb, 127/128). — Ferner er- 
wähnt: 777 ad nomen sancti et gloriosi episc. mart AJexandri ad locum 
ipsius quod nominatur Lepraha (Paris Nat.-Arch K 7 No. 1; Tgl. Tar- 
dif Monum. 62); 781 cella Sancti Alexandri (Grandid. Egl 138); 781, 791 
ecclesia Lebrahae . . . ubi domnus et sanctus Alexander martyr corpore 
requiescit (das. 139, 143; Sickel, Acta spuria 8. 404); 803 monast. Le- 
brahae in hon. b. mart Dionysii, Rustici et Eleutberii, atque b. Alexan- 
dri Papae, ubi ipse s Papa corpore quiescit (Grandid. Egl. IIb, 148; 
Sickel, Acta spuria 8. 404); 847 (?) ecclesia, quae ad Sanctum Alexan- 
drum vocatur, quae ab antiquis temporibus Fulradovillare vocatur (Gran- 
didt Egl. IIb, 229); 853 monasterium Lebraha, ubi S. Alexander martyr 
quiescit humatus (MG. LL. I, 421); 866 Lepraha cella (Tardif Monum. 
128). 

Leimei, Dorf, Hüningen, Mülhausen. — Begütert: Kl. Murbach 728 
in Leimone (Pard II, 356). 

Lenteoheim, Dorf, Bischweiler, Hagenau. — Begütert: El. Weissen- 
bnrg 773 in Lithaim; 774 in Lithaime marca, Lithaimemarcha; 775 in 
Hlidhamomarcu (Trad. Wiz. No. 128; 53 u. 178; 119). 

UebeBXWeUer, Dorf, Hüningen, Mülhausen. — Begütert: Kl. Mur- 
bach 829 in Theotbertowilare (Als. dipl. I, 74). 

Unerslieilll, Dorf, Kt. u Kr. Erstein. — Villa regia. — Begütert: 
Kl. Leb er au gegen 770, bestät. 803 in Lumersheim, 847 (?) in villulam 
Linemareshain (Grandid. Egl. IIb, 149, 230; vgl. Sickel, Acta spuria 
S. 404/405); Kl. Ebersmünster 817 in Lumeresheim (Grandid. Egl. IIb, 
171; Tgl. Sickel, Acta spuria S. 426!; Kl. St. Stephan in Strassburg 845 
in Lumarshein (Strassb. Urk.-B. I, 21). 

Upsheim, Dorf, Geispolsheim, Erstein. — Villa regia — Begütert: 
Erchengar, Graf vom Nortgau, bezw. die von ihm Besitz eintauschende 
Kirche von Strassburg 823 in yilla Liutpoteshaim (Sickel, Acta L. 196); 
Kl. StStephan in Strassburg 845 in Lupotheshen (Strassb. Urk.-B. 1, 21). 

Lizhinsei, Dorf, Hochfelden, Strassburg. — Begütert: Kl. Weissen- 
barg 855 in villa vel*in marca Liutolteshusa (Trad. Wiz. No. 156). 

Lochweller, Dorf, Maursmünster, Zabem. — Begütert: Kl. Manrs- 
münster im 8. Jahrb. in villa Leobardi, best&t zw. 827 u. 853, und 
1120 (Hanauer, Constit 47; Als. dipl. I, 197). — Femer erwfthnt: am 
800 locus Lochwilere (Vita S. Pirm., Mone Quell. 1, 36'. 

Logelnbelll, Dorf, Neubreisach, Colmar. — Begütert: Kl. Ebers- 
münster, Dinghof, gegen 670 in Lagelenheim (Chron. Eberah., Grandid. 
Als. IIb, 18); bestat 770 in Lagelenheim, 810 in Lageinheim, 814 in La- 
gelenheim, 817 u. 824 in Lageinheim (Grandid. Egl. IIb, 103, 155, 157, 
172, 178; Chron. Ebersh. MG. SS. XXIII, 436; vgl. Sickel. AcU K. 225 
u. Acta spuria 426); Kl. Masmünster 823 in Lagenheim (Grandid. Als. 
Ib, 66; vgl. Sickel, AcU spuria S. 420). 

Lobr, Dorf, LützelBtein, Zabem. — Begütert: KL Weissenburg 847 
in Lara (Trad. Wiz. No. 200). 

Lorenzep, Dorf, Saarunion, Zabem. — Begütert: Kl. Weissenburg 



Das Elsass zar Karolingerzeit. 22 t 

713 in curta Laorentioiie, 746 in Lorancenhaim — Index: Lorencenheim -^ 
(Trad. Wiz. No. 86, 141). 

limtchwoUer, Dorf, Kt. u. Er. Altkirch. — Begütert: Kl. Hohen- 
barg um 680, bestät. 837 in Ummiswiler (Grandid. Egl. IIb, 206 1. 

lipsteia, Dorf, Zabem. — Begütert: Kl. Weissen barg 739 in villa 
Lupfinstagni (Trad. Wiz. No. 14). 

lutterbaeb, Dorf, Mülhaasen-Nord, Mülhaasen. — Begütert: Kl. 
Marbach 728 in Laterbach (Pard. II, 357). 

Maekweiler, Dorf, Dralingen, Zabem. — Begütert: Kl. Weissen- 
barg am 712, 712 in viUare Macchone, 715 in Macunevilare (Trad. Wiz. 
No. 234, 237, 265). — Femer erwähnt : 807 actum in Machen vilare (Trad. 
Wiz. No. 201). 

Harkollheim, Stadt, Kantonshauptort, Schlettstadt. — Begütert: Kl. 
Leberau um 770, bestät. 803 in Marckelsheim (Grandid. Egl. IIb, 149; 
vgl. Sickel, Acta spuria S. 404/405). 

Marlenbeim, Dorf, Wasselnheim, Molsheim. — Villa regia. — Begütert: 
KL Haslach 633 in Kirckhaim cum suburbüs Marley (MG. Dipl. 1, 149); 
Kl. Weissenburg 742 in Marelaigia (Trad. Wiz. No. 52); Kl. Andlau 
886 (mittelbar) in Maraleja (Grandid. Egl. IIb, 279; Reg. Imp. I, No. 1672). 
— Femer erwähnt: 589 Marilegio villa, 590 domus [regia] Mariligensis (Greg. 
Taron. Hist. Franc. IX, c 38; X, c. 18; MG. SS. rer. Merov. I, 393, 430); 
613/614 Villa Marolegia (Fredeg. Chron. IV, 43; das. II, 142); 724 strata 
Marleiensem (MG. Dipl. I, 204); 764 actum in villa Mareleia (Tardif 
Monum. 48); 780 actum ad Maralegia (Trad. Wiz. No. 190); 833 Mer- 
legium Villa (Vita Hludow. Imp. MG. SS. II, 636); um 855 Marelogia 
(Vita S. Deicoli, Grandid. Als. ilb, 60); 857 Marelegia (Bouquet, Bec. 
bist VII, 333); 866 actum in [MJarlegia palatio Regio (Trouillat Monum. 
I, 114; Reg. Imp. I, No. 1275j. 

Hasmtnster, Stadt, Kantonshauptort, Thann. — Frauenkloster, ge- 
gründet angebl. im 3. Jahrzehnt des 8. Jahrh. ; 823 von Ludwig d. Fr. in 
Besitz und Rechten bestätigt: abbatiam in parte Fosagi a quodam principe 
viro nobili Masone, unde etiam nomen traxit, quod vocatur vallis Mas- 
sonis, fratre ducis Liudfredi et Eberhardi, qui Morbach construxit, in 
honore preciosi martiris atque pontificis Leudegarii fundatam (Grandid. 
Als. Ib, 66; vgl. Sickel, Acta spuria S. 420.) — Ferner erwähnt: Maso . . . 
monasterium sanctimonialium in Vallis -Masonis ... in honore S. Leode- 
garii construxit (Chron. Ebersh., Grandid. Als. IIb, 21 u. MG. SS. XXni, 
437); 780 coenobium Masunvilare (MG. Poet. lat. I, 94); 870 Masonis- 
monasterium (MG. LL. I, 517; Hincmar, Ann. MG. SS. I, 488). 

HattstaU, Dorf, Wörth, Weissenburg. — Begütert: Kl. Weissen- 
burg 788 in Mages stet (?) (Trad. Wiz. No.42}. 

Hatzenheim, Dorf, Benfeld, Erstein. — Begütert: Kl. Weissenburg 
um 744 in Mazoniwilare (Trad. Wiz. No. 188). 

Haochenheim, abg. Dorf, Gem. u. Kt. Markolsheim, Schlettstadt. — . 
Begütert: Kl. St. Denis 777 in Mauchinhaim, Mochenhaim (Tardif Monum. . 
61 ; Rapp. Ürk.-B. I, 3). 

Hanramünster, Stadt, Kantonshauptort, Zabem — Kloster, ge- 
gründet Ende des 6. Jahrh. von Leobard: 724 monasterium domni Leo- 



^22 ^- J*°- 

bardi in hon s. apost. Petri et Pauli et 8. MartiDi (MG. Dipl I, 3041; 
im 8. Jahrh. nach einem Brande yon Abt Maurus wieder an^ericlitet od 
in der Folge nach ihm benannt; der Kirche von Mets untenteiiend. — 
Femer erwähnt : um 754 Moresmunister (Vita S. Pirm Mona Qnell. I, 88); 
817 Sancti Mauri (MG. LL. I, 224 ; 823 monast. Mauri (Geita abbat 
Fontan. MG. SS. II, 299); um 830 monast. Mauri, coenob. Manri uMmMt 
(MG. Lib. Confr. 155, 246); aSS Mauri-monast. fVita Hlndow. Inp. MG. 
SS. II, 636); 870 Mauri monast. (MG. LL. I, 517; Hincmar Ann. MG. 
SS. I, 488). 

Heienheim, Dorf, Ensisheim, Gebweiler. — Begütert: EL Marbacb 
780 in Maginhaim (Liber Donat. Murbacco Monast. im Colm. Bex^Aich.). 

Heistratxbeinit Dorf, Oberehnheim, Erstein. — Begütert: KL W ei äsen- 
bürg 742 in Maistreshaime ; 784, 788 ad Meistresheim ; 888 in Meiftarci- 
heim — Index: Meistarenheim — (Trad. Wiz. No. 52; 60, 102; 168); £r- 
chengar, Graf vom Nortgau, bezw. das yon ihm Besitz eintaoschende Kl. 
Schwarzach 828 in Mustridisheim (Sickel, Acta L. 256); KL Andlan 
880 (mittelbar) in Meitresheim (Grandid. Egl. IIb, 270). 

Helweier, abg. Dorf, (rem. Ammerschweier, Kaysersberg, Ri^vpolti- 
weiler. — Erwähnt: 817 juxta liucelwilre (Grandid. Egl. IIb, 170; Tjf^. 
Sickel, Acta spuria S. 426'. 

Herkweller, Weiler, Gem. Kutzenhausen, Sulz u. Wald, Wemsenbing. 
— Begütert: KL Weissenburg 769 in Margbergavilare (Trad. Wa. No. 91). 

Herxheim, Dorf, Sulz, Gebweiler. — Begütert: Kl. Marbach 780 iä 
TÜla Marchunishaim (Liber Donat. Murb. Monast. im Bez.-Arch. Cofanar). 

Hetieral, Dorf, Münster, Colmar — Begütert: Kl Ebersmttnster 
gegen 670 in yilla Mecerol (Chron. Ebersh., Grandid. Als. IIb, 17), besttt 
817 in villula Mezerol, 824 in villa Mecerol (Grandid. E^L IIb, 170, 177; 
Chron. Ebersh. MG. SS. XXIII, 435; vgL Sickel, Acta spuria S.426). 

Hietesheim, Dorf, Niederbronn, Hagenau. — Begütert: Kl. Weissen- 
bürg 742 in Moduinowilare; in Modenesheim; 747 in fine vel in villa 
Mutuinovilari (Trad. Wiz No 52; 2; 148). 

Hlnwersheim, Dorf, Hochfelden, Strassburg. — Begütert: Kl. Weissen- 
burg 711 infra marca Munefrido villa (Index: MunifridoriUa); 730 in fine 
Monefrido villa; 742 in Munefridovill : ; um 744 in villa Munifrideslieim; 
um 782 in villa vel in marca Munifridesheim (Trad. Wiz. No. 169; 187; 
52; 188; 118). 

■itschdorf, Dorf, Wörth, Weissenburg. — Begütert: Kl. Weissen- 
burg 757 in Mediovilla (Trad. Wiz. No. 140). 

■ittelbergheim, Dorf, Barr, Schlettstadt. — Begütert: KL Weissen- 
burg 742 in Montularem (Trad. Wiz. No. 52); Kl. Andlau 880 (mittd- 
bar) in villa Bergheim (Grandid. Egl IIb, 270; Als. Ib, 91). 

■ittelhansbergen, Dorf, Schiltigheim, Strassburg. — Begütert: KL 
Ettenheimmünster 762 in villa Hugesperga (Grandid. EgL IIb, 98). 

Hittelweier, Dorf, Kaysersberg, Rappoltsweiler. — Begütert: KL 
Ebersmünster und Kl. St. Di6 um 670 in Mittelwilre (Chron. Ebersh., 
Grandid. Als. IIb, 19 u. MG. SS. XXIII, 436). 

Hodenheim, Weiler, Gem. Illzach, Habsheim, Mülhausen. — Begütert: 
Kl. Murbach 735 in Mathinhaim (Pard. II, 368); 790 in villa et msrcn 



Das Elsass zur Karolingerzeit. 223 

Matenheim; 829 in marca Matenhaim (Als. dipl. I, 55, 74 ; Kl. Münster 
896 in Matunheim (Rapp. Urk.-B. J, S). 

Modern s. Ober-, Niedermodem. 

Holshelm, Stadt, Kantonshauptort, Kreisstadt — Begütert: Kl. St. 
Thomas in Strassburg gegen 820 in marcha MoUeshemero (Strassb. 
Ürk-B. I, 43). 

Honsweller, Dorf, Kt. u. Kr. Zabem. — Begütert: Kl. Weissen - 
barg am 718 in Montecottane; 858 in Munenberge iTrad. Wiz. No. 89; 
49). — Femer erwähnt: 715 actam in wilare Manewilare (das. No. 218 
a. 289) 

Horachweller, Dorf, Kt. u Kr. Hagenau. — Begütert: Kl. Weissen- 
barg 771 in marcha Moraswilari (Index: Mores wilare); am 785 infra 
marcha Moresheim, marca Morinesheim (Trad. Wiz. No. 189; 181). 

Horschweiler s. Ober-, Niedermorschweiler. 

Hflhlbach, Dorf, Münster, Colmar. — Begütert: Kl. Münster 896 
ad Melin (Rapp. Ürk.-B I, 3). 

Htthlhaosen, Dorf, Buchsweiler, Zabem. — Begütert: Kl. Hon au 
884 in Munilhuson (Grandid. Egl. IIb, 276; Reg. Imp. I, No. 1641). 

HftlbaaSAD, Stadt, Kantonshauptort, Kreisstadt. — Begütert: Kl. Mas- 
münster 823 in Mulenhusen (Grandid. Als Ib, 66; vgl. Sickel, Acta 
sparia S. 420). — Femer erwähnt: um 720 bezw. nach 1003 Mulenhusen 
(Strassb. Urk.-B. I, 42); gegen Ende d. 9. Jahrh. (?) Mulehuson; Mulehusen, 
Malahusen ^MG. Libri Confr 37; 38). 

HünchbaiueD, Dorf, Selz, Weissenburg. — Begütert: Kl. Weissen- 
burg 831 in villa vel in marca Munihhusa (Trad. Wiz. No. 165). 

Münster, Stadt, Kantonshauptort, Kr. Colmar. — Kloster, gegründet 
gegen 660, der Ejrche von Strassburg unterstehend. — Erwähnt: 675 mo- 
nasteriolum Conflentis (MG. Dipl. I, 29; ygl. Mitteil. d. Inst. f. österr. 
Gesch. X, 76); 747 monast. sancti Gregorii ... qui es constructus in Ya- 
geso, inter duas Pachinas fluvium — actum in ipso monasterio Con- 
flaentis (Pard. II, 406); 760 actum in monast. S. Gregorii quod yocatur 
Confluentes (Als. dipl. I, 36); 769 monasteriolum inter duas Pachinas (das. 
42); 817 monast Sancti Gregorii (MG. LL. I, 224); 823 monast. 8. Gre- 
gorii, quod alio nomine Confluens vocatur (Sickel, Acta L. 195); ad sanc- 
tum Gregorium (Gesta Abbat. Fontan. MG. SS. II, 299); 826 mon. Con- 
flens in hon. s. Gregorii (Sickel, Acta L. 245); um 830 monast., coenob. 
Sancti Gregorii (MG. Lib. Confr. 154, 220); 831 s. Gregorii abbas (Sickel, 
Acta L. 289, 290); 865 monast. in hon. Dei et s. Mariae genetricis Dei 
et s. Gregorii conf. super fluvium Phachina qui dicitur Confluentes (Als. 
dipl. I, 474); 870 s. Gregorii (MG. LL. I, 517; Hincmar Ann. MG. SS. I, 488); 
896 mon. beati Gregorii (Als. dipl. I, 97; Reg. Imp I, No. 1909). 

Hüttersholz, Dorf, Markolsheim, Schlettstadt. — Begütert: Kl. Ebers- 
münster, Dinghof, gegen 670 in Muoteresholz (Chron. Ebersh., Grandid. 
Als. IIb, 18), bestät. 817 in Muoteresholz, 824 in Muoteresholz, Muters- 
holz (Grandid. Egl. üb, 172, 178; Chron. Ebersh. MG. SS. XXIII, 436; 
vgl. Sickel, Acta spuria S. 426), 829 in Müttersholtz (Grandid. Egl. IIb, 
191; Ygl. Sickel, a. a. 0.). 

Hanzenheim, Dorf, Andolsheim, Colmar. — Begütert: Kl. Münster 



224 V* ^^^' 

675 in Monesensishaim (MG. Dipl. I, 29; vgl. MitteiL d. Inst. £ öilerr.. 
Gesch. X, 76). 

Hvbtcb, Dorf, Kt. II Kr. Gebweiler. — Kloster, der Kizciie tob 
Strassbg. unterstehend, gegründet gegen 727 von Pirmin : in herend nurtfti qoe 
Vosagus appellatur, in pago Alsacinse, in loco qui vocator YiTariot Fan» 
grinorum, qui antea appellatus est Muorbach, in alode . . . EbrochaidD 
comite, in honore Dei et genetricis domini nostri lesu Christiy oMiper 
Tirginis Mariae seu s. Michahelis arch. vel s. Petri et Pauli, beatis apo- 
stolis et s. Leudegarii mart. — Urk. Theoderichs IV. von 727 (MG. D^ 
1, 86). — Erwähnt: Vivarium peregrinorum seu Muorbacom (GhroiL 
Kbersh., Grandid. Als. IIb, 21 u. MG. SS. XXIU, 487); 728 loco Miiiro- 
baccus qui nunc Tocatur Vivarius-peregrinorum (Pard. II, 366) ; loeo qui 
antea vocabatur Muorbaccus, nunc ViTarius-peregrinorum (daa^SöS); 780 
Maurobaccus, actum Marbach monast. (das. 359); 731 monatt. Vhaiins 
tive Maurobaccus (das. 363); 731 Morbach (Herim. Aug. Ghronu MO. 88. 
V, 98); 735, 736 Maurobaccus sive YiTarius-peregrinonun (Pard. II, 868, 
369); um 754 Muorbach (Vita S. Pirm., Mone <2uell. I, 33); 760 monait. 
super rivo Maurbach in hon. S. Leudegarii mart et s. Petri Pape; 761 
eccl. in hon. 8. Leodegarii, actum Morbach (Als. dipl. I, 86; 86/37); Wtgea 
762 monast. Vivario-peregrinorum super fluvium Morbach (Sickel, Acta^ 
P. 21); 768 monast. Morbach (Als. dipl. I, 40); 772 monast ViYario-pere- 
grinorum super fluvium Morbach (^Sickel, Acta K. 8); 772, 774 Morbfteh 
(Als. dipl I, 45, 47); 774—787 cenob. Morbachcinse, 774—600 congrügt« 
tio s. Petri et Leudegarii (MG. Formul. 330, 331); 775 monast ViTario- 
peregrinorum super fluvium Morbach (Sickel, Acta K. 214); 780, 784 mo- 
nast. Morbach; 784 opus S. Leodegarii Morbacensis; 786 monast Mor- 
bacensis (Als. dipl. I, 52, 53; 53; 51); 787—791 monast Morbac (MG. For- 
mul. 332); 789 monast. Morbach sive Vivario; 790 monast Muorbach. 
sive Vivarius peregrinorum; 790, 792 monast. Morbach (Als. dipl I, 54; 
55; 56, 57); 793 Muarbach monast (Ann. Alemann. MG. SS. I, 47); 794 
monast. Murbach, Maurbach; 795 monast constr. in hon. S. Leodi^Earii; 
796 monast. Morbacb; 801 monast. S. Leudegarii quod voc. Muorbach; 
811 monast constr. in hon. S. Leudegarii, Morbach (Als. dipl. I, 58—62); 
816 monast. Vivarius-peregrinorum super fluvium Morbach (das 64; Sickel 
Acta L. 91, 92); 823 Morbach coen. (Gesta abbat. Fontan. MG. SS. U, 
299); 829 monast. Morbach seu Vivarius peregrinorum (Als. dipl. I, 74); 
um 830 monast. Morbach (MG. Lib. Confr. 154, 208—209); 835 monast 
Muorbach; Morbacensi (Als. dipl. 1, 76; 77); 840 monast. Vivarium pere- 
grinorum super fluvium Morbac (das 79; Reg Imp. I, No. 1035); 870 Mor- 
bach (MG. LL. I, 517; Hincmar Ann. MG. ISä. 1, 488); 877 monast. Vivarium 
pcregrin. sup. fl. Morbach; 878 sup. fl. Muorbach (Grandid. Als. Ib, 89, 90; 
881 monast 8. Leudegarii quod voc. Muorbach (Als. dipl. I, 60); gegen 
Ende d. 9. Jahrh. fratribus in Muorbach (MG. Lib. C'onfr. 144). 

Hatienhaiiaen; Dorf, Hochfelden, Strassburg. — Begütert : Kl. We issen- 
burg 791 in villa vel in marca Muzzihhes dorph (Überschrift: Muoinclies 
dorph; Index, wegen Raummangel gekürzt: Muzzingdrf.); 797 in iiOtL 
Muzzihhesthorph , Muzzihes dorph — Index: Muzzihes dorpf — (Trad* 
Wiz. No. 78, 81). 



Das Elsass zur Karolingerzeit. '225 

langlgovtte, Weiler, Gem. Deutsch-Rumbach, Markirch, Rappoltsweüer. 
— Begütert: Kl. St. Pilt 774 in Nannenstol, bestät. 854 in Nannen- 
•toldt (Tardif Monum. 58; Grandid. Egl. IIb, 239). 

lenweiler» Stadt, Lützelstein, Zabem. — Kloster, gegründet im 3. Jahr- 
zehnt des 8. Jahrh. von Sigbald, Bischof von Metz: Sigebaldus . . . duo 
monasteria condidit , . . altera quod Novum-YiUare vocitatur (Pauli Gesta 
Episc. Mettens. MG. SS. II, 267). — Femer erwähnt: um 754 Niuven- 
wilare (Vita S. Firm. Mone, Quell. I, 33); 826 Neovilla, quam Romani 
Novumvillai e appellant (Acta ss. Boll. Aug. T. VI, 508] ; um 830 moua- 
Bteriom NovumwiUare (MG. Lib. Confr. 154, 224). 

IlederbetBOhdorf, Dorf, Sulz u. Wald, Weissenburg. — Begütert: Kl. 
Weissenburg 733 in Batenandovilla; 734 in villa Badenandovilare; 745 
in BadanandoviUa; 792 in Batanesheim; 806 in villa tiatanantesheim — 
Index: Batanundesdorpf, überschrieben: heim — (Trad. Wiz. No. 13; 9; 
136; 80; 28,. 

IlederbroOD , Stadt, Kantonshauptort, Hagenau. — Begütert: Kl. 
Weissenburg 820 in villa Brunnon (Trad. Wiz. No. 69). 

Hlederbarnhaopt, Dorf, Sennheim, Thann. — Begütert: Kl. Mas- 
münster 823 in Bruimhobetum (Grandid. Als. Ib, 66; vgl. Sickel, Acta 
spuria S. 420 j. 

liederehnheim, Dorf, Oberehnheim, Erstein. — Begütert: Kl. Moyen- 
moutier zwischen 707 und 758 in Ahenaim (Hist. Med. Mon. 148). 

Hlederbaslacb , Dorf, Kt. u. Kr. Molsheim. — Kloster, gegründet 
um 676 von Florentius; von Dagobert II. beschenkt. — Erwähnt: 633 
monasterium in honorem S. Trinitatis ac S. Marie perpetue virginis, in 
loco qui Hasela dicitur (MG. Dipl. I, 148); apud Hasela (Richeri Gesta 
Senon. Eccl. MG. SS. XXV, 260); 810 Avellanum (Grandid. Egl. I, 237); 
um 830 monast. Uasala (MG. Lib. Confr. 154, 221). 

liederbansbergeD, Dorf, Schiltigheim, Strassburg. — Wie Mittel- 
hausbergen. 

Niederlanterbach, Dorf, Lauterburg, Weissenburg. — Erwähnt: 633 
— Lautenbach — als Grenzbestimmung des dem KI. Weissenburg ge- 
hörigen „Untern Mundats" (MG. Dipl. I, 150). 

NiedermoderD, Dorf, Buchsweiler, Zabern. — Begütert: Kl. Weissen- 
burg 773 in Matra; 774 iu Matra villa; in Matra; 784 in villa Matra; 
788 ad Matra; um 797 in Matra; 830 in villa Matra (Trad. Wiz. No. 128; 
53 u. 178, 63; 54; 00; 102; 62; 172); Kl. Honau 884 in Matra (Grandid. 
Egl.Ilb,276;Reg.lmp.I,No.l641).-Erw.:ö78act.Marsa(V)(a.a.O.No.l517) 

Niedermorscb Weiler, Dorf, Mülhausen-Süd, Mülhausen. — Begütert: 
Kl. Murbach 728 in Maurowiler (Pard. II, 357). 

Hiedermünster, abg. Kloster (heute Hof), Gem. St. Nabor, Rosheim, 
Molsbeim. — Frauenkloster, gegründet gegen 700 von der h. Odilia. — 
Erwähnt: gegen 720 monasterium inferius in Hohenburc (Pard. II, 317, 318). 

Niederranspacb, Dorf, Hüningen, Mülhausen. — Begütert: Kl. Luxeuil 
815 in Ramengas (Teulet-Lab., Inv. et doc. I, 6; vgl. Sickel, Acta spuria 

S.;419). 

liederratbsambaoseD, Weiler, Gem. Müttersholz, Markolsheim, Schlett- 
Btadt. — Begütert: Kl. Ebersmünster gegen 670 bannus generalis ab 

Zeltscbr. f. Gusch. d. Oberrh. N. V. VII. 2. 1 5 



226 ▼• J^n. 

Anniveratesheim usque Racenhuaen (Ghron. Eberdu, Gtandid. Ak. Ilb^ 
18), b€8tät 770, 824 (Orandid. EgI. IIb, 108, 178; Chron. Ebenh. MO. 88. 
XXIII, 436; vgl. Sickel, AcU spuria 8. 426). 

Hiederseebacb, Dorf, Kt. u. Kr. Weissenborg. — Srwibnt: 618 — 
Sebach — als Grenzbestimmung des dem El. Weineiibaif gftiöiHgBa JJb' 
teren Mandate'' (M6. Dipl. I, 160). 

Hiederspechbach, Dorf, Kt. u. Kr. Altkirch. — Begfttert: KL Mm- 
münster 823 in Spechtbach (Grandid. Als. Ib, 66; irgL Sidkttly Acta 
spuria S. 420). 

liederstelnbroiiD, Dorf, Landser, Molbaiisen. — Bq^fitert: KL Mai- 
manster 823 in Steinenbnin (Grandid. Als. Ib, 66; Yf^ SiekeL Acta 
spuria S. 420). 

liefern, Weiler, Gem. ührweiler, Niederbronn, Hagenan. — Bcgfldert: 
Kl. Weissenburg 737 in fine Niu&ras, Neo&ras; 742 in [N]eoftni; 
784 in NiuTora marca; 840 in viUa vel marca NiuYora (Trad. Wis. No.8 
u. 47; 1; 60; 161). 

Ileffem, abg. Dorf (heute Höfe), Gem. Berstett, Tmchtenhfiiiii, 
bürg. — Begütert: Kl. Ho nau 748 in Niuzwem (Pard. 11, 407)» 
884 in Nivrida (Grandid. Egl. IIb, 276; Reg. Imp. I, No. 1641); KL Falda 
788 in Niufera (Cod. dipl Fuld No. 89). 

Ilffem, abg. Dorf, Gem. Wittisheim, Markolshdm, SchlettiUdt — Be- 
gütert: Kl. Ebersmünster gegen 670 bannus generalis ab AnnlTanlM- 
heim usque Racenhusen iChron. Ebersh., Grandid. Als. üb, 18); beslit 
817 in Niveratesheim (Grandid. Egl. Hb, 172; vgl. Sickd, Acta ipufia 
S. 426); 824 in Niveratesheim ; Aniveratesheim, Nivrotzheim (Ghron. Ebeok 
MG. SS. XXm, 436; Grandid. Egl. Hb, 178, 179; vgL Sickel a. a. 0.)« 
829 in Nivratesheim (Grandid. Egl. Hb, 191; vgl. Sickel a. a. O.). 

Hordbansen, Dorf, Kt. u. Kr. Erstein. ~ Begütert: EL Ebers- 
münster, Dinghof, gegen 670 in Northus (Ghron. Ebersh., Qnmdid. Ak. 
Hb, 18), bestät 770 in Northus, 810 in Northusen, 814, 817, 824 in Nort- 
hus (Grandid. Egl. Hb, 103, 156, 158, 171, 177; CIhron. Eberah. MG. 8& 
XXni, 436; vgl. Sickel, Acta K. 225 u. AcU spuria S. 426). 

Oberbetschdorf, Dorf, Sulz u. Wald, Weissenburg. — Wie Nieder- 
betschdorf. 

Oberbamhaopt, Dorf, Sennheim, Thann. — Wie Niederbnrnkanpt 

Oberdorf, Dorf, Wörth, Weissenburg. — Begütert: Kl. Weissenburg 
um 696 in Austondorphe; 8ü8 in Osterendorf (Trad. Wiz. No. 88; 10). 

Oberehnhelm, Stadt, Kantonshauptort, Erstein. — Villa regia. — 
Begütert: Kl. Hohenburg um 680, bestät. gegen 720 in Ehenheim (Fud. 
n, 817, 318); 837 in Ehenheim superius (Grandid. Egl. üb» 206; vgL 
Sickel, Acta spuria S. 417); Kl. Niedermünster gegen 720 in Ehenheia 
(Pard. n, 317, 318); Kl. Fulda 778, 788 in Ehinhaim (Ck>d. dipL Fnld. 
No. 61, 89). — Erwähnt: villa regia Ehenheim (Ghron. Ebersh., Grandid. 
Als. Hb, 15 u. MG. SS. XXm, 434). 

Oberhaslach, Dorf, Kt. u. Kr. Molsheim. — Niederlassongsort Flo- 
rentins' vor Gründung des Kl. (Nieder-) Haslach (Grandid. Egl. I, 881). 

Oberbaosbergen, Dorf, Schiltigheim, Strassburg. — Wie Nieder- 
hausbergen. 



Das Elsass zur Karolingerzeit. 227 

Oberherghein» Dorf, Ensisheim, Gebweiler. — Begütert: Kl. Münster 
769 in fine Heruncheim marca (Rapp. Ürk.-B. I, 1). — Femer erwähnt: 
769 actum in villa Heruncheim (das.); 881 facta tradicio in villa Herun- 
-chaim (Als. dipL I, 60). 

Oberlaoterbaeb, Dorf, Selz, Weissenburg. -> Wie Niederlauterbacb. 
Obermodenii Dorf, Buchsweiler, Zabem. —Wie Niedermodern. 
Obermorsehweller, Dorf, Kt. u. Kr. Altkirch. — Begütert: Kl. Mas- 
mftBSter 828 in Morsrilre (Grandid. Als. Ib, 66; vgl. Sickel, Actaspuria 

Oberrathsambaasen, Weiler, Gem. Baldenheim, Markolsheim, Schlett- 
Stadt — Wie Niederrathsamhausen. 

Obersaasbelm, Dorf, Neubreisach, Colmar. — Begütert: Kl. Münster 
769 in alias duabus villas qui dicitur Saxones (Rapp. Ürk.-B I, 1). 

Oberacbftffolsbeim, Dorf, Scbiltigheim, Strassburg. — Begütert: Kl. 
Fulda 788 in yilla Scaftolfeshaim (Cod. dipl. Fuld. No 89). — Femer 
erwähnt: 805 actum ad Scaftolfeshaim (das. No 225); gegen Ende des 
9. Jahrh. (?) Scaftolfeshaim, Scaftolfesshain (MG. lib. Confr. 31, 37- 
vgl. Mitth. d. Inst. f. öst. Gesch. XI, 124). 

Oberseebacb, Dorf, Kt. u. Kr. Weissenburg. — Wie Niederseebach. 

OdiUenberg, Kloster, Gem. Ottrott, Rosheim, Molsheim. — Frauen- 
kloster gegründet um 630 von der h. Odilia in ihres Vaters, des Herzogs 
Etticho, Burg Hohenburg — in montem qui Altitona dicitur (Grandiil. Egl 
Ib, 47) — Erwähnt: um 690 monast. Hohenburc (Chron. Ebersh., Gran- 
did. Als. IIb, 20. u MG. SS. XXUI, 437;; gegen 720 monast. superius in 
Hohenburc (Pard. H, 317, 318); 831, 837 monast. Hohenburg (Grandid. 
Egl. Hb, 329,330, Sickel, Acta L 292, 349; Acta deperd. S. 371, Acta 
spuria S. 417); 870 Hoinborch (MG. LL I, 517; Hincmar Ann. MG. SS. 
I, 488). 

Odratxbelm, Dorf, Wasselnheim, Molsheim. — Begütert: Kl. Honau 
747 in marca Odradesheim; bestät. 884 (Pard. H, 408; Grandid. Egl. üb, 
275; Reg. Imp. I, No. 1641). 

Offendorf, Dorf, Bisch weiler, Hagenau. — Begütert: Kl. Honau 884 
in Offonthorof (Grandid. Egl. Hb, 275; Reg. Imp. I, No. 1641). 

Offenbeim, Dorf, Truchtersheim, Strassburg. — Begütert: Kl. Weissen- 
burg 742 in Offenheime (Trad. Wiz. No. 52). 

Oblnngen, Dorf, Kt. u. Kr. Hagenau. — Begütert: Kl. Weissen- 
burg 742 in Alongas; um 798 in villa Alunga; 816 in villa vel in marca 
Alunga; um 858 in Alunga (Trad. Wiz. No. 52; 32; 160; 50). 

Ohnenhelm, Dorf, Markolsheim, Schlettstadt. — Begütert: Kl. Münster 
675 in Onenhaim (MG. Dipl. I, 29; vgl. Mitteil d. Inst. f. österr. Gesch. 
X, 76), bestät. 896 in Hononheim (Rapp. Urk.-B. I, 3); Kl. St. Gallen 
861 in Anheim (St. Gall. Ürk.-B. H, 103). 

Obobeim, Dorf, Gem. Fegersheim, Geispolsheim, Erstein. — Begütert: 
Kl. Weissenburg 730 in Unnenbaim (Trad. Wiz. No. 16). 

Olwisbeim, Dorf, Bmmath, Strassburg. — Begütert: Kl. Weissen- 
burg 737 in Aunulfo vilare; um 832 in Hobolfesheim (Trad. Wiz. No. 85 
u. 162; 115). 



228 V. Jan. 

Orscbweier, Dorf, Kt. u. Kr. Gebweiler. — Begfitert: KL Mnrback 
726 in OtalesYÜer (Pard. U, 356). 

Orscbweiler, Dorf, Kt. u. Kr. Schlettstadt. — Begfltert: KL Ebers- 
m Unat er, Dinghof, gegen 670 in Oleswilre (Qiron. Ebenh , GnaüiL 
Als. IIb, 17), bestät. 770 in Oleswilem, 810 in HoUeswilie, 817 in OOei- 
wihre, 824 in Oleswilre (Grandid. £gl. IIb, 108, 165, 170, 177; CkiM. 
£ber8h. MG. SS. XXIIl, 435; vgl. Sickel, Acta K 225 a. Acta spariaa 496); 
Fulrad, Abt von St. Denis, 768 in Audaldovillare iRapp. Üik.-B. I, S); 
Kl. St. Denis 777 in Audaldovillare (Rapp. Urk.-B. L 2, 3). ~ Fener 
erwähnt: 774 infra fines Audoldovilare ; 854 Audoldivillare (Sickel, Acta 
K. 80; Grandid. Egl. nb, 238). 

Ostbaogen. Dorf, Kt. u. Kr. Erstein. — Begütert: Kl. Mnrbach 796 
in Ossinhuus (Pard. II, 369). 

Qgtbeim, Dorf, Kaysersberg, Kappoltsweiler. — Begatert: Kl. Fulda 
785 in Osthaim (Cod. dipl. Fuld. No. 82, 88). 

Ostbeim, abg. Dorf b. Isenheim, Sulz, Gebweüer. — Begfltert: KL 
Murbach 811 in Hosthaim et in ea marca; actum in Osthaim (Ak, 
dipL 1, 61). 

Qgtbofen, Dorf, Truchtersheim, Erstein. — Begütert: KL Hoaao 
775 in Osthova (Sickel, Acta K. 56), bestät. 884 in Uosthovon (GnuMÜd. 
Egl üb, 275; Keg. Imp I, No. 1641). 

Ottersweiler, Dorf, Maursmünster, Zabem — Begütert: Kl. Manri- 
münster im 8 Jahrh in Oderde, bestät. zwischen 827 u. 858, und 1180 
(Hanauer, Constit. 47; Als. dipl. 1, 198). — Femer erwähnt: 826 Till» OtM- 
wylra (Acta ss. Boll Aug. T. VI, 509). 

Ottmarsbelm, Dorf, Habsheim, Mülhausen. — Begütert: KL Mar* 
bach 881 in Othmareshaim (Als. dipL I, 60). 

Ottrott, Dorf, Rosheim, Molsheim. — Begütert: KL Nieder mflnater 
gegen 720 in Ottenrode (Pard. U, 319). 

Pfaffenbelm, Dorf, Rufach, Gebweiler. — Begütert: KL 8t. Sieg- 
mund (St. Markus) bei seiner Gründung, bestät. 1258 (Berlor Omn. 
16, 20). — Ferner erwähnt: gegen Ende d. 9 Jahrh. (?) Fafenhaim (MG. 
Lib. Confr. 29, 43; vgl. Mitth. d Inst. f. öst. Gesch. XI, 124). 

PfaffeDbofen, Dorf, Buchsweiler, Zabem. — Begütert: Kl. Weissen* 
bürg 739 in Papanhaime (Trad. Wiz. No. 14). 

Pfastatt, Dorf, Mülhausen-Nord, Mülhausen. — Begütert: KL Mar- 
bach 790 in loco Finstatinse (Als. dipl. I, 56). 

Pfetterhausen, Dorf, Hirsingen, Altkirch. — Begütert: Kl. Murbach 
731 in loco Petrosa (Pard. U, 363). 

Pfettigbeim , Dorf, Truchtersheim, iStrassburg. — Begfltert: KL 
Weissenburg 739 in Patenhaime (Trad. Wiz. No. 14). 

PIsdorf, Dorf, Drulingen, Zabem. — Begütert: Kl. Weissenbnrg 
712 in Parssonevilla ; um 712 in Prassouevillare; 718 in viUa PortioneUan 
(Trad. Wiz. No. 234, 237, 227). 

Plobsbelm, Dort, Geispolsheim, Erstein. — Begütert: Erchengar, Gxmf 
vom Nortgau, bezw. die von ihm Besitz eintauschende Kirche von Straa»- 
bürg 823 in Platpoteshaim (Sickel, Acta L. 196). — Ferner erwähnt: 778 
in marcha Blabodsaime, Bladbotesheime marcha (Strassb. Urk.-B.1, 11, 14> 



Dts Elsass zur Karolingeneit 229 

PrtUcMtrf, I>orf, Wörth. Wdssenburg. -~ Begatert: Kl. Weisseii- 
bürg 719 in locello BraningOTilare (Index: Bruningo wilare); um 7B9 m 
BrnningOTäU; 742 in marca Pnmingeswilare (Index: Bruningeswilare); 
742, 744 in Pruningovilla; 767 in BruningOTÜla, in TiUa BraningOTÜarel 
766 infra marca BruningOTÜare; um 766 in BruningOTilla; 769 in Bm- 
ningOTilai:e; 772 in loco Bruningestorf, Briningesdorph (Überschrift: Bri- 
mago ?iUa. Index , wegen Raummangel gekürzt: Bruningwl.); 778, 774 
Bmiungettorf und Bruningowilare (nebeneinander genannt); um 774 in 
BroningOTÜare; 780 in Bruningeswilari (Index: BruningeswUare); 782 in 
TÜla Tel in marca Bruningo wila (Index: Bruningo TÜla); 784 Bruningo- 
wilare; 784 Bruningesdorph; 788 in villa Bruningowilare; 790 in yilla 
Tel in marca Bruningowilare; Bruningesdorpf; 791 in viila vel in marca 
Brnningestorf; um 797 in Bnmingeswiiare; 798 in villa Bruningesthorf 
(Index: Bruninges dorpf j; 805 in villa vel in marca Bruningesthorf (Index: 
Bruninges dorpt); 820 in Brunmgeswüare; 824 in Bruninges dorph (Trad. 
Wiz. No.45; 12; 7; 62, 147; 140, 189; 66; 103, 129; 91; 26 u. 106; 128, 
53 u. 178; 70; 190; 87; 60; 89; 102; 116; 64; 130; 62; 23; 25; 69; 171). 
— Femer erwähnt : 826 Brunwylre, Prumwiler (Acta ss. Boll. Aug. T.VI, 
im, 510). 

Polvershein, Dorf, Ensishelm, Gebweiler. — Begütert: Kl. Murbach 
768 in fine Volfrigeshaim (Ais dipl. I, 40). — Femer erwähnt um 720 
bezw. nach 1003 Wulfrichesshen (Strassb. Urk-B. I, 42). 

Ctnatienhelm, Dorf, Truchtersheim, Strassburg. — Begütert: Kl. 
Weissenburg 742 in Chatenheime i?) (Trad. Wiz. No. 62). 

liderabeim, Dorf, Sulz, Gebweiler. ~ Begütert: Kl. Murbach 774 
in marcha Ratherishaim, um 780 in Rateshaim (Als. dipl. I, 47, 5*2); Kl. 
Ebersmünster 817 in Reteresheim (Grandid. Egl. IIb, 170; vgl. Sickel, 
Acta spuria 8. 426). 

Aangea, Dorf, Maursmünster, Zabem. — Begütert: Kl Weissenburg 
825 in Raningas (?) (Trad. Wiz. No. 186). 

Ranspacll s. Niederranspach. 

Rappolttweller, Stadt, Kantonshauptort, Kreisstadt. •— Begütert: Kl. 
Münster 769 in Batbaldoviiare, bestät 896 in Ratpo'deswilare (Rapp. 
Urk.-B I, 1.3); Fulrad, Abt von St. Denis, 768 in Ratbertoviilare (das. 
I, 2); Kl. St. Denis 777 in Ratbertoviilare (das. I, 2, 3). 

Ratbaambaosen s. Ober-, Niederrathsamhausen. 

Reggenhaosen, abg. Dorf, Gem., Kt. u. Kr. Rappoltsweiler. — Be- 
gütert: Kl. Ebersmünster, Dinghof, 770 in Rechenhusen (Als. dipl. I, 
104K bestät. 814 (Grandid Egl. IIb, 167; vgl. Sickel, Acta spuria S 426). 

Regisbeim, Dorf, Ensisheim, Gebweiler — Begütert: Kl. Ebers- 
münster um 680 in Regenesheim (C^ron. Ebersh., Grandid. Als. IIb, 22 
u. MG. SS. XXm, 438); bestät. 817 (Grandid. Egl. nb, 169; vgl. Sickel, 
Acta spuria S. 426); Kl. Hohenburg um 680, bestät 837 in Regesheim 
(Grandid. Egl. IIb, 107; 207). — Femer erwähnt: um 720 bezw. nach 
1003 Regeneshen (Strassb. Ürk.-B. I, 42). 

Relnhardsmflnster, Dorf, Maursmünster, Zabem. — Begütert: Kl. 
Maarsmünster im 8. Jahrb. in Leogardici cella, bestät. zwischen 827 u. 
863, und 1120 (Hanauer, Constit 47; Als. dipl. I, 201). 



230 ▼• J»n. 

Reilllngeil, Dorf,Mülhausen-Kord,Mü1han8eo.~ Begatert: Kl. Hohen- 
bürg um 680, bestät. 837 in Reiningen (Grandid. Egi. üb, 206; vgl SickeU 
Acta spuria S. 417). 

m 

Reotenborg, Dorf, Maursmünster, Zabem. — Begütert: Kl. Maurs- 
mfinster im 8. Jahrb. in Ritanburc, best&t. zwischen 827 u. 853, und 
1120 (Hanauer, Constit 47; Als. dipl I, 198). 

Riedhelm, Dorf, Buchsweiler, Zabem. — Begütert: Kl. Weissenburg 
784 ad Creodcheim (Trad Wiz No. 60). 

Rlmbach-Zell, Dorf, Kt u. Kr. Gebweiler. — Begütert: Kl. Ebers- 
münster 817 capella . . . quae ceila sancti Petri dicitur (Grandid. Egl. 
Üb, 169; vgl. Sickel, Acta spuria S. 426). 

Rlmsdorf, Dori, Saarunion, Zabem. — Begütert: KI. Weissenburg 
um 712, 712 in yilla Rimoni; 713 in Remunewilare; 741 in Rimovilare; 
790 in villa vel in marca Rimuwileri; 798 in villa Rimenvilare; 807 in 
Rimonovilare; 812 in yilla Tel in marca Rimuwilare (Trad. Wiz. No. 287, 
284; 244; 285; 219; 211; 201; 238). — Femer erwähnt: 715 actum in 
Rimunevillare ; 718 actum in vilare Rimane (das. No. 226; 195). 

Rlngeldorft Dorf, HochfeMen, Strassburg. — Begütert: Kl. Weissen- 
burg 800 in TÜla Rinkilendorf (Index: Rinchilendorpf ) ; 812 in villa Rin- 
gilendosfe — Index: Ringilendorpfe — (Trad. Wiz. No 30; 182). 

Rlngendorf, Dorf, Hochfelden, Strassburg. — Begütert: Kl. Weissen- 
burg 855 in marca Ringinheim (Trad. Wiz. No. 150); Kl. Honau 884 
in Rinkindorf (Grandid. Egl. Hb, 276; Reg. Imp. I, No. 164n. 

Rlzbelm« Dorf, Habsheim, Mülhausen. — Begütert: Kl. Masmünster 
828 in Richeneshies (Grandid. Als. Ib, 66; vgl. Sickel, Acta spuria S. 420). 

Rodem. Dorf Kt. u. Kr. Rappoltsweiler. — Begütert: Kl. Luxen il 
815 in Ruodeneskeim (Teulet-Lab., Inv. et doc. I, 6; vgl. Sickel, Acta 
spuria S. 419). 

RttUngen. abg. Dorf. Gem. Tagolsheim, Kt. u. Kr. Altkirch. — Be- 
gütert: Kl. Masmünster 823 in Rolingen (Grandid. Als. Ib, 66; vgl. 
Sickel, Acta spuria S. 420). 

Rtttcbwoog, Dorf, Bischweiler, Hagenau. — - Begütert: Kl. Murbach 
786 in Rosusago (Pard. H, 369); Kl. Honau 884 in Reudiba(?) (Grandid. 
Egl. Üb, 276; Reg. Imp. I, No. 1641). 

Robrweller, Dorf, Bisch weiler, Hagenau. — Begütert: Kl. Weissen- 
barg um 780 in Rorheim (Trad. Wiz. No. 120). 

RonansweUer, Dorf, Wasselnheim, Molsheim. — Erwähnt: 826 Ru- 
moldeswiler (Acta ss. Boll. Aug. T. VI, 510). 

RosbelD, Stadt, Kantonshauptort, Molsheim. — Begütert: Kl. Hohen - 
bürg um 680, bestät. 837 in Rodcsheim (Grandid. Egl. Hb, 206; vgl. 
Sickel, Acta spuria S. 417); Kl. Fulda 778 in Rodashaim (Cod. dipl. 
Fuld. No. 61); Kl. Luxeuil 815 in Rodesheim (Teulet-Lab., Inv. et doc. 
I, 6; vgl. Sickel, Acta spuria S. 419). — Femer erwähnt: um 720 besw. 
nach 1008 Rodeshen (Strasb. Urk.-B. I, 42); 826 villa Rodeshem (AcUbs. 
Boll. Aug. T. VI, 511). 

Rothao, Dorf, Schirmeck, Molsheim. — Begütert: Kl. Honau 810 in 
Rhodahaim (Grandid. Egl. üb, 158). 



Das Elsass zur Karolingerzeit. 2S1 

Rotbbacb, Dorf, Niederbronn, Hagenau. — Erwähnt: 826 yilla Rot- 
bacb (Acta ss. Bell. Aug. T. VI, 511). 

Rott, Dorf, Kt. u. Kr. Weissenburg. — Begütert: Kl. Weissen bürg 
746 in Crodo (Trad. Wiz. No. 186). 

Rottelshelm, Dorf, Brumath, Strassburg. — Begütert: Kl. Weissen- 
burg 774 in Radulfo Yilla; 776 in Radolfowilare ; 780 in Radolfesbamo- 
marca; 797 in villa Ratolfes dorph (Überschrift: yilla RatolTes tborpf, 
Index: Radolfes dorpf); 828 in villa Ratolfesdorf (Index: Radolfesdorpf) 
(Trad. Wiz. No. 71, 73, 90, 85, 152). 

Rttlisheim, Dorf, Habsheim, Mülhausen. — Begütert: Kl. Hoben- 
burg um 680, bestät. 837 in Rulechesheim (Grandid. Egl. IIb, 207; vgl. 
Sickel, Acta spuria S. 417;; Kl. Ebersmünster um 680 in Rouleches- 
heim (Chron. Ebersh., Grandid. Als. Hb, 22 u. MG. SS. XXm, 438), be- 
stät. 817 in Ruoleichesheim (Grandid. Egl. IIb, 168; vgl. Sickel, AcU 
spuria S. 426). 

Rflscbweiler, abg. Dorf bei Helfrantskirch , Landser, Mülhausen. — 
Begütert: Kl. St. Gallen 767 in Rodulfovilare (St. Gall. Ürk.-B. I, 26). 

Rnfacb, Stadt, Kantonshauptort, Kr. Gebweiler. — Begütert: Kirche 
von Strassburg 662 in pago Rubiaca (Strassb. Urk.-B. I, 1), in Bubia- 
cum (Chron. Ebersh. Grandid. Als. Üb. 13 u MG. SS. XXm, 433); in 
Rubiachum oppidum*) (Vita S. Arbogasti, Grandid. Egl. Ib, 83); Kl. 
Ettenheimmünster 762 in oppido Rubiaco (Grandid. Egl. üb, 93); Kl. 
Eschau, Dinghof, 778 in villa Roubeaca (Grandid. Als. Hb, 75). — Femer 
erwähnt: apud Rubiacum (Chron. Ebersh., Grandid. Als. IIb, 12 u MG. 
SS. XXm, 432); 876-881 vicus Ruvacha (MG. Formul. 417). 

Rambach s. Deutsch-, Gross-, Klein-Rumbach. 

Romersheim, Dorf, Truchtersheim, Strassburg. ~ Begütert: Kl. 
Murbach 736 in Rotmarshaim (Pard. II, 369). 

RnDzenheim , Dorf, Bischweiler, Hagenau. — Begütert: Kl. Honau 
884 in Ruadmundesheim (Grandid. Egl. üb, 275; Reg. Imp. I, No. 1641). 

Saales, Kantonshauptort, Molsbeim. — Begütert: Kl. Senones 661 
in Strata Sarmatorum (Pard. n, 120). 

SaasODheim, Dorf, Markolsheim, Schlettstadt. — Begütert: Kl. Weis- 
senburg 780 in Villa Sasenheim (Trad. Wiz. No. 113). 

Saasbeim, s. Obersaasheim. 

Sacbsenhaosen , Vorstadt, Gem., Kt. u. Kr. Hagenau. — Begütert: 
Kl. Weissenburg 739 in Saxinhaime; 742 in Saxinesheim; um 780 in 
Saxinesheimomarcu (Trad. Wiz. No. 14; 1; 120j. 

St AmariD, Stadt, Kantonshauptort, Thann. — Erwähnt: gegen 670 ad 
locum, quem Dorangus gentili linguae barbari vocitant, ubi haud procul 
cellulam beate recordationis et venerandus vir Amarinus . . . construxerat 
(Vito S. Praejecti, Acta ss. BoU. Jan. T. U, 631). 

St. Markos, Kloster, Gem. Geberschweier, Rufach, Gebweiler. — Kl. 
St. Siegmund, angeblich von K Dagobert H. um 676 gegründet, der 
Kirche von Strassburg unterstehend; seit 1050 Priorat St. Markus. 

Der Kern des spätem bischöfl. Strassb. „Obern Mundats^. S. darüber 
Job. Fritz, Das Territorium des Bist. Strassburg im 14 Jhrdt. Kötben 
1886, S. 125 flf. 



232 ▼. Jan. 

St. labor, Dorf, Rosheim, Molsheim. — Begfiterl: KL Nieder- 
miinster gegen 720 ad Sanctum Naborem (Pard. ü, 818, 819). 

St Pllt, Stadt, Kt. u Kr. Rappoltsweiler. — Kloster, gegrttndflt gcgn 
770 TOD Fulrad : in sua proprietate ... in loco qui didtnr Fnlrado TÜin, 
infra fines Audoldovilare [Orschweiler] , . . . ubi beatissiiiiiis et eanetii 
Ippolitus corpore requiescit humatas (774, Tardif Monnm. 58) et nt monadbi 
ibidem vivere et secundum rectitudinem vel ordinem sanctam eonveiMre 
debeant (Sickel, Reg Karol. 8.288); 777 dem Kloster St. Denis Ter- 
macbt: cella qui dicitur Fiilrado villare, ubi sanctus Ypolitiu reqnieidt 
(Orandid. Kg] üb, 127).') — Femer erwähnt: 853 cella ad sanctum Yppo- 
litum (MG. LL. J, 421). 

St. Siegmond, Kloster, siehe St. Markus. 

Sappenheim, abg. Dorf zwischen Ranzenheim n. Ottmarsheim, Habs- 
heim, Mülhausen. — Begütert: Kl. Luxeuil 815 in Sapine (Tenlet-Lab., 
Inv. et doc. I, (>; vgl. Sickel, Acta spuria S 419). 

Sansheim, Dorf. Habsheim, Mnlhausen. — Begütert: Kl. Mnrbacli 
829 in Sowinashaim; 881 in Sowaneshaim (Als. dipl. I, 74, 60). 

Scb&ffershelm , Dorf, Kt. u. Kr. Erstein. — Begütert: Kl. St. Denis 
777 in Scaferishaim, Scaferhaim (Kapp. Ürk.-B. I, 2, 8). 

Scbftffolsbelm s. Oberschäffolsheim. 

Scbaffbaosen, Dorf, Hocbfelden, Strassburg. — Begütert: Kl. Weissen- 
burg um 774 in villa Scafhusa; 782 in villa vel marca Scaphhaaa; 784 
ad Scaphhuson; 788 ad Sciiphhusa; um 797 in villa Scaphhusa (Tnd. 
Wiz. No. 70; 59; 60; 102; 02). 

Scbalkendorf, Dorf, l'>uchsweiler, Zabem. — Begütert: Kl. Weissen- 
burg 774 infra fine Scalchinbiunda ; 786 in villa vel in marca Scalken- 
thorp (Index: Scalchen dorpf); 788 in villa Sealchenheim et infra Scalefaen- 
hememarca (Trad. Wiz. No. 133; 75; 74). 

Scberweller, Dorf, Kt. u. Kr. Schlettstadt. — Begütert: Kl. Ebers- 
münster, Dinghof, gegen 670 in Scerewilre (Chron. Ebersb., Qniidid. 
Als. üb, 17), bestät 770 in Scerenwilere, 817 in Scerewilre, 824 in Soer- 
wilre; Scerewilre (Grandid. Egl. IIb, 103, 171, 177; Chron. Ebersh. MG. 
SS. XXm, 436: vgl. Sickel, Acta spuria S. 426); Kl. Gengenbach nm 
IKX), bestät. 1139 in Scherwilre (Wirtemb. Ürk.-B. U, 8). 

Scblltigbelm, Dorf, Kantonshauptort, Strassburg. — Begütert: Kl. 
St. Stephan 845 circa villam Skitingsdtbouhel , Skitingsdtbuel (Strtssb. 
Urk.-B. I, 20); Kl. Honau 884 in Scildincheim (Grandid. Egl. Hb, 276; 
Reg. Imp. I, No. 164n — Femer erwähnt: 826 villa Schildenchen (Acte 
SS. Boll. Aug. T. VI, 509). 

Schlettstadt Stadt, Kantonshauptort, Kreisstadt. — Villa regia^ — 
Begütert: Kl. Murbach 728 in Selatstat iPard. n, 356); Kirche Ton 
(;ur P36 in loco Scletzistata, Scletcistata (Cod. dipl. Raet. 87; Sickel, Aetn 
L. 340); Berta, Tochter K. Ludwigs d. Deutschen, 869 in Sclettestat 

^) „Kleines Testament^ Fulrads; im „grossen Testament^: cella qua 
dicitur Audaldo villare, ubi s. Ipolitus requiescit (Tardif Monom. 82 K 
Die Angaben sind mit K. 7 No. 1 (Kleines Testam.) und K. 7 No. 1? 
(grosses Testam.) des Pariser National- Archivs verglichen. 



Das Elsass zur Karolingerzeit 233 

(Zfirich. Urk.-B. I, 40); Kl. Zttrich 877 in vüla Sp]ette8[Ut], 878 in villa 
Jädeostat (das. 53, 57); die Kirche von Cur, bezw. K. Karl m., der von 
dieser 881 Besitz in villa Sclectistat eintauscht und ihn seinem Erzkaplan 
Li nt ward, Bischof von Yercelli, verleiht (Cod. dipl. Baet. 47). — Femer 
erwähnt: 775 Scladdistat, Scladistat, Scladdistath, Sclezistat, Selexeistat 
(Ann. Lauriss. mai., MG. 8S. I, 154); actum Scalistati villa, palatio publ. 
(Strassb Urk.-B. I, 11); Sclalistati viUa in pal. (Sickel, Acta K. 56); 884 
«ctum Selezistat (Grandid Egl. üb, 278); 887 actum Scletistat palacio 
(Reg. Imp. I, No. 1693—96). 

Müierbacb, Dorf, Landser, Mülhausen. — Begütert: Beretheida, 
4}emahlin des Grafen Ulrich vom Argen- und Linzgau, 877 in Slierbach 
<St. Gall Urk -B. H, 213). 

Sebwebweiler, Weiler, Gem. Thal b. Maursmünster, Maursmünster, 
Zabem — Begütert: Kl Maursmünster im 8. Jahrh. in Svabesvilare, 
bestät. zwischen 827 u. 853, und 1120 (Hanauer, Constit. 47; Als. dipl. 

I, 198). 

Scbwelghtueii, Dorf, Kt. u. Kr. Hagenau. — Villa regia. — Er- 
wähnt: 896 actum in Swe[i]chusa (Tardif, Monum. 139). 

Schweinbelm, Dorf, Maursmünster, Zabem. — Begütert: Kl. Maurs- 
münster im 8. Jahrh. in Svenheim, bestät. zw. 827 u. 853, und 1120 
(Hanauer, Constit. 47; Als. dipl. I, 198). — Femer erwähnt: 724 — Sven- 
heim — als Grenzbestimmung der dem Kl. Maursmünster gehörigen Eichel- 
jnark.M (MG. Dipl. I, 204). 

Scbwindratlhelm, Dorf, Hochfelden, Strassburg. — Begütert: KI. 
Weissenburg 737 in Svinderadovilla (Trad. Wiz. No. 35 u. 162); Kl. 
Schwarzach 758 in Swindratisheim (Grandid. Egl. Üb, 86); Kl. Honau 
^84 in Swinderatesheim (das. 276; Heg. Imp. L No. 1641). 

Schwobsbelm , Dorf, Markolsheim, Schlettstadt. — Begütert: Kl. 
Ebersmünster, Dinghof, 829 in Svabesheim (Grandid. Egl. Hb, 191; 
vgl. Sickel, Acta spuria 8. 426 ', 887 in villa Svabesheim (Chron. Ebersh. 
MG. SS. XXIII, 439). 

Seebacb s. Ober-, Niederseebach. 

Seelbofeo, abg. Dorf bei Ingweiler, Buchsweiler, Zabem. — Begütert: 
Kl. Klingenmünster 828 in Selehoven (Grandid. Als. Hb, 97). 

Selz, Stadt, Kantonshauptort, Kr Weissenburg. — Villa regia. — Er- 
wähnt: 609/610 Saloissa castro (Fredeg. Chron. 37, MG. SS. rer. Merov. 

II, 120, 138); 770 ad Salossa (Annal. Lauriss. mai. MG. SS. 1, 148), apud 
Salusiam (Einhardi Annal., das. I, 149), in castro Salussa (Annal. Vet. 
Fragm., das. XIII, 27). 

Semhetm, abg. Dorf bei Hagenau, Kt. u. Kr. Hagenau. — Begütert: 
Kl. Weissenburg 702 in marca Semheim; 776 in marca Semhaim; 798 in 
villa Semheim; 808 in Semheim; 809 in Semhaimeromarcu; 811 in villa 
Semhaim; 826 in villa Semheim; 830 in Semheimeromarca (Trad. Wiz. 
No. 44, 163, 21, 19, 174, 180, 173, 172). 

Sermershelm, abg. Dorf, Gem. Regisheim, Ensisheim, Gebweiler. — 



^) Über die Eichelmark (Marca Aquileiensis) s. Jahrb. des Yogesen- 
vClubs IV (1888), 122—129. 



tJ34 V Jan- 

Begütert: Kl. Ebersmanster um 680 in Sarmenza (Chron. Ebenh., Gran* 
did. AlB. üb, 22 u. MO. SS. XXm, 488), bestät. 817 in TÜla Sarmenxa 
(Orandid. Egl. üb, 169; Tgl. Sickel, AcU spuria S. 426). 

Sermershelm, Dorf, Benfeld, Erstein. — Villa regia. — Begütert: Kl. 
Ebersmünster, Dinghof, gegen 670 in Sarmeresheim (Chron. Ebersh., 
Grandid. Als. IIb, 17), best&t. 770, 817 in Sarmeresheim, 824 in Sermers- 
heim; Sarmeresheim iGrandid. Egl. üb, 103, 171, 177; Chron. Ebersh. 
MG. SS. XXm, 436; vgl. Sickel, Acta spuria S. 426); Kl. Niedermünster 
gegen 720 in Sermersheim, Sermirsheim (Pard. II, 318, 319). 

Sesenhelm, Dorf, Bischweiler, Hagenau. — Begütert: Kl. Murbach 
786 in Soessas (?) (Pard. II, 369); Kl. Schwarzach 758 in Sehsinheim 
(Grandid. Egl. IIb, 86); Kl. Weissenburg 775 in villa Sesinhaim — 
Index: Sesanheim — (Trad. Wiz. No. 55); Kl. St. Denis 777 in Sechin- 
gas (Tardif Monum. 61). 

SIerenx, Dorf, Landser, Mülhausen. — Villa regia. — Begütert: 
Beretheida, Gemahlin des Grafen Ulrich vom Argen- und linzgau, 877 
in Sienonzo (St. Gall. Urk.-B. 11, 218). — Femer erwähnt: 835 actum 
Serencia villa (Reg. Imp. I, No. 1317). 

Sieweiler, Dorf, Drulingen, Zabern. — Begütert: Kl. Weissenburg 
700 in vilare Sonechone (?) (Trad. Wiz. No. 243) 

Slgolshelm > Dorf, Kaysersberg, Rappoltsweiler. — Begütert: Kl. 
Ebersmünster, Dinghof, gegen 670 in Sigoltesheim (Chron. Ebersh., 
Grandid. Als. Hb, 17, 19 u. MG. SS. XXm, 436), bestät. 770 in Sigoltes- 
heim, 810 in Sigothesheim, 814 in Sigotelsheim, H17, 824 in Sigoltesheim 
(Grandid. Egl. Hb, 108, 155, 157, 170, 176; Chron. Ebersh. MG. SS. XXUI, 
435; vgl. Sickel, Acta K. 225 u. Acta spuria S. 426V, Kl. St. Di6 um 670 
in TÜla Sigoltesheim; Sigoltesem (Chron. Ebersh. Grandid. Als IIb, 19 u. 
MG. SS. XXm, 436; Richeri Gesta Senon. Eccl. das. XXV, 261); Kl. 
Masmünster 823 in Sigoltessheim (Grandid., Als. Ib, 66; vgl. Sickel, 
Acta spnna S. 420); KI. Gran fei den, Dinghof, 866, bestät. 884 in 
monte Sigoldo (Trouillat, Monum. I, 113, 121); Kl. Etival 884 in Sigols- 
hem (Grandid. Als. Ib, 94). — Ferner erwähnt: 759 in flne Sigolt marca 
(Rapp. Urk.-B. I, 1); 833 juxtaque montem Sigwaldi (Nith. Bist. I, MG. 
SS. n, 652). — Sigultarium [vinuml (Monach. Sangall. I, 22, MG. SS. H, 741). 

Slngrlst, Dorf, Maursmünster, Zabern. — Begütert: Kl. Maurs- 
münsterimB Jahrb. in Signum Christi, bestät. zw. 827 u. 853, und 1120 
(Hanauer, Constit. 47; Als. dipl. I, 198). 

Spechbacb 8. Niederspechbach. 

Stelnbmin s. Niedersteinbrunn. 

Still, Dorf, Kt u Kr. Molsheim. — Begütert: Kirche von Strass- 
bürg 773 in locum, bestät. 816 in locellum Stillam (Strassb. Urk.-B. I, 
6, 18). — Femer erwähnt : 826 locus Stille (Acta ss. Boll. Aug. T. VI, 510). 

Stdrbach, abg. Dorf, Schirmeck. Molsheim. — Begütert: Kl. Hon au 
810 in Sterrenbach (Grandid. Egl. Hb, 153). 

Stossweler, Dorf, Münster, Colmar. — Pirwähnt: 670 usque adScotten- 
wilere (Chron. Ebersh , Grandid. Als. Üb, 17); 817 juxta villulam Scotten- 
wflre; 824 usque ad Scotenwilre, Scottenwilre (Grandid. Egl. Üb, 170, 177; 
Chron. Ebersh. MG SS. XXIH, 435; vgl. Sickel, Acta spuria S. 426). 



Das Elsass zur Karoliogerzeit 23& 

SMlkete, Dorf, Barr, Schlettstadt. — Begütert: Kl. Weissenburg 
788 in Tilla Stozzeswilare (Index: Scozzes wilare); 787 in villa Stozzeswila 
— Index: Scozzeswilare — (Trad. Wiz. No. 84; 86); Kl. Ebersmünster 
814 in Stotesheim (Grandid Egl. Hb, 158; Tgl Sickel, AcU spuria S. 426); 
KL Andlau um 884 in Stozzesheim (Grandid. E;gl. IIb, 309). 

Stratsbvrg, Landeshauptstadt, Bezirkshanptstadt, Kreisstadt. — Be- 
gütert: Kl. Ettenheimmünster 762 in civitate Strasbnrga (Strassb. 
Ürk.-B I, 6); Kl. Weissenburg 774 in ciyit. Strazburg, 780 infra 
mnros civit. Argentoratinse, 784 ad Strazburg (Trad. Wiz. No. 54, 
eo, 158); Kl. Eschan 778 in Argentina ciyit. (Strassb. Urk.-6. I, 14 
Anm.); Kl Fulda 778, 788 in Strazburga ciyit. 791 infra nova civitate, 
801 infira nova civitate Argentoratinse (Cod. dipl. Fuld. No. 61, 89, 98, 
171). — Erwähnt (Stadt, Kirche, Bischof j: um 530 urbs Argentina (Tita 
S. Fridol., Mone (juell I, 12); 589 urbis quam Strateburgum vocant, 590 ad 
Argentoratensem urbem quam nunc Stradeburgum vocant (Gregor. Turon. 
Eist Franc. IX, 36, X, 19; MG. SS. rer. Merov. 1, 891, 438); 662 Ar- 
gentinensis eccl. (Strassb. Ürk.-B. 1, 1); 660/662 Strazburgensis episc. (MG. 
Dipl. I, 26); 7 Jahrh. Argentaria, civit. Stratisburgo (Rav. Anon Cosm. 
231, 232); Ende des 7. Jahrh. Streitburg (Vita S. Wilfridi, Bouquet, Rec. 
bist. III, 601); 719 act. in civit. Argentaria (Trad. Wiz. No. 45); 722 
act. Stratburgo civit. in curte regia villa, que est in suburbano civitatis 
novo — s. Königshofen — (Strassb. Ürk.-B I, 3); 728 eccl. S. Marie 
Sn Stradburgo, act. Stratburgo civit. (Pard. n, 352; Strassb. Ürk.-B. 1,8), 
ad Strazburgum (Pard. n, 350); 733 act. in civit Argentoracinse (Trad. 
Wiz. No. 18); 737 act. in civit. Argentaria, Argentoratinse (das. No. 85, 
162); 739 act. in civit. Argentoracinse (das. 10, 11); 748 Strasburgensis 
episc. (Reg. Pontif. Rom. I, No. 2287); 749 act. Stratburgo civit. (Strassb. 
Ürk-B. I, 5i; 762 act in civit Argentinense (das. 1,6); 765 episc. civit 
Stradburgo (MG. LL I, 30); 773, 775 Strazburgensis eccles (Strassb. ürk.- 
B. I, 6, 10); 780 act in civit. Argentoratinse (Trad. Wiz No. 153); 791 
9fit in Strazburga civit. (Cod. dipl Fuld No. 98); 799 urbs Argentea, 
Stratiburgus (MG. Poetae lat. med aevi I, 131); 9. Jahrh. basilica s. 
Mariae infra civit. Strazburc (MG. Formul. 337); 801 act in Strazburga 
civit. (Cod dipl Fuld No. 171); 816 Argentoratensis sive Stratburgensis 
eccl. (Strassb. ürk -B. I, 18) ; 823 Strazburgensis episc. (Sickel Acta L. 
196); um 825 Strazburc; urbs Argenterata, Strazburg (MG Poet. lat. 
med. aevi IT, 76; 84); 826 Argentoratum nunc Strasburg (Acta ss. BoU. 
Jun. T. I, 185); um 830 canonicorum de civit. Argentorata (MG. Lib Confr. 
155, 249 ; 831 Strazburgensem episc. (Sickel, ActaL. 289); Strazburgensis 
episc, eccl. (Strassb. Urk.-B. 1, 18/19); Strazburgensem episc, act Straz- 
burc civit. (Sickel, Acta L 290); 832 Argentariensis civit episc (MG. 
Formul. 561); 833 Argentoria (Thegani Yito Hludow. Imp. MG. SS. II, 
598); 840 Strazburgensis eccl, eccl. Argentoratensis, act. Strazburg (Str. 
Ürk.-B I, 19); 840 act. Strazburg civit. (Reg. Imp I, No. 1084, 1035); 
842 civitate quae olim Argentaria vocabatur, nunc autem Strazburg vulgo 
dicitur (Nith Hist. m, MG. SS 11, 665); 845 act. in pal reg Argen- 
toraco (Strassb. Ürk-B. I, 21); nach 847 eccl Argentariae civit. (das. 
I, 21); um 851 act. in civit Strazburg (Trad. Wiz No 167 ; 868 act. 



236 ▼• Jan. 

Strubarc pal. reg. (Reg. Imp. I, No. 1252); 864 Argentoratensis urbis 
episc. (Hincmar Annal. MO. SS. I, 465); Argentariensis eccl. (Orandid. 
EfjL, üb, 827); 865 episc. Stratiburgensis (Hincmar Annal. MG SS. I, 
469; MG. LL. I, 504); 870 Strastburg (Hincmar Annal. MG. SS. I, 488; 
MG. LL. I, 517 1; 878 Strazburgensi episc, eccl. Argentoratensis (Strassb. 
Urk.-B. I, 26); Strazburgensis urbis episc. (das. 1, 26); 876-881 episc. de 
Strazpurc; eccl Argentarinae vel Argentariensis; Stratoburga (MG For- 
mal. 417, 419); 888 cenob. s Mariae semper virg. infra Argentariae civ. 
(Strassb Urk.-B. I, 28); 891 monast. Argentinensis civil. (Reg. Imp I, 
No. 1809); 895 Strazburgensis episc. (MG. Uj. I, 561); 896 act in Argen- 
taria dvit. (ELeg Imp. I, No. 1909); 898 act. in civil. Slrazburug ((^artul. 
Münster Xo. 19 8. 10 im Colm. Bez.-Arch.); gegen Ende d. 9. Jahrb. 
Strasburg; Patribus in Argentina civ. (MG. Lib. Oonfr. 41; 144^; 900 act. 
Strasburg civ. (Reg. Imp. I, No. 1940). — St. Thomas, Kloster, gegrün- 
det um 680 von Florenlius (Hisl de St Thomas 5/6). — St. Stephan, 
Frauenkloster, gegründet um 720 von Adalbert, Sohn d. Herzogs Eticho, 
in parte sue hereditatis, que sibi pertinuit inter ruinas veteris Argentorati 
(ürk. V. 845, Strassb. Ürk.-H. I, 20; vgl. diese Ztschr. N. F. VI [1891], 66J5 f.). 
— Ferner erwähnt: monast. ancillarum Dei in Argentinensi civit. in hon. 
«. Stephan! prothomart. (Chron. Ebersh., Grandid Als. IIb, 20 u. MG. SS. 
XXm, 487); um 880 ancillarum Dei de caenobio sancti Stephani (MG. lib. 
€onfr. 825); 845 abbatissa sancti prothomart Stephani inira muros Ar- 
j;entorato (Strassb. Urk.-B. I, 20j; 870 s. Stephani Strastburch (Hincmar 
Annal. MG. SS. I, 488; MG LL I, 517); gegen Ende d. 9. Jahrb. sorori- 
bus in Argentina (MG lib. Confr. 144). 

Slia, Sudt, Kantonshauptort, Kr. Gebweiler. — Begütert: Kl. Ebers- 
mttnster, Dinghof, gegen 670 in Suiza (Chron. Ebersh., Grandid. Als. 
IIb, 17), best&t. 770 in Suiza, 810 in Sulzha, 814, 817 u. 824 in Suiza 
(Grandid. Egl. IIb, 108, 155, 157, 169, 176; Chron. Ebersh. MG. SS. 
XXIII, 485; vgl. Sickel, Acta K. 225 u. Acta spuria S. 426); Kl. Luxeuii 
816 iu Suaza (Teulet-Lab., luv. et doc. 1, 6; vgl Sickel, Acta spuria S. 419). 

Sllxbad, Dorf, Kt. u. Kr. Molsheim. — Begütert: Kl. Nieder- 
nflnster gegen 790 in Sülze (Pard. II, 818, 819); Kl. Weissenburg 742 
in Villa Sulda (?) (Trad. Wiz. No. 52 1. 

Illimattf Dorf, Kufach, Gebweiler. — Begütert! Kl. St. Siegmund 
(8t Markof) bei seiner Gründung, bestftt. 1258 (Berler Chrou. 16, 20). 

Salt n. Wald, Dorf, Kantonshauptort, Kr. Weissenburg. — Begütert: 
Kl. Weissenburg 787, 778. 774 in Suicia (Trad. Wiz. No. 35 u. 162; 
138; 58 u. 178, 68). 

SiadhtUdB, Dorf, Markolsheim, Seh letUUdt. — Erwähnt: 728 actum 
in Villa Sunthusis (Pard. II, 841). 

iiadliofei, Dorf, Andolsheim, Colmar. — Begütert: Fulrad, Abt 
von St. Denis, 768 in Santhof (Rapp. Urk.-B. I, 2); Kl. Münster 896 
in Sundbova (dat. I, 8). 

Iirkirg, Dorf, Suis n. Wald, Weissenburg. — Kloster, gegen 674 
von Arbofatt gegründet, von K. Dagobert II. beschenkt. — Erwähnt: 748 
actum Surabnrgo mooatierio (Pard. II, 412); 766 actum Surraburgo 



Das Elsass sor Karolingerieit. 2ST 

nonast. (Trad. Wiz. No. 66); am 880 monast. Sarabarc; coenob. Soraburc 
(MO. Üb. Gonfr. 164, 222). 

Tkal b. laiirflltBSter, Dorf, ManrsmOoster, Zabern. — Begfltertr 
KL Maarsmttnster im 8. Jhrdt. in Domini Petri, bestftt. iw. 827 n. 858, 
«ad liaO (Hanauer, Gonstit. 47; Als. dipl. I, 196). 

Tbannweüer, Dorf, Weiler, Schletutadt. ~ ErwAhnt: 787 Altorf jnxta 
Taanae TÜlam (Calmet Bist. Lorr. 2 M. IIb, 118). 

TIeffenbacb, Dorf, Lützelstein, Zabern. — Begtttert: KI. Weissen- 
bürg 718 ad Actalforillare (Trad. Wiz. No. 194 u. 224). 

TrftnbelBl, Dorf, Wasselnheim, Molsheim. — Begütert: Kl. Weissen- 
borg 742 in Tborencohaime (Trad. Wiz. No. 52); Kl. Schwarsach 
768 in Doreiibeim (Als. dipl. I, 84). 

Tirkheim, Stadt, Winzenheim, Colmar. — Begütert: Kl. Münster 
886 in Tburincheim (Rapp. Urk.-B. I, 3); 898 in Duringheim (Als. dipL 
1,98). 

Ofbolx, Dorf, Sennheim, Tbann. ~ Begütert: Kl. Münster 769 ii^ 
Anfoldns (Sickel, Acta CS); Kl. Masmünster 828 in Uffholz (Gran- 
did. Als. Ib, 66; vgl. Sickel, Acta spuria S. 420). 

UbIweUer, Dorf, Kt. u. Kr. Hageoau. >- Begütert: Kl. Weissenbnrg* 
742 in Olenchaim (?) 784 in Ilunwilare, um 797 in Ilenwilare (Trad. Wiz. 
No. 52, 60, 62). 

Ukrweller, Dorf, Niederbronu, Hagenau. — Begütert: K). Weissen- 
barg 742 in Uranivilla: 761 infra marcha Uranewilare (Index Uren- 
wilare); 766 in marca Urenwilare: 771 in loco Uranwilare; 774 in Urone- 
wilare; 775 in villa üarrinhaim; 782 in marca Ureubaim; 784 ad Uren- 
wilare, ad Urenheim (nebeneinander genannt); 797 in Urenbeim; 801 in 
▼illa UrenTilare; in villa Urani wilare; 819 in Tilla vel in marca Uren- 
wilare (Trad. Wiz. No. 52, 179, 108, 189, 68, 119, 59, 60, 62, 286, 255, 177). 

Ungersbelm, Dorf, Salz, Qebweiler. — Begütert: Kl. Münster 759 
in Villa Engbisehaim marca (Rapp. Urk.-B. I, 1); Kl. Marbacb 768 in 
fine vel marca Aunf^ehiseshaim (s. Ingersheim) yel in alia Aungehisses- 
baim in fine Volfrigeshaim; actum Augehise carte (Cartal. Murb. I, 119 
— 121 im Colm. Bez.- A ich.); 784 in fine Tel in marca Aangishaim, Aun- 
gishin (das. 106—107). 

Urbacb s. Foaday. 

Urmatt, Dorf, Kt. u. Kr. Molsbeim. — Begütert: Kirche von Strass- 
burg 778 in casa Rammaldi (Str. Urk.-B. I, 6); Kl. Honaa 810 in Har- 
musa (Grandid. Egl. IIb, 158). 

Uttenhelm, Dorf, Kt. a. Kr. Erstein. — Begütert: Kl. Ebersmünster, 
Dinghof, gegen 670 in Utenheim (Chron. Ebersh. Grandid. Als. IIb, 18 S 
bestfit. 817, 824 (Grandid. Egl. IIb, 171, 177; Chron. Ebersh. MG. 88. 
XXIII, 486; Tgl. Sickel, Acta sparia S. 426); 829 (Grandid. Egl. IIb, 
192; Tgl. Sickel a. a. 0.); Kl. Weissen barg 788 in Ottinghaim (Trad. 
Wiz. No. 42). 

Vendenhelm, Brumath, Strassbarg. — Begütert: Erchengar, Graf vom 
Nortgau, bezw. das von ihm Besitz eintauschende Kl. Schwarzach 828 
in Fedinheim (Sickel, AcU L. 256). — Ferner erwähnt: 826 Yendenhcim 
(AcU SS. Boll. Aug. T. VI, 511). 



238 ^- J»o- 

Wahleilhelm, Dorf, Kt. u. Kr. Hagenaa. — Begatert: Kl. Weissen- 
barg 774 in loco Walohom; 776 in villa Waloom; 780 in Walaom; 784 
ad fielohom (Trad. Wiz. No. 71, 73, 90, 60). 

WildolwlBhelm, Dorf, Kt. u. Kr. Zabern. — BegQtert: Kl. Weiss en- 
barg um 851 in villa seu in marca Baldolfesheim — Index: Baldolfheim 

— (Trad. Wiz. No 167). 

Walf, Dorf, Oberehnheim, Erstein. — Begütert: Kl. Ebersmttnster, 
Dinghof, gegen 670 in Valva (Cbron. Ebersh., Qrandid. Als. IIb, 18), 
bestät. 817, 824 (Qrandid. Egl. IIb, 171, 177; Chron. Ebersh. MG. SS. 
XXIII, 486; vgl. Sickel, AcU spuria S. 426); 829 (Qrandid. Egl. IIb, 192; 
▼gl. Sickel a. a. 0.); KI. Weissen bürg 742 in Falaba; 820 in VaUbu 
(Trad. Wiz. No. 52, 69); Kl. Fulda 778 in Walabu; 788 in Falahabn 
(Cod. dipl. Fuld. No. 61, 89); Kl. And lau 684 iu Valaba (Qrandid. Egl. 
IIb, S09). 

Wangei, Dorf, Wasselnheim, Molsheim. — Villa regia. — BegQtert: 
Kl. Weissenburg 742 in Tilla Wanga (Trad. Wis. No. 1); Erchengar, 
Graf Yom Nortgau, bezw. das von ihm Besitz eintauschende Kl. Seh war zach 
828 in Wangon (Sickel, AcU L. 256); Kl. St. Stephan in Strassburg 
846 in Wanga (Str. Urk.-B. I. 20); Kl. Honau 884 in Wanga (Qrandid. 
Egl. IIb, 276; Reg. Imp. I, No. 1641). 

Wtiiel, Weiler, Gem. Kestenholz, Kt. u. Kr. Schlettstadt. — Begütert: 
Kl. St. Pilt 774 in Bobolino cella, best&t. 854 in Bovolini cella (Tardif 
Monum. 58; Qrandid. Egl. IIb, 238). 

Watenblirg, Burgtrümmer, Gem. u. Kt. Niederbronn, Kr. Hagenau. 

— Begütert: Kl. Weissenburg 789 in foreste dominico fasenburgo (Trad. 
Wiz. No. 12). 

Watseinheim, Stadt, Kantonshauptort, Kr. Molsheim. — Begütert: 
Kl. Hornbach 754 in Wazzeleneheim (Als. dipl. I, 88). 

Wattweller, Dorf, Sennheim, Thann. — Begütert: Kl. Murbach 728 
in Watoneviler (Pard. II, 356). 

WeckoUhelm, Doif, Neubreisacb, Colmar. — BegQtert: Kl. Murbach 
792 in villa Achiltihaim (Als. dipl. I, 56). 

Wege, abg. Dorf, Gem. Mutzig, Kt. u. Kr. Molsheim. — Begütert: 
Kl. Haslach 633 in villa Vege (MG. Dipl. I, 149). 

Weler im Thal, Dorf, Münster, Colmar. — BegQtert: Kl. Münster 
896 in Bonefacii vilare (Rapp. Urk.-B. I, 3). 

Weller, abg. Dorf (heute Forsthaus Willerhof), Gem. Ebersmünster, 
Kt. u. Kr. Schlettstatt. — begütert: Kl. Ebersmünster, Dinghof, 829 in 
Wilre (Qrandid. Egl. IIb, 192; vgl. Sickel, Acta spuria S. 426). 

Weissenburg, Sudt, Kantonshauptort, Kreisstadt. — Kloster, ge- 
gründet zw. 685 und 690; der Oberlieferung nach 623 von Dagobert I. 638 
eccles. in hon. s. Trinitatis et s. Mariae perpetuae virginis et sanctornm 
apostolorum Petri et Pauli in loco Weissemburgo (MG. Dipl. I, 149—150; 
vgl. Sickel, Acta deperd. S. 386; Acta spuria S. 442). — Ferner erw&hnt: 
655 cenob. Wizenburch (MG. Dipl. I, 171 J; 675 monast. Weissenburg 
(das. 41); 695 monast Wizunbnrgo und in der Folge Wizenburg, Wizen- 
burc, Wizanburg, Wizzunburg, Wizzunparc, Wizziburg, Wizeburg, Wizin- 
bürg, Wicemburgus, Wizenburch (Trad. Wiz.); um 754 Wizanburg (Vita 



Das Elsasa sor Earolingeneit. 2S9 

8. Pirm. Mone Qaell. I, 35); 798 Wizanburg (Cod. dipl. Fald. No. 151); 
812 Wisunburch (MG. LL. 1, 177); monast. Witunbarg (Grandid. Als. IIb, 
96); um 830 mon&st. Wizzunburc (MG. Lib. Confr. 154, 210—311); 842 
Wizzuoburg (Nitb. Bist. III, MG. SS. II, 666); 882 cenob. Wissenburgen- 
ais (Als. dipl. I, 91; Reg. Imp. I, No. 1600); gegen Ende d. 9. Jabrh. 
Fratribus in Winzenburcb (MG. Lib. Confr. 144). — 803 castrum Hunizon- 
bnrg (diese Zeitschr. XIII, 492-493); 828 actum in Castro Wizenburg^) 
(Trad. Wiz. No. 152) 

Weitbrncb, Dorf, Et. n. Kr. Hagenan. — Begütert: El. Weissen bürg 
743 in fine vel in marca Wiccobrocbo (Trad. Wiz. No. 4). — Femer er- 
wähnt: gegen Ende d. 9. Jahrb. (?) Wiprnhc (MG. Lib. Confr. 33; ygl. 
Mitth. d. Inst. f. öst. Gesch. XI, 125). 

Westhofen, Dorf, Wasselnheim, Molsheim. — Begtttert: El. Weissen- 
burg 739 in Westhove; 743 in TÜla Tel in marca Westoye; 776, 851 in 
Villa West hof (Trad. Wiz. No. 17 u. 159; 5; 112, 204 u. 254). 

Weyersbeim, Dorf, Brumath, Strassburg. — Begütert: EI. Weissen* 
bürg 774 ad Wihereshaim (Trad. Wiz. No. 54); Kl. Honau 884 in Wie- 
resheim (Grandid. Egl. IIb, 276; Reg. Imp. I, No. 1641). 

Wibolsbelm, Dorf, Gem. Eschau, Geispolsheiro, Erstein. — Villa 
regia. — Begütert: El. St. Stephan in Strassburg 845 in Wibilesbein 
(Str. Urk.-B. I, 20). — Ferner erwähnt: 778 in marcha Quibilisheime, 
Wibilesheim marcha (das. I, 11, 14). 

Wickerscbweier, Dorf, Andolsheim, Colmar. ~ Begütert: El. Mur- 
bach 728 in Wicherebint (Pard. II, 356). 

Wiokersbelm s. Breuschwickersheim. 

Wimmenau, Dorf, Ltttzelstein, Zabern. -> Erwähnt: 826 Wimenawe 
(Acta SS. Boll. Aug. T. VI, 511). 

WIngen, Dorf, Lützelstein, Zabern. — Begütert: El. Weissenbnrg 
742 in Wigone monte (Trad. Wiz. No. 1). 

Winxenbeim, Dorf, Eantonshauptort, Kr. Colmar. — Begütert: El. 
Murbach 786 in Wingishaim (Als. dipl. I, 54); die Kirche von Cur, 
bezw. K. Karl III., der von dieser 881 Besitz in Winzenheim eintauscht 
und ihn seinem Erzkaplan Li nt ward, Bischof von Vercelli, verleiht 
(Cod. dipl. Raet. 47). 

Wiscb, Dorf, Scbirmeck, Molsheim. — Begütert: Kl. Honau 810 in 
Wisicha (Grandid. Egl. IIb, 153). 

Wittenbeim, Dorf, Mülhausen-Nord, Mülhausen. — Begütert: El. 
Luxeuil 815 in Witerkeim (Teulet-Lab., Inv. et doc. I, 6; vgl. Sickel, 
Acta spuria S. 419); Kl. Murbach 829 in villa Witanhaim (Als. dipl. I, 74). 

Wittergheim, Dorf, Kt. u. Kr. Hagenau. — Begütert: Kl. Weissen- 
bnrg 742 in Wittreshusi (Trad. Wiz. No. 52). 

Wittisheim, Dorf, Markolsheim, Scblettstadt. — Begütert: Kl. Ebers- 
münster, Dinghof, 817 in Witenesheim, bestät. 824, 829 in Wittensheim 



^) Nach Mone (diese Zeitschr. XIII, 493) ist castrum W. wahrschein- 
lich das Dorf Altenstadt (Kant. Weissenbnrg); nach Bossler, Zeitschr. f. 
deutsche Philologie VI (1875), 156, soll Weissenbnrg ursprünglich der 
Name dieses Dorfes gewesen sein. 



240 Y* «Ift"* 

(Grandid. Kgl. IIb, 172, 179, 191; vgl. Sickel, AcU spuria S. 426); Er* 
chengar, Graf vom Nortgaa, bezw. die von ibm Besitz eintauscheDde 
Kirche yod Strassburg 828 iu Wiitineshaim (Sickel, Acta L. 196). 

Wiwershelm, Dorf, Trachtersheim, Strassburg. — Begütert: Kl. Weil- 
lenburg 782, 784 in Wiafridesbaim ; um 797 in Wiufridesbeim: 888 Ib 
Tilla vel in marca Wiufridesbeim (Trad Wiz. No. 59, 60; 62; 158). 

WAUeBhelm, Dorf, Truchtersheim, Strassburg. — Begütert: Kl. Weis* 
senburg 739 in Vuldromodihaime (?) (Trad. Wiz. No. 14); Kl. Honau 884 
in Wenilinga (?) (Grandid. £gl. IIb, 276; Reg. Imp. I, No. 1641). 

WArth a. d. Saaer, Dorf, Kantonshauptort, Kr. Weissenburg. — Bc- 
gOtert: KI. Murbach 786 in Warida (Pard. II, 869). 

Wolfganxeo, Dorf, Neubreisach, Colmar. — Erwähnt: um 720, bezw. 
nach 1003 Wolgangeshen (Strassb. Urk.-B. I, 42). 

Wolflshelm, Dorf, Schiltigbeim, Strassburg. — Erwähnt: gegen Ende 
d. 9. Jahrb. (?) Wolffeshaim (MG. Lib. Confr. 87; vgl. Mitth. d. Inst. f. 
öst. Gesch. XI, 124). 

Woliehheim, Dorf, Kt. u. Kr. Zabern. — Begütert: Kl. Weissen- 
burg 789 in Folcoaldeshaime, Folcoaldeshaim (Trad. Wiz. No. 17 u. 150) 

Wolxheim, Dorf, Kt. u. Kr. Molsheim. — Begütert: Kl. Murbacii 
736 in Ulcishaim (Pard. II, 869); Kl. Weissenburg 742 in Folcolfe&- 
heime (Trad. Wiz. No 52); KI Leberau gegen 770, bestät. 808 in Wolcks- 
heim (Grandid. Kgl. IIb, 149; vgl. Sickel, Acta spuria S. 404/405). 

Zabers, Stadt, Kantonshauptort, Kreisstadt. — Erwähnt: 7. Jahrb. 
Ziabema (Kav. Anon. Cosm. 282); 688 juxu stratam Tabernensem (MG. 
Dipl. 1, 149); 724 publica strata Tabernensis (das. 204); 828 terra Zabernensis 
(Grandid. Egl IIb, 190); 842 ad Zabarnam (Nith. Hist. III, MG. SS. II, 666). 

Zehnacker, Dorf, MaursmOnster, Zabern. — Begütert: Kl. Weissen- 
ourg 789 iu Deceiugariis (Trad. Wi/.. No. 17 u. 159). 

ZelDheim, Dorf, Maursmünster, Zabern. — Begütert: Erchengar, Graf 
Tom Nortgau, bezw. das von ibm Besitz eintauschende Kl. Schwarzach 
828 in Zeinbaim (Sickel Acta L. 256). 

Zellenberg, Doif, Kaysersberg, Rappoltsweiler. — Begütert: Kl. 
Luzeuil 815 in Celeberch (Teulet-Lab., Inv. et doc. I, 6; Tgl. Sickel, 
Acta spuria S. 419). 

ZilUshelm, Dorf, Mülhausen-Süd, Mülhausen. — Begütert: Kl. Mur- 
bach 792 in marca Zulliaeshaim (Als. dipl. I, 57); Kl. Masmünster 
828 in ZuUenessheim (Grandid. Als. Ib, 66; vgl. Sickel, Acta spuria S. 420). 

ZiBSWeüer, Dorf, Niederbronu, Hagenau. « Begütert: Kl. Weissen- 
burg 742 iu Cincioneswilare; 746 in Zinzinwilare (Trad. Wiz. No. 2, 146); 
Erchengar, Graf vom Nortgau, bezw. das von ihm Besitz eintauschende 
Kl. Schwarzach 828 in villa vel marku Erloldisvillare, in loco Zinsila 
(Sickel Acta L. 256); Kl. Andlau b84 in Zincila (Grandid. Egl. IIb, d07j. 
— Ferner er vi ahnt: 808 actum ad Zinzila (Cod. dipl. Fuld. No. 178). 

Zatiendcrf, Dorf, Buchsweiler, Zabern. — Begütert: Kl. Weissen- 
burg 784 iu Zuzenheim marca; 858 in marca Zuzenheim — Index: Zuz- 
zenh. — (Trad. Wiz. No. 60, 49). 



Das Elaass zur Karolingenseit. 241 



Alte Nanensforneii* 

Acanbac, s. Hambach. — Achericuin, s. Eckerich. — Achiltihaim, s. 
'Weckoteheim. — Achims Ragni, s. Hingrie. — Actalfoyilkre, s. Tieffenbach. 
— Adaimareia villa, s. Adamsweiler. — AdehioheshoTen, s. f Adelshofen. — 
A ^^liaim ^ s. Exbiücke. — Agambac; Aganbach, 8. Ebmbach. — Aginoni-, 
Aginonvilla, s. Hegeney. — Ahenaim, s. Niederehnheim. — Alabnumen; 
iÜäebraimas, -us, s. f Altbronn. — Aldorf^ s. Altdorf. — Allerico-nllare, 8. 
t Alßchweiler. — Alongas, 8. Ohlungen. — Alreswilre, 8. t Alschweiler. — 
Altaime, Althaim, s. Altenheim. — Althaim, s. f Altheim. — Altitona, 
8. Odilienberg. — Altdoroff, s. f Altdorf. — Altorf, s. Altdorf. — Alunga, 
8. Oblongen. — Amalricivillare, Amelricheswilare, s. Ammerschweier. — 
Andaloia. Andelaha, s. Andlau. — Aneshain, s. Enzheim. — Anheim, 
8. Ohnenheim. -^ Anholzheim, s. Andolsheim. — Aniveratesheim , s. 
t Niffem. — Annegis villa, s. f Essweiler. — Annghishaim, s. Ingers- 
heim. — Anniveratesheim, s. f Niffem. — Ansulfis-, Ansolses-, Ansulsis- 
haim, s. Andolsheim. — Apsiaco, -cus, s. Epfig. — Arabacsheim, s. f Er* 
bcfnheim. — Arcenheim, s. Arzenheim. — Argentaria, -rina; Aigentea, 
Argenterata, Argentina, Argentoraco; Argentorata, -to, -tum, -tos; Argen- 
toria, 8. Strassburg. — Arlegisbergo , s. Heiligenberg. — Artolveshdm, 
8. Artolsheim. — Ascgaugia, Aschagia, Aschaugia, 8. Eschau. — Ascotü- 
lari, -wilare, s. Assweiler. — Aten-, Atinhaim, s. Ettendorf. — Audaldo-, 
Audoldi-, Audoldovillare, s. Orschweiler. — Aufoldus, s. üffholz. — Auge- 
hise curte, s. Ungersheim. — Augia, villa, s. Auenheim. — Aongehises- 
haim, s. Ingersheim. — Aungehisseshaim; Aungishaim, -hin, s. Ungersheim. 
— Aunulfo vilare, s. Olwisheim. — Austondorphe, s. Oberdorl — Arel- 
lanum, s. Niederhaslach. — Azinheim, s. Hohatzenheim. — Azolveswilre, 
8. Ehnweyer. 

Badanandovilla, Badenandovilare, s. Nieder-, Ober-Betschdorf. — 
Bainenchaim, s. Beinheim. — Balderichesdorff, s. Bailersdorf. — Baldolfes-, 
Baldolf heim, s. Waldolwisheim. — BalloneTiUare, s. BoUweiler. — Balteres-, 
Baltersheim, s. Baldersheim. — Baltowiler, s. Balschweiler. — Banen- 
cheim, -haim, s. Beinheim. — Bardestat, -steti, s. Berstett. — Barone- 
willare, s. Baronsweiler. — Barra, -e, -o, -u, s. Barr. — Barunwilare, 8. 
Bemweiler. — Batanantes-, Batanesheim; Batanundesdorpf^ -heim; Bate- 
nandovilla, s. Nieder-, Ober-Betschdorf — Batenheim, s. Battenheim. — 
Batsinagmi, s. Batzendorf. — Bearum, s. Barr. — Bebono-, Bebonisvillare, 
8. Bennweier. — Beckensheim, s. f Edenburg. — Bedebnr, s. f Betbur. 

— Beininheim, s. Beinheim. — Belli- montis, Bellus mens, Belmont, 8. Ecke- 
rich. — Belohom, s. Wahlenheim. — Beneveldin, 8. Benfeld. — Benin- 
haim, s. Beinheim. — Benisthaim, s. Berstheim. — Bercheim, s. Bergheim. 

— Bercholz, s. Bergholz. — Bercholtz-Zell, s. Bergholz-Zell. — Bereregas, s. 
Berg. — Berganeswilare, s. Hohweiler. — Bergas, Berge, Bergus, 8. Berg. 

— Beroldasheim, s. Bemolsheim — Beronia, s. Barenbach. — Beronivilla, 
Beronowilare, Berunivillare, s. Bärendorf. — Berreregus, s. Berg. — 
Bettune, s. Bettweiler. — Bezenesheim, s. Biesheim. — Biberesdorf^ -dorpf, 
-dorph, -heim, -thorf, -torf; Biburesdorf, s. Biblisheim. — Binren-, Büren-, 

Zeitschr. f. Geicb. d. Oberrfa. N. F. YII. 2. 16 



242 ▼• J«n. 

Birnheim, s. Bindernheim. — Bisanga, Bisariga, s. BiwcrL — 
Biflcovesheim, s. BischofidMim. — - Biura, t. D e Ul hofen. — TTIalioilMiiL 
Bladbotesheime, s. Plobsheim. — Blienswilere, -wilre, 8. Blienieliwaflar. — 
Bobolino cella, s. Wanzel. — BodolesTÜlare, s. BUenachweiler. — Bollt- 
wflre, 8. Bollweiler. — Boltenhaim, s. Baldenheim. — BonefWcii vibn^i. 
Weier im ThaL — Bosenhen, s. Bolsenheim. — Bothelmr, s. f BoMlv. 

— BoTolini cella, 8. Wanzel. — Briningesdorph, BriningOTflla, ■• rrnwl 
dor£ — Broc-, Broh-, Bromagad, s. Bminaih. — Brachbach, 8. BmladL 

— Bnichmagat, Bnimagad, s. Bnimath. — Bmniiigesdorpf, -doi|l| 
-thorf, -torf, -wilare, -wilari; BruningOTÜare, -wilare, -Tilla, -wOa, a. TrentA- 
dort — Bnmnhobetuin, 8. Nieder-, Ober-Bornhaapt. — Bramum, viUai a 
Niederbronn. — Bmnstat, s. Bmnstatt. — Bnmwylre, 8. PnoaehdoiC '- 
Bruocmagad, Braomagado, s. Brumatb. — Bnahcgieio, 8. GeispdklUB. 

— Baezens-, Buozinsheim, s. Boozbeim. — BuozolteshuBa, 8. BqmIi- 
hausen. — Bura, 8. Büren. — Burcheim, 8. f Edenbarg. — Bai|^iaiBab 
8. Bargheim. — Barrenheim, s. f Edenburg. — BuBwUarey -würe; Bum- 
wifa«, 8. Büsweiler. — Bathenhem, s. Bietlenheim. — BauaBOTÜare^ 8. 
wefler. — Baxwilare, s. Bachsweiler. 

Gagenheim, 8. Kogenheim. — Campanensi, -is comit., GaapfdaBii 
Kembs. — Castineto, 8. Kestenholz. — Celeberch, s. Zellenbag. ^ 
beim, 8. Kaaffenheim. — Chagambac; Chaganbach, -bad, 8. 
Chagenheim, s. Kogenheim. — Chambiz, 8. Kembs. — Charibodei Til]% b. 
Herbitzheim. — Charoltesbach, -pah, s. f KarltBbach. — GhatenlieiBe, 
8. Quatzenheim. — Chefecla, s. Epfig. — Chembiz, s. Kembs. — 
dorph, 8. Kühlendorf. — Chilcheim, s. Kirchheim. — Chilistaty a. 

— Chinzicha, s. f Kinzingen. — Chirich*, Chirih-, Chiriheim, s. EfaMii. 
beim. — Chirichowilare, Chiricunvillare, Chirihcowilare, 8 Kirweikr. ~ 
Chochinheim, s. Kaaffenheim. — Cholembra, Cholonparach, s. Gcrfmar. — 
Choneshaim, s Kienzheim. — Chraftestate, 8. Krastatt — ChttMläm- 
wilare, s. Kröttweiler. — Ghacenhasa, s. Katzenhaas^. — Ghimjgge^, 
Chaningesheim, s. Kinzheim. — Chuntilingas, s. Hindliogen. — mi twfaiiw^ 
8. Katzenhausen. — Cincioneswilare, s. Zinsweiler. — Cohlambor, a. Cofasar. 

— Colobocishaim , s. Kolbsheim. — Coloburg, Columbaria, -m, >a, Mm^ 
Columbrenses civ , s. Colmar. — Coneshaim, -heim, s. Kienzheim« — ConflflM, 
Conflentis, Confluens; Confluentes, -is, monast , s. Münster. — GoninhaiB, 
8. Kutzenhausen. — Creacheshaim, Creicchesheim, s. Kriegsheim. — Gnod- 
cheim, s. Riedheim. — Crodo, s. Rott. — Cundolteshaim, 8. GandoUuiBL 

— Cunigesheim, s. Kinzheim. — Cuonenheim, s. Künheim. — CattafaMS- 
heim, s. Küttolsheim. — Cuzzenhusa, -on, s. Kutzenhausen. 

Dacgun-, Dachunheim, s. Dauendorf. — Dalaheim, s. Dahlenheim. — 
Danckrazheim, s. Dangolsheim, — Danleibesheim, s. Dengelshefan. — Da- 
nonevüare, -wilare, s. Donnenheim. — Dauchedorf; Dauchendhorf^ dmi, 
-dorpf , -thorf, torf; Dauchunheim, Daugendorp, Dauhhendori^ DauhonhaiB, 
8. Dauendorf. — Deceiugariis, s. Zehnacker. — Dendunwilare, 8. Delt- 

weiler. — Dentenhuson, s. Dunzenheim. — Deorangus, s. DflrnlngeiL 

Deosesheim, s. Doasenheim. — Dettunwilari, s. Dettweiler. — Dhaacleobft- 
haim, s. Dengeisheim. ^ Didineshaim, Didinnes chaime, s. Dioshttm. -^ 



Das EUsass zai Karolingerzeit. 243 

Biefengruaba, s. Diefenbach. — Diluqnifiaga, 8. DeUingen. — Ditiagos, 
8. Hambach. — Domini Petri, 8. Thal bei Maursmünater. — Domna Mada, 
s. Dammerkirch. — - Dorangus, s. St Amarin. — Dorenheim, s Tr&nheim. 

— Doreatotelus, 8. DarsteL — Dorloshaim, s. Dorlisbeim. — Doumen^ 
heim, s. f Damenheim. — Dmctegiso, 8. Drulingen — Dubilesheim, 8. 
Diebolsheim. — Duminheim, 8. f Dumenheim. — Dumpheltha!, 8. Dimbs- 
thal. — Dundenhaim, Duntenhuson, 8. Dunzenheim. — Daringheim, s. 
Türkheim. — Duristualda, Duristulidon, Duristuolda, s. Durstel. — Dur- 
ningavilla, s. Dünungen. 

Kberhardo, villare, s. Geberschweier. — Ebores-, Eborreheim, s. Ebers- 
münster. — Ebrotheim, s. Ebersheim. — Eburesheim, s. Ebersmünster. — 
Ecc^ihaim, s. Alteckendorf. — Ecchefrydeshein, s. Eckwersheim. — £c- 
chenheün, -dorpf, -thorf ; Echanhaime, Echenheim, s. Alteckendorü — Eck- 
bolzheim, 8. Eckbolsheim. — Ediningom, s Ettendorf. — Egenes-, Egens-, 
Egesheim, s. Egisheim. — Egeshein, s. f Egesheim. — £;ggibolde8heim, 
8. Eckbolsheim. — Egiseheim, s. Egisheim. — Ehenheim, — superius; 
Ehinhaim, s. Oberehnheim. — Elinsigesheim, s Ensisheim. — Ekhiboldes- 
beün, s. Eckbolsheim. — Eleon, s. Andlau. — Elpherwilere, s. Elbers- 
weiler. — Enghisehaim, s. Ungersheim. — - Englingeheim, s. Eglingen. — 
Enis-, Ensussheim, s. Enzheim. — Erben wilare, s. Eberbach. — Ercafetils- 
haim, s. Krautergersheim. — Eren-, Erestein, s. Erstein. — Erguiseim, 
Eringisashaim, s. Erautergersheim. — Erinstein, s. Erstein. — Erloldisvil- 
lare, s. Zinsweiler. — Eudinhaime, s. Ittenheim. 

Fafenhaim, s. Pfaffenheim. — Falaba, Falahabu, 8. Walf. — Fasen- 
burgo, for., s. Wasenburg. — Fediuheim, s. Yendenheim. — Felakircha, 
-kyrchio, s. Feldkirch. — Fetzenheim, Fezinhaim, s. Fessenheim. — Fin- 
statinse, s. Pfastatt. — Firdenheim, s. Fürdenheim. — Flaboltes-, Fla- 
boteshaim; Flobotesheim, s. Blotzheim. — Flachlantisse, s. Flachslanden. 

— Flatoolfeshaim, s. Blodelsheim. — Folcoaldeshaim, -e, s. Wolschheim. 

— Folcolfesheime, s. Wolxheim — Franchenhaim, -haime, -heim, s. 
Frankenheim. — Fredes-, Fredishaim; Fridesheim, Fridolfeshaim, s. Frie- 
delsheim. — Froscheim, s. Fröschweiler. — Fulradocella, s. Leberau. — 
Fuirado villare, s. St. Piit — - Furdesfeld, -felde; Furtesfeld, s. Forstfeld. 

Gaerlaigovilare, -villa, s Görsdorf. — Gaganhaim, Gagynhaime, s. 
Kogenheim. — Gairelaigo, villare, s. Görsdorf. — Gairmari, s. Gemar. — 
Gairoaldo, villa, s. Görlingen. — Gaizwilare, s. Geisweiler. — Gamanes- 
heim, Gambhagme, s. Gambsheim. — Garmaringa, s. Gemar. — Geben-, 
Gebunwilare, s. Gebweiler. — Gebunwilare bei Tudinhaim, s. f Dürren- 
gebweiler. — Gehfida, s. Hohengöft. — Geisbodesheim, s. Geispolsheim. 

— Geizwilare, s. Geisweiler. — Geraldovilla, s. Görlingen. — Gerareshusa, 
B. Gries. — Gerboldinga, s. Görlingen — Gerelaigi, villa, s. Görsdorf. — 
Gerireshusa, s. Gries. — Gerlageswilare ; Gerlahches-, Gerlaichestorf; 
Gerlaicho wilare; Gerlaico vilare, -villa, -wilare; Gerlaigovilare, villa; Ger- 
leichesdorf, Gerleicho villa, Gerleicovilare ; Gerleihesdorph, -haim, ^villa; 
Gerliches villa, s. Görsdorf. — - Germeri, s. Gemar. — Gertenwillre, Gerte- 
wilre, 8. Gertweiler. — Ghermari, s. Gemar. — Giltwilre, s. Gildweiler. — 
Oinnanhaim, s. Gingsheim. — Godenhusen, s. Gottenhausen. — Göwenheim« 

16* 



244 ^' <^*n. 

» 

s. Gewenheim. — Gonzolinhuus, 8. Gnnstett. — Grandk Fontana, s. Grand- 
fontaine. — Gresweiller, s. Gressweiler. — Grosinhaim, s. Grassendorf. — 
Gmcinhaim, Grusenheim; Gmtsen-, Gnitsinhaün; Gmzenheim, s. Grossen- 
heim. — Gundolfs-, Gondolvesheim, s. Gundolsheim. — Guogenheim, s. 
Gagenheim. •— Gwillesteti, s. Kilstett. — GyldolfoYiler, s. Gildweiler. 

HaasiBzera, 8 H&singeu. — Habuhinesheim, s Habaheim. -7 Hackin- 
haim, s Achenheim. — Hadana, rilla, s. Hatten. — Haganbach, -bache, 
-bah, -habe, s. Hambacfa. — Haidulfushaim, s Heidolsheim. — Hakinhaim, 
8. Achenheim — Hamarisstad, s. f Hammerstatt — Hanagresheim, s. Ingers- 
heim. — Hanschoas-, Hantscohashaim, s. Handschuhheim. — Hariolfes- 
▼iUa, Hariolyeshaim, s. Herlisheim ÜE — Hasala, Hasela, s. Nieder- 
haslach. — Hascgaugia, s. Eschau — Hassinga, villa, s. Häsingen. — 
Hatana, villa, 8. Hatten. — Hecon-, Hegenheim, s. Hftgen. — Heiderheim, 
s. Heiteren. — Heimonewiler, s. Heiweiler. — Heinhaim, s. Hönheim. — 
Heloldowilare, s. Holzweier. — Hemingesbura, s. Hengweiler. — Henmrars- 
dorf, s. Heimersdorf. — Hepheka, s. Epfig. — Herasten, Herestein, s. 
Erstein. — Heribodesheim, s. Herbitzheim. ~ Herinstein, s. Erstein. — 
Herleiches-, Herrlichesheim, s. Herlisheim DE. — Heruncheim, s. Oberherg- 
heim. — Hetannerloh, s. Hettenschhig. — Hetwiler, s. Heidweiler. — 
Hiddenheim, s. Hüttenheim. — Hilciaco, s. Illzach. — Hildbrunnus, s. 
t Altbronn. — Hilloneviler, s. Ellenweiler. — Hiltes-, Hiltzheim, s. Hilsen* 
heim. — Hirslanden, & Hirschland. — Hirsunge, s. Hirsingen. — Hirtin- 
chaim, Hirtunghaim, s Hürtigheim. — Hirzfeld, -velt, s. Hirzfelden. — 
Hischaigiüsagmi, s. Issenhausen. — Hittendorf, -dorphe, s. Hüttendorf. — 
Hitten-, Hiudinheim, s. Hüttenheim. — Hiuhhilcheim, s. Kirchheim. — Hi- 
Tatingheim, s. Hüttenheim. — Hlidhamo, s. Leutenheim. — Hocfeldis, s. 
Hochfelden. — Hodulseshaim, s Heidolsheim. — Hoenaugia, s. Honau. — 
Hoffeiden, s. Hochfelden. — Hohanheim, s Hönheim. — HohanoTa, Hohen- 
augia, 8. Honau. — Hohenburc, -bürg, s. Odilienberg. — Hohenheim, s. 
Hönheim. — Hohenwilare, -i, s. Hohweiler. — Hoholfesheim, s. Olwisheim. 

— Hoinaugia, s. Honau. — Hoinborch, s. Odilienberg. — Hoinowa, s. 
Honau - HoUeswilre, s. Orschweiler. — Honaugia, Honogia, s. Honau. 

— Hononheim, s. Ohnenheim. — Horbacum, s. Fouday. — Hosthaim, 8. 
t Ostheim. — Hosthovon, s. Osthofen. — Hudenheim, s. Hüttenheim. — 
Hugesperga, s. Büttel-, Nieder-, Oberhausber^en. ~ Hundeneshain, -heim; 
Hnndensheim; Hundinishaim, -heim; Hunishuus, s. Hindisheim. — Huni- 
Tillare, Hunonis villa, s. Hunaweier. — Hunzolfeshaim, s. Avolsbeim. — 
Hurenheim, s. Hürtigheim — Hurmusa, s. Urmatt. — Hnuizunburg, s 
Weissenburg. — Hyppeneshaim, s. Hii)sheim. 

Igesmareshain, Igmarsheiin, s. f Ingmarsheim. — llchicha, s. Illzach. 

— Ilenwilare, s. Uhlweiler. — Ilfurt, s. Illfurt. — lllechilechen, s. Dl- 
kirch. — Illecich, s. Illzach. — lUekirrhen, Illenkirche, 8. Illkirch. — Ilun- 
wilare, s. Uhlweiler — Inginhaime, 8. Ingenheim. — Ingoldeshare, s. 
Ingolsheim. — Ingoniwilare, s. Ingweiler. — Isenburc, a. + Isenburg. 

Jebinesheim, s. .Tebsheim. 

Kagenheim, Kaginhem, 8. Kogenheim. — Karoldespach, s. Carspach. 

— Kermere, s. Gemar. — Kielenheim, s Kühlendorf. — Kilikheim, s. 



Das Elsass zur Karolingerzeit. 245 

Kirchheim. — Kimmen-, Kinnenheim, s. Kinzheim. — Kirckhaim, Kirih- 
heim, s. Kirchheim. — Kirihvilari, -wilari, s. Kirweiler. — Kounend-, 
Kuoeges-, Kunigesheim, s. Kinzheim. 

I^agelen-, Lagein-, Lagenheim, s. Logehiheim. — Lalenhaimi, s. Laach* 

— Lancpartheim, s. Lampertheim — Lara, s. Lohr. — Laurentione, s. 
Lorenzen, — Lautenbach, s. Niederlauterbach. — Lebraha, monast ; eccl. 
Lebrahae, s Leberau. — Leimone, s. Leimen. — Leobardi, monast., s. 
Maursmünster. -— Leobardi, viUa, s. Lochweiler. — Leogardid cella, 
s. Reinhardsmünster. — Lepraha cella, s. Leberau. — Lielinsne, Lilen- 
selida, s. Holzweier. — Limmiswiler, s. Lümschweiler. — Linemares- 
hain, s. Limersheim — Lithaim, -haime, s. Leutenheim. •— Liutolteshusa, 
s. Lixhausen. — Liutpoteshaim, s. Lipsheim. — Lochwilere, s. Lochweiler. 

— Lonenbocho, -buach, -buacho, buah, -buhah, -buoch; Lonentbuak; 
Lonunbuach, -buah, s. Laubach. ^ Lorancenhaim, Lorencenheim, s. Lo- 
renzen. — Lucelwilre, s. t Meiweier. — Lumarshein; Lumeres-, Lumers- 
heim, s. Limersheim. — Lupfinstagni, s. Lupstein. — Lupotheshen, s. Lips- 
heim. — Luterbach, s. Lutterbach. — Luttenbach, s. Lautenbach. 

Macchone, villare; Machen-, Macunevilare, s. Mackweiler. — Mages 
stet s. Mattstall. — Maginhaim, s. Meienheim. — Maistreshaime, s. Mei- 
stratzheim. — - Maralegia, -leja, s. Marlenheim. — Marbach, s. Murbach. 

— Marchlichio, sylva, Lautenbach. — Marchunishaim, s. Merxheim. — 
Marckelsheim, s. Markolsheim. — Marelaigia, -legia, -leia, -logia, s. Marlen- 
heim. — Margbergavilare, s. Merkweiler. — Marilegio villa, Mariligensis do- 
mus regia, Marlegia, strata Marleiensem, Marley, villa Marolegia, s. Marlen- 
heim. — Marsa, s. Niedermodem. — Masonis monast., vallis; Massonis vallis, 
Masunvilare, s. Masmünster. — Matenhaim, -heim ; Mathinhaim, s Moden- 
heim. — Matra, s. Nieder-, Obermodem. — Matunheim, s. Modenheim. — 
Mauchinhaim, s. Mauchenheim. — Maurbach s. Murbach. — Mauri, coenob , 
monast., s. Maursmünster. — Maurobaccus, monast., s. Murbach. — Mauro- 
wiler, s. Niedermorschweiler. — Mazoniwilare, s. Matzenheim. — Mecerol, 
s. Metzeral. — Medioyilla, s. Mitschdorf. — Meistaren-, Meistares-, Mei- 
stres-, Meitresheim, s. Meistratzheim. — Melin, ad, s. Mühlbach. — Mer- 
legium, villa, s Marlenheim. — Mezerol, s. Metzeral. — Mittelwilre, s. 
Mittelweier. — Mochenhaim, s. Mauchenheim. — Modenesheim, Moduino- 
wilare, s. Mietesheim. — MoUeshemero marca, s. Molsheim. — Mona- 
sterium inferius in Hohenburc, s. Niedermünster. — Monasterium superius^ 
in Hohenburc, s. Odilienberg. — Monefrido villa, s. Minwersheim. — Mone- 
sensishaim, s Munzenheim. — Monte, villa, s. Berg. — Montecottane, s. 
Monsweiler. — Monti, villa, s. Berg. — Montularem, s Mittelbergheim. 

— Moraswilari, s. Morschweiler. — Morbac, Morbacensis, monast.; Mor- 
bach, Morbachcinse coenob , s. Murbach — Moresheim, s. Morschweiler. 

— Moresmunister, s. Maursmünster. — Mores wilare, Morinesheim, s. Morsch- 
weiler. — Morsvilre, s. Obermorschweiler. — Muarbach, s. Murbach. — 
Mulehusen, -huson ; Mulen-, Muluhusen, s. Mülhausen. — Munefrido villa, 
8. Minwersheim. — Munenberge, Munewilare, s. Monsweiler. — Mumfrides- 
heim, Munifridovilla, s. Minwersheim. — Munihhusa, s. Münchhausen. — 
Munilhuson, s. Mühlhausen. — Muorbac, -baccns; Muorbach, Muorbacura» 



^46 ▼• J^a- 

moiiaet, s. Morbach. — Maoleres-, Unterholz, s. Mflttenholz. — Muslri- 
disheim, s. Meistratdieim. — MntuinoTilari, s. Mietesheim. — Mnzsiyie» 
dorph, -thorph; Muzzihes dorpf, dorph; Muzzinches dorph, Mozangdrf, 
8. Mutzenhausen. 

Hannenstol, -stoldt, s. Nangigoutte. — Neofiuras, -fisures, s. Kiefern. 
'- NeoTÜla, 8. Neuweiler. — Nia&ras, s. Niefem. — Niufera, s. f Niefem. 

— NiuYora, s. Niefem. — Niavenwilare, s. Neuweiler. — Niuzwern, s. 
t Nieffem. — Niverates-, Nivratesheim, s t Niffem. — Nivrida, s. t Wief- 
ftni. - Niyrotzheim, s. f Niffem. — Northus, -husen, s. Nordhausen — 
NoTienteusis, monast, Noviento, Novientam sive Ebersheim, s. Ebers- 
mlbiBter. — Novumyillare, -willare, s. Neuweiler. 

Oderde, s. Ottersweiler. — Odradesheim, s. Odratzheim. — Offen- 
heime, s. Offenheim. — Offonthorof, s Offendorf. — Olenchaim, s. Uhl> 
weiler. — Oleswilem, -wilre; Olleswilre, s. Orschweiler. — Onenhaim, s. 
Ohnenheim. — Ongeresheim, Ongihaim, Ongirhhaim, Ongresshein, s. Ingers- 
heim. — Onogia, s. Honau. — Ossinhuus, s. Osthausen. — Osterendorf, 
s. Oberdorf. — Osthaim, s. Ostheim u. t Ostheim. — Osthova, s. Osthofen. 

— Otalesviler, s. Orschweier. — Otenwylra, s. Ottersweiler. — Othmares- 
haim, s. Ottmarsheim. — Ottenrode, s. Ottrott. •— Ottinghaim, s. Ut- 
tenheira. 

Pachinas, monast. inter duas, s. Münster. — Palgowa, s. Baigau. — 
Pancinhaim, s. Banzenheim. — Papanhaime, s. Pfeiffenhofen. — Parssone- 
villa, s. Pisdorf. ~ Patenhaime, s. Pfettisheim. — Perehhaim, s. Bergheim. 

— Pergus, s. Berg — Petrosa, s. Pfetterhausen. — Piscofesheim, s. Bisch- 
heim u. Bischofeheim — Platpoteshaim, s. Plobsheim. — PleanungOYil- 
lare, Pluenhame, s. Blienschweiler. — Portionellam, villa, s. Pisdorf. — 
Potenchaime, s. f Bodenheim. — PrassoneviUare, s Pisdorf. — Prum- 
wiler, Pruningeswilare, PruningöYilla, s. Preuschdorf. — Puxwilare, s. 
Buchsweiler. 

Quibilisheime, s. Wibolsheim. — Quuningishaim, s. Einzheim. 

Racenhusen, s. Nieder-, Oberrathsamhausen. — Radolfes dorpf, -ham; 
Radolfowilare, Badulfo rilla, s. Rotteisheim. — Ramengas, s. Niederranspach. 

— Raningas, s. Rangen •— Ratbaldovilare, Ratbertovillare, s. Rappolts- 
weiler. — Rateshaim, Ratherishaim, s Rädersheim — Ratolfesdorf, -dorpf, 
-dorph ; RatoWes thorpf, s. Rotteisheim. — Ratpoldeswilare, s. Rappolts- 
weiler. — Rechenhusen, s t Reggenhausen. — Regenesheim, -hen; Reges- 
heim, s. Regisheim. — Remunewilare, s. Rimsdorf. — Reteresheim, s. 
R&dersheim. — Rendiba, s. Röschwoog. — Rhodahaim, s. Rothau. — 
Richeneshies, s. Rixheim. — Rimane, vilare; Rimenvilare; TiUa Rimoni; 
Rimono-, Rimovilare; Rimunevillare ; Rimuwilare, -wileri, s Rhnsdorf. — 
Rinchilendorpf, Ring^endorpfe, -dosfe, s. Ringeldorf. — Ringinheim, s. 
Ringendorf. — Rinkilendorf, s. Kingeidorf — Rinkindorf, s. Ringeodorf. 

— Ritanburc, s. Reutenburg. — Rodashaim; Rodesheim, -hem, -hen, s. 
Rosheim. — Rodulfoyilare, s. Rüschweiler. — Rolingen, s. Rölingen — 
Rorheim, s. Rohrweiler. — Rosusago, s. Röschwoog. — Rotbach, s. Roth- 
bach. — Rotmarsheim, s. Rumersheim. — Roubeaca, s. Rufach. — - Ron- 



Das Elsass zur Earolingerzeit. 247 

lechesheim, s. Külisheim. — Kuadmundesheim, s. Runzenheim. — Eubiaca, 
Rubiachum, Rubiaco, -cum, s. Rufach. - Rulecbesheim, s. Rülisheim. — 
Rummaldi, casa, s. ürmatt. — Rumoldeswiler, s. Romansweiler. — Ruo- 
deneskeim, s. Rodem. — Ruoleichesheim, s. Rülisheim. — Ruvacha, s. 
Rufach. 

ISaloissa Castro, Salossa, Salusiam, Salussa, s. Seltz. — S. Alexandri, 
cella, eccles , s. Leberau. — S. Gregorii, coenob., monast., s. Münster. — 
8. Leodegarii, Leudegarii, eccL, monast., s. Murbach. — S. Mauri, monast., 
s. Maursmünster. — S. Michaelis» terra, s. Lautenbach - S. Petri, cella, 
s Rimbach-Zell. — S. Yppolitum, cella, s. St. Pilt. — Sapine, s f Sappen- 
heim — Saraburc, s. Surburg. — Sarmatorum, strata, s. Saales. — Sar- 
Dienza, s. f Sermersheim. — Sarmeresheim, s. Serraersheim. — Sasenheim, 
H. Saasenheim. — Saxinesheim, Saxinhaime, s. Sachsenhausen. — Saxones, s. 
Obersaasheim. — Scafer-, Scaferishaim , s Schäffersheim. — Scafhusa, s. 
Schaffhausen. — Scaftolfeshaim, Scaftolfesshain , s. Oberschäffolsheim. — 
Scalchen dorpf, -heim, -hem; Scalchinbiunda, s. Schalkendorf. — Scali- 
stati, s. Schlettstadt. — Scalkenthorp, s. Schalkendorf. — Scaphhusa, 
-huson, s Schaff hausen. Sceren-, Scere-, Scerwilre; Scherwilre, s Scher- 
weiler. — Schildenchen, Scildincheim, s. Schiltigheim. — Scladdistat, -stath ; 
Sciadistat; Sclalistati; Sclecti-, Sclette-, Scletistat; Scletci-, Scletzistata, 
Sclezistat, s. Schlettstadt. Scotenwilre, Scottenwilere , -wilre, s. Stoss- 
weier — Scozzeswilare, s. Stotzheim. - Sebach, s. Nieder-, Oberseebach. 

— Sechingas, Sehsinheim, s. Sesenheim. — Selatstat, s. Srhlettstadt. — 
Selehoven, s. Seelhofen. — Selexei-, Selezistat, s. Schlettstadt. — Serencia 
villa, s. Sierenz. — Sermirsheim, s. Sermersheim. — Sesanheim, Sesinhaim, 
s. Sesenheim — Sienonzo, s Sierenz. — Signum Christi, s. Singrist. — 8i- 
goldo, monte; Sigolshem; Sigoltesem; Sigoltes-, Sigoltessheim; Sigolt marca; 
Sigotels-, Sigothesheim; Sigultarium [vinumj; mont. Sigwaldi, s. Sigolsheim. 

— Skitingsdtbouhel, -buel, s. Schiltigheim. — Slette-, Slezistat, s. Schlett- 
stadt — Slierbach, s. Schlierbach. — Soessas, s. Sesenheim. — Sone- 
chone, s. Sieweiler. — Sowanes-, Sowinashaim, s. Sausheim. — Spechtbach, 
s, Niederspechbach. — Steinenbrun, s Niedersteinbrunn — Sterrenbacb, 
s. Störbach. - Stilla, -e, s. Still — Stotesheim; Stozzesheim, -wila, -wilare, 
s. Stotzheim. — Stradburgo; Stradeburgum ; Strasburg, -burga; Strast- 
burch; Strastburg; Stratburga, -o; Strateburgum; Stratiburgus; Stratis- 
burgo; Stratoburga; Strazburc, -bürg, -burga, -burgum, -burug, -pure; 
Streitburg, s. Strassburg. - Sulcia, s. Sulzbad; Sulz u. Wald. - Suiza, 
Sulzha, 8. Sulz. — Sülze, s. Sulzbad. — Sundhova, Sunthof, s. Sundhofen. 

— Sunthusis, s. Sundhausen. Suraburc, -burgo; Surraburgo, s. Surburg. 

— Susza, s. Sulz — Svabesheim, s. Schwobsheim. — Svabesvilare, s. 
Schwebweiler. — Svenheim, s Schweinheim. — Svinderadovilla, s. Schwin- 
dratzheim. - Sweichusa, s. Schweighausen. — Swinderates-, Swindratisheim, 
s. Schwiudratzheim. 

Tabemensis, strata, s. Zabern. Talastat, s. Dahlenheim. — Tannae 
villa, s. Thannweiler. — Tauchendorf, Tauginhaime, Taukendorf, s. Dauen- 
dorf. — Tessinheim, s. Dessenheim. — Teuringas, s. Dürningen — Than- 
carades-, Thancratesheim, s. Dangolsheim. — Thauenthorf, s. Dauendorf. 



248 V- J*»- 

— Theotbertowilare, s. Liebenzweiler. — Thorencohaime, 8. Tränheim. — 
Thronie, s. Kirchheim. — Thurincheim, s. Türkheim — Thuminga, villa, 
s Dtirningen. — Torestodelus, s. Durstel. — Tronie, pag. Troningorum, 
s. Kirchheim. — Tubilesheim, s. Diebolsheim. — Tudinhaim, s. Dideu- 
heim. — Tunchinashaim, s. Dingsheim. — Tunginisheim, s f Dinzheim. 

— Tiinteshaime, s. Dunzenheim. — Turestödolus, Turestolda, s. DursteL 
-— Tuminca, s. Dümingen 

Ulcishaim, s. WolxheiDi. — Undineshaim, s. Hindisheim. — Ungisi- 
villa, s. Ingersheim. — Unnenhaim, s. Ohnheim. — Urenhaim, -heim, -vilare, 
-wilare; üronewilare, s. Uhrweiler. — ürsbach, s. Hundsbach. — ünine- 
^yila^e; ürunivilla, -wilare; ürunwilare, s. Uhrweiler. — Utenheim, s. Ut- 
tenheim. — ütilenchaime , Utilinhaim, s. Ittlenheim. - Uurrinhaim, s. 
Uhrweiler. 

Talaba, Valabu, Valva, s. Walf. — Vege, s. Wege. - Virden-, Virdin- 
heim, s. Fürdenheim. — Vivario-, Vivarium, -us peregrinorum, monast., 
s. Murbach. — Volfrigeshaim , s. Pulversheim. — Vuldromodihaime , s. 
Wöllenheim. 

Walabu, s. Walf. — Walaum, Walohom, Waloom, s. Wahlenheim. 

— Wanga, Wangon, s. Wangen — Waranangus, s. Geberschweier. — 
Warida, s. Wörth a. d. Sauer. — Watoneviler, s. Wattweiler. — Wazze- 
leneheim, s. Wasselnheim. - Weissemburgo , s. Weissenburg. — Weni- 
linga, s. Wöllenheim. — Wibilesheim, -hein, s. Wibolsheim. — West hof, 
-hove, -ove, s. Westhofen. — Wiccobrocho, s. Weitbruch. — Wicemburgus, 
8. Weissenburg. — Wicherebint, s. Wickerschweier. — Wicheresheim, 
Wicherhaim, s. Breuschwickersheim. — Wieresheim, s. Weyersheim. — 
Wigers-, Wigfridasheim, s. Breuschwickersheim. — Wigone monte, s. Win- 
gen. — Wihereshaim, s. Weyersheim. — Wilre, s. f Weiler. — Wimen- 
awe, s Wimmenau. — Wingishaim, s. Winzenheim. — Winzenburch, s. 
Weissenburg. — Wipruhc, s. Weitbruch. — Wisicha, s. Wisch. — Wiß- 
senburg, s Weissenburg. — Witanbaim, s. Wittenheim. — Witenesheim, 
8. Wittisheim. — Witerkeim, s. Wittenheim. — Wittens-, Wittinsheim, s. 
Wittisheim. — Wittreshusi, s. Wittersheim. — Witunburg, s. Weissen- 
burg. — Wiufrideshaim, -heim, s. Wiwersheim. — Wizanburg; Wizeburg; 
Wizenburc, -burch, -bürg; Wizinburg; Wizunburch, -bürg, -burgo; Wizzi- 
burg; Wizzunburc, -bürg, -pure, s. Weissenburg. — Wolcksheim, s. Wolx- 
lieim — Wolffeshaim, s Wolfisheim. — Wolgangeshen, s. Wolfganzen. 

— Wulfricheshen, s. Pulversheim. 

Yebinesheim, s. Jebsheim. — Yllekiriche, s. Dlkirch. 

Zabama, Zabema, Ziabema, s. Zabem. — Zincila, Zinzila, Zinzin- 
wilare, s. Zinsweiler. — ZuUenessheim, Zullineshaim, s. Zillisheim. — 
Zuzenheim, s. Zutzendorf. 



Das 

achte nnd nennte badische Eonstitntionsedikt. 

Aus den Akten des Grossh. General-Landesarchivs 

veröffentlicht durch 

Friedrich von Weech. 



In den Jahren 1807 — 1808 bearbeitete der Geheime Rat 
Johann Nikolaus Friedrich Brauer in einer Reihe von Edikten 
die „Konstitution" des durch die politischen Ereignisse der 
Jalire 1805 und 1806 bedeutend vergrösserten badischen 
Staates, nachdem einige Jahre früher in den 13 „Organisations- 
edikten" die wichtigsten Verhältnisse des öffentlichen Rechtes 
für den durch den Frieden von Luneville und die Säkulari- 
sationen aus der alten Markgrafschaft zu ansehnlichem Um- 
fang emporgewachsenen Staat eine neue Regelung erfahren 
hatten. 

Von den während der Jahre 1807 und 1808 entstandenen 
„Konstitutionsedikten" betraf das erste vom 14. Mai 
1807 die kirchliche Staatsverfassung des Grossherzogtums Baden, 
das zweite vom 14. Juli 1807 die Verfassung der Gemein- 
heiten, Körperschaften und Staatsanstalten, das dritte und 
vierte vom 22. Juli 1807 die Standesherrlichkeits- und 
Grundherrlichkeitsverfassung, das fünfte vom 12. August 1807 
die Lehensverfassung, das sechste vom 4. Juni 1808 die 
Grundverfassung der verschiedenen Stände. Ein siebentes 
Konstitutionsedikt, am 25. April 1809 veröffentlicht, betraf 
die dienerschaftliche Verfassung des Grossherzogtums.') 



*) Manche Stellen dieser Konstitutionsedikte kommen noch heute für 
das bürgerliche Recht in Betracht. Diese sind abgedruckt in dem Werk: 
Jiistizgesetze f. d. Grossherzogtum Baden Abtl. I. Civilrecht S. 572 ff. 



250 ^' Weech. 

Die Entwürfe zu einem achten und neunten Konstitutions- 
edikt haben bisher in den Akten geruht. 

Am 2. März 1808 hatte Brauer den Entwurf des achten 
Konstitutionsediktes, die innere Staatsverwaltung des Gross- 
herzogtums betr., vollendet. An diesem Tage richtete er an 
die Geheimen Räte Hofer*) und Fischer*) ein vertrauliches 
Schreiben, in welchem er die Adressaten bat, „die § 23 — 28, 
welche das Militär betreffen und worin alles aus der bisherigen 
Praxis entschöpft ist, bis auf den § 28, wozu der Fall nicht 
vorkam und wo ich daher Frankreichs Verfassung zum Muster 
nahm, mit den betreffenden Militärpersonen zu besprechen, 
ob etwas an Sache oder Fassung zu ändern wäre, desgleichen 
die § 29—32'), welche die Steuerverfassung angehen und 
worinn ich mir zum Grundsaz machte, nur gerade so viel zu 
sagen, um belegen zu können, man habe sich eine Verfassung 
geben und nicht schrankenlose Willkühr haben wollen und 
doch allen nach Umständen erwünschten Raum der Anwendung 
zu lassen, mit den Räthen des Finanzdepartements in gleicher 
Hinsicht zu besprechen**. Hinsichtlich der Erledigung seines 
Ersuchens bat er um Beschleunigung, „da alle Anzeichen vor- 
handen sind, dass, wenn wir nicht bald eine vollendete Konsti- 
tution, somit den Beleg dass es uns nicht zu thun sey, die 
durch Umwerfung der alten Staatsverfassung entstandene Ge- 
setz- und Rechts-Losigkeit zu verewigen, aufweisen können, 
man uns von aussen her eine Konstitution geben werde, wo- 
mit dann der Selbstständigkeit unseres verehrungswürdigsten 
Souveräns und dem Wohle des Landes, dessen Bedürfnissen 
dabey von der auswärtigen Verfassung schlecht bedacht wer- 
den würden".*) 

Nachdem Geheime Rat Brauer von den beiden genannten 
Kollegen den Entwurf mit deren Bemerkungen^) wieder zurück- 
erhalten und nach Berücksichtigung derselben im Polizei- 
departement des Geheimen Rates vorgetragen hatte und nach- 
dem hier über dessen übrige Fassung eine Vereinbarung ge- 



^) Joh. Bapt. y. Hofer, Mitglied des Geheimen Ratskollegiums, 1808 
Direktor des Finanzministeriums. — ') Karl Friedrich (seil 1819 Freiherr 
von) Fischer, Geheimerat und Direktor des Kriegskollegiums. — ') Diese 
Paragraphen sind aus dem Entwurf später entfernt worden und auch im 
Konzept nicht mehr vorhanden. — ^) Hier fehlen einige Worte, etwa: 
„nicht gedient wäre^. — ^) Die in den Akten nicht mehr erhalten sind. 



Das siebente and achte badisdie Konstitutiontedikt. 25 t 

troffen war, wurde der Entwurf am 29. März 1808 »zur PrtI- 
Aing und Genehmigung für den nachmaligen Vortrag an Seine 
Königliche Hoheit den Orossherzog^ an das Plenum des Ge- 
heimen Ratskollegiums gegeben. 

Während der Entwurf des achten Konstitutionsediktes sich 
zur Beratung im Geheimen Ratskollegium befand, erfolgte 
durch landesherrliche Verordnung vom 5. Juli 18080 ©ine 
neue Organisation der obersten Staatsbehörden. In dieser 
Verordnung wurde der Entschluss des Grossherzogs angekün- 
digt, „die Staatsverwaltung auf einfache und pragmatische 
Grundsätze, welche dem Geiste der Zeit entsprechen, zurück- 
zuführen''. Es wurde femer verfügt, „dass, nach Innhalt der 
darüber bereits erlassenen Rescripte, die verschiedenen Pro- 
vinzial-Gesetzgebungen aufgehoben und der Code Napoleon, 
als das vorzüglichere Resultat gesetzgebender Weisheit, mit 
einziger Rücksicht auf die, wegen der Landes-Eigenheiten not- 
wendigen Modificationen und die in Frankreich wieder neuer- 
dings eingeführten fideicommissarischen Eigenthums- Verhält- 
nisse, eingeführt werde". Weiterhin wurde erklärt, der Gross- 
herzog wolle „ein gleichförmiges, auf richtigen Verhältnissen 
beruhendes Abgabe-System gegründet, durch Tilgung der durch 
die Kriegs-Verhältnisse angewachsenen Schulden-Masse den 
Staats-Credit erhoben, und mittelst einer Landes-Repräsen- 
tation, wie sie in Westphalen und Bayern eingeführt worden, 
das Band zwischen uns und dem Staatsbürger noch fester, 
wie bisher, geknüpft wissen". 

Zur Bearbeitung des Code Napoleon wurde ebenfalls am 
5. Juli 1808 eine eigene Gesetzgebungskommission eingesetzt^) 
und zu deren Vorsitzenden der Staatsrat und Ministerial- 
direktor Brauer ernannt. Durch landesherrliche Verordnung 
vom 31. August 1808^) wurde eine Vermögenssteuer (Einkom- 
mensteuer) eingeführt und durch landesherrliche Verordnung^ 
vom 21. November 1808*) eine „Pragmatische Sanction über 
Staatsschulden und Staats- Veräusserungen, über Privatschulden 
des Souverains und der Mitglieder Seiner Familie" erlassen. 

Sowohl die zu dem Entwürfe Brauers gemachten Be- 



1) Kegierungsblatt Stück XXI vom 8. Juli 1808. — *) Begierungs- 
blatt Stück XXm vom 17. Juli 1808. — <) Regierungsblatt Stück XXX 
Tom 27. September 1808. — '«) Regierungsblatt Stück XXXYIII vom 
27. Noveinber 1808. 



iJ62 ^- Weech. 

merkuDgen mehrerer Mitglieder des Geheimen Ratskollegiums 
— bei den Akten befinden sich die Bemerkungen der Staats- 
räte Baumgärtner und Herzog und des Geheimen Rats 
y. Marschall — als auch die bevorstehende Einfuhrung des 
X3ode Napoleon veranlasste eine grosse Zahl von Veränderungen 
in dem Entwürfe. Durch die damals ebenfalls schon vor- 
bereitete Einführung einer Einkommensteuer und den Erlass 
der Staatsschuldenpragmatik wurde der Abschnitt des Ent- 
wurfs, der „die Steuergewalt** behandelte, überflüssig und von 
Brauer selbst aus seinem Entwürfe ausgeschieden.^) 

Der also abgeänderte Entwurf wurde von dem Plenum des 
Geheimen Ratskollegiums am 15. Juli 1808 zur Einbeförderung 
in das Kabinet gutgeheissen und am 2. August von dem 
Ministerium des Innern „Seiner Königlichen Hoheit dem Gross- 
herzog zur höchstgefälligen Entscbliessung** vorgelegt. Nach 
einer Aktenbemerkung kam der Entwurf aus dem Kabinet 
unerledigt ad acta zurück. Später gelangte er in das Grossh. 
Generallandesarchiv, wo er mit seinen Beilagen unter der Ru- 
brik „Gesetzesverfassung** bei den neueren Akten des Gross- 
herzogtums aufbewahrt wird. 

War dieses achte Konstitutionsedikt bestimmt, die Grund- 
sätze über «die innere Staatsverwaltung des Grossherzogtums** 
oder — wie der Titel im Verlaufe der Verhandlungen über 
den Entwurf festgestellt wurde — über „die Rechtsverhält- 
nisse der verschiedenen Zweige der Staatsgewalt** zu regeln, 
so sollte ein neuntes und letztes Konstitutionsedikt gewisser- 
massen das ganze in den vorhergehenden Konstitutionsedikten 
aufgeführte Gebäude der neuen Staatsordnung krönen durch 
grundgesetzliche Anordnungen „über die Gewährleistung der 
Staatsverfassung ** . 

Dem Entwürfe dieses Konstitutionsediktes liegen mehrere 
Aktenstücke bei, die den Nachweis liefern, dass die ersten 
Arbeiten, welche die Ausarbeitung einer Verfassung des 
Grossherzogtums Baden zum Zwecke hatten, bis in das Jahr 
1806 zurückreichen. 

Am 22. September 1806 legte Geheime Rat Brauer dem 
Grossherzog Karl Friedrich eine Denkschrift über Badens 
Verfassung vor, in welcher er die Notwendigkeit einer Kon- 



^) Das Konzept dieses Abschnittes ist leider nicht mehr vorhanden. 



Das siebente und achte badische Konstitutioiisedikt. 253= 

stitution und deren Grundzüge darlegte. Auf diese Vorlage^ 
erfolgte d. d. Baden 27. Oktober 1806 eine höchste Ent- 
Schliessung, laut welcher der Grossherzog sich von der Not- 
wendigkeit der Entwerfung einer solchen Konstitution über-^ 
zeugt erklärte, weitere Vorschläge des Geheimen Rats Brauer 
einforderte und insbesondere auch die Absicht aussprach, über 
den Entwurf Personen aus andern Ständen zu hören. 

Nunmehr wurden die acht Konstitutionsedikte ausgearbeitet 
und es war nur noch die Bearbeitung des neunten nötig, zu 
dessen Begründung Geheime Rat Brauer am 30. März 1808 
mit dem Entwurf dieses Ediktes die aus dem Jahre 1806 
stammenden Ausführungen wieder vorlegte. 

Zu dem Entwürfe machten die Staatsräte Meier und Herzog: 
Bemerkungen. Dann aber blieb er liegen, bis er durch Be- 
schluss vom 16. Juli 1808 ad acta gegeben wurde. 

Durch die oben angeführte landesherrliche Verordnung 
vom 5. Juli, welche die Einführung einer „Landes-Repräsen- 
tation^ ins Auge fasste, war der von dem Geheimen Rat Brauer 
bei Abfassung seines Entwurfes, der das Ministerium und das 
Oberhofgericht zu Wächtern und Gewährsmännern der Grund- 
verfassung des Grossherzogtums bestellt, eingenommene Stand- 
punkt verlassen. Die Entwürfe von Verfassungsurkunden, die 
nach dem 5. Juli 1808 ausgearbeitet wurden, sind von mir 
als Beilage I meiner „Geschichte der Badischen Verfassung*^ 
(Karlsruhe, A. Bielefelds Hof buchhandlung 1868) veröffentlicht 
worden. Einer derselben ist von dem Geheimen Rat Brauer 
verfasst, der sich nunmehr doch genötigt sah, die bis dahin 
so scharf bekämpfte und verworfene Landesrepräsentation in 
seinen neuen Entwurf aufzunehmen. Auch diese „Haupt- 
urkunde der Grundverfassung des Grossherzogtums Baden" *> 
blieb, wie das neunte Konstitutionsedikt, Entwurf. 

Der Entwurf dieses Konstitutionsedikts entging mir bei 
meiner Bearbeitung der Verfassungsgeschichte, bei welcher ich 
mit höchster Genehmigung Sr. Königl. Hoheit des Grossherzogs 
die damals im Grossh. Geh. Kabinet aufbewahrten Materialien 
benutzte. Inzwischen sind bei der Bildung des Grossh. Haus- 
und Staatsarchivs die erwähnten Materialien dieser Archiv- 
abteilung einverleibt worden. In dieselbe gelangte aber auch 



') Greschichte der Badischen Verfassung S. 176 ff. 



254 ▼• Weech. 

<ler Entwurf des neunten Eonstitutionsediktes, der bish^ in 
4er Registratur des Grossh. Staatsministeriams aufbewahrt 
worden war. Nunmehr beruht er mit jenen andern Materialien 
im Grossh. Haus- und Staa^archiv unter der Rubrik: 
III. Staatssachen, Staatsverfassung und Landstände. Durch 
allerhöchste Staatsministerial-Entschliessung vom 21. Juni 1891 
hat Se. König]. Hoheit der Grossherzog die Ermächtigung 
zur Veröffentlichung dieses Entwurfes gnädigst erteilt. 

So erheblich auch die Anschauungen und Grundsätze, auf 
denen die gerade 10 Jahre später, 5 Jahre nach Brauers 
(am 17. November 1813 erfolgtem) Tode, von Grossherzog 
Karl dem Grossherzogtum Baden erteilte Verfassung vom 
22. August 1818 beruht, deren Entwurf von Neben ins her- 
rührt, sich von den Gesichtspunkten unterscheiden, von wel- 
chen Brauer bei seinen gesetzgeberischen Arbeiten ausging, 
so dürften doch diese bis jetzt unbekannt gebliebenen^) Akten- 
stücke der Herausgabe wohl wert sein. Sie bilden einen 
wichtigen Beitrag zur Kenntnis der Ideen, von welchen die 
hochverdienten Staatsmänner eines Zeitabschnittes sich leiten 
Hessen, in welchem unser Land aus einer grossen Zahl ver* 
schiedener Territorien zu einem Staat im modernen Sinne 
des Wortes umgestaltet wurde. Diese Entwürfe sind zugleich 
ein neuer Beleg für das unermüdliche Streben des Geheimen 
Rats Brauer, „das öffentliche Recht ausserhalb des willkür- 
lichen Beliebens der momentanen Regierungsgewalt zu stellen 
und Garantieen des öffentlichen Rechtes zu schaffen".') Sie 
stellen sich als ein neuer gewichtiger Baustein zu dem un- 
vergänglichen Denkmal dar, welches sich dieser ausgezeichnete 
Staatsmann in seinen vielseitigen Arbeiten zur Neugestaltung 
unseres Staatswesens errichtet hat. 

Nachstehend kommen zum Abdruck: 

I. Der Entwurf des achten Konstitutionsediktes mit den 
Bemerkungen der Staatsräte Baumgärtner und Herzog und 
des Geheimen Rats von Marschall. 



^) Nur in den Bemerkungen des Staatsministers v. Gemmingen zu 
den späteren aus dem Jahre 1808 stammenden Verfassungsentwürfen {Ge- 
schichte der Bad. Yerüassung S. 175) findet sich ein kurzer Hinweis auf 
die Entwürfe des 8. und 9. Konstitutionsediktes. — ') Vgl E. Schenkel 
in dem Artikel J. N. Fr. Brauer in den Badischen Biographieen Bd. I 
S. 121. 



Das siebente und achte badisdie Konstitutionsedikt 255 

n. Do: Entwarf des neunten KonstitutionsedHctes mit 
dem (vorausgehenden) Antrag, die Vollendung der Konstitutions- 
edikte betr. und dessen Beilagen, sowie die Bemerkungen des 
Geheimen Rats Meier und des Staatsrats Herzog. 

Da die Entwürfe und die dazu gehörigen Bemerkungen 
sämtlich in der Urschrift der Verfasser vorliegen (Reinschriften 
scheinen nicht angefertigt worden zu sein), so haben wir im 
Abdruck die Schreibweise der Vorlagen unverändert beibehalten. 



I. 

Achtes Konstitutions Edikt 

"^[die innere Staatsverwaltung des Grossherzogthums] betr. 

Carl Friedrich etc. 
Nachdem Wir in mehreren vorausgegangenen EonstitationsEdikten 
es Uns zum angelegenen Geschäft machten, **[Unser Grossherzog- 
thnm nach Auflösung der alten Rechtsbande, die ehehin Herrn, Die- 
ner und Unterthanen durch die Kraft der deutschen Reichsverfassung 
in friedlichen Verbindungen und in wechselseitig ruhigem Zutrauen 
erhielten, durch neue grundgesezliche Bande zur Eintracht und Ruhe 
zusammenzuknüpfen und durch solches] aber das Rechtsverhältnis 
der Kirche zum Staat, tlber die Rechte der Körperschaften, der Staa- 
desherrschaften und Grundherrschaften, der Lehenlente, der ver- 
schiedenen Stände im Staat und der Staatsdiener die Gmndsäze aus- 
zusprechen, womach Wir Unsere lieben Angehörigen in allen diesen 
Beziehungen regieren zu wollen Uns gegen sie öffentlich bekennen: 
so geben Wir, fort wandelnd in diesem Vorhaben, anmit ***[der 
inneren Staatsverwaltung] ihre grundgesezliche Maase, indem 
Wir diejenige Regeln bezeichnen, womach die Ausübung jener Oberst- 
hoheitsrechte geschehen soll, die Uns der Rheinische Bundesvertrag 
über den Umfang Unserer in ein Grossherzogthum vereinten Lande 
und Gebiete gegeben und gesichert hat. Wenn zuerst 

die gesezgebende Gewalt an der Spize jener Obersthoheits- 
rechte erscheint, so erinnerte uns dieses t[schon obengedachter maa- 
sen auch] desto kräftiger an die Pflicht für neue Grundgeseze zu 
sorgen. Diesemnach 

* Die Rechtsverhältnisse der verschiedenen Zweige der Staatsgewalt. 
— ♦♦ omittatur. — **♦ den Rechtsverhältnissen der verschiedenen Zweige 
der Staatsgewalt. — f omittatur. 

') Die im Laufe der Durchberatung des Entwürfe abgeänderten SteUen 
sind in eckige Klammem eingeschlossen, die Abänderungen stehen unter 
dem Text. 



256 ▼• Weech. 

Stiitsgnudgesne. l) sind nun alsGrnndgeseze Unseres Gross- 
herzogthnms anzusehen a) der Rheinische BundesvertragO mit 
dem kraft desselben noch zu gewartenden Bundesstatut und den 
etwa daher Bezug habenden künftigen verfassungsmäsigen Bundes- 
schlüssen; b) die Staatsverträge*), welche Wir zu Berichtigung 
der näheren Anwendung jenes Vertrags mit andern Staats- und 
Kirchen-Regenten bereits abgeschlossen haben und femer noch ab- 
schliessen werden; c) die ""unter dem ausdrücklichen Namen der 
KonstitutionsEdikte') von Uns ergangene, auch von Uns oder 
Unseren Nachfolgern femer in gleicher Absicht und Kraft ergehende 
Aussprüche eines unwandelbaren Willens, womach die Regierung 
Unseres Staats besorgt werden solle. Kein anderes von Uns aus- 
fliessendes Gesez kann in diese Klasse gerechnet werden als jenes, 
das nicht entweder jenen Namen an der Stime trägt oder die Kraft 
dieses Namens dadurch nachweiset, dass es in Gleichförmigkeit mit 
dem Schluss des Ersten Unserer KonstitutionsEdikte erklärt, es solle 
jede Entgegenhandlung nicht nur ewige und unverjährbare Nichtig- 
keit und persönliche schwere Nichtigkeit nach sich ziehen, sondern 
auch niemand sich unterfangen, von Uns selbst etwas dagegen mit 
Rath oder That auszuwürken. Dergleichen Grundgeseze gelten so 
lang über Unseren Staat nicht neue Umwälzungen verhängt werden, 
welches Gott in Gnaden verhüten wolle, und so lang sie nicht unter 
Beobachtung der grundgesezlichen Formen, die die Konstitutions- 
Urkunde vorzeichnen wird, geändert oder hintangesezt werden. Wo 
jemand glaubte, dass er dagegen bedrängt wäre, so steht ihm dawider 
der Rechtsweg unter der in Unserm Edikt über die Verfassung des 
Oberhofgerichts dafür schon aufgestellten Form der Konstitutions- 
Sachen offen, über deren Ausführung demnächst noch das Nähere 
bestimmt werden wird. Zusäze können diese Grundgeseze erhalten, 
so oft neuer Stof erscheint, der zur Gründung dauerhafter Ruhe zwi- 
schen dem Regenten und Unterthanen einer solchen erklärten Ent- 
scheidung bedarf. Stof zu solchen Grundgesezen kann nur dasjenige 
seyn, was die Feststellung des Rechtsverhältnisses zwischen dem Re- 
genten einerseits und den Staatsangehörigen auf dem Staatsgebiet 
andererseits, oder zwischen den verschiedenen Klassen der Staats- 
angehörigen unter sich jedoch in Beziehung auf ihr Rechtsverhältniss 
zu dem Staat betrift. Zu ihrer Form gehört, dass ein eigens aus- 
gefertigtes Original dem obersten Gerichtshof zur Aufbewahrung und 
steten Festhaltung eingehändigt und ein anderes im HauptLandes- 

* addatur: allgemeine nächstens zu verkündende Konstitutions-Ur- 
kunde Unseres Grosherzogthums sammt denen 



^) Vereinigungsurkunde der Staaten des Rheinischen Bundes, unter- 
zeichnet zu Paris am 12. Juli 1806 bei Österreicher, Archiv des Rheini- 
schen Bundes 1. Stück (1806) S. 24 ff. — 2) Aufgeführt in der Geschicht- 
lichen Darstellung der Staatsverfeissung des Grossherzogtums Baden und 
der Verwaltung desselben von E. J. J. Pfister, Heidelberg 1829, I. Teil 
S. 58 — 84. — ^) Über die sieben Konstitutionsedikte s. die Einleitung. 



Das siebente und achte badische Konstitationsedikt. 257 

Archiv niedergelegt werde. *[Alle Privatverhältnisse, wenn sie auch 
unwandelbar festgestellt werden, so wie alles was blos die Hand- 
habong jener Staatsrechtlichen Verhältnisse oder ihre Leitung be- 
trifft, gehöret nicht zu dieser Klasse.] Die Grundgeseze gelten als 
solche von der Zeit an, wo die dadurch bezielte Einrichtungen in 
dem Staat zur Ausführung gebracht sind, mithin der Staat würklich 
darauf eingerichtet ist, *[wenn gleich etwa ihre öffentliche Verktln- 
düng später erfolgt wäre]. 

Staats-YerfassniiKsGesexe. 2) Da jene Grundgeseze nur die un- 
wandelbaren Rechtslinien zwischen dem Regenten und den Staats- 
bürgern ziehen, innerhalb welchen die freye Bewegungen der Staats- 
gewalt auf die Handlungen der Unterthanen zu Erzielung der ge- 
meinen Wohl£eurth zu würken haben, und da sie deshalb sich auf 
wesentliche Grundzüge der Verfassung beschränken; so müssen, um 
sie zur Ausführung zu bringen, die nach denen immer wandelbaren 
Zeitbedürfhissen veränderliche VerfassungsGeseze hinzukommen, 
welche theils die Einrichtung der verschiedenen Gewaltszweige im 
Staat und ihres einzelnen Würkungskreises mit der darauf angepassten 
Eintheilung des Staatsgebietes angeben (Organisations-Geseze), theils 
die Mittelpunkte vorzeichnen, welche in jedem einzelnen Gewalts- 
zweig zu Erreichung des gesammten findzwecks des Staats der Ziel- 
punkt der Bemühungen der damit beauftragten Staatsdiener werden 
sollen (Instruktionsgeseze). Alle diese bedürfen zu ihrer Form 
weiter nichts als die Ausfertigung und Belieferung an jene Verwal- 
tungsbehörden, deren Geschäftskreys damit bestimmt wird; wie weit 
die in der Regel vorzunehmende allgemeine Verkündung zur Nach- 
richt nach Beschaffenheit des Inhalts unterbleiben könne, oder etwa 
auch je einmahl unterbleiben müsse, bestimmt die gesezgebende Stelle, 
ohne deren ausdrückliches Gutheissen eine öffentliche nachrichtliche 
Verkündung nicht stattfindet. Dagegen können auch durch der- 
gleichen VerfassungsGeseze, die nicht allgemein verkündet sind, die 
Rechtsverhältnisse der Bürger unter sich und gegen den Staat in 
Nichts verändert werden. Jede Staatsbehörde, der gewisse Staats- 
diener zur Leitung untergeben sind, kann für diese dergleichen 
VerfassungsGeseze entwerfen, und zwar ohne Anfrage bey der obersten 
Behörde alsdann, wenn sie nur Verbindlichkeiten aussprechen, welche 
aus der schon bestehenden und vom Regenten angeordneten Ver- 
fassung hervorgehen, mithin weder Neue vorhin nicht vorhanden ge- 
wesene eingeführt, noch Alte, die vom Regenten nicht geordnet wa- 
ren, aufgehoben werden: hingegen zu Einer oder der Andern dieser 
Aenderungen wird ein durch Gutachten der obersten Staatsbehörde 
ordnungsmäsig vorbereitetes und erwürktes landesherrliches Gut- 
heissen erfordert. 

Bürger- und RechtsGeseze. 3) Jenen beederley Staatsgesezen 
gegenüber stehen die BürgerGeseze, welche die Verhältnisse des 
geselligen Lebens im Staat bestimmen. Unter ihnen stehen die 

* Omittatur, qua superfiuum et aequivocum. 

Zeitschr. f. Gesch. d. Oberrh. N.F. VlI. 2. 17 



258 ▼• Weech. 

Rechtsgeseze oben an: sie bestimmen die Befugnisse, welche 
bestimmten Handlungen oder Unterlassangen dem Handelnden gegen 
andre Staatsangehörige und Andren auf ihn znwachsen und die For- 
men anter welchen die Handlangen erscheinen müssen, am fftr die 
Erlangang jener Befugnisse zn genügen, oder unter welchen die Be- 
fugnisse ausgeübt werden müssen, um gegen den Widersprach des 
Andern ihm Würkung zu aeussern; sie geben also über das Mein 
und Dein des Bürgers und über dessen Erhaltung die gesezlichen 
Maase. Sie verhalten sich umgekehrt gegen die Grundgeseze: wanm 
diese nur möglichst allgemeine Grundzüge fest bestimmen; so sollen 
die Rechtsgeseze möglichst alle Lagen der Verhältnisse im Umris 
darstellen, in welche die Bürger durch ihre Handlungen gegen ein- 
ander kommen können, um ihnen feste Normen zu geben. *[AIm 
Rechtsbuch für Unser Grossherzogthum, das heisst als möglichst voll- 
ständige Sammlung der Rechtsbestimmungen über jene gesellige Yeiv 
hältnisse nehmen wir den schon von mehreren Staaten um seiner 
anerkannten Vorzüge willen angenommenen Kode Napoleon in der 
Maase an, dass er mit dem Anfang July des Jahres achtzehnhunderi 
und neun in Gesezeskraft treten soll *), biss wohin Wir nicht nur fikr 
Unser Land eine der hierländischen Rechtssprache angemessene Ver- 
deutschung besorgen, sondern ihr auch eine Anweisung der Modifi- 
kationen beyfügen lassen werden, unter welchen die Anwendung nach 
denen durch die Konstitution des Grossherzogthums bestättigten 
manchfachen Eigenheiten der hierländischen bürgerlichen Lebens- 
lagen geschehen könne und solle, ohne diese widerrechtlich zu be- 
nachtheiligen. In dieser Maase und von jenem Zeitpunkt an soll er 
dann für alles dasjenige Norm seyn, was nicht durch besondere ord- 
nungsmäsig bestätigte Orts- oder Familienrechte für einzelne Fälle 
anders geordnet ist oder durch Specialgeseze, welche Wir zugleich 
als fortdauernd erklären, oder künftig nachträglich zu verordnen gnt- 
finden, eine nähere Bestimmung erhalten wird, welche, immer nach 
dem Geist und Zusammenhang jenes Rechtsbuches, für begebende Fälle 
einzurichten. Wir Uns vorbehalten. Dem kanonischen Rechte kann 
von jener Zeit an für die Gerichte Unseres Staats gar keine, und 
dem römischen Rechte nur eine wissenschaftliche auslegende Kraft 
bey Fragen über den Sinn jenes Rechtsbuchs gegönnet werden; so 
wie auch von jener Zeit an alle die einzelnen Landrechte, die bisher 
bey Uns bestanden sind, ausser Kraft und Würksamkeit trotten wie 
nicht weniger alle nicht zugleich oder späterhin ausdrücklich er- 
neuerte einzelne Rechtsverordnungen.] Niemand kann jedoch Rechts- 

* Omittatur et pouatur: Wir haben desfalls mit Abschaffung aller 
entgegenstehenden älteren Rechte und Gewohnheiten den Kode Napoleon 
mit Zusäzen als Landrecht Unseres Grosherzogthums angenommen, dem 
daher auch allein in allem dem nachzugehen ist, was nicht in nachfolgen- 
den verfEkssungsmäsigen Gesezen näher und anders bestimmt wird. 

') Das auf Grund des Code Napoleon von Brauer bearbeitete neue 
Lindrecht trat mit dem 1. Januar 1810 in die Gesetzeskraft. 



Das nebento und achte badische Konstitutionsedikt. 259 

geseze in Unserem Staate geben, als Wir durch Unsere oberste 
Staatsbehörde, an welche also alle jene sich zu wenden haben, die 
nötiiig finden würden, dass in diesem Fach irgend eine mangelnde 
Bestimmung irgend eines gesellschaftlichen Lebensverhältnisses nach- 
getragen werde. 

Bürger and Strifgesexe. 4) Der Rechtsgesezgebung zur Seite 
stehen die Strafgeseze 

I. Für Uebertrettungen jener Pflichten des geselligen Lebens, 
welche durch die Vernunft allgemein erkennbar, daher vollkommen 
Pflichten sind, oder der besonderen Pflichten, welche durch die Staats- 
verfassung bedingt und durch die Staatsgeseze in dem Umfang dieser 
Pflichten für begriffen ausdrücklich erklärt sind, bestimmt die Straf- 
gesezgebung die Genugthuung, welche der Uebertretter dem Staat 
und dem beleidigten Staatsbürger schuldig wird, und die Art wie die 
Uebertrettung sowohl als die Genugthuung zu erheben sey. Diese 
Genugthuung besteht in dem Ersaz des Schadens, der dem Beleidigten 
zugegangen ist, soweit der Fall eines ersezbaren Schadens vorhanden 
ist, und in der Strafe oder der Erduldung der durch das Gesez der 
Handlung beygcsellten widrigen Folgen. Wer aus Unbedachtsamkeit 
ohne einen eigensüchtigen Yortheil für sich oder einen feindselichen 
Nachtheil für Andere zu suchen, Handlungen begeht, von welchen 
vernünftigerweise vorausgesehen werden konnte, dass sie Andern 
schädlich werden mochten, oder von welchen ein Gesez durch sein 
Yerbott die Stelle einer solchen Voraussicht ersezte, der ist einer 
Verfehlung schuldig. Jede Verfehlung muss geahndet werden; 
die Ahndung kann nur in gelinden, in jedem Wiederholungsüali 
zwar wiederhohlten, aber deswegen nicht steigenden Straftnitteln be- 
stehen, welche zur Erziehung für die Bedachtsamkeit, mitbin zur 
Entwöhnung von der Unbedachtsamkeit berechnet sind, und wovon 
deswegen die Wahl der Gattung und des Grads der Strafe aus denen, 
4ie innerhalb des Umfangs der Ahndungen liegen, in die WiUkühr 
4er Obrigkeit ausgesezt seyn darf. Nur Verweise, nemlich ein mit 
mehrerer oder minderer Feyerlichkeit erklärter Tadel, Geldbussen 
oder Strafen an Geld, die so gering sind, dass sie in den gewöhn- 
lichen Fällen aus Ersparnissen des Ertrags des Vermögens und der 
Gewerbsamkeit des Bestraften, ohne Abbruch der Lebensnothdurft 
■nd ohne Vermögensangrif bestritten werden können, Verhaft oder 
Beraubung der Freyheit bey mäsiger jedoch gewohnter Kost mit er- 
laubt bleibender Gelegenheit zum Umgang und Zwangsarbeit, oder 
Anhaltung, biss zu einem gewissen Ertrag oder zu einer bestimmten 
Anstrengung standesmäsige Arbeiten zu verrichten, endlich, jedoch 
nur bey noch minderjährigen Leuten, Hauszüchtigung, das ist 
solche wie sie von Eltern und Erziehern bey Personen gleicher Er- 
ziehung und Bildung angewendet werden kann und darf, sind er- 
laubte Gattungen der Ahndung. Die polizeyliche Strafgesez- 
gebung bestimmt die Verfehlungen und ilu^e Ahndungen; wo 
sie leztere in die WiUkühr des Richters sezt, muss sie ein Aeusserstes 
der WiUkühr bestimmen. Obwohl sie in ihrer ganzen Fülle nur Uns 

17* 



260 ^- Weech. 

und Unseren obersten Staatsbehörden inkommt, so kann jedoch auch 
jede mittlere Staatsverwaltungsbehörde in ihrer Provinz nnd jeder 
Standesherr oder Grandherr in seinem Gebiet sich derselben soweit 
bedienen, als Unsere allgemeine Gesezgebnng noch Fälle nnbestinunt 
gelassen hat, die ihnen vorkommen, deren Ausflüsse alsdann aber 
eben wegen jener Unterordnung unter die Geseze, niemals selbst Ge- 
seze, sondern lediglich Verordnungen oder Gebotte und Ver- 
bott e sind. Niemals kann dieses Recht der Gebotte und Verbotte 
zu einer Aenderung oder Nichtbefolgung Unserer allgemeinen Polizey- 
geseze missbraucht werden. II. Wer ohne durch öftere Wiederhohl ung^ 
sich als unverbesserlich ausgezeichnet zu haben, einen eigennüzigen 
Vortheil sucht, von dem er weis oder wissen kann und soll , dass er 
nicht ohne Verlezung der Rechte eines Andern bezogen werden mag 
für dessen Erwürkung er jedoch keine hinterlistige Voranstalten und 
Gewalt gegen den Andern oder gegen dessen Verwahrungsvorsorge 
unternimmt und keine besonders gelobte Pflichten fUr Abwendung 
des Nachtheils von dem Andern übertritt, oder wer empfangene würk- 
liche oder vermeintliche Beleidigungen ausser dem Fall einer Noth- 
wehr eigensüchtig rächt, ohne doch durch besondere Bösartigkeit sich 
als einen der Staatssicherheit überhaupt geföhrlichen Menschen zu 
zeigen, der macht sich eines Vergehens schuldig. Jedes Vergehen 
muss gebüsst werden. Die Bussen begnügen sich zwar ebenfalls 
mit gelinden, jedoch in jedem neueren Uebertrettungsfall nicht blos 
zu wiederhohlenden , sondern zugleich zu schärfenden Strafmitteln, 
von denen noch immer der Hauptzweck, nemlich derjenige, welcher 
die Gesezverfassung leitet, in der Besserung des Thäters bestehen 
muss, denen aber als Nebenzweck, den besonders der Richter in der 
Anwendung zunächst auffassen muss, die Vergeltung sich beygesellet, 
nemlich die Erweckung solcher LeidensEmpfindungen in dem Ueber- 
tretter, welche zu jenen im Ebenmaas stehen, die dieser in dem be- 
leidigten und in den übrigen in der Vorstellung ihrer Sicherheit durch 
ihn gestörten Staatsbürgern erweckte und dadurch die durch ihn ver- 
lezte Rechtsgleichheit herstellen, Geld-Strafen oder solche Strafen 
an Geld, die nicht auf den ErwerbsErtrag beschränkt sind, sondern 
auch das Vermögen selbst angreifen können, und Vermögensstrafen, 
womit dieses selbst verwürkt wird; Einthürmung oder Gefangen- 
schaft mit schmaler Kost und beschränktem Umgang; öffentliche 
Arbeiten in oder ausser eigenen Arbeitsanstalten; und Haus- 
Züchtigung ebenfalls nur bey Minderjährigen, sind die erlaubte 
Gattungen der Bussen. ÜI. Wer mit einer Handlung zunächst nicht 
seinen Nuzen, sondern lediglich den Schaden des Andern mit Hinter- 
list oder anderer Bösartigkeit sucht, ingleichen wer seinen Nuzen in 
der Beschädigung des Andern mit besonderen Anstalten auf Vereite- 
lung der VerwahrungsSorge desselben, mit Uebertrettung besonderer 
Pflichten, mit Unverbesserlichkeit oder mit gefährlicher Hinterlist 
sucht, der ist, wenn nicht der angerichtete Schaden so geringfügig 
geblieben ist, dass ihn niemand leicht achtet, eines Verbrechens 
schuldig: sie fordern die Rache der Greseze auf, nemlich Strafmittel, 



Das siebente und achte badische Konstitutionsedikt 261 

welche nicht blos Yergeltnng, sondern auch AbscheuErwecknng and 
StaatsSichemng zum Hauptzweck haben, und bey welchen die 
Bessernng des Thäters nor untergeordneten Rang einnimmt, welche ^ 
auch nach Wiederhohlung oder Bösartigkeit der einzelnen Handlung 
steigen; dafür steht der Zugriff auf Ehre, Leib und Leben des Thttters 
dem Gesez zu. Die Rache wider Verbrechen, wie die Busse der 
Vergehen kann allein der Regent durch seine oberste Staatsbehörde 
gesezlich bestimmen ; jeder Eingrif, den eine untergeordnete Landes- 
standes- oder grundherrliche Stelle in diese Gesezgebung wagen 
würde, wäre ein Staatsvergehen. Biss dahin dass Wir ein auf obige 
Grundzüge abgetheiltes eigenes Strafgesezbuch verkünden lassen wer- 
den, vertritt wie bisher das Edict über die Strafgerechtigkeitspflege*) 
mit denen nachgefolgten Ergänzungsgesezen und Rechtsbelehrungen 
dessen Stelle. 

VerkünduDg und Kraft der Geseze. 5) Die Geseze werden würksam 
durch Ausspruch des Landesherm aber sie verbinden nur durch ihre 
Verkündung, welche durch Abdruck in den Staatsblättern, durch 
besondere Umtheilung sammt öffentlichem Anschlag, durch Ver- 
lesung in Volksversammlungen, und durch Umsage oder öffent- 
lichen Aufruf geschehen kann. Sie verbinden alle Staatsbürger, 
auch alle Staatsangehörige und Fremde in Bezug auf jene Gegen- 
stände wegen deren solche Staatsangehörig sind. Sie verbinden die 
Staatsbürger ausser Landes wie im Lande, soweit nicht die Natur 
dessen, was sie gebieten oder verbieten, oder ein ausdrücklich er- 
klärter Wille des Gesezgebers ihre Befolgung an das Inland heftet, 
und soweit nicht im Ausland die Herrschaft der dortigen Staatsgeseze, 
unter denen man sich aufhält, solche Befolgung dort unmöglich macht. 
Verordnungen, auch Ge- und Verbotte untergeordneter Staatsbehör- 
den haben diese nachfolgende ihr Gebiet überschreitende Kraft nicht. 
Die Geseze verbinden, wenn nicht ein besonderer Anfangstermin ihrer 
Würkung darinn angesezt ist, jeden von dem Moment an, wo sie 
nach ordnungsmäsiger Verkündung als bekannt anzunehmen sind. 
*[Für bekannt angenommen mftssen werden, die durch Einrückung 
in Staatsblätter verkündete Geseze zehn Tag nach dem Datum des 
erschienenen Blatts, die auf jede andere Art verkündete den Tag 
nach der Verkündung. Ge- und Verbotte aber unmittelbar nach der 
Verkündung.] Ein Beweis der Unbekanntschaft mit dem Gesez kann 
nur demjenigen zugelassen werden und zu gut kommen, der zur Ver- 
kündungszeit nicht im Lande war und nur für die ersten dreysig 
Tage seiner Rückkehr oder seines Eintritts in das Land: ihre Würkung 
bestimmen die Rechts- und Strafgeseze. Kein Gesez kann veralten 
oder entkräftet werden, das heisst durch Nichtgebrauch oder durch 
entgegengesezten Gebrauch seine Kraft verlieren; kein Herkommen 
und keine Gewohnheit kann als Rechtsquelle zugelassen werden: nur 
der wohl überlegte, ausgesprochene und verkündete Wille des Re- 

* omittatur als durch Code Napoleon bestimmt. 

■ » 

^) Achtes Organisationsedikt vom 4. Apr. 1803. 



262 ▼' Weech. 

genten, niemals ein ans Nachsicht, ans beylänfigen Aenssemngen oder 
ans anderen äusseren Vorgängen verrnntheter Wille desselben, am 
wenigsten eine ihm gar unbekannt gebliebene Eigenmacht der Diener 
oder ünterthanen, habe sie gedauert wie lang sie wolle, kann kOnftig 
gesezliche Vorschriften begründen oder sie ausser Exaft sezen; wohl 
aber mag langjährige Vernachlässigung der Befolgung und Hand- 
habung eines Gesezes die Sträflichkeit der Uebertrettung mindern. 
^[Vorderes Herkommen muss um künftig GesezNorm zu behalten, dem 
lÄndesHerm zur Prüfung und nach Befund zur schriftlichen Be- 
stättigung vorgelegt werden.] 

Widerstreit und Erklärung der Geseze. 6) Widerspruch zwi- 
schen mehreren Gesezen darf niemals angenommen werden, es seye 
denn eine Aenderung als Absicht des Gesezgebers ausgesprochen 
worden, oder es befinde sich, dass die Folgen zweyer Geseze nicht 
blos beschränkend sondern zerstörend auf einander würken würden, 
mithin neben einander nicht bestehen können. Wo es vorhanden ist, 
da muss, wenn beede Geseze gleicher Art sind, das jüngere dem 
älteren vorgehen: sind sie verschiedener Art, so geht ein wenn 
gleich älteres Grundgesez allen andern Arten der Staatsgeseze, 
mithin allen Verfassungs- und Bürgergesezen vor, da diese alle 
nur so weit Würksamkeit haben können, als sie mit den Grund- 
gesezen sich vertragen; Rechts- und Straf-Geseze gehen den Ver- 
fassungsGesezen so lang vor, als diese nicht ausdrücklich eine 
Aufhebung einer oder anderer Disposition der Ersteren aussprechen, 
und alsdann zugleich allgemein zur Wissenschaft verkündet sind. 
Zwischen Rechts- und Strafgesezen geht in Bezug auf Bestim- 
mung der Rechte die einem Staatsbürger gegen den Andern zustehen, 
das Rechtsgesez vor; dagegen in Hinsicht auf Bestimmung der 
Rechte der Obrigkeit, welche durch eine Uebertrettung begründet 
werden, gehet das Strafgesez vor, wenn das Rechtsgesez gleich jünger 
ist, dafern nicht in dem jüngeren die Absicht das ältere auch in seiner 
eigenthümlichen Beziehung zu ändern, ausgedrückt ist, mithin das 
Gesez zugleich ein Rechts- und ein Strafgesez nach dem Willen 
des Gesezgebers vorstellen soll. Wo die Gattung des Einen und An- 
dern der widersprechenden Geseze wegen ihrer gemischten Natur 
zweifelhaft wäre, da kann nur eine landesherrliche Erklärung den 
Ausschlag geben. Auch über Dunkelheiten und Zweydeutigkeiten 
der Geseze kann nur sie. und niemals die Privatansicht der Obrig- 
keiten und Richter entscheiden , sobald jene von der Art sind , dass 
die Worte und der Zusammenhang derselben unter sich und mit 
andern Gesezen vernünftiger Weise einen mehrfachen Sinn oder eine 
verschiedenartige Anwendung zulassen, und nun nur aus der Ab- 
sicht des Gesezgebers bestimmt werden muss, welches der beab- 
sichtigte Sinn sey. Hierüber müssen zwar in einem vorliegenden. 
Fall die Richter nach bestem Wissen und Gewissen sprechen aber 
damit künftigen Fällen nicht Maas geben wollen, sondern sie müssen 
durch einen Bericht der die Gründe Für und Wider, der aber nicht 

* Omittatur per Code Kapoleon. 



Das siebente und achte badische Konstitutionsedikt. 263 

den Fall und nicht die betheiligte Personen, darleget, die Obrist- 
herrliche Entscheidung veranlassen. 

Yorrechtsbriefe. 7) Der Gesezgeber und Er allein kann Vor- 
rechtsbriefe geben (Privilegien), das ist sondere Geseze, womit 
einem Ort, einem Stand, oder einer Person bleibende Vorzüge und 
fortdauernde Ausnahmen von der Verfassung oder von den allge- 
meinen Gesezen des Staats .ertheilt werden. Keine können gegen die 
Grundgeseze Unseres Grosherzogthums erlangt werden, auch keine 
wodurch der Gewinn, den der Befreyte daraus zöge, als Last auf die 
flbrige Staatsbürger unmittelbar, folglich in anderer und stärkerer 
Maase übergewälzt würde, als er ohne jene Befreyung auf sie hätte 
kommen können. Sie gelten von dem Zeitpunkt an, wo die regenten- 
amtliche Bewilligung verfassungsmässig ausgefertigt, und dem Be- 
gnadigten eingeliefert worden; sie äussern jedoch — wenn sie nicht 
in den Gesezblättem verkündet worden — ihre Kraft nur gegen den, 
welchem sie urkundlich bekannt gemacht worden. Sie gelten so lang 
als sie nicht erloschen, verfallen oder widerrufen sind. Ein Vor- 
rechtsbrief erlöscht durch Ablauf der Zeit, die der Verwilligung aus- 
drücklich vorgemessen ist, oder durch Absterben der Person, der sie 
gegeben ist, so lang sie nicht durch ihre Fassung oder durch ihre 
Natur oder durch allgemeine Geseze für erblich in der Familie oder 
auch für veräusserlich auf andre ausser der Familie erklärt ist, oder 
endlich durch Absterben des Gebers bey jenen, die ausdrücklich auf 
Wohlgefallen hin ertheilt sind. Ein Vorrechtsbrief verfällt durch 
böslichen oder hartnäckigen Misbrauch, das heisst wenn der Be- 
gnadigte gegen die Absicht der Bewilligung und zum Schaden des 
Staats oder der Staatsbürger wissentlich und vorsäzlich sein erlangtes 
Vorrecht ausübt, oder aus Leichtsinn und Eigennüzigkeit einen ande- 
ren und stärkeren Gewinn daraus zu ziehen sucht, als der in der 
Absicht des Gebers liegen und von ihm dabey vorausgesehen werden 
konnte, sofort nach zweymalig fruchtlos angewendeter Warnung zum 
drittenmahl in einem vortheiligen Misbrauch sich betreten lässt. 
Widerrufen können werden alle Vorrechtsbriefe, in denen Aen- 
derung oder Widerruf vorbehalten ist, ingleichen alle, welche nicht 
durch Grundgeseze gegeben sind, und durch Umstände, die der Ge- 
ber nicht voraussehen konnte, für andre Staatsbürger weit drücken- 
der und lästiger werden, als sie es zur Zeit der Verwilligung unter 
den damaligen Umständen waren; keineswegs aber blos dadurch, 
dass sie dem Empfanger einen wichtigeren Gewinn abwerfen, und 
dem Staat einen wichtigeren entziehen, als man vorausgesehen hatte; 
ferner alle welche wegen übermächtigem äusseren Ueberdrang nicht 
ohne Besorgniss die Staatsverfassung umgewälzt oder den Staat feind- 
lich behandelt zu sehen, gebalten werden könnten; endlich jene, welche 
Stammgutsberechtigte Familien oder Gemeinden und Körperschaften 
ausserhalb der Grundgeseze auf gültige Art erlangt haben, und 
nicht bey jeder RegierungsVeränderung zur Erneuerung vorlegen; 
nur muss in den beeden mittleren Fällen billiger Ersaz des auf dem 
Genuss der Freyheit gemachten, und durch den Gewinn daraus noch 



264 V. Weech. 

nicht vergüteten Aufwands, und Vergütung desjenigen Gewinns, den 
der Begnadigte nach jenen Umständen, unter welchen er die Begna- 
digung erhielt, damals davon machen konnte, nicht aber des weiteren, 
den etwa spätere unvorauszusehende Umstände ihm zugesellt hatten^ 
zu Theil werden. Bezahlte, zur Belohnung gegebene, oder firey- 
geschenkte Vorrechtsbriefe haben übrigens gleiche Dauer, und gleiche 
Abänderlichkeit und wQrkt diese Verschiedenheit in Anwendung obiger 
örundsäze keinen Unterschied. Von widersprechenden Vorrechts- 
briefen gilt der ältere; der jüngere würkt nur einen Rückgriff auf 
den Staat zur vollen Entschädigung wegen alles daraus entstandenen 
fruchtlosen Aufwands, nicht aber auf eine Gewährung des daraus 
gehofften Gewinns; der Widerspruch eines Vorrechtsbriefs gegen ein 
allgemeines Gesez entkräftet jenen nicht, sondern vereigenschaftet 
ihn zur Ausnahme, daher auch durch kein jüngeres allgemeines Gesez 
ein älterer Gnadenbrief für widerrufen geachtet wird, wenn es nicht 
den Widerruf für Fälle, wo er stattfindet, bestimmt ausspricht. Zwey- 
deutige oder dunkle Privilegien, soweit eine Beschränkung anderer 
Staatsbürger daraus folgt, gestatten nur den engsten Sinn, das heisst 
ihr Umfang muss eingeschi-änkt werden, soweit es ohne Verdrehung 
der Worte oder Vereitelung alles Vorzugs vernünftiger Weise ge- 
schehen kann ; jenen, welche nur eine Beschränkung der Staatsregie- 
rung in ihren Maasnahmen oder in ihrem bleibenden Einkommen zur 
Folge haben, gebühret ein mittlerer Sinn, das heisst eine solche 
Beschränkung ihres Umfangs, wodurch weder der Verfasser des Vor- 
rechtsbriefs einer Nichtvoraussicht wohlvoraussehbarer Folgen schuldig, 
noch der Vorzug oder die Ausnahme für den Empfänger von merck- 
lich gemindertem Gewinn würde; endlich jenen, die nur eine vor- 
übergehende Belästigung des landesherrlichen oder Staatsbeutels 
bewürcken, muss der volleste Sinn gegönnt werden, nemlich der 
ganze Umfang, den eine vernünftige Auslegung an Hand geben kann, 
wenn sie die Worte in dem gesezlichen Sprachgebrauch und wo dieser 
ermangelt in dem landesüblichen nimmt. 

Nachsichts- und Bewilligungg- Briefe. 8) Verwandt mit den Vor- 
rechtsbriefen sind die Nachsichtsbriefe (Dispensationen) und die 
Bewilligungsbriefe (Koncessionen). Durch Ersterc wird eben- 
falls eine Ausnahme von Staatsgesezen und Verfassungen, aber nur 
für einen einigen vorübergehenden Vorgang ; nicht für eine bleibende 
Reihe von Handlungen verwilligt; von ihnen gilt daher auch alles 
<iasjenige, was von Gnadenbriefen gesagt ist und in der Anwendung 
gedacht werden kann; ohne ein bleibendes Recht zu unterstellen 
nur aber kann deren Ertheilung, bey der geringeren Wichtigkeit der 
einzelnen Fälle zu den niederen Herrlichkeiten gehören oder zu den 
Obrigkeitlichen Gewaltübungen die mittheilbar sind an verwaltende 
Staatsstellen und an Standes- und Grundherrschaften; niemand kann 
jedoch ihre Ertheilung sich anmaasen, ohne eine Staatsbewilligung 
dieser Befugnis aufweisen zu können, niemand im Umfang, in der 
Form, und in der Würckung etwas Mehreres in dieselbe legen, ab 
durch die Verfassungsgeseze oder Vorrechtsbriefe gestattet ist. Keine 



Das giebente und achte badische Kpnstitutionsedikt. 265 

können über bürgerliche Rechtsverhältnisse Ausnahmen gestatten, 
wozu im bürgerlichen Gresez die Befugniss nicht vorbehalten ist. 
Hewilligungsbriefe hingegen oder Urkunden, dass jemand zu dieser 
oder jener staatsbürgerlichen Gewerbsbefugniss die erforderliche Eigen- 
schaften würklich oder mittelst erlangter Nachsichtsbriefe nach- 
gewiesen und daraufhin bei ermangelnden anderweiten Hindernissen 
die erforderliche obrigkeitliche Ermächtigung erhalten habe, gehören 
der aeusseren Aehulichkeit ohnerachtet gar nicht hieher, da sie keine 
i^oszählung von verbietenden Gesezen, sondern nur eine Vereigen- 
schaftung zu erlaubten Unternehmung[en] beurkunden. Diese liegen 
in dem Umfang jeder höheren oder niederen Obrigkeitlichen Gewalt, 
je nach dem GewaltMaas, das ihr selbst eigen ist; nicht ausgedrückte 
Hewilligungsbefugnisse werden hier allemahl einer Stelle zu- oder 
aberkannt, je nach der Rechtsähnlichkeit, die sie mit den ausdrück- 
lich beygelegten oder mit den versagten Bewilligungsbefugnissen haben. 
RecbtsErwiederong und RechtsYergeltung. 9) So wie die Gesez- 
Kebende Gewalt allein Recht und Unrecht für die Staatsbürger be- 
stimmen kann, dieses aber gewöhnlich nach den Angaben des natür- 
lichen Rechts und der durchgehenden Billigkeit bestimmt wird, so 
kann sie auch allein für jene Fälle, wo den Staatsbürgern im Aus- 
land durch gesezmässige Zurücksezung oder ungesezmässige Gering- 
schäznng ihrer Gerechtsame Nachtheil wiederfährt, den die betref- 
fende Staatsgewalt auf Verwendung der hiesigen Obersten Behörden 
nicht beseitigen will, dem schuldigen Staatsschuz, der auf jenem ge- 
lindren Wege das Ziel nicht erreichte, durch RechtsErwiedrung 
(Retorsion) und Rechts Vergeltung (Repressalien) Nachdruck ver- 
leiben . RechtsErwiederung geschiehet dadurch , dass eine Zurück- 
sezung, welche ein fremder Staat im Rechte denen Fremden gegen 
seine Staatsgenosseu zuerkennet, und welche er auf Verwendung den 
hiesigen Staatsangehörigen nicht erlassen will, nun auch seinen Bür- 
gern hierlands widerfährt, ohnerachtet die hiesige Verfassung keinen 
Unterschied des Rechts für Fremde und Angehörige kennet. Sie 
kann von keiner unteren Staatsbehörde zur Hand genommen werden, 
wo sie nicht entweder für gewisse Fälle durch die Rechtsgeseze über- 
liaupt begründet, oder gegen einzelne Staaten besonders von der 
obersten Staatsbehörde angeordnet ist. Sie kann, wo sie einmahl 
eingetretten ist, durch den blossen Beweis, dass in einem einzelnen 
Fall jene Zurücksetzung von dem Staat nicht in Ausübung gebracht 
ward, nicht abgelehnt werden; sondern nur durch die Bescheinigung, 
dass er die Ausübung jener Zurücksezung gegen hiesige Staats- 
angehörige für alle Fälle untersagt habe. Sie kann als wohlerwor- 
benes Recht von einzelnen hiesigen Staatsbürgern nur in jenem Fall 
angesprochen werden, wo ein noch bestehendes Gesez sie allgemein 
für gewisse Fälle geordnet hat. Sie kann niemals begehrt werden 
für ein, wenn gleich hartes und von der hierländischen Verfassung 
abweichendes Recht, das ein anderer Staat bey sich, aber ohne Unter- 
schied für Fremd und Einheimisch aufgestellt hat; indem dieses zwar 
wohl, wenn Wir es gutfinden, bey Uns ebenso allgemein eingeführt, 



266 ▼• Weech. 

aber niemals allein gegen jene Staatsgenossen Erwiederangsweise 
gebraucht werden könnten. Rechtsvergeltung tritt ein, wo in 
einem anderen Staat gegen diesseitige Unterthanen gesezlose (rewalt 
angewandt oder ihr Ansuchen um Rechtsgehör unerledigt gelassen» 
und damit das Recht versagt oder verzogen wird und die Staatsver- 
wendung gegen diese Unbilde fruchtlos blieb; und sie unterwirft die 
Angehörige des andern Staats einer auch gesezlosen Behandlung bis 
zu erlangter Genugthuung für jenen RechtsUnfug. Niemals kann sie 
ohne eine für den vorliegenden Fall gegebene, die Person, die 
es treffen darf, und den Grad der Gesezlosigkeit, der gegen sie 
stattfinden mag genau bestimmende Anordnung der obersten Staats^ 
behörde statt finden. Kein Unterthan hat jemals ein wohlerworbenes 
Recht sie zu verlangen; auch wenn er sie bewilligt, erlangt er da- 
durch kein Recht zu begehren, dass sie nicht vor erreichtem End- 
zweck wieder aufgehoben werde; indem allein die Rücksicht auf die 
Rechts- und GewaltsVerhältnisse beeder Staaten, und die Aussicht 
auf die Folgen« welche die Rechtsvergeltung für das allgemeine Staats^ 
wohl haben mag, hierunter den Ausschlag geben können. Ebenso- 
wenig hat derjenige der sie nachsuchte und erhielt, wann in der 
Folge gegen seine Erwartung für ihn daraus überwiegender Nach- 
theil entspringt, desfalls einen Rückgriff auf den Staat zu dessen 
Abwendung oder Ersaz. 
Was hiemächst 

II. die Obristrichterliche Gewalt anlangt, so liegt kraft 
derselben 

Landesberrlichei Recht bei der Rechtspflege 10) Uns zwar allge- 
mein die Sorge auf, dass in keinem Fall einem Staatsbürger wider 
seinen Willen etwas für Recht, mithin für Folge aus dem Gesez in 
Anwendung auf seinen vorliegenden Fall aufgedrungen werde, das 
nicht nach hinlänglicher Erforschung der einschlagenden Umstände 
auf vorgängige ordnungsmäsige Anhörung seiner Widersprnchsgründe 
durch geordnete Richter für Recht erklärt sey; keineswegs aber die 
Pflicht, Selbst Einsicht von den Umständen der strittigen Fälle zu 
nehmen, und die GesezAnwendung auf sie zu bestimmen. Von Uns 
allein können die Gerichtsordnungen ausgehen, Uns müssen die Richter 
verpflichtet seyn, von wem sie übrigens verfassungsmäsig ernannt, 
angestellt, und besoldet seyen; nur Unseren Gerichten können sie 
wegen der Rechtsverwaltung persönlich verantwortlich seyn; vor 
Unseren Obergerichten müssen sie die Gesezmässigkeit ihrer Aus- 
sprüche in den obergerichtsordnungsmäsigen Fällen rechtfertigen; 
von Uns können Sie durch Strafbefehle und Strafen zur Abstellung 
etwaiger Rechtsverzögerungen oder Yersagungen angehalten werden: 
aber keine Parthie kann von Uns oder Unserer obersten Staats- 
behörde eine Prüfung des Inhalts eines Rechtsspruchs der Gerichte 
oder einen Aufenthalt der Vollziehung desselben zum Behuf einer 
weiteren ßeurtheilung der Sache verlangen; indem Wir Unserer 
eigenen Ueberzeugung oder jener Unserer obersten Staatsbehörden 
keinen Einfluss in die Rechtsanwendung zwischen einzelnen Partheyen 



Das siebente und achte badische Konstitutionsedikt. 26T 

gestatten. Nur das bleibt Uns kraft der Obhut über die Gese^beob- 
achtang vorbehalten, dass, wo Wir in dem Gang der Rechtssache 
eine Hintanseznng der Gerichtsordnung oder eine üeberschreitung 
der richterlichen Gewalt nach angehörtem Rat Unserer betreffenden 
obersten Staatsstelle vorhanden erachten, Wir Amtshalber und nnan- 
gesehen der etwa von der Parthie versäumten Fatalien, die Sache 
vor das nächste Obergericht zu Ertheilung eines Erkenntnisses über 
den Rechtsbestand des Verfahrens verweisen können, damit solches 
über die ihm anzuzeigende Hintanseznng oder Üeberschreitung er- 
kenne, und im Fall sie richtig und erheblich befunden wird, einem 
andern Untergericht an des Ersten Statt, die Berichtigung und Voll- 
endung des Rechtsstreits auftrage, auch das fehlbar erfundene Unter- 
gericht zur Rechtfertigung ziehe. Ebenso wenig kann irgend ein 
Strafurtheil über Vergehen oder Verbrechen von Uns selbst 
oder von andern, die nicht für die Rechtsverwaltung angestellt und, 
verpflichtet sind, gefällt noch ein ge&Utes geschärft werden. Nur 
Milderung der Strafe im Wege des Rechts oder der Gnade, 
wenn nemlich Wir entweder das richterliche Ermessen zu streng 
fänden, oder obwohl solches gerecht wäre, doch wegen einlaufender 
Nebenumstände mit der Gelindigkeit den Straf Endzweck zu erreichen 
hofften, und Rechtfertigung des Erkenntnisses bleibt Uns vor- 
behalten, entweder durch Erforderung weiterer Untersuchung vor 
Genehmigung der Verkündung und des Vollzugs eines Straf Urtheils, 
wenn nicht alle Aufklärung zum richtigen Ermessen über die That 
Unseren oberen Staatsstellen in den Akten vorläge, oder durch Ver- 
weisung der Sache zum Erkänntniss an ein anderes gleiches Ober- 
gericht oder an eine Rechtsfakultät des Landes, wenn eine mit der 
öffentlichen Sicherheit unverträgliche Hintanseznng der gesezlichen 
Strenge ohne angeführte gesezgemässe RechtfertigungsGründe von 
Unserer Obersten Staatsbehörde entdeckt würde. Dabey soll jedoch 
im Ersten der gedachten Fälle der Erfolg der weiteren Untersuchung 
lediglich dem Erkänntniss des vorigen Obergerichts und im andern 
Fall das Ermessen über den Grund oder Ungrund der verneinten allzu- 
grossen Gelindigkeit, mithin das anderweit zu gebende Erkänntnisa 
dem an die Stelle des ersten getrettenen Gericht oder Spruchkolleg 
lediglich freygelassen werden: so wie in jedem Fall wo das Urtheil 
auf den Tod geht , und in den weiteren die etwa jeweils die Gesez- 
gebung dazu geeignet erklärt, gegen ein solches zuvor gerechtfertigte 
Urthel eben so gut als gegen ein von Unsertwegen zum Vollzug be- 
stättigtes dem Verurtheilten der Weg der Berufung auf Erkenntnis 
des obersten Gerichtshofs, als leztes VertheidigungsMittel ungesperrt 
bleiben muss, dessen * Urtheil nachmals so wenig einer weiteren 
Rechtfertigung als irgend einer Schärfung unterworfen werden kann.. 

Erfordernisse zum Richteramt überhaupt. 11) Um Recht sprechen 
zQ können, muss man eine Stelle bekleiden, welcher verfassungsmäsig 
eine Gerichtsbarkeit anhängig ist, oder man muss aus gesezmäsigen 

* addatur: nach Vernehmung des KronAnwalds ergehendes. 



268 ▼• Weech. 

YerhinderungsUrsachen der ordentlichen Gerichtsstelle einen beson- 
deren Auftrag vorsorglich von dem Gesez oder im einzelnen Fall Ton 
dem Oberrichter jener Stelle, oder wo sie keinen mehr hätte, Ton 
der betreffenden Abtheilong der obersten Staatsbehörde erlangt haben. 
Man moss volljährig, zur Rechtskenntniss gehörig eingeleitet, and 
als gesezgelehrt auf vorgängige Prüfung vor der landesherrlichen 
Behörde anerkannt seyn, auch durch die dem Liandesherm auf die 
Rechtsverwaltung abzulegende Pflichten besonders gelobt haben, dass 
man die Thatsachen, die vor das Gericht gebracht werden, aus den 
Verhören und Beweisen nach allen ihren erheblichen Beziehungen, 
vollständig zu erkennen weder Arbeit noch Mühe sparen, diejenige 
Geseze, zu welchen die That sich eignet, in ihrem ganzen Um&ng 
und richtigen Sinn nach bestem Wissen und Gewissen darauf an- 
wenden, und daran mehr oder weniger zu thun als sich gebührt 
durch keinerley nahe oder ferne Rücksichten auf eigenen Gewinn 
oder Nachtheil, Annehmlichkeit oder Unannehmlichkeiten, auch durch 
keinerley Ungunst oder Yorgunst, Hochachtung oder Geringschäzung 
für Eine oder die Andre der bei dem RechtsErkänntniss mittelbar 
oder unmittelbar betheiligten Personen, noch durch irgend einige 
neben dem Richteramt etwa aufhabende Staats- oder Dienstpflichten 
sich wollen abhalten lassen. Um diese Richterpflichten erfüllen zu 
können, werden hier ein für allemahl und grundgesezlich alle Pflich- 
ten, die jemand Uns oder Unsem Standes- und Grundherrn wegen 
Unterthanschaft, Grundpflichtigkeit oder Dienstverbindungen geleistet 
hat, wie sie auch lauten mögen, als der Verwaltung stricter Rechts- 
pflege nicht im Wege stehend erklärt und soll jedes Unternehmen, 
womit jemand einen Richter im Rechtsprechen auf habende besondere 
Pflichten zurückführen, oder ihm ein abgünstig erfolgtes Urtheil in 
seinen übrigen Verhältnissen nachtheilig empfinden lassen wollte, an 
demjenigen Herrn oder Mitdiener, der dergleichen sich zu Schulden 
kommen Hesse, für ein Verbrechen der Rechtsfeilschung angesehen 
werden. Auch ist zu gleichem Zweck die schon in Unseren vorderen 
Gesezen liegende Anordnung grundgesezlich bestättigt, dass im Zwei- 
fel niemals für oder gegen den Landesherrlichen, Standesherrlichen 
oder Grundherrlichen Vortheil zu sprechen sey; sondern es sollen 
dergleichen Sachen nach denen aus ihrer Natur und den begleitenden 
Umständen gesezmäsig entschöpften Beweisen oder Vermuthungen 
gerade so entschieden werden, wie ebendieselbe würden haben ab- 
geurtheilt werden müssen, wenn sie zwischen anderen Klassen der 
Staatsbürger allein in Frage stünden, damit durchaus keinerley An- 
sehen der Person vor Gericht obwalten könne. Weiter muss, um zum 
RechtsErkänntniss befähigt zu seyn, das Gericht gehörig besezt sejm, 
wozu bey Untergerichten ausser dem Richter ein besonderer ver- 
pflichteter Gerichtschreiber, und wenn in einzelnen Fällen dieser 
bejTzuwürken verhindert wäre, und der Richter die Feder selbst 
führen müsste, der Zuzug zweyer Urkundspersonen oder die Unter- 
schrift der Parthien, so fem diese lesen und schreiben können, und 
alsdann nur einer Urkundsperson, bey Obergerichten aber ausser dem 



Das siebente und achte badische Konstitutionsedikt. 269 

Gerichtsschreiber eine Yersammlang dreyer zum Richteramt befähigter 
Urtheiler erforderlich ist. 

Erforderniss xam Richteramt in einzelnen Sachen. 12) Ein Richter 
moss auch bey jeder einzelnen Streitsache unpartheyisch nnd un- 
befangen seyn, nm darinn sprechen zu können. Für partheiisch 
gilt derjenige Richter oder Urtheiler^ dem der Gewinn oder Verlust 
des Streits an seinen Rechten, an seinem Vermögen, oder an seinem 
guten Leumund Nachtheil bringt; fOr befangen aber derjenige, der 
einem der streitenden Theile vorhin in der Streitsache selbst oder 
in einer damit verwandten Sache gedient hat; der in einem solchen 
Grad mit einer Parthie verwandt ist, dass er um seiner Ehre, seines 
Nnzens, oder seiner Staatspflicht willen für verbunden geachtet werden 
mag, sich ihres Vortheils anzunehmen und dadurch in eine Kollision 
der Pflichten kommen könnte; der schon vor verhandelter Sache sich 
öffentlich irgendwo fflr oder wider das Recht einer Parthie ent- 
schieden erklärt hat; der einen namhaften und unvergoltenen Vor- 
theil von einer Parthie schon bezogen oder doch zu hoffen hat, 
weswegen er ihr zu Dank oder Ge&Uigkeit verpflichtet wäre; endlich 
wer eine eigene Streitsache gegen jemand führt, die auf dem gleichen 
Rechtsgrunde ruhet, wie der vor ihn gebrachte Rechtsstreit, so das» 
er seine Ueberzeugung nicht, ohne sich selbst in seinem Rechtsstreit 
für ungerecht zu erkennen, frey bestimmen lassen, mithin nur be- 
stimmt. Einer oder beeden Parthien, ohne sich selbst Unrechts schuld 
zu geben, recht geben könnte. Parthey lichkeit macht jeden Rechts- 
spruch nichtig, den Richter aber strafbar und verantwortlich; sie 
begründet daher die Nichtigkeitsklage, sie mag in den Verhandlungen 
erinnert worden seyn oder nicht, so lang noch nicht das Urtheil durch 
einen weiteren unparthejrischen Rechtszug gelaufen und bestättigt 
worden ist. Befangenheit berechtigt zwar jeden Richter das Er- 
kenntniss oder ein Abstimmen dazu von sich abzuwälzen und macht 
es billig, dass er es thue, verpflichtet ihn aber nicht eher dazu, als 
biss es von der Parthie gerichtlich in Erinnerung gebracht wird; nur 
in diesem lezteren Falle, wenn er auf die Erinnerung nicht achtet, 
kann er daher dafür verantwortlich, mithin verbunden werden, Schaden 
und Kosten der nichtig unternommenen Rechtfertigung zu tragen: 
ausser diesem Fall hat die Parthie in sich selbst den Grund eines 
ihr etwa aus einer Nichtanzeige der Befangenheit zugehenden Nach- 
theils zn suchen. 

Rechtsbehörigkeit des Richters. 13) Nicht minder muss, um be- 
fähigt zu seyn in einer Sache Recht zu sprechen, der Richter dafür 
die geeignete Rechtsbehörde seyn. Die Rechtsbehörigkeit 
(competentia fori) entsteht ordentlicher Weise aus der Gerichts- 
pflichtigkeit der Person, wider welche ein Rechtszwang ausgeübt wer- 
den soll, über deren Beschaffenheit, wie solche aus dem Aufenthalt, 
der Sässigkeit einer Person oder der Liegenheit einer Sache hervor- 
gehet, Unser sechstes KonstitutionsEdikt ^) das Nöthige anordnet. 

^) Vom 4. Juni 1808, die Grund Verfassung der verschiedenen Stände 
des GroBsherzogtums betreffend. 



270 ▼• Weech. 

Aasserordentlicher Weise aber kann die Gerichtebarkeit be- 
gründet werden: a) durch Gegen Verbindlichkeit; wer eine Partliia 
▼or einer Gerichtsbehörde wegen irgend etwas belangt hat, deren et 
hinwiederum wegen irgend Etwas (liegenschaftliche Ansprache an»- 
genommen) zn Recht zu stehen hat, das noch nicht an anderen Ge- 
richten anhängig ist, der ist schuldig auf Verlangen des andern Theib, 
wider sich Recht zu nehmen vor demjenigen Richter, den er für sieb 
angerufen hatte; b) durch Ortsverbindlichkeit; wer einem An- 
dern etwas an einem bestimmten Ort ausserhalb dem Gerichtssprengel 
seines ordentlichen Richters zu leisten, zu liefern oder zu zahlen aus- 
drücklich oder stillschweigend zugesagt hat (welches leztere geschieht, 
wenn jemand einen Vertrag an einem solchen gerichtsfiremden Orte 
auf gleich baldige Erfüllung schliesst, oder wenn er solchen auf zwar 
vertagte, das ist auf eine bestimmte andere Zeit verschobene, jedoch 
an jenem Ort mit Pfand oder Bürgen gesicherte Erfüllung ein- 
gegangen hat) der ist schuldig, vor dem ordentlichen Richter jenes 
Orts auf Verlangen des Gegentheils desfalls zu Recht zu stehen; 
c) durch Vorverbindlichkeit; wer mit einem andern vor einer 
Gerichtsbehörde über einen Streit zu Recht gestanden ist, durch 
dessen Entscheidung ein weiterer Streit zwischen eben diesen Per- 
sonen begründet oder geöffnet wird, in welchem die im vorigen ver^ 
handelten Gründe zur Beurtheilung wieder mit einfliessen, der ist auf 
Verlangen seines Gegners schuldig, die Sache an jenem vorigen Ge- 
richt anhängig werden zu lassen, wenn es sonst gleich nicht die 
ordentliche Behörde dafür wäre, d) durch Samtverbindlichkeit; 
so oft mehrere Kläger einen untheilbaren Streit oder mehrere un- 
trennbare Strittigkeiten gegen jemand einzuführen haben, die vor 
verschiedene Gerichtsstellen an sich oder nach ihren verschiedenen 
Gesichtspunkten gebracht werden könnten, wenn dabey sie nicht 
einig werden können, vor welchem jener Gerichte er anzubringen sey, 
and etwa jeder vor ein anderes Gericht ihn zu ziehen unternähme, 
alsdann ist der LiegenschaftsRichter, wenn der Streit durch Liegen- 
heit der Sache begründet werden kann, ausser diesem Fall aber der 
ordentliche persönliche Gerichtsstand des Beklagten derjenige, der 
allein das Recht hat, sich damit zu befassen, und von den übrigen 
noch mit angerufen gewesenen Gerichten den Streit abzurufen : femer 
so oft mit einer Klage mehrere unter verschiedenem innländischem 
Gerichtszwang gelegene Liegenschaften umfasst werden sollen, dann 
ist Rechtsbehörde der Richter des Hauptguts auf jener der Zu- 
gehörden, oder bei mehreren als Hauptgut sich darstellenden Liegen- 
schaften, derjenige LiegenheitsRichter, den aus ihnen der Kläger 
auswählt, oder wo mehrere Kläger in der Wahl nicht einig würden, 
derjenige der zuerst angerufen wurde; endlich so oft mehrere Per- 
sonen, die unter verschiedenen Gericht^sstellen persönlich gerichts- 
pflichtig sind, mit einer untheilbaren Klage zu belangen wären, und 
solche hätten durch Liegenheit der Sache oder durch Ortsverbind- 
lichkeit oder durch Vorverbindlichkeit für diese Sache noch einen 
Gerichtsstand der allen gemeinschaftlich wäre, so ist dieser die Rechts- 



Das siebente und achte badische Koosfeitatioiisedikt. 271 

Behörde; andernfalls ist es der vorgehende der in Konkurrenz stehen- 
den Gerichtshöfe, wenn sie von verschiedenen Stufen wären, oder der 
raerst angerufene, wenn jene von gleichen Stufen sind; desgleichen: 
e) durch Rechtshängigkeit kann der (rerichtsstand ausserordent- 
licher Weise begründet werden: wenn eine Parthie im guten Glauben, 
dass eine oder die andre der vorgedachten ordentlichen oder ausser- 
ordentlichen Begründungsarten der Gerichtsstandschaft vorhanden sey 
einen unbehörigen übrigens befähigten Richter angegangen hat und 
der Richter weder für sich noch durch Erinnerung der Gegenparthie 
auf seine Nichtbehörigkeit vor Eröfoung des ßeweisverfahrens auf- 
merksam wurde, so gilt seine Gerichtsbarkeit für anerkannt durch 
Rechtshängigkeit und der Einwand der Unbehörigkeit für gefallen. 
* [Ohne einen solchen in Acten vorgelegenen Anschein der Rechts- 
behörigkeit und daraus entsprungnem ehrlichen Glauben durch blosse 
willkührliche Anerkenntniss der Parthien oder gar durch ausdrück- 
liche Verabredungen derselben kann kein Gericht, als solches, ent- 
scheidungsberechtigt für eine Sache werden, wohl aber in der Eigen- 
schaft als SchiedsRichter, wenn beeder Theile Absicht dahin zu- 
sammentrifft.] Alle diese Begründungsarten beziehen sich nur auf 
Rechtssachen. In Strafsachen entscheidet nur die Gerichts- 
pflichtigkeit der That oder des Thäters, wobey Erstere der Lezteren 
vorgeht, und Erstere in Fällen wo die That durch mehrere innlän- 
dische Bezirke sich durchgezogen hat, in jenem Bezirk stattfindet, 
in welchem die lezte zusammenhängende Handlung geschah oder wo 
die lezte der mehreren Handlungen, welche durch WiederEntfemung 
des Verbrechers von der beleidigten Person oder verlezten Sache 
unterbrochen worden wären, angefangen wurde. 

Folgen der Gericbtsstaiidtchaft. 14) Bey einer Streitsache, fbr 
welche es nach obigen Grundsäzen mehrere Rechtsbehörden gibt, hat 
der Kläger die Wahl, so lang er nicht bey Einer derselben sein Ge- 
such angebracht hat, wodurch alsdann diese mit der Sache befasst 
wird, und eine veränderte Wahl wegfi&llt. Der Richter, dessen Ge- 
richtsbarkeit begründet ist, kann ohne eine gesezmäsige und in dem 
Bescheid angegebene Ursache eine Sache nicht von sich wegweisen. 
Der Beklagte kann ohne eine solche Ursache den Gerichtsstand vor 
einer Behörde nicht ablehnen. Auch wo er sich von einer Un- 
behörigkeit der angerufenen Gerichtsstelle überzeugt hielte, muss er 
das Gericht ehren durch Anzeige der empfangenen Ladung und der 
Ursachen zu Ablehnung des Gerichtsstandes, dm^ Abwartung ded 
Erkenntnisses darüber, und durch Befolgung d^^ben, wenn er es 
rechtskräftig werden lässt, oder wenn er im obersten Rechtszug seiner 
Ueberzeugung den richterlichen Beyfall nicht verschaffen kann. Vor 
Untergerichten kann jeder der selbstmündig ist, über seine Sache 

* omittatur et ponatur ob Code Napoleon: Endlich e) durch be- 
itimmte Auswahl eines Wohnsizes in einem Vertrag, welcher alsdann fär 
die einzelne Sache die nemliche Würkung hat, wie der ordentliche Wohnsix 
f^ alle Sachen. 



T. Wecch. 

auch selbst gehört zu werden verlangen, und er rnnss gesezmiaige 
Gründe anfflhren, um durch rechtsgelehrte Gewalthaber erscheinen 
zu können. Bey Obergerichten hingegen kann in bflrgerlichen Rechfta- 
Sachen niemand verlangen persönlich gehört zu werden, ja ausser- 
halb besonderen durch das Gesez ausgezeichneten Fällen kann er 
nicht einmahl dazu gelassen werden, sondern muss durch gesezver- 
ständige und vom Staat dazu ermächtigte Anwälde handeln. Niemand 
kann verurtheilt werden, der nicht zuvor über den Streitpunkt, der 
abgeurtheilt wird, vernommen, dasheisst entweder würklich gehört 
worden ist, oder obwohl er zu reden aufgefordert worden ward, die 
ihm verschaffte Gelegenheit zum Gehör unbenuzt gelassen hatte; über 
niemand kann geurtheilt werden, wenn ihm der Gegner seinen Vor- 
trag in Abrede zieht, so lang er nicht durch gesezliche oder richter- 
liche Auflage vorher im Fall gewesen ist, die Beweise seiner Behaup- 
tung vorbringen zu können und zu müssen. Niemand kann verbind- 
lich werden oder Nachtheil leiden durch ein Ermessen seines Riditers 
über den Streit, das nicht niedergeschrieben und ihm oder seinem 
(Tcwalthaber an Gerichtsstätte (d. h. au einem Ort, wo er zur Vor- 
nahme oder Vernehmung gerichtlicher Handlungen vorgefordert ward i 
verkündet sey, wenn gleich ihm dessen Innhalt sonst hinlänglich 
bekannt geworden wäre. Endlich kann nur alsdann jemand durch 
ein Erkenntniss verbindlich werden, wenn der Spruch für die be- 
treffende Sache der höchste Rechtszug war, oder wenn dagegen in 
Zeiten ein erlaubter höherer Rechtszug nicht ergriffen oder dem- 
selben auf eine gesezmäsige Art vor oder nach dem Erkenntniss frey 
entsagt und das Urtheil anerkannt worden ist. 

Yerschiedenbeit der Rechtszüge. 15) Jedermann kann verlangen, daas 
seine Streitsache, wenn sie nicht geringfügig ist, so dass im Dorch- 
schnitt der Kostenbetrag eines weiteren Zugs leicht den Werth des 
Streitgegenstandes auf- oder überwiegen möchte, einer zweymahli- 
gen Rechtsbeurtheilung und zwar je nach Beschaffenheit des meh- 
reren oder minderen Werths mit oder ohne Gelegenheit zu neuem 
Beweisverfahren unterworfen, und dass bey noch mehrerer Wichtig- 
keit der Sache auch eine dritte ihm geöfhet werde, wenn die Erste 
bey einem nur mündlich verhandelnden Untergericht war, oder wenn 
sie zwar vor einem Obergericht war, doch der Erfolg der beeden 
Ersten Erkenntnisse verschieden ausfiel. Einen mehr als drey- 
fachen Rechtszug (Instanz) kann niemand um keiner Ursach willen 
begehren, obwohl ein solcher zufällig stattfinden kann, wenn unvor- 
hergesehen neue Umstände oder unheilbare Mängel eines richterlichen 
Verfahrens zwischen den ordentlichen Gang der Sache einen ausser- 
ordentlichen Rechtszug einschoben. Der erste Rechtszug ist jedes- 
mahl vor demjenigen Gericht, welchem obige Regeln der Rechts- 
behörigkeit ihn zuweisen, der zweite und dritte gehet vor Ober- 
behörden desselben, so lange deren da sind, andernfalls vor veränderte 
Personen des nemlichen Gerichts oder vor Spruchkollegien, die an 
deren Stelle tretten. Ueber den dritten Zug kann niemand als ein 
landesherrlicher Gerichtshof urtheilen und kein standesherrlicher. 



% 



Das achte und neunte badische Konstitutionsedikt 273 

Den Gang und die Formen dieser Rechtszüge bestimmen die Gerichts- 
ordnungen, welche auch den Werth der Streitsache, der einen zweiten 
and dritten Zug öfhet, bestimmen. Keine Geringfügigkeit kann den 
höheren Rechtszug in einem Fall hindern, in welchem nicht blos das 
Interesse der Parthie sondern auch die ünvereinbarlichkeit mit den 
Grundgesezen * ftlr die Nichtbefolgung des vorigen RechtsErkennt- 
nisses angeführt werden könnte und dadurch ausgeführt werden wollte. 
Was hier von dreyfachen Rechtszügen gesagt ist, trift nur die Rechts- 
händel: in Strafhändeln oder Untersuchungssachen gibt es ordent- 
licher Weise keinen Rechtszug; sondern es hat dawider nur der Re- 
kurs an Uns zum Recht und zur Gnade statt: nur bey Todesstrafen, 
oder solchen, die durch das Gesez ihnen jeweils gleichgeltend erklärt 
werden, und bey suchender Ausführung einer völligen Unschuld, findet 
ein zweiter Rechtszag an die oberste Gerichtsstelle des Grossherzog- 
thums statt. 

YollxiehangsGewalt des Richters. 16) Jedem Richter, der es durch 
seine Stelle und nicht durch einen besonderen Auftrag ist, stehet 
auch die vollziehende Gewalt für seine GerichtsErkenntnisse zu, 
und zwar bey höheren Strafurtheilen wo der untersuchende und er- 
kennende Richter zwey Personen sind, demjenigen, welcher der Unter- 
suchungsRichter ist, bey gemeinen Strafurtheilen aber wo der unter- 
suchende Richter auch erkennt, und bey Rechtsurtheilen demjenigen, 
der den ersten Zug hatte. Sie kann ihm ohne rechtliche Beweg- 
gründe ebenso wenig als das Richteramt in Sachen, die vor ihm be- 
hörig sind, und auch wo jene vorhanden sind, nur durch oberrichter- 
liche Verordnung entzogen und an Andere übertragen werden. Wo 
sie ausser seinem Gerichtssprengel zu bewürcken ist, muss sie zwar 
durch den dortigen Bezirksrichter besorgt werden, aber nur auf 
RechtsErsuchen des Richters der gesprochen hat, und nach seiner 
RechtsAnordnung. Eine ordnungsmäsig erkannte Urthelsvollziehung 
kann durch keine andre als oberrichterliche in gesezlicher Ordnung 
erlangte Einhaltsbefehle abgestellt werden: aufgeschoben für kurze 
Zeit mag sie auch werden durch Befehle des Regenten oder seiner 
obersten Staatsbehörden, wenn entweder die Untersuchung eines an- 
scheinenden Rechtsüberdrangs oder die Erforschung der Mittel, wie 
die Urthelsvollziehung durch etwaige Staatshülfe dem Schuldner minder 
drückend sey in Frage kommt ; so wie aber der eine und andre Zweck 
erreicht oder durch die Erkundigungen als unerreichbar dargestellt 
ist, so muss dem Recht wieder der ungehemmte Lauf gelassen werden. 

In Beziehung 

111. auf die hohe Polizeygewalt bemerken Wir vorder- 
samst in Hinsicht auf die Vieldeutigkeit, welche dem Begrif der Polizey 
durch den manchfachen Sprachgebrauch eigen geworden ist, dass er 
hier in seinem allgemeinsten Sinn genommen sey; er umfasst daher 
alle verfassungsmäsige Ausübung der obrigkeitlichen Gewalt zur Re- 

* addatur : oder die Anstössigkeit gegen gesetzmäsige vom KronAnwald 
vorgetragene Staats-Kücksichten. 

Zeitschr. f. Gesch. d. Oberrh. N. F. VII. 2. 18 



274 ▼• Weech. 

gieruug der Staatsangehörigen, die sich in anderm Wege als durch 
Gebung der Geseze und durch deren Anwendung auf Rechts- und 
Strafsachen aeussert. Es stehet nemlich 

Allgemeiner Umfang der Poliiey 17) das Gesammtwohl des Re- 
genten und seiner Unterthanen nur da in Flor, wo der Regent mit 
seiner Familie, jeder einzelne Staatsbürger mit den Seinigen und 
jede im Staat befindliche Gesellschaft oder Körperschaft ihre Zwecke 
nach eigener Einsicht ft-ey wählen kann, so weit als solche nicht 
durch die Idee der Geselligkeit überhaupt und durch diejenige be- 
stimmte Form derselben, welche die einzelne Staatsverfassung 
erzeugt, schon fest bestimmt sind; wenn femer jeder für Erreichung 
seiner Zwecke die hinlängliche Menge der Mittel und die möglichste 
Leichtigkeit ihrer Anwendung vorfindet; wenn er endlich für seine 
Thätigkeit zu deren Anwendung allen jenen Spielraum behält, der 
ihm frey bleiben kann, ohne dass dadurch die gleiche Freyheit der 
übrigen Theilhaber der Staatswohlfahrt in Verfolgung ihrer Zwecke 
und in Benuzung ihrer Würkungskreise zerstört werde. Jener Flor 
ist hiemächst nur dauernd da, wo die Staatsgewalt mit dem Willen 
auch die Kräfte vereinigt alle Staatsglieder zu diesem gesellschaft- 
lichen Yereinigungspunkt hinzuleiten, so verschieden auch deren Ein- 
sicht, WiUensGüte und EntschlussStärke in ihren Abstufungen er- 
scheinen. Hieraus entstehet die Pflicht und das Recht des Regenten 
durch die in seinen Händen liegende GesammtEinsicht und Gesammt- 
Kraft auf jeden einzelnen Staatsbürger soweit einzuwürken als nöthig 
ist um der Würksamkeit desselben die in das Ganze einpassende 
Richtung und den für einen sachgemässen Erfolg nöthigen Antrieb 
oder Anhalt zu geben, folglich auch das Recht und die Pflicht zu 
solchem Ende die Kenntniss der Bestrebungen und Unternehmungen 
jedes Staatseinwohners mit den möglichen Beziehungen auf die Ver- 
hältnisse der Uebrigen einzeln und im Ganzen betrachtet sich in so 
weit eigen zu machen, dass der Antrieb oder Anhalt mit Erfolg 
möglich werde. Dieses Recht macht die Pol izey Gewalt aus. Jedem 
Staatsbürger die Kreise einer erlaubten Kraftanwendung und Gewerb- 
samkeit möglichst zu erweitem; ihm die Gegenstände derselben zu- 
gänglich zu machen, zu bewahren und zu vervielfältigen; jeden Schaden, 
den aus Unwissenheit, Unbedachtsamkeit, Ungezogenheit oder Bosheit 
Einer dem Andern zufügen möchte, zu verhüten; jeder einseitigen 
Yortheiligkeit der Listigeren und Mächtigeren zum Nachtheil des 
Kurzsichtigeren oder Geringeren vorzubeugen; endlich jede Gesez- 
übertrettung, so wie jeden Uebertretter auszukundschaften und zu 
sorgen, dass er der RechtsErkenntniss sich nicht entziehen könne; 
diess ist der Umris der Obliegenheiten der Polizeygewalt. Da diese 
Pflichten in gewissem minderem Maase von jeder Gewalt über Andre 
untrennbar sind und daher in der hausväterlichen, in der vorsteher- 
aratlichen, in der richterlichen, in der gutsherrlichen Gewalt ein 
gewisser minderer Theil derselben gefunden wird, indessen die ganze 
Ftdle derselben in Bezug auf den Umfang der Berechtigungen und 
auf die Kraft ihrer Anwendung nur durch die Staatsgewalt begründet 



Das achte und neunjte badische Konstitutionseilikt. 275 

-wird; so entstehet dadurch der Unterschied zwischen der gemeinen 
Polizey, die aus andern als obrigkeitlichen Verhältnissen abfliesst, 
und der hohen Polizey, deren Befugnisse nur durch denBesiz der 
Staatsgewalt oder eines untergeordneten Theils davon rechtlich be- 
gründet werden kann. Erstere würket nur innerhalb des bürger- 
rechtlichen Verhältnisses, durch das sie begründet wird, auf Personen 
und Güter, die von solchem Verhältniss umfasst werden, in ledig- 
licher Beziehung auf jene Verhältnisse und nur durch Mittel die 
innerhalb des Gewaltkreises solcher GesellschaftsGewalt liegen. Die 
hohe Polizey verbreitet sich hingegen mit Recht auf jede aeussere 
Handlung des Staatsbürgers und des Fremden, und auf jede Unter- 
lassung einer solchen, sobald andern Menschen Vortheil oder Nach- 
theil dadurch zugehen kann. Keine Person und keine Würckungsart 
derselben kann ihr entzogen werden, sobald sie unter dem Gesichts- 
punkt eines Einflusses auf Andre erscheinet. Selbst die Würksamkeit 
des Menschen auf sein eigenes Wohl gehört in so weit in ihr Gebiet, 
als ein solcher damit auf sein Daseyn, seine Kräfte oder sein Ver- 
mögen unmittelbar zerstörend zu würken unternähme und sich daher 
als Gesellschaftsglied unntlz zu machen Gefahr liefe; ausser diesem 
Fall bleibt jeder erzogene und vernunftbegabte Mensch hierin seinem 
eigenen Vemunftgebrauch und jeder Unerzogene oderVemunftberaubte 
seinen gesezlichen Fürsorgern überlassen. 

Gegenit&nde der hohen Polizey. 18) Damit dass die hohe Pol izey- 
gewalt auf jede Handlung sich verbreiten kann, die eine äussere 
Beziehung hat, ist jedoch nicht gesagt, dass sie auf Jede in jedem 
Fall sich verbreiten müsse, und ebenso wenig dass sie überall un- 
mittelbar und selbst zu würken habe. Da sie derjenige Theil der 
Staatsgewalt ist, wodurch der Regent ganz eigentlich als Vatter der 
grossen Familie seines Volks erscheint: so erwartet Unser LÄnd mit 
Recht von Uns und fordern Wir von jedem dazu verordneten Staats- 
diener, dass diese Macht vätterlich geübt werde. Indem Wir Uns 
stets zur heiligen Pflicht machen, keine Handlungen des Bürgers 
wider seinen Willen einzuhalten oder voranzutreiben, wo die dadurch 
abgenöthigte Richtung seines Thuns und Lassens von beschwerlicheren 
Folgen für ihn sein würde, als der Nachtheil der aus der Unterlas- 
sung dieses obrigkeitlichen Eingreifens für die Wohlfahrt des Staats 
oder der übrigen Staatsbürger entstehen könnte, auch nicht zu dulden, 
dass unter dem angenommenen Schein des gemeinen W^ohls der ein- 
seitige Vortheil einzelner Personen oder einzelner Stände der Rechts- 
Gleichheit Aller und ihrem Gesammtwohl sich vordränge, bleibt in 
dessen Gefolg die unwandelbare Pflicht aller Staatsdiener nicht durch 
unüberdachtes Bestreben alles nach ihrer eigenen Ansicht erfolgen 
zu sehen und den Unterthanen zur blossen Staatsniaschine herabzu- 
würdigen, sondern zu sorgen, dass Jedem, wo es immer ohne Schaden 
für die Verbindung des Ganzen und für die Wohlfarth seiner Mit- 
bürger geschehen kann, die Selbstbestimmung zu seinen Handlungen 
gesichert, und nur durch Belehrung und Ermunterung seinen Ent- 
schlüssen die, mit der eigenen besseren Ansicht der StaatsRegierung 

18* 



276 ^- Weech. 

zasammenstimmende, freye Richtung verschafft werde. Deswegen darf 
die hohe Polizeygewalt auch niemals die gemeinen Polizeygewalteii 
umgehen, wo nicht deren Erschlaffung oder die Wichtigkeit des Falls 
ein anderes erheischt; sondern sie muss vielmehr durch solche auf 
die ihnen angehörige Glieder würken. Wo hienächst es nicht um die 
Verfolgung der Spur eines Verbrechens oder um die Verhütung eines 
glaublich angezeigten Vorhabens eines Verbrechens zu thun ist (als 
fftr welche ihr durchaus freye Hand för alle nothwendige Erkundi- 
gungs und Verhütungsmittel zustehet, solang sie nur keine anwendet, 
wodurch Sicherheit, Ehre, und Vermögen der Unschuldigen auf das 
Spiel gesezt wird) da darf sie keineswegs unaufgerufen in das Innere 
der Wohnhäuser und der Familien eindringen, sondern sie muss dort 
die Sorge für die Hau^polizei dem Hausvatter überlassen und nur 
wo dieser zu ohnmächtig oder zu übermächtig würkt, darf und soll 
sie auf Beschwerden eines Betheiligten sich in das Mittel legen; desto 
würksamer aber kann und soll sie jeden öffentlichen Ort und jedes 
Versammlungshaus unter ihre Obhut nehmen, weil dort kein einzelner 
Staatsbürger Recht, Pflicht und Macht hat, ein Hausregiment über 
die vereinte Gesellschaft auszuüben. Desgleichen kann sie auf Ge- 
meinden und Körperschafben allerdings in stärkerem Maase als auf 
einzelne Familien einwürken: indem nemlich bei lezteren ein un- 
getheiltes Interesse statt findet, das in der Eigenthumsdisposition 
des Hausvaters zusammenläuft; haben dagegen in Gemeinden und 
Körperschaften die Vorsteher nur ein Verwaltungsrecht über das 
Gemeindsinteresse, und dieses Interesse geht nur aus dem gleichen 
gesellschaftlichen Interesse aller Gemeindsgenossen hervor, mit Wel- 
chem der Eigennuz der einzelnen GemeindsVorsteher oder Gemeinde» 
Glieder häufig im Gegensaz sich befindet; deshalb hat hier die hohe 
Polizeygewalt Recht und Pflicht, auch auf das Innere der Gemeinds- 
Haushaltung unaufgefordert sich zu verbreiten, wodurch allein sie im 
Stand ist, den Wohlstand der einzelnen Familien gegen nachtheilige 
Sammtwürkungen der Vorsteher oder der vorherrschenden Ortsbürger 
zu sichern. 

Gegenstände der StaatspoUxey. 19) Das bisher Gesagte führt un- 
mittelbar zu dem Unterschied zwischen der StaatsPolizey, der 
LandesPolizey und der OrtsPolizey. Die StaatsPolizey be- 
zweckt zunächst die Sicherheit und Wohlfarth der Staatsgewalt; ihr 
Gegenstand ist daher Erhaltung und Verbesserung des Staatsgebietes, 
Vermehrung und Veredlung seiner Bewohner, Stärkung und Belebung 
des Rechtsbandes, das den Regenten und die Unterthanen an einander 
knüpft. Die Natur der Sache weiset ihre Verwaltung allein dem Re- 
genten und seinen verordneten Dienstbehörden ohne alle Theilnahme 
der Staatsangehörigen zu; sie ist unveräusserlich, oder mit andern 
Worten, sie kann durch keinerley Freyheiten oder Rechtstitel auf 
irgend eine Art zu Eigenthum in die Hände der StaatsEinsassen 
kommen: sie ist un übertragbar, das heisst sie kann an keine wenn 
gleich landesherrliche Dienststellen durch einen allgemeinen oder 
besonderen Dienst Auftrag so übergehen, dass dadurch der Regent 



Das achte und neunte badische Konstitutionsedikt. 277 

gehindert würde, sie fOr einen einzelnen Fall oder fftr mehrere frey 
wieder an sich ziehen und an andere Diener zn Besorgung übertragen 
zu können; die desfallsige GewaltsEinschränkung der obersten Staats- 
behörden, wodurch diesen in Rechtssachen dergleichen Einschreitungen, 
wie gut auch deren Absicht sey, untersagt sind, ist auf Polizeygegen- 
stände durchaus nicht anwendbar: sie ist endlich ungebunden, das 
heisst sie kann weder in bestimmte Formen ihrer AusübungsArt noch 
in vorgezeichnete Schranken ihrer Würksamkeit eingebannt werden, 
sondern die Nainr des Zwecks und der Mittel zu dessen Erreichung 
bestimmen für jeden Fall ihren Umfang. Obwohl sie nun dabey die 
Freyheit der Person und die Sicherheit des Eigenthums der Staats- 
bürger achten muss, folglich zwar deren Gebrauch vemunftmäsig 
zum Vortheil der übrigen Staatsglieder einschränken, aber in der 
Regel niemals ihn aufheben und zerstören darf, so kann sie jedoch 
wenn nothwendige Anstalten für das Ganze eine Aufopferung des 
Eigenthums einzelner Personen fordern, in Bezug auf Sachen, welche 
von der Art sind, dass sie sich im Handel und Wandel befinden, folg- 
lich bey Gelegenheit anderwärts wieder erworben werden können, 
jene Aufopferung gegen vorgängigen verhältnismäsigen Ersaz auch 
wider den Willen des Eigenthümers gebieten und somit sich vermög 
der Hochgewalt (imperii eminentis) über diese Eigenthumsberechti- 
gungen wegsezen; ja wenn die Erhaltung des Staatsgebietes, der 
Masse der Staatsunterthanen, oder des Bandes zwischen ihnen und 
dem Regenten in Ermanglung anderer genügender Auswege selbst 
das Opfer solcher Gerechtsame heischt, die nicht im Handel und 
Wandel sind, auf denen ein Ehrenwerth oder Lieblingswerth ruht 
und die unter grnndgesezlich bestätigte gehören, so kann sie gegen 
eine bis zur erreichlichen Genugthuung ausgemessene Vergütung selbst 
solche Gerechtsame weggeben oder vernichten, als worinn die höchste 
Fülle ihrer Hochgewalt, nemlich ihrer Machtvollkommenheit (plenitudo 
potestatis) bestehet. Die Erhaltung der Landesgrenzen, die Einthei- 
lung des Landes in seine manchfache Verwaltungsbezirke, die Dis- 
position über alle Theile und Angehörden des Gebiets, die nicht 
schon dem Eigenthum eines Staatsbürgers erworben oder die von 
selbigem vernachlässigt oder wieder aufgegeben sind, der Abgang 
nnd Zuwachs der Staatsbürger, die Entstehung und Auflösung der 
Körperschaften und Gemeinden oder Staatsanstalten, die Ertheilung 
erblicher Würden und Freyheiten, die Duldung oder Nichtduldung 
fremder durch die Grundgeseze nicht gesicherter Religionen, die 
Bestimmung des Maases der kirchlichen Rechte der verschiedenen 
Religionsgesellschaften, die Anordnung über Landeshuldigung, Landes- 
feste und Landestrauern, die Verhältnisse der ünterthanen zu aus- 
wärtigen geistlichen und weltlichen Gewalten, die Aufrechthaltang 
der grundgesezlichen Landesverfassung, die Erkundigung und Ab- 
wendung aller ihr drohenden Gefahren u. dgl., machen die wesent- 
liche Gegenstände gedachter Staatspolizey aus. 

GegensUnde der Landespolixey. 20) Die LandesPolizey um- 
fasset diejenige Gegenstände der Obrigkeitlichen Anordnungen, wobei 



278 ▼• Weech. 



I 



zunächst nur das Verhältnis der Staatsbürger untereinander in 
Frage ist, wobey jedoch die Thätigkeit oder Unthätigkeit der Polizey- 
gewalt ihre Folgen unmittelbar nicht nur auf bestimmte kleinere 
Flächenräume, Bezirke oder Ortschaften des Staats, aenssert, sondern 
auf eine mehr oder minder unbestimmbare Zahl von Gremeinden oder 
Staatsbürgern fortwürkt und eben deswegen einzelnen Gemeinds- 
Obrigkeiten oder Vorstehern nicht überlassen werden kann, sondern 
ihrer Natur nach die Leitung jener höheren Gewalt fordert, die alle 
überschattet. Dahin eignet sich die Sorge für Handhabung der 
Religion und Kirchenverfassung, für Erziehung und Gesundheit, für 
Erzeugung auch Ein und Ausfuhr der Lebensbedürfnisse, für Post 
und LandStrassen für Ströme und Flüsse (d. h. schiffbare und floz- 
bare Wasser) für Forsten und Bergwerke, für Geld und Münze u. s. w. 
Auch die Landespolizey ist im Ganzen und in ihren Theilen un- 
veraeusserlich; aber unübertragbar ist sie nicht, sondern es 
können einzelne Theile an einzelne Ortsherrn nicht nur durch die 
Grundgeseze sondern auch durch einzelne Vorrechtsbriefe so über- 
lassen werden, dass nachmals die hohe Polizeygewalt, so lang nicht 
der Fall des Misbrauchs oder der Machtvollkommenheit eintritt, diesen 
Uebertrag achten muss, mithin nur durch diese berechtigte Inhaber 
solcher Gewalt handeln kann. Niemals wird jedoch im Zweifel ein 
solcher Uebertrag vermuthet; sondern der einschlägige landesherr- 
liche Bezirksbeamte hat darinn so lang die Vermuthung für sich, 
biss das Gegentheil überwiegt; wer ihn darinn hindern will, hat zwar 
den Weg des Kechtes gegen ihn offen, aber er hat keine Befugnis 
eher als biss er eine richterliche rechtskräftige Anerkenntniss der- 
selben vor sich hat, eigenmächtig ihn einzugreifen. Auch ungebun- 
den ist dieser Zweig der hohen Polizey nicht, sondern er muss ledig- 
lich nach desfalls bestehenden Verfassungsgesezen im Hauptwesen 
eingerichtet und geübt werden, die zu geben, so weit sie nicht schon 
vorhanden sind. Wir Uns vorbehalten und die Sorge dafür Unsereu 
Gesezgebenden Behörden zur Pflicht machen. 

Gegenstlnde der Ortspolizey. 21) Die Ortspolizey hat sich mit 
allen jenen Gegenständen zu beschäftigen, welche in ihrer Würkung 
zunächst auf einzelne Bezirke und Ortschaften samt ihren Markungen 
sich beschränken, deren Einrichtung und Würksamkeit daher nach 
den verschiedenen GebietsAbtheilungen verschieden seyn kann, ohne 
dass die Zwecke der Einen durch die veränderte Handlungsweise der 
andern PolizeyObrigkeit vernichtet, mithin die gemeine Wohlfarth 
wesentlich benachtheiligt werde. Dahin gehöret die Obsorge über 
Häuser und Gassen, über Wald und Feld, über Wege und Stege, 
über Bäche und Gräben, über Markungs- und GüterGrenzen, über 
Jagd und Fischerey, über Gewerbe und Nahrungsvorräthe, über häus- 
liche und Ortssicherheit, über Gemeinds- und Stiftungsvermögen, über 
Förmlichkeit und ßeweislichkeit der eingegangen werdenden Rechts- 
verpflichtungen u. a. m. So weit diese Polizeygegenstände nicht durch 
vorausgegangene StaatsEinrichtungen einen solchen Zusammenhang 
mit dem Ganzen erhalten haben, welcher einzelne Verschiedenheit 



Das achte und neunte badische Konstitutionsedikt 279 

dem Ganzen nachtheilig machen würde (wie z. B. demjenigen Theil 
der Häuserpolizey, der die Feaerpolizey ausmacht, durch eine Brand- 
versicherungsEinrichtung widerfölirt, wo sie alsdann dadurch aus dem 
Umfang der Ortspolizey in jenen der Landespolizey übergehen), so 
weit können sie der Anordnung eines Ortsherm oder eines Gemeinde- 
raths zustehen, wenn übrigens ihn dazu seine grundgesezliche Staats- 
freyheiten oder rechtmäsig erlangte Vorrechtsbriefe berechtigen ; der- 
jenige, dem sie zustehen, kann alles dasjenige nach seiner besten 
Einsicht darüber anordnen, was nicht schon durch allgemeine höhere 
Anordnungen seine maasgebende Bestimmungen erhalten hat; er kann 
darin von der Ortsbehörde nicht umgangen, nemlich nicht in Aus- 
führung dahin gehöriger Maasregeln bey Seite gesezt, wohl aber 
geleitet und im Fall eines Ungehorsams zu Bezwingung desselben 
übergangen werden, indem seine Saumsal durch einen Andern auf 
seine Kosten verbessert wird. 

ünterichied der Ober- und ünterPolizey. 22) Aus dem bisher ge- 
sagten gehet nun die feste Bestimmung dessen hervor was unter 
denen in vorderen Grundgesezen von Uns schon mehrfältig berührten 
Oberpolizeybehörden und Unterpolizeybehörden zu verstehen 
sey. Das Recht über Gegenstände der Staatspolizey und der 
Landespolizey nicht nur die nöthige Anordnungen zu geben, son- 
dern auch zu deren Vollziehung eigene Staatsdiener im Ganzen auf- 
zustellen oder im Einzelnen zu beauftragen, oder den Vollzug in die 
Hände der ortsherrlichen Behörden zu legen, und das Recht bey den 
Gegenständen der Ortspolizey alle jene Maase den Ortsstellen vor- 
zuschreiben, die zur Uebereinstimmung mit dem Wohl des Ganzen 
etwa in einzelnen Beziehungen nothwendig werden, auch deren Voll- 
zug zu beobsichten und zu betreiben, macht die Ortspolizeygewalt 
aus. Die Behörden ihrer Verwaltung sind, soviel den anordnenden 
Theil betrifft, die Mittelstellen des Staats als Regierungen, Kammern, 
GeneralKommissionen , unter Leitung der tjesezgebenden obersten 
Staatsstellen: soviel den Vollzug anlangt jene Unserer Beamten, 
welchen die Verwaltung Unserer Obrigkeitsrechte überhaupt oder in 
dem betreffenden Fach anvertraut ist. Das Recht über Gegenstände 
der Ortspolizey all jenes an^ordnen was nicht durch höhere Staats- 
verfügungen seine hinlängliche Bestimmungen hat; die hohem Staats- 
verfügungen über die nemlichen Gegenstände in der Regel zu ver- 
künden und einzuschärfen; die Obsorge welche entweder ein für alle 
mahl wegen Geringfügigkeit durch Verfassungsgeseze oder für einzelne 
Fälle nach Gutbefinden durch Aufträge über einzelne Gegenstände 
der Staats- und liandespolizey dem Inhaber der Ortspolizey zugewiesen 
wird, zu tragen; endlich alles was aus eigenen berechtigten Anord- 
nungen oder aus höheren fliesst in einem bestimmten Bezirk zum Voll- 
zug zu bringen, ist das Recht und die Pflicht der Unterpolizey. 
Die Behörde zu deren Verwaltung ist jeder Ortsherr, und an dessen 
Statt sein Beamter; mithin bey Standes- und grundherrlichen Orten, 
deren Beamter, bey Unsern kanzleysässigen und vogteypflichtigen 
Städten der Stadtbeamte, bey den amtssässigen Städten und Unseren 



280 V. Weech. 

übrigen Eigenthumsorten jener Unserer Beamten, welchem die Ver- 
waltung Unserer eigenen grundherrlichen Rechte anvertraut ist In 
allem, was zur Ortspolizey gehört, hat sie im Zweifel die Vermuthung 
der Verfügungsberechtigung für sich, dagegen in allem was der Staats- 
und Landespolizcy seiner Natur nach eigen ist, die Vermuthung so 
lang wider sich, als nicht der Beweis eines allgemeinen Uebertrags 
oder besonderen Auftrags geführt werden kann, welches jedoch sie 
niemals hindert für unverschiebliche Vorfälle fürsorgliche Ein- 
schreitung zu Erhaltung der Sache in einem der Verfügungen der 
Oberpolizey vortheilhaften Stande zur Hand zu nehmen, als wozu 
vielmehr jede Unterpolizeybehörde durch ihre allgemeinen Staats- 
pflichten verbunden ist. Jede Unternehmung, die aus der gemeinen 
Polizey der Hausväter, Gemeindevorsteher, Zunftvorsteher u. dgl. 
ausgehet, unterliegt der Einsicht und Verbesserung der Unterpolizey- 
behörden, in Bezug auf Hausväter blos auf Beschwerden eines Be- 
theiligten, bey den Unternehmungen der Vorsteher, so wie bey jeder 
Unterlassung derselben ohne Beschwerde Amtshalber. Jede Ver- 
fügung und jedes Verhalten der Unterpolizeybehörden unterliegt der 
Einsicht und Verbesserung der Oberpolizeybehörden, sowohl auf er- 
hobene Beschwerden als von Amtswegen; so wie hinwiederum diese 
der Oberaufsicht und Leitung der gesezgebenden Staatsgewalt mithin 
des Regenten und seiner obersten Staatsbehörden ebenwohl auch ohne 
einen Anlas durch Beschwerden erwarten zu dürfen, untergeben bleibt. 
Die Beschwerden gegen polizeylichen vermeintlichen Ueberdrang be- 
dürfen keiner besonderen Form zu ihrer Erledigung und unterliegen 
keinen beschränkenden Fristen zu ihrer Anbringung: ihre Anzeige 
bey einer unteren Behörde nöthigt aber auch diese niemals mit ihrem 
Verfahren einzuhalten, wenn sie dessen Rechtmäsigkeit zu verant- 
worten getrauet, oder einen Aufenthalt nachtheilig achtet; sondern 
das Einhalten oder Nichteinhalten steht so lang zu ihrem eigenen 
Ermessen dessen, was am zuträglichsten ist, als nicht ein bestimmter 
Einhaltsbefehl einer Oberbehörde eingetroffen ist, wofür eine blosse 
BerichtsErforderung jedoch noch nicht angenommen werden darf. 

IV. Die MusterungsGewalt oder der Heerbann die zu 

Unseren obristhoheitlichen Gerechtsamen gehören, umfassen 

Kriegsdienstpfltchtigkeit 23) alle Unsere StaatsUnterthanen ohne 
Ausnahme, a) Denen Söhnen der Kanzleysässigen , deren Widmung 
zu den mancherley Gattungen der Staatsdienste und deren sonstige 
Nüzlichkeit für den Staat eine besondere Ausbildung fordert, deren 
sie sich befleissigen und wofür sie Müsse und Freyheit behalten müssen, 
bleibt in ihre Wahl gestellt, ob und für welche Gattung von Staats- 
diensten sie sich befähigen und bewerben wollen, und somit kann ihr 
Eintritt in Kriegsdienste nur nach eigener Wahl stattfinden: erwählen 
sie aber einmahl dessen Stand, so sollen sie vor allen Dingen Uns 
zu dienen sich nicht entziehen, und nur, wo Wir ihnen die Gelegen- 
heit dazu nicht machen könnten oder wollten, andern befreundeten 
Staaten zu dienen berechtigt seyn, sie hätten denn allgemeine oder 
besondere Freyheiten erlangt, die ihnen eine durchaus ungebundene 



Das achte und neunte badische Konstitutionsedikt. 281 

Wahl zwischen dem Dienst Unseres Staats und anderer damit im 
Frieden stehenden Staaten zusicheren. Alle Amts- und Stabssässige 
Staatsbürger sind der Musterung unterworfen und müssen zur Heer- 
schau und Messung in den gebottenen Zeiten und Sammelpläzen 
erscheinen, in die Musterungsrollen sich eintragen und sowohl zum 
Feld- als Landkriegsdienst sich gebrauchen lassen. Weder ein Reli- 
gionsbekenntniss noch eine Stfidtefreyheit kann eine Loszählung von 
aller Konkurrenz zum Kriegsdienst würken, '*'[inmassen es bey der 
unter dem durch ein eigenes Edict verfügten Aufhebung der- 
selben verbleibt und nur die darin gemeldeten Vorrechte in der Art 
der Kriegsdienstleistung fernerhin für die dazu vereigenschafteten 
Stadtbewohner stattfinden können, wesshalb jenes EdicX als Theil 
und Beylage dieses jetzigen anzusehen ist.] 

Feldkriegsdienstlelstiiog. 24) Zum Eintritt in den Feldkriegsdienst 
sind alle kriegspflichtige mündige Mannspersonen bis zum **drey- 
sigsten Lebensjahr einschlieslich verbunden ; später kann keiner dazu 
wider Willen angehalten werden.*** [Wieweit eine vor dem dreysigsten 
Jahr eingegangene Verheurathuug frey mache, bestimmen die jeweilige 
Auswahlsgeseze.] Untauglichkeit zum Kriegsdienst und Unentbehr- 
lichkeit für den Familienbestand befreyt von der Auswahl zum Ein- 
tritt in den Dienst, nicht aber von etwaigen Staats- oder Gemeinds- 
Auflagen, die zum Besten derer, welche die Auswahl trifft, oder zur 
Gewährleistung für deren Dienste gemacht werden müssen. Blosse 
häusliche Vortheile von der Freylassung oder Befähigung zu Gewerben 
können eine gänzliche Befreyung nicht zur Folge haben, wohl aber 
eine Verschiebung des Zuzugs der betreffenden Personen zur Auswahl 
auf einen oder ett liehe Jahreszieler; unter allen tauglichen, die in 
einem bestimmten 4uswahlstermin keine Freylassungsverhältnisse für 
sich haben, entscheidet zuerst ihre eigene Wahl, so dass der, wer 
gern dienen will, vorzüglich erwählt werde, und dann die Auswahl 
der t[verordnet€n Musterungsbeamten des Kriegs- oder Staatsfachs 
oder das Loos je nachdem es die jeweilige Auswahlgeseze vorschreiben 
(wegen deren Unser jüngstes vom .... bis auf Unsere Aenderung zur 
Grundlage dient)]. Keinem Staatsbezirk kann eine unverhältnismässige 
Anzahl von Dienstleistenden aufgebürdet werden, sondern die Last 
muss unter alle nach einem beyläufigen Verhältnis des Bezirks zum 
Ganzen vertheilt werden. Die Zeit der Feldkriegsdienste kann bey 
einem Gemeinen niemals unbestimmt, wohl aber nach den verschie- 
denen Waffengraden auf verschiedene Länge bestimmt, und die Be- 
stimmung der Dauer nach den verschiedenen Zeitbedürfnissen ver- 
änderlich seyn. Niemand, der seine bestimmte Zeit ausgehalten hat, 
kann ohne freye Beystimmung zu einer neuen Dienstnahme genöthigt, 
wohl aber wenn seine Dienstzeit im Lauf eines Feldzugs zu Ende geht, 

* omittatur als den neueren Einrichtungen nicht mehr anpassend. — 
** ponatur nach der neueren Anordnung: vollendeten fünf und zwanzig- 
sten. — *** omittatur als nicht mehr passend. — t ponatur: Behörden 
nach den jeweiligen Auswahlsgesezen. 



282 ▼• Weech. 

biss zu dessen Beendigung und Eintritt einer ErgänzungsMöglichkeit 
fortzudienen angehalten werden. Wer einer auf ihn gefallenen Aus- 
wahl sich entzieht oder aus dem übernommenen Kriegsdienst austritt, 
hat Staatsbürgerrecht und Vermögen verwürkt, und kann nur durch 
besonderen landesherrlichen Begnadigungsbrief dazu wieder gelangen. 
*[Der Feldkriegsdienst giebt einen eigenen Gerichtsstand, der jedoch 
mit Erledigung desselben oder mit dem Tode wieder aufhört, und 
alsdann die Familie unter das geeignete bürgerliche Grericht zurück- 
fallen lässt, der auch keine durch Liegenheit der Sache zu begrün- 
dende bürgerliche Gerichtsbarkeit ausschliesst.] Zum Feldkriegsdienst 
sind nicht nur die Feldregimenter sondern auch die etwaige Gamisons- 
regimenter als Depots der Ersteren zu rechnen. 

Landkriegsdienstleistung. 25) Der Landkriegsdienst kann theils 
durch Eintheilung in LandMiliz und LandRegimenter theils durch allge- 
meines Aufgebot erfordert und geleistet werden. Erstere Art einzn- 
richten, desfalls gemachte Einrichtungen wieder zu ändern oder aufiro- 
heben, bleibt jederzeit Uns und Unseren RegierungsNachfolgem vorbe- 
halten. Leztere Art kann nur für kurze Zeit und Nothfälle zur Hand 
genommen werden. Einer wie der andern Art sich zu unterziehen, 
ist jeder waffenfähige Ortssässige nicht über sechzig Jahr alte Mann 
schuldig. Er kann jedoch nur in Zeiten und an Orten, wo es ohne 
Störung seiner bürgerlichen Nahrung möglich ist, zu desfalsigen 
Waffenübungen aufgerufen, zu würklichen Dienstleistungen aber nur 
innerhalb Landes oder an den Grenzen gebraucht werden. Seinen 
Dienst, wenn er nur für kurze Zeit und in der Nähe seines Wohn- 
orts dazu aufgerufen wird, hat er auf eigne Kosten zu verrichten. 
Wird er auf längere Zeit, so dass er dadurch seine Nahrungs- und 
BerufsArbeiten versäumen muss, oder an Orte wo er nicht mehr den 
Unterhalt von seinem eignen Heerd nachziehen kann, einbeschieden^ 
so muss ihm vom Staat billige Vergütung werden. Weder ein Auf- 
gebot noch eine Eintheilung zu Landregimentern ändert an dem 
Gerichtsstand ausserhalb Diensts etwas, sondern lässt den Mann unter 
seinem bürgerlichen Gerichtsstand in allen nicht mit dem Dienst zu- 
sammenhängenden Fällen. 

Bewaftiete BOrgervereine. 26) Bewafnete Versammlungen au£EU- 
stellen oder kriegsartige Eintheilungen zu haben, ist so wenig den 
Städten und Gemeinden, als den Standes- und Grundherrn erlaubt, 
ohne besondere StaatsErmächtigung. Diese Ermächtigung können 
einzelne Städte unter bestinmiten Vorsichten erlangen, wo es vom 
Regenten nüzlich erachtet wird. Wo sie stattfindet, da können 
jedoch die bewaffnete BtlrgerCorps weder zur Waffenübung noch zur 
Waffenzierde sich versammeln, ohne zuvor die Erlaubniss von den 
verfassungsn>äsigen Behörden des Bezirks erlangt zu haben; sie 

* omittatur per Cod. Nap. et ponatur: Der eigene Grerichtsstand der 
Militärpersonen erstreckt sich nicht auf ihre bürgerliche Rechtsstrittig- 
keiten, in welchen sie als Staatsbürger vor der bürgerlichen Gerichts- 
behörde Recht zu geben und zu nehmen haben. 



Das achte und neunte badische Eonstitutionsedikt. 28S 

können ihre Yersammlongen zu keinen andern Zwecken benuzen, 
als zu solchen, die sie bey der Erlaubnissnachsuchung angegeben und 
bewilligt erhalten haben; sie müssen der erlangten Erlaubniss ohn- 
erachtet auf jede Anforderung einer ihnen vorgesezten Behörde die 
Waffen niederlegen oder auseinandergehen, alles bey Yermeidang 
sonst des Aufruhrs schuldig erachtet zu werden. Keine Freyheiten 
und Yorrechtsbriefe, sie mögen lauten wie sie wollen, können im 
Wege stehen, dass nicht die Staatspolizeygewalt, so oft sie es nöthig 
findet, die Gewehre der Unterthanen, sie mögen zu berechtigten 
bürgerlichen WaffenCorps gehören oder nicht, zur obrigkeitlichen 
Gewahrsame einfordern, oder das Recht Waffen im Hause zu haben 
oder öffentlich zu tragen an besondere polizeyliche Erlaubnissscheine 
binde, und jeden andern Besiz derselben für verdächtig und straf- 
massig erkläre. Nachdem hiemächst 

Ordentliche Anwendong der bewaftieten Macht. 27) die bewafnete 
Macht in ihrer eigentlichen Bestimmung nur zur Yertheidigung des 
Staats gegen drohende Gefahr von feindlich gesinnten Staaten ge- 
widmet ist, und in ihrer inneren Organisation so wie in ihrer be- 
stimmungsmäsigen Anwendung lediglich keinen Grundgesezen unter- 
liegt, sondern allein von jenen Anordnungen abhängt, welche nach 
Zeit und Umständen Wir und Unsre Nachfolger sachgemäs erachten 
werden: so tritt jedoch für gewisse Fälle auch ein Gebrauch derselben 
für die Ruhe und Sicherheit des Innern ein, von welchem als 
von einem Theil der inneren Staatsverwaltung hier Erwähnung zu 
thun ist. Diese Anwendung auf das Innere theilt sich in die ordent- 
liche und ausserordentliche. Die ordentliche bestehet darinn 
a) dass an Orten, wo Besazung von innländischen Kriegsvölkern sich 
befindet, dem Befehlshaber oder dem Stellvertretter desselben eine 
durch die jeweilige Polizeygesezgebung näher bestimmbare Mitwürkung 
in die Ortspolizey zustehe, um dadurch für die Sicherheit und für die 
Lebensbedürfnisse seines Untergebenen Kriegsvolks zweckmässig sorgen 
zu können; b) dass sie jeder verfassungsmäsigen Polizeygewalt in ihren 
Unternehmungen auf ordnungsmäsiges Ansuchen Beystand leisten, um 
dasjenige zur Ausführung zu bringen, was diese bezweckt, und durch 
ihre eigenen Mittel zu erwürken sich gehindert fühlt; c) dass jedem 
Staatsbürger, der wegen einer befürchteten oder andringenden Gefahr 
einer Yergewaltigung, die ihm von andern Unterthanen oder von 
fremden Privatpersonen bevorstehen, um Beystand anruft, auf seine 
Yerantwortung, Gefahr und Kosten SicherheitsWachen gegeben werden ; 

d) dass jeder, der gegen eine aus KriegsdienstAuftrag wider ihn auf- 
trettende Militärperson mit Unternehmung oder Androhung von Thät- 
lichkeiten, oder auch nur mit Schmachreden sich vergehet, in Verhaft 
genommen werden könne, um ihn zur Untersuchung und Bestrafung 
an seine geeignete Gerichtsbehörde abzuliefern. So wie sie hingegen 

e) bisher sich nicht anmasste noch anmassen durfte, ausser jenen Fällen 
gegen Staatsbürger mit GewaltÜbungen vorzugehen, oder sich durch 
ihre Übermacht in eigner Sache Recht zu nehmen, noch auch in jenen 
Fällen der gestatteten Yerhaftung der Staatsbürger über solche eine 



284 V- Weech. 

Richtergewalt sich beyzulegen, oder gar mit eigenthätiger Behandlung 
gegen sie hervorzugehen : so bleibt ihr und allen ihren Angehörigen 
eben dieses als eine grundgesezwidrige und friedbrüchige Handlung 
auch femer untersagt. 

iQMerordentliche inwendung derselben. 28) Die ausserordent- 
liche Anwendung der bewameten Macht, welche in einem kriegs- 
artigen Verfahren gegen StaatsAngehörige sich äussert, kann andere 
und früher nicht stattfinden, als wenn zuvor eine von Uns oder 
Unserer ordnungsmäsigen Bevollmächtigung geschehene £rklärang 
vorausgegangen ist, dass gewisse Personen oder gewisse Ortschaften 
aus dem Staatsfriedeu gesezt seien, oder dass ein Ort wegen Ejriegs- 
Eräugnissen als im Angrifsstand befindlich anzusehen sey. Die 
Erklärung gehet im lezteren Fall von Unseren Kriegsbehörden 
aus, und findet statt, so oft in ausgebrochenen Kriegen nöthig ge- 
funden wird, wegen Angrifsbesorgnissen oder VertheidigungsMaas- 
regeln einen Ort in wehrhaften Stand zu sezen; sie muss aber in 
einer mit aller Form der KriegsAnordnungen versehenen Urkande 
der polizeylichen Ortsobrigkeit behändigt, und von dieser mit aller 
Feyerlichkeit durch öffentlichen Ausruf in dem betroffenen Ort vei^ 
kündet werden, wo alsdann erst vom Zeitpunkt dieser Verkündung 
an ihre Verbindlichkeit und Ausführung eintritt, solche Verkündung 
jedoch von jener Polizeybehörde bey persönlicher schwerer Verant- 
wortlichkeit unaufgehalten geschehen muss. Die Erklärung des ersten 
Falls hingegen (dass nemlich gewisse Orte oder gewisse Personen 
ausser dem Staatsfrieden gesezt seyen) kann lediglich aus Unserer 
obersten Staatsbehörde für RechtsAngelegenheiten ausfliessen, allwo 
sie ebenfalls in feyerlicher Urkundenform ausgefeiligt worden sejn 
muss; ihre Verkündung geschiehet wiederum durch die polizeyliche 
Ortsobrigkeit, wenn nicht eine aussergewöhnliche Beauftragung anderer 
Staatsdiener dazu nöthig gefunden wird; und auch sie muss, wenn 
an der Form der Urkunde und Rechtsbehörigkeit der Ausstellung 
nichts zu erinnern ist, unaufgehalten, jedoch nicht durch Ausrof, 
sondern durch öffentlichen Anschlag geschehen. Der Fall wo sie 
stattfindet ist vorhanden a) bey jenen Gattungen der Personen, 
welche in die Masse der herrenlosen Gäste gehören, oder welche 
durch Fortsezung einer verbottenen Lebensart und einer dabey statt- 
findenden Zusammenwürkung Mehrerer sich in Aufstand gegen die 
Geseze begeben, annebst durch ihre Menge oder Zudringlichkeit der 
^taatsKuhe so gefährlich werden, dass die gewöhnliche Mittel der 
Fürsorge für die Staatssicherheit nicht zureichen, um den Staats- 
bürger genugsam zu beruhigen und gegen Schaden sicher zu stellen, 
sofort deshalb nothwendig wird gegen sie als gegen Staatsfeinde zu 
verfahren, auch wohl mit militärischem Angriff sich ihrer zu erwehre9. 
Der Fall dazu ist weiter vorhanden ß) gegen einzelne Ortschaften, 
wenn in diesen solche Zeichen des Aufruhrgeistes sich hervorthun, 
dass nach ihrer Beschaffenheit man nicht mehr hoffen darf, dnrcji 
gemeine Mittel der schüzenden Polizey oder strafenden Gerechtigkeit 
das Uebel zu dämpfen, und dass man daher den Ort als staatsfeii^<|- 



Das achte und neunte badische Konstitutionsedikt 265* 

lieh gesinnt behandeln mnss. Die Erklärung , dass ein Ort im An- 
grifsstand, oder ausser dem Staatsfrieden sey, bewürket, dass die 
Polizeygewalt und die Strafgerechtigkeitspflege über den Ort oder 
über die Person, die es betrift, in die Hände der KriegsObrigkeit 
übergehen (unbeschadet jedoch der bürgerlichen Rechtssachen, deren 
Gerichtsbehörde dadurch sich nicht aendert) ; femer dass einer jeden 
Widersezlichkeit biss zu ihrer Bezwingung Feuer und Schwerdt nach 
gleichen Regeln wie bey einem Verfahren in FeindesLand entgegen 
gesezt werden kann; nicht weniger dass die Untersuchungen nach 
der Kürze und Eilfertigkeit des KriegsVerfahrens bemessen und den 
üebertrettungen die Strafen nach der grösseren Strenge der Kriegs- 
geseze zugeschieden werden können. Wie weit in einem vorgelegten 
Falle jene einzelne Folgen, die alle eintretten können, auch würk- 
lich eintretten sollen, oder wie weit etwa nur ein bestimmter min- 
derer Theil derselben stattfinden solle, das bestimmt der Wille des 
Regenten nach Ermessen der Umstände, und dieses muss daher in 
jedem Fall die darüber ausgefertigte Urkunde bestimmt ausdrücken, 
der wie allen Ausnahmen von der allgemeinen Staatsordnung, da wo 
sie nicht deutlich ist, immer der engere Sinn beygemessen werden 
muss. Was endlich 

V. die Stenergewalt anbetrifft, oder das Recht ftlr den an- 
ständigen Unterhalt des Regenten, und seiner Familie, auch für die 
Bedürfhisse der Staatsgewalt im Inneren und Aeusseren durch Um- 
lagen auf das Staatsgebiet und auf die StaatsUnterthanen diejenige 
Kosten zn erheben, welche nicht durch das StaatsEinkommen (das 
heisst durch den Ertrag des StaatsEigenthums und der Herrlichkeiten) 
gedeckt sind, so behalten Wir Uns darüber besondere Verordnung 
bevor.*) 

Nachdem Wir hiedurch diejenige Grundsäze niedergeschrieben 
haben, womach Unsere Obristboheit zu Begründung der Wohlfartli 
Unseres Landes und des Ansehens Unserer StaatsRegierung fest und 
unwandelbar geübt werden soll: so weisen Wir hiermit alle Unsere 
Diener hoch und nieder an, in Verwaltung ihrer anvertrauten Dienste 
dieses stets vor Augen zu haben, weder selbst dagegen zu handeln, 
noch zu rathen, zu schaffen oder beyzuwürken, dass dagegen gehandelt 
oder etwas widriges dagegen bey Uns gesucht oder erwürkt werde: 
so lieb einem jeden ist, Unsre Ungnade, die ewige Nichtigkeit seiner 
Handlungen und den Ersaz alles für Andre daraus erwachsenden 
Schadens zu vermeiden. Hieran geschieht Unser Wille und meinen 
Wir das ernstlich. Gegeben in Unserer Residenzstadt Karlsruh. . . . 

Cp>* f. Brauer. 

») Vgl. hierüber die Einleitimg. Da der Abschnitt über die Steuer- 
gewalt im Concept des Entwurfes, in welchem er die §§ 29—32 bildete, 
nicht mehr erhalten ist, mussten auch in den nachfolgenden Bemerkungen 
die auf diesen Abschnitt bezüglichen Sätze wegbleiben. 



286 ^' Weech. 

Bemerkungen des Staatsrats BaumgärtnerJ) 

Ich habe bei Emanirnng des vorgeschlagenen Constitations-Edicts 
über die innere Staatsverfassung des Grosherzogthnms, ohne mich in 
kleinere Details einzulassen, folgende Anstände 

1) scheint es mir überhaupt gar nicht rätlich zu seyn, ein sol- 
<;hes Edict, wie es ist, in die Welt hinauszugeben, da es vieles nicht 
hat, was der dermalige Geist der Zeit erwarten dürfte. 

2) scheint es mir nötig zu seyn, dem Römischen Recht nicht bloe 
einen wissenschaftlichen Nuzen einzuräumen, sondern ihm auch die 
qualitaet eines subsidiaeren Gesezes in Fällen, wo die speciellen 
Landes-Geseze und der Code Napoleon nicht entscheiden solte, zu 
belassen. (Bemerkung Brauers zu 1 u. 2: mündlich beseüifft.) 

3) fiält es mir höchstbedenklich in einem förmlichen Constitutions- 
Edict die Theilung des fürstlichen Eigenthums von dem Staatsver- 
mögen auch nur zu erwähnen, ohne zugleich neben genauer Grenz- 
bestimmung anzuordnen, was der Regent von den separirten Re- 
venuen seines Privat-Eigenthnms zu bestreiten habe. (Bemerkung 
Brauers: Ausgethan.) 

gez. Baumgärtner. 

Bemerkungen des Staatsrats Herzog.*) 

ad Ib beziehe ich mich auf meine Bemerkung zum Neunten 
Edikte, womach ich den Regierungsnachfolger nicht fOr gebunden, 
ihn zu binden nicht für raethlich, und einen GrundVertrag mit 
Staatsangehörigen, die keine repraesentation und kein Organ haben, 
für rechtsunverbindlich und nicht existirend halte. 

ad 3 ist die angezeigte Epoke der Annahme des Code Napoleon 
nach der vorliegenden Grosherzoglichen Entschliesung unter den nadi 
der Möglichkeit sich bestimmenden die entfernteste. Ihre absolute 
Ankündigung in diesem Edikte würde daher mit jener resolution und 
mit der vorläufig dem Gesandten in Paris geschehenen Eröfhung nicht 
harmoniren. Femer scheinet mir, dass der letzte Theil des 3ten Art 
anfangend von den Worten : In dieserMaase etc. ganz wegzulassen 
seyn dörfte, weil diese Bestimmungen nach meiner Ansicht eher in 
das Edikt, womit der Code promulgirt werden wird, als hierher ge- 
hören, und in jener spaeteren Zeit Ereignüsse ihre Entwickelung er- 
halten haben können, mit denen die jetzige Zeit noch schwanger geht 
und welche daher als in diesem Betreffe eine Leitung vielleicht ge- 
bend abzuwarten seyn dorften. 

ad 4 gleich anfangs: allgemeine Pflichten; wird nur auf die 
perfekten Pflichten zu beschränken seyn. 

ad 5 passt die Bestimmung, dass die nicht in den Staatsblättem 
angekündigten Gesetze den Tag nach ihrer Verktindung als be- 
kannt angenommen werden müssen, nicht auf solche PolizeyVerord- 



^) Johann Friedrich Baumgärtner, Staatsrat und Kammerpräsident. 
— ^) Ernst Sigmund Herzog, Staatsrat im Ministerium der auswärtigen 
Angelegenheiten. 



Das achte und neunte badische Konstitutionsedikt. 287 

nungen, welche schleunige Nachachtong fordern. Zum Beyspiel, wenn 
beym Glatteise befohlen wird, zn streuen, oder, bey Besorgnüssen der 
Hundeswuth, die Hunde einzusperren. 

ad 6 versus finem: Nach dem hier bestimmten muss die Obrist- 
herrliche Entscheidung eingeholet werden, wenn Dunkelheiten und 
Zweydeutigkeiten der Gesetze vorhanden sind, und diese von der Art 
sind, dass die Worte und der Zusammenhang derselben unter sich 
und mit anderen Gesetzen einen mehrfachen Sinn oder eine verschie- 
denartige Anwendung zulassen, und nur aus der Absicht des Ge- 
setzgebers bestimmt werden muss, welches der beabsichtigte Sinn sey. 
— Mir scheinet es, dass dieses die Fälle, wo Landesherrliche Decla- 
ration und doctrinalauslegung eintrete, nicht scharf und bestimmt 
scheide, weil die unterliegende Absicht oft in dem Gesetze selbst aus- 
gesprochen ist, oder ungezweifelt aus einem in diesem Gesetze selbst 
oder in einem anderen Gesetze ausgedrtlckten Princip gefolgert wer- 
den kann, wo es alsdann nur der doctrinalauslegung bedarf. 

ad 12 wo von der Verwandtschaft des Richters mit einer Parthie 
die Rede ist, möchte statt: verbunden gesetzt werden: bewogen: 

Ebendaselbst zu dem Worte: Parthey lichkeit. Wenn dieses 
Wort nicht eine von dem Richter würklich in sententionando be- 
gangene Ungerechtigkeit bezeichnet, sondern nur überhaupt die Yer- 
hältnüsse anzeigt, nach welchen der Richter als partheyisch gilt, so 
sollte nach meiner Meinung die Nullitaet nicht ipso jure und unbe- 
dingt auf seinem Spruche haften. Denn wenn er seine Pflicht seinem 
zeitlichen Vortheile vorzieht, und so einen Spruch gibt, der die Par- 
thie, deren Unterliegen seinen Vortheil befördern würde, zufrieden- 
stellt, so ist kein Grund da, warum der Spruch nichtig wäre und die 
Sache neuerdings zur Erörterung eines andern Richters gebracht wer- 
den sollte. Es sind hier zwei Fälle: entweder die Parthie hat vor 
Fällung des Urthels bey der höheren Behörde des Richters eigenes 
Interesse angezeigt und wegen der hiedurch ihm beyzumessenden 
Partheylichkeit um seine Enthebung vom Richteramte in dieser Sache 
gebeten, sie auch erhalten. In diesem Falle wird, wenn [er] dennoch 
ein Urthel geben würde, dieses an und für sich nichtig, weil er als 
non judex gesprochen hat — oder die Parthey hatte bisher gegen 
den Richter nichts eingewandt, nach gefälltem Urthel erscheinen aber 
Umstände und würden erwiesen, unter welchen er im allgemeinen, 
nicht nach seinen Handlungen sondern nur nach dem festgesetzten 
Begriffe, in die Kategorie eines partheyischen Richters gesetzt wer- 
den muss. — Alsdann meine ich, besteht der Spruch, wenn beyde 
Theile sich dabey beruhigen, aber auch im andern Falle, wenn eine 
Parthey glaubt, durch Partheylichkeit des Richters widerrechtlichen 
Nachtheil zu leideli, so ist ihm genug vorgesorgt, wenn er die Ini- 
quitaet oder Nullitaet durch die geeigneten Rechtsmittel ausführen 
kann, darauf ob er dieses thut, sollte daher die Sache ausgesetzt 
bleiben, ohne dass indistincte die Nullitaet ipso jure erwüchse. 

in fine bey Befangenheit sollte glaube ich ausgedruckt wer- 



288 ▼• Weech. 

den, durch wen und auf welche Weise die Erinnerung geschehen sollt 
wenn daraus Verantwortlichkeit entspringen soll. 

ibidem ganz zuletzt werden die Worte der unnützen Recht- 
fertig ung eine nähere Erklärung: dass, wann, wie und warum? die 
Rechtfertigung unnütz geworden ist?; erfordern. Da übrigens manche 
in diesem Artikel gebrauchte deutsche Kunstwörter noch nicht na 
ganz gäng und gebe sind, so möchte nüzlich seyn, die lateinischen 
Ausdrücke Praeventio, Reconventio, continentia causarum etc. in 
Parenthesi beyzufügen. 

ad 15 scheinet mir, Rechtszug und Instanz seyen nicht sjmonjnn, 
sondern Rechtszug bezeichne den Uebergaug von einer Instanz zn 
einer weiteren. Man sagt z. B. vom Hofgerichte geht der Rechtazng 
ans Oberhofgericht; diesemnach liesen sich bey 3 Instanzen nur zween 
Rechtszüge denken. 

ad 27 a wird dieses wohl sich nur von Orten, die eine ständige 
Besatzung haben, verstehen aber nicht auf einen Ort, durch welchen 
nur ein Corps durchpassirt oder wo ein solches auf Commando z. B. 
zur Execution liegt. 

ad d. Dieses könnte, glaube ich, hinwegbleiben, weil darüber 
das Militaire seine Vorschriften in den Kriegsartikeln und Ordres 
seiner Vorgesetzten erhält, wenigstens möchten die Fälle der ßefug- 
nüs zu arretiren, mit genauerer Beschränkung bezeichnet werden, 
sonst würden wir alle uns gefallen lassen müssen, von einem Offiziere, 
der Schärpe und Ringkragen trägt, oder von einem Unteroffizier, der 
im Dienste beschäftigt aus einem Hause ins andere geschickt wird, 
unter dem Verwände ihm zugefügter Beleidigung in Verhaft genom- 
men zu werden. 

den 12. Mai 1808. gez. Herzog. 

Bemerkungen des Geheimen Rats v. Marschall.') 

Ad Ic. Dass die modification oder aufhebung der Grundgeseze 
nicht von dem blosen Willen des Regenten und der seine Gewalt 
ausübenden Diener abhängen solle, das liegt in der Natur der Sache; 
aber zu weit scheint es zu führen, wenn sie, wie hier, ausser dem 
Fall einer gänzlichen Staatsumwälzung oder der (in Anwendung auf 
einzelne Fälle doch immer willkührlichen) Ausübung der Machtvoll- 
kommenheit unmöglich gemacht wird. (Ist dem französischen unter- 
schied etvischen Polizey und bürgerlichen Strafen gemäs tmd p, m. v. 
zu lassen,) 

Ad 4. 1) mit erlaubt bleibender Gelegenheit zum Um- 
gang möchte wegzulassen se)ai. (Ergo proponatur melior de- 
ßnüio.) 



*) Karl Wilhelm Freiherr Marschall von Biberstein, Geheimer Rat und 
Mitglied des Justizdepartements. Die am Schlüsse der einzelnen Absätze 
in Klammern in Kursivschrift stehenden Worte sind die Gegenbemerkungen 
Brauers. 



\ Das achte und neunte badische Eonstitutionsedikt. 289 

2) Die Polizeyliche Gesezgebong beschränkt sich nicht blos auf 
die Strafe von Versehen. 

3) Der Begriff von Vergehen scheint mir zu eng zu seyn. (ergo 
proponatur melior definitio,) 

Zu den angezeigten Bestrafungszwecken scheint auch das ab- 
schröckende Beispiel zu gehören. (Bei den Verbrechen ja: steht atich 
da in V ÄbscheuErweckimg.) 

Staatsbehörde gesezlich bestimmen, (non potest fieri. Dermahlen 
heisst sie Departement, künftig kann sie anders heissen,) 

(ad 2 u. 3 Verha valent sicut numeri. Kann ein besseres 
Wort für den französischen Äusdrtick im Gegensaz gegen delit Ver- 
gehen tmd crime Verbrechen gefunden werden, per me licet: aber be- 
stimmt und nicht tvie bisher vaga muss die (jrcsezsprache seyn.) 

Ad 5 in fin. Bestätigung des Herkommens, muss sie nicht retro 
wirken? (Ja: Verbum „behalten" indigitat) 

Ad 6 ist mir das Ende unverständlich. (Eocplicäbo oretenus,) 

Ad 7. „oder die wider die Grundgeseze anstossen", möchte weg- 
bleiben, da es mit dem Anfang nicht zu harmoniren scheint. (Dis- 
sentio et explicabo), 

„Auch keine wodurch der Gewinn .... kommen können.*" Dies 
wird in der Anwendung manchen Schwierigkeiten unterliegen: z. B. 
Frohndbefreiung wegen Alters oder Schwächlichkeit. (Ist damit nicht 
beseitigt.) 

„Zweideutige oder dunkle Privilegien etc. nsque ad fin. Mir 
dünkt man sollte es bey der allgemeinen Regel, dass Privilegien, die 
dunkel sind, restrictiv zu erklären seyen, ohne distinction belassen, 
da der Grund dieser Regel allgemein ist. (IHese allgemeine Regd 
existirt nichts kann nicht existiren. Man lese nur das Gesez ^ene- 
ficia principum latissima sunt interpretanda und die Commenta- 
tionen darüber.) 

Ad 8. Nachsichtsbriefe scheinen zu eng definirt zu seyn. Z. B. 
dispensationen circa aetatem, peregrinationes gehen auf eine fort- 
laufende Reihe von Handlungen. (Sie würken nur auf den Act der 
Heurath oder des Meisterwerden ^ alles Weitere ist nicht Folge der 
Dispens, sondern des Geehlicht oder Meister-Seyns.) 

Ad 10. „Hintansetzung der Gerichtsordnung** pon. p. m. v. Ge- 
seze. (Nimmermehr: nur Hintansezung der Gerichtsordnung kann 
der Regent vor sich ziehen, jene der Geseze auf einen vorliegenden 
Fall nur der Oberrichter.) 

Ad 13. Das Forum, das durch Liegenheit der Sache begründet 
wird, sollte, dünkt mir, den andern Foris vorgehen, ohne den Klä- 
gern die Wahl zu lassen. (Non capio occasionem moniti!) 

Ad 14. Der Passus über die Schuldigkeit persönlich zu erscheinen, 
möchte wegzulassen oder die gesezlichen Ausnahmen zugleich zu be- 
merken seyn. (Die gesezlichen Ausnahmen, die nach Ort und Zeit 
verschieden seyn können und müssen, gehören zur Gerichtsordnung») 

Ad 15. „Ueber den dritten Zug .... standesherrlicher**. Dies 
wird bey vogteypflichtigen standesherrlichen Städten eine Ausnahme 

Zeitsohr. f. Gesch. U. Oberrh. N. F. VII. 2. 19 



290 ^' Weech. 

leiden, wo der dritte Rechtszug an die Justizcanzleyen geht wenn 
der Gegenstand des Rechtsstreits unter 600 fl. beträgt. (Wir habem 
noch keine, können keine haben, weil Standesherrn keine OberhohtUs^ 
Äemter zur zweiten Instanz haben, die also bey ihnen immer an der 
JustizKanzley sein würde,) 

„Keine Geringfügigkeit .... wollte.** Dies könnte leicht Anlaas 
SU verzögernden manipulationen der Sachwalter geben. (Abusus nan 
toUit usum.) gez. v. Marschall. 



Unterthanigster Antrag 

die Vollendung der KonstitutionsEdicte mit Uebergabe des 

Entwurfs zum neunten und lezten. 

Gleich nach der Erscheinung des Rheinischen Bundes legte ich 
Seiner Königlichen Hoheit in der Anlage A meine Idee über die Noth- 
wendigkeit einer Konstitution für den Badischen Staat und Ober die 
wesentlichen Gegenstände derselben vor. Höchstdieselbe approbirten 
auch diese Idee im Ganzen durch die mit B bezeichnet hier mitfol- 
gende Resolution d. d. Baden d. 27. Okt. 1806 und erwarteten Vor- 
schläge, wie die Gegenstände unter mehrere Arbeiter zu vertheilen 
und dann durch Zuzug mehrerer Personen zur Berathung auszu- 
führen seyn möchten. Der bald darauf ausgebrochene Preusische 
Krieg und die durch Verschickung veranlasste Minderung der dis- 
poniblen Personen machte es unmöglich, eine Vertheilung der Arbeit 
vorzunehmen, so wie die Erfahrung mich längst überzeugt hatte, 
dass eine Vertheilung unter Mehrere wegen des untrennbaren Zu- 
sammenhangs der Materien ohne Widersprüche und Ungleichheiten 
im Ganzen nicht ausführbar sey. Die inzwischen je mehr und mehr 
sich entwickelnde Nothwendigkeit über einzelne Gegenstände zu einer 
konstitutionellen Bestimmung zu gelangen, führte auf die Idee, die 
Konstitutionsfertigung in einzelne Edikte zu zerschlagen und so sie 
nach und nach zur Berathung und grossherzoglichen Sanction zu 
bringen, zumal voraussichtlich das Ganze so weitläuftig hätte werden 
müssen, dass schwer Ihre Königliche Hoheit die bequeme Zeit zu 
dessen Prüfung würden geifunden haben. So sind nun nach und nach 
das erste Konstitutionsedikt über Kirchenverfassung, 
das zweite über die Gemeindsverfassung, 
das dritte über die Standesherrlichkeitsverfassung, 
das vierte über die Grundherrlichkeitsverfassung und 
das fünfte über die Lehensverfassung schon erschienen, 
das sechste über die Ständeverfassung [nemlich über die ver- 
schiedenen Klassen der Staatsbürger und ihre Rechte] und 

das siebente über die Dienerverfassung unterliegen dermahlen 
der Grossherzoglichen Sanktion; 

das achte über die Staatsverwaltungsverfassung wird in diesen 



Das achte und neunte badisdie Konstitutionsedikt. 291 

Tagen nach erfolgter Berichtigung im Polizeydepartement zum Ge- 
sammtrath tibergeben werden; nun ist noch 

das neunte über die Gewährleistung der Verfassung übrig, wel- 
ches ich in der Anlage entworfen und zwar zum Grossherzoglichen 
Staatsdepartement vor (sie!), weil dieser Schlusstein des Gewölbes, 
bey welchem politische Betrachtungen die Hauptsache ausmachen, 
durch dieses an den vollen Rath gebracht zu werden mir geeignet 
scheinen (sie!). 

Wenn ich mich dabey über die Nothwendigkeit einer Gewähr- 
leistung und über die für den Regenten mindest beschwerliche Art 
derselben vordersamst auf das, was desfalls in Lit. A gesagt ist, be- 
ziehe, so haben die seitdem eingetrettenen Tagesereignisse, wo der 
grosse Staatenschöpfer Napoleon mit mehreren neuen Staaten auch 
neue Konstitutionen geschaffen hat, die alle auf ein Repräsentativ 
System des Volks gegründet sind, das unserem gnädigsten Herrn mit 
Recht sehr widrig ist, die Betrachtung nahe herbeigeführt, dass man 
Ursache habe, eine vollendete und mit irgend einer Art Gewähr- 
leistung, ohne welche nach des Kaisers Ausdruck jede Konstitution 
nur Blendwerk ist, versehene Konstitution aufzuweisen, wenn man 
nicht Gefahr laufen will, eine solche von fremder Hand und über 
einen der hiesigen Landesart fremdartigen Model zugeschnitten un- 
versehens vorgeschrieben zu erhalten. Ich habe die Form derselben 
so einfach und wenig kostspielig, als mir möglich schien, und mit 
Vermeidung aller Repräsentations-Idee eirichtet und wünsche, dass 
sie des höchsten Bejrfalls werth erscheine. 

Von meiner Eingangs gedachten bey Lit. A liegenden Skizze 
wird dadurch der Art. 7 und zwar in noch etwas vereinfachter Art 
erfüllt. Die Art. 6 und 5 sind in dem 2. 3. 4. 5. 6. 7. und 8. Edikt 
nur nach einer etwas geänderten Systemsordnung ausgeführt. Der 
Art. 4 jener Skizze ist nach den indessen von mir mit Militärper- 
sonen umgetauschten Ideen und nach den inzwischen an anderen 
Konstitutionen gemachten Erfahrungen als eigener Artikel verworfen 
und nur das zum Zusammenhang der Civilregierung Wesentliche kurz 
in einigen Paragraphen des ersten Konstitutionsedikts dargestellt, 
und aus Art. 1 ist das Nöthige in dem sechsten und neunten Edikt 
eingeführt. Wenn man eine Konstitution in drei Theile theilt, deren 
der eine das äussere Staatsrecht umfasst (das nicht durch Edikte, 
sondern durch Staatsverträge bestimmt wird, welche blos Zeit und 
Gelegenheit herbeyführt, auf die also dieser Theil auch ausgesezt 
bleiben muss), in das innere Staatsrecht (welches nun durch obige 
Ediktsentwürfe vollendet ist) und in das Familien-Staatsrecht des Re- 
genten, 80 bleibt nun nur noch dieser dritte Theil (der in meiner 
Skizze Lit. A. den Art. 2 ausmachte) oder das Grossherzogliche Fa- 
milien-Statut einer besonderen Entwerf ung über, die ich, als von dem 
übrigen durchaus trennbar, in mein Respiciat nicht einschlagend und 
durch meine Vorkenntnisse nicht vorbereitet, andern überlasse, nur 
nber auf ihre dringende Nothwendigkeit aufmerksam machen muss. 

Karlsruhe den 30. Merz 1808. Fr. Brauer. 

19* 



292 ▼• Weech. 

Beilage A zur Anzeige über die Constitiitions-Yollendimg 

vom 30. Merz 1808. 

Unterthänigste Anzeige 
die Nothwendigkeit einer Constitution betr. 

üeber Badens Yer&ssung. 

Man spricht nun schon lange von der — allerdings auch immer 
nöthiger und dringender werdenden — OrganisatioB der neuen Staat»* 
Maschine: aber an ein anderes eben so dringendes und der Zeitord- 
nung nach jenem vorauszuschickendes Bedfirfhiss, nemlich an eine 
neue CoDStitution dieser Staats-Maschine scheint noch der Gedanke 
nicht zu kommen. Dieses gehet an sich sehr natürlich zu; bisher 
war der Staat constituirt durch die Eeichsgeseze, und die in solchen 
bestättigte Familienpacta, und diese Constitution hatte ihre Festig- 
keit und Garantie durch das mit seiner Reichsversammlung vereinte 
Reichsoberhaupt. Jezo ist alle Reichsobergewalt und alle Gültigkeit 
und Kraft der Reichsgeseze aufgehoben; aber man hat sich nicht ge- 
wöhnt noch, diese Aufhebung in ihren einzelnen Folgen sich deutlich 
vor Augen zu stellen, und so denkt man sich noch immer den gross- 
herzoglichen Staat als constitairt, ob er es gleich nur dem Schein 
nach noch ist. Entsteht nicht ein neues rechtliches Band, das den 
Regenten und die verschiedenen Classen der ünterthanen ordentlich, 
an einander schlinget, so muss nothwendig in nicht langen Zeiträumen 
ein Reiben und ein Auseinanderfallen der so verschiedenartig 
coalescirten Theile entstehen, und dann durch Fehden langer Jahr- 
hunderte und deren vom Zufall dirigirte Ausgleichung nach und nach 
wieder eine unsistematische Verfassung entstehen, wie die alte 
deutsche Landeshoheit entstand; oder es muss ein mächtigerer Nach- 
bar sich darein schlagen, um jene Reibungen durch Vorschrift einer 
Konstitution zu beseitigen, welches Mittel dann weder dem Interesse 
des Grossherzoglichen Hauses und Landes noch' der Ehre eines sou- 
veränen Staats angemessen ist. 

Die Nothwendigkeit einer Constitution ftlr einen souveränen 
Staat ist auch so allgemein anerkannt und gefühlt worden, dass bey 
allen den vielen StaatsUm wälzungen und Rückwälzungen, die nun 
seit anderthalb Jahrzehnten vor unseren Augen vorüber gegangen 
sind, immerhin eine neue Constitution das erste war, was man vor- 
anstellte. 

Ein kleiner Theil der Materialien dazu wird nun von dem Herrn 
Präsidenten Frh. von Marschall vorbereitet, indem er über die Ver- 
fassung der neu hinzugekommenen Grafschaften und Herrschafiten 
unterhandelt und demnächst auf die nun zu erwartende Petita der 
Ritterschaften, die an Seine Königliche Hoheit kommen, weiter das 
Nöthige, anpassend an jene Unterhandlungen, anzugeben haben wird, 
woraus dann, wenn Höchstdieselben darüber eine EndResolution neh- 
men, diese alsdann auch zugleich den Stof zu den desfallsigen Con- 
stitutionsAbschnitten ausmachen wird. 



Das achte und neunte badische Konstitutionsedikt. 293 

Noch vier andere Haupttheile bleiben übrig, über deren Bearbei- 
tung noch nichts eingeleitet ist. 

Einmahl die regentenamtliche Verfassung, die nun durch die 
alte Haus- und Familien-Statute nicht mehr regiert werden kann, 
theils weil diese, die ohnehin auf die Reichsverfassung eingerichtet 
sind, nun in unzähligen Stücken unanwendbar werden; theils und 
noch mehr, weil sie ihre bisher durch die Reichsgeseze gehabte Gül- 
tigkeit und durch die ReichsstaatsGewalt gehabte Guarantie verloren 
haben. Ohne deren Constituirung würde selbst die jezige Erb- 
befähigung der Herren Grafen von Hochberg ein völlig bodenloser 
dem blossen Zufall zur Guarantie heimgegebener Act sein. 

Zweitens die Landkirchenverfassung: da alle Verbindlichkeit 
des Westphälischen Friedens aufhört, so kann ohne neue Religions- 
assecuration durch die Grundverfassung des Staats jeder Regent die 
Kirchen des Landes nach Belieben aufheben und ummodeln. 

Drittens die Verhältnis des Militäreinflusses in die Staatsver- 
waltung, ohne deren Bestimmung unter einem etwa allzueinseitig 
diesen Stand begünstigenden Regenten das Wohl der ünterthanen 
zertrümmert und der Grund zum Aufruhr gelegt oder, unter schwachen 
Regenten, die Armee, wie in den lezten Jahrhunderten der Römi- 
schen und in der Strelitzen-Epoche der Russischen Monarchie, Leben 
und Regierung des Regenten ganz den Militärfactionen Preis wer- 
den kann. 

Viertens die Guarantie der Constitution, wodurch nemlich der 
Gründer des Staats sich versichert, dass nicht blos der wohldenkende 
Nachfolger bei der ihm stets verbleibenden Organisirung und Leitung 
der Staatsmaschine jene Grundlagen, worauf der Staat constituirt ist, 
immer unverrückt lassen und erhalten werde, sondern dass auch der 
etwa misleitete Motive finde, die ihn im rechten Geleise erhalten 
oder dahin zurücktreiben und Dritte so wenig als möglich durch Zu- 
fiille begünstigt, sich eine Verrückung des Staats von seinen Grund- 
pfeilern und des Regenten von seiner rechtmässigen Regierungsge- 
waltUebung zum Ziel sezen können. 

Wie richtig und wichtig diese Betrachtungen seien, dieses wird 
fQr den näheres Licht empfangen, wer sich die Mühe geben will, die 
beyliegende Skizze der in der Constitutionsürkunde abzuhandelnden 
Materien und die dabey zu nehmenden Gesichtspunkte — wie sie mir 
lebhaft vor dem Auge stehen — zu erwägen, und wer etwa die neueste 
französische Constitution über das Erbkaiserthum samt denen noch 
darin bestätigten Artikeln der älteren über die Verfassung der Re- 
publik vergleichen will. 

Diese vier Punkte sollten also meines Bedünkens jezo gleich sol- 
chen Räthen von S. K. H. zur Bearbeitung übertragen werden, welche 
HochSie desfalls mit dem Zutrauen der Einsicht, der Wohlmeinen- 
heit und der prompten Vollendung beehren, damit sie alle zu der 
Zeit bearbeitet vorgelegt werden können, wo man mit den Materialien 
'der Arbeit des Frhn. v. Marschall zum Vortrag gefasst ist, um als- 



294 ▼. Weech. 

dann mit jenen in eine Constitationsürkunde zosammengearbeitet za 
werden, die der neuen Organisation, als welche in ihren Modificationen 
immer der Willkühr jedes Regenten nach seinem Ermessen ttber ESr- 
fordemiss der Zeitumstände untergeben bleiben mnss, zur unwandel- 
baren Grundlage diene, so lang nicht — welches Grott stetshin ver- 
hüten wolle — schwere Weltereignisse eine neue Staatsumwälzang 
[und] mit ihr die Nothwendigkeit einer neuen Staats-ConsütatioiL 
herbejrführen. 

Also aus devotester Verehrung niedergeschrieben. 

Carlsruhe den 22. September 1806. Fr. Brauer. 

Skizze 
der wesentlichen Theile einer neuen Constitution des badischen Staats. 

1) Allgemeine Grundverfassung. 

Ihre Gegenstände sind Einheit und Untheilbarkeit der Lande 
— monarchische Gewalt des Regenten — Beybehaltung des Unter- 
schieds der Staatsbürger nach dem Herren- Ritter- und Bürger-Stand 
oder hohen Adel — niederen Adel, und Bürger — Freyheit der Personen 
unter dem Gesez, also keine Knechtschaft, vielleicht auch keine Leib- 
eigenschaft, wenigstens nicht unter diesem Namen und nicht mit be- 
schwerlichen Würkungen auf die Persönlichkeit des Unterthanen, 
aber auch keine Licenz von Ständen oder Personen, sich dem Staats- 
gesez und seiner Anwendung zu entziehen; also Gleichheit vor dem 
Gesez und dem Gericht — Sicherheit des Eigenthuras — Pflichtigkeit 
zu Staats-Auflagen, und ortsherrlichen Abgaben. 

Gesichtspunkt: 
Möglichst das Alte, und wo es verschieden ist, aus ihm das Beste 
beyzubehalten, es aber in seinen Benennungen und Formen dem Zeit- 
geist anzupassen, der nicht mehr alles tragen kann, was er sonst 
trug, aber gar leicht sich mit Worten statt Sachen sättigen lässt 

2) Verhältnisse des Regenten. 
Gegenstände: Gelangung zur Regierung nach dem Recht der 
Erstgeburt für die männliche Descendenz beeder Ehen S. K. H. — 
Eröfnung des RegierungsAntritts (ob nur durch Tod oder auch durch 
RegierungsUnlähigkeit) — Art desselben (ob nur durch Huldigungs- 
einnahme auf die Constitution oder auch durch regentenamtliche Ge- 
genversicherungen auf deren Festhaltung) — Alter zu deren Selbst- 
führung — Vormundschaft über die Person des minderjährigen Re- 
genten — Regentschaft über die Lande desselben — Verhältnisse der 
FamilienGlieder zu ihm — Deputate der Prinzen des Hauses — Aus- 
steuer und Unterhalt der Prinzessinnen — Testirungs- und Adoptions- 
Befugnisse und Formen für den Regenten (ob und wie weit eine 
oder die andre ihm zustehn) — Regierungsfolge nach Abgang alles 
Mannsstamms (ob den Töchtern und nach welcher Ordnung sodann). 

Gesichtspunkte: 
Beybehaltung dessen aus den Familienstatuten, was noch in der 



Das achte und neunte badische Konstitutionsedikt. 295 

oeuen Ordnung der Dinge anwendbar ist, mit Umgehung alles dessen, 
was in einen souveränen, keinem gemeinen oder positiven Recht un- 
terliegenden Staat nicht passt (z. E. Verzicht der Töchter bis auf 
den ledigen Anfall, ReichsAusträge, Fideicomissbenennung für das 
StaatsEigenthum u. s. w.) oder dessen, was nach Cassirung eines 
Oberhaupts dem Regenten für sein Ansehen oder seine Rechte ge- 
fährlich werden kann (z. E. der Theilnahme der Mutter an der Läu- 
desRegentschaft, der Theilnahme des Landesregenten an der persön- 
lichen Vormundschaft, der vorbestimmten Widmung der Regentschaft 
für den ältesten Agnaten, zumahl für Fälle von Gemüthsschwäche 
und daher rührender Regierungsünfähigkeit). 

3) Verhältniss der Religionen und Kirchen zum Staat. 

Gegenstände: Die persönliche Religionsfreyheit — die Ver- 
samlungsfreyheit in Bethäusem oder Kirchen — die Rechte am alten 
Kirchengut — die Widmung neuen Kirchengutes — die Directiv- 
befugnis der Kirchengewalt — die Subjection derselben unter die 
Staatsgewalt — die Freyheit und Unterwürfigkeit der Kirchendiener 
— die Freyheit und Unterwürfigkeit der kirchlichen Gesellschat'ts- 
handlungen. 

Gesichtspunkte: 

Keinem, dass er seiner Privat-Ueberzeugung folge, zu wehren, 
aber auch keinen, dass er andre darinn störe, oder vom Staat dafür 
positive Unterstützung verlange, die nicht in der Verfassung besteht, 
zu berechtigen. Alle alte Streitigkeiten, die nicht anhängig sind, ab-, 
diese lezteren nach Principien der Billigkeit und des dermahlig 
grösseren Staatsvortheils durch-zuschneiden, nachmals aber ein un- 
wandelbares uti possidetis für das Kirchengut aufzustellen — Unge- 
mischte Orte ungemischt zu erhalten — Keine Jurisdiction in Ehe- 
und Kirchensachen, so viel davon aufs Äussere und Zeitliche Bezug, 
einem landesherrlichen oder nicht landesherrlichen Kirchen-CoUegio 
zu gestatten, aber ihm zur Dienstpolizey über die Diener und zur 
Religions- und Sitten-Polizey über die Bürger freye Hand zu lassen; 
auch da jedoch keinerley Gewaltshandlung ohne Staats-Einsicht und 
Billigung zur Verkündigung und zum Vollzug kommen zu lassen — 
Keinen Religionsbedrückungen der Staatsgewalt, die persönliche 
Ueberzeugung des Regenten sey, welche sie wolle, Plaz zu lassen. 

4) Verhältnis der bewaffneten Macht: 

Gegenstände: Absolute Abhängigkeit vom Regenten, durch 
keine Constitutions-Säze beschränkt — absolute Unabhängigkeit von 
jeder höheren oder niederen, nicht militärischen Staatsstelle — abso- 
lute Unfähigkeit aller höheren oder niederen Civildiener mit Bey- 
behaltung eines directiven oder executiven Civildienstes, eine Militär- 
charge zu begleiten und umgekehrt; — Errichtung einer von der 
Militär-Influenz ganz freyen bewaffneten Polizeywache zur inneren 
Sicherheit gegen rechtlose oder der Rechtsordnung sich entziehende 
Menschen oder Gewalten, mithin völlige Trennung des Zwecks der 



296 ▼• Weech. 

äusseren Sicherheit durch die regulirte und der inneren durch die 
polizeyliche bewaffnete Macht — Bestimmung der absolut frejren 
Stände und Personen (Effectivfreye gehören nur in das Cantonsregle- 
ment als einen Theil der Organisationsgesetze) — Bestimmung der 
Forderungsrechte an die Unterthanen im allgemeinen, z. E. Quartier- 
last, Lieferungen, Frohnden (die Art der Leitung und die Modifi- 
cationen der Rechtsausübung gehören zu den organischen Gresetzen). 

Gesichtspunkte: 
Das Militär rouss durch nichts im Staat gehindert werden können, 
den Willen des Hegenten zu vollziehen; das Militär muss aber auch 
nirgends in die Lage kommen, den Willen des Regenten lenken zu 
können, oder aber gar seiner Anordnung sich würksam zu wider- 
sezen, und die Staatsverwaltung nach seinem Sinn zu lenken, oder 
die Staatsgewalt in seine Hände zu bringen. Das Militär muss über 
seine Untergebene eine durch niemanden als den Regenten be- 
schränkte Willkühr haben; aber gar keine darüber, wer aus dem 
Bürgerstand sein Untergebener werden soll ; hier dürfen nur die Ge- 
seze die Pflicht und die Militärbehörde die Tauglichkeit, blos 
aber die Civilbehörde die Auswahl bestimmen, wenn ein für den 
Kriegszweck solides, für den Staatszweck unschädliches und für 
den Regenten ungefährliches Fundament zu einem kriegerischen 
Staat — wie nun einmahl der Badische seyn muss — gelegt wer- 
den soll. 

5) Bestimmung der unveräusserlichen Staatsrechte 

[SouveränetätsAusflüsse]. 

Gegenstand: Aufstellung der bewaffneten Kriegs- oder Polizey- 
Macht — Verhandlungen über Staatsinteressen mit auswärtigen im 
Krieg- und Friedenstand — Gesezgebende Gewalt — Erteilung etr 
licher der obersten Staatswtirden — Obergerichtsbarkeit — Oberherr- 
lichkeit (darunter verstehe ich das Recht, ohne weitere Rechenschaft 
schuldig zu seyn, die Leitung der Bürger zum Staatszweck zu be- 
sorgen) — Recht der Auflagen (darunter verstehe ich das Recht, 
wandelbare, nur durch das Bedürfniss ihr jährliches Mass erhaltende 
Entrichtungen an den Unterthanen zu fordern) — Pflicht in Absicht 
anderer Staatsschulden und Staatseinnahmen (hier wird das schon 
vorgelegte Statut alles hieher gehörige erschöpfen) — Oberlehenherr- 
lichkeit — Geistliche Hoheit. 

Gesichtspunkte: 

Alles muss hier so gefasst werden, dass es nur als Erklärung 
der für den Souverän streitenden Regel erscheine und seine An- 
wendung ohne Einschränkung finde, wo und so weit nicht ein Staats- 
bürger oder Einsasse eine durch die Verfassung zu Stand gekommene 
oder geschüzte Einschränkung beweist. 

6) Verhältnisse der vcräusserlichen Staatsrechte. 

[HoheitsAusflüsse.] 
Gegenstände: Mittelgerichtsbarkeit— Untergerichtsbarkeit — 



Dm achte und neunte badische Eonstitutionsedikt. 297 

StandesheiTlichkeit (d. i. Polizeygewalt des mit Mittelgerichtsbarkeit 
beliehenen Landsassen des Herrenstau des) — Ortsherrlichkeit (d. i. 
Polizeygewalt der nur mit Untergerichtsbarkeit Beliehenen, beede 
mit Unterordnung unter die Oberherrlichkeit) — Lehenherrlichkeit 
(mit Ausschluss aller nur aas StaatsUebertragung auszuübenden Rechte, 
die künftig nur vom Regenten zu Lehen gehen) — Recht der Ab- 
gaben (oder ständiger Erhebung der Landes- und Ortsherren) — 
Kirchenvogtey (oder Schutz der Kirchengesellschaften bey den ver- 
fassungsmäsigen Rechten und Einkünften). 

Gesichtspuncte: 

Rechte, die bey ordentlicher Ausübung wenig oder nichts ein- 
tragen, aber leicht durch Misbrauch EinnahmeQuellen werden können, 
müssen nicht verliehen werden ; kein Recht muss so begeben werden, 
dass nicht der Regent nach Belieben durch ausserordentliche Visi- 
tationen so gut, als im Weg der ordentlichen Staatsverwaltung 
sich von der ordnungsmäsigen Anwendung desselben versichern könne 
— Jurisdiction muss niemand erhalten, wer nicht so viele seiner Orts- 
herrlichkeit untergebene, nahe beysammenliegende Orte besizt, dass 
er (um Untergerichtsrechte auszuüben) einen eignen nothdürftig be- 
soldeten, von ihm nach einmal geschehener Anstellung unabhängigen 
Justitiar, (oder um Mittelgerichtsbarkeit auszuüben) ein von den 
rechtsverständigen Mitgliedern, die eigens dafür angestellt und be- 
soldet sind, beseztes Gericht halte — Jurisdiction und Ortsherrlich- 
keit muss nicht für eigen, sondern blos lehens weise von Privatper- 
sonen besessen werden; sie kann solchen nie über Ortschaften, die 
Städterecht haben, hinwiederum aber auch keinen Städten über an- 
dere Gemeinden zustehen — die Lehenbarkeit muss nie die mit der 
Ortsherrlichkeit verbundenen, aber von jedem Privatmann auch ohne 
sie beziehbaren Renten und Güter an sich ziehen, wo sie nicht vor- 
hin lehenbar waren, mithin nicht das PrivatEigenthum der jezigen 
Besizer beschränken: die Ortsherren dürfen nicht den Bezirks-, 
sondern nur den Provinz Vorstehern untergeben seyn, müssen ihnen 
aber einzeln zur Rede stehen und dürfen in Absicht auf ihre be- 
sitzende veräusserlichen Staatsrechte keine Gesellschaften formiren. 

7) Garantie der Staatsverfassung: 

Gegenstände: Wer soll der Wächter über solche seyn? — wie 
soll dessen Aufmerksamkeit verfassungsmäsig angeregt werden? — 
wie soll er würken können? woher soll seine Würksamkeit Nach- 
druck erlangen? 

Gesichtspunkte: 

Die Gewährleistung muss nie den Staat in ein mit seinen Bundes- 
pflichten collidirendes Interesse verwickeln (Ausschliessung fremder 
Guarants): sie muss nie zu einer fremden Oberherrschaft Anlas wer- 
den können (Ausschliessung der rheinischen Bundesversammlung und 
ihres Protektors): sie muss nie dem Regenten einen Damm in der 
organischen Leitung der Maschine entgegensezen und ein ihm ent- 



298 ▼• Weech. 

gegenstehendes Interesse gründen (Ausschliessung von Reichs- oder 
Land-Ständen): sie muss aber doch auf begebende Fälle, wo die Re» 
gierung misleitet oder von unberechtigten Zugriffen gefährdet ist^ 
auf eine der Souveränetät unnachtheilige Art einschreiten können 
(Aufstellung eines auf die Landesverfassung anpassenden Erhaltungs- 
Senats). 

Beilage B. zur Anzeige über die Constitutions-VoUendung 

vom 30. März 1808. 

Baden den 27t«« Oktober 1806. 

Seine Königliche Hoheit haben Sich die Anzeige des Herrn (Je- 
heimen Raths Brauer über die Nothwendigkeit einer neuen Constitution 
des Badischen Staates d. d. Carlsruhe d. 22»*«" Oktbr. (sie !) 1806 nebst der 
anliegenden Skizze der wesentlichen Theiie derselben — unterthänigst 
vorlegen lassen und Sich von der Nothwendigkeit der Entwerfnng 
einer solchen Constitution überzeugt. Höchstdieselben erwarten da- 
her vordersamst noch, theils die unterthänigste Anzeige derjenigen 
Gegenstände, deren Bearbeitung der Herr Geheime Rath Brauer 
selbst übernehmen will, theils aber auch gutachtlichen Vorschlag sol- 
cher Räthe, welche zu Ausarbeitung der übrigen Gegenstände in aller 
Hinsicht für geeignet geachtet werden, und ohne Benachtheilung an- 
derer wichtiger DienstGeschäfte sich dieser Ausarbeitung in der ge- 
hörigen Zeit unterziehen könnten — um aus den vorgeschlagenen 
Personen hernachmals zu wählen. 

Was sodann die in der beyliegenden Skizze benannten (jegen- 
stände betrifft, so haben Sich Höchstdieselben vorläufig dahin ge- 
äussert, dass nach der angegebenen Ansicht in Ihren neuern Staaten 
sowenig als in den alten weder Knechtschaft, noch Leibeigenschaft 
stattfinden solle. 

Im allgemeinen aber haben Serenissimus zu äussern geruhet, 
über den gevertigten Entwurf der neuen Constitution würden seiner 
Zeit, vor Ertheilung der Sanction, auch Personen aus andern Ständen 
zu hören seyn; und erwarteten sie übrigens nunmehr vordersamst 
die oben erforderte Anzeige und Vorschläge. 

(gez.) Placet Carl Friderich. 

• Vdt J. Weiss. 

Neuntes und leztes Eonstitutionsedikt 
über die Gewährleistung der Staatsverfassung. 

C. Fr. 
Nachdem die göttliche Vorsehung vordersamst durch den Lüne- 
viller Frieden vom 19. Febr. 1801 jenen Theil ünsrer alten Stamm- 
lande, der auf dem linken RheinUfer liegt. Unserer Regierungsob- 
sorge entzogen, nachmals aber zuerst durch den Reichs-Deputationa- 
Recess vom 25. Febr. d. J. 1803, sodann durch den Pressburger Frie- 
den vom 26. Dezemb. d. J. 1805, endlich durch den Rheinischen 



Das achte und neunte badische Konstitutionsedikt. 299 

Bundesvertrag vom 12. Juli 1806 mittelst der wohlwollenden Vor- 
sorge S^ Majestät des Kaisers von Frankreich, Königs von Italien 
und Beschützer des Rheinischen Bundes einen weit ansehnlicheren 
Zuwachs an Landen auf der rechten Rheinseite Unserer Staatsver- 
waltung untergeben hat, welche sich nun in Unserer Hand unter 
der Benennung des Grossherzogthums Baden zu einem untheilbaren 
souveränen Staat vereinigt finden, dessen Regierung nach Primo- 
genitur-Erbrecht Uns und Unserer ehelichen männlichen Nachkom- 
menschaft zusteht: so Hessen Wir es Unsere erste Sorgfalt seyn, die- 
jenige StaatsEinrichtungen zu treffen, welche auf das eheste die Lei- 
tung des Ganzen zu einem in einander greifenden Gang zu bringen 
vermöchten. Neben andern desfalsigen VerfassungsAnordnungen, wo- 
durch das Land in Provinzen und Bezirke abgetheilt und die untere 
und mittlere Rechts- und Polizey- Verwaltung biss auf Aendemng so 
bestimmt wurden, wie es damals für ein zweckgemässes Zusammen- 
greifen am vortheilhaftesten erschien, bestimmten Wir auch zu Un- 
sern Ratgebern und zum Theil Stellvertretern in der obersten Lei- 
tung der Staatsgeschäfte mittelst Edicts vom 20. Mai 1807 ein in vier 
Abtheilungen oder Departements handelndes und nach Beschaffenheit 
der Fälle in vollem Rath, in General- oder Special-Konferenzen be- 
rathschlagendes Ministerium oder Geheime-Rats-Kollegium, so wie 
durch Edict vom 6. Mai 1807 ein in zwei Kammern getheiltes und 
je nach Beschaffenheit der Sachen im vollen Rat oder in solchen 
Kammern handelndes Oberhofgericht, welchen obgedachten, dieser 
Urkunde in beglaubten Abschriften angehängten Verfassungs-Vor- 
schriften Wir nun nach denen inzwischen versuchten Erfahrungen 
gleiche grundgesezliche Kraft beylegen, als ob sie hier namentlich 
eingerückt und wiederhohlt worden wären. Nächst diesem Hessen 
Wir als dermahlig einziger Ahnherr Unseres ganzen Stammes zugleich 
kraft der in Unserer Person vereinten Obrystherrlichen und stamm- 
hauptlichen Gewalt Uns angelegen sein, nach und nach, wie Zeit und 
Umstände es gestatteten, in acht besonderen, der gegenwärtigen Ur- 
kunde vorausgegangenen KonstitutionsEdicten jene Säze auszusprechen, 
welche die ständige und unwandelbare Verhältnisse zwischen Kirche 
und Staat, zwischen den verschiedenen Klassen der Staatsbürger 
unter sich sowohl, als gegen Unsere höchste Staatsgewalt, endlich 
zwischen den Berechtigungen, auch Gegen- und Wechsel würkungen 
der verschiedenen Zweige der Obristhoheitlichen Gewalt zu ordnen 
vermögen. Nun bleibt Uns nur noch übrig, für Unsere Angehörigen 
das Vertrauen landesväterlich zu begründen, dass alle diese für un- 
wandelbar erklärte Grenzscheidungen auch ebenso unverrükt jeder 
Zeit werden beobachtet werden. Zu diesem Ende finden wir nöthig, 
durch gegenwärtiges neuntes Grundgesez, das den Schluss Unserer 
Staats-Konstitution und in Verbindung mit den acht früheren und 
der Rheinischen Bundesacte die ganze Verfassung Unseres Staates 
bestimmt, die Gewährleistung der Staatsverfassung ausführlich 
zu ordnen und festzusezen, wie hier nachgeschrieben ist: 

1) Die Hauptstüze der Beruhigung and des Zutrauens Unserer 



300 ▼• Weech. 

Unterthanen ruhet auf dem Glauben an die von Unserem Lande biss 
hieher so vielfach und so auffallend erfahrene gnädige Regierung 
Gottes, deren Wir auch für alle Zukunft in getroster Ergebung Uns, 
Unsre grossherzogliche Familie, auch Unsre Lande, Leute und Unter- 
thanen zu besonderem Schuz und Schirm empfehlen: nächst diesem 
haben sie solche in der Rechnung auf Yatterliebe und Regenten- 
tugenden Unserer Nachfolger in der Regierung zu begrtlnden, und 
diese Rechnung mag um so sicherer gezogen werden, je klarer ihnen 
die in Unsrer langjährigen Regierung vielfach bestätigt erschienene 
Wahrheit einleuchten wird, dass nur Beschränkung eigener Wünsche 
und Annehmlichkeiten zum Besten der GesamtWohlfart des Landes 
dem Regenten Achtung im Ausland und Liebe im Innland sichern, 
und ihm durch stürmische Zeiten und drückende Weltlagen glücklich 
hindurchhelfen ; und je mehr dieser Wahrheit nun durch den Rheini- 
schen Bund eine in das Partikular -Interesse des Regenten, wie in 
das allgemeine des Staates gleich tief eingreifende Triebfeder bey- 
gesellt worden ist, als welcher Bund jedem Bundesstaat die Aussicht 
zeigt, dass sein WürkungsKreys nicht blos vereinzelt werde betrachtet, 
sondern nach den in einander fliessenden Folgen der vielseitigen Be- 
rührung werde beurtheilt werden, und dass er somit nur insoweit 
frey und souverän bleiben könne, als der Regent desselben seine 
Handlungen in den Schranken der Ordnung und der Gesezlichkeit 
genau einzuhalten selbst sich befieissigt. 

2) Inzwischen würde (wie Unsere eigenen langjährigen Regierungs- 
Erfahrungen Uns belehren) dieses mit Recht bey Unseren Unter- 
thanen vorauszusezende Zutrauen doch nach dem Gang der mensch- 
lichen Gemüthsempfindungen nicht auf die Dauer feststehen, wenn 
Wir nicht eine solche Beratungs- und Erörterungs-Art derjenigen 
Angelegenheiten, welche die Gnindverfassung Unseres Grossherzog- 
thums unmittelbar berühren, festsezen würden, womit Wir und unsere 
RegierungsNachfolger gegen Unterlegung solcher ansichten gesichert 
bleiben, die Irrthum oder Leidenschaftlichkeit misleitet und in einen 
falschen Sehpunkt gestellt haben möchte, um vom Regenten Ent- 
schliessungen zu erwtlrken, die Er bei Vorlegung einer richtigen 
Uebersicht seiner Regenten-Pflicht und Ehre unangemessen würde 
erachtet haben. Deswegen bestimmen Wir Unser Ministerium und 
Oberhofgericht zu Wächtern und Gewährleisten! der Grundverfassung 
Unseres Grossherzogthums; beede in der Masse, dass nichts, was auf 
die Konstitution Bezug hat, zu Kräften erwachsen könne, es sey denn 
je nach der Verschiedenheit des Falls im Departement vorbereitet, 
im vollen Rath oder einer GeneralKonferenz begutachtet und so mit 
aller Sachkenntniss und Urtheilsreife von dem Regenten gebilligt 
oder befohlen worden, habe hiemächst gegen etwaige statthafte Ge- 
genreden einzelner Widersacher, wo deren auftreten, den Sieg vor 
dem Oberhofgericht als Verwalter der obristrichterlichen Gerechtig- 
keitsPflege davongetragen und seye also von solchem zu Recht er- 
kannt worden. 

3) Jene Berathung und Rechtsweisung über Anstände, welche sich 



Das achte und neunte badi9che Konstitutionsedikt. 301 

in KonstitutionsAngelegenheiten ergeben, fordert jedoch ihre festen 
und genau bestimmten Formen, damit sich niemals eigene Willkühr 
und Behaglichkeit Einzelner Räthe, Diener oder Unterthanen unter 
dem blossen Vorwande des gemeinen Wohls dem Regenten gegenüber- 
stellen und seinen wohlgemeinten Staatsbeschlüssen Hindemisse in 
den Weg legen können, welche Formen nach den verschiedenen Ver- 
hältnissen, unter welchen die Anstände sich erheben, allerdings ver- 
schieden sein müssen und die Wir nunmehr — - eingedenck der in 
Obenangezogenem Edikt über die Oberhofgerichts Verfassung im sechs- 
ten Artikel unter dem Buchstaben c gegebenen Zusage — festsezen 
und damit denen dort nur im Vorübergehen und zunächst nur in 
Bezug auf Standes- und Grundherrn berührten Konstitutionssachen 
ihre allgemeine auf alle betheiligten Staatsbürger anwendbare Be- 
stimmung geben wollen. 

4) Würden zwey Staatsbürger unter einander, ingleichen Einer 
oder der Andre mit Unseren Fisciverwaltem und Vertretern in Streit 
gerathen über Rechte, die der eine Theil mit Widerspruch des An- 
dern aus der Sammlung der Grundgeseze für sich herleiten zu können 
vermeinte, so wird dadurch allein in der Regel noch keine Konsti- 
tutionssache begründet, indem häufig dabey nur das Faktum und 
dessen Beurtheilung im Streit liegt, ob nemlich dasselbe so geartet 
sey, dass diese oder jene an sich unzweydeutige Konstitutionsstelle 
es mit unter sich begreife. In einem solchen Falle, wo zunächst nur 
die Aufklärung und Feststellung des eigentlichen rechtlichen Frage- 
punckts Vorwurf des Streits ist, bleibt solcher noch in der Klasse 
der gemeinen Rechtsstrittigkeiten liegen und muss gleich allen übri- 
gen bürgerlichen Strittigkeiten gütlich oder rechtlich ausgetragen 
und in lezterem Fall vor jenen Richter gebracht werden, welchem 
die allgemeinen Regeln über die Rechtsbehörigkeit sie zuweisen, muss 
auch von diesem nach den nemlichen Normen, wie andere bürgerliche 
Streitsachen verhandelt und entschieden, sofort nach Erledigung der 
etwa dazwischen trettenden zulässigen Rechtsmittel und Rechtszüge 
zu Ende gebracht werden. Solche Sachen haben vor andern Rechts- 
Sachen nichts voraus, als gemäs des achten KonstitutionsEdicts Art. . . 
das, dass derjenige, der durch den Richterspruch sich beschwert er- 
achtet, wenn er diese Beschwerde darauf begründen kann und will, 
dass der Richter eine einschlagende Konstitutionsstelle entweder in 
einem andern Sinn genommen habe, als der ihm der Richtige dünkt, 
oder dass er sie auf einen Fall, wie der seinige doch vom Richter 
selbst erfunden worden sey, nicht anwendbar erachte, er die Sache 
zur Erledigung des unmittelbar höheren Richters mit der Nichtig- 
keitsklage sowohl, als der Berufung bringen kann, wenn gleich der 
eigene Werth der Sache ausser dieser Beziehung dazu nicht geeignet 
wäre, da das hinzukommende Interesse der Aufrechterhaltung einer 
grundgesezlichen Befugnis, als eines Gegenstandes von unschätzbarem 
Werth hier den Hauptbestimmungsgrund abgeben muss. In dem 
zweiten Zug, wohin sie alsdann gelangt, wird sie durch ein so ge- 
artetes RechtsMittel nun erst zu einer KonstitutionsSache. 



302 ^- Weech. 

5) Sobald nemlich entweder schon gleich in der Verhandlung vor 
dem ersten Richter, oder aber, wenn dieses hier der Fall nicht war, 
auf vorgedachte Weise im zweiten Zug durch die Natur der Be- 
schwerdeführung eine Sache sich so stellt, dass der Richter befindet, 
der Hauptknoten komme auf eine zwischen den Parthieen bestrittene 
Vorfrage an, ob eine Konstitutionsstelle in der einen oder der andern 
von zweyen durch die Parthieen ihr zugemessenen Deutungen zu nehmen 
sey, oder ob ein Fall, wie der vorliegende nach der einstimmigen 
Ansicht der Thatsachen erscheinet, unter die von dem Grundgesez 
umfassten Fälle gehöre: so erwächst die Vorfrage zur Konstitutions 
Sache, die allein der volle Rath des Oberhofgerichts entscheiden 
kann. Der Richter, vor dem sie hängt, oder die Kammer des Ober- 
hofgerichtes, vor deren sich dieses ergäbe, muss alsdann alles Ver- 
fahren, das etwa zur Aufklärung und zum Heweise der Thatsachen, 
der Klagen, Einreden und Gegenreden übrigens nötliig seyn kann, 
bis zur Erledigung jener Vorfrage einstellen. Diese Erledigung selbst 
leitet er zugleich dadurch ein, dass er einen Aufsaz der strittigen 
Vorfrage und der beederseitigen Gründe ohne Benennung der Par- 
thieen. zwischen welchen sie verhandelt worden ist, fertigt, ihn bee- 
den Theilen zur Erinnerung dessen, was sie etwa au der Richtigkeit 
oder Vollständigkeit auszusezen fänden, vorlegt und nach deren allen- 
falls erheblich gefundenen Angaben ihn berichtigt, sodann mit einem 
Bericht und Bitte um grundgesezliche Rechtsweisung ihn an das Ober- 
hofgericht absendet. Dieses, sobald es ihn empfängt, muss ihn ab- 
schriftlich dem Kronanwald mittheilen (wozu jederzeit einer der im 
Gesezfach bey dem Justizdeimrtement arbeitenden Räthe oder Re- 
ferendarien ständig ernannt und dem Oberhofgericht bekannt gemacht 
seyn muss, der für dergleichen Sachen der Fürsprecher der Staats- 
Regierung ebenso sey, wie es die Kammeranwälde für den Fiskus 
sind). Dieser soll darüber die Ansicht dessen, was die StaatsRe- 
gierung nach dem Zusammenhang und Zineck des (lesezes für Recht 
hierin ansehe, in der ObergerichtsOrdnungsmäsigen Frist dem Ober- 
hofgericht vortragen, nachdem er darüber die nöthige Kommunikation 
mit den Kronanwälden sämnitlicher Provinzgerichte gepflogen und 
darauf seine Instruirung von tler Staatsregierung orbetten, erlangt 
oder in gesezlicher Frist vergebens erwartet hat. Von jenem Auf- 
saz und dieser Ansicht muss nachmals das Oberhofgericht in vollem 
Rath Kenntniss nehmen, darüber ordnungsmäsig rathschlagen und 
nach einer absoluten Stimmenmehrheit, sofern nicht einmüthige 
Stimmen fallen, sich entscheiden, folglich, solange nur durch eine 
Theilung der Stimmenden in mehr als zwey Meinungen eine relative 
Stimmenmehrheit sich ergiebt, so weit darüber durch nähere Be- 
sprechung sich wechselseitig aufklären und annähern, biss eine ab- 
solute Mehrheit erscheint. Jene Entscheidung kann niemals iu die 
Bestimmung der Anwendung des Rechts auf den vorgelegten Fall 
eingehen, sondern nur aussprechen, ob ein Fall der vorgelegten Art 
unter diese oder jene Stelle der Grundgeseze zu unterlegen sey, in- 
gleichen welcher bestimmte Sinn dieser oder jener Stelle gebühre. 



Das achte und neunte badische Konstitutionsedikt. 303 

Sie muss in der Form eines ürthels [soweit diese unter Beobachtung 
der obenverzeichneten Grundsäze anwendbar ist] ausgefertigt und als 
Rechtsweisung sowohl dem anfragenden Richter, als dem KronAnwald 
zugesandt, auch in den RegierungsBlättern als konstitutionelle Rechts- 
belehrung verkündet werden. Der anfragende Richter und jeder an- 
dere werden dadurch verbindlich, das Gesez in diesem Sinn ihren 
Sprüchen zum Grund zu legen; hingegen verbleibt dem Richter die 
Freyheit in derjenigen Sache, welche den Anlass zu der Rechtsbe- 
lehrung gab, die Folgen der Anwendung durch Urthel zu bestimmen, 
welche im vorliegenden Fall eintretten können, sowie demjenigen 
der streitenden Theile, der jene richterliche Bestimmung sich nach- 
theilig achtete, alle jenen gewöhnlichen RechtsMittel offen bleiben, 
die nach der Natur des Streites stattfinden, nur dass darinn nicht 
mehr über den Sinn und die Anwendbarkeit der in Frage liegenden 
Stellen der Grundgeseze, sondern lediglich über die Folgen ihrer An- 
wendung gehandelt werden kann, lieber zweifelhafte Auslegung der 
bürgerlichen und peinlichen Geseze findet eine solche Anfrage nie- 
mals statt. Obiges Oberhofgerichtsverfahren macht die ersteForm 
der Konstitutionssachen aus. 

B) Auf eine andere Weise kann Zwiespalt in KonstitutionsAnge* 
legenheiten entstehen, wenn zwischen Staatsbürgern und Regierungs- 
oder Polizeystellen des Landes die Frage zur Sprache kommt, ob 
diese oder jene GewaltsAusübung einer Stelle, diese oder jene Rechts- 
Anmassung eines Staatsbürgers grundgesezmäsig oder grundgesez- 
widrig sey . Hier findet natürlicher Weise zwischendiesenbeeden 
weder ein gütlicher, noch ein rechtlicher Austrag statt, weil alsdann 
die Staatsstelle nicht die zur Rechtsvertrettung für den Staat bege- 
waltigte Person ist: sondern in diesem Falle muss die Staatsstelle 
(wenn sie es ist, welche Zweifel über die G^sezmäsigkeit heget) durch 
Anfrage, oder der betroffene Staatsbürger (wenn er im Fall ist, unter 
einer von jener Stelle als zweifellos angesehenen, mithin zur An- 
wendung gebrachten Gesezesstelle sich beschwert zu achten) durch 
Rekurs an die unmittelbar höhere Staatsbehörde die Sache bringen, 
damit von dieser ein Instructivbescheid über diese Ansichtsverschie- 
denheit ausfliesse. Ist diese instruirende Staatsbehörde noch nicht 
die oberste, (wie z. B. wenn eine ProvinzRegierung über einen bey 
Amt vorgekommenen Fall Bescheid gegeben hätte): so kann sowohl 
die untere Staatsstelle, als die Gegenparthie, (welche von beyden es 
nun wäre, die ihrer üeberzeugung nicht abgewinnen könnte, den ein- 
gelaufenen Bescheid einer Mittelbehörde für übereinstimmend mit 
den Grundgesezen zu achten) , den Fall auf die vorige Weise durch 
weitere Anfrage oder weiteren Rekurs zum Justizdepartement der 
obersten Staatsstelle bringen, welches alsdann nach eingehohlter Bey- 
stimmung des vollen Raths darüber den lezten Instructiv-Bescheid 
giebt, dem das Wesentliche der BestimmungsGründe einverleibt seyn 
muss. Fällt dieser zu Gunsten des Staatsbürgers aus, so muss es 
nicht nur in diesem Fall dabey bleiben, sondern der Bescheid wird 
zugleich zur Nachachtung in allen ähnlichen Fällen durch das Re- 



304 ▼• Weech. 

gieruDgsblatt als konstitutionelle Hechtsbelehning vertcOndet. Fällt 
er hingegen wider den Yortheil des Staatsbürgers aus, so steht es 
bei diesem, ob er sich dabey beruhigen oder dagegen auf den Rechts- 
Ausschlag sich berufen will, und kann deswegen der Inhalt niemals 
als konstitutionelle Rechtsbelchrung verkündet werden, indem selbst 
dann, wann er sich beruhigt, diese Beruhigung nur ihm gelten, nicht 
aber andern nachtheilig werden kann, die künftig in einem gleichen 
Fall bey dieser RechtsErklärung der StaatsRegierung sich nicht be- 
gnügen, sondern einen Austrag zu Recht fordern wollten. Wird in 
einem solchen Fall dieser Austrag gleich von der ersten Parthie oder 
bey deren etwaiger Beruhigung späterhin von irgend einer folgenden 
Parthie gefordert: so muss der Rechtsforderer den Bescheid der 
obersten Staatsbehörde mit ausführlicher Auseinandersezung der- 
jenigen Gründe, womit er glaubt solchen anfechten zu können, dem 
Oberhofgericht vorlegen. Findet dieses, dass etwa über den Sinn 
und die Anwendbarkeit einer Grundgesezesstelle der Streit nicht 
wäre, sondern lediglich über die zur Anwendung erforderlichen That- 
sachen; dass also keine wahre KonstitutionsSachc vorhanden wäre, 
so weiset es sogleich die Sache von sich ab und zur Verfolgung im 
gemeinen Rechtsweg und kann nur, wo es nöthig wird, fürsorgliche 
Anordnungen zu Erhaltung des Rechtsstandes dem behörigen Richter 
auftragen. Findet es aber, dass aUein oder wenigstens mit und ne- 
ben den streitigen Thatsachen eine Ansichtsverschiedenheit ülier die 
Konstitution vorhanden ist, so muss es nach den Vorschriften bey 
der ersten Form mit Vernehmung des StaatsAnwalds und nachmaliger 
Erledigung der Sache verfahren und inzwischen die etwa zugleich 
strittigen Thatsachen auf sich ruhen lassen. Ist nun jene Erledigung 
erfolgt (welche übrigens niemals in die Entscheidung dieser That- 
sachen eingehen kann) ; so sind die indessen ruhend gebliebenen Ver- 
handlungen über Thatsachen wiederum an die gewöhnliche Rechts- 
behörde zur Erörterung zurückzuweisen und kann nur das Gericht 
dabey über die Frage, wer als Kläger aufzutretten habe, und wie es 
biss zur Aufklärung fürsorglich zu halten sey, wo es ihm zur Auf- 
rechterhaltung des Rechts oder der Ruhe im Staat nöthig dünkt, 
ausserhalb jenem zu verkündenden WeisungsUrthel in besonderen 
Verfügungen Bescheid geben. Dieses ist die zweite Form der Kon- 
stitutionsSachen. 

7) Unter die dritte Form eignen sich jene Fälle, wo Jemand un- 
mittelbar durch Verfügungen der obersten Staatsstelle seine grund- 
gesezmässige Gerechtsame für benachteiligt achtet. In diesem Fall ist 
das Erste, was ihm obliegt, [dass er] bey dem Regenten selbst oder bey 
demjenigen Departement, welches das Erste unter denen ist, aus 
welchen die als beschwerend angezogene Verfügung nicht ausge- 
flossen war, seine ßeschwerdcgründe vorträgt; dieses veranstaltet 
nach genommener Rücksprache mit jenem Departement, welches die 
Verfügung veranlasst und ausgefertigt hat, bey sich eine Berath- 
schlagung über den Grund oder Ungrund der Beschwerde und bringt 
deren Erfolg zum Vortrag an den Regenten durch den gesammten 



Das achte und neunte badische Konstitutionsedikt. 3 05 

Rath. Würde hierdurch die Beschwerde för gegrttndet nicht erkannt, 
mithin bey der angegriffenen StaatsVerfügung beharrt, so muss diese 
Ansicht der Parthie in einem mit seinen Gründen ausführlich aus- 
gestatteten Beschluss von demjenigen Departement, das nach obiger 
Bestimmung den Vortrag hatte, eroefnet werden. Würde hierdurch 
die Parthie noch keine Ueberzeugung ihres Unrechts schöpfen, so 
bleibt ihr alsdann, jedoch ohne Aufenthalt der einstweilen ihr ob- 
liegenden Befolgung, die Berufung ans Recht in der nemlichen Art, 
wie im vorigen zweiten Weg bevor, indem Wir aus Achtung für das 
Recht der Staatsbürger auch selbst Unsere RegierungsMaasnahmen, 
sobald sie einem Staatsangehörigen als eingreifend in seine verfas- 
sungsmäsig wohlerworbenen Privat-Gerechtsame erscheinen, in dieser 
Beziehung, keinesweges aber in irgend einer andern, die etwa blos 
ihre Billigkeit, ihre Nüzlichkeit oder ihre Räthlichkeit in Anspruch 
nehmen wollten — der schiedsrichterlichen Beurtheilung Unseres 
Oberhofgerichts unterwerfen. Fällt dessen Urtheil wider den an- 
rufenden Staatsbürger aus, so wird es nicht nur ihm und dem Kron- 
Anwald, sondern auch als konstitutionelle Rechtsbelehrung durch das 
Regierungsblatt den gesammten Unterthanen bekannt gemacht. Wen- 
det sich solches aber gegen die Ansicht der StaatsRegierung zu 
Gunsten des Beschwerde führenden Theils, so ergehet die Verkün- 
dung vorerst nur an den KronAnwald mit der Auflage, binnen zwey 
Monaten anzuzeigen, wie darnach die oberste Behörde nun frejrwillig 
ihre vorige Verfügung zurückgenommen oder näher eingerichtet habe. 
Erfolgt diese Anzeige (wie denn nichts anderes erwartet werden kann 
und soll), so ergehet für den in Fi*age stehenden einzelnen Fall als- 
dann an den Theil, der sich beschwerend an das Oberhofgericht ge- 
wendet hat, nur die Weisung, dass nach inzwischen gehobener Be- 
schwerde sein Anrufen als erledigt auf sich beruhp. Würde aber 
gegen Erwarten je einmal solche Anzeige in jenem Termin nicht er- 
folgen, auch der Verzug auf einmahlige Erinnerung in einer weiteren 
Frist nicht beseitigt werden, so stehet alsdann dem Oberhofgericht 
zu, sein Urtheil nun förmlich in oben mehrmals bemerktem Masse 
an beede Theile auszufertigen und durch das Gesezblatt als kon- 
stitutionelle Rechtsbelehrung zu verkünden und damit nun der Par- 
thie zu überlassen, die Anerkenntniss ihres Rechts bei dem Regenten 
in jeder günstig findenden Zeit und Gelegenheit in verfassungsmäsigen 
Wiegen zu erwürken. 

8) eine vierte Form der Erledigung der KonstitutionsAn- 
gelegenheiten würde entstehen, wenn in der Berathschlagung über 
desfalsige Gegenstände bey der obersten Staatsbehörde die Meinungen 
sich theilen und bey dem Vortrag der beederseitigen Gründe an den 
Regenten dieser wegen der Mitbefangenheit der Berechtigungen ein- 
zelner Staatsbürger nicht gern die Wahl zwischen diesen Meinungen 
auf sich nehmen würde, sondern lieber dem Wagniss ausweichen 
wollte, dass seine Entscheidung nachmals als eingreifend in jene 
Rechte dem obgedachten Schiedsspruch unterworfen werde. In die- 
sem Fall erlässt er eine Rückweisung der Sache zum rechtlichen An- 

Zeltschr. f. G«»cü. d. 0b»rrh. N. F. VJI. 2. 20 



306 ▼• Weech. 

rath an das Oberhofgericht, dem nun die BerathschlagungsProtokolle 
mit den über das Für und Wider rerhandelten Gründen zn diesem 
Ende Übermacht werden. Dieses, wenn es siebet, dass einzelne 
wenige Staatsbürger dabey betheiligt sind, fordert diese anf, binnen 
besimmter Frist auf Ansuchen der StaatsRegierung bey ihm vorzu- 
tragen, was sie etwa einzuwenden sich berechtigt achten würden, 
wenn diejenige der Meinungen, die ihrem Vortheil entgegen ist, an- 
genommen werde : siebet es aber, dass ganze Klassen der Staatsbürger 
und nicht bloss bestimmte Individuen, oder dass alle Klassen dabey 
betheiligt sind, so bestimmt es nach der Verschiedenheit der drey 
Provinzen vier Staatsbürger aus jeder Provinz, davon zwey aus der 
am meisten und zwey aus der am wenigsten betheiligten Klasse zu 
erkiesen sind, und denen es übrigens die meiste Rechtskenntniss und 
Unbefangenheit zutrauet, um mit ihrem Gutachten über die in Frage 
stehende Verschiedenheit der Meinungen, und was sie etwa noch 
weiter zu Bestärkung der ihrer Klasse vortheilhaftesten Meinung und 
zur Entkräftung der entgegengesetzten vorzutragen wussten, [gehört 
zu werden]; nach dessen Anhörung und Vernehmung des Staatsan- 
walds über das Neuvorgekommene berathschlagt es über alle vorge- 
kommenen Gründe, entscheidet sich nach der absoluten Stimmenmehr- 
heit und sendet sein RechtsErmessen mit Bericht an den Regenten 
ein, der alsdann hiernach seine Resolution abzumessen kein weiteres 
Bedenken mehr haben kann. Gegen eine diesem gemäs erlassene 
Staatsverfügung kann nachmals nicht nur keine Berufung ans Recht 
oder zum schiedsrichterlichen Austrage stattfinden, sondern dieselbe 
gilt nun auch ohne weiteres als konstitutionelle Rechtsbestimmung und 
wird als solche in den Gesezblättem ausgekündet. 

9) Für eine fünfte Form der Konstitutionssachen ergiebt sich 
der Stoflf, wenn eine Aenderung der einen oder andern Stelle der 
Grundgeseze in Frage gestellt wird. Ohnerachtet nemlich diese ihrer 
Natur nach unwandelbar sind, so kann jedoch bei der Veränderlich- 
keit der WeltEreignisse nichts so fest stehen, dass nicht ein Fall sich 
ereignen möchte, wo etwas, das vorhin als Mittel für den Staatszweck 
vortheilhaft würkte, nun nicht etwa blos diese günstige Würksam- 
keit verliert, sondern umgekehrt nachtheilige Folgen für den Staat 
hervorbringt. Da nun keinem Grundgesez die Absicht unterlegt wer- 
den darf, nachtheilig für die GesammtMasse des Staates würken zu 
sollen, so müssen für solche Fälle im Voraus Mittel in die Verfassung 
gelegt werden, wie hierinn die Konstitution auf die Umstände an- 
wendbar gemacht, und eine Berechtigung, die etwa zu diesem Ende 
einem einzelnen Staatsbürger oder einer Klasse entzogen werden 
müsste, zu ihren Gunsten durch Vergütung oder durch Verleihung 
andrer ihnen vortheilhafter Berechtigungen ausgeglichen werde könne. 
Umgekehrt muss es auch allen Unseren StaatsAngehörigen ein hohes 
Anliegen seyn, dass jene Aenderungsbefugniss niemals anders, als in 
einem hohen Nothfall ausgeübt werde, und dass der dermahlige 
ausserordentliche Fall der Umwälzung alter Verfassungen, Frey- 
heiten und Rechtsformen, welche durch grössere WeltEräugnisse un- 



Das achte und neunte badische Konstitutionsedikt. 307 

abwendlich geboten war, nicht für einen ordentlichen Stand der 
Dinge geachtet und damit ihre Rechtssicherheit und Ruhe einer im- 
mer schwankenden Willkühr in die Arme gelegt werde. Zu diesem 
Ende wird hiermit bestimmt und versichert: a) eine Aufhebung grund- 
gesezlicher Rechte wird lediglich alsdann in Frage gestellt werden, 
wenn die konstitutionellen Vorschriften nicht blos die vorige Würk-^ 
«amkeit verloren haben, sondern wenn sie weiter noch damit dem 
Staatswohl wegen veränderter Umstände gerade entgegenlaufende 
und folglich unvorzusehenden erheblichen Nachtheil hervorbringen; 
b) für erheblich wird nur jener Nachtheil in diesem Gesichtspunct 
erachtet werden, bey welchem es für den Staat im Ganzen leichter 
ist, einen vollen genüglichen Ersaz demjenigen zu geben, zu dessen 
Schaden eine Aenderung in den Grundgesezen vorgeschlagen würde, 
als den grundgesezlichen Zustand mit seinen durch die Erfahrung 
ihm beygesellten Folgen fortgehen zu lassen; c) ohne hinlänglichen 
Ersaz oder Ausgleichung mit andern Staatsvortheilen wird keine 
Entziehung grundgesezlich bestättigter Befugnisse stattfinden; und 
d) niemals wird sie eher zur Hand genommen werden, als biss durch 
gemeinsam verglichene Ansicht der zu einer Konstitutionsberathung 
vereinten Glieder der obersten Staats- und obersten Rechtsbehörde, 
mithin des Ministerii und des Oberhofgerichts der Anrath dazu nicht 
bloss in sich selbst, sondern auch nach allen zur gerechten Ausführung 
nöthigen Bestimmungen ausgemittelt und darauf vom Regenten nach 
Rathschlagung mit allen zur Regentenfamilie gehörigen grossjährigen 
männlichen Familiengliedem gutgeheissen ist. Die vorgedachte Kon- 
stitutionsberathung soll dabey folgenden Weg befolgen: so oft eine 
solche Frage aufgestellt wird, soll sie zuerst in allen vier Abthei- 
lungen des Ministerii in jeder einzeln berathen und die Ansicht des 
Departements mit den dafür und dawider streitenden Gründen 
schriftlich verfasst in den vollen Rath gebracht, dort nochmals ein 
Antrag an den Regenten, ob eine Konstitutionsberathung einzuleiten 
oder die Frage bey Seite zu legen zweckgemäser und räthl icher sey, 
verfasst und dem Lezteren vorgetragen werden. Würde der Anrath 
für die Einleitung ausfallen und den oberstherrlichen Beyfall erhalten 
oder auch gegen den MinisterialAnrath die Einleitung von Uns oder 
Unseren Nachfolgern in der Regierung beschlossen werden, so soll 
nachmals von dem Justizdepartement wegen Erforschung des Interesse 
der dabey befangenen einzelnen Personen oder ganzer Klassen der 
Staatsbürger der nemliche Gang eingehalten werden, welcher im 
vorigen Artikel dem Oberhofgericht vorgeschrieben ist. Wenn nun 
deren Ansichten eingekommen, darüber die Bemerkungen des Staats- 
Anwalds erhoben und ein DepartementsSchluss über die Räthlichkeit 
der Aenderung und derer ihr zu gebenden Bestimmungen gefasst ist, 
so soll dieser zu gleicher Zeit mit Abschrift aller zugehörigen Be- 
rathschlagungsStücke dem Oberhofrichter und mit den Originalien 
derselben dem ältesten Minister zugestellt werden, damit diese nach 
genügsamer Zeit zur Durchlesung für alle Glieder des Oberhofgerichts 
und der GeneralKonferenz des Ministerii eines Tages zur Anstellung 

20* 



308 ^- Weech. 

der Konstitationsberathschlagang sich vergleichen^ wo am nemlicheiK 
Tag und zur nemlicher Stunde jedes der zwey Dicasterien ohne vor* 
herige geheime oder öffentliche Kommunikation ihrer Ansichten ge- 
gen einander bey sich über die vorgelegten Fragen abstimmt und 
den Schluss nach absoluter Mehrheit der Stimmen mit namentlicher^ 
Angabe der für und wider gefallenen Stimmen ohne Bemerkung 
der Gründe der einzelnen Stimmenden, aber mit Bemerkung der- 
Gründe, nach welchen sich die Mehrheit bestimmt hat, fasset, sofort 
seinen Beschluss an den Regenten oder dessen Kabinetsvorsteher ein-- 
schickt. Fallen beede Kathschläge einstimmig [und dafür gilt hier, 
wie anderwärts, der Fall, wo mehr nicht als ein Zehendtheil der- 
Stimmen sich von der Meinung der übrigen trennt] gegen die Aenderung^ 
oder fällt Einer einstimmig, der andere aber durch Mehrheit gegen sie 
aus, so gilt der Antrag auf Aenderung für verworfen und der Regent 
wird alsdann der Gerechtigkeit gemäs finden, von der Aenderung ab- 
zustehen: ist hingegen nur eine Mehrheit in beeden Rathschlägen 
gegen den AenderungsVorschlag, so gilt der Antrag nur für zurück- 
gelegt auf ein Jahr; nach dessen Ablauf bleibt dem Regenten frey, 
eine neue Konstitutionsberathschlagung jenen beeden obersten Staats* 
stellen anzubefehlen, um zu sehen, ob indessen die Erfahrung und 
weiteres Nachdenken etwa in einer oder der andern Stelle eine Ein- 
stimmigkeit der Ueberzeugung herstellen; bleibt die Sache dabey 
abermahl im vorigen Stand, so kann nach weiterem Ablauf dreyer 
Jahre von der lezten Berathung an gerechnet eine dritte gleiche 
Konstitutionsberathschlagung verordnet werden, wovon jedoch, wenn 
abermals der vorige Stand der Ueberzeugung sich herstellt, die Folge 
ist, dass von dort an der Vorschlag für verworfen gilt. Jeder ver- 
worfene Vorschlag kann erst nach zehen Jahren wieder vorgebracht 
werden und muss alsdann den ganzen, in diesem Artickel verzeichneten 
Gang neu durchlaufen. Tragen hingegen beede Stellen einstimmig, 
oder eine einstimmig und die andre durch Mehrheit oder beede durch 
Mehrheit auf eine Aenderung an, so kann nun der Regent unbe- 
denklich die KonstitutionsAenderung verfassen und auskünden lassen ; 
Er ist aber keineswegs genöthigt, solches zu thun, falls er etwa 
inzwischen über deren Räthlichkeit selbst eine andere Meinung bey 
sich gefasst hätte und die Beybehaltung des alten Standes der Dinge 
vorzöge. Bei dem schriftlichen Aufsaz der Aenderung kommt es an- 
nebst auf die vorgedachte Stimmenmehrheit nur so weit an, als die 
Frage ist, ob sie zulässig sey, auch ob eine, auch welche Art der 
Vergütung und von wem etwa ein oder andrer betheiligter Staats- 
bürger zu verlangen habe; alles übrige der Fassung und Einrichtung 
hängt lediglich von dem Entwurf der gesezgebenden Abtheilung des 
Ministerii, von dem Gutachten des gesamten Geheimen Raths und in 
seiner Kraft sodann allein von dem Willen des Regenten ab. Die 
Verkündung geschieht hier, wie bey allen Grundgesezen, durch Ein- 
händigung eines Originals an das Hofgericht und eines weiteren ans^ 
Archiv samt der Verkündung in den Gesezblättern , wie sie in den 
früheren Edikten bestimmt ist. Wider ein solches neues Grundge- 



Das achte und neunte badische Konstitutionsedikt. 309 

$ez kann keinerley Berufung ans Recht stattfinden, obwohl demjenigen, 
4er dadurch in den Fall gekommen wäre, eine Entschädigung zu be- 
j;ehren, unbenommen bleibt, sie, je nachdem ihre Art und Natur ist, 
gegen den betreffenden Staats- oder Kammer Anwald oder gegen je- 
den andern, dem sie etwa nach dem Inhalt des neuen Grundgesezes 
zu vertretten obläge, im ordentlichen Weg Rechtens zu suchen, wenn 
er gütlich dazu nicht gelangen könnte, wozu ihm jedoch der Regent 
zu verhelfen in seinem genommenen Aenderungsbeschluss von selbst 
die genügsame Beweggründe finden wird. 

10) Die bisher erzählte weitläuftige und bedächtliche Berathungs- 
form, sowie die Pflicht, Vergütung wegen Aenderungen zu thun, kann 

Jedoch nur alsdann eintretten, wenn der Regent aus eigener Wahl 
und aus Beweggründen der inneren StaatsRegierung sofort aus freyem 
(jebrauch seiner Machtvollkommenheit sich zu Aenderungen der Kon- 
stitution oder Befreyungen davon entschliesset. Würden übermächtige 
äussere Einwürckungen sich hervorthun (welche herbeyzuführen immer 
in der Hand der Vorsehung bleibt, wenn auch dermahlen der Fall 
<lazu nicht vorauszusehen ist), und würden diese bewürken, dass der 
Regent nur die Wahl hätte, die Wagnis einer Auflösung der Staats- 
bande, ingleichen eine feindliche Behandlung des Grossherzogthums 
auf sich zu nehmen oder in eine bestimmte Aenderung der grund- 
gesezlichen Verfassung zu willigen, dann kann von dem Regenten in 
einem solchen Fall mehr nicht erwartet werden, als dass er nach 
ordnungsmäsiger Berathschlagung mit seinem Ministerio über die 
etwa möglichen Mittel der Abwendung, und (wo diese unthunlich 
gefunden werden) über die unverfänglichste und sachgemäseste Art 
der Aenderung nach eigener landesvätterlicher Beurtheilung der Ge- 
fahr sich entschliesse und nachmals bey Insinuation des Aenderungs- 
Gesezes an das Oberhofgericht und Archiv diesem zugleich beglaubte 
TJrknnd des veranlassenden äusseren Andrangs zur ewigen Gedächtnis 
und Rechtfertigung seiner erfüllten Regentenpflicht mit anlegen lasse. 
Auch tritt in solchem Fall eine Vergütungsforderung als eine all- 
gemein bestehende Berechtigung der Staatsbürger nicht ein, sondern 
Jeder, den die Folgen der Aenderung nachtheilig treffen, hat diesen 
Schaden, gleich anderen Schicksalen, die Krieg oder Unglücksfälle 
über Einzelne Bürger verhängen, aus sich zu leiden, soweit nicht der 
Regent bey seiner landesväterlichen Erwägung des Falls thunlich ge- 
funden und sich aus Milde entschlossen hat, irgend eine zureichende 
•oder unzureichende Entschädigung zuzugestehen und mithin ein For- 
derungsRecht darauf durch das ausgekündete AenderungsGesez far 
zulässig zu erklären. 

11) Wenn übrigens in dem Wege einer der vorgenannten Formen 
Jemand durch neue Konstitutionsverordnungen oder durch grund- 
gesezliche Rechtsweisung des Oberhofgerichts ein entschiedenes Recht 
erlangt hat, so ist dieses als würklich ergänzender Theil dieser aus 
nenn KonstitutionsEdikten zusammengesezten grundgesezlichen Ver» 
iassung zu achten und anzusehen und hat auf gleiche Unwandelbar- 
Jceit und Befolgung, wie diese ersten Grundgeseze selbst Anspruch;^ 



310 ▼• Weech. 

auch ist jeder Staatsdiener, der Amts halber zur Yollziehting mit- 
wttrken kann, dazn auf Anrufen verbunden und darf sich an Er- 
füllung dieser Pflicht durch keinerley Einstreuungen, wo sie aacL 
herrühren mögen, irre machen lassen; würde er sich dawider wissent- 
lich etwas zu Schulden kommen lassen, so verliert er nicht nur alle 
Yortheile, die er selbst aus dieser Konstitution schöpfen könnte, und 
findet sich ausser ihrem Schirm gesezt, sondern es bleibt auch den 
Betheiligten vorbehalten, ihn auf sein eigenes Vermögen zum Ersaz, 
allen Schadens vor seinen geeigneten Gerichtsbehörden zu belangen. 
Würde dennoch ein Oberhofgerichtliches KonstitutionsErkenntniss je 
nach Zeit und Umständen nicht zum Vollzug kommen, und die be- 
troffene Parthie im Mangel einer bundesverfassungsmäsig anwendbaren^ 
Hülfe dem NichtvoUzug eine kürzere oder längere Zeit nachsehen^ 
so kann dieses ihr an ihrem Recht nicht schaden, sondern das Becht, 
den Vollzug eines solchen Urtheils zu verlangen, ist unverjährbar 
und kann zu jeder Zeit, wo günstigere Verhältnisse die Bewürkung 
des Vollzugs hoffen lassen, nachgesucht und ihr alsdann anderes nichts: 
entgegengesezt werden, als der Beweis, dass in der Zwischenzeit ein 
gütlicher Vergleich darüber zu Stande gekommen, welcher den Vollzug- 
jenes Erkenntnisses beseitigt habe, oder dass der Anrufende in dem 
Fall einer geordneten Verwürkung seines Staatsbürgerrechtes oder 
doch seiner in Frage stehenden Staatsfreyheiten sich befinde. 

12) Sowie Wir anmit die Festhaltung dieser Grundverfassung^ 
soviel an Uns ist, versichern, so ist auch unter jeder Aufforderung^ 
Unserer Nachfolger zur Erbhuldigung Unserer StaatsAngehörigen die 
Zusage stillschweigend, wenn es je nicht besonders dabey ausgedrückt 
wäre, einverstanden, sie bey dieser Konstitution und ihren dadurch 
erlangten oder bestätigten Rechten und Freyheiten zu erhalten und 
zu schüzen, wogegen hinwiederum gedacht Unsre Unterthanen und 
alle Staatsdiener, so wie Treue gegen Uns und Unsre Nachfolger, also 
Gehorsam gegen die Konstitution geloben und versprechen müssen^ 
Nebst dem aber sollen insbesondere alle Vorsteher, Räthe, Referen- 
darien und Beysizer, welche zu den Eingangs genannten obersten. 
Staats- und Gerichtsbehörden angestellt werden, namentlich nebst der 
Treue gegen Uns und dem Gehorsam gegen die Konstitution, die 
Aufrecbterhaltung dieser lezteren nach bestem Wissen, Gewissen und 
Vermögen zu befördern, in ihre mittelst leiblichen Eydes zu leistende 
Dienstpflichten übernehmen. 

Durch all obiges erachten Wir zur Befestigung dieser Konstitution 
alles gethan zu haben, was Unsre Obersthoheit gestatten und die 
Beruhigung Unsrer Unterthanen wünschen mag; und indem Wir hier- 
mit nochmals Uns und Sie samt dieser Verfassung dem göttlichen 
GnadenSchuz empfehlen, wiederhohlen Wir die im ersten Konsti- 
tutionsEdict enthaltene, allem folgenden stillschweigend einbegriffene 
feyerliche Erklärung, dass jede mit diesen Grundgesezen streitende 
Verordnung der gemeinen kirchlichen und bürgerlichen Rechte, auch 
der älteren oder neueren LandesGeseze tot, aufgehoben und kraftloa 
«eyn soll, und dass alle Unsere Minister, Räthe und Diener, auch^ 



Das achte und neunte badische Eonstitutionsedikt. 3|X 

Angehörige, geistliche und weltliche, in allen ihren Amts- und Privat- 
Handlangen bey Strafe der ewigen Nichtigkeit und Unverjährbarkeit 
jeder Entgegenhandlung und bey schwerer persönlicher Verantwort- 
lichkeit genau darnach sich achten und benehmen, auch von Uns und 
Unsern Nachfolgern in der Regierung dagegen mit Kath oder That 
etwas auszuwürcken sich nicht unterfangen sollen. Das meinen Wir 
ernstlich. 

Gegeben in Unserer Residenzstadt etc. 

Cp^- Fr. Brauer. 

Bemerkungen des Staatsrats Meier.*) 

ad 6. 
Warum wird derlnstructiv-Bescheid, wenn er gegen eine Staats- 
Stelle ausfällt, sogleich ein unveränderliches Constitutions-Gesetz, 
anstatt dass solcher, wenn er gegen einen Staatsbürger ausfällt, 
der AppeUation Raum lässt? (Entgegnung Brauers: weil die Parthie 
eigene Jura verficht, die Staatsstelle nur Staatsjura y die aufhören, 
Staatsjura zu sein, sobald die oberste Staatsbehörde sie wegerkennt,) 

ad 7 in fine. 

Hier zeigt sich die Schwäche der Garantie, weil die Vollstreckung 
des oberhofgerichtlichen Urtheils vom guten Willen abhängig bleibt. 
(Entgegnung Brauers: I>ieser Schwäche ist, ohne eine noch gefähr- 
lichere Anarchie oder eine Subjection unter den Protector zu incur- 
riren, nicht abzuhelfen.) 

ad 9d. 

Zur Berathung über die Räthlichkeit einer Constitutions-Aender- 
ung sollen auch die grossjährigen männlichen Familienglieder des 
Regenten zugezogen werden. In der Folge wird der zu beobachtende 
Modus dieser Berathung vorgeschrieben; darin wird aber der Ag- 
naten nicht mehr gedacht. 

ad 11. 

Wie ad 7, die Vollstreckung der Gesetze oder der hofgericht- 
lichen Erkenntnisse betr. 

Bemerkungen des Staatsrats Herzog;.*) 

Ad introitum, bei den Worten: „ehlichen männlichen Nach- 
kommenschaft zusteht" erinnere ich, dass das Land auch aus 
Parzellen besteht, in welche Weibersuccession statt hat, z. B. Hanau. 
Es ist also nicht im allgemeinen der männlichen Nachkommenschaft 
ausschliessend das Erbrecht zuzuschreiben. 

Ad introitum auf der dritten Seite das Wort: unwandelbar 
würde ausdrücken, dass weder Serenissimus regnans selbst, noch ein 
Regierungsnachfolger nach Einsicht und bei veränderten Umständen 



^) Ohne Unterschrift, den Schriftzügen nach aber unzweifelhaft von 
Meier. Emanuel Meier, Staatsrat und Direktor des Ministeriums der 
auswärtigen Angelegenheiten. — ^) S. oben S. 286. 



312 ▼• Weech. 

aendern könnte; welches vorzuschreiben doch die Absicht nicht sein 
dürfte. 

Ad 1 in fine ad verba: und dass er somit etc. — Hier scheinet 
dem Rheinischen Bunde ein grösseres Einschränkungsrecht gegen die 
Bundesglieder eingeräumt zu sein als wir ihm bisher zugestanden 
haben. Wenn ein Bundes-Souverain z. B. gegen seine Unterthanen 
ungerecht sein will, kann der Bundestag ihm keine Schranken setzen, 
also kann man auch nicht sagen : der Bund erlaube den Yerbftndeteii 
nur soweit frei und souverain zu bleiben als sie Ordnung und Gesetz- 
lichkeit genau einhalten. 

Ad 2 in fine sehe ich nicht ein, wie tlber Gegenstände der Con- 
stitution ein Widersacher mit stattlichen Gegenreden vor Gericht auf- 
treten kann, da, wo kein Repraesentationsrecht ist, der Widersacher 
sich nicht im Gericht legitimiren könnte. 

Ferner ad hunc numerum und zwar kurz vor dem eben- 
bemerkten Monito wird gesagt: es soll nichts, was auf die Consti- 
tution Bezug hat, zu Kraeften erwachsen können, es sei denn vorher 
das Vorgeschriebene beobachtet worden. Wenn aber nichts desto- 
weniger der Regent, dem die Gewalt zur Seite steht, durchfährt, wer 
ist alsdann der, der dem Regenten quaestionem Status macht und in 
einem Lande, wo keine Yolksrepraesentation existirt, zu machen be- 
rechtigt ist? und wenn es etwa durch die Agnaten nach Familien- 
statuten geschehen sollte, wer entscheidet in contradictorio über 
Gültigkeit oder Nichtigkeit, und wenn entschieden ist, wer wirkt den 
Vollzug? 

Ad 4 in fine et 5 kann ich mir nicht erklären, wie eine Sache, 
die in einer unteren Instanz keine Constitutionssache war, in höherer 
Instanz zu einer solchen werden soll, da hierin Betreff und Natur des 
Streitobjects und der Streitfrage, welche sich beim üebergang zur 
weiteren Instanz nicht ändern, allein die Bestimmung geben. Ich 
sollte denken, wenn eine Sache der in Art. 5 erwähnten Art rechts- 
streitig ist, so ist entweder blos von der Anwendung der Constitution 
die Rede und dann ist die Sache keine Constitutionssache, oder es 
erscheint zugleich Zweifel über den Sinn des Gesetzes; wenn der 
Zweifel durch Doctrinalauslegung sich heben lässt, so ist es wieder 
keine Constitutionssache, kann diese aber nicht genügen und handelt 
es sich um die Bestimmung der Constitution selbst, dann ist es Con- 
stitutionssache; aber da sollte es mit der Constitution wie mit allen 
Gesetzen gehalten werden und die authentische Erklärung eintreten; 
diese aber ist in allen Fällen dem Landesherrn, in dessen Hand die 
Gesetzgebungsgewalt ruht, vorbehalten und sollte keinem Gericht 
heimgegeben werden, an welches sonst eo ipso ein Theil des landes- 
herrlichen Rechtes zu constituiren selbst übergehen würde. 

Ad 7 weiss ich den Grund nicht aufzufinden, warum die Yer- 
kündung oder Nichtverkündung im Regierungsblatt von dem Umstand 
abhängig gemacht wird, ob das Urteil ftür oder gegen den anrufenden 
Staatsbürger ausgefallen ist. Wenn über eine blos aus der An- 
wendung der Constitution auf einen einzelnen Fall entstandene 



Das achte und neunte badische Konstitutionsedikt. 313 

Benachteiligung das Anrufen geschehen ist, dQrfte nach meiner Mei- 
nung eine Bechtsbelehrung gar nicht statt haben. 

Ad 9 kann ich mir bei der Constitution keine Unwandelbarkeit 
denken, weder in Bezug auf den constituirenden Regenten noch in 
Bezug auf den Regierungsnachfolger, da niemand der acceptiren oder 
mitpacisciren könnte, dem Landesherrn gegenübersteht, es also an 
einem Yerbindlichkeitsgrunde fehlt, eine Unwaudelbarkeit auch nach 
der Natur der Sache aus den Ursachen, die der £ntwurf selbst 
angibt, nicht stattfinden kann und jeder Nachfolger und Familien- 
haupt, der in eben dem Maasse wie sein Vorgänger Souverain ist, 
wenn er nicht durch Verträge gebunden ist, das Recht nach meiner 
Meinung behält, aufs Neue zu statuiren. 

Ad 11 wenn wegen der Execution von dem Falle gesprochen 
-wird, wo es an einer bundesverfietssungsmässig anwendbaren Hülfe 
mangeln würde, so möchte zu besorgen sein, dass durch eine solche 
in's Publikum gehende Aeusserung die Aufstellung einer Bundes- 
gerichtsgewalt, was die Souveraine des königlichen Collegiums wohl 
nicht wünschen, provocirt wtlrde. Der Schluss dieses §. gibt übrigens 
dem, der der Rechtshülfe bedarf, gar wenig Trost. 

Ad 12 wiederhole ich, dass ich die Hände der Nachfolger nicht 
für gebunden halte. 

Ueber die Wirkung des Ganzen 

geht übrigens meine wemge Meinung dahin, dass einer Constitutions- 
gründung, die a) nicht durch einen Vertrag entweder mit den hohen 
Agnaten oder mit dner Volksrepraesentation, deren wir keine haben, 
keine bedürfen und keine wollen, bindend wird, and welche b) die 
Wandelbarii:eit des Willens des Regenten unverändert lässt und nach 
dem ebenbemerkten imverändert lassen muss, welche auch c) mehr 
als die Zosidienmg einer nötigen Vorbereitung zu den wichtigsten 
Beschliessimgen des Regenten und der jeweiligen Einholung einer 
.zweckmässigen Beratung nicht gibt, dass, sage ich^ einer solchen 
Constitutionsgründong, wo übrigens ohnehin für die Befolgung nicbti 
bürgt, der Name einer Gewährleistung der Verfassung nicht wohl 
zukommen könne und dass, wenn nach den Ahnungen des Herrn 
Verfassers ein höherer Gewaltseinfloss einschlagen würde, wir durch 
eine soldie dem Ansinnen einer wirksamen Gewähr, zumal wenn eine 
soldie der Typus für andere and mächtigere Bondesstaaten werden 
sollte, bei dem dermalen an der Tagesordnung stehenden Geist der 
Organisationseinfi^migkeit, nicht entgehen dürften. 

Karlsrohe, dea 7. Aphl 1806. üerzcyg. 



üeber eine Freibmger Handschrift Yon Walahfrids 
Prolog zn Einhards Vita Karoli Magni. 



Von 

Bernhard von Simson. 



Wie bekannt, besitzen wir Einhards Leben Karls des 
Grossen in einer von Walahfrid Strabo veranstalteten Aus- 
gabe, welche mit Eapiteleinteilung und Kapitelüberschriften 
sowie mit einem Vorwort des Herausgebers versehen ist. 
Dieser Prolog ist wertvoll durch Nachrichten zur Lebens- 
geschichte und Charakteristik Einhards, die früheren Zweifel 
an seiner Echtheit sind namentlich seit Jaffe's Ausgabe be- 
seitigt. Indessen kannte man Einhards Werk in dieser Form 
und den Prolog des Walahfrid bisher eigentlich nur aus einem 
einzigen, auf der Universitätsbibliothek in Kopenhagen befind- 
lichen Codex (Arn. Magn. No. 830), einer Papierhandschrift 
vom Ende des 15. Jahrhunderts, welche aus dem Augustiner- 
kloster zu Kirschgarten bei Worms stammt.*) Eine Hannover- 
sche Handschrift aus dem lüneburgischen Nonnenkloster Wit- 
tingen (No. 859) *) giebt nur Auszüge. 

Bei dieser Sachlage war es mir nicht uninteressant, zu finden, 
dass wir einen andern vollständigen handschriftlichen Text jener 
Recension der Vita Karoli nebst Walahfrids Vorwort auch in 
Deutschland besitzen, und zwar in einer aus derselben Zeit 
stammenden Papierhandschrift der Universitätsbibliothek zu 
Freiburg i. B. (No. 468). 

Der Inhalt der Handschrift ist folgender: 



In der 4. Ausgabe von Einhardi Vita Karoli M. in den Scriptores 
rer. Germ, von Waitz mit B4 bezeichnet. (Am. Magn. No. 869 ist Druck- 
fehler.) — ») B4* bei Waitz. 



yix stercus valent 
omnia. 



Über eine Freiburger Handschrift von Walahfrids Prolog. 315 

1) F. 1 V. — 19 V. Ad illustrissimum principem Herculem Estensem 
Ferrariensium ducem inclytom Pandolphi Collenutii Pisaurensis iuris- 
consulti apologus cui titalas Agenoria (Römische Gottheit der Thätig- 
keit). — F.20v. — 42 v. Desgl. cui titalus Misopentes. — F. 43 v.— 48. 
Desgl. cai titalus Alithia. — F. 49—52. Desgl. cui titulus Bombarda; 
alle mit vorangestelltem Argumentum. 

2) F. 53^)— 60v. Oratio ad augustissimum principem Maximilianum 
C§sarem Romanorum regem Pandulphi Collenucii iurisconsulti et 
equitis Heculis (sie) illustrissimi Ferrariensium ducis legati.^) 

3) F. 60 V. Reimspruch: 

1. Pons Bolonicus 

2. Monachus Bohemicus 

3. Miles australis 

4. Bavarica monialis 

5. Italorum devocio 

6. Pruthenoram religio 

7. Theutonicorum jeiunia 

8. Gallorum fides et constancia 

4) F. 61— 77. Einhards VitaKaroliM. in der Ausgabe des 
Walahfrid Strabo, mit dessen Prolog, Kapiteleinteilung und 
Kapitelüberschriften. (Prologus vite et gestorum Karoli imperatoris.^) 
— Incipit opusculum quod Einhardus in ordine anglicorum eximius 
de vita et gestis Karoli magni imperatoris Francorum composuit 
more illorum qui Romanorum cesarum vitas summatim pocius quam 
singulorum distinctione scripserunt annorum^) — Explicit opus Ein- 
bardi Fuldensis cenobii monachi cancellarii Karoli Magni.) 

5) F. 77—122. De sanctitate meritorum et. gloria miraculorum 
beati Karoli magni ad honorem et gloriam nominis dei. Legende 
über Karl den Grossen aus dem 12. Jahrhundert (zuletzt 
herausgegeben von Gerhard Rauschen in den Publikationen der Ges. 
für Rhein. Geschichtskunde VII. 1890. S. 1—93). 

6) F. 122—146. Pseudoturpin. (Incipiunt gesta beati Karoli in 
Hispania.) 

Am Ende heisst es: Finito libro sit laus maxima Christo. 1497. 
Die verwandte Kopenhagener (Kirschgartener) Handschrift enthält 
ebenfalls den Pseudoturpin (auf F. 1—22) und an dessen Schluss die 
Bemerkung: „Scriptus fait liber iste Turpini archiepiscopi de gestis 

*) F. 52 V. ist leer. — ^) Gedruckt bei Freher, Scr. rer. Germ. ed. 
Struve n. 476 — 481 — Pandolfo Collenuccio, Rechtsgelehrter aus Pesaro, 
Gesandter des Herzogs von Ferrara, Ercole I. von Este, Verfasser einer 
Geschichte des Königreichs Neapel in 6 Büchern u. s. w., wurde 1504 
zu Pesaro hingerichtet. (Potthast, Bibl. bist. med. aevi S. 248. Tiraboschi, 
Storia della letteratura italiana VI, 2, p. 92 — 94.) — ^ Am oberen Rande 
von F. 61 steht: Cronica Eynhardi cenobii Fuldensis monachi (de) Karolo 
magno brevis et succincta. — *) Richtig, insofern Einhard bekanntlich die 
Kaiserbiographien des Sueton zum Muster nahm. 



316 ^' Simson. 

beati Karoli in Hyspania factis per suppriorem ordinis canonicoram 
regularium in Kyrszg[arten] iaxta Wormatiam anno Domini 1496 in 
octava sancti Augustini patris nostri^) (4. Septbr.). 

Der Codex ist von verschiedenen Händen geschrieben. Sie 
wechseln auf F. 53, 61, 94, 116 und 130. Der Teil (F. 61 
bis 94), welcher uns hier eigentlich interessiert, rührt von 
einer Hand des 15. Jahrhunderts her, von einer andern Hand 
desselben Jahrhunderts auch das Ende (F. 130—146), das 
übrige von späteren Händen. 

Nach den Notizen auf F. 1 und 2 gehörte die Handschrift 
dem Jesuitenkollegium in Speier, dann dem Kapuzinerkloster 
zu Waghäusel. Im Jahre 1830, wie es scheint, wurde sie 
Eigentum des Physikus Dr. Lutz in Philippsburg, der die 
Handschrift später, nach einem Eintrage aus dem Bade Rothen- 
fels im Murgthal vom 25. Dezember 1843, seinem Sohne Frie- 
drich Lutz, Lehrer an der Höheren Bürgerschule zu Heidel-. 
berg, schenkte. Der nächste Besitzer, seit 1850, war Franz 
Karl Grieshaber, Professor und Geistlicher Rath zu Rastatt, 
der bekannte eifrige und feinsinnige Sammler.') Grieshaber 
starb zu Freiburg i. B. am 20. Dezember 1866, und aus seinem 
Vermächtnis gelangte die Handschrift, gleich seinen übrigen 
Handschriften und Büchern, im Jahre 1867 an die Freiburger 
Universitätsbibliothek. Ihr Weg hätte sie demnach von Station 
zu Station stetig weiter nach Süden geführt. 

Indessen alle diese Notizen sind vielleicht nur auf den 
ersten Teil der Handschrift (F. 1 — 60) zu beziehen, welcher 
die erwähnten Werke des Pandolfo Collenuccio enthält und 
mit dem folgenden, auf Karl den Grossen bezüglichen Teile 
erst nachträglich verbunden zu sein scheint.') 

Ich lasse nun den Text des Prologs des Walahfrid zu 
Einhards Vita Karoli M. nach der Ausgabe von Waitz 
(p. XX — XXI) folgen und setze die Varianten der Freiburger 

») Jaff*, Bibl rer. Germ. IV, 605 N. 2. Pertz, Archiv VH, 871—374. 
Neues Archiv XVII, 87—88. — >) Vgl. die Artikel von Dämmert in 
T. Weech, Badische Biographien I, 319 — 320 und von Scherer in der All- 
gern Deutschen Biographie IX, 663—664. — ') Vielleicht sogar erst durch 
Grieshaber. Dafür spricht, dass dieser auf F. 1 v. seinen Namen und Titel 
nebst der Jahreszahl 1850 eingetragen, dann jedoch F. 61 wieder mit dem 
Stempel seiner Bibliothek bezeichnet hat. Auf der Rückseite des letzten, 
unbeschriebenen Blattes der Handschrift (148) findet sich die Notiz: Emp* 
tus Friburgi Anno 1514, jedoch auf einem aufgeklebten Papierstreifien. 



über eine Freiburger Handschrift Ton Walahfrids Prolog. 317 

Handschrift (F) sowie auch die der beiden anderen, schon bis- 
her bekannten Handschriften herunter. 

Gloriosissimi ') imperatoris Karoli*'') vitam et gesta, quae subiecta 
sunt, Einhartus'), vir inter omnes huius temporis Palatinos*) non so- 
lum pro scientia, verum et') pro uni versa morum honestate laudis 
egregiae, descripsisse cognoscitur et purissimae veritatis, utpote qui 
his^) pene omnibus interfuerit, testimonio roborasse. Natus enim in 
Orientali Francia in pago qui dicitur Moingewi, in Fuldensi cenobio 
sub pedagogio sancti Bonifacii martiris prima puerilis nutriturae ru- 
dimenta suscepit. Ideoque pocius propter singularitatem capacitatis 
et intelligentie, quae iam tum in illo magnum quod postea claruit 
specimen sapientiae promittebat, quam^) ob nobilitatis, quod in eo 
minus ^) erat insigne, a Baugolfo ^) abbate monasterii supradicti in 
palacium Karoli translatus est; quippe qui omnium regum avidissi- 
mus erat sapientes diligenter inquirere et, ut cum omni delectatione 
philosopharentur*"), excolere. Ideo^O regni a Deo sibi commissi ne- 
bulosam et ut ita dicam *^) pene cecam latitudinem totius scientiae 
nova irradiatione et huic barbariei ante partim incognita luminosam 
reddidit, Deo illustrante**). Nunc vero, relabentibus in contraria 
studiis, lumen sapientiae, quod minus diligitur, rarescit in plurimis. 
Predictus itaque homuncio — nam statura despicabilis videbatur — 
in aula Karoli, amatoris sapientiae ^^), tantum gloriae incrementi'^) 
merito prudentiae et probitatis est assecutus, ut inter omnes maie- 
statis regiae*^) ministros pene nuUus haberetur, cui rex id temporis 
potentissimus et sapientissimus plura familiaritatis suae secreta com- 
mitteret. Et re vera non inmerito; cum non modo ipsius Karoli 
temporibus, sed et — quod maioris est miraculi'") — sub Lodowico'^) 
imperatore, cum diversis et multis^^) perturbationibus Francorum 
respublica fluctuaret et in multis decideret, mira quadam et divinitus 
provisa libratione se ipsum Deo protegente custodierit, ut subtilita- 
tis*®) nomen, quod multis invidiam comparavit et risum*^), ipsum 
nee inmature deseruerit nee periculis irremediabilibus manciparit, 
Haec dicimus, ut in dictis eins minus quisque habeat dubitationis, 
dum non ignoret"), eum et dilectioni provectoris sui laudem preci- 
puam23) et curiositati lectorum**) veritatem debere perspicuam. Huic 
opusculo ego Strabo^*) titulos et incisiones, prout visum est congruum. 



^) In F. Überschrift: Prologus vite et gestorum Karoli imperatoris. 
Die Initiale 6 ausgelassen. — Gesta Karoli Magni secundum Strabum. 
Ex cronica Sancti Albani Magunciensis Hann. — *) K. Magni Havn. — 
•) einhardus F. — *) palatinus F. — *) eciam F. — ®) hiis Havn. — 
*) qui F. — *j miinus Havn. munus F. — ^) ab augulflfo F. — *®) philo- 
sopbarent F. — ^*) Ideoque F. — *2) dixerim F. — ^*) D. i. atque vi- 
d entern F. — ^*) sciencie F. — ^'') incrementum F. — ^^ regle maiestatia 
F. — ") qu. mayoris miraculi e. F. — *^) ludowico F. — ^') m. et d. F. 
— ^) sublimitatis F. — ^^ casum F. — *^) ignorat F. — ^) precipuum 
Havn F. — ^*) lectoris F. — 2*) scriba F. Strabus Hann. 



318 V. Simson. 

*• 

inserai, ut ad singula facilior^) querenti quod placuerit elncescat 
accessus.*) 

Ein grosser Teil der abweichenden Lesarten der Frei- 
burger Handschrift ist ohne weiteres zu verwerfen, bei eini- 
gen anderen muss es wenigstens dahingestellt bleiben, ob 
sie den Vorzug verdienen. Indessen geht der Text offenbar 
nicht auf die Eopenhagener Handschrift zurück, und einige 
wenige Lesarten, nämlich: ob nobilitatis, quod in eo munus 
erat insigne; ferner der Zusatz: atque videntem hinter Deo 
illustrante; endlich: et curiositati lectoris veritatem debere 
perspicuam sind beachtenswert. Statt munus soll der Kopen- 
hagener Codex zwar miinus haben ^), allein bei dieser Lesart 
müsste man die Worte iiobilitatis -— insigne von specimen 
abhängen lassen, was nicht recht passend scheint. Walahfrid 
wollte also wirklich sagen, dass Einhard von sehr edler, nicht 
dass er von nicht besonders vornehmer Geburt gewesen sei. 
Auch der Zusatz atque videntem mag dem echten Texte an- 
gehören. Man kann zwar nicht behaupten, dass er notwendig 
sei, aber er vollendet die äusserliche Symmetrie des Satzes; 
videntem steht nun gegenüber cecam, wie luminosam gegen- 
über nebulosam. Lectoris scheint besser als lectorum; es reimt 
auf das vorhergehende provectoris. Die Lesart debere erhält 
hier eine handschriftliche Verstärkung gegenüber Jaffe's Emen- 
dation prebere, welche auch Waitz und Wattenbach*) über« 
flüssig fanden, obschon sie sich nach dem Zusammenhange 
allerdings empfiehlt. — Übrigens weichen auch die Über- 
schriften der Kapitel hier und da von den anderen beiden 
Codices ab, jedoch können diese Varianten kein Interesse 
beanspruchen. 

Wie erwähnt, enthält die Handschrift auch die legenden- 
hafte Vita Karoli, welche nach der Kanonisation Karls des 
Grossen unter Kaiser Friedrich L verfasst wurde. Auch dies 
ist bisher, wie es kaum anders sein konnte, unbekannt ge- 
blieben. Der neueste Herausgeber jener Legende, Gerhard 
Rauschen, zählt 14 Handschriften auf, in denen, soviel 
ihm bekannt, jene Vita überliefert sei, ohne die unsrige zu 



*) ad f. 8. Havn. faciliter Hann. — *) Explicit prologus Havn. Finit 
prologas F. HaDn. — >) So Waitz nach ausdrücklichem Zeugnis des 
Eopenhagener Universitätsbibliothekars Birket Smith ; Jaff^ (Bibl. lY. 507) 
Jas munus. — *) DGQ. 6. Aufl. L 170, N. 1. 



über eine Freiburger Handschrift yon Walahfrids Prolog. 319 

nennen. Wie mir scheint, steht sie dem Codex der Wiener 
Hofbibliothek No. 527 am nächsten, welchen Rauschen mit Vi 
bezeichnet. Besonders hat sie mit ihm gemein, dass sie bereits 
mit den Worten: in sancto suo deus apparuit schliesst.^) 



^) Vgl. Publikationen der Oes. für Rheinische Geschichtskunde a. a. 0. 
S. 10—11, 14, 16, 93. Auch die Überschrift stimmt mit Y^ überein. 



Zur Biographie Jörg Wickrams von Golmar. 

Von 

Eugen Waldner. 



über die Abstammung und die Persönlichkeit Jörg 
Wickrams von Colmar, des Begründers des deutschen Prosa- 
romans, ist in der Litteraturgeschichte viel hin und her go- 
rathen worden, bis Wilhelm Scherer ^) in seiner Monographie 
über diesen Schriftsteller die Unsicherheit der bisherigen Ver- 
mutungen zeigte und die Frage bis auf weitere Untersuchung 
offen Hess. Ich habe nun das Colmarer Stadtarchiv noch 
einmal nach den Spuren Wickrams durchforscht und teile 
hier das Gefundene mit. Wo ich keine besondere Quelle an- 
führe, ist meistens das aus Notariats- und Prozessakten gebildete 
Wickram'sche Familienselekt benutzt worden. 

Der Stammvater des Colmarer Zweiges dieser Familie ist 
Conrad Wickram von Türkheim, der im Jahre 1457 auf seinem 
Hause in der Judengasse das Colmarer Bürgerrecht erwarb. 
Er war zuerst Gerichtsschreiber, dann Stadtschreiber und ver- 
blieb in diesem Amte bis zu seinem gegen den Schluss des 
Jahrhunderts eingetretenen Tode. Unter anderen von ihm 
herrührenden Aufzeichnungen befindet sich das älteste uns 
erhaltene Inventar des Colmarer Stadtarchivs, welches er im 
Jahre 1495 verfertigte. Dass er von seiner Frau Agnes 
mehrere Kinder hatte, erfahren wir aus einem Eintrag des 
Jahres 1466 in dem auf der Colmarer Stadtbibliothek ver- 
wahrten Anniversarienbuch des St. Martinsstiftes. 

Zu diesen Kindern gehörten wahrscheinlich die drei Ge- 
schwister Vincenz, Conrad und N. Wickramin, die Frau von 



^) Die Anfänge des deutschen Prosaromans und Jörg Wickram Yon 
Colmar. Strassburg 1877. 



Jörg Wickram. 321 

Hans Serrer, ^reiche uns am Anfange des 16. Jahrhunderts 
begegnen, denn Vincenz wohnte wie der ältere Wickram in 
der Judengasse, und Conrad erklärt in seinem Testamente, 
dass er die Verpflichtung das Ave Maria auf seine Kosten 
morgens läuten zu lassen, erblicherweise von seinem Vater 
überkommen habe. 

Aug. Stöber ') unterscheidet in seiner Abhandlung über die 
Familie Wickram zwei Vincenz, einen älteren, der am 8. Aug. 
1508 gestorben sei, und einen jüngeren, der im Jahre 1521 
Gesandter auf dem Reichstage zu Worms war. In Wirklich- 
keit gab es nur einen einzigen Mann dieses Namens, denn 
der Eintrag vom 8. August 1508 im Anniversarienbuch des 
St. Martinsstiftes bezieht sich nicht auf den Tod von Vincenz 
Wickram, sondern auf den seiner Frau Barbara Schütz, wie 
ausdrücklich bemerkt ist. Dieser Vincenz folgte seinem Vater 
in dem Amte eines Stadtschreibers nach, doch legte er das- 
selbe bereits 1512 nieder. Im Jahre 1521 vertrat er nebst 
Philipp von Gottesheim von Hagenau die zehn elsässischen 
Reichsstädte auf dem Reichstage zu Worms. Von dieser Zeit 
an findet sich sein Name auf den Golmarer Ratslisten bis zu 
seinem im Jahre 1532 eingetretenen Tode. In jener schon 
erwähnten Aufzeichnung des Anniversarienbuches werden seine 
vier Kinder Johannes, Catharina, Georg und Barbara auf- 
gezählt. Man hat nun meistens den zuletzt genannten Georg 
mit dem Dichter Jörg Wickram identifiziert, allein mit Un- 
recht, denn als Vincenz im Jahre 1532 starb, waren nur noch 
zwei seiner Kinder am Leben, nämlich Johannes, Leutpriester 
zu Jechtingen im Breisgau, und Barbara, die Frau von Pau- 
lus Mattistel. 

Des Vincenz Bruder Conrad Wickram erscheint schon 
vom Jahre 1502 an als Ratsherr und Zunftmeister der Krämer 
auf den Golmarer Ratslisten. Von 1511 bis 1542 stand er 
wiederholt in der Eigenschaft eines Obristenmeisters an der 
Spitze der Stadtverwaltung. Er hat sich während seiner langen 
Amtsdauer vielfach um die Stadt verdient gemacht, doch wird 
ihm in mehreren Prozessakten auch Herrsch- und Habsucht 
vorgeworfen. Er starb am Ende des Jahres 1545 oder am 
Anfange von 1546. 



*) Jörg Wickram. 2. A. Mülhausen 1866. 

Zeitsohr. f. G«sch. d. Oberrb. N. F. YII. 2. 21 



322 Waldner. 

Das am 23. März 1545 aufgerichtete Testament dieses 
Conrad Wickram ist uns in einer gleichzeitigen Abschrift er- 
halten. Es füllt 23 Folioseiten aus und ist nicht ohne Inter- 
esse für die Kultur- und Wirtschaftsgeschichte der damaligen 
Zeit. Das Vermögen des Testators war sehr bedeutend und 
umfasste neben liegenden Gütern zu Colmar und dem Ding- 
hofe zu Appenweier zahlreiche Frucht- und Weingilten und 
eine lange Reihe einzelner Geldzinsen. Von den letzteren 
erwähne ich nur: „viertzig guldin geltz zu zwölffthalben Schil- 
ling yff der margraueschafft Hohenperg, vallennt vff vnnser 
frauwenn tag irer verkünndung, stenndt inn hauptgut acht 
hundert Rynnischer guldin." Zu Haupterben seines Vermögens 
setzt Konrad Wickram seine kinderlose Frau Margaretha SchöU- 
hömin ein und die Nachkommen aus seiner ersten Ehe mit 
Margaretha Tieringerin. Von letzterer hinterliess er eine 
Tochter Namens Catharina, Klosterfrau zu St. Catharina, und 
eine Tochter oder Enkelin genannt Anna Zwickin, die Frau 
von Georg Tyfer und Mutter von Hans Conrad Serrer und 
von Martin Tyfer. Was uns aber am meisten in diesem Testa- 
mente interessiert, ist folgende Bestimmung: 

„Withers setzt, ordnet vnnd weit auch der herr testierer, 
das, so bald er tods verganngenn, seinen zweyenn naturlichenn 
vnnd ledigenn sünen, nemlich Hannssenn Wigkram zu Dudiss- 
feldt im Spyrer bistumb gelegenn sesshafft viertzig guldin, 
vnnd Georgenn Wigkram zu Colmar ein hundert gülden zu- 
sampt dem huss in der kässgassen von den herren zu Baris 
erkaufft, stracks vnnd one alles verziehenn, frey gefolgt vnnd 
gegebenn werdenn. Doch wo er Georg Wigkram oder seine 
eeliche kinnder one lybs erbenn von inen eelich erbornn ver- 
sturbenn, dass als dann allein sollich huss widerumben vff 
vnnd an des herrn testierers nechste erbenn fallenn sollte." 

Dieser Georg, der natürliche Sohn des Obristenmeisters 
Conrad Wickram, ist kein anderer als der Dichter Jörg 
Wickram, denn es lebte damals nur ein einziger Träger 
dieses Namens in Colmar, wie sich mit Sicherheit aus den 
seit dem Jahre 1537 uns erhaltenen Gewerßüchern ergiebt, 
in denen behufs Erhebung einer Kopfsteuer sämtliche Ein- 
wohner der Stadt namentlich aufgezählt werden. Vom Jahre 
1554 an fehlt sein Name in diesen Listen, da er bekanntlich 
damals nach Burkheim übersiedelte. Während der ganzen 



Jörg Wickram. 323 

Zeit seines Aufenthaltes in Colmar wohnte Jörg Wickram in 
demselben Hause, das ihm später von seinem Vater vermacht 
wurde. Erst als er Eigentümer desselben geworden war, konnte 
er das volle Bürgerrecht erwerben, und so finden wir ihn erst 
im Jahre 1546 in den Bürgerbüchern verzeichnet: „Sonntag 
Invocavit; Jerg Wickgrani ist burger worden vflf sinem hus, 
als das in der kessgassen, einsit neben Fridrich Kriegelstein, 
andersit neben Lentz Steffan*'. Mit Hilfe der Gewerf bücher 
und eines das anstossende Eckhaus betreffenden Kontraktes 
vom 2. Februar 1548 können wir diese Wohnung genau be- 
stimmen; es war das altertümliche Haus No. 2 der jetzigen 
MorelgasseO) welches im Brande von 1881 zugrunde ging 
und seitdem neu aufgebaut wurde. 

Aus dem undatierten Konzepte eines Urteilsbriefes, das 
von der Hand des Stadtschreibers Balthasar von Hellu (1548 
bis 1556) herrührt, ersehen wir, dass Jörg Wickram damals 
Weibel, oder Ratsdiener war. Durch diesen Brief bescheinigt 
der Rat, dass „Jerg Wickram, vnser webel" die gegen den 
Kaplan des St. Martinsstiftes im Zorne und in der Trunken- 
heit ausgestossenen Schmähworte zurückgenommen habe. In 
dem Amte eines Weibels begebet uns noch Wickram in einem 
Gerichtsakte des Jahres 1550, in welchem berichtet wird, 
dass er die Bürger in ihren Häusern zur Wache aufbot. Für 
ihren Weibel machte wohl auch die Stadt Colmar die im 
KaufhausltAche des Jahres 1547 verzeichnete Ausgabe: „Jerg 
Wickram vier elen duoch zu eyuem rock, die ele vmb 9 s[chil- 
ling], thuot 36 s." Wenn auch das Amt des Weibels sich 
eines gewissen Ansehens erfreute, wie denn Wickram selbst 

*) Es ist schade, dass man die Käsgasse, deren uralte Benennung auf 
den Wunsch der Bewohner kürzlich abgeändert wurde, nicht in eine 
Wickramgasse umgewandelt hat. Colmar besitzt allerdings schon zwei 
Wickramgassen, eine grosse und eine kleine, doch sind dieselben erst in 
diesem Jahrhundert nach einem gewissen Wickram benannt worden, welcher 
die Au durch die Anlegung von Kanälen aus einem Sumpfe in fruchtbares 
Ackerland verwandelt haben soll. Die Nachricht hiervon bringt zuerst 
Sigismund Billing im Patriotischen Elsasser, 1777, S. 85—88; doch scheint 
diese Geschichte erfunden zu sein, um die Ableitung des schon im 15. Jahr- 
hundert vorkommenden Flurnamens Wickelsbrunnfeld aus einem angeblichen 
^Wickgrams-Hlumfeld" zu begründen. Dass die Au schon im Jahre 1364 
von Fisch wassern durchzogen war, und dass sich schon damals Gärten 
Kornfelder und Reben in derselben befanden, erfahren wir aus einer gleich- 
zeitigen Aufzeichnung im Rothbuch I, S. 15. 

21 * 



324 Waldner. 

im Treuen Eckart bei der Aufzählung der Stände den „Herrea** 
knecht*' zwischen den Ratsherrn und den Handwerksmann setzt, 
so erklärt es doch nur der Makel der unehelichen Geburt, 
dass der Sprosse einer hochangesehenen Patrizierfamilie eine 
untergeordnete Stellung in seiner Vaterstadt einnahm. 

Wie verhält sich nun unser Dichter und Weibel zu seinem 
Doppelgänger Georg Wickram, dem angeblichen Buchdrucker, 
der von der Schrift Stöbers in die Abhandlungen von Wilhelm 
Scherer und von Erich Schmidt*) übergegangen ist? Stöber hat 
seine Angabe Röhrichs Geschichte der Reformation im Elsass (I, 
S. 128} entlehnt, dort ist aber nicht von einem Buchdrucker des 
Jahres 1534, sondern von einem Buchhändler des Jahres 1543 
die Rede. In der That spricht Beatus Rhenanus^ in einem 
Briefe von 1543 an Mathias Erb von einem Buche, welches zu Col- 
mar bei Georg Wickram, dem Buchhändler, zu haben sei. Es 
begegnet uns Wickram zwar nicht gleichzeitig als Buchhändler 
und als Weibel, doch kann er ganz gut beide Eigenschaften 
vereinigt haben, da wir auch sonst noch Weibel finden, welche 
nebenbei ein Gewerbe treiben. 

Wahrscheinlich als ein des Buchhandels kundiger Rats- 
diener wurde Jörg Wickram im Jahre 1542 von dem Magi- 
strate nach Speier und nach Frankfurt gesandt, um daselbst 
Hieronymus Boners ^) Plutarchübersetzung, welche die Stadt 
Colmar selbst in Verlag genommen hatte, zu verkaufen. In 
einem Briefe, welchen der Meister und der Rat am 2. März 
1542 an Hieronymus Boner, ihren damaligen Gesandten auf 
dem Reichstage zu Speier, richtete, heisst es: „wir habent 
204 buecher Plutarchi inn vier fass schlahen, die gon Speir 
füren vnd vnserm burger Jergen Wickgram zugegen befelhen 
lossen, derselben souil möglich vff jetzigem richstag Speir zu- 
uertriben vnd, was vberpUpt, den nechsten in Franckfurter mess 
zu andern buechern des orts ligendt zu achten, vnd durch hilff 
vnd zuthun vnsers stetmeysters Ruprecht Eriegelsteins (so ouch 
dohin kommen) zuuerkouffen. Domit er aber zu Speir fück- 
liehe anleittung bekommen, ist an vch vnser früntlich pitt, 



^) Zu Jörg Wickram, im Archiv für litteraturgeschichte VlU. — 
^) Briefwechsel hrsg. von Horawitz und Hartfelder. Leipzig 1886. S. 502. 
— Herr Profi E. Martin hatte die Güte, mich auf diese SteUe aufinerk- 
sam zu machen. — ') Über H. Boner erscheint demnächst eine Stnun- 
burger Dissertation von 6. Wethly. 



Jörg Wickram. 325 

ime dorzu beholffen zesein, vnd so er was vberschützes er- 
Josen, zu euwern banden nemmen vnd ime, souil der zerung 
für zols vnd anders halben nottürflftig, zustellen." Für diese 
Reise erhielt Wickram 20 Gulden, wie wir aus dem Kaufhaus- 
buche von 1542, S. 85, ersehen: „20 gülden zu 12V« s. Jerg 
TVickgram, als man ine gon Franckfurt abgefertigt, tut 12 7« Ä." 
Dass dieser Beauftragte der Stadt, dem man, wie wir so eben 
gesehen haben, kein besonderes Zutrauen schenkte, wirklich 
der Dichter Jörg Wickram war, unterliegt kaum einem Zweifel, 
da dieser wiederholt seiner Reise nach Frankfurt gedenkt J) 

Wie mir ferner aus folgender Bemerkung hervorzugehen 
scheint, war Wickram auch eines Handwerkes kundig. Er 
war nämlich bereits Stadtschreiber in Burkheim, als er am 
17. September 1555 als Zeuge eines Gespräches vernommen 
wurde, dem er zufällig beigewohnt, als er vor 10 oder 11 Jahren 
mit Erhard Heger, dem alten Baumeister, von der Schmiede- 
stube nach Hause ging, und dieser ihm einen Bogen zeigte, 
„darin er ihm etwas machen sollte". Noch im Jahre 1554 
finden wir unseren Dichter in einem Verzeichnisse der Mit- 
glieder der Schmiedezunft zum Holderbaum. 

Über Wickram als Maler habe ich gar nichts finden kön- 
nen; ich vermochte nicht einmal festzustellen, zu welcher 
Zunft damals die Maler gehörten. Wenn sie auch im 15. Jahr- 
hundert den Krämern zugeteilt waren, so wäre es doch nicht 
unmöglich, dass man sie bei der Umgestaltung der Zünfte im 
Jahre 1521 der Zunft zum Holderbaum einverleibt hätte, zu 
der auch die Goldschmiede sowie die meisten von der Baukunst 
abhängigen Handwerker gehörten. 

In den gleichzeitigen Colmarer Gerichtsakten kommt Jörg 
Wickram noch mehrmals vor, doch hielten es die Schreiber 
nicht für nötig, seinem Namen die Bezeichnung des Standes 
beizufügen, da er eben eine von jedermann gekannte Persön- 
lichkeit war. Dieser für die Sittengeschichte sehr reichlich 
fliessenden Quelle entnehme ich folgenden edlen Zug aus Wick- 
rams Leben. Als er einst mit anderen Bürgern am Richt- 
platze vor der Stadt bei einem zwischen zwei Hunden auf 
das Rad geflochtenen Juden stand, da kam Jacob Heimburger 
von dem Markte zu Ammerschweier in „beweintem" Zustande 



1) 8. Erich Schmidt, a. a. 0., S. 321 und 323. 



326 Waldner. 

zurückgefahren, hielt bei dem Juden an, dem soeben einige 
mitleidige Frauen zu trinken gebracht, und verhöhnte ihn mit 
den Worten: „Jude, du Schelm, lebst du noch? Es sollte 
niemand bei dir bleiben noch dir zu trinken geben. Hast du 
mit diesen zwei Hunden nicht genug, so wollen wir dir noch 
zwei dazu hängen/ Bei diesen und anderen Schmähworten 
fing der Jude zu weinen an, worauf Jörg Wickram dei^ 
Heimburger wegen seiner ungebührlichen Worte tadelte 
und ihn aufforderte, seines Weges zu ziehen, wenn er nichts 
Besseres zu reden habe. Auf die Erwiderung des so Zurecht* 
gewiesenen, es sei doch nur ein Jude, entgegnete Wickram» 
er möchte vielleicht zu der Zeit ein eben so frommer und guter 
Christ sein als irgend einer unter ihnen. 

Dass Jörg Wickram verheiratet war, erfahren wir aus 
einem gerichtlichen Verhör vom 24. Juli 1553, wo er und 
seine Ehefrau Anna als Zeiigen einer in ihrer Nachbarschaft 
stattgefundenen Prügelei auftreten. 

In Betreff der Aufführung Wickram'scher Stücke in Col* 
mar verweise ich auf das interessante Schriftchen von 
X. Mossmann: Les origines du th^ätre ä Golmar (Golmar 1878)« 
das E. Goedeke nicht gekannt zu haben scheint, da er in der 
zweiten Auflage seines Grundrisses zur Geschichte der deutschen 
Dichtung nicht erwähnt, dass der Treue Eckart schon im 
Jahre 1532 in Golmar gespielt wurde. Im Kaufhausbuche 
dieses Jahres heisst es nämlich: „denen so den Eckgart in 
der vassnacht gespilt, geschenckgt 2V» Ä." Wickram wird 
zwar zum ersten Male im Jahre 1540 in den Kaufhausbttchem 
bei den Theateraufführungen ausdrücklich genannt, doch kann 
es wohl keinem Zweifel unterliegen, dass er die Darstellung^ 
der Zehn Alter im Jahre 1531 und die des Treuen Eckart 
im Jahre 1532 selbst geleitet hat. Er war vermutlich die 
Seele all der zu seiner Zeit in Golmar veranstalteten Schau- 
spiele und hat wohl auch die hier unten mitgeteilte Bittschrift 
an den Magistrat verfasst, in der einige Bürger im Jahre 1534 
um die Erlaubnis nachsuchen, die Passion spielen zu dürfen» 
Es findet sich auch in diesem Schriftstücke die von Wickram 
bei jeder Gelegenheit wiederholte Klage über die schlechte 
Erziehung der Jugend. 

„Fursichtigenn, firnemenn, wisenn, ginstigenn, liebenn herren^ 
vwer ersamm wissheitt sigenn vnser vnderthenig, gehorsamm» 



Jörg Wickram. 327 

willig dienst alzitt mitt willenn bereitt. Ginstigenn herrenn, 
wir habenn kein zwyuell, vwer wissheitt vnd gemeiner rodt 
hab noch inn guother gedechtniss, wellicher moss der passionn 
yff die ftsterlich zitt vor dryenn jorenn demm almeehtigenn 
gott zuo lob, eim ersammenn rodt vnd gemeiner burgerschaft, 
jungenn vnd althenn, zuo ermanung guottz firsattz durch 
menschliche figurenn gespilt worden^), on allenn zwiuell vil 
frommer lytt zuo andochtt vnd bewegung guother werck ge- 
brocht, doran der himlisch vatter durch Cristum, sinen ein- 
gebomenn sun, der solchen dod vnd marther vir menschlich 
geschlechtt gelittenn, gross wolgeuallenn in himlenn empfangenn. 
Diewil wir nun Cristenn geheisenn, vnd der guothenn werck 
niemans zuouil thuon mag, ouch leider jettz die jungenn durch 
vatter oder muother wenig zuor bredig, dass wortt gottess zuo 
hoerenn, gezogenn, sunder inn allenn ipickenn dingenn vffer- 
wachsenn, do durch der gloub vnd alle marther, so Cristus 
vir vns gelittenn, verloescbenn, vnd wir deglich gestroft vns 
vnwissenn warumb, so habenn wir aller fasshnachtt spil ge- 
schwigenn vnd vss grosemm lust vflf vwer vnserer ginstigen 
herrenn bewilligung firgenumenn, ettlich ewangelya vnd den 
passion ludt dess klarenn buochstabens zuo spilenn, wie dann 
dass ann vil orthenn vnd natzionenn gebrucht vnd jerlich 
gehalthenn wirtt, domitt die weit in f bung ettwass geschicktter 
vnd guothenn werckenn gefundenn wirtt. Uff dass, firsichtigenn, 
fiiTiemenn, wisen, ginstigenn, lieben herrenn, bittenn wir vnder- 
thenige burger vwer firneme wissheitt mit hohem fliss, die selbig 
vwer firneme woU vns solich vnser anzeigenn vnd begerenn 
nitt fersagenn oder gedenckenn, dass wir die statt zuo costen 
bringenn (die wil noch souil schöner vnd costlicher ristung 
zuo solchem spil forhanndenn ist) sunder also frinttlicher 
meinuDg vonn vns vffnemmen, dass wir der oberkeitt, statt 
vnd gemeinen nuttz achthenn, auch allenn vmsosenn, derenn 
vil frommer lytt, die soUichs sehenn vnd herenn werdenn, 
gross geuallenn habenn. Dorumb vns vwer ersamm wissheitt 
well fergunen, vflf die nechst kinftig esterlich zitt die ewan- 
gelium zuo spilenn, wie dan die ettwass withers, ferstendiger 
vnd loblicher, dann vor gesehenn, gespilt sollenn werdenn. 

^) Dies Osterspiel fand im Jahre 1531 auf der Schuhmacherstube statt 
und dauerte mindestens zwei Tage. Die Stadt verehrte den DarsteUem 
20 Gulden. 



328 Waldner. 

Vnd wo yns roitt der ristung der brittschenn vonn ych vDsemn 
ginstigenn herren hilff geschieht, so wellend wir vns mitt hilff 
vnd rodt zweyer vonn vch vnsern herrenn ferordnetten räthenn 
dorinn schickenn, dass ein ersammer rodt ein geuallens, die 
statt ann allenn geuellenn ein nattzung, vnd dem noch ally 
zuoseher gegenn gott lob, andacht vnd briss empfohenn werden, 
guother hoflfnung, wir alle der liebe gottes angfangenn vnd 
also inn sim willenn lebeun. Und so aber vwer firnem wiss- 
heitt sollich vnser firgenumen meinung nitt fir guot ansehenn 
oder beschwerlich sin will, wellend wir vns aber gehorsamlich 
erzeigenn wie die vnderthenigenn. Bitthenn desshalb vwer 
ersamm wissheitt vmb ein ginstige anttwurtt. 

Vwer e. w. vnderthenige 

burger, so vormolenn den passion gespilt mitt hilflf 
f romer burger vnd andrer parsonen." 

Auf der Rückseite steht von der Hand des Stadtschreibers 
Johannes Hummel geschrieben: „Bewilligt vnd zugelossen sambs- 
tags noch bekerung Pauli anno etc. 34." Über die Aufführung 
selbst wissen wir weiter nichts. 

Was die anderen Mitglieder der zahlreichen und weitver- 
zweigten Familie Wickram betrifft, so will ich noch erwähnen, 
dass der Colmarer Gerichtsschreiber Gregor Wickram, der Über- 
setzer des Obsopoeus, als Vetter des Brüderpaares Vincenz und 
Conrad bezeichnet wird, und dass mir im Jahre 1546 ein 
Johannes Wickram als Burgvogt auf Sponeck begegnet. Letz- 
terer hat vielleicht die Ernennung Jörg Wickrams zum Stadt- 
schreiber von Burkheira veranlasst. 



E]8ä8sisehe Studenten in Heidelberg nnd Bolopa. 

Von 

Güstay Enod. 



Die beiden letzten Jahrzehnte haben uns neben wert- 
vollen andern Veröffentlichungen zur deutschen Universitäts- 
geschichte auch eine Anzahl der altern deutschen Universitäts- 
matrikeln gebracht, die, wie es scheint, bisher mehr das 
Interesse weiterer Kreise als das der strengen Fachwissenschaft 
erregt haben. Hat sich doch bisher noch niemand gefunden, 
der es unternommen hätte, auf Grund des hier gebotenen 
ausserordentlich reichen und wertvollen kulturgeschichtlichen 
Materials uns die Bedeutung der deutschen Universitäten des 
ausgehenden Mittelalters für die Entwicklung des geistigen 
Lebens in unserm Vaterlande, die Beteiligung der einzelnen 
Hochschulen an diesem nationalen Wettstreite, ihre Einwirkung 
auf nähere und entferntere Kreise zu schildern, während allent- 
halben die oft dilettantenhafte Lokalforschung längst in rühri- 
gem Eifer den neuerschlossenen Quellen sich zugewandt hat, um 
dieselben für die Provinzial- und Familiengeschichte, für bio- 
graphische und genealogische Studien mit mehr oder weniger 
Glück und Geschick auszubeuten. Nicht unverdienstlich sind 
namentlich die hier und da in den Zeitschriften der histori- 
schen Lokalvereine hervortretenden Versuche, die Angehörigen 
eines bestimmten Landesteils aus den Universitätsmatrikeln 
zusammenzustellen und, soweit es angeht, mit anderweitigen 
biographischen Notizen aus gedruckten und ungedruckten 
Quellen auszustatten, vorausgesetzt, dass derartige Arbeiten 
in richtigem Sinne, mit Sachkenntnis und Gründlichkeit unter- 
nommen werden. Leider aber entbehrt die Mehrzahl der zur 
Zeit vorliegenden lokalgeschichtlichen Arbeiten dieser Art jedes 
allgemeinen wissenschaftlichen Wertes, da die Verfasser fast 



330 Knod. 

durchweg in gänzlicher Verkennung ihrer Aufgabe nicht sowohl 
die allgemein kulturgeschichtliche Bedeutung als das familien- 
geschichtliche Interesse in den Vordergrund zu rücken pflegen. 
Noch schlimmer ist es, dass man sich hierbei meist ohne 
weitere Skrupel auf die eine oder andere zufällig zur Hand 
liegende Matrikel beschränkt, ohne zu bedenken, dass nur bei 
gleichzeitiger Berücksichtigung wenn nicht aller, so doch wenig* 
stens der vornehmsten der für die betreffende Provinz in Be- 
tracht kommenden Matrikeln annähernd vollständige Resultate 
für die Bildungsgeschichte der in den Matrikeln genannten 
einzelnen Personen, wie für die Erkenntnis des Gesamtbildungs* 
zustandes des betreffenden Landesteiles überhaupt in einer 
gegebenen Periode gewonnen werden können. 

Diese Unklarheit über Wesen, Zweck und Ziel derartiger 
Arbeiten ist auch für die beiden Werkchen über die elsäs- 
sischen Studenten zu Heidelberg und Bologna, welche 
Herr Paul Ristelhuber, Privatgelehrter zu Strassburg, seinen 
französisch redenden Landsleuten diesseits und jenseits der 
Grenze vor kurzem geschenkt hat, von vornherein verhängnis- 
voll geworden, da der eifrige, auf dem Gebiete der elsässi- 
schen Lokalgeschichte seit langer Zeit thätige Verfasser seine 
recherches biographiques et litteraires als ein zeitgemässes, 
seinen nähern Landsleuten wohl auch interessantes Mittel zu 
halten scheint, seine im Laufe der Jahre aufgespeicherten zum 
Teil recht wohlfeilen lokalgeschichtlichen Notizen unter em- 
pfehlender Firma unter die Leute zu bringen. So charakteri- 
sieren sich beide Werkchen als ein buntes Vielerlei mehr oder 
weniger bekannter zufällig zusammengeraffter Notizen, die 
meist mit dem Thema in keinem erkennbaren innem Zu- 
sammenhange stehen: Wichtiges wird gänzlich übersehen, 
längst Bekanntes mit erheblichem Aufwände von Gelehrsam- 
keit oft auch unnötiger Polemik in ungehöriger Breite wieder- 
holt, wirklich Neues nur selten geboten, kurzum gegen die 
Forderungen des gesunden Urteils und guten Geschmacks auf 
jeder Seite gesündigt. 

Möchte man dem Verfasser auch die Geringfügigkeit seiner 
selbstgefundenen Resultate zu gute halten, so dürfte doch die 
auffällige Oberflächlichkeit und Unselbständigkeit seiner Arbeits- 
weise, die geradezu verblüffende Dreistigkeit, mit welcher er 
seine Vorgänger ausschreibt oder wörtlich übersetzt und dann 



ElsäBsische Studenten in Heidelberg und Bologna. 33} 

die Erträgnisse seiner Streifzüge durch fremde Saaten als eigne» 
Erzeugnis zu Markte bringt, auch bei dem nachsichtigen Be- 
urteiler keine Gnade finden. 

Herr Bistelhuber darf verlangen, dass dieses allgemeine 
Urteil über seine recherches biographiques et lüferaires im ein- 
zelnen begründet werde, da es in schroffem Widerspruch zu 
den bis dahin bekanntgewordenen Äusserungen über den Wert 
seines Schriftchens steht. Ich gehe einer ausführlichen Be- 
gründung um so weniger aus dem Wege, als sie mir Ver- 
anlassung bietet, zugleich einige gerade zur Hand liegende 
sachliche Ergänzungen beizubringen, die als weiterer Beitrag 
zu der von Bistelhuber angeregten, für die elsässische Lokal- 
geschichte immerhin nicht unwichtigen Frage manchem nicht 
unwillkommen sein dürften. 



I. 

P. Ristelhuber, Heidelberg et Strasbourg. Recherches bio- 
graphiques et litt^raires sur les etudiants alsaciens im- 
matricuMs ä Tuniversit^ de Heidelberg de 1386 ä 1662. 
— Paris. E. Leroux. 1888. gr. 8^ 142 SS. 

Vf. hat seinem Werkchen einige von „philosophischer" Resignation 
durchzogene persönliche Bemerkungen vorausgeschickt, woraus wir 
entnehmen, dass er seine Schrift als einen nachträglichen Festgrass 
seiner Heimat an die Universität Heidelberg betrachtet wissen wül: 
Fadresse envoy^e par Tüniversite de Strasbourg nous ayant paru un 
cadean un pen maigre, il nous est venu Tid^e de suivre la trace 
des rapports que TAlsace a antrefois entretenns avec Tuniversite de 
Heidelberg .... enfin nous avons fait un travail tout ä fait „objectif*, 
comme dit le philosophe, tout ä fait etranger ä la politique „notre 
mis^re", comme dit le po^te. Schade, dass der Vf. nicht die Gelegen- 
heit benutzt hat, zu Nutz und Frommen seines Publikums einige 
naheliegende lehrreiche Vergleichungen über die innigen Beziehungen 
des mittelalterlichen Elsass zum deutschen Mutterlande anzustellen. 

Eine sachliche Einleitung, die über die vom Vf. bei Auswahl 
der aufzunehmenden Personen befolgten Grundsätze, über Ziel und 
Begrenzung, Bedeutung und Ergebnisse seiner Arbeit Auskunft böte, 
wird leider durchaus vermisst.') Es kann doch nicht jedermann von 



^) Was er in der Vorrede über seine Hauptquelle, Töpke's treffliche 
Ausgabe der Heidelberger Matrikel, sagt, ist geeignet, den Leser mehr 
zu verwirren als aufzuklären: Notre travail a M facilit6 par la mise 



332 Knod. 

Tornherein voraussetzen, dass ein elsässischer Schriftsteller, der im 
Jahre 1888 über elsässische Studenten des ausgehenden Mittelalten 
schreibt, nicht etwa das alte oder neue deutsche Elsass, sondern daa 
Elsass der Franzosenzeit im Sinne hat!*) 

Bei genauerem Zusehen erkennt man, dass der Yf. bei der Aus- 
wahl der aufzunehmenden Personen überhaupt nicht rationellea 
Prinzipien, sondern lediglich seiner subjektiven Laune gefolgt ist 
Daher überall Unklarheit, Halbheit und Schwanken. In grosse Ver- 
legenheit setzen ihn namentlich die Namen, denen der Vermerk »Arg. 
dioc." als einzige Heimatsbezeichnung beigefügt ist. In den meisten 
Fällen wird überhaupt keine Notiz davon genommen, während er sie 
stillschweigend einschmuggelt, wenn sie ihm zu einer gelehrten An- 
merkung Anlass zu bieten scheinen.^) Unklar ist er auch darüber, 
wie es mit denjenigen Personen zu halten sei, die nicht durch Gre- 
burt, wohl aber ihrer spätem Lebensstellung nach zu den Elsässem 
gerechnet werden müssen.') Unzweifelhaft müssten vom kulturge- 
schichtlichen Standpunkte aus auch diese Namen in möglichster Voll- 
ständigkeit aufgenommen werden. Kistelhuber hätte sie aber ruhig 
beiseite lassen können, da sie dem Lokalhistoriker ein familien- 
geschichtliches Interesse nicht bieten; andrerseits hätte aber das fii- 
miliengeschichtliche Prinzip gerade verlangt, dass er auf alle Fälle 
alle geborenen Elsässer, auch wenn sie ihrer Lebensstellung nach 
der Matrikel zufolge einem andern Lande anzugehören schienen, in 



au jour par M. Toepke, des quatre plus anciens volumes de la matricole 
universitaire. Will uns der Vf. etwa glauben machen, dass er neben 
Töpke's Ausgabe auch noch die Originalmatrikel benutzt habe? Übrigens 
hätte man eine weit sorgfaltigere Benutzung der Matrikel erwartet: die 
höchstwichtigen Nachrichten, welche der 2. Band von Töpke's Ausgabe 
aus dem Album magistrorum artium, der Matricula alumnorum iuris, dem 
Catalogus promotorum in iure bietet, sind in unbegreiflicher Nachlässig- 
keit vom Vf. weggelassen worden. 

^) So rechnet er auch Angeot und Beifort noch zum Elsass! 1666, 
Apr. 9. Theobaldus Megerer de Engelsod. Vf. hat die auf ihn bezüg- 
liche Notiz aus der Matr. alumn. iuris übersehen ; auch ist ihm entgangen, 
dass M. sich auch unter den Bologneser Scholaren findet. — 1630. Glan- 
dius Moillesal Bplfordensis. Landau ist dagegen weggelassen. — ') So 
hat er z. B. aufgenommen: 1387. Nicolaus Volmari Arg. dioc, 1390. 
Johannes de Etwyler Arg. d., 1405. Ivo Vener der. Arg. d, 1408. 
Heinr. de Hohenstein der. Arg. d., 1446. Johannes Gremp, der. 
Arg d. u. 8. w. Dagegen lässt er über 100 Nameh einfach beiseite: 1401 : 
Martin Mynnekint der. Arg. d., 1416. Jac. Werder, der. Arg. d., 
1422. Heinr. de Beynheym der. Arg. d., 1438. Henr Enap Arg. d. 
u. s. w. — ^) So finden sich in seiner Liste z B Bernhardus comes 
^e Kirperg (1414), Vlricus comes de Werdenberg (1428), Theo- 
doricus Zobel (1487), Cristofferus comes de Henberg (1628), 
während er einen Jacobus Munthard (1496), Johannes Hep (1606), 
selbst einen Johannes Botzheim de Saszbach (1496), den er doch in 



Elsässiiche Studenten in Heidelberg und Bologna. 33^ 

die Liste anfgenommen hätte.^) — Nimmt man hinzu, dass der Yf. 
noch ca. hundert Namen (vgl. u.) aus Flüchtigkeit (oder Absicht?) 
übersehen hat, so begreift man, dass er es nicht unternehmen konnte, 
die von ihm zusammengestellten Namen zu numerieren und uns die 
von ihm „untersuchten"* Beziehungen des Elsasses zu Heidelberg 
zahlenmässig vor Augen zu stellen. Im ganzen hat er, wenn ich 
richtig gezählt habe, 934 Namen (302 Strassburger, 519 sonstige Un- 
terelsässer, 113 Oberelsässer) in seine Listen aufgenommen; bei 
strenger Befolgung der von ihm angenommenen Grundsätze wäre die 
Zahl der Aufzunehmenden auf mindestens 1200 Personen zu veran* 
schlagen. 

Wie steht es nun mit den vom Vf. gelieferten biographischen 
Nachweisen? Im ganzen hat er über 115 Personen mehr oder weniger 
ausführliche und brauchbare Nachri